Posts by HelgeK

    Frage: Wurden die vorhandenen Kaufhäuser vor 40 Jahren und älter mit Stahlbeton gebaut? Ist der Stahl nicht schon erodiert - oder mit anderen Worten, müssen die aufgegebenen Kaufhäuser nicht sowieso abgerissen werden?

    Nein!

    Korrekt verbauter Stahlbeton hält praktisch ewig. Beton ist ein stark basisches Material, wodurch eine Korrision des Stahls verhindert wird.

    Tatsächlich passt das grobe Blendmauerwerk nicht zu den klassizistischen Profilen der Fensterrahmen und der Traufkante, ebenso wenig wie zum Herrenhauscharakter. Backstein wäre passender gewesen.

    Ich bin mir da nicht sicher.

    In diesem Beispiel (oberes Bild) geht es ja nicht um die Nachbildung eines südstaatlichen Herrenhauses oder eines repräsentativen administrativen Gebäudes in Neuengland. Sondern um eine Ahnlehnung an einen frühen kolonialen Wohngebäude-Stil unter Verwendung der am Standort verfügbaren Materialien.

    Wenn passende Natursteine vorhanden waren, wird man sie in jener Zeit auch genutzt haben. Ziegel zu brennen ist ein aufwändiger Vorgang, und nicht überall gibt es oberflächennah abbaufähigen Ton.

    Seltsam, ich hätte gedacht dass solche Altstadtgrundstücke ähnlich begehrt wären wie warme Semmeln.

    Na ja, der Grund für die Probleme wird im Artikel ja klar benannt. Die besagten Grundstücke waren bisher exklusiv für junge Familien reserviert. Junge Familien haben aber offensichtlich gar nicht das Geld, sich die Grundstücke kaufen und auch noch mit entsprechend großformatigen Häusern bebauen zu können.

    Interesse seitens der gewünschten Klientel gäbe es zweifelsohne.

    Mit diesem Klotz kann man nichts „versöhnen“ in diesem Umfeld und dank Denkmalschutz ist das für die Ewigkeit zementiert. Es wird ein wenig kaschiert, das Problem aber bleibt.

    Der Klotz ist doch nicht das Werk von Chipperfield.

    Ich habe mich auf das Stöhnen von Der Kurfürst gestört ("Ach Chippie") bezogen - dabei dürfte Chipperfield hier aus der limitierten Aufgabenstellung mit seinem historisierenden Kreuzgang so ziehmlich das Optimum herausgeholt haben.

    Beauftragt war hier lediglich eine bauliche Ertüchtigung des durchweg unter Denkmalschutz stehenden Bestands!

    Wie so oft ist auch hier die Behauptung "Im Krieg zerstört" nicht zutreffend und verschleiert, dass unzählige beschädigte und wiederaufbaufähige Gebäude eben erst nach dem Krieg - oft aus ideologischen Gründen - vernichtet wurden. Das betrifft Berlin mit seinen vielen beseitigten Gebäuden des als wertlos und überholt betrachteten (wilhelminischen) Historismus in ganz besonders hohem Maße, aber auch andere Städte.

    s. die Hamburger Nikolaikirche - die einzige der Hauptkirchen, die ein Werk des Historismus ist. Wie bei allen anderen Hauptkirchen meiner Stadt auch waren die Gewölbe eingestürtzt. Die Nikolaikirche sollte aber als einzige nicht wieder aufgebaut, sondern gesprengt werden, um der neuen "Ost-West-Straße" Platz zu schaffen. Die Seitenmauern wurden abgetragen, die Fundamente versucht zu sprengen - bis die Zerstörung endlich wegen anhaltender Proteste der Bürger beendet wurde.

    Die Reste des Bauwerks sind seither offiziel ein "Kriegsmahnmal".

    Ach herrje Chippie hört nicht auf. Erinnert mich stark an das Neue Museum hier in Berlin.

    Warum so negativ?

    Hier wird immerhin versucht (- und das aus meiner Sicht erfolgreich), Alt und Neu miteinander zu versöhnen. Es soll hier ja offensichtlich nicht darum gehen, "Tabula rasa" zu machen. Es wird lediglich der Bestand ergänzt und die bisher optisch unversöhnlichen Bestandteile zu einem Ganzen zusammengeführt.

    Dass wir aber wieder darüber diskutieren, ob bei Bränden die Fassade eine Mitschuld tragen kann ist allein schon bitter genug.

    Dass eine Fassade aus brennbaren Material eine Rolle bei Bränden spielen kann, ist unstrittig.

    Welche Rolle die Fassade hier im konkreten Fall gespielt hat, ist gegenwärtig noch unklar, und wird sich im Verlauf der Untersuchung des Vorfalls zeigen. Aber, wie immer die Sache ausgeht, wird sie die grundsätzliche Notwendigkeit nicht in Frage stellen, Gebäude in winterkalten Regionen in ausreichender Form vor Wärmeverlust zu schützen.

    Die Sinnhaftigkeit von Wärmedämmung begründet sich nicht religiös, sondern bauphysikalisch und durch die Zielsetzung, das klimaschädliche und teure Verbrennen fossiler Rohstoffe zu beenden.

    .... noch schimmer...

    Kaum möglich!

    Doooch ...

    Der Gänsemarkt hatte noch bis ins 20. Jahrundert hinein einen eher vorstädtischen Charakter. Selbst bei Beginn des 2. Weltkrieg gab es immer noch keine vollständig geschlossene, gleichförmig mehrgeschossige Randbebauung. Die erheblichen Kriegszerstörungen hinterließen dann ein bis in die 1970er sehr heterogenes Bild.

    Das einheitlich großstädtische Erscheinungsbild des Platzes wurde erst in den 1980ern vollendet.

    So sah der Gänsemarkt übrigens in den 60ern aus. Auch hier eine deutliche Verbesserung, wenn auch die Neubauten nichts Besonderes sind.

    Das Bild muss später entstanden sein, denn am linken Bildrand ist bereits die "Aufdopplungs-Reko" der Stadtbäckerei von 1977 zu sehen, und auch die Gänsemarktpassage (grünes Gebäude, heute eine von Benko hinterlassene Baulücke) ist erst in den 70ern entstanden.

    In den 1960ern sah der Gänsemmarkt nochmals deutlich schlimmer aus!

    Anbei 2 aktuelle Beispiele aus Hamburg-Bahrenfeld.

    1. Plattenbau aus der Zeit Ende der 60er Jahre. Mit Mineralwolle gedämmt und ortstypisch mit Riehmchen verklinkert. Grünebergstraße Ecke Otawiweg.

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    2. Direkt in der Nachbarschaft werden gerade die Wohnblöcke am Friedrich-Ebert Hof gedämmt. Ebenfalls mit Mineralwollplatten mit Riehmchen-Verkleidung. Die Stürze über den Eingängen fehlen noch. Nicht so gut und bautechnisch völlig überflüssig: die Dehnungsfugen.

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    Zustand vor der Dämmmaßnahme - Google Maps.

    Naja, auch wenn zu derartigen dystopischen Assoziationen bei euch zZ wirklich jeder Anlass besteht - ist das nicht weit hergeholt? Man müsste den Stadtplanern in diesem Fall den Vorwurf machen, die alte Straßenstruktur insb die Breite beibehalten zu haben - ist das in unserem Sinne?

    Nicht beibehalten, sondern wiederhergestellt.

    An der Stelle befand sich die ehemaliger Hamburger Allianz-Zentrale, ein 70er Jahre Klotz. Der Verlauf der Bohnenstraße wurde aus dem Nichts heraus - entsprechend dem Vorkriegsverlauf - rekonstruiert, inkl. Kopfsteinpflaster.

    Leider ist die Qualität der Randbebauung nicht so toll. Hier wurde eine Chance vertan.

    Eine der besten Sanierungen die ich im Lübecker Umland je gesehen habe. Die ruinöse Scheune hat nun statt eines 50% Asbest- 50% Reetdachdaches ein neues Reetdach, die gesamte Fachwerkwand und der Feldsteinsockel wurden rekonstruiert und die Holzfenster wurden neu geschaffen. Wow!

    Ehrlicherweise betrachtet ein Neubau, denn bis auf einige wenige Balken wurde offenbar nichts übernommen. Was meiner Meinung nach aber die äußerst anerkennenswerte Leistung des Bauherren nicht schmälert.