Posts by RMA

    Eins muss man Kulka lassen, immerhin ist er kein Heuchler wie das Gros seiner Kollegen, die in der Gründerzeitvilla hocken und Sichtbeton predigen. Mögen muss man ihn trotzdem nicht, und am nicht vorhandenen Talent ändert das natürlich auch nichts.

    Insgesamt ist das eigentlich ein recht merkwürdiger neuer Zug, der eher wieder in Richtung der schlimmen Abrisse à la Pfahlplätzchen vor Inkrafttreten der Denkmalschutzgesetze geht. Ich folge der Bamberger Politik nicht regelmäßig genug, um da etwaige personelle Verschiebungen nachvollziehen zu können, aber auffällig ist es schon, die letzten zwei Jahrzehnte wären solche Abrisse jedenfalls kaum denkbar gewesen. Das schlimme ist aber, dass Bamberg wirklich derart überlaufen ist, dass man es wohl zu den ganz wenigen Städten in Deutschland zählen kann, wo der Tourismus tatsächlich eine wirtschaftlich wirklich bedeutende Rolle spielt (das ist entgegen landläufiger Meinung eher selten der Fall). Klar hat auch Bamberg seine Problemecken mit viel Leerstand, aber die Lange Straße zählt nun ganz sicher nicht dazu, hier geht es einzig um primitivsten Kommerz und Gewinnmaximierung.


    Es ist ganz klar: Projektentwickler, wie diese Landplage des 21. Jahrhunderts heißt, suchen auf Teufel komm raus Areale, die sie „entwickeln“ können. Dumm ist nur, wenn sie einmal gemerkt haben, dass ihre bundesweit austauschbaren Argumente bezüglich Bruchbuden, unsanierbar etc. fruchten, kriegt man das Gesindel aus der Stadt nicht mehr raus. Wenn sie mit ihrem Geschwätz und diesem Projekt durchkommen, ist als nächstes die Theuerstadt dran, denn da stehen teils wirklich marode Gebäude.

    Da gibt es nur eine Konsequenz: UNESCO-Weltkulturerbetitel streichen. International hat der eine größere Bedeutung als man hier zu Lande denken mag, und anbetrachts wie viele ausländische Touristen man in Bamberg mittlerweile sieht, dürfte das ganz schön weh tun. Da das Gebiet mitten in der Welterbezone liegt, ist die UNESCO hier klar zuständig. Wenn sich kein anderer hier bereit erklärt, geht von mir Montag ein Brief raus.

    Schön, dass du wenigstens eingestehst, dich dem zu verweigern, das ist schonmal ein Fortschritt.

    RMA


    Insgesamt stellt sich aber jeder ein bedenkliches Zeugnis aus, der den Denkmalwert alleine am Alter eines Gebäudes festmachen will. Das ist eine Auffassung von Denkmaleigenschaft wie in den letzten 70 Jahren, der so viele Gründerzeitbauten als vermeintlich wertlos zum Opfer fielen.


    Bei der Einschätzung des Wertes von Historismusbauten ist es in der Masse zunächst meistens hilfreich, sich das ganze Dekor mal wegzudenken. Dann hätten wir hier einen Klotz, der sich kaum vom heutigen Wohnungsbau unterscheidet. Grundriss oder Kubatur sind also schonmal nicht originell oder besonders schützenswert (was z. B. bei echten Jugendstilbauten durchaus der Fall sein kann). Betrachtet man das Dekor, so ist es in der gängigen eklektizistischen Manier der 1900er Jahre über die Fassade verteilt und erweckt auch nicht den Eindruck, dass es in den Einzelformen über die damals übliche weitgehend industrielle Fertigung hinausgehen würde (was z. B. bei anspruchsvolleren Bauprojekten ebenfalls durchaus der Fall sein kann). Das Gebäude ist somit zwar hübsch anzusehen, aber objektiv völlig seriell und austauschbar. Dies ist übrigens auch der Grund, warum bei weitem nicht jeder Gründerzeitler unter Denkmalschutz steht – denn hübsch sind sie zwar alle, aber den vorgenannten Details ausgewogen ist nur eine bestimmte Gruppe.


