Posts by RMA

    Die Gründe dafür sind aber wohl eher in der Landflucht der letzten Jahre, den völlig überhitzten Mieten in den Großstädten und den Gentrifizierungsprozessen in zuvor bürgerlichen Quartieren zu suchen. Da die Plattenbauviertel meistens weit draußen liegen, wird nun eben zunehmend die Mittelschicht sowie Leute mit kleinen Renten in diese Stadtteile gedrängt. Das Ganze kann man also eher als Symptom der Urbanisierung denn einer zunehmenden Attraktivität von Plattenbauvierteln gewertet werden. Auch stellt sich die Frage, was mit den Leuten passiert, die bisher diese Stadtteile bewohnt haben.

    War das überhaupt ein historistischer Altbau, zumindest einer vor ~ 1930? Die Geschosshöhen und Proportionen wirken etwas eigenartig, gerade im Vergleich zum (linken) Nachbarhaus? Gelungen ist Bestuckung trotzdem mit erfreulicher Stilsicherheit, da hat man schon übleres gesehen.

    Gab es in Berlin keine bedeutenden Bürgerhäuser des Barock oder frühen Klassizismus, so wie in Potsdam oder Frankfurt an der Oder? Ich erkenne in dem Panorama ein sehr nobles Stadtbild des Klassizismus, wie es es heute so wohl nur noch in einigen nicht so stark überformten Teilen von Paris gibt.

    Aus fachwerktechnischer Sicht ist an dem Haus ohnehin nichts bedeutsames, das kann gerade in der traditionellen Rhön so auch noch irgendwann in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sein. Überhaupt impliziert der komische Dachvorbau, dass das Gebäude geradezu für die Tankstellennutzung entstanden ist, sicher aber tiefgreifend verändert wurde.

    Mal wieder ein bisschen was aus Höchst, kaum zu glauben, wie lange der letzte Beitrag schon wieder her ist. Also dann, wenn auch quantitativ nicht allzuviel passsiert (bei Bolongarostraße 156 aka „Goldener Adler“ ist noch nichts zu erkennen), so doch zumindest qualitativ so einiges.


    Am Gebäude Höchster Schloßplatz 14 erreichen die bereits seit Ende 2011 laufenden Restaurierungsarbeiten nun auch die sichtbaren Fassaden zum Burggraben im Westen respektive zum Schloßplatz im Süden. Das Haus ist ein zumindest im Hochbau – unter der Parzelle liegen mittelalterliche Keller – vermutlich kurz nach dem Höchster Stadtbrand von 1586 entstandes Anwesen für ein Mitglied des Mainzer Dienstadels oder eines reichen Kaufmanns. Ersteres halte ich aufgrund der Nähe zur Zollburg für wahrscheinlicher.


    Ungewöhnlich ist die massive Ausführung der beiden Untergeschosse, erst spätere Reparaturen und Anbauten erfolgten in Fachwerkbauweise. Ausnahme ist das zweite Obergeschoss, insbesondere dessen bereits weitgehend restaurierte Fassade zum von der Bolongarostraße aus zugänglichen Hof, die sich der Kernbau dort mit der Rückseite des spätgotischen Fachwerkbaus Bolongarostraße 173 teilt. Das Gebäude zeigt dort eine Schaufassade in den typischen mitteldeutschen Zierformen des Holzbaus des späten 16. Jahrhunderts.


    Damit besteht eine nicht unerhebliche typologische Ähnlichkeit mit dem fast zeitgleichen Anwesen Bolongarostraße 186 (zwei Geschosse in Stein, darüber ein Fachwerkgeschoss), wobei sich dieses in seiner exponierten, freistehenden Lage im Gegensatz zu seinem Verwandten am Schloßplatz mit seinem komplizierten Grundriss wohl weniger den räumlichen Gegebenheiten unterordnen musste. Die dort gesicherte Bauherreneigenschaft durch Hartmuth XIII. von Kronberg aus dem Reichsritterstand verweist auf die hohe Bedeutung von Schloßplatz 14.


    Zunächst der bisherige Zustand in zwei Bildern von mir aus dem Jahre 2010. Das erste zeigt das Haus ganz links, vom Schloßplatz bzw. Südosten aus gesehen, das zweite die Draufsicht vom Burggraben mit dem senkrecht daran stoßenden Anbau, der wohl erst aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt:



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    Nun einige Ansichten von heute bzw. dem jetzigen Sanierungsstand. Zunächst zwei den vorigen Bildern entsprechende Motive. Viel ist nicht zu erkennen, interessant dürfte sein, ob das zweite Ober- und das Dachgeschoss auch zum Schloßplatz in Zierfachwerk ausgeführt waren – wovon ich eigentlich ausgehe – und wenn, ob dieses noch erhalten, ggf. rekonstruiert und wieder freigelegt wird. Die beiden Untergeschosse aus Bruchstein werden dagegen mit Sicherheit wieder verputzt.



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    Detail des Erdgeschosses an der Ecke von Burggraben und Schloßplatz. Da, wie vor allem aus dem zweiten von oben (aus 2010) gezeigten Bild ersichtlich, mit dem Anbau Richtung Burggraben auch der Fassade zum Schloßplatz eine Fensterachse (im ersten Obergeschoss) hinzugefügt wurde, sehen wir dort ohne Verputz nun die Baunaht zwischen dem Wechsel von massiver Bruchstein- zu Fachwerkbauweise:



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    Rück- bzw. Nordseite des Anbaus, wo abermals der Wechsel der Bauweise zu beobachten ist. Hier sind bereits sehr schöne fachmännische Restaurierungs- bzw. Zimmermannsarbeiten zu erkennen, die auf einen maximalen Erhalt von Originalsubstanz gerichtet sind. Interessant auch das Fenster im Erdgeschoss des Kernbaus, das dort wohl erst im 18. Jahrhundert eingebrochen wurde, weswegen um dessen Gewände schon nicht mehr die Bauweise in Bruchstein, sondern vorindustrielle Ziegel Anwendung fanden:



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    Schließlich sehen wir von der Bolongarostraße aus zwischen den Häusern 171 und 173 die schon weitgehend fertig gestellte Hoffassade mit den schönen steinernen Fenstergewänden sowie dem Zierfachwerk, eventuell also eine Vorschau auf die künftige Fassade zum Schloßplatz? Noch fehlen die Fenster, laut mündlicher Aussage eines Bewohners vor einigen Jahren haben sich im zweiten Obergeschoss zum Hof solche des 18. Jahrhunderts erhalten, die die ältesten im gesamten Stadtgebiet sein dürften (man merke, es gibt schon in der Römerstadt von 1927–29 nicht einmal mehr ein einziges originales Fenster), man darf also hoffen, dass sie gerade aufgearbeitet und wieder eingesetzt werden, sofern sie nicht im Museum landen:



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    Nun zum Grundstück der ehemaligen Bolongarostraße 102 (vgl. #70). Die Arbeiten an der Baugrube sind in vollem Gange, wobei mittlerweile auch der Gewölbekeller der Vorgängerbebauung beseitigt wurde. Nachfolgend ein paar Impressionen der Baustelle.


    Gesamtansicht von Südosten, erkennbar ist Züblin Auftragnehmer, was auf eine professionelle und vor allem zügige Abwicklung hoffen lässt:



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    Gesamtansicht von Nordosten aus der Zuckschwerdtstraße, der Aushub wurde erstmal brav von allen Seiten in der Mitte aufgetürmt, im Vordergrund die Schienen der Straßenbahnlinie 11, im Hintergrund der spätbarocke Bolongaropalast:



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    Direkt an der Südostecke der Baugrube sind die Reste des offenbar sogar mehrschiffigen Kellers noch am besten zu erkennen:



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    Zum Abschluss bzw. zur Komplettierung noch eine Ansicht von der Südwestecke der Baugrube:



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    Das wars für heute.

    Also nichts für ungut, dagegen wirkt der Bestand doch noch gelungen. Ausgeprägte Sockelzone, Risalite, mezzaninartiger Abschluss, fast schon klassisch bis auf die Fensterausbildung und -formate sowie die Materialwahl. Der Neubau ist dagegen brutal-primitiver Schrott.

    Guldengasse 1–3 sind zwei Fachwerkbauten direkt westlich hinter der südwestlich vom Marktplatz wegführenden Weiseler Straße. Beide Häuser gehören sicher noch mindestens in das 17. Jahrhundert, bei Guldengasse 3 ist wohl eine ehemals hohe Halle im Erdgeschoss anzunehmen.


    Bild wohl aus den 1980er Jahren bei DenkXweb:


    http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/pic/40/W0211.jpg


    Bild von mir, 27. März 2014, Ansicht von Südwesten, rechts Guldengasse 1, links davon Guldengasse 3 mit wohl späterem senkrecht darauf stoßenden Anbau, dieser mit nochmals jüngerer seitlicher Erweiterung:



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    Es ist mir ehrlich gesagt rätselhaft, wie eine Bauaufsicht, wenn sie denn eingeschaltet wurde, bei einem denkmalgeschützten Objekt derartige Baumaßnahmen genehmigen kann. Rezent wurden rücksichtslos Fenster in das Haus gebrochen, die Art und Weise, wie alles dann auch noch mit zementhaltigem Putz zugeschmiert wurde, lässt eine vollständig laienhafte Ausführung annehmen. Die Spätfolgen sind mittelfristig Schimmel und langfristig statische Schäden.


    Ein weiteres Beispiel, das gefühlt schon in den Bereich vorsätzlicher, sicher aber fahrlässiger Zerstörung eines Baudenkmals reicht, ist das Haus Färbgasse 5. Der Fachwerkbau wurde 1724/25 errichtet und im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zur Färbgasse mit einer Stuckfassade im Stil Louis-seize verziert, um ein Steingebäude vorzutäuschen. Damit ist es nur noch eines von drei erhaltenen Häusern dieses Typs vor 1800 in Butzbach (vgl. Weiseler Straße 5, Wetzlarer Straße 21).


    Bild wohl aus den 1980er Jahren bei DenkXweb:


    http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/pic/40/W0151.jpg


    Bild von mir, 27. März 2014, Ansicht von Südosten:



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    Viel muss nicht gesagt werden. Was derartige Kletterpflanzen schon nicht in Fachwerk errichteten Häusern antun, ist bekannt, hier reißen sie im wahrsten Sinne des Wortes die ohne dringend restaurierungsbedürftigen Stuckdekorationen von der Fassade. Da auch dies sicher schon seit 5–10 Jahren der Fall sein dürfte, fragt man sich, falls überhaupt, in welchen Zeitabständen eine Begutachtung des Denkmalbestandes stattfindet.

    Hier ist der Originalscan der entsprechenden Seite vor dem Entrastern. Aufgrund der primitiven Drucktechnik ist leider nicht wirklich etwas zu entziffern – was waren Lichtdruck und Lithografie doch schön.

    Laut Wikipedia ist wohl der Sender Gleiwitz mit 118 Metern das höchste Holzbauwerk der Welt und auch in seiner Skelettbauweise eine Fachwerkhäusern vergleichbare Konstruktion. In Deutschland ist es der Funkturm Rottenbuch mit 62,5 Metern Höhe. Neben Sendetürmen gibt es auch Aussichtstürme wie z. B. den Goetheturm in Frankfurt am Main, der als begehbares Bauwerk wohl wesentlich höhere Sicherheitsanforderungen erfüllen muss, aber dennoch im Gegensatz zu den vorgenannten Beispielen ohne Metallbauteile auskommt und 43 Meter erreicht. Die vorgenannten Beispiele haben natürlich alle den Vorteil, dass sie nicht ausgefacht sind, und daher Windlasten keine Rolle spielen. Auch Wetterlasten, insbesondere Schnee auf Dächern, ist bei solchen Türmen im Gegensatz zu Fachwerkhäusern mit ihrer erheblich größeren Grundfläche nicht von Relevanz.


