Posts by Tübinger

    Das Landgericht Koblenz hat seine Entscheidung vom 25.6.2019 in Kurzfassung hier veröffentlicht:


    https://lgko.justiz.rlp.de/fil…ls_-_Klage_abgewiesen.pdf


    Laut Gericht war die Burg kein Privateigentum der Hohenzollern, sondern gehörte "zum preußischen Kronfideikommiss, also einem gebundenen Sondervermögen der preußischen Familie zum dauerhaften Erhalt der wirtschaftlichen Kraft und des sozialen Ansehens der Familie. Dieses Sondervermögen wurde im November 1918 beschlagnahmt und der Verwaltung des preußischen Finanzministeriums unterstellt. Als beauftragte Behörde richtete das preußische Finanzministerium die preußische Krongutsverwaltung ein. Im Jahr 1924 übertrug diese Burg Rheinfels auf die Stadt St. Goar." Gegen die Stadt St. Goar könne daher heutzutage allenfalls der Rechtsnachfolger der Krongutsverwaltung klagen und dieser sei das Land Rheinland-Pfalz.


    Als Definition von Kronfideikommiss findet man in Meyers Lexikon von 1885: "In monarchischen Staaten der unveräußerliche Vermögenskomplex, welcher zum Unterhalt des fürstlichen Hauses bestimmt ist [...]. Das Kronfideikommißgut bildet einen Teil der Krondotation."


    Zur Krondotation steht ebenda: "Die Gesamtheit der Einkünfte, welche der Monarch und sein Haus aus Staatsmitteln beziehen. Den Gegensatz bildet das Privatvermögen des Fürsten. Die K. besteht entweder in einer jährlichen Rente, welche aus der Staatskasse gezahlt wird, oder es fließen die Einkünfte aus den Domänen ganz oder teilweise in die Hofkasse, oder es sind, wie in Preußen, gewisse Vermögenskomplexe als Kronfideikommiß erklärt, welche unveräußerlich sind, und deren Abwurf zur K. gehört."

    Laut Focus ist "eine unschätzbar wertvolle Perlenkette" noch da. Das dürfte diese hier sein:



    Bild 6: Diese Perlenkette (in der Vitrine oben links) scheint mir nach dem reinen Materialwert bei fehlender Provenienzangabe nicht besonders wertvoll. Es handelt sich um 177 sächsische Flussperlen, die vor 1734 gesammelt wurden (also zu Lebzeiten Augusts des Starken) und 1805 zu dieser Damenkette aufgereiht wurden.

    Die Plakette an einer Außenwand zeigt das Profilbild Peters I. Die russische Umschrift lautet: "Der Imperator Peter der Große war hier. 1697. 1711. 1712. 1713. 1716. 1717." Wann das Relief entworfen wurde, kann ich nicht sagen.

    Vielleicht hat man eine alte Plakette reproduziert, jedenfalls wurde die jetzige Plakette erst 2003 angebracht (falls ich nicht über die Sprachbarriere gestolpert bin):


    https://renatar.livejournal.com/590528.html (Unter Nr. 17/18)

    Der Burgpalast Budapest


    Der wiederaufgebaute Reithalle

    Zum Kontext: "Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Burg während der Schlacht um Budapest im Januar und Februar 1945 zu einem Hauptbrennpunkt der Kämpfe. Hauptgrund dafür war, dass in den alten Höhlensystemen unter der Burg tief im Burgberg das deutsche Hauptquartier eingerichtet war. Bei den heftigen Kämpfen wurde die Burg fast vollständig zerstört [...] Bauelemente, die den Krieg überstanden hatten, wurden in einer radikalen Modernisierung vernichtet. [...]