    Letztlich wird hier mal wieder, was eh sinnlos ist, über Geschmacksfragen gestritten, bei der man den Eindruck hat, dass manche Leute die teilweise in ihrer Signatur stehenden Dogmen in einer Art durchzusetzen versuchen, die sich kaum von den Betonfetischisten auf Baunetz unterscheidet. Vielleicht einfach mal drüber nachdenken.

    Wäre interessant, wenn das mal ein Kundiger einordnen könnte. Leider überschlagen sich die Archäologen und Zeitungen heutzutage im Eifer um Sensationen nur allzu schnell mit Meldungen, die dann im Endeffekt doch nur von längst bekannten Dingen handeln. So kann ich das zumindest aus Frankfurt am Main in jüngerer Zeit berichten.

    Gebäude wie Breite Straße 4 gibt es in Sachsen zu Zehntausenden, das gezeigte Beispiel mag zwar für bundesweite Verhältnisse recht prächtig sein, ist in Sachsen mit seinen grundsätzlich sehr hochwertigen Historismusbauten zumindest nichts besonderes. Breite Straße 10 ist dagegen ein typischer Vertreter der regionalen Architektur und keinesfalls austauschbar, zumal sicher kein Ingenieurbau. Altstädte wie Freiberg, vielleicht das bedeutendste vorgründerzeitliche Flächdenkmal Sachsens, bestehen zu 98 % aus schmucklosen Häusern wie diesem. Dass Gebäude des 17. Jahrhunderts aus nahe liegenden Gründen schon aufgrund ihrer geringeren Überlieferung besonders schützenswert sind, wird wohl ebenfalls keiner in Abrede stellen. Insgesamt stellt sich aber jeder ein bedenkliches Zeugnis aus, der den Denkmalwert alleine an der Prachtentfaltung eines Gebäudes festmachen will. Das ist eine Auffassung von Denkmaleigenschaft wie vor 125 Jahren...

    Habe mir eben mal den Bauplan angeschaut im Artikel von Wissen.de.


    Bin ja öfter in Frankfurt und hab dort lange genug gewohnt, war aber schon lange nicht mehr im "Altstadt"Gebiet (da es ein solches praktisch noch gar nicht gibt und ich mir das 60er-Jahre Elend nicht antun will). Das "Haus am Dom" z.B. auf dem Plan kannte ich noch nicht. Mir fällt aber beim Betrachten der Fotos das ein, was ich schon immer sage: Man könnte sogar jetzt noch unglaublich viel aus dieser Stadt machen, und zwar mit wenig aufwändigen Mitteln, aber ich frage mich warum deutsche Stadtplaner - auch in Frankfurt - so unglaublich grottenschlechte Arbeit leisten. Dieses Haus rechts z.B. sehe ich als keine besondere Verbesserung:


    http://images.cdn.baunetz.de/i…3/3/8107079869e8d1c1.jpeg


    Du hast lange in Frankfurt am Main gewohnt? Das Haus rechts im Bild ist doch das Haus am Dom, und der im Foto zu sehende vordere Teil, der eigentlich das Hauptzollamt von Werner Hebebrand aus dem Jahr 1928 darstellt, hat schon immer da gestanden, da es auch den Krieg überlebte. Es war einer der letzten Lückenschlüsse des Braubach- / Domstraßenbaus – die Altstadthäuser da hat man schon 1904–06 weggerissen. Den Vorzustand mit dem unveränderten Hauptzollamt müsstest du noch kennen. Nur der hinten jüngst angebaute Teil ist das eigentliche Haus am Dom.


    Was mich auch interessieren würde: Die SCHIRN in die Altstadt zu bauen, war ein absoluter Fehler, eine Kunsthalle von solch riesigen Dimensionen gehört nicht in eine Altstadt, das sagt einem eigentlich der Verstand. Das Gebäude selber finde ich nicht schlecht, aber erstens nicht in einer Altstadt generell, und zweitens blockiert es ja das Terrain auf dem weitere Rekonstruktionen folgen könnten.


    Ob es möglich wäre ein solches Gebäude zu translocieren? Oder wäre es zu aufwendig/zu teuer? Falls das jemand weiss, diese Frage würde mich sehr interessieren.


    Die letzten zwei Fragen kann man grundsätzlich beantworten: ja und ja. Alles nur eine Frage dessen, was man aufzuwenden bereit ist. Realistisch betrachtet wäre eine Translokation hier allerdings das gleiche wie ein schwerer Autounfall, nämlich ein wirtschaftlicher Totalschaden, weil der Neubau wohl weniger teuer wäre als das Gebäude abzutragen und woanders wieder aufzubauen. Aufgrund der seit den 1980er Jahren gestiegenen Preise für Naturstein könnte man höchstens die Fassadenverkleidung vorher abnehmen und recyclen.

    Ich würde eher sagen, man muss halt einen Künstler finden, der dazu in der Lage ist. Und bereit sein, für die bestmögliche Qualität auch entsprechend zu zahlen. Diese Gesetzmäßigkeiten haben sich seit Jahrhunderten nicht verändert. Wann immer man auf qualitativ miese Nachschöpfungen trifft (was glücklicherweise recht selten der Fall ist), kommt man ziemlich schnell auf den Trichter, dass irgendwo gespart wurde.


    Die englische Wikipedia ist dein Freund:


    http://en.wikipedia.org/wiki/L…ings_in_the_United_States


    Übrigens eine sehr interesssante Liste, an der man schön die Herausbildung eines nationalen Baustils erst im Laufe des 18. Jahrhunderts beobachten kann. Unten im Artikel gibt es noch spezifische Listen für die einzelnen Bundesstaaten (aus historischen Gründen dort natürlich vor allem die Ostküste, insbesondere New York von Interesse), wer hätte z. B. gedacht, dass auf Manhattan noch ein Holzhaus von 1795 überlebt hat? Leider wurde es durch Hurrikan Sandy schwer beschädigt...

    Ich will hier nur auf ein paar Themenkomplexe deiner Antwort eingehen ohne mich allzusehr in die Grundsatzdebatte einzumischen. Zum Dom: deine Argumentation setzt hier insofern falsch an, als du die Sache von deinem heutigen Standpunkt aus betrachtest. Im Städtebau des Mittelalters herrschte der gleiche Zug vor wie im Handwerk unter dem Zunftzwang, ein Gebäude, das sich dem Stadtbild nicht organisch einfügte, wurde einfach nicht gebaut. Weiter gab es viel weniger Menschen als heute und so waren es über Jahrhunderte oft die gleichen wenigen Maurer-, Steinmetz- und Zimmermannsfamilien, in denen entsprechende Traditionen weitergegeben wurden, was auch das eher biedere und sich sehr langsam entwickelnde Bauwesen insbesondere in den großen Freien Reichsstädten erklärt.


    Ferner geht dein Bild einer großen Kirche davon aus, wie sie sich heute meistens darbieten: alleine auf einem großen Platz. Dies ist aber nicht der Zustand des Mittelalters, sondern der, den das 19. Jahrhundert geschaffen hat. Auch der Dom hatte zu dem Zeitpunkt, als Ende des 13. Jahrhunderts der Ausbau in die heutige Form angegangen wurde, kaum Platz zur Ausdehnung. Daraus ergibt sich auch die ungewöhnliche kreuzartige Form (auf die Details kann ich hier aus Zeitgründen nicht eingehen). Und auf diesen Zustand hin wurde eher auch entworfen, wie der erhaltene Bauplan für den Domturm zeigt – im unteren Bereich völlig schmucklos, das Dekor zu Betonung der Vertikalen und der Fernwahrnehmung. Das Gebäude wurde zur „Krone der Stadt“, die ja ebenfalls von einem in die Vertikale gereckten Befestigungskranz umgeben war, dieses Bild dürfte eines der besten sein, dass jene Wirkung erkennen lässt.


    Den Erbauern des Doms ging es nicht darum, ein Gebäude zu schaffen, das nicht zwischen engen Häusern eingesperrt ist. Diesen Gedanken kannte man nicht, im Gegenteil – in der vorreformatorischen Gesellschaft gab es ein Gemeinwesen, das heute nicht mehr vorstellbar ist. Die Definition von Privatheit war eine völlig andere. Nicht zuletzt dafür war die Frankfurter Altstadt ja in ihrer Geschlossenheit eines der wertvollsten Flächendenkmale Europas, zumal sie wenige herausragende Einzelbauwerke besaß. Vertreter der Idee des „freien Domblicks“ bezeugen für mich vor allem eine Unkenntnis der Geschichte und der Unfähigkeit zur Reflektion städtebaulicher Vorstellungen des frühen 19. Jahrhunderts, die mehr von romantischer Attitüde denn tatsächlichen kunstgeschichtlichen Erkenntnissen getrieben waren.


    Zu deinem letzten Absatz: in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in der Frankfurter Altstadt alles andere als sehr viele Umbauten vorgenommen – deswegen war sie ja auch so gut erhalten. Die letzte große Umbauwelle der Frankfurter Altstadt war die Barockisierung des 18. Jahrhunderts. 1761 besaß die Stadt nach dem Bauamts-Gegenschreiberbuch rund 3.000 Gebäude, zugleich lassen sich 1740–1800 rund 3.000 Einzelbaumaßnahmen nachweisen, wobei der ganz überwiegende Teil davon Umbauten waren, und nur die wenigsten Neubauten.


    Anfang des 19. Jahrhunderts, als das Bauland außerhalb der historischen Stadtgrenzen frei wurde, entstand in der Altstadt zwar noch die ein oder andere klassizistische Mietkaschemme, aber die Altstadt verkam im Zuge der Massenzuwanderung durch die industrielle Revolution schnell zum Arbeiterquartier mit niedrigsten Mieten (heute wieder in ähnlicher Form in Altstädten wie hier in Höchst oder in Friedberg zu beobachten). Daher kamen solche Neubauten nach 1820 kaum noch vor, weil sie ohnehin kaum Erträge brachten. Umbauten waren deswegen wenige nötig, da viele Häuser der Altstadt in „Gesesse“, kleine vermietbare Wohnungen, unterteilt waren, um dort Messegäste zu beherbergen. Damit verdiente der alteingesessene Stadtadtel und das Patriziat schon seit dem 17. Jahrhundert mehr Geld als einer tatsächlichen Arbeit als Kaufmann etc. nachzugehen, wie dies die Vorfahren im Mittelalter noch getan hatten.

    Hat jemand von euch überhaupt den Artikel gelesen? Da ist nirgendwo die Rede vom Abriss von Altbauvierteln. Als erstes geht es dem sozialen Wohnungsbau der späten 1960er und vor allem der 1970er an dem Kragen, der heute der Inbegriff von Problemvierteln darstellt. Und weil er auch im Gegensatz zu übrigen Siedlungsbau der 1920er–1950er Jahre größtenteils noch nicht unter Denkmalschutz steht. Ich würde also mal sagen: ruhig durch die Nase atmen.

    Danke auch von mir Erpel. Der Vergleich mit Pforzheim ist wohl ähnlich der hier im Forum von manchem vertretenen Behauptung, Heidelberg wäre mit Bausünden verseucht. Bei sowas muss man sich ernsthaft fragen, ob derjenige die Stadt schonmal real gesehen hat. Antwerpen würde ich vom Erhaltungsgrad ungefähr mit Wiesbaden vergleichen, es gab keine planmäßige Bombardierung, durch den V2-Beschuss und die Abrisswut der Nachkriegsjahre sind nadelstichartig einige wertvolle Sachen verlorengegangen, aber die Ensembles als solche noch weitestgehend erhalten. Man sollte darüber hinaus auch nicht vernachlässigen, dass die Stadt ähnlich wie Brüssel sehr stark historistisch überformt wurde. Viele Gebäude, die sehr alt aussehen, sind häufig nur Jahrhundertwende, gerade solche mit Staffelgiebeln.

    Hm, das sieht ja wieder völlig anders aus, vor allem im Erdgeschoss. Merkwürdig. Es scheint dann wohl doch ein Neubau zu sein, den man später wieder dem Vorgänger angenähert hat.


    Mittlerweile habe ich noch eine Ansicht der Westseite von 1873 gefunden (und auf Wikimedia Commons hochgeladen):



    (Klicken zum Vergrößern)


    An dieser Stelle mag ich noch kurz auf die Vorgängerbebauung eingehen. Für den Durchbruch am Liebfrauenberg abgerissen wurden die Häuser Liebfrauenberg 58, das direkt an die Liebfrauenkirche angebaut war, und das anschließende Haus Bleidenstraße 2. Liebfrauenberg 58 war die bereits auf dem Merian-Plan von 1628 als steinerner Renaissancebau (im Kern noch gotisch) zu erkennende alte Liebfrauenschule, die in den 1680er Jahren in der Form barockisiert wurde, wie sie uns Salomon Kleiner wenige Jahre später auf seiner Ansicht des Liebfrauenberges zeigt. Bleidenstraße 2 mit dem prächtigen manieristischen Giebel war das erstmals im 14. Jahrhundert genannte Haus Stalberg, nach dessen Nutzung als Stammhaus die aus Rödelheim im 14. Jahrhundert eingewanderte bedeutende Patrizierfamilie Stalburg später ihren Namen führte (s. dazu auch Große Stalburg, Stalburger Oede).


    Abschließend noch verschiedene historische Ansichten.


    Matthäus Merian d. Ä., 1628:



    (Klicken zum Vergrößern)


    Wenzel Hollar, 1635:



    (Klicken zum Vergrößern)


    Salomon Kleiner, 1725:



    (Klicken zum Vergrößern)


    Das wars.

    Hm, gut aufgepasst. Das ist mir tatsächlich noch nie aufgefallen. Der finale Schadensplan 1950 bezeichnet es als „Unbeschädigt oder wiederaufgebaut“. Ohnehin ist das Haus, das auf der farbigen Entwurfszeichnung der Ostseite von Burnitz zu sehen ist (und aufgrund des Rundbogenstils unzweifelhaft in die gleiche Zeit zu datieren ist) nicht identisch mit dem Haus auf dem Foto von 1927. Man hat es also nach 1858 zum Geschäftshaus umgebaut, indem man die beiden untersten Geschosse mit dieser Bogenstellung versehen und es um mindestens ein, vielleicht sogar zwei Geschosse aufgestockt hat. Der Umbau wirkt ja recht modern, ich würde ihn nicht vor 1910 datieren (würde aufgrund des damals populären Neoklassizismus eh zum Haus passen), vermutlich verdankt das Haus diesem Umbau mit modernen Materialien, dass es den Krieg überlebt hat. Ist halt die Frage, wieviel davon noch stand, ich kann leider kein Foto finden, das es direkt nach dem Krieg zeigt. Spontan würde ich ja sagen nicht mehr als das Ladengeschoss, denn kein Mensch hätte sich in der Materialknappheit die Mühe gemacht, die ganzen rundbogigen Fenster auf eckig umzubauen.

    Mal abgesehen von den Tone Mapping-Unfällen wirklich sehr beeindruckend, vielen Dank! Ich sollte wirklich mal das Gesäß hochbekommen und da hinfahren. Die Stadt scheint sich ja nun wahrlich nicht vor Leipzig verstecken zu müssen.

