Posts by Andreas

    Der Denkmalschutz gibt sich also mittlerweile mit den historischen Pseudobezugnahmen bzw. "Zitaten" zufrieden.


    Das mit der Glasfassade die ursprüngliche Fünfachsigkeit des Gebäudes zitiert wurde ist ja ein Riesenerfolg der Denkmalpflege. Das Zitat hätte ich ohne den Hinweis in dem Artikel auch nicht bemerkt..


    Man muß doch nicht immer allles zwanghaft überhöhen!


    Unabhängig davon finde ich nämlich die Umbauten ganz gut gelungen. Zumal an dieser Stelle am Rande der Lingener Altstadt eine lockere Bebauung von teilweise moderenen und teilweise Gründerzeitbauten vorherrscht. Verschandelt ist allerdings die Fassade des benachbarten - ebenfalls gründerzeitlchen- Parkhotels.(http://www.parkhotel-lingen.de/)

    Die Beantwortung der Frage, ob ein Gebäude erhaltungswürdig ist oder nicht, sollte nicht davon abhängig gemacht werden, ob es eine Standardfassade hat.


    Nicht nur Gründerzeitviertel, beziehen ihren Reiz doch gerade dadurch, dass dort eine gewisse Einheitlichkeit er Bebauung vorliegt. Diese wird mit jedem Abbruch geschädigt und duch unpassende Neubauten nachhaltig gestört. Die Erhaltung des Bestandes ist daher immer vorzuziehen, zumal mit Rekonstruktionen abgerissener Gründerzeitbauten kaum zu rechnen ist. Die Fassade von Gründerzeitbauten wird demgemäß ja auch oft dann erhalten, wenn der Rest des Gebäudes komplett neu errichtet wird.


    Den Abbruch in Chemnitz halte ich daher für umso bedauerlicher als -nach meiner Erinnerung - die Umgebung des Hauses eine recht gut erhaltende und geschlossene Gründerzeitbebauung aufweist

    Der heutige Eindruck der Friedberger Altstadt ist in der Tat etwas zwiespältig. Einerseits erscheinen viele Gebäude heruntergekommen und es kommt der Eindruck einer einheitlichen Altstadt nicht auf. Dies steht im Widerspruch zu der Tatsache, dass die historische Bausubstanz eigentlich noch überwiegend vorhanden ist.


    Ich denke Grund hierfür ist zum einen die Geschichte der Stadt und andererseits die Stadttopograhie.


    Wie bereits von RMAII schön dargelegt hat die Stadt Friedberg, wie im übrigen viele Reichsstädte, im späten Mittelalter mit einer tiefen Wirtschaftskrise zu kämpfen gehabt. Hiervon hat sich die Stadt bis in das neunzehnte Jahrhundert nicht erholt. Anders war dies etwa in der benachbarten Reichsstadt Wetzlar. Auch dort ist die Wirtschaft im späten Mittelalter zusammengebrochen, aber es kam nach der Verlegung des Reichskammergerichts Ende des 17. Jahrhunderts ein auch an den Bauwerken ablesbarer wirtschaftlicher Aufstieg. In Friedberg war dies nicht der Fall, so dass im überwiegenden- auch zu groß gewordenen- Stadtgebiet eine Architektur vorherrscht, wie diese in kleinen Ackerbürgerstädten zu finden ist.


    Zentrum des städtischen Lebens war seit jeher und ist allerdings die Marktstraße, heutige Kaiserstraße. An dieser hatten bereits im Mittelalter die Kaufleute ihre Häuser, an ihr befinden oder befanden sich das Rathaus und die weiteren reichsstädtischen Einrichtung, mit Ausnahme der Kirchen. Die Häuser dort dürften vielfach noch einen mittelalterlichen Kern haben.


    Diese Entwicklung hat zur Folge, dass sich auch heute der Handel in der Kaiserstraße konzentriert, während der übrige Teil der Altstadt im wesentlichen etwas abseitig wirkt. Aber auch in der Kaiserstraße kommt urbanes Leben nicht recht auf. Die Kaiserstraße ist als ehemalige Marktstraße relativ breit, die im Mittelalter auf der Mitte der Straße errichteten verschiedenen öffentlichen Gebäude sind im Verlauf der Jahrhunderte (vor allem im 19.Jhd) alle beseitigt worden (was bei Städten mit Marktstraßen leider meist der Fall ist). Für die Stadtplaner "natürlich ideal", so konnten eine breite Fahrbahn und große Parkplätze angelegt werden. Bis vor einigen Jahren führte die Bundesstraße 3 über die Kaiserstraße in voller Länge. Heute gibt es hier zwar keinen Durchgangsverkehr mehr, allerding noch den gesamten Innenstadtzielenden Verkehr.


