Posts by HURZ

    Ich war zwar bisher nur ein mal kurz in London und gebe den durchmischten Eindrücken hier Recht. Ich muss aber sagen, dass Orte wie Trafalgar Square über Whitehall bis an das Parlamentsgebäude, Piccadilly und speziell Bank junction einen ungemeinen Eindruck bei mir hinterlassen haben. An diesen Orten merkt man meiner Meinung nach, dass das mal die Hauptstadt des größten Reiches der Welt war.

    Ich habe den Artikel auch gelesen (hier noch mal der Link zum ganzen Artikel: Eintönige Neubauten) und war positiv überrascht. Was mich aber erstaunt, ist dass es niemand wagt die Moderne direkt anzugreifen. Es stimmt ja, dass die Investoren die Kosten so niedrig wie nur möglich halten möchten, und dass moderne Bauvorschriften oft sehr restriktiv und schlechte/falsche Materialien vorschreiben, aber der eigentliche "Feind" des schönen Bauens ist ja eineindeutig die Moderne, was ja auch von der Studie der TU Chemnitz bewiesen wurde. Sie ist es, die den natürlichsten und offensichtlichsten Gesetzen der Ästhetik den Rücken gekehrt hat (Witzigerweise stimmt der Satz "Schönheit ist Subjekiv" meiner Meinung nach, aber nur auf die Moderne angewandt, da die normalen ästhetischen Ansprüche abgeschaltet werden und jeder hineininterpretieren kann was er will). Man hat ja in letzter Zeit immer wieder kritische Texte und Artikel gegenüber moderner Architektur gelesen, aber das nicht erkannt wird dass die Moderne das Übel darstellt lässt mich echt an der Menschheit zweifeln. (Ich weiß, dass ich hier nichts neues offengelegt habe, wollte aber nur noch mal meine Frustration ein wenig auslassen und ausformulieren.)

    Es ist echt erstaunlich wie spontan, schnell und kritiklos die Architektenschaft die Moderne übernahm. Dabei gab es meines erachtens wenn überhaupt nur in den 30er Jahren eine Art Streit zwischen Modernisten und Traditionalisten, was sich wohl am besten in den Gartenstädten manifestiert hat. Hier stehen die Weißenhofsiedlung und die Kochenhofsiedlung (beide in Stuttgart) im direkten Kontrast zu einander.
    Ein weiterer Architekt, der ein ziemlich krassen Übergang von traditionellen Stilen zur Moderne gemacht hat ist wohl Theodor Dierksmaier, der im Dritten Reich noch mit Speer in der Neugestaltung Berlins kollaborierte und das Haus des deutschen Fremdenverkehrs 1938 zu bauen begann (wobei wegen des Krieges nur der Rohbau fertiggestellt wurde, und welches dann 1965 nach diversen Nutzungen abgetragen wurde) und dann nach dem Krieg für die deutsche Bundesbahn arbeitete und das Münsterer Bahnhofsgebäude errichtete, das ein absolut modernistisches Gebäude war, denn es wurde inzwischen auch schon abgerissen.
    Ich möchte auch auf den englischen Raum verweisen, wo vor allem Charles Herbert Reilly (wiki leider nur auf englisch) eine solche Wende erfuhr, während prominentere Architekten wie Giles Gilbert Scott, Henry Vaughan Lanchester und Charles Holden größtenteils treu blieben und auch noch bis in die 60er Jahre traditionelle Gebäude bauten.
    Eine besondere Figur der Architekturgeschichte war wohl Richard Paulick (wiki) , der vor dem Krieg ein eindeutiger Modernist war und dann nach dem Krieg unter der SED-Führung eindeutiger Eklektiker war, so baute er teilweise traditionell historistisch aber eben auch modernistisch (und zwar ganz schlimm [Halle-Neustadt]).

    Die Kirche wurde, unterbrochen von zwei Weltkriegen und einer Wirtschaftskrise, erst 1978 vollendet, allerdings weitgehend nach dem ursprünglichen Bauplan. Nun mag man spekulieren, ob das in Deutschland auch so gelaufen wäre oder ob man sich in den Siebzigern nicht lieber für eine Vollendung der Kirche im Stile des Brutalismus entschieden hätte.

    Die Liverpool Metropolitan Cathedral, die du ja kurz hier vorgestellt hast, ist übrigens ein Beispiel hierfür. Sie wurde in den 1930er Jahren vom genialen Architekten Edwin Lutyens entworfen und Baubeginn war 1933. Aufgrund des Krieges wurden die Bauarbeiten eingestellt und nach dem Krieg gab es eine Neuauschreibung des Entwurfes, woraufhin das heutige Gebäude entstand. Interessanterweise wurde die Krypta jedoch noch nach Lutyens Entwurf fertiggestellt. Für Interessierte hier der Wikipedia-Artikel (auf Englisch):https://en.wikipedia.org/wiki/…ol_Metropolitan_Cathedral und eine super Doku (auch auf Englisch) über das Werk Lutyens, in der die Kathedrale auch kurz angeschnitten wird: https://www.youtube.com/watch?v=m0yGLsr1gBA .


    Wenn der Denkmalschutz nach solchen Kriterien vorgehen würde, dann gute Nacht!


