Posts by RaHaHe

    Drei Leserbriefe von heute:


    "Alt und grau geworden"


    Die Bremer Innenstadt ist über viele Jahre so gewachsen, wie sie jetzt ist, und damit unantastbar. Das meinen jedenfalls viele Leserbriefschreiber, die am liebsten alles beim Alten belassen würden. Mit Ausnahme weniger schöner Plätze und Gebäude gibt es aber nicht viel Erhaltenswertes. Bremen ist alt und grau geworden. Die gesamte Stadt zwischen Hauptbahnhof, Brill, Weser und Kunsthalle müsste völlig umgekrempelt und einer Verjüngungskur unterzogen werden.
    Der Abriss des Parkhauses Mitte und die Umgestaltung von Karstadt/Kaufhof kann nur ein Anfang sein. Hoffentlich gibt es neben den jetzigen Investoren noch weitere Interessenten, die diesen Kraftakt begleiten und bezahlen können. Es muss eine Stadt frei von Schmuddelecken und ohne Autoverkehr entstehen. Mit Gebäuden, die wegen ihrer Architektur Touristen anziehen und in denen wieder Menschen leben wollen, die zuvor den Stadtkern in Scharen verlassen haben.
    Derzeit ist das Stadtzentrum ein museales Quartier, das um 19 Uhr schließt und danach nur noch Obdachlose beherbergt. Wenn die Schlachte nicht wäre, könnte man glauben, die Stadt sei ausgestorben. Eine Stadt ist zum Leben da, mit Hochgaragen am Rande und einem kostenlosen Shuttleservice. Und mit Hochhäusern, die den Dom überragen dürfen. Liebeskind ist willkommen.
    Alles nur Spinnerei? Nein, ohne neue Ideen stirbt unsere Stadt. Frankfurt am Main lässt grüßen.
    Dieter de Beek, Bremen


    "Nicht unbedingt falsch"


    Wenn Bürgermeister Carsten Sieling konstatiert, Architektur sei Geschmackssache, so ist das nicht unbedingt falsch. Immerhin sind dazu zwei Begriffsbestimmungen bekannt, wie der gute und der schlechte Geschmack. Andere Geschmäcker gibt es schlichtweg nicht.
    Diese sind auch relativ einfach zu definieren. Wer bestimmte Obstsorten nicht mag, dokumentiert damit weder einen guten noch  einen schlechten Geschmack. Wer dagegen madige und faulige Produkte nicht von guten und einwandfreien Angeboten zu unterscheiden vermag, ist damit offensichtlich geschmack(s)los.
    Jürgen Stolle, Lemwerder


    "Ein hässlicher Quader"


    Nun ist also der nächste Betonklotz eröffnet, Schießscharten-Optik, wie derzeit gerade hip, Quader-Architektur, nur mit Flachdach und passt in die Umgebung wie Äpfel zu sauren Gurken. Und wer jubelt wie immer? Der Bürgermeister, alles toll, alles Supi, in zwei Wochen ist ja Wahl. Mitte April dasselbe Schauspiel bei Kühne + Nagel.
    Ein hässlicher Quader, der so weit nach vorn gesetzt wurde, das vom Dom man gerade noch die Wetterfahne zu sehen ist, wenn man aus der Neustadt kommt. Wofür haben wir eigentlich eine Senatsbaudirektorin? Viele unserer 70er-Jahre-Sünden sind gerade entweder verschwunden oder hinter neuen Fassaden versteckt worden, da lässt Frau Reuther keine Möglichkeit aus, unsere Stadt auf Jahre hinaus mit Brocken aus Beton ihrer Silhouette und Sichtlinien zu berauben.
    Das Königsstück aber kommt noch am Brill. Denn dort darf sich Herr Libeskind austoben und seine Visionen in den Boden rammen. Da  könnte man die altehrwürdige Sparkasse auch gleich ganz abreißen, denn sehen wird man von ihr durch diese erdrückenden Türme  nichts mehr. Aber sowohl der scheidende ­Bausenator samt seiner Direktorin als auch der Bürgermeister werden wieder jubeln, es sei denn, ihnen wird am 26. Mai die ­Rechnung präsentiert.
    Bernd Schebesta, Bremen

    Die Präses der Handelskammer ist natürlich für die unterschiedlich großen Abfallbehälter. Bio, Plastik, Papier, Restmüll.


    Ich befürchte, dass uns der architektonische Unrat des Daniel Libeskind widerfahren wird. Das Thema wird von Weser-Kurier und den Einflussreichen in der Stadt durchgeboxt werden.

    Und die Innenstadt wird von den Baulöwen weiter unter Feuer genommen:


    Jetzt soll der Domshof mit Marktbuden bebaut werden.


    "Es muss doch möglich sein, jeden Quadratmeter öffentlichen Raumes zu belegen!", scheinen sich manche Makler, Investoren oder andere zu denken!


    NEIN!