    Die Bebauung an der Kaiserstraße wirkt im Verhältnis zur Breite der Straße allerdings vielfach als zu niedrig. Dies war natürlich noch anders, als auf der Mitte der Straße Gebäude oder Brunnen standen. Dadurch, dass gerade die historischen Häuser, wie das Haus Nr. 114 abgrissen werden, wird diese Situation sicher nicht verbessert, zumal dieses Haus eines der "höheren" Gebäude in der Kaiserstraße ist.


    Die Kaiserstraße endet an der Burg, die durch Tor und Graben von der Stadt getrennt, mit ihren Burgmannenhäusern auch heute noch wie eine eigene Stadt wirkt.

    Auch wenn die Bilder eine gewisse Ästhetik haben überwiegt auch bei mir eher ein Unbehagen bei deren ansehen. Man fragt sich doch unwillkürlich, was dazu geführt hat, dass Wohnungen so plötzlich verlassen wurden und hierbei das Mobiliar unversehrt zurückgelassen wurde. Der Leerstand ist auch sicher nichts was den Häusern auf Dauer gut tut und lässt daher auch für die Zukunft nichts Gutes erahnen.

    Die Aussagen über den "desolaten" Zustand kann ich nicht so wirklich glauben. Hier stehen manche Fachwerkhäuser 20 Jahre oder länger komplett leer, sind völlig verwahrlost und werden zum Teil dennoch saniert. Weite Teile des Hauses erscheinen mir völlig intakt. Wenn man solche Maßstäbe anlegt, hätte man Erfurt nach 1990 komplett planieren können.


    Das sehe ich auch so. Wenn man als den Zustand dieses Hauses als Maßstab für derart desolat, dass eine Sanierung nicht mehr möglich ist anlegen würde, dann wären nicht nur die Altstädte in Erfurt, Quedlinburg oder Halle um nur einige in den neuen Bundesländern zu nennen platt gemacht worden, sondern auch spätestens in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts viele Fachwerkbauten in Städten der alten Bundesländer. Es war doch auch dort so, dass in den meisten Altstädten Häuser über Jahre leerstanden, teilweise schon zum Abruch vorgesehen waren dann doch saniert wurden. Was zuvor "Schandflecke" waren, wurden dann "Schmuckstücke" mit denen die Kommunen dann auch werben.


    Letztendlich hängt die Sanierung eines Hauses nicht in erster Linie von dem Zustand des Hauses, sondern allein von dem Willen der Beteiligten ab, die Sanierung duchzuführen. Dieser politische Wille scheint in vieln Städten heute nicht mehr gegeben zu sein. Die Meinung der Entscheidungsträger wird sicherlich auch davon beeinflusst, dass die Presse den Eindruck erweckt die Bevölkerung sei froh, wenn der jeweilige "Schandfleck" beseitigt ist. Dort wo sich die Einwohner für ihr Stadtbild engagieren wird auch saniert.


    Den Denkmalschutz hierfür verantwortlich zu machen halte ich allerdings für nicht immer fair. Die Denkmalschutzämter sind nunmal Behörden. Diese werden zwangsläufig so handeln wie dies die Politik vorgibt.

    Ein völlig unnötiger Verlust. Zumindest Teile des mehrere Gebäude umfassenden Anwesens hätten doch wohl erhalten werden können, wenn man wollte.


    Aber: Wie die Presse -wie immer in solchen Fällen- feststellt weint kaum einer unserem Kulturellen Erbe ein Träne nach.


    Eine Freifläche in einer Altstadt, statt eines Hauses aus dem 16 Jahrhundert, ist doch auch was. Da kann man dann die Reste der historischen Bebauung auch gut von allen Seiten sehen. Immerhin gibt es dafür 18.000 Euro Fördergelder (was hätte das Ausbessern des Daches gekostet?)

    Die Gestaltung der unterirdischen Bauten hält in der Tat nicht, was der Eingangsbereich "verspricht". Was man auf den Bildern sieht ist recht vorzeigbar.


    Mit dem Begriff "Sakraler Charakter" sollte man aber nicht zu inflationär umgehen. Sicher gibt es Verkehrs- und Industriebauten denen man eine gewisse sakrale Wirkung nicht absprechen kann. Nicht jedes Gebäude das groß und hallenartig ist, ist aber auch gleich von sakralem Charakter.


    Die Verwendung des Begriffs ist sicher darauf zurückzuführen, dass immer gleich alles überhöht werden muß um eine Auszeichnung zu rechtfertigen. Das ein Bauwerk einfach nur einmal gelungen ist, dass heißt seinen Zweck (hier als Bahnhof) erfüllt und ästhetisch ansprechend ist, reicht offensichtlich nicht aus. (Ist vieleicht auch zu selten der Fall).

    Die auf den Bildern gezeigten Hochbauten sind doch hoffentlich nicht der Grund für irgend eine Auszeichnung. Die in dem Artikel angegeben Bergründung bezieht sich offensichtlich auch auf den unterirdischen Teil.


    Die Hochbauten haben auf mich jedenfalls keine sakarale Wirkung, sondern eher die einer etwas heruntergekommenen Busendhaltestelle in einer Wohnstadt aus den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts.

    Wieso droht denn Ungemach, wenn der Heimatpfleger Einwendungen erhebt?


    Immer das gleiche Spiel: Wenn ein Heimatpflege oder auch der Denkmalschutz auf Defizite bei der Planung hinweist, wird die als Einschränkung oder hier gar als Ungemach gesehen.


    Dass ein Hauseigentümer dies mal so sehen mag, kann ich ja noch verstehen, zumal dann, wenn die "Wünsche" des Heimatpflegers für ihn mit Kosten verbunden sind. Aber dass sich regelmäßig auch die Presse und in deren Folge dann eine Vielzahl der Leser, auf diesen Standpunkt stellen, statt die Bedeutung für Stadtbild und geschichtliche Überlieferung in den Fokus zu stellen ist schon sehr bedauerlich.

    Es scheint doch so zu sein, dass die "Bebauung aus der Zeit des Großen Kürfürsten" bereits im 19. Jahrhundert abgebrochen und dann (oder später) durch die Bauten des Kaufhauses Hertzog ersetzt wurde. Baupläne, Aufmaße oder Ähnliches der barocken Bebauung dürfte es wohl nicht geben. Eine originalgetreue Rekonstruktion dieser Häuser kommt daher nicht in Betracht. Die entworfenen Neubauten, die sich einerseits an der barocken Bebauung orientieren, andererseits dem Bedürfnis einer effektiveren Nutzung des Raumes entgegen kommen, sind aus meiner Sicht dann doch eine ideale Ergänzung zu dem noch vorhandenden Bestand.


    Man sollte auch in Erwägung ziehen, das Ermelerhaus an seinen ursprünglichen Standort "zurückzuversetzten" bzw zu rekonstruieren. Das Ermelerhaus wurde nicht in Gänze an das Märkische Ufer "versetzt", sondern dort ein Neubau errichtet in den Teile des Originals eingbaut wurde. Es ist daher auch möglich, eine neue "Rekonstruktion" der Ermelhauses in der Breiten Straße zu errichten und dort die Originalteile einzubauen, ohne etwa historische Bausubstanz am Märkischen Ufer zu gefährden.


    Den Abriss der nach dem Krieg nur leicht beschädigten und teilweise bereits sanieten historischen Bebauung an der Breiten Straße sehe ich als einen der schlimmsten Verluste im historsichen Zentrum Berlins an, zumal hierfür nur eine, an dieser Stelle völlig sinnlose mehrspurige Straße, geschaffen wurde. Deren Rückbau würde die Möglichkeit bringen, zumindest einen Teil des historischen Berlins (genauer Cöllns) sogar mit originaler Bebauung, auferstehen zu lassen.

    Hört sich interressant an.


    Da im Bereich Breite Straße / Brüderstraße noch einige historische Haüser vorhanden sind, ist es nach meiner Meinung unbedingt notwendig, die neu zu errichtende Bebauung an diese anzupassen. Auch an deren Höhe!


    Sind die historischen Ursprungsbauten dier Neubauten im Rahmen der Verbreiterung der Breiten Straße abgerissen, Kriegsschäden oder bereits vorher beseitigt worden? Ein Teil der historischen Bebbuung Breiten Straße war nach dem Krieg ja schon wieder instandgesetzt und wurde erst im Zusammenhang mit Umgestaltung des Stadtzentrums abgebrochen bzw versetzt.


    Wichtig ist auch, dass die Bauflucht der Breiten Straße auf den Zustand vor dem Umbau in des 60 iger Jahren zurückgeführt wird. Die Strasse ist trotz ihres Namens zu breit für die vorhandene historische Bebauung.

    Es ist ja nachvollziehbar, dass in Innenstädten auch Einkaufszentren errichtet werden. Aber ein Bauwerk wie das "Marstall Center" konnte wohl nur in den Siebziger Jahren enststehen. Das es auch besser geht kann man an dem Wilhelm Center sehen, das zumindest einen Teil der vorhandenen Bebauung integriert hat. Ob auch der Marstall in dem Einkaufszentrum hätte erhalten werden können, hat wahrscheinlich in den Siebziger Jahren keiner in Erwägung gezogen. Dies halte ich für besonders bedauernswert, da der Marstall, gerade in einer barocken Residenzstadt, einen wichtigen Teil des Stadtbildes darstellt.

    Genau wie ich es im parallelen Strang "Residenzstadt Ludwigsburg" schon schrieb, sehe ich das genauso.
    Das so bezeichnete Marstall-Center wirkt wie von Riesenhand unförmig in den Stadtraum hineingesetzt, so, als stemme sich eine Hochhauswand der eigentlichen Stadt entgegen.
    Gehen wir von dem geschlossenen Entwurf von Barockstädten aus, so muss über kurz oder lang auch die Frage gestellt werden, wie die zerschneidenden Achsen der B 27 (Schloßstraße) und der L 1124 zurückgebaut werden können, dass der eigentliche Kern der Stadt und Schloss und Schlossgarten wieder als Einheit, nicht aber als zwei abgespaltene Bereiche wahrgenommen werden.


    Das sehe ich genauso. Der barocke Stadtgrundriss ist im wesentlichen noch erhalten. Auch ist in den meisten Strassen der Innenstadt, wenn schon nicht mehr die barocke Bebauung überall vorhanden, doch eine im wesentlichen dem Stadtbild angepasste errichtet worden. Umso störender ist das "Marstall-Center". Ist jemandem bekannt, warum die dort vordem vorhandene Bebauung, ich gehe davon aus, dies war der Marstall, abgebrochen wurde und wieso die Idee aufkam einen schon gerade an dieser Stelle so unpassenden Gebäudekomplex zu errichten. Ich bin der Auffassung: Schlimmer gehts nimmer.


    Ein anders Problem sind in der Tat die Strassenschneisen. Diese trennen nicht nur das Schloss von der Stadt, sondern zertrennen auch die Parkanlagen. Dies führt auch zu einer für Anwohner und Besucher unerträglichen Lärmbelästigung.


    Wenn hier Abhilfe geschaffen würde, könnte Ludwigburg eine der schönsten barocken Idealstädte sein.


    Köln ist neben Magdeburg und Dresden sicher die große städtebauliche Tragödie unter den deutschen Großstädten. Ohne den Dom und 2-3 andere herausragende Kirchen würde Köln architektonisch heute wohl in einer Liga mit Paderborn und Bielefeld spielen. Für eine Stadt mit dieser Geschichte kann es einem im Herzen wirklich weh tun, denn von der Grundanlage der Stadt hat Köln ein unglaubliches Potential. Die Lage ist fantastisch, die direkte Lage am Rhein wie auch die Anlage von Plätzen etc. ist besonders hervorzuheben.


    Mehr als den Dom und 2-3 Kirchen hat Köln schon zu bieten.


    Die zwölf romanischen Kirchen sind auf jeden Fall "erste Liga". Hinzu kommen eine Reihe weiterer Kirchen und auch Teile der Altstadt, deren Wiederaufbau zumindest in Teilen gelungen ist. Die Tragödie sehe ich in erster Linie in den Straßendurchbrüchen wie der der Nord-Süd Fahrt. Der derzeitige Zustand der Hohen Straße bedarf sicherlich keiner Kommentierung.

    Ihr seid Gießener?


    ich hätte ein Bild und ein Buchumschlag, auf dessen Vorderseite das Haus abgebildet ist.

    Ein Giessener bin ich zwar nicht, wäre aber dankbar, wenn Du mir den Titel des Buches mitteilen würdest.

    Bei dem im Krieg zerstörten Gebäude handelt es sich laut Denkmaltopographie Hessen nicht um einen Teil des bestehenden Hauses, sondern um ein Nachbargebäude.



    Näheres hierzu und ein Bild des Vorkriegszustandes versuche ich herauszufinden.

    Die Neubebauung der Südseite der Rotergasse ist jedenfalls zu erwarten:
    http://siebendaecher.de/169/am-malzerturm/
    Die Blickrichtung auf dem Bild des Modells ist Norden. Die beigefarbenen Klötzchen bilden die Südseite der Rotergasse - das besagte Eckhaus am westlichen (linken) Rand. Links Lindauer Straße und Weberstraße, rechts Obere Bachgasse.

    Danke für die Information. Auf den Plänen ist das Eckhaus tatsächlich nicht mehr vorhanden. Schade! Eine positive Entwicklung für das Quatier (wie auf der Homepage siebendächer verkündet) ist dies nicht.

    Mit der nötigen Transparenz und der Einbeziehung der Bevölkerung und insbesondere der Menschen, die der Bau betrifft, wird das sicher funktionieren!


    Grüße aus dem Bistum Limburg.