Posts by Kurprinz

    Natürlich sind Eifel und Hunsrück nicht mit gutem Klima oder guten Böden gesegnet und immer recht arm gewesen. In der Franzosenzeit wurden die Laubwälder vielfach abgeholzt und von den Preußen dann durch schneller wachsende Nadelholzmonokulturen ersetzt. Die ersten Jahrzehnte nach 1815, als es auch noch keine Landverbindung (erst 1866) zu Alt-Preußen gab, waren die Preußen wenig glücklich mit ihren neuen Gebieten und den katholisch-liberalen Untertanen. Man fürchtete die Franzosen und betrachtete gerade die Eifel als möglichen Aufmarschplatz, wo man den Franzosen nicht zu viel Brauchbares überlassen wollte. Daher wurden Straßen, Industrie und Bildungseinrichtungen sehr wenig gefördert. Erst in der Endphase der preußischen Monarchie (vgl. z.B. Schlieffenplan) baute man die Infrastruktur aus u.a., um schnell in Belgien und Frankreich aufmarschieren zu können (das sind die von Heimdall angesprochenen Aktionen). Mir geht es nicht um Preußenschelte - ich habe gerne und lange in Berlin gelebt und interessiere und begeistere mich sehr für preußische Kunst und Geschichte, aber als Rheinländer aus der Eifel muss ich auch betonen, dass das Bild des unterentwickelten Rheinlandes, dass Fortschritt und "Licht" durch die Preußen erhielt sehr hinkt. Die Preußenzeit war kein Jammertal, aber auch keine Glanzzeit der rheinischen Geschichte. Aber immerhin hat sie dazu geführt als Gegenbewegung ein rheinisches Selbstbewusstsein herauszubilden. ;-)

    Ach, die Rheinländer sind gar nicht so schlecht gefahren mit den Preußen, auch wenn sie das nicht mehr wahrhaben wollen. Auch die Aachener RWTH ist eine preußische Gründung...

    naja.....bis 1918 wurde ein Großteil der Bevölkerung schon allein wegen ihrer Religion diskriminiert. Die Eifel und der Hunsrück wurden dumm und arm gehalten, um den Franzosen keine Aufmarschfläche zu geben. Viele Freiheiten, die es vor 1789 und 1815 gegeben hatten, wurden zurückgenommen usw. Das darf man bei den Leistungen um Kölner Dombau, Bildung und Infrastruktur nicht vergessen. Die Mentalität und das Militärische passten nicht zu vielen Rheinländern. Nicht umsonst blühte der rheinische Karneval mit all seinen ursprünglich ironisch gemeinten militärischen Elementen unter den Preußen auf, um die "Besatzer" auf´s Korn zu nehmen.

    Die von Dir angesprochene "Achsierung" dürfte wohl seit irgendwann im 19. Jhdt. bis zum Beginn des großen Umbaus 1994-2004 bestanden haben. Zu Ostzeiten war das Schloss ja übrigens vorübergehend auch mal rot gestrichen.



    Aber das hast Du mittlerweile sicherlich auch selbst herausgefunden. :zwinkern:

    Ansonsten gibt es ja eine umfassende Publikation, in der das Wesentliche enthalten sein dürfte.

    Das Buch war lange angekündigt, ist aber meines Wissens nie erschienen. Es gibt nur einen Kleinen Kunstführer vom gleichen Autor und beim gleichen Verlag.

    Was sind das eigentlich für drei Säulen vor dem Palais Schwerin gewesen?

    Und diese wunderbaren Brunnen mit den wasserspeienden Vögeln sind wohl leider auch im Nirvana verschwunden.

    Die Säulen, Brunnen usw. waren zeittypische, anlassbezogene, ephemere Anlagen aus Anlass der von Preußen unterstützten Krönung Zarin Elisabeths 1742.

    Na, das Blechdach war früher blau gestrichen und teilvergoldet. Der Stadtschloßverein hat wenigstens dafür gesorgt, daß das Schloß nicht mit Zink sondern mit Kupfer gedeckt wird. Das kann jetzt erstmal in Ruhe Grünspan ansetzen.

    Sonst stehen nach der Fahnentreppe wieder die verbleibenden Attikafiguren und die 56 Dachvasen auf dem Programm.


    Das war gar nicht als Kritik gemeint, nur als Einordnung, weil einige sich über das Gold gewundert haben. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass das Stadtschloss historisch noch sehr viel goldener war. Die Arbeit des Stadtschlossverein ist großartig und hat mehr erreicht als zu erwarten war.

    ^ Wenn man den Putz abhaut, kommen so alle möglichen Konstruktionen zu Tage. Beim letzten Bild ein gemauertes Erdgeschoss mit einem Fachwerk obendrauf mit ausgemauerten Zwischenflächen. Links im Bild ist einer der DDR-Plattenbauten in angepasster Potsdam-Bauweise.

    Die beiden mittleren Häuser mit dem mittigen Zwerchhaus sind typische Vertreter der Stadterweiterungen unter FW I. und dem frühen F. II. Das dind alles Fachwerkbauten mit Gefachen aus Ziegeln. So sah im 18. Jh. ein Großteil Potsdams aus. Das sind immer die gleichen Konstruktionen und keine Überraschungen.

    Die Putten wirken etwas steif und statisch, was wohl daran liegt, dass sie ursprünglich vermutlich Instrumente o.ä. trugen. Zum Thema Gold muss man bedenken, dass zu F II. Zeiten die Dachzier auch noch aufwendig vergoldet war.