    Der Possenturm ist als im Gegensatz dazu ausgefachtes Gebäude meines Erachtens insofern von hoher Bedeutung, als er Ende des 18. Jahrhunderts errichtet wurde, wo man aufgrund der Fortschritte in den Ingenieurswissenschaften schon ziemlich genau wusste, was man tat, aber andererseits noch komplett in traditioneller Technik arbeitete. Ferner war man aufgrund des fürstlichen Auftraggebers bei der Ausführung wohl kaum finanziell eingeschränkt und als Aussichtsturm sollte er sicherlich so hoch werden wie nur irgendwie möglich. Neben dem spezifischen Fachwerk mit den langen, fast geschosshohen Streben, die ein umlaufendes Zickzackmuster bilden, verjüngt er sich ja auch nach oben hin sichtbar, was darauf hindeutet, dass das Gebäude ganz genau auf dem Papier ausgearbeitet wurde. Ich gehe daher davon aus, dass er hart an der Grenze dessen ist, was man in völlig traditioneller Bauweise erreichen kann.


    Dazu kommt dann aber noch der Aspekt des Nutzens. Auch Hochhäuser können, wie wir wissen, gegenwärtig fast 1.000 Meter hoch gebaut werden, aber selbst die in Dubai inflationären 600 Meter, die es dort in Massen gibt, sind ökonomischer Wahnsinn, und es hat auch seinen Grund, wieso in Deutschland, wo man noch mit Hirn baut, nur wenige Gebäude über die 250 Meter hinausgehen. Die Kosten für die infrastrukturelle Erschließung und Versorgung stehen darüber hinaus in kaum einem sinnvollen Verhältnis mehr zu dem Hauptgrund, in die Höhe zu bauen, nämlich sehr teuren und meist aus geographisch- oder topographisch-historischem Herkommen räumlich stark begrenzten Baugrund bestmöglich auszunutzen. Dies war in Frankfurt am Main im Mittelalter wie heute der Grund für die bedeutende Höhenentwicklung der Bauwerke, in den meisten vertikal strebenden Fachwerkstädten wohl auch.


    Dennoch ist wohl kein Frankfurter Fachwerkhaus über 25 Meter hoch gewesen, der Große und Kleine Engel (Markt 39 / Römerberg 28), ein bemerkenswert turmartiger Bau der Spätgotik, kommt gerade mal auf etwas über 20 Meter, das benachbarte Haus Kleiner Da(ch/ss)berg / Schlüssel (Römerberg 20), ein aus zwei älteren Kernbauten in der frühen Neuzeit zusammengewachsenes typisches Giebelhaus und einer der stattlichsten Vertreter dieser Art, erreicht eine vergleichbare Höhe. Zur Veranschaulichung, Bild von mir, 05. Juli 2011, Ansicht von Südwesten, ganz links Markt 39 / Römerberg 28, das vierte von links Römerberg 20:



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    Das Gesagte ist vermutlich einigermaßen übertragbar. Vereinzelt mag es Bauten geben, die an der 30 Meter-Marke kratzen, sei es durch besonders hohe und steile Dächer, oder durch ein paar zusätzliche repräsentative Meter (wie das vorgestellte Beispiel in Tübingen), aber oberhalb sind neben den ingenieurstechnischen Herausforderungen, städtischen Bauordnungen, einer in der Vergangenheit einigermaßen eingehaltenen Maßstäblichkeit und natürlich der Erschließung, die selbst im luxuriösesten Falle eines angebauten Treppenturms in vorindustrieller Zeit eine Plage darstellt, die Hürden wohl allgemeingültig insgesamt zu groß, dass Gebäude mit überwiegender gewerblicher und/oder Wohnnutzung oberhalb von 25–30 Metern Verbreitung gefunden hätten.

    Mit soviel Begeisterung hätte ich nicht gerechnet. Fangen wir mit dem Katalog der Bauten an der Alfstraße an.


    - Alfstraße 15 (Bild; wohl älterer Kern, barocke Fassade augenscheinlich frühes 18. Jahrhundert, unterer Teil wohl 19. Jahrhundert)
    - Alfstraße 17 (Bild; Spätgotik, wohl 15. Jahrhundert)
    - Alfstraße 19 (Bild; Historismus (?), wohl Neubau 2. Hälfte 19. Jahrhundert, ungewöhnlich das Mansarddach (?))
    - Alfstraße 21 (Bild; sehr wenig erkennbar, tendenziell wie Nr. 19)
    - Alfstraße 23 (Bild (nur Portal); Portal 1589 (i), keine Aussage über das Gebäude möglich)
    - Alfstraße 25 (Bild; Spätgotik, wohl 15. oder frühes 16. Jahrhundert, unterer Teil augenscheinlich 17. Jahrhundert)
    - Alfstraße 27 (Bild; Gotik, wohl noch 14. Jahrhundert, unterer Teil eingreifend augenscheinlich im späten 19. oder gar 20. Jahrhundert verändert)
    - Alfstraße 29 (Bild #1, Bild #2; Backsteinrenaissance, wohl 16. Jahrhundert, augenscheinlich äußerlich völlig bauzeitlich erhalten, östliches Eckhaus einer mir namentlich nicht bekannten Stichgasse zur Fischstraße, die es mittels eines Schwibbogens mit der Nr. 31 überspannte)
    - Alfstraße 31 (Bild #1, Bild #2 (Portal); Gotik, wohl älterer Kern, dem Giebel nach eher 14. Jahrhundert, unterer Teil dem Portal mit Taustabdekor nach 16. Jahrhundert)
    - Alfstraße 33 (Bild #1, Bild #2; Historismus, wohl Neubau 2. Hälfte 19. Jahrhundert, vielleicht über älterem Keller)


    Für Ergänzungen und Korrekturen bin ich anbetrachts meiner bescheidenen Kenntnisse des norddeutschen Profanbaus bzw. der Fassadenentwicklung dankbar. Trotzdem zeigt sich schon hier, dass z. B. der Zwang zu Giebelständigkeit problematisch ist, weil solche überhaupt nicht in allen Fällen den Vorkriegszustand wiederspiegeln (ähnlich wie in Frankfurt am Main).

    Im Vorfeld wäre vielleicht mal eine Bestandsaufnahme (ggf. hier im Forum in einem separaten Thread) hilfreich. D. h. von wie vielen Parzellen und welchen Hausnummern in Alf-, Braun- und Fischstraße reden wir, in Abstimmung mit dieser hervorragenden Wikipedia-Liste könnte man dann mal einen ersten Überblick gewinnen. Als nächstes ginge es darum, Bildmaterial zu organisieren und eine Einordnung der künstlerisch-geschichtlichen Bedeutung der einzelnen Bauten zu treffen. Ich will mal einen Anfang anhand dieser abfotografierten Grafik zur Ausgrabung machen, die Maxileen vor einiger Zeit freundlicherweise in einem Beitrag zur Verfügung gestellt hatte.


    An der Alfstraße reden wir von der Südseite zwischen dem neuen Studentenwohnheim (Nr. 5a) im Osten und Gerader Querstraße im Westen, es scheint sich um zehn Häuser zu handeln, ehemalige Hausnummern Alfstraße 15–33.


    An der Fischstraße fehlt bekanntlich das meiste, an der Nordseite geht es um den Abschnitt zwischer dem neuen Studentenwohnheim (hier wohl Nr. 6) im Osten und der Geraden Querstraße im Westen. Wir sprechen hier augenscheinlich von neun Häusern, die die ehemaligen Hausnummern Fischstraße 16–32. Im Süden haben wir den Bereich zwischen dem Nachkriegsbau Nr. 5–9 im Osten und der Einhäuschen-Querstraße im Westen, wohl neun Häuser, ehemalige Hausnummern Fischstraße 11–27. Hier bin ich mir am ehesten unsicher.


    Schließlich haben wir im Süden an der Braunstraße die Nordseite im Bereich zwischen dem erhaltenen Bestand mit Nr. 12 im Osten und der Einhäuschen-Querstraße im Westen. Auch hier bin ich mir nicht ganz sicher, aber es müssten zehn Häuser sein, ehemalige Hausnummern Braunstraße 14–32.


    Summa summarum also 38 Häuser.

    Als ich das letzte Mal in Dinkelsbühl war (Oktober 2013) sah es jedenfalls noch im Prinzip genauso aus wie auf dem Bild, das mittlerweile sieben Jahre alt ist. Allerdings ist mir schon damals aufgefallen, dass zumindest die eine (westliche?) Traufwand rezent massiv erneuert ist. Inwieweit das auf weiteren Verlust an Originalsubstanz schließen lässt, ist unklar.

    Naja, das Phänomen ist eigentlich weniger eine Besonderheit von Antwerpen als von Belgien, wenn auch eher im südlichen Landesteil als in Flandern. Da steht, mal flappsig ausgedrückt, einfach noch so viel altes Zeug rum, dass da im Prinzip eine Mentalität herrscht wie bei uns um 1900. Ebenso muss man beachten, dass da noch bis zum Zweiten Weltkrieg unglaublich konservativ gebaut wurde, vieles, was richtig alt aussieht, ist dann irgendein gotisierendes Giebelhaus aus den 1920er Jahren. Auch was das Vergammeln lassen von Altbauten angeht ist man da eher auf dem Level der romanischsprachigen Länder und eben nicht wie bei uns, wo alles alle zwei Jahre neu angestrichen und alle fünf Jahre restauriert werden muss.

    Danke für deinen schönen Bericht, frank1204. Zusammenfassend kann man sagen, dass man hier etwaiger Kritik wohl von vorneherein den Wind aus den Segeln nehmen will, um nicht vor einer Situation zu stehen wie in Frankfurt am Main, wo ein autistischer hypermoderner Entwurf vom Volkszorn zerrissen wird. Diesbezüglich scheinen Dresden, Frankfurt am Main, Potsdam & Co schon langsam in den Bauämtern anzukommen.


    Andererseits ist das jetzige Angebot nur der kleinste gemeinsame Nenner. Wünschenswert wäre natürlich ein Leitbauten-Konzept wie in Dresden oder Frankfurt am Main gewesen, aber die Stadt Lübeck ist finanziell ja nahezu handlungsunfähig, was neben ideologischen Gründen die Hauptursache sein dürfte, dass so etwas nicht durchsetzbar ist. Trotzdem stellen die Pläne respektive ihre Umsetzung anbetrachts des gegenwärtigen bzw. bisherigen Elends trotzdem eine riesige Verbesserung dar.


    Der Bruch – den die Nachkriegsbebbauung ja ganz bewusst provozierte – zwischen erhaltenen und zerstörten Teilen wird künftig einfach viel weniger krass ausfallen. Hervorragend ist auch, dass die alten Parzellen eingehalten werden – das gibt zukünftigen Generationen die Möglichkeit, die Stadt durch Rekos wieder zu vollenden. Jetzt wird es spannend sein, die Ergebnisse des Fassadenwettbewerbs abzuwarten.

    Boah, die Stadt ist echt der Super-GAU. Da ist ja selbst Altenburg noch harmlos dagegen und Zittau das Paradies. Kann man denen nicht einfach die Fördermittel streichen und die auf eigene Kosten vergammeln lassen? Dann muss ich solche Abrisse wenigstens nicht noch mit meinen Steuergeldern finanzieren...

    Bei den Problemen, die Spanien hat, wundern mich solche Eintrittspreise ehrlich gesagt gar nicht. Und anbetrachts des baulichen Erbes, das Städte wie Barcelona haben, muss man sich ja auch beim besten Willen nicht Gaudi-Haus oder Sagrada Familia reinfahren, ohne wirklich auf was verzichtet zu haben. Und immer noch besser als in St. Petersburg, wo es für Westler separate Preislisten gibt...

    Das Problem ist die von dem Projekt völlig gesprengte Maßstäblichkeit im ältesten Bereich der Altstadt, der bisher für Hochhausprojekte tabu war. Das einzig positive sehe ich hier eigentlich auch in der ungefähren Wiederherstellung der Alten Mainzer Gasse in ihrem Verlauf bzw. der Öffnung des Areals nach außen und mit Not noch die neuen Villen zum Main hin, auch wenn diese ebenfalls zu groß geraten sind. Der Rest ist dagegen trotz Mäckler-Involvierung ziemlich mediokrer Investorenschrott, der zwar keine Verschlechterung, aber auch keine Verbesserung darstellt. Das Problem der Weißfrauenstraße bleibt ohnehin der Charakter als Stadtautobahn, deren Aufenthaltswert sich auch nicht heben würde, wenn man dort rekonstruierte Gründerzeitler oder Fachwerkhäuser hinstellt.