    Es bestehen Pläne der Regierung, die Schäden des Zweiten Weltkrieges sowie die folgenden Beschädigungen der Kommunisten zu beseitigen und das Schloss wieder außen sowie innen zu restaurieren.Außen geht es vor allem um die Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes der Kuppel sowie der Dachformen." [Quelle]



    Die später abgerissene Ruine der Reithalle sieht man hier in der linken Bildmitte:


    FOTO:FORTEPAN / Archiv für Zeitgeschichte ETH Zürich / Agnes Hirschivia https://commons.wikimedia.org/…pan_105806.jpg?uselang=de

    Apropos RAF: Die Kriegsschäden waren in Genua nicht unbedeutend. Schon im Februar 1941 ist die Stadt von der Royal Navy beschossen worden. 141 Zivilisten starben und eine 38cm Granate, abgefeuert vom Schlachtschiff HMS Malaya, traf den Dom, jedoch ohne zu explodieren. Infos und einige Bilder zur "Operation Grog" hier: https://it.wikipedia.org/wiki/…o_navale_di_Genova_(1941)


    Die Granate kann man im Dom noch heute besichtigen:



    Genova - Proiettile inesploso nella cattedrale di S.Lorenzo |Source=my own work |Date=8/12/2006 |Author=William Domenichini |Permission=Own work, copyleft: Multi-license with GFDL and Creative Commons CC-BY-SA-2.5


    Schlimmer waren die folgenden 86 Luftangriffe. Ein Drittel der Gebäude Genuas wurden zerstört oder beschädigt. (Quelle)


    Laut dem interessanten Wikipedia-Eintrag zum historischen Stadtzentrum Genuas stammen dort heute 23,5% der Gebäude aus der Nachkriegszeit (wofür nicht nur der Krieg, sondern auch die Stadtmodernisierung danach verantwortlich sind).


    Eine Karte mit den Bauten des 20. Jahrhunderts findet man hier: http://civis.comune.genova.it/…tivo/quadripdf/xx_sec.pdf


    Die Größe des historischen Stadtzentrums wird mit 1,13 km² angegeben, die Zahl der Gebäude beträgt 2305 (mit einem Gesamtvolumen von 10 Millionen Kubikmetern! - das erste Mal, dass ich das Volumen einer Altstadt beziffert gesehen habe...).


    Schmunzeln musste ich bei diesem Absatz: "In considerazione dell'estensione del nucleo originale di 1,13 km² [...] viene talvolta ritenuto il centro storico antico maggiormente esteso d'Europa. In realtà questa può essere considerata una leggenda metropolitana, in quanto risulta meno esteso, ad esempio di Roma (1.430 ettari) e Napoli (quest'ultimo, con i suoi 1.700 ettari, il maggiore)."

    Natürlich, was die Fläche angeht, ist die Sache klar.

    Der gehaltvolle Wikipedia-Eintrag zur Stadtbefestigung Genuas lässt die Ausdehnung der Stadt im Laufe der Zeit erkennen:


    https://en.wikipedia.org/wiki/Walls_of_Genoa


    Hier der Kern der Stadt am Ende des 10. Jahrhunderts:



    Description=murallas de Génova |Source=[http://it.wikipedia.org/wiki/Immagine:Muragenova3.jpg] |Date=26 dic 2006 |Author=f.noceti |Permission= Creative Commons Attribuzione 2.5 (CC-BY-2.5).


    Die erweiterte Stadt mit der um 1160 erbauten "Barbarossa-Mauer", die 55 Hektar, also etwas mehr als einen halben Quadratkilometer, umschloss. Das Gebiet entspricht annähernd der heute erhaltenen Altstadt :



    Muros de Génova (Italia) |Source=[http://it.wikipedia.org/wiki/Immagine:Mura4.jpg]|Date=26 dic 2007 |Author= User:f.noceti



    Zwischen 1320 und 1350 wurde die Stadtbefestigung drastisch vergrößert, mit einer ummauerten Fläche von 155 Hektar, das sind gut anderthalb Quadratkilometer. Das war die letzte mittelalterliche Stadterweiterung.



    Murallas de Génova |Source[http://it.wikipedia.org/wiki/Immagine:Muragenova5.jpg] |Date=11 enero 2007 |Author= User:f.noceti


    Man erkennt auf obigem Photo, dass der östliche Bereich innerhalb der Mauern heute keine mittelalterliche Stadtstruktur mehr aufweist. Und in der Tat: Das Viertel Portoria (zwischen der Piazza De Ferrari und der Porta Monumentale) ist im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts fast vollständig zerstört und neu bebaut worden.


