Posts by Kapitell

    Vielen Dank für die Foto-Beiträge von Hephaistos und Schloßgespenst.


    Zur Bewertung der einzelnen Baumaßnahmen wäre es interessant, die rechtlich-finanziellen Hintergründe zu kennen, die hier im Forum naturgemäß nicht geklärt werden können und daher zu unrecht wenig Beachtung finden:


    - Bei Hochstraße 27 muss ein Liebhaber am Werk gewesen sein, denn das Projekt dürfte gemessen am hohen Grundstückskaufpreis und der geringen Nutzfläche sehr unwirtschaftlich gewesen sein. Mit dem Instrument des Denkmalschutzes wird der normalerweise behördlich geforderte Wärmedämm-Standard reduziert worden sein.


    - Bei den anderen, in der Außenansicht nicht so gut gelungenen Projekten wird in keinem Fall der Denkmalschutz beteiligt gewesen sein. Daher konnte auf Außendämmungen nicht verzichtet werden. Darüber hinaus dürfte sich die Wirtschaftlichkeit der Projekte in dem üblichen Rahmen bewegen, der durch die mieterfreundliche Gesetzgebung in Deutschland gestreckt wird.


    - Zu dem stets vorzeigbaren Sanierungen in Leipzig sei angemerkt, dass diese i.d.Regel nur für die Investoren wirtschaftlich sind, den Käufern der Eigentumswohnungen aber ein (für diese zunächst nicht erkennbares) hohes Risiko zugemutet wird. Der stets versprochene Wertzuwachs, der in der Kalkulation eine hohe Rolle spielt, sowie der spätere Wiederverkaufswert und die dauerhafte Vermietbarkeit wird nicht wie von den Investoren versprochen eintreten. Im Klartext: Die Käufer kaufen überteuert und werden deutlich draufzahlen. Es sei denn, sie nutzen selbst.

    Substanzfetischismus hin oder her, die Denkmalpflege schaut doch in diesem Fall auch nur zu, genau wie wir. Entscheidend erscheint mir, dass das Hotel aus welchen Gründen auch immer nie unter Denkmalschutz gestellt wurde. Dies lässt sich unter den jetzigen politischen Rahmenbedingungen auch nicht nachholen. Da es keinen Denkmalschutz gibt, kann der Investor ungehemmt seinen Profitinteressen nachgehen. Er lässt einen Neubau entwerfen, bringt diesen Entwurf durch die Gremien der Stadt - wer soll ihn stoppen? Sehr schade, das ganze....

    Ich kenne Köln recht gut, (und Dresden ebenfalls.)


    Köln ist natürlich durchaus eine "richtige" Großstadt und hat durch dadurch Zwangsläufig große und bedeutende Bauten zu bieten. Ein gewisses Alleinstellungsmerkmal von Köln ist die unheimlich weit zurückreichende Vergangenheit, die außergewöhnlichen Kirchen, sei es der architektonisch absoult perfekte Dom, das mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutenste Kirchenbauwerk Deutschlands. Es ist völlig nebensächlich, dass der Kölner Dom in großen Teilen ein Bau des 19. Jhs. ist, denn erst das 19. Jh. hatte die Kraft und die Möglichkeiten, dieses Wahnsinnsprojekt zu vollenden. Bezüglich der romanischen Kirchen sieht es ähnlich aus, sie sind in dieser Fülle und Qualität außerordentlich.


    Auf der anderen Seite muss man Köln attestieren, dass die Bauten aus den folgenden Jahrhunderten für die Stadtgröße sehr spärlich erhalten sind. Aus der Renaissance sind das bedeutende Rathaus und wenige Bürgerhäuser erhalten, aus dem Barock ist vielleicht die römisch anmutende Jesuitenkirche etwas Besonderes. Die Bauten des 19. Jhs. vor 1880 sind ebenfalls spärlich erhalten, da sich dieses Baugeschehen noch innerhalb der Stadtmauer abspielte.


    In den Jahren bis 1914 war die Bautätigkeit dann wie vielerorts außergewöhnlich fruchtbar, was sich in der Ringstraße, einigen überwiegend zerstörten, aber sehr hochwertigen Gerichtsgebäuden, Theatern usw. zeigte.


    Nach 1945 ist man nur mit ausgewählten Bauten in der Altstadt sorgsam umgegangen, noch nicht einmal bei den Romanischen Kirchen erfolgte der Wiederaufbau ohne Brüche, der ansonsten natürlich eine außergewöhnliche, bemerkenswerte Leistung war und ist. Den damals gehassten Historismus hat man durch klassische Moderne im Sinne von Willy Weyres, Rudolf Schwarz... usw. ersetzt, ob das nun wirklich ein Gewinn war, die es derzeit selbst im Kunstreiseführer Dehio gesehen wird, muss jeder selbst beurteilen.


    Das heutige Köln muss man sich mühsam erarbeiten. Man muss sich regelrecht durch die Stadt durchkampfen, um die gut erhaltenen Bereich in der sehr großen Altstadt zu entdecken. Zu Fuß ist das quasi nicht möglich, bzw. dauert dann mindestens als 1 Woche. Man muss schon sehr hartgesotten sein, um Köln zu mögen, denn Licht und Schatten liegen sehr nah beieinander. Man kann eigentlich immer nur selektiv fotografieren, d.h. ausgewählte Einzelbauten, weil direkt daneben immer irgendetwas hässliches ist.
    Im übrigen bin ich überzeugt, dass Köln um 1900/1910 in einem ziemlich guten Zustand war, anders als heute.
    Allgemein verkamen die Städte dann nach 1918 bis 1935, ehe es dann ein kurzen Sanierungsschub gab. Dennoch wirken die Städte auf den wenigen frühen Farbdias, die stets um 1940 entstanden sind, recht verrottet.
    Die Köln-Liebhaber sollten mal wirklich ernsthaft bei den erhaltenen Bauten insbesondere aus der Gründerzeit einen Fotovergleich anstellen (dazu benötigt man wirklich hochaufgelöste alte Fotos, Postkartenqualität reicht meist nicht aus): Man wird feststellen, dass nach 1945 die Dachaufbauten, Fassadendekoration etc. fast immer erheblich vereinfacht wurden. Dies betrifft auch scheinbar gut erhaltene Gründerzeitbauten wie das Gerichtsgebäude Reichensperger Platz, selbst den Kölner Dom (Dachreiter, Türen). Das ist in z.B. Dresden, wie allgemein Ostdeutschland, fast nie geschehen und ist eindeutig ein bedauernwertes Erbe der frühen Bundesrepublik. Darüber hinaus gibt es in Dresden (aber auch hier nicht im Stadtzentrum) sehr viel einheitlichere und detailgetreuer erhaltene Stadtbilder. Das lässt sich nicht mit google erkunden, man muss es schon selbst erleben und die nötige Zeit mitbringen.
    Wäre Köln nach 1945 in der DDR gelandet, hätten die Gründerzeitbauten, vielleicht sogar einige der jetzt zerstörten Theater etc. nach 1990 detailgetreu renoviert werden können. Aber die romanischen Kirchen wären bis auf 1-2 komplett abgeräumt und für immer verloren gewesen. Es ist ein Verdienst der damaligen Zeit, dass diese als Kirchen wieder entstehen konnten. Heute wäre das nicht mehr denkbar.
    Bei meinen sporadischen Köln-Besuchen stelle ich immer wieder fest, dass die denkmalgeschützten Gründerzeitwohngebäude (das sind recht viele!) nach und nach wieder Holzfenster mit den richtigen Teilungen erhalten. Die Wiederherstellung der Dächer und Erdgeschosse erfolgt meist vereinfacht, was auch an den mangelnden Unterlagen über den alten Zustand liegen mag. (Ich weiss nicht, ob die Bauakten erhalten oder wie vielerorts 1943 verbrannt sind.)

    Eine Bildserie ganz nach meinem Geschmack: gute Auflösung, mit sicherem Blick fixiert auf das Wesentliche, der etwas herbe-düster flanderische Charakter der Stadt kommt deutlich durch.
    Ganz im Gegensatz zu einigen meinungsbildenen Mitgliedern schaue ich mir gerne auch "große Architektur" wie den Aachener Dom mit vielen Detailbildern an und verzichte dann auf Bilder von belanglosen, ohnehin verschandelten Nebenstraßen.
    Schade, dass scheinbar jeder Strang in einem pauschalen Stadteranking endet (...die schönste Stadt .... ist Freiburg....). Die Qualität in Deutschland ist meiner Meinung nach die Vielfalt. Deutschland ist im Westen und Norden ein wenig wie Holland oder Belgien, im Elsas eine Art Klein-Frankreich, im Südosten ein wenig tschechisch/österreichisch, und so weiter.

    Danke für die Bilder, besonders auch der Innenansichten der Kirchen, die ich in meiner Wuppertal-Zeit leider nie betreten habe. Die Friedhofskirche von Johannes Oetzen und die Kirche St. Suibertus in schönster rheinischer Romanik sind schon eine Wucht. Bezüglich der Stadthalle Elberfeld möchte ich drauf hinweisen, dass diese im Inneren nach Umbauten der 50er/60er Jahre Mitte der 90er Jahre sehr aufwendig wieder hergestellt wurde - fast alles, was wir sehen, war langweilig monochrom übermalt und z.T. vereinfacht oder verkleidet - das Deckengