Posts by HelgeK

    Danke für die Bilder!!


    Wirklich große Klasse. Hier holt ein kleiner Ort, aus dem wenigen, was erhalten ist, mit gut durchdachten Ergänzungen sehr viel heraus.

    Na ja, überzeugend ist anders. Billige Investitorenarchiktektur, renditebewusst und im Bestreben, es allen recht zu tun. Außer dem Palais Hoym kommt so gut wie nichts.

    Die Aussage, das "so gut wie nichts" ansonsten kommt, ist sachlich falsch, und das Klage über "billige, renditebewusste" Investorenarchitektur halte ich zum einen angesichts der Bemühungen hier für unfair, zum anderen auch nicht für besonders hilfreich - weckt es doch im Umkehrschluß den Eindruck, dass Rekos teuer und unrentierlich wären. Tatsächlich sind sie - gemessen an den Gesamtkosten inkl. Grundstück - in innerstädtischen Bereichen meist nur unwesentlich teurer als modern gestaltete Bauten, und die Differenz dürfte i.d.R. problemlos durch die bessere Vermarktbarkeit zu kompensieren sein.

    Rampische Straße:
    Das Aussehen des Palais Riesch steht noch nicht vollständig fest. Es gibt derzeit noch zwei Varianten, wobei einmal ausdrücklich vom Palais Riesch gesprochen wurde. Vermutlich wird es dort auch eine weitgehende Annäherung an den Originalzustand geben, was aber nur eine Mutmaßung ist.

    Hoffentlich hast Du Recht mit der Mutmaßung! Mit dem Palais Riech steht und fällt für mich der Gesamteindruck in der Rampischen Straße. Ein Gebäude in dieser Größe mit einer modernen Fassade würde alles kaputtmachen - mit einer Reko hingegen würden die modernen Anteile zu akzeptabeln Lückenfüllern. Mich persönlich stimmt die "Nicht-Vorstellung" erstmal misstrauisch. Nichts wäre so einfach darzustellen wie eine Reko ....

    Was für eine wunderschöne Stadt!!


    So oder so ähnlich haben vorm 2. Weltkrieg offenbar ja alle Städte bei uns ausgesehen. Ein ungeheuerlicher Verlust, der zudem durch Architekten und Stadtplaner in den Nachkriegsjahrzehnten faktisch nochmals verdoppelt wurde.

    - danke für die Links!


    Gefällt mir nur solala - klar es gibt viel, viel Schlimmeres. Für mich aber zu wenig kleinteilig.


    Es hat schon seinen Grund, dass Architekten Renderings mit abendlichem Dämmerlicht so lieben. Bei Tageslicht und lokaltypischem grauen Himmel dürfte das ganze ziemlich banal wirken.

    Naja, der Verweis auf die NS-Vergangenheit erscheint mir hier zweifelhaft - die Denkmalschutzgesetze in D sind ja aus den 1970ern (Bayern 1973). Da war die Nazizeit 40 Jahre vorbei - das würde ich schon als "aus vergangener Zeit" bezeichnen.

    ... :) - nach Adam Riese wären das für mich nicht 40, sondern nur 28 Jahre, die die Nazizeit damals zurücklag - übertragen auf heute entspräche das dem Blickwinkel auf die Jahre zwischen 1975 und 1983 .


    Ich kenn kein Bespiel für ein so junges Gebäude, dass bereits unter Denkmalschutz steht.


    Nachtrag: Letzlich ist das Kriterium "Alter" bei Bauten nach 1914 IMHO nicht relevant. Der schmucklose Zweck-Wohnbau aus den 50ern wäre für mich kein Kandidat, das Münchner Olympiastadion von 1972 z.B. aber sehr wohl. Gebäude von vor 1914 hingegen sollten wegen ihrer relativen Seltenheit und der meist hohen gestalterischen Qualität auch bei "Alltagsobjekten" fast immer schutzwürdig sein.

    Mich stört die Pflasterung des Platzes, das Betonpflaster (?) wirkt irgendwie "tot". Man vergleiche die Wirkung mit der des historischen Kopfsteinplasters. Die Dresdner waren da auf dem Neumarkt spendabler.


    Was ist mit dem originalen Plaster geschehen?

    Wobei der Duktus vorpatinierten Kupfers leider nicht an die Lebendigkeit einer natürlichen Kupferpatina heranreicht (ich hätte beinahe Kupferpartitur geschrieben) und ein wenig gekünselt wirkt.


    Hier ein Beispiel, wohl auf dem Hof eines Schrotthändlers.
    http://www.kme.com/assets/uplo…u/patina/patina_irgal.jpg

    In der Tat, lieber kein vorpatiniertes Kupfer. Es wirkt auf mich wie ein völlig anderer Baustoff, irgendwie "tot". Dann lieber warten ...

    Hmm.


    Also, ich finde für die Qualifizierung als "ganz großer Müll" ist der backsteinverkleidete Teil des Gebäudes für mich einfach zu gut geraten - bis in die Details hinein (Auswahl des Steines - schöne rauhe Oberfläche). Der Backsteinteil erinnert an die ganz frühe Moderne der 20er Jahre. Der helle Teil des Gebäudes verzichtet immerhin auf modische Spielereien a la "Fenster-Lotterie". Aus der Ferne (ich kenne Ulm nicht, bin leider noch nie dort gewesen) ist die Integration ins Umfeld schwer zu beurteilen. Wenn ich nur von dem ausgehe, was auf den Bildern zu sehen ist, finde ich die Eingliederung in die unmittelbare Umgebung aber eigentlich ganz ordentlich gelungen.


    Wenn die Mehrzahl der modernen Gebäude in unserem Land auf so einem Qualitätslevel entstanden wären und entstehen würden, sähen unsere Städte viel besser aus, als sie es derzeit tuen.


    Darüber, dass man es hätte besser machen können, brauch man nicht zu diskutieren - und das schon mit relativ kleinen Veränderungen. Z.B. alles 1 Stockwerk höher, die EG-Zone dafür aus der Sparkassennutzung heraus und kleine Ladeneinheiten und Gastronomie hinein - schon wäre vermieden, in dem eigentlich gelungenen Laubengang an einer Reihe toter Fenster entlanggehen zu müssen.


    Natürlich sollte eine derart große Fläche innerstädtisch nie durch ein einzelnes Bauwerk belegt werden - das wird zwangsläufig schwierig. Der Fehler geht aber mehr nmit Stadtplanung und Verwaltung nach Hause als mit dem Architekten.

    Es mag keine Kunst gewesen sein, aber eine Verbesserung gegenüber dem Ursprungszustand ist es dennoch allemal. Zudem immerhin Klinkerfassaden und Satteldächer. Da muss man jetzt, bei aller Kritik, auch nicht zu streng sein.

    Klar, es gibt viel Schlimmeres. Aber Gebäude wie hier gezeigt könnten auch auf dem platten Land rings um die Kreisparkasse und den Lidl entstehen.


    Das gezeigte hat mit urbaner Baukultur für mich nicht viel zu tun. Der Fehler fängt schon damit an, dass das Areal in Gänze einem einzigen Investor überlassen wird, statt kleinteilig und unter strengen gestalterischen Vorgaben.

    Hamburg, "Burg Henneberg" an der Poppenbütteler Schleuse, erbaut 1887. Es handelt sich um einen Nachbau der gleichnamigen Burg in Thüringen im Maßstab 1:4. Ist allerdings keine Ruine, sondern intakt und in guten Zustand inkl. original erhaltenem Parkgrundstück.


    Mehr zu Hamburg's einziger Burg bei Wikipedia .



    Ein Nachtrag zu der in diesem Strang mehrfach erwähnten Hamburger Nikolaikirche:
    Obwohl diese als "Kriegsmahnmal" dient, ist die Kirche im eigentlichen Sinne für mich keine Kriegruine. Im Krieg wurde lediglich - wie bei allen anderen Hamburger Hauptkirchen auch - dass Dach zerbombt. Die eigentliche Zerstörung entstand durch Abriss- und nur teilweise erfolgreiche Sprengungsversuche in den 50er Jahren, mit dem Ziel, Platz für die Ost-West-Straße zu schaffen. Letzlich wurden die Pläne geändert und die Straße dicht neben der Kirche vorbeigeführt.

    Die Etablierung der Bauhausmoderne (v.a. als Abgrenzung zum Baustil des NS-Regimes)

    Die Aussage verstehe ich nicht.


    Zum einen hatte die Bauhausmoderne ihre beste Zeit etwa 10 Jahre bevor die Nazis die ihre hatten. Zum anderen hat die Nazizeit in der gebauten Realität mit Ausnahme einiger weniger Repräsentationsbauten in Berlin IMHO keinen eigenen Architekturstil hervorgebracht (und selbst da könnte man sich streiten, ob es sich wirklich um eine eigene Entwicklung oder nicht viel eher um bloses Zitieren eines damals weltweit praktizierten Stils handelte). In den kurzen 6 "Friedens-"jahren ihrer Herrschaft hatten offenbar andere Dinge Priorität, als die Gleichschaltung der Architektur.


    Ich habe die Moderne - gleich ob aus der Zwischenkriegszeit oder nach dem WK II - immer eher als Abgrenzung gegenüber dem Bauen vor 1914 empfunden.

    Wichtigster Wirtschaftszweig war auf Finkenwerder bis ins 18 Jahrhundert die Landwirtschaft, dann für etwa 150 Jahre bis etwa zum 1. Weltkrieg die Fischerei. Landwirtschaft und Fischerei werden bis heute noch praktiziert. Während die Landwirtschaft im Süden der Insel immerhin noch landschaftsprägend ist, muß man nach den letzten Überbleibseln der Fischerei schon sehr suchen.


    Dabei war Finkenwerder von den 1860ern bis in die Zwischenkriegszeit der Hauptstützpunkt der deutschen Hochseefischerei mit zeitweise über 100 in Betrieb befindlichen Kuttern. Um die Fischerei herum hatte sich eine lokale "Zulieferindustrie" mit kleinen Werften und zahllosen Handwerksbetrieben gebildet. Die Fischer, die ursprünglich reine Elbfischer waren, hatten ihr Betätigungsgebiet mit dem wachsenden Bedarf Hamburgs immer weiter die Elbe hinab und später auf die gesamte Nordsee bis Norwegen hin ausgedehnt. Im Nordosten der Insel befinded sich bis heute der Kutterhafen.


    Kutterhafen ca. 1900


    Fischerslüt in Sonntagskleidung ...


    ... und bei der Arbeit


    Die Kutter wurden öfters rings um die Insel einfach am Ufer "geparkt", da der Platz im Hafen nicht ausreichte


    Niedrigwasser, für kleine Ausbesserungsarbeiten genutzt:


    Blick vom Kutterhafen zum Ort


    Am Köhlfleet um 1930, und ...


    ... zum Vergleich ähnlicher Standort + Blickrichtung heute


    Das Müggenloch, einst Fleet, heute ein kleine hässliche Straße. Etwa dort, wo sich auf diesem Bild aus den 30er hinten rechts das kleine Holzhaus befand ...


    ... steht heute diese architektonische "Perle", eine Spielhalle:


    Das historische Zentrum Finkenwerders um 1910


    Zustand in den 1930ern. Im Vordergrund auf Finkenwerder wurde hier bereits ein Teil des Vorlandes aufgeschüttet. Im Hintergrund, jenseits des Köhlfleets, der Petroleumhafen.


    Heute gibt es nur noch einen (!) in Finkenwerder registrierten Kutter, sowie einen "Lüttfischer", Herrn Jensen



    Zustand heute, der letzte Kutter - HF 567, ein "Hamenfischer". Das Boot wird zum Fischen verankert, der Gezeitenstrom treibt die Fische in die beidseitig an den Bäumen ausgehängten Netze.



    Die Eckmannswerft am Köhlfleet, heute Standort der Behrenswerft, ca. 1890:


    - in den 1920ern


    - und heute. Hier werden hier keine Fischkutter mehr gebaut. Der Schwerpunkt liegt jetzt auf Reperaturarbeiten. Ein Besonderheit ist der Bau von Tsunami-Warnbojen für den Indischen Ozean und Pazifik (eine der Bojen ist rechts auf dem Bild zu sehen).

    Wer heute von der A7 / E45 in Hamburg Waltershof abfährt und Richtung Finkenwerder fährt, bewegt sich durch eine komplett überformte Landschaft mit Industrieanlagen, riesigen Lagerhallen für Speditionen und den Zubringerstraßen zum Containerterminal Waltershof und der Köhlbrandbrücke. Von der urtümlichen Auenlandschaft, die bis etwa Mitte der 60er Jahre hier noch dominant war, ist auf den ersten Blick nichts mehr zu sehen.


    Anbei 3 Karten, die aufzeigen, wie es zum jetzigen Zustand gekommen ist.


    Als erstes ein Ausschnitt aus der Varendorf'schen Hamburgkarte von 1790, dann ein Entwicklungsplan der Industrie- und Handelskammer aus der Zeit des 1. Weltkrieges, und zuletzt der IST-Zustand anhand des Evakuierungsplanes der Stadt Hamburg bei Sturmfluten. Die Varendorf-Karte und der Evakuierungsplan finden sich gemeinfrei im Internet bei Wikipedia bzw. Hamburg.de , die historische Planung der Handelskammer ist in meinem Besitz.


    Der Ausschnitt aus der Varendorf-Karte von 1790 zeigt das nordwestliche Viertel des Stromspaltungsgebietes bei Hamburg noch in seiner ursprünglichen Ausformung mit zahlreichen Inseln, wie sie seit der Gründung Hamburgs etwa 1000 Jahre zuvor kaum verändert bestanden hatte. Die prägende Kraft war die Elbe und die immer wieder auftretenden Sturmfluten, die hin und wieder Inseln zerteilten oder neu zusammenfügten. Finkenwerder in der linken Bildhälfte ist durch die Norderelbe vom damals zu Dänemark gehörenden Schleswig-Holstein getrennt, und durch die Alte Süderelbe und kleine Seitenarme vom "Alten Land" und der Nachbarinsel Altenwerder. Quer durch Finkenwerder hindurch verläuft die Grenze zwischen Hamburg und Hannover, direkt am Nordufer von Finkenwerder die Grenze zu Dänemark (rote Linien). Finkenwerder verfügt bereits über eine erste geschlossene Eindeichung. Auf dem relativ sicheren Deich drängen sich die Häuser der Fischer und Handwerker. Im Inselinneren befinden sich, insbesondere entlang der "Landscheide" genannten Grenze, Bauernhöfe auf Warften.



    Ab dem Jahr 1900 begann Hamburg das nördliche Vorland von Finkenwerder aufzuschütten, um Platz für Industrieanlagen zu schaffen und Hafenbecken anzulegen. Eine Güterbahnanbindung quer durch die Auenlandschaft von Süden her und eine U-Bahnverbindung in die Innenstadt entlang der Elbe wurden angedacht. Die U-Bahnplanung wurde nie umgesetzt, die Güterbahn wurde in den 30er Jahren tatsächlich gebaut. Größter Betrieb im nördlichen Vorland wurde ab 1918 die auf Initiative des Hamburger Reeders Albert Ballin gegründete "Deutsche Werft", die nur 3 Jahre später schon 6000 Mitarbeiter beschäftigte.



    Zuletzt der heutige Zustand. In der Zwischenkriegszeit wurden im Inneren des nördlichen Teil von Finkenwerder große Flächen sturmflutsicher aufgeschüttet und mit Wohnungen bebaut. Die Deiche boten zwar eine relative Sicherheit, wirklich verlassen wollte man sich aber nicht auf sie. Im Westen der Insel wurde in den späten 30er Jahren erstmals auch mit Flugzeugbau begonnen. Heute befindet sich dort das riesige Werksgelände von Airbus. Anhand der Farbgebung der Karte lässt sich erkennen, welche Fläche aufgeschüttet wurden (gelb bzw. braun), und welche sich noch auf dem ursprünglichen Höhenniveau (grün) befinden. Die vereinzelten gelben Punkte im Landesinneren markieren historische Warften. Nach der verheerenden Sturmflut von 1962 mit mehreren 100 Toten in Hamburg, bei der auch der Finkenwerder Deich mehrfach brach, wurde die alte Süderelbe abgedeicht, der Deich um fast 3m erhöht und dabei im Nordosten auch etwas nach außen verlegt, da der dicht bebaute alte Deich keinen ausreichenden Platz für die Erhöhung bot.


    Gut zu erkennen ist, dass der Norden und Westen der Insel von den Umwälzungen der letzten 115 jahre viel stärker betroffen ist als der Süden.