    ähnlich wie heute wieder in Versailles:




    Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel in diesem Forum über das Berliner Schloss, Dresden oder Potsdam berichtet wird und wie wenig über denn Kölner Dom. Ich bin heute in den Zentraldombauverein eingetreten. Mal sehen, was ich darüber Neues erfahre. Denn auch dort geschieht ja einiges.

    Einen Beitritt zu ZDV kann ich nur empfehlen. Einer der ältesten Vereine dieser Art in Deutschland überhaupt. Man hilft beim Erhalt eines architektonischen Wunderwerks sowie seiner Ausstattung und einmal im Jahr informiert das Kölner Domblatt (ein beachtliches Jahrbuch und nicht ein "Blättchen" wie der Name irrtümlich vermuten läßt) auf hohem wissenschaftlichen Niveau.

    Es scheint wohl sehr viel zu sein. Jedes noch so unkenntliche Bruchstück aufzuheben, würde keinen Sinn machen und der Platz ist wohl auch nicht da. Es ist eine pragmatische Lösung, diese Teile einfach wieder zu vergraben.

    Das was in dem Artikel abgebildet ist, sind alles andere als unkenntliche Bruchstücke.

    eine Beleidigung für jeden Rheinländer. Viele Teile des Reinlandes waren länger bayerisch als Teile des heutigen Bayerns. Preußen ist ein spannendes Thema, aber Preuße will ich nicht sein und auch nicht als solcher bezeichnet werden. Im Rheinland blühte schon die Baukultur in ungeahnten Höhen als man in Preußen noch in "Höhlen" wohnte ;-). Doch Scherz beiseite....zurück zum Thema Stadtschloss

    Ja und wieso vergraben sie die wieder? Das hab ich ja noch nie gehört, dass Archäologen das gefundene wieder reinwerfen und wieder zuschütten. Jedenfalls nicht bei Mobilien oder Einzelstücken.

    Das halte ich auch für eine Zeitungsente. Für spätere Generationen liegt da auch kein neuer Erkenntnisgewinn drin, wenn die originale Fundsituation nicht mehr gegeben ist.

    Hallo Ravensberger,


    ich bezog mich mit meiner Aussage über die ungerechte Kritik an der Denkmalpflege nicht ausschließlich auf Ihren Post sondern auf einen Grundton, der hier im Forum oft durchschlägt. Die Denkmalpflege ist weit weniger mächtig als hier viele denken; ein kleiner provinzieller Landrat oder Oberbürgermeister kann fachliche Entscheidungen mit einer Unterschrift zunichte machen. Ideal der deutschen Denkmalpflege ist der Substanzerhalt und weniger die subjektive Schönheit oder das Stadtbild. Das kann man gut finden oder nicht. Ist aber nun mal so gesetzlich geregelt. Stadtbildpflege und Denkmalpflege können oft weit auseinander liegen. Im konkreten Fall war das Cafe Hipp nicht mal als Einzeldenkmal geschützt (da war so gut wie nichts an alter Substanz - nur eine schöne Fassade), nur die Madonna ist und war vor/nach dem Abbruch in der Liste. Dennoch hat die Denkmalpflege monatelang für den Erhalt gekämpft. Genau wegen des von Ihnen genannten Arguments "Dadurch wirkt der der verbliebene Altbau der Apotheke [Einzeldenkmal] jetzt wie ein Fremdkörper". Die Politik wollte wegen der Wirtschaftsförderung den Abbruch und weg war die Maßstäblichkeit der Häusergruppe. Jetzt hätte sich die Denkmalpflege beleidigt zurück ziehen können, doch um der originalen Madonna wieder einen Rahmen zu geben und das Platzbild nicht durch einen Glasklotz zu verschandeln ist man den Kompromiss eingegangen, die Fassade erhöht "nachzuempfinden". Wäre es besser gewesen, es nach der verlorenen Schlacht einfach laufen zu lassen?

    Hier wird mal wieder die Machtlosigkeit des Denkmalschutzes als Inkompetenz oder Gleichgültigkeit hingestellt. Das ist schlicht unfair. Es hat ein monatelanges Ringen um den Erhalt des historischen Café Hipps und des Dreiergespanns gegeben. Dafür musste die Denkmalpflege viel Kritik und "Schläge" einstecken. Letztlich war es eine Entscheidung der Politik und man musste dann schauen was zu retten ist, so dass man den besagten Kompromiss eingegangen ist. Erst informieren, dann urteilen.

    Da es sich beim Berliner Dom historisch sogar um eine reformierte Hofkirche handelt, ist das Skulpturenprogramm nur aus der Freude des Kaiserreichs am Neubarock heraus zu verstehen. Ein nachbiblischer, katholischer Heiligenhimmel, wie bei der Dresdner Hofkirche, ist dennoch hier undenkbar: also nur biblische Heilige wie die Apostel, Personifikationen oder maximal, aus dem nationalen Geist der Zeit heraus, der Heilige Bonifatius als Apostel der Deutschen. Auch der viel zitierte Vergleich mit St. Peter in Rom wird eine Rolle gespielt haben - dort sind an der Platzfassade auf der Attika auch Christus und die Apostel aufgestellt. Sonstiges "katholisches Personal" tritt selbst hier in den Hintergrund.