Posts by HelgeK

    Omg. Wie kannst du den Scheiß auch noch gutheißen. Kein Kommentar.

    Contradictio in adiecto(!), et de gustibus non est disputandum ^^


    Ohne die Erwähnung von Rastrelli wären mir die Details bezüglich Fenstergestaltug und profilierter Betonplatten nicht aufgefallen. Ich gebe Dir aber Recht, auch m. M. n. wird dadurch der unzureichende Gesamteindruck nicht gemildert. Eher schon im Gegenteil - jetzt wo ich mir dessen bewusst bin, kann ich die unregelmäßige Fenstergestaltung nicht mehr übersehen - für mich eher ein weiterer Minuspunkt. Kann man alles aber auch netter sagen :)

    Jakriborg widerlegt meiner Meinung nach eindrucksvoll das gern gebrauchte Argument, dass sich Altstadtcharme nicht "künstlich" herstellen ließe - wie man sieht, geht das sehr wohl, wenn alle Details passen (- erreicht durch Architekturstil und Ausführung, Kleinteiligkeit, Kopfsteinpflaster, Verkehrskonzept, angepasste Gestaltung von Schaufenstern und Werbung).


    Angesichts der Bilder wäre ich nie im Leben von einer Neubausiedlung ausgegangen.

    Zudem gab es vor ca. 30 Jahren in Deutschland nicht diese Kultur der großen Einkaufscenter, der Malls am Stadtrand oder auf der grünen Wiese. Zum Einkaufen ging man noch in die Innenstadt...

    Prinzipielle Zustimmung, aber ich würde ich den Zeitrahmen anders stecken - die große Zeit der Malls auf der "Grünen Wiese" begann auch in Deutschland früher, ca. Ende der 60er, also mittlerweile vor 50 Jahren. Um die damaligen Pioniere herum ist mittlerweile meist längst der Siedlungsbrei gewuchert, so dass an ehemals ländliche Umfeld kaum noch etwas erinnert.

    Im Grunde müsste alles abgerissen werden: Die Elbphilharmonie,...

    Huch - warum?


    Ich finde, die Elbphilharmonie ist einer der ganz wenigen modernen Großbauten, die wirklich gelungen sind.


    Mein eigenes Empfinden kann natürlich kein relevanter Maßstab sein, aber die Tatsache, dass seit der Eröffnung praktisch alle Konzerte ausgebucht sind, dürfte wesentlich darauf zurückzuführen sein, dass die Besucher auf die Architektur neugierig sind.

    Der Abriss der Gänsemarktpassage scheint noch diskutiert zu werden. C&A kommt wohl sicher. Beides sind allerdings keine Altbauten im Sinne dieses Forums.


    Die Gänsemarktpassage stammt vom Beginn der 80er, in den 90ern überformt. Im wesentlichen geht es bei den Abrissplänen um den Kopfbau zum Gänsemarkt hin. Die Passage bildet meiner Meinung nach mit ihren 3 Teilbereichen (postmoderner Kopfbau zum Gänsemarkt, gründerzeitlicher Kopfbau zu den Colonnaden, + die eigentliche Passage) insgesamt ein charmantes Ensemble, das sich gut in den Bestand einordnet. Die Gefahr einer Verschlimmbesserung ist also leider hoch.


    Das C&A Gebäude in der Möckebergstraße ist ein - angesichts der Entstehungszeit in den 60ern(!?) - ansehlicher klassisch-moderner Bau. Ein Kasten, ja, aber durchaus feingliedrig und mit stimmigen Proportionen. Auch dieser Bau hat IMHO eine Qualität, dass bei Abriss und Ersatz Potential für eine Verschlimmbesserung vorhanden ist.


    Edit: Zur Verdeutlichung Links auf Bilder der Gebäude. Da mutmaßlich CR geschützt, keine direkte Einbindung: C&A , Gänsemarktpassage

    "Objektive Qualität (sofern das Vorhanden einer solchen nicht per se abgestritten wird) zählt heute nichts mehr im Vergleich zu einem Zwang der Neuartigkeit, des Rebellentums, der Individualität"


    OK, aber warum kommt dann die Moderne derart uniform daher? Die Überwindung der Schönheit ist ja nun seit 70, 80 oder 90 Jahren "gelungen". Im architektonischen Alltag vermag ich nicht viel Neues zu entdecken, stattdessen werden Quader und Raster zum zigmillionsten Mal wiederholt. Einzelne Leuchtturmprojekte a la Elbphilharmonie ändern nichts an der einheitlichen Masse.


    Das wahre Rebellentum ist der Mut zur Reko!

    Ich glaube, es ist noch schlimmer: Es gibt bei den Verfechtern der Moderne einen "Umerziehungswillen", dem mit fast schon religiösen Eifer angehangen wird. Der Rest der Menschheit ist zwangszubeglücken, da er zu doof ist, zu erkennen was gut und und was schlecht ist.


    Deshalb auch die vehemennte Abneigung gegen und Bekämpfung von Rekos, obwohl diese deutlich weniger als ein Promille der Neubauten ausmachen dürften - Rekos sind gefährlich, weil sie die Augen dafür öffnen können, dass es zur Hässlichkeit auch Alternativen gibt.

    Köln oder Frankfurt traue ich die Vitalität der Stadtentwicklung zu, weil es dort noch ein struktuelles Fundament gibt, das in Dresden vernichtet wurde.

    Sicherlich gibt es in Köln und Frankfurt ein breiteres bildungsbürgerliches Fundament als in Dresden. Genützt hat es beiden Städten in nunmehr 7 Nachkriegsjahrzehnten aber offenkunding rein gar nichts.


    Die Initiative sowohl sowohl für den Neumarkt in Dresden als auch die Neue Frankfurter Alstadt ging jeweils nur von wenigen engagierten Einzelpersonen aus.

    Da haben Sie recht, manche Straßennetze werden den Anforderungen der heutigen Zeit kaum noch gerecht. Ich war letztes Jahr in Florenz: ein schönes Freilichtmuseum- aber ein echtes Leben, jenseits der Kulisse, ist wohl kaum noch möglich.

    Keine europäische Stadtstruktur aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg wurde für individuellen massenhaften Autoverkehr geplant. Trotzdem empfinde ich - offenbar anders als Du - genau diese Reste des Alten meist als deutlich urbaner und lebendiger als die autogerechten neuen Strukturen.


    Immerhin mehren sich Zeichen am Horizont, dass das Zeitalter des Autoverkehres wie wir ihn kennen sich seiner Schlussphase nähert und wieder zu effizienteren Formen der Mobilität übergegangen wird. Historisch gab es die ja schon: Um 1910 herum waren unsere größeren Städte allesamt von einem dichten Netz von Straßenbahnen u. z. T. auch ersten U-Bahnen durchzogen.


    Die Begründung der fehlenden Verkehrstauglichkeit älterer Städte für den Abriss sollte somit entfallen, wenn wir von der individuellen Automobilität wieder weggehen und zur vergemeinschafteten E-Mobilität zurückkehren (- vielleicht mehrheitlich nicht mehr in Form von Straßenbahnen, dafür aber selbstfahrenden Sammeltaxis, kommunalen E-Rollern etc.).

    Besonders absurd finde ich, wenn der Reko-Bewegung Nähe zum braunen Weltbild unterstellt und die Nachkriegsmoderne entsprechend als städtebauliche Gegenbewegung zur Nazizeit dargestellt wird.


    Wie in den Beiträgen weiter oben beschrieben, war die "Naziarchitektur" - soweit man dabei überhaupt von einem eigenen Stil sprechen kann - im Gegenteil recht gut in den globalen stilistischen Mainstream ihrer Zeit eingebettet und keineswegs eine Reko-Bewegung.


    Um zu illustrieren, was ich mit Moderner Architektur in den historischen Stadtkernen Skandinaviens gemeint habe, anbei zunächst ein Link auf ein Bild vom heutigen Zustand des nördlichen Teils des Bahnhofsvorplatzes in Oslo (- da das Bild urheberrechtlich geschützt ist, keine direkte Einbindung hier im Forum): Link. Man muss sich das mal verdeutlichen: Der Platz war noch in der Zwischenkriegszeit von "gründerzeitlichen" Prachtbauten umgeben. Und so sah es dort früher aus - gleicher Platz, in etwa ähnliche Blickrichtung - dort ist keine einzige Bombe gefallen (!): Link .


    Selbstverständlich gibt es auch in Oslos Zentrum erhaltene Vorkriegsarchitektur - aber der Anteil an alten Gebäuden ist heute lediglich ähnlich hoch wie z.B. im stark kriegszerstörten Hamburg.

    Nein, für die Abrisswut der beiden unmittelbaren Nachkriegsjahrzehnte ist die hier auch wieder anklingende "Schuldkult"-Erklärung einfach nicht stichhaltig. Von den Planern, die damals die autogerechten Städte, die Tangenten, die Hochstraßen und "Durchbrüche" planten, waren die meisten in der Nazizeit sozialisiert und setzten die Planungen aus dieser Zeit nur um. Bereits die Nazis hatten die extrem kritische Einstellung der Architekten der ersten Moderne gegenüber der Architektur der Kaiserzeit vollumfänglich übernommen, weswegen es auch schon in den 20er- und 30er Jahren zu ersten "Modernisierungen" (meist Entstuckungen) und sogar Abrissen gründerzeitlicher Gebäude gekommen war. Auch Kahlschlagsanierungen (meist Flächenabrisse) von Altstadtsubstanz war den Nazis alles andere als frem
    Hier jetzt wieder und wieder die Kurve zur Studentenbewegung, "Schuldkult" und allgemeiner linksgrüner Durchseuchung zu suchen, wird der Komplexität des Themas einfach nicht gerecht bzw. ist imho grob falsch, zumindest für die Zeit der "zweiten Zerstörung" unserer Städte. Dass eine gewisse Missachtung vor kaiserzeitlicher Architekten ur seit den 80er Jahren auch durch die allgemeine kulturelle Hegemonie der Erben der Studentenbewegung, also später, eine Rolle spielen mag, möchte ich nicht bestreiten. Für den Abriss und/oder die Verstümmelung so vieler grandioser kaiserzeitlicher Gebäude kann man aber beim besten Willen nicht die Entwicklungen 1968ff. verantwortlich machen. Diese waren - ganz umgekehrt- in Teilen sogar ausgelöst durch die Naziplaner und Kahlschlagsanierer in unseren Städten.

    Ich glaube, man sollte sich auch vom Bezug der Planer zu den Nazis lösen. Denn es fanden z. B. in unseren nördlichen Nachbarländern in Skandinavien zeitgleich jeweils ganz ähnliche Entwicklungen wie in Deutschland statt - unter durchgängig demokratischen Bedingungen!


    Die meisten größeren Städte Skandinaviens weisen heute trotz fehlender Kriegszerstörungen ein den deutschen Städten recht ähnliches Bild mit einem hohen Anteil von Nachkriegsarchitektur in den Zentren auf - "wunderbares" Beispiel: Oslo. Man könnte meinen, große Teile des Zentrums wurden zerbombt. Es war aber nur die Moderne, die hier bereits seit den 30er Jahren und dann verstärkt in der Nachkriegszeit durchgegriffen hat.

    Bislang wüsste ich nicht, wo es in Dänemark überhaupt nennenswerte Hochhäuser gibt ehrlich gesagt.

    - ja, es scheint bislang in der Tat kaum welche zu geben, der derzeitige Rekord von 120m in Herlev bei Kopenhagen würde mit diesem Bauwerk gleich um 200m (!) überboten werden - s. Wikipedia.