    Nichts für ungut, aber die Senckenberg-Problematik ist viel aktueller und zeitkritischer als die des Bahnhofsvorplatzes. Letztere sollte man besser konzertiert im Rahmen der bereits in Planung befindlichen, wieder fußgängerfreundlicheren Umgestaltung des Platzes angehen. Gegenwärtig sind das alles Luftschlösser und die Gebäude gehören garantiert wie fast alles von Bedeutung in Frankfurt am Main namenslosen internationalen Investment-Gesellschaften.

    Ich denke, dass man hier seitens der Stadt das allgemeine Klima recht gut einschätzt, in dem ein weiteres Zusammenstreichen von Rekonstruktionen nicht vermittelbar wäre. Herrn Cunitz schätze ich persönlich auch so ein, dass er zu den Leuten in seiner Partei gehört, die eher mit der Rekonstruktion liebäugeln als andere, schließlich hat er seine Magisterarbeit als Kunsthistoriker über selbige geschrieben. Und es ist ja nicht so, dass man bis hierhin nicht schon in zahlreiche saure Äpfel hat beißen müssen. Das Bekenntnis zur Grünen Linde ist freilich sehr erfreulich, handelt es sich doch um einen Archetypen des Frankfurter Bürgerhauses der Neuzeit, der schon stellvertretend für hunderte Beispiele dieser Art rekonstruiert gehört.

    Danke, Wikos. Mein DAF-Beitrag wird zur Überschrift eines FAZ-Artikels, dass ich das noch erleben darf. Jetzt ist der Moment für Leserbriefe gekommen, liebe Freunde. Daher auch nochmal an dieser Stelle:


    Leserbriefe an FAZ, FNP und FR bringen nach den Erfahrungen in der Dom-Römer-Diskussion erstaunlich viel und werden auch von Politikern gelesen. Wider Erwarten werden diese auch überwiegend veröffentlicht bzw. die Zeitungen freuen sogar über kritische Meinungen, denn im passiven Hinnehmen irgendwelcher Mißstände sind wir Deutschen ja Weltmeister, zumindest, bis man Angie das Handy abhört.


    Frankfurter Allgemeine Zeitung: leserbriefe@faz.de


    Frankfurter Neue Presse: leserbriefe@fnp.de


    Frankfurter Rundschau: leserbrief@fr-online.de


    Traditionell bzw. aufgrund der politischen Orientierung sind die Chancen, bei FAZ und FNP zu Architekturthemen Gehör zu finden, geringfügig höher als bei der FR, wobei man der Ehrlichkeit halber sagen muss, dass ich dort auch schon oft veröffentlicht worden bin.

    Northeim hatte halt wie so viele Städte das Pech des großen Stadtbrandes im 19. Jahrhundert. Ohne den wäre es eine der bedeutenden Fachwerkstädte im Harz-Raum und wenigstens in einem Atemzug mit Einbeck, vielleicht gar Hannoversch Münden zu nennen, so sticht sie heute nur noch durch Einzelbauten wie die Kirche mit ihrer ungewöhnlich wertvollen Ausstattung (Orgel!), das Spital oder eine Handvoll gotische Bürgerhäuser hervor. Mit der unsäglichen Bebauung des Klostergeländes, die das einstige Technische Rathaus in Frankfurt am Main oder das Marktdreieck in Waiblingen schön aussehen lässt, hat man sich zudem wahrlich einen Bärendienst erwiesen. Wie Heinzer und youngwoerth so trefflich bemerkten, man hat das Gefühl, die lokale Baukultur zwischen 1945–90 war einzig auf den Zonenrand bzw. den drohenden Atomkrieg und somit ohnehin keinerlei ästhetische Bedeutung ausgerichtet. Das ist freilich ein überregionales Problem, wenn man mal z. B. nach Göttingen schaut.