    Bremen darf nicht weiter so unverantwortlich um das historische Erbe gebracht werden. Der Domshof ist ein immaterielles Erbe: Eben WEIL dort nichts ist!


    https://de.wikipedia.org/wiki/Domshof

    Langsam geht es los: Kurt Zech bekommt Grünes Licht zur Zündung der ersten Stufe: Den Kauf und Abbruch des Parkhauses Mitte. Ich lasse seine verkehrliche Bedeutung mal außer Acht und komme so zu dem Schluss, dass ein architektonisches Ungetüm aus der Innenstadt verschwindet! Soweit so gut.


    Offen ist bislang die Gestalt dessen, was uns bevorsteht. Wird es ein Center? Wird es eine Passagenfolge? Wird es Stadt - erhält also freie Straßen und Plätze? Ich tippe auf die Passagenfolge, was ich schade fände, aber immerhin besser als ein Center.
    Werden die Gebäude kleinteilig parzelliert mit ansehnlichen Fassaden oder kommen monotone Blöcke zum Tragen, wie sie heute als Lösung gerne gewählt werden? Wahrscheinlich Letzteres, denn so lässt sich innen eine größtmögliche Variabilität erzeugen.


    Fakt ist: Zech hat Ahnung. Er hat auch Niveau. Hat er denn auch Fingerspitzengefühl und Heimatverbundenheit - nein Heimatliebe?
    Anders gesagt: Je verträglicher Zechs Entwurf für den Bereich "Altstadt" ist, desto schwerer wird eine Umsetzung der Libeskind-Wälder. Möglich leider auch: Libeskind inspiriert Zech zu "Höhrerem".


    Auch Fakt: Herr Hinrichs vom Weser-Kurier schwärmt schon wieder vom "Glücksfall". Um sich nicht ganz der Lächerlich preis zu geben, wirft er flott den Begriff "Risiko" mit in seinen Kommentar. Aber wir kennen ihn inzwischen: Hinrichs will bauen, bauen, bauen. Und zwar größer, höher, spektakulärer.

    Und wie gesagt: DAS wird dann erst der Anfang sein!
    Da kommen dann ganz andere Lagen dazu...


    Horten/Kaufhof z.B. oder
    Vielleicht noch eine Baulücke an der Faulenstraße?!


    Wenn die Fernwirkung der Kirchtürme erst einmal hin ist, dann ist auch das Argument diese zu schützen zu wollen, zu müssen hinfällig. Jede Scheu und Scham ist dann weg!

    Ich finde, dass man unbedingt über die Planungen Mozarttrasse etc wieder reden muss. Wenn wir Bremen kaputt machen, dann richtig!


    All die überwunden geglaubten Planungen der gigantomanisch denkenden Architekten der 60er/70er, kehren, neu gewandet, zurück. Nur ist Bauen heute noch kapitalistischer geworden. Dem Diktat der Flächenmaximierung kann sich keiner mehr entziehen.

    Ich sehe es so:


    Natürlich ist der alte Turm (und ist das alte Dach) zerstört. Aber das geistige, planerische Werk des Architekten ist es nicht! Es ist noch da! Reproduzierbar! Andere Handwerker können ihre Kunst zeigen und den Vierungsturm nach den technisch modifizierten Plänen Viollet-le-Ducs neu errichten, heutige Ingenieure zuvor die baulichen Anforderungen an die Unterkonstruktionen entsprechend modifizieren.
    Das Werk des Architekten schmälert es nicht. Er hat den Turm ohnehin nicht eigenhändig errichtet. Das ist der Unterschied zu einem Gemälde - man kann das Architektenwerk wieder errichten, OHNE eben den künstlerischen Wert und seine Bedeutung zu schmälern. Warum auch, der bauliche Kontext besteht ja nach wie vor! Daher schmälert und verachtet man das Werk Viollet-le-Ducs erst, wenn man es nun durch einen langweiligen oder überspektakulären Nachfolger ersetzt.


    Viollet-le-Duc hatte die Kirche erfasst und verstanden und sie im Geiste und in der Sprache des Bestandes ergänzt. Die zeitgenössische Ergänzung wird nicht dem Ganzen, sondern nur sich selbst gerecht werden wollen - und dem Ego des Planers! Das gilt es in Bausch und Bogen abzulehnen!

    Nach dem Verständnis der Denkmalpflege wäre der Schutz von Rathaus, Dom und anderen Denkmälern hinfällig. Was da alles schon verändert wurde....


    Denkmalschutz ist immer innen und/oder aussen - nicht nur beides zusammen! Ferner auch immer Bedeutung, Emotion und Zusammenhang für die Menschen vor Ort!

    Bremens letzte 'Gottesbude'


    (An der Liebfrauenkirche)



    Sie muss unbedingt durch eine zeitgemäße Aufstockung aufgewertet werden.
    Dabei entsteht eine spannende Wechselbeziehung zwischen alt und neu, profan und geistlich.
    Eine behutsame Ergänzung dreier vollverglaster Geschosse liesse die Aufbauten förmlich verschwinden.


    :P