    Eigentlich ist dieses Vorgehen das korrekte. Ich vertrete ja sowieso die Meinung, dass der Denkmalschutz viel zu viele unwichtige Gebäude unter Schutz stellt. Solange der Nachfolgebau eine eindeutige Verbesserung darstellt, wären meiner Meinung nach sogar Abrisse von sehr hochrangigen Gebäuden völlig legitim.
    Problem ist natürlich derzeitig, dass es keinen Architekten noch Entwickler gibt der so etwas leisten will/kann.

    Da kann ich Volker auch nur zustimmen, die Bauten wirken komplett unproporzioniert (siehe die ellenlangen Säulen bei den Gebäuden auf Bildern 10, 16, 21, dem Bild nach 23 und 32) , desweiteren wirken auch Gebäude 5 und 7 extrem komisch und für mich abstoßend.

    Also so toll finde ich das Gebäude jetzt auch nicht, z.B. sind die Fenster viel zu klein um als Altbau gelten zu können. Aber selbstverständlich um einiges besser als so manch anderer Neubau.

    Der Palacio de Bellas Artes (zu dt. Palast der schönen Künste) ist Mexikos höchststehendes "Kulturhaus". Es dient als Oper, Konzert- und Schauspielhaus. Baubeginn war 1904 unter dem italienischen Architekten Adamo Boari, aufgrund diverser Komplikationen, unter anderem der Mexikanischen Revolution 1910 und der Flucht Adamo Boaris aufgrund dieser, wurde nur der Rohbau fertiggestellt. Nachdem das Land sich stabilisiert hatte, wurden die Bauarbeiten 1931 fortgesetzt, jedoch nicht wie man aufgrund der Fassade annehmen würde, im Jugendstil, sondern ganz im Stile des Art-Décos.


    Hauptfassade:



    Das Foyer:



    Der Bühnenvorhang, komplett aus Glas und Stahl, mit Bildern vom Popocatépetl und dem Iztaccíhuatl:


    Der Giebel über der Bühne:


    Und zuletzt die Kuppel des Zuschauerraumes, ebenfalls aus Glas:


    Quellen:Wikipedia und Flickr

    Was mir hier an den Jugendstilbauten auffällt, ist wie sehr sich der Jugendstil in Deutschland von dem der restlichen Welt unterscheidet, hier sind ja diese sehr femininen, floral-geschwungenen Formen sehr markant, während in Deutschland der Jugendstil meines Erachtens sehr maskuline Formen aufweist und teilweise für Art-Déco gehalten werden kann, auch sind diese vertikal-betonenden Elemente in den deutschen Bauten oft schon enthalten, siehe Hotel Adlon und Weinhaus Rheingold, besonders interessant finde ich das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, hier haben die Figuren sehr starke kubistische/expressionistische Anklänge siehe:http://images.fotocommunity.de…fef-ba4c-36e05baa1ff1.jpg .Auffallend sind hier besonders die Figuren neben dem Erzengel. Auch interessant ist der Hochzeitsturm in Darmstadt, den man,bis auf die wenigen Ornamente und den extravaganten Dachaufsatz, nahezu als Werk der Moderne zählen könnte.

    Das ist einfach nur bitter! An solch einen Platz gehört entweder eine Rekonstruktion oder ein wirklich interessantes und gutes modernes Gebäude, welches nicht diesen 0/815 Rasterplan der "modernen" Architektur befolgt.

    Interessant zu sehen ist auch, wie das Haus "Zum Hausvogt" am Hausvogteiplatz 9-10 schon bemerkbar vereinfacht wurde!
    Vergleicht man das zweite Bild von oben mit den restlichen, fällt einem auf wie viele Details dem Bau schon 1926 beraubt wurden.
    Vor allem sind die barocken Verzierungen rund um den Fenstern und die aus Stuck bestehenden Säulenkapitelle entfernt wurden,
    wodurch das Haus schon damal seinen Charme verlor.

    Leute, ich bin eben auf eine sehr interessante Seite gestoßen!!! Und zwar von der BTU Cottbus auf der alle Deutsche Bauzeitungen von 1867 bis 1920 digitalisiert und kostenlos als PDF-Dateien einsehbar gemacht wurden (da diese Zeitungen jeweils um die 70 Seiten mit Fotos, Grundrissen, Zeichungen und ausgiebigen Beschreibungen bestückt sind dauert es seine Zeit bis die Seite geladen wird!).
    Hier zur Seite:#mce_temp_url#

    Ich persönlich finde die Nachkriegsarchitektur noch recht akzeptabel. Was die Augen wirklich zum Bluten bringt ist die Architektur der 70er bis heute
    (mit wenigen Ausnahmen). Ein paar gute Beispiele für die Nachkriegsarchitektur in Frankfurt ist zum einen das Juniorhaus, das Bayerhochhaus (in
    dem heute das Flemings Deluxe-Hotel untergebracht ist) und die Viktoria Apotheke (für Bilder einfach in Google-Bilder suchen), aber natürlich ist
    nichts besser als ein schöner Prachtbau des Historismus (Siehe Palacio Postal in Mexiko-Stadt (eines der geilsten Gebäude überhaupt)).