    "Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Portoria noch ein beliebter Stadtteil am Rande der Altstadt, aber seit Mitte des Jahrhunderts, mit der Umsetzung des vom Architekten Carlo Barabino 1825 ausgearbeiteten Plans, die Stadt über die Grenzen der mittelalterlichen Stadt hinaus nach Osten auszudehnen, begann eine echte städtische Revolution. In wenig mehr als einem Jahrhundert wurde die Struktur des Gebietes völlig verändern und die Altstadt der Arbeiter und Handwerker in ein Geschäfts- und Handelszentrum verwandelt. [...] Mit der systematischen Anwendung von innerhalb weniger Jahrzehnten aufeinander folgender Stadtplanungen blieben von einer jahrhundertelang beliebten Peripherie nur wenige historische Gebäude übrig." (Quelle)


    Großflächige Abrisse gab es auch im Norden der Altstadt. Insgesamt hat Genua in den letzten zwei Jahrhunderten ungefähr ein Drittel seiner Altstadt verloren. Zum Vergleich ein Plan von 1766 mit der noch intakten Stadt:


    Die Bebauung in Genua scheint wirklich ungewöhnlich dicht zu sein. Trotzdem bleibe ich skeptisch. Kennt jemand einigermaßen zuverlässig ermittelte Zahlenangaben, wie viele mittelalterliche Bauten in Genua oder z.B. in Venedig erhalten sind? Was die Einwohnerzahlen im Mittelalter betrifft: Laut der englischen Wikipedia (bekanntermaßen mit Vorsicht zu genießen) besaß Venedig um 1300 110.000 bis 180.000 Einwohner : https://en.wikipedia.org/wiki/Venice#Demographics. Die deutsche Wikipedia schätzt vorsichtiger 85.000 bis 100.000 Einwohner um 1300 und 140.000 vor der großen Pest von 1348: https://de.wikipedia.org/wiki/Venedig#Bev%C3%B6lkerung Wie auch immer - der Fläche nach ist Venedig überwältigend größer als Genua.

    (nach allem, was ich weiß, die größte mittelalterliche Altstadt der Welt)

    Da habe ich starke Zweifel. Bologna und vor allem Venedig sind sehr viel größer. Ich finde sogar, dass die Altstadt von Genua überraschend klein ist, für eine doch so bedeutende Stadt.

    Gute Neuigkeit aus Tübingen: Für den vorderen Österberg ist eine Erhaltungssatzung erlassen worden.


    https://www.tagblatt.de/Nachri…-Prachtbauten-424336.html (mit kleiner Bilderstrecke)


    https://www.tuebingen.de/gemei…kvonr=13176&voselect=5599


    Der Österberg ist der Hügel, der sich östlich neben der Altstadt erhebt. Er zeichnet sich durch eine größere Anzahl von Verbindungshäusern und Villen aus. Bisher standen auf dem vorderen Österberg nur 6 Bauten, vor allem Verbindungshäuser, unter Denkmalschutz. Nun werden auch die anderen Gebäude, sofern sie stadtbildprägend sind, mitsamt ihren Gärten geschützt. Bei den astronomischen Tübinger Immobilienpreisen sind die großen Grundstücke als Bauland sehr begehrt. Daher ist es wichtig, dass nun auch die Gärten geschützt sind. Anlass für die Satzung war der zähe Streit um das ehemalige Verbindungshaus Luginsland. Das Haus stand lange zum Verkauf, ein Investor wollte es abreissen, dann wurde es von Studenten besetzt, die ein selbstverwaltetes Wohnprojekt etablieren wollten; schließlich kaufte das Haus eine reiche Familie, die es saniert hat.

    bitte aus dem sichtbaren Bereich des Forums nehmen oder ganz löschen, solche Praktiken brauchen wir hier mE nicht zu dulden...

    So sehe ich das auch. Übrigens ist "Lisa Conrad" in einem gewissen anderen Architekturforum ebenfalls aufgetreten und auch dort wurde deutlich, dass sie mit m&r verbandelt ist.

    Den Hohenzollern darf man nicht trauen. Wenn sie die Kunstwerke für ein Museum verwenden wollten, würden sie nicht erstklassige und für die Familiengeschichte bedeutsame Objekte im Ausland versteigern lassen. Hier ein guter, schon älterer Artikel über ihre Kunstverkäufe:


    https://www.faz.net/aktuell/fe…rore-machen-15116455.html


    Verkauft wurde z.B. aus den Beständen der Burg Hohenzollern:


    https://www.sothebys.com/en/au…asures-l17303/lot.16.html


    https://www.sothebys.com/en/au…asures-l17303/lot.15.html


    https://www.sothebys.com/en/au…asures-l17303/lot.17.html


    https://www.sothebys.com/en/au…asures-l17303/lot.18.html



    Das Watteau-Gemälde ‚Einschiffung nach Kythera’ kann meines Erachtens gar nicht unter die Kunstwerke fallen, um die es- neben dem Wohnrecht in Ceciliehof – jetzt geht, denn dieses Gemälde wurde meines Wissens in den 1980er Jahren von S.K.H. Prinz Louis Ferdinand an den West-Berliner Senat verkauft (die Kaufsumme wurde damals zu einem großen Teil durch Spenden der Bevölkerung aufgebracht [...]. Der Verkauf des Gemäldes, welches bis dato als Dauerleihgabe der Familie im Schloß Charlottenburg hing, war notwendig geworden, weil die Familie nach einem Erdbeben in der Schwäbischen Alb horrende Sanierungskosten für die Burg Hohenzollern zu stemmen hatte.

    Dazu in dem oben verlinkten Artikel: "Die Londoner Verkäufe werfen ein Licht auf die nebulösen Verhältnisse im Zusammenhang mit den Hohenzollern-Beständen. Darauf machte bereits vor fünf Jahren eine rechtliche Auseinandersetzung aufmerksam, bei der es um Antoine Watteaus Gemälde „Einschiffung nach Kythera“ ging, die das Haus Hohenzollern 1983 für fünfzehn Millionen Mark an die öffentliche Hand veräußert hat. Die sich auf einen Aktenfund des Kunsthistorikers Guido Hinterkeuser stützende Frage, ob das Bild in den zwanziger Jahren schon einmal vom Staat bezahlt worden sei, so dass es sich 1983 womöglich um einen unbeabsichtigten Doppelverkauf gehandelt habe, ist bis heute nicht eindeutig geklärt."

    Das Haus Hohenzollern ist vor Gericht gescheitert; die Burg Rheinfels bleibt Eigentum der Stadt St. Goar. Das Landgericht Koblenz hat festgestellt, dass die Burg, bevor sie in den 1920er Jahren der Stadt übereignet worden ist, nicht mehr den Hohenzollern, sondern letztlich dem preußischen Staat gehörte. Wenn die Burg also irgendwem zurückgegeben werden müsste, dann nicht den Hohenzollern, sondern dem Rechtsnachfolger Preußens, in diesem Falle dem Land Rheinland-Pfalz.


    https://www.faz.net/aktuell/ge…g-rheinfels-16253276.html

    Wann sind die Möbel aus dem Reichstag entfernt worden? Erst nach 1945 oder schon früher, z.B. nach dem Reichstagsbrand 1933? Die Angaben des amerikanischen Händlers wirken, freundlich formuliert, nicht eben seriös:

    The pictures revealed that there were four of these chairs and two benches that were basically of the same design. All except this one were reduced to ashes when the vicious Bolshevik hordes of Mongols and Tartars of the red army swarmed like rats all over Berlin in an "ape dance" of bestial rampage killing, raping, and murdering.
    Nothing of the old majestic Reichstag survived except for this single chair and that was because it had been sent to a repair shop long before the end of the war.

    Eine von diesen Bänken hat anscheinend überlebt, und zwar in einem Filmfundus in Berlin (falls es keine sehr gute Reproduktion ist, was ich eher nicht glaube):


    https://www.zeit.de/kultur/film/2011-02/filmfundus-inline


    Weitere Infos hier: https://www.fundusonline.de/suche.html (nach "Reichstagsbank" suchen). 600 Euro für drei Tage...
    https://www.fundusonline.de/fi…ilder/detail/04100041.jpg


    Und sucht man dort nach "Reichstag", findet man auch diesen Adler:
    https://www.fundusonline.de/fi…ilder/detail/54100130.jpg - Das könnte einer der Adler sein, die einst die Sessel bekrönt haben: