Posts by Prontosoccorso1

    Das im ersten Beitrag gezeigte "besondere Beispiel" halte ich für sehr gelungen. Der Entwurf hebt sich wohltuend von den vielen 08/15 Bauten ab, die mehr oder weniger "angepasst" daherkommen und am Ende eher langweilig und belanglos wirken.


    Ich finde nicht, dass die Standardformel: "Alt=gut und modern=schlecht, ergo: Historismus=einziger zulässiger "moderner" Baustil" zutrifft. Das kann man als Privatmeinung zwar sicher vertreten, argumentativ wird damit aber nicht über Stammtisch-Niveau hinauskommen.


    Wenn es etwas zu fordern gibt, dann eine offensive und qualifizierte Baukulturdebatte!

    heiji


    Bei allem Respekt, aber ich finde Du siehst das zu undifferenziert. Das Problem eines jeden Vermieters ist es doch, die Baukosten (und dazu zählen hier auch Planungskosten) über die Miete in einem bestimmten Zeitraum refinanziert zu bekommen. Von dieser Art Geschäft leben viele und letztlich ist das doch ein ganz normaler Job, dessen Ausübung an sich ja auch nicht zu verurteilen ist. Die von Dir erwähnten Läden werden unter Umständen keine Miete in dieser Lage bezahlen können. Welche Art von Laden sich also dort ansiedeln kann hängt nicht vom Willen irgendwelcher (unterstellterweise böswilliger oder / und unfähiger) Investoren und Planer ab, sondern zunächst von der Leistungsfähigkeit der jeweiligen Gewerbetreibenden.
    Zusammengefasst lässt das ganze Dilemma den Schluss zu, dass Dresdens Comicfreunde vermutlich nicht die Kaufkraft und Nachfrage aufbringen werden, um einen Comicladen in zentraler Innenstadtlage überleben zu lassen.

    Ich habe nicht prinzipiell etwas gegen Wiederaufbauprojekte, glaube aber trotzdem an aktuelle Architektur und Architekten. Ich sehe aber tatsächlich ein gesellschaftliches Problem in der weit verbreiteten Angst und Protesthaltung gegenüber dem Neuen und unbekannten. Ich gehe davon aus, dass diese Einstellung uns schon viele Kompromisse eingebrockt hat und uns um viele Interessante Neubauten gebracht hat (s. Kunsthalle Herzoginnen Garten).
    Ich war damals live dabei und habe die Diskussionen mitverfolgt. Ich kann dazu nur sagen: Das Bildungsbürgertum, das man hier im Forum so häufig vermisst (und dem man sich ja offenbar auch irgendwie zurechnet) saß auf der anderen Seite und musste sich von aufgebrachten Dresdner Bürgern mit Häme überschütten lassen ("in Dresden brauchen wir keine Kuchenförmchen-Architektur" etc. etc.).
    Ich habe mich damals sehr geschämt hier zu leben und wenn ich mir hier viele der teilweise sehr unsachlichen und bornierten, gelegentlich auch dumpfen Kommentare ansehe, dann weiss ich, dass sich in Dresden noch sehr viel tun muss, wenn es wieder eine echte (zeitgenössische) Kulturstadt werden soll.
    Um dazu beizutragen spiele ich gelegentlich gerne mal den Mephistopheles und bin insofern ja dann doch auch im richtigen Forum (es sei denn hier wäre die Meinungsfreiheit schon abgeschafft?) :engel:

    Ich finde es problematisch wenn immer nur gefordert und gewünscht wird, aber die gewünschte Lösung nicht zu Ende gedacht wird.


    Und ausserdem:


    Das Grundstück liegt schon so lange brach und wenn man sich damals nicht auch schon blindwütig gegen alles neue und unbekannte gewandt hätte, befände sich dort schon seit 20 Jahren ein spektakulärer Ausstellungsbau mit einer hochkarätigen Kunstsammlung.


    :gutenacht:

    Heiji hat natürlich wie immer recht. Dort könnte es sicher noch viel mehr Bäcker geben als heute schon (sind schon etwa 5 Bäcker dort und der Rest sind sog. "Mampfbuden", die ja bekanntlich allenthalben für Belebung und Verschönerung der Innenstädte sorgen, nur den Dresdnern wird´s mal wieder nicht gegönnt.)
    :gehtsnoch:

    Ich verstehe eigentlich das Problem gar nicht. Das Grundstück stand doch lange zum Verkauf? Warum hat nicht einer der Rekonstruktionsfreunde einfach selber das Grundstück gekauft?
    Er hätte dann ganz einfach das tun können, was so offensichtlich das einzig wahre und richtige ist: Er hätte großzügig auf Geld und Gewinn verzichten und die Orangerie originalgetreu wieder aufbauen können, um sie dem begeisterten Dresdner und den vielen interessierten Touristen aus aller Welt zur Schau zu stellen. :foto:
    Über manche Sachen muss man nicht diskutieren, die muss man einfach machen, wenn man so überzeugt davon ist, dass es so einfach geht und alle anderen zu doof dafür sind. eye:)

    Das spricht sich vermutlich deshalb nicht herum weil es völlig falsch ist. Die Hamburger Hafencity ist ausgesprochen erfolgreich. Flächen in den überwiegend sehr attraktiven Neubauten sind stark nachgefragt und das Viertel ist stark belebt durch seine Bewohner und Touristen. :gutenacht:

    Warum einer freiwillig aus seiner Terrassenwohnung in der sanierten Platte in den Nachbau eines feudalistischen Behördenklotzes ziehen sollte, leuchtet mir leider gar nicht ein. Im Erdgeschoss der Platte an der Ecke ist ausserdem schon jetzt eine extrem gut besuchte Kneipe, in die sich sicher auch oft genug Touristen verlaufen werden. An der Architektur scheint es offenbar nicht wirklich zu liegen. :augenrollengruen:

    "Himmelsrichtungen" ist schlecht informiert.
    Der Welterbetitel Dresdens galt dem Elbtal. Gewürdigt wurde insbesondere die Tatsache, dass sich hier ein unbefestigtes Flussbett durch eine Stadt windet. Das gab es sonst nirgendwo. In anderen Städten wurde der Welterbetitel u.a. für die besondere architektonische Ausformung oder den Städtebau verliehen. Das war in Dresden nicht der Fall.


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