Posts by HelgeK

    Mein Vertrauen in die Fähigkeit und den Willen von Politik, Stadtplanung und Architektenschaft hier eine schöne Lösung zu finden, geht - ohne die Lübecker Verältnisse zu kennen- gegen Null.

    Insofern wäre es wahrscheinlich wirklich besser, wenn die Gebäude bestehen blieben. Sind sind zwar äußerst schlicht und wurden offensichtlich ohne besonderen Gestaltungsanspruch errichtet. Aber eine zeittypische 0815-Klotzbebauung mit Flachdach und bodentiefen Fenstern wäre nochmals eine Verschlechterung.

    Mit dem Verschwinden der Bauten als Zeugen der Militärgeschichte des Priwalls hätte ich hingegen kein Problem. Es sei denn, dort wäre tatsächlich in besonderen Maße Geschichte geschrieben worden (- z.B. durch Hinrichtung von Widerstandskämpfern) - was mir aber nicht bekannt ist.

    Ich finde jetzt ehrlich gesagt nicht, dass ein Abriss in diesem Fall einen Verlust darstellen würde. Es handelt sich hier IMHO um 2 Zweckbauten einfachster Art ohne architektonischen Wert, die zudem von ihren Dimensionen her überhaupt nicht in die kleinteilige Struktur des Priwalls passen.

    Die entscheidende Frage wäre, was stattdessen käme.

    Schon ein Witz. Einigermaßen ansehnliche DDR Bauten werden abgerissen, während so Klötze wie das Rechenzentrum vehement verteidigt werden.

    Ja, und das ohne nennenswerten Widerstand aus dem linken Lager.

    Was mich noch einmal in meinem vor 2 Tagen im Schloß-Strang geäußerten Statement bestärkt: Die politische Karte ist nur ein Vorwand, sie wird gezogen, wenn es eben mal passt oder auch nur halbwegs passen könnte. Die wirkliche Motivation ist das Zielbild der Stadt der Charta von Athen - ein paar funktional sortierte, gesichtslose Klötze mit viel ödem Abstandsgrün ringsherum. Weshalb man so etwas will - keine Ahnung.

    Wer will selbst in einem solchen Umfeld leben?

    Es geht also nicht um Rekonstruktionen sondern um die Frage Republik oder Monarchie.

    Nein!

    Es geht um einen Absolutheitsanspruch bei der Durchsetzung der Moderne, deren Hinterfragung mit Hilfe der "Nazikeule" verhindert werden soll.

    Gerade bei Euch in Potsdam kann man doch sehr schön sehen, dass die Errichtung eines Bauwerks unter politisch fragwürdiger Regie auf einmal irrelevant wird, wenn es stilistisch ins Weltbild passt.


    Andererseits ist mit "Rechten Räumen" ja nicht ausschließlich die NS-Zeit gemeint. "Autoritäre Architektur" meint ja auch repräsentative Bauten aus der Zeit des Kolonialismus. Und wenn man anfängt Architektur nach der Gesinnung zu bewerten, unter der sie entstanden ist, dann kann man auch unfassbar viele "Rechte Räume" in Frankreich, England, Portugal, Spanien, den Niederlanden und wer weiß wo finden. Das ist eine wirklich blödsinnige Art zu argumentieren, denn man muss ja immer bedenken, dass die Menschen damals ganz anders sozialisiert waren als heute. Damals gab es weder das Internet noch moderne Aufklärung. Aber da fällt es vielen leicht, den moralischen Zeigefinger zu heben.

    Dem kann ich grundsätzlich nur zustimmen - wobei man zwischen Stadtplanung und Architektur differenzieren muss.

    Die Architektur der 30er bis 50er Jahre war zum Teil recht ansehnlich, und ist rein äußerlich oft kaum von der "politisch unbedenklichen" Architektur der 20er Jahre zu unterscheiden.

    Bezüglich Stadtplanung fällt mein Urteil sehr viel negativer aus. Die Zerstörung der Städte durch die Luftangriffe der Aliierten wurden schon während des Krieges als Chance begriffen, die Altstädte abzuräumen.

    Anbei eine Magisterarbeit, in der am Beispiel der Stadt Hamburg die Kontinuität zwischen NS-Planung und Nachkriegsmoderne untersucht und belegt wird.

    Die Stadtplanung während der NS-Zeit war nicht konservativ, sondern lag im globalen zeitgenössischen Mainstream. Sie blieb die 12 Jahre von 1933 bis 1945 auch nicht konstant, sondern entwickelte sich in Richtung der typischen Nachkriegsmoderne weiter, wie sie nach 45 umgesetzt wurde.

    Das Bestreben nach mehr Rekos in die rechte Ecke zu schieben, ist sachlich absurd. Die Nazis wollten keine traditionelle Architektur, sondern die gewachsene europäische Stadt eliminieren.

    Zumal in welcher abstoßenden Art und Weise. Ich erinnere an die Duckmäuser-Reaktionen hier im Forum auf die Androhung von Konsequenzen für das Kritisieren des Entwurfes dieser Verschaukelungswippe. Denn gerade das Mundtot-Machen ist Stasi-Methode. Und diese Werbeagentur baut also ein Denkmal für das Überwinden eben jener Methoden und wendet sie selber an. Das ist absurd. Oder noch drastischer gesagt: Einfach pervers.

    Die neue Entfremdung: Ost und West driften wieder auseinander (nzz.ch)

    Lieber Goldstein, geht es betreffend "Stasi-Methoden" evtl. eine Nummer kleiner?

    Die Stasi hat nicht freundlich um Zurückhaltung gebeten, wenn jemand den Mund aufgemacht hat, sondern abgeholt und eingebuchtet. Die Zahl der Freunde der Einheitswippe dürfte hier im Forum eng begrenzt sein, ja. Weiterhin ist das Teil nicht das Werk einer westdeutschen Verschwörung gegen die Ostdeutschen, sondern geht wesentlich auf die Initiative eines Politikers mit ostdeutscher Biographie zurück, während ein Hamburger SPD-Politiker (Johannes Kahrs) als einziger ernsthaft UND mit Aussicht auf Erfolg versucht hat, die Wippe zu verhindern.

    Die Wippe ist demokratisch validiert - ebenso wie die Bauakademie. Wir sollten uns hier darauf fokussieren, dass die Bauakademie als Reko kommt. Und das sinnbefreite - weil viel zu späte- Hadern mit der Wippe etwas in den Hintergrund stellen. Nicht weil es verboten wäre, sondern weil es unser Sache nichts bringt. Je mehr hier der Eindruck eines Kulturkampfes Ost gegen West, konservativ gegen liberal, modern gegen traditionell entsteht, desto mehr schwinden die Chancen für die Realisierung der Bauakademie.

    Technisch erhalten kann man die Gebäude ganz sicher.

    Was mir nicht klar ist, ist inwieweit die üblichen Gebäudeversicherungen für die Mehrkosten für die Wiederherstellung historischer Gebäude gegenüber zeitüblichen Ersatzbauten aufkommen.

    Das darf doch wohl nicht wahr sein! Und nur einem Passanten sei das aufgefallen? Wird so eine Gedenkstätte nicht überwacht? Man kommt aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus! Und auf Nachfragen kommen keine Antworten? ich fasse es nicht!

    Laut dem oben verlinktem Zeitungsartikel handelt es sich doch um eine Maßnahme der Stadt Dresden. Insofern dürfte die Frage der Überwachung hier keine Relevanz haben.

    Da braucht man gar nicht so weit schauen für ein schönes Beispiel: In Hamburg Ottensen waren die Fabriken auch innerhalb der Wohngebiete und sind heute als Wohnungen bzw. Büro und Kultureinrichtungen bestens integriert. Natürlich in kleinerem Maßstab, große Firmenzentralen passen da auch nicht rein.

    Ottensen ist ein sehr besonderer Fall.

    Die Industrialisierung erfolgte dort ab dem Bau der Kieler Eisenbahn 1844 bis in die 1860er Jahre. Das Gebiet gehörte bis zum Deutsch-Dänischen Krieg 1864 zu Dänemark, Stadt Altona. Altona sollte als Konkurrenzstandort zu Hamburg gestärkt werden, und wurde zollrechtlich bevorzugt.

    Die gemischte Nutzung von Industrie und Wohnen bewirkte schwierige Gesundsheitsbedingungen. Häufige und schwere Lungenerkrankungen führten im Volksmund zur Bezeichnung "Mottenburg" für das Quartier. Schon in der Gründerzeit des Deutschen Reichs ab 1870 wurden derartige Quartiere in Hamburg und Altona nicht mehr neu geplant.

    Unter den heutigen Bedingungen (- ohne jegliche industrielle Nutzung!) handelt es sich um einen sehr beliebten und lebendigen Stadtteil.

    3. Wenn Arne Jacobsen mit Stühlen bekannt geworden ist und die Architektur hier eher beliebig und austauschbar wirkt (siehe DDR-Kopie), dann ist es allemal besser, diese Schlafzimmerschiebeschrankwand für den genannten Betrag zukunftstüchtig zu machen.

    Das bedeutet dann aber auch, dass die DDR-Kopie unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. Dieser Ansatz für den DDR-Außenhandel ein Gebäude zu errichten, welches sein Vorbild im Land der Olsenbande hat, kann erst jetzt richtig eingeordnet werden.

    Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht so recht, was Du sagen willst.

    Der damalige Stil war global, hat weder mit Dänemark noch mit der DDR spezifisch etwas zu tun.

    Das sind schöne Blockrandbebauungen mit vielen Stockwerken und heute attraktiven Wohnungen und Büros. Und damit wäre wohl auch das nächste Argument gleich hinterfragt, ob es da wirklich um die Zahl der Arbeitsplätze geht.

    Die 1960er/70er waren einfach nicht die Zeit für schöne Blockrandbebaungen.

    In der Theorie kann man qualitätvolle nutzungsgemischte Stadtquartiere entwickeln, ja. Hamburg versucht sich derzeit in der Hafencity damit (ca. 45000 Arbeitsplätze, ca. 15000 Wohnungen). Zentralen wirklich großer Einzelunternehmen wie die HEW/Vattenfall gibt es dort allerdings bisher nicht und sind meines Wissens auch nicht vorgesehen.

    Die Entlastung der Hamburger Innenstadt durch die City Nord war, wie gesagt, sehr wertvoll. Die relativ wenigen Büro-Großbauten, die in jener Zeit im Stadtzentrm innerhalb des Wallrings errichtet worden sind, sind mindestens städtebaulich allesamt Katastrophen, meist auch in architektonischer Hinsicht.

    Nur vor diesem Hintergrund betrachte ich das HEW-Gebbäude mit Wohlwollen. Es ist, anbetracht der Entstehungszeit, den damaligen Grundsätzen städtebaulicher Planung, und des gewählten Standorts ein gelungener und wertiger Bau.

    Besagte Industriebauten des späten 19. Jahrhunderts wurden auch nicht in die damaligen Innenstädte, sondern an den Stadtrand gesetzt.

    Der Vergleich ist auch schon von den Dimensionen her nicht fair. HEW/Vattenfall beschäftigt dort über 1000 Mitarbeiter, in der City Nord insgesamt dürften es ca. 28000 sein. Das ist weit mehr als eine einzelne Brauerei, das hat schon für sich die Dimension eines eigenen Stadtteils.

    Dass ich persönlich die Architektur des frühen Industriezeitalters ebenso wie Du bevorzuge, steht auf einem anderen Blatt.

    Die Architektur und seine städtebauliche Einbindung ist ein Schwachpunkt dieses Gebäudes, wenn man kleinteilige, gestalterisch zusammenhängende, dichte und menschenfreundliche Stadträume möchte.

    Arbeitsstätten für über 1000 Mitarbeiter fügen sich IMHO grundsätzlich nur schwer in kleinteilige Innenstädte, gleich ob es sich um Fabriken oder ein Bürogebäude handelt.

    Der Schritt, für solche Gebäude ein eigenes Areal abseits der Innenstadt zu schaffen, war für den Erhalt der Vorkriegsreste im Hamburger Stadtzentrum enorm wichtig. Von daher finde ich den Vorwurf der fehlenden städtebaulichen Einbindung an dieser Stelle schwierig.

    Ich finde das Gebäude äußerlich immerhin ästhetisch. Im Inneren zum Teil wirklich gut.

    Natürlich ist es ein Solitär ohne städtebauliche Anschlussfähigkeit. Es steht für die locker bebaute, nach Funktionen getrennte Stadt der Charta von Athen, und damit diametral gegen einen Teil der Zielsetzungen dieses Forums.

    Dennoch handelt es sich m. M. nach um gute Architektur. In diesem besonderen baulichen Kontext eines ausschließlichen und zu 100% modern gestalteten Arbeitsstättengebiets weitab der Innenstadt stört sie nicht, sondern leistet einen positiven Beitrag.

    Ehrlich gesagt - ich weiß nicht so recht.

    Eine potthässliche Industriekiste, die bunt dekoriert wurde. Trotz der Deko bleibt es IMHO eine potthässliche Industriekiste, Welten entfernt von der Qualität von Industriebauten aus der Zeit um 1900.

    Mit Deko besser als ohne Deko, ja. Aber das Resultat finde ich dennoch nicht überzeugend.

    Ich will ja kein Wasser in Euren Wein gießen, aber es sollte jedem klar sein, dass wenn der Denkmalschutz sich mit solchen Projekten beschäftigt, weniger Ressourcen für die Gebäude bleiben, die so heute nicht mehr gebaut werden können.

    Es handelt sich um eine private Sanierungsmaßnahme, die niemanden etwas wegnimmt. Bemerkenswert finde ich hier etwas anderes. In der Mopo steht wörtlich:

    Die Etagen werden bis auf den Rohbau weitgehend erneuert. Auch die prägnante Glasfassade aus 13.000 Elementen soll ausgetauscht werden

    Mit anderen Worten: Obwohl hier jedes Detail unter Denkmalschutz steht, wird bis auf das Stahlbetonskelett alles beseitigt und neu gebaut. Trotzdem scheint dies den Denkmalschutz nicht zu stören - so lange es hinterher nur wieder so aussieht wie vorher. Man sollte sich sich den Vorgang merken, und bei geeigneter Gelegenheit darauf verweisen.

    Meiner Meinung nach ist City Nord ist für Hamburg ein Glücksfall. Hier wurde eine Spielwiese geschaffen, auf der sich die Moderne in sicherer Distanz zur Innenstadt austoben durfte. Sie dürfte der Innenstadt zahlreiche Büropaläste der schlimmsten Sorte erspart haben. Arne Jacobsens HEW-Gebäude ist für mich das wertigste, was dort entstanden ist, und auf jeden Fall erhaltenswert.

    Das von Maecenas verlinkte Video mit den Innenaufnahmen finde ich sehr interessant. Ich bin in Hamburg auf dem Christianeum zur Schule gegangen - das letzte von Arne Jacobsen erreichtete Gebäude, dessen Fertigstellung er selbst nicht mehr erlebt hat. Im Inneren ist die Verandtschaft der beiden Gebäude an zahlreichen Details abzulesen.