Posts by siron87

    Nur in sowas paßt ein 1-Euro-Laden, alles andere wäre zu wertig. :kopfwand:


    Wenn man so etwas sieht, muß man sich wahrlich Gedanken machen, ob unsere Mitbürger überhaupt noch ein Ästhetikempfinden und eine Wertschätzung für ästhetisch durchdachte Architektur haben.


    Aber gut, Deutschland ist ein funktionell geprägtes Land. Leider :kopfschuetteln:

    Ich stimme meinen Vorschreibern zu. Die Machbarkeit ist nun aber wohl außer Frage, denn es ist machbar. Die Frage am 27. Mai wird sein, ob es die Ausmalung geben wird oder nicht. Und dies wird das Volk im Zuge der Europawahl entscheiden. Bis dahin gibt es wohl einiges an Aufklärungsarbeit zu tun. Zwar waren die Wünsche nach einer Bemalung des Saales (manche wollten Dürer, Prechtl oder was ganz modernes) nach der Diaschau vor zwei Jahren groß, aber Gegner in der Bevölkerung gibt es nunmal ebenso. Das Geschreie um "wer zahlt?" "man sollte das Geld für sinnvolleres wie Kitaausbau etc. ausgeben" etc. kennt man ja.


    So positiv das Ganze ist, hege ich immer noch eine kleine Befürchtung, daß die Leute dagegen stimmen könnten, was dann sicherlich die Frage der Ausmalung für die nächsten Jahrzehnte beerdigen wird. Sicherlich ist die demokratische Abstimmung zu loben, aber eine Bekenntnis der Stadt Nürnberg zu seinem kulturellen Erbe würde mir ehrlich gesagt mehr zusagen.

    Bleibt zu hoffen, daß die Nürnberger Bürger bis zur Wahl auch erkennen was für ein einmaliges Kunstwerk sie wiedergewinnen können! :thumbup:
    @Petersburg: Genau richtig. Der Saal war bis auf die Außenmauern zerstört. Und ich stimme Dir vollkommen zu, daß dieses Gesamtkunstwerk mit seinen Aussagen auch in die moderne Zeit paßt. :biggrin:



    Ein kurzer Abriß zur Historie:


    - zwischen 1332 und 1340 wurde er erbaut und galt als größter Rathaussaal nördlich der Alpen (40m lang, 12m hoch)


    -nach dem Tod Maximilians I schlug die Stadt im Jahre die inneren Plastiken aus dem 14. Jahrhundert ab, um Platz zu machen für ein Wandgemälde von Dürer


    - unter seiner Leitung enstanden ab 1521 die Renaissanceausstattung, bestehend aus dem Tonnengewölbe, Vertäfelungen, Wandgemälden, Glasmalereien und Leuchtern


    - ebenso gab es eine Außenmalerei, die bis zum 19. Jahrhundert größtenteils verwittert war und als verloren gilt


    - 1613 und 1621 wurde der Saal restauriert


    - 1649 fand das Friedensmahl nach dem 30-Jährigen Krieg darin statt (Quelle: http://www.nuernbergwiki.de/in…_Nuernberger_Rathaus.jpeg) (Gemälde von Joachim von Sandrart)


    - 1904/1905 erneute Restaurierung des Saals (häufig als fast Neuausmalung bezeichnet)


    - der Rathaussaal brannte 1945 bis auf die Umfassungsmauern nieder. Die
    gesamte Innenausstattung ging verloren. Durch die Witterung und das fehlende Notdach wurden dann die restlichen Gemälde zerstört. Zu sehen hier. Der alleinstehende Turm rechts neben dem Kirchenschiff von St. Sebald ist das süd-westliche Eck des Rathauses, an dem nach Westen hin der Rathaussaal anschloß, dessen Außenmauern noch zu sehen sind.
    Quellen: http://www.f-nietzsche.de/nurnberg.htm
    http://www.sugarraybanister.de/genereller-output/vor-der-rekonstruktion


    - erst 1956-1958 erfolgte die Rekonstruktion des Äußeren (Wiederaufbau des gesamten Wolffschen Rathausbaus von 1956-1962)


    - 1980 wurden die Vertäfelungen, das Tonnengewölbe und die Leuchter wiederhergestellt


    - ebenfalls gab es Pläne den Saal wieder zu bemalen. Dazu gab es einen modernen Vorschlag von dem Künstler Michael Mathias Prechtl, der dann 1989 nach heftiger Diskussion im Stadtrat abgelehnt wurde


    - seitdem ist der Saal weiß geblieben


    - so sieht es äußerlich aus. Wie schon beschrieben schließt der Saal an dem südwestlichen Eck(-Turm) an. Gut zu erkennen an den gotischen Spitzfenstern. :wink: Quelle: http://inzumi.com/de/travel/po…iche-Lochgef%C3%A4ngnisse http://blog.nz-online.de/senf/…esetzt-werden/nz-rathaus/

    Was für prachtvolle Brunnenanlagen! Ich bin begeistert! Mir ist generell aufgefallen, daß ich die Grün- und Parkanlagen in Stuttgart sehr schön gestaltet sind. Ich glaube das nächste Mal, wenn ich in Stuttgart sein werde, werde ich einen Brunnenrundgang machen :)

    Bei den Altstadtfreunden ja, seitdem es auch einen neuen Vorstand gibt, der sich auch zu Rekonstruktionen bekennt. Die Politik der Stadt würde ich eher als Duldungspolitik bezeichnen. Die SPD unter Maly versucht sehr bürgernah zu sein und wenn sie merken, daß die Geister, die sie berufen haben weiterhin herumspuken und ihr Unwesen treiben, realisieren sie wohl, daß diese nicht mehr so leicht zu vertreiben sind. :biggrin:


    Auf der anderen Seite muß man der Stadtregierung anrechnen, daß versucht wurde das Image von Nürnberg aufzubessern, unter anderem auf Berufung auf die glorreiche Zeit vor dem dunklen Kapitel. Nur merkt dann eben die Bevölkerung, daß zu viele Zeugnisse dieser glorreichen Zeit gar nicht mehr existieren. :tongue:


    Bei der Umfrage in der NN spricht sich bisher eine kleine Mehrheit gegen die Bemalung aus. Ich hoffe und denke dies ist nicht repräsentativ. Erstens einmal, weil die Lokalzeitung nicht das seriöseste Blatt ist und zweitens dort auch nur selten Photographien vom Vorzustand veröffentlicht werden, sondern der kahle weiße Raum. Wie sollen die Leute also für oder gegen etwas stimmen, wenn sie gar nicht mal wissen wie es aussehen könnte?!?


    Anbei möchte ich nochmal auf die Farbdias verweisen und die schönsten auch hier veröffentlichen, damit jeder weiß worum es geht: http://www.zi.fotothek.org/Bauwerke?ort=N%C3%BCrnberg


    So sieht es aktuell aus. Quelle: http://www.nuernberg.de/intern…thaussaal/bestuhlung.html



    So sah es aus. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/D…aussaal%28Nbg.1904%29.jpg

    Und so sah es in Farbe aus. Quelle: http://www.zi.fotothek.org/Bauwerke?ort=N%C3%BCrnberg


    Nordwand: Portal und Triumphzug


    Pfeiferstuhl (Nordwand)


    Verleumdung des Appels (Nordwand)


    Ostwand



    Südwand

    Wie ich soeben im Newsletter der Altstadtfreunde gelesen habe, konnten sich Stadtspitze und Altstadtfreunde einigen. Herr Oberbürgermeister Maly hat sein Wort gehalten und es wird am 25.05.2014 zu einem Ratsbegehren bezüglich der Ausmalung des Rathaussaals kommen! :trommeln:


    Zitat des Newsletter: "Wir haben es geschafft. Nach vergleichsweise kurzen Verhandlungen haben sich die Stadtspitze und der Vorstand der Altstadtfreunde tatsächlich auf einen gemeinsamen Wortlaut des Ratsbegehrens am 25. Mai einigen können. Somit steht einer Abstimmung der Wählerschaft über die Ausmalung des Rathaussaales nichts mehr im Wege. Wir sind sehr froh, dass wir uns den „Umweg“ Bürgerbegehren sparen können und gleich zum Kern der Frage dringen: Wollen die Nürnberger Bürgerinnen und Bürger eine Fertigstellung und damit Ausmalung des Rathaussaales?"


    P.S.: Nachzulesen auch auf der facebook-Seite https://www.facebook.com/Altst…berg?hc_location=timeline


    Und in der Zeitung: http://www.nordbayern.de/regio…es-rathaussaals-1.3474266

    Ehrlich gesagt ist Köln da auch wohl DAS Negativbeispiel in Deutschland. Die Einkaufsstraßen wirken dort in der Tat wie Chinatown. In anderen Städten gibt es solche Reklame leider auch, aber nicht in einer so verkommenen Art wie in Köln (ich denke dabei nur an München). Allerdings stimme ich der Forderung zu. Ich bin sowieso für ein eine Renaissance der schmiedeeisernen Hauszeichen/Aushänge.

    Die traufseitige Bauweise ist sicherlich typisch für Nürnberg. Jedoch gibt es genug Ausnahmen, wie schon erwähnt vor allem Bürgerhäuser (aus der Renaissance).



    Die zur Straße hin traufseitige Bauweise war ja eine der Brandschutzverordnungen, aber Ausnahmen bestätigen die Regel (man betrachte nur den Tiergärtnertorplatz). Und soweit ich weiß bestand diese Vorschrift für die Pegnitz nicht. Eine der Hauptsehenswürdigkeiten - der Weinstadl - ist z.B. zur Pegnitz hin giebelständig. Ebenso wie der leider nicht mehr existente, wunderbare Bayerische Hof.

    Sicherlich kann man es kritisch sehen, aber wie betrachtet soll mit dieser Veränderung der Vorzustand angenähert werden (sonst wäre es wohl auch nicht mit dem Denkmalschutz vereinbar gewesen).


    Ich habe das Gefühl, daß wenn das Haus in Konstanz oder Südbayern stehen würde, wo die Architektur teilweise ähnlich ist, würden Hurra-Schreie kommen. Klar ist Kritik erlaubt, aber mir dünkt, daß die Kritik sich hauptsächlich darauf bezieht, daß es kein Nürnberg-typisches Fachwerk oder Sandsteinhaus ist. Man hatte in Nürnberg auch andere Gebäude als nur diese: schöne Bauten aus dem Jugendstil und aus anderen Epochen, die nicht Nürnberg-typisch sind. Diese gleich als schlecht zu verwerfen empfinde ich als eine ähnliche Ideologie wie die Bauhaus-Ideologie moderner Architekten.


    Die Minderschätzung atypischer Nürnberger Architektur hat z.B. dazu geführt, daß der Abriß der Synagoge durch die braune Pest legitimiert wurde ebenso wie die innenarchitektonische Vereinfachung und Verschandelung des wohl schönsten Jugendstilopernhauses in Deutschland.


    Klar wünsche ich mir auch viel der typischen Nürnberger Architektur zurück, seien es wunderbare Renaissance-Sandsteinbauten oder mittelalterliche Fachwerkhäuser, aber jeder kleine Schritt in Nürnberg ist doch schon einmal positiv zu sehen, da sich jedwede Bemühungen das Schatzkästlein wieder mit mehr Perlen zu füllen, von der Stadtregierung unterdrückt wird.

    Ich bin kein Fachmann, aber als Laie sehe ich das Projekt positiv. Die Unproportionalität der Fenster ist mir auch negativ aufgefallen, und vor allem auch das große neue Fenster auf der Nordseite, jedoch waren die Fenster wie bereits zuvor erwähnt auch früher nicht symmetrisch angeordnet. Die Giebel und der Seitenerker wirken sich aus meiner Perspektive sehr positiv auf das Gebäude und die Gegend aus.


    Generell ist das Gebäude sicherlich kein Glanzstück traditioneller Nürnberger Architektur. Ich finde den ergänzten Zustand aber immer noch um vielfaches besser als das was zuvor war. Da ging das Haus nämlich in der benachbarten '50er Jahre Architektur total unter.

    Bitte sehr!


    Zum Glück schreibt meine Oma noch so, so daß ich mir die altdeutsche Schrift auch beigebracht habe. :D


    Totalschäden alt


    Totalschäden neu


    Schwere Schäden alt


    Schwere Schäden neu

    @ erbse: Wahrscheinlich war es die Irrerstr. 1, die dir aufgefallen ist. Sie liegt zwischen Weißgerbergasse und Irrerstraße, welche dann in den Weinmarkt münden. Bilder hierzu http://www.albertarchitekt.de/projekt/nurnberg-irrerstrase-1


    Da stimme ich meinen Vorschreibern zu, obwohl so denke ich, einige Teile der Bevölkerung und auch der Altstadtfreunde weniger zufrieden sind, zumindest wenn sie wissen, wie es zuvor aussah.


    Ein anderes Problem was ich in Nürnberg merke ist die Tatsache, daß viele gar keine Ahnung von den Geschehnissen in der Altstadt haben. Der Pellerhof ist das beste Beispiel. So war vor ein paar Jahren noch viel dazu in den Zeitungen zu finden, aber momentan gar nicht. Der Wiederaufbau verläuft gefühlt im Stillen. Viele meiner Freunde oder Bekannte wissen gar nicht, was momentan passiert. Dies mag aber auch sicherlich daran liegen, daß das Projekt im Hinterhof verläuft und der Egidienberg trotz hohem Potential durch Tucherpalais, Egidienkirche und ehemaligen Melanchthon-Gymnasium leider nicht mehr sehr einladend ist und nur wenige sich dorthin verirren.

    Lokalpatriotismus raus: es gibt in Nürnberg ständig Wiederaufbau/ Ergänzungsprojekte, aber alle von privat oder den Altstadtfreuden. Beispiele sind die Maxtormauertürme, Ergänzung des Giebels Irrerstr. 1, Hirsvogelsaal oder auch die Ergänzung des Giebels der Trödelstuben. Alles kleine, aber doch erfreuliche Projekte.


    In Nürnberg kommt dieser Wandel nur immer von unten. Wie die Stadtregierung zu allem steht hat man bei der Diskussion um den Rathaussaal und Neptunbrunnen gesehen. Ich denke, daß die Altstadtfreunde sicherlich irgendwann mal die Rekonstruktion der Fassade vorschlagen werden, aber unter der Stadtregierung von Herrn OB Maly sollte man keine Hoffnung schüren. Den einzigen Vorschlag, dem sie bisher zugestimmt haben, ist der Pellerhof.


    Daß auch alles von unten kommt, ist das Problem in Nürnberg. Die großen Gönner (z.B. Diehl) sind leider nicht mehr unter uns, und als mittelständige Arbeiterstadt, gibt es auch kaum engagierte Prominenz die mal, wie z.B. in Potsdam, freizügig spendet. Und die Altstadtfreunde sind soweit ich weiß im Moment an den Grenzen ihrer Kapazitäten.


    Von daher als Fazit: die Rekonstruktion der Frontfassade spukt sicherlich in vielen Köpfen, aber ich denke die Zeit ist noch nicht gekommen. Dazu muß erst einmal der Pellerhof fertig gestellt werden (ich habe das Gefühl das Projekt ist in der Allgemeinbevölkerung etwas in Vergessenheit geraten), und wahrscheinlich auch die Stadtregierung gestürzt werden. cheers:)

    Ich habe es bisher leider noch zu keiner Besichtigung geschafft, deswegen freue ich mich über diese tollen Bilder sehr, vor allem da ich schon von Anfang an das Projekt mit großer Begeisterung verfolge und das Endresultat gar nicht abwarten kann.


    Was mir nur aufgefallen ist, sind die großen Fugen. Werden die erst später geschlossen? Ich verstehe dieses Verfahren nicht - gut ich bin auch kein Bauherr, aber so wie ich es in meiner Kindheit gelernt hab wird die gesamte Oberfläche des Steins mit Mörtel bestrichen und dann erst ein neuer draufgesetzt. So sieht etwas merkwürdig aus. Aber gut, es ist alles neu. Erst mit etwas Patina wird es richtig interessant. cclap:)

    Vom Stadtheimatpfleger wurde aus gegebenem Anlaß eine Petition gestartet.


    http://www.change.org/de/Petit…aals-in-f%C3%BCrth-bayern


    Vielleicht findet dies ja Gehör und ein paar Unterstützer. Wäre toll!


    Fürth, das den Krieg mehr oder minder unbeschädigt überstanden hat, wird immer mehr von seinen Bürgermeistern verschandelt. Es scheint eine Tradition zu sein, denkmalgeschützte Gebäude für Architektur der untersten Klasse zu ersetzen. Das Beispiel mag man aus Paris kennen, macht in Fürth aber keine gute Schule.

    Zu Nürnberg:


    Das Nürnberger Opernhaus ist leider brauner Umgestaltung zum Opfer gefallen. Das Stadtbild Nürnbergs sollte laut Plan des damaligen Regimes wieder "verdeutscht" werden, weswegen nicht nur die wunderbare Synagoge, sondern auch viele andere Häuser Opfer wurden. Darunter das Opernhaus, das mit seinem Jugendstil ein Dorn im Auge der Nazis war. Ich habe bisher, trotz langer Recherche, nur zwei Bilder von der alten Innengestaltung gefunden. Eins davon ist der Vorhang (bei Wikipedia) und eins war ein Bild von einem Ausschnitt des Foyers. Die Säulen des Foyers waren vor der Umgestaltung in typischer Art Nouveau Pracht mit Ranken, Köpfen, und soweit ich es noch im Kopf habe in Baumform gestaltet.


    Nach weiterer Zerstörung im Verlaufe des Kriegs hat man sich dann zu einer Beibehaltung bzw. Wiederherstellung der Nüchternheit entschieden. Leider. :crying: