Posts by Oberbaumbrücke

    .... Dass es unter Denkmalschutz gestellt wurde, finde ich in Ordnung, zumal es an diesem Ort kaum stört oder Besserem im Wege steht.

    ????

    Am alten Dorfkern von Lichterfelde mit der Pauluskirche und der mittelalterlichen Dorfkirche stört es nicht? Sicherlich, es gibt auch noch andere Bausünden gleich nebenan, aber besser geht gerade in diesem Fall immer.

    Müssen wir eigentlich jeden Dreck unter Denkmalschutz stellen, weil er eine bestimmte Architekturepoche repräsentiert, noch dazu mit so einem hässlichen Klotz? Ich fand es schon schrecklich, als ich vor fast 50 Jahren wöchentlich zum Konfirmationsunterricht gegenüber ins Gemeindehaus musste und über zwei Jahre lang gesehen habe, wie es errichtet wurde...

    Vielleicht wirkt auf uns der Dom im Augenblick trotz Restaurierung so "schäbig", weil nebenan das Schloss mit seiner doch sehr freundlichen Farbgebung dagegen hält. Sieht man Farbfotos aus den 30er und 40er Jahren wirkte dieses doch eben auch eher wie ein großer grau-schmutziger Kasten. Da war der Unterschied nicht so eklatant. :lehrer:

    ... bevor das Brandenburger Tor restauriert wurde...standen vor dem Tor sogar vier "Abstimmungsurnen" mit entsprechenden Bildern, wodurch Passanten sich für eine Farbvariante (alle im seriösen Bereich) entscheiden konnten.

    Und ich erinnere mich, wie strahlend schön das Brandenburger Tor nach seiner Restaurierung auf mich wirkte, sodass ich feuchte Augen vor Freude bekam, als ich es dann unmittelbar vor mir sah.

    Weshalb kann man den Molkenmarkt "wohl dabei getrost vergessen"? Weil Du selbst kaum eine Chance siehst, angesichts der derzeitigen Machtverhältnisse "wirklich historische Strukturen" durchzusetzen.

    Aber weshalb glaubst, Du, dass das nun beim Marienviertel oder Heiliggeist-Viertel ganz anders laufen würde?

    Die Planung für den Molkenmarkt ist doch längst beendet, oder wie sagt man immer : Der Drops ist gelutscht. Dort wurde in bekannter Manier die Öffentlichkeit vor beinahe vollendete Tatsachen gestellt.

    Und wie die bisherige "Bürgerbeteiligung" beim Marien/Heiliggeistviertel bisher aussah, wissen wir doch auch zur Genüge. Nur, dass dort eine Bebauung und Veränderung verweigert wird aus teilweise lächerlichen Gründen. Da ist ein viel größeres Potential für einen Umschwung als es je beim Molkenmarkt gegeben hat.

    Aber das ist eine Lebensaufgabe für Persönlichkeiten eines Hans Wall oder Wilhelm von Boddien.

    Viel Spaß bei der Untertunnelung der gerade eröffneten Verlängerung des U5 und des Bahnhofs Rotes Rathaus.

    Eure Vorschläge werden immer "lustiger". Gegen eine Einengung der Spandauer Straße ist ja nichts einzuwenden, aber genauso sollte immer und immer wieder die Wiedergewinnung der Urbanität rund um das Rote Rathaus angemahnt werden. Dass es kein Ding der Unmöglichkeit ist, zeigt das Beispiel Frankfurt am Main und wie wir schon des Öfteren festgestellt haben, böte sich der südliche Teil des Heiliggeist-Viertels trefflich an, gab es doch dort eine Anzahl attraktiver Fassaden, deren Rückkehr die historische Mitte enorm aufwerten würde. (Beitrag #904 von Mantikor)

    Dass hinter den Fassaden trotzdem eine zeitgemäße Nutzung stattfinden kann, beweisen die Alte Kommandantur genauso wie das Schloss mit dem dahinter befindlichen Humboldt-Forum.
    Friedrich II., der seine Residenz aufhübschen wollte, befahl damals wohlhabenden Bürgern, schmucke Häuser zu errichten (Der Kerl hat Geld, der Kerl soll bauen). Wobei es ihm weniger um den Inhalt als um die äußere Erscheinung ankam. So verbarg sich hinter so mancher glänzender Fassade ein schlichtes Haus. Außen hui, innen pfui. Diese Bauweise der repräsentativen Fassade nannte man auch "Vorhemdchen".
    Natürlich müsste man dies politisch wollen (augenblicklich so gut wie unmöglich in Berlin) wie auch die allmächtige Dikatatur moderner Klötzchen-Architekten soweit einschränken, dass es umsetzbar wäre.


    Ich persönlich werde es wohl nicht mehr erleben, dass mir das Areal rund um das Rote Rathaus auch nur einen Hauch von Aufenthaltsqualität vermittelt wie beispielsweise der Marienplatz in München, der Rathausmarkt in Hamburg oder der Römer in Frankfurt/Main. Das nenne ich zumindest Urbanität und nicht diese inzwischen zum Sammelsurium verkommene, fast uferlose Fläche, auf der einst die Wiege Berlins stand. das Nikolaiviertel war ein , nicht in allen Punkten gelungener Anfang, nun muss nach dreißig Jahren, die seit der Wiedervereinigung vergangen sind, auch langsam mal weiter Dampf gemacht werden muss. Den Molkenmarkt kann man wohl dabei getrost vergessen bei der Rückgewinnung wirklich historischer Strukturen.

    Deswegen aber, wie hier auch von Befürwortern einer Bebauung zu lesen ist, alles auf "später" zu verschieben, ist verkehrt.

    Und viel zu oft werden von der Politik nicht ungeschickt die Kräfte immer wieder umgelenkt. Was nutzt uns ein rekonstruierter Anhalter Bahnhof mit einem wie auch immer gearteten Emigrantenmuseum, wenn über die Freifläche zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Schloss der Wind der Monotonie und Drittklassigkeit pfeift?

    Warum wird das Projekt Bauakademie immer wieder aufgeschoben? Auch dort politische Fallstricke und Befindlichkeiten der Architekten, die ihr Revier markieren wollen, ohne auf das Umfeld und die Historie zu schauen bzw. zu achten und wertschätzen.

    Besonders auf dem ersten Bild vom Schlossplatz ist ganz augenscheinlich, was für ein Gewinn der Brunnen und die Rabatten sind. Darauf zu pochen, dass diese im 18. Jahrhundert ja auch nicht vorhanden waren, und dass man die heutige Steinwüste gefälligst zu akzeptieren habe, ist schon sehr "kühn".
    Die Vertreter dieser Forderung vergessen dabei, dass damals die kleinteiligen Häuser und Gebäude gegenüber den Platz einrahmten und auch die Häuser der Burgstraße, die heute fehlen und somit ein Blickfang fehlt. Dazu noch die modern gehaltene, von jeglichem Schmuck "amputierte" Kurfürstenbrücke und als optisches Gegenüber der mächtige Kasten des Marstalls und rechter Hand das völlig unpassende "Staatsratsgebäude".

    Da braucht es schon als Minimum eine gestalterische Aufwertung durch den Neptunbrunnen . Und da die Fahrbahn an der Schloßseite ohnehin nicht wiederkehrt, gibt es auch noch genügend Platz für die Besucher zum Flanieren (sofern sie nicht über die an den Fahrradbügeln mehr oder weniger ordentlich angeketteten Vehikeln stolpern)

    Auch wenn es im Prinzip natürlich Cölln war... da habt ihr die echte Altstadt von Berlin, die man nach dem Krieg hätte restaurieren können (was ja auch mal angedacht war, soweit ich weiss), und die man jetzt wieder aufbauen könnte.

    Meine Rede seit langer Zeit, zumal sich in der Heiliggeiststraße das Haus mit dem Neidkopf befand, das ein fester Bestandteil des Berliner Sagenschatzes ist:

    Die Sage schrieb dem damaligen Herrscher, König Friedrich Wilhelm I. eine gute Tat zu. Als er nämlich bei seinen Spaziergängen einen Goldschmied mehrfach in seiner offenen Werkstatt beim schleppenden Fortgang seiner Arbeit sah, befragte er den Handwerker nach dem Grund. Er müsse das Edelmetall vorab kaufen und das fertige Stück danach erst wieder zu Geld machen, was eben ohne feste Aufträge schwierig sei, antwortete dieser. Der König beauftragte den Goldschmied nun sofort mit der Anfertigung eines goldenen Services für den königlichen Hof und überzeugte sich daraufhin vom Geschick und dem Fleiß des Mannes. Angeblich beobachteten zwei Frauen aus dem gegenüber stehenden Haus (Heiliggeiststraße 12), die Tochter und die Ehefrau eines Berufskollegen, die positive Entwicklung des Gewerkes und zogen neidvolle Grimassen. Nachdem der Goldschmied infolge einer finanziellen Hilfe des Hofes sogar ein neues Wohnhaus bauen konnte, ließ er von einem Steinmetz den (...) Neidkopf schlagen und ihn gewissermaßen als Spiegel der neidischen Frauen über dem Eingang anbringen.

    Es wird, wenn ich das richtig verstehe, keine Nutzung geben? Es ist dann ein Geisterbahnhof?


    Man könnte ja eigentlich, wenn man das Gleisbett durch Glasscheiben abtrennt, einen interessanten Club daraus machen. Oder eine Ausstellungshalle.

    Das wurde alles lang und breit (wenn ich nicht irre, in der auch hier publizierten Doku des RBB zur Eröffnung der U5-Lücke) erläutert. Der Bahnsteig ist viel zu schmal, um ihn in irgendeiner Weise nutzen zu können, die den heutigen Sicherheitsbestimmungen entsprechen könnte. Ich glaube sogar, dass davon gesprochen wurde, den Bahnsteig von den Gleisen durch noch zu ziehende Wände auch optisch abzutrennen.

    Ja, in Berlin hätte man noch sehr vieles retten können. Es könnte in Bereichen heute noch so gut erhalten und prächtig sein, wie Wien es z.B. noch ist. Aber man hasste gerade in Berlin nach dem Krieg alles alte und traditionelle und machte mit der Zerstörung fleißig weiter, wo die Alliierten aufgehört hatten...

    Auch wenn man in der Nachkriegszeit im "Westen" auch nicht gerade zimperlich war, was den schnellen Abriss noch erhaltungswürdiger Gebäude angeht, so darf man nicht vergessen, dass die rote Bande im Ostteil Berlins freie Hand hatte, abzutragen, was nicht in die Ideologie passte. Die vormals privaten Besitzer wurden enteignet, verjagt oder sogar eingesperrt. Und wozu brauchte man Bauwerke ehemals kapitalistischen Ursprungs (Banken, die Börse oder andere große Geschäftshäuser? Was nicht halbwegs unversehrt war oder dem sozialistischen Unwesen dienbar gemacht werden konnte, wurde vernichtet. Bald kam der Wille Ulbrichts zur Schaffung der sozialistischen Stadt dazu, der uns die Scheußlichkeiten rund um den Alexanderplatz und das Rote Rathaus beschert hat.

    Aber anstatt Schadensbegrenzung zu betreiben, hat man mit wenigen Ausnahmen (Adlon, Schloss, Kommandantur) eine seelenlose Stadtlandschaft auf Generationen festgeschrieben. Allein was im Straßenzug Leipziger Straße, Spittelmarkt, Gertraudenstraße, Mühlendamm neu entstanden ist, ist ein Schlag "mitten in die Fresse" aller, die sich für dieses geschundene Areal wenigstens in gewissem Maße die Rückkehr der "Berliner Seele" gewünscht hätten. Was wir bekommen haben ist nichtssagende, weltweit austauschbare identitätsfremde Klötzchenarchitektur, eine Autobahn flankierend.

    Die komische Oper ist ja gar nicht mal ein reiner Neubau! Hinter der 60er Jahre Fassade und dem Foyer im gleichen Baustil befindet sich der komplett original erhaltene neobarocke Spielsaal samt Haupttreppenhaus aus dem Jahr 1892.

    Natürlich nicht. Es handelt sich dabei um das Metropol-Theater, das jahrzehntelang im Admiralspalast beheimatet war und den Freunden der Operette und des klassischen Musicals lieb und wichtig war. Zwei Musiktheatergattungen, die im heutigen Berlin keine Chance mehr haben. :crying::crying::crying: