Posts by HelgeK

    Also dass die Hässlichkeit des Gebäudes (die ich nicht in Frage stelle) der Grund für den Leerstand ist, geht aus dem Artikel allerdings nicht hervor. Ich denke, da waren andere Standortfaktoren bedeutender.e

    Im durch gründerzeitliche Gewerbe- und Wohnarchitektur geprägten direkten Umfeld pulsiert urbanes Leben. 250m entfernt befindet sich das fast zur gleichen Zeit errichtete "Westend Village", ein nutzungsgemischtes Neubauquatier das stilistisch an den Klassizismus angepasst ist. Die Gewerbeflächen dort sind wesentlich teuer, hatten und haben aber keinerlei Probleme Mieter zu finden.


    Du hast Recht, ich kann meine These nicht beweisen. Plausibel finde ich sie dennoch.

    2004 betätigte die Stadt Hamburg sich als Investor und errichtete mitten im Szene-Viertel Ottensen das "Vivo", ein Öko-Einkaufzentrum. Eigentlich sollte man einen Selbstläufer erwarten. Freie Gewerbeflächen sind im Quartier Mangelware, gleichzeitig ist die Bereitschaft für Bio-Produkte Geld auszugeben hoch.


    Leider ist das Gebäude derart häßlich geworden, dass trotz vergleichsweise günstiger Mieten bisher noch jeder Laden dort pleite gegangen ist, der nicht rechtzeitig wieder die Flucht ergriffen hat. Gerade die angepeilte Kundschaft fremdelt mit der Architektur - kein einziger Öko-Laden war bereit, einzuziehen. Der Großteil der Flächen steht seit 15 Jahren leer.


    Bild.de Hamburg

    Mal eine Frage ..


    Gibt es eigentlich irgendwo eine Aufstellung über die erhaltenen Kellerreste am Neumarkt? Welche davon sind frei zugänglich? Gibt es evtl. eine "Neumarkt-Kellerführung" (lt. Google anscheinend nicht)?

    Was aber durchaus erörtert werden könnte ist die Qualität des sog. Bischofshauses. Das sollte dann aber im entsprechenden Strang geschehen.

    Gute Idee!


    Einserseits ist die kath. Kirche zu Recht der Verschwendung wegen kritisiert worden. Andererseits ist so ein sehr interessantes Ensemble enstanden, dass ohne die qausi feudalen Strukturen nie hätte geben können. Von mir aus hätte er da gerne friedlich bis ans Ende seiner Tage residieren können .. ebenso wie ich dem Kini neidlos sein Neuschwanstein gegönnt hätte - die Ergebnisse sind es wert! :)

    Man hatte doch schon immer Wannen bzw. Holzzuber, schon im Mittelalter, da musste man halt das Wasser aus Kannen eingießen und evtl. mischen, warum denn dann eine Wanne aus dem Hotel holen lassen?? Erschließt sich mir nicht.

    Korrekt, unglaubwürdig.


    Baden im Waschzuber ist auch in bürgerlichen Familien spätestens im 19. Jahrhundert zum allwöchentlichen Brauch geworden (s. Wilhelm Busch, "Das Bad am Samstagabend"). Dass ausgerechnet der König dazu in den eigenen 4 Wänden keine Möglichkeit gehabt haben soll, erscheint mir nicht nachvollziehbar.

    Es könnte auch etwas mit höheren Ansprüchen und der zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft zu tun haben. Ein Vater in meinem Freundeskreis stöhnte vorletztes Jahr mal darüber, dass es unglaublich schwierig sei, die finanziellen und kommerziellen Ansprüche der Kinder zu erfüllen. Das fängt doch schon beim iPhone für 700 Euro an, das nach 4 Wochen vom Tisch fällt, dann wieder repariert werden muss, den Kosten für Kleidung, für Urlaube, für Bildung usw.usf.
    Letztlich entscheidet sich bei der "Betreuung" der Kinder, ob die in Zukunft zu den wenigen sozialen Aufsteigern gehören, die die guten Posten in Wirtschaft und Verwaltung bekommen, oder zum Heer der Billiglöhner herabsinken. Wird da nicht hinsichtlich der äußeren Statussymbole mitgehalten, wird das Kind gemobbt, trägt eventuell Schäden im Selbstbewusstsein davon, hat es schwerer, sich im Berufsleben durchzusetzen. r

    "Zunehmende soziale Spaltung" - sehe ich eher nicht. Dass Kindern von Eltern mit deutlichen Einkommensunterschieden in der Schule aufeinander treffen, ist nichts Neues. In meinem Abiturjahrgang 85 hatten reichte die Spreizung von Schülern, die jeden Morgen um 4 aufgestanden sind, um mit dem Austragen einer Tageszeitung zum Familieneinkommen beizutragen bis hin zu denen, die zum 18. Geburtstag ein Auto geschenkt bekommen haben.


    Rückblickend kann ich keinen Zusammenhang mit dem späteren beruflichen Erfolg erkennen. Die diesbezügliche Trennung wurde viel früher, bereits in der Grundschule vollzogen - entscheidend war der Bildungshintergrund der Eltern, nicht der materielle.

    Ich denke, eine Variante des ÖPNV kommt in der Dikussion regelmäßig zu kurz:


    Die gute alte Straßenbahn. Ähnlich effizient wie U-Bahnen, nur sehr viel billiger und schneller zu realisieren, insbesonderen wenn man die Züge auf den Straßen fahren läßt. Auf eigene Trassen sollte tunlichst verzichtet werden, schon aus städtebaulichen Gründen. Und klar, der Autoverkehr wird dadurch etwas behindert - ein m. M. nach durchaus willkommener Effekt.

    Aus Hamburger Sicht: Unsere Innenstadt hat in den letzten 200 Jahren mehrere Umwälzungen erlebt, die die bis dahin spätmittelalterlich geprägte Kaufmannstadt praktisch vollständig ausgelöscht haben. Lange vor dem 2. Weltkrieg gab es bereits den Abriss des Doms Anfang des 19. Jahrhunderts, den Großen Brand von 1842, den kompletten Abriss der Bebauung des Wandrahms und Kehrwieders zu Gunsten der Speicherstadt in den 1880ern, die Kahlschlagsanierung in den 1920ern um Platz zu schaffen für das Kontorhausviertel mitsamt Chilehaus, den Abriss der Gängeviertel in der Neustadt in den 00er-30ern.


    Wenn nun ein Grundstück frei wird, dann haben wir diese Situation:


    - die mittelalterliche Straßenführung existiert nicht mehr
    - die Dokumentationslage ist dürftig (bestenfalls straßenseitige Ansicht vorhanden)
    - im heutigen Kontext wäre die Reko ein Fremdkörper
    - politisch wäre eine Durchsetzung ausgeschlossen
    - die ohnehin minimale Chance auf einen traditionellen Bau wäre vertan, sobald ich eine mittelalterliche Reko fordere

    Den von Philon wahrgenommenen Interessenkonflikt "Rekonstruktion" versus "Traditionelles Bauen" sehe ich hier im Forum nicht. Die weitaus meisten Mitforenten würden sich, wenn sich die Frage stellt, "in Dubio pro Reko" entscheiden - das ist aber einer der Vielzahl von Fällen mit verändertem städtebaulichen Grundriss, unpassendem Kontext, unzureichender Dokumentation oder in einem aussichtslosen politischen Umfeld nicht gegeben - vom Bau auf der Grünen Wiese ganz zu schweigen. Die Konfliktlinie verläuf dann typischerweise zwischen Modern und Traditionell. Die Diskussion ist sicherlich spannend und notwendig, dieser Strang wäre dafür aber m. M. n. der falsche Ort.

    Das Feuer sieht nicht danach aus, als ob die Löschmannschaften irgendeine Chance hätten.


    Für mich stellt sich die Frage, was sich in der mutmaßlichen Kürze der verfügbaren Zeit aus der Kirche retten lässt.

    @ Luftpost: Deine Aussagen zu Venedig scheinen nicht korrekt zu sein. Zum einen werden die Abwässer der Altstadt bereits seit Jahrzehnten geklärt. Zum anderen soll es dort, als dies noch nicht der Fall war, erheblich gestunken haben - Quelle. Last but not least dürfte die hydrologische Situation in der zum Meer hin offenen Lagune von Venedig mit Gezeiten (etwa 1m Tidenhub) und einer Stadt, die innerhalb dieser Lagune auf über 100 Inseln verteilt ist, eine andere sein als am binnenländischen und austauscharmen Potsdamer Stadtgraben.

    Ich empfinde die Diskussion mittlerweile als unerfreulich.


    Wir erleben ein kleines Wunder - das Dresdner Schloß kommt viele Jahrzehnte nach der Zerstörung Stück für Stück wieder zurück. Statt sich darüber zu freuen, wird auf vermeintlichen Unzulänglichkeiten der Rekonstruktion herumgeritten, offenbar wiederholt ohne Kenntnis der Vorkriegssituation.


    Für die Mehrzahl der aufgezeigten Schwächen wurde hier der Nachweis erbracht, dass diese bereits beim Original vorhanden waren. Für einen kleineren Teil ist die Kritik berechtigt. Vielleicht sollten wir uns bewusst machen, welche Wirkung ausgerechnet wir als Reko-Befürworter mit der Betonung des Negativen innerhalb eines so viel größeren positiven Gesamtbildes außerhalb dieses Forums erzielen.


    Ich glaube nicht, dass wir unser Anliegen damit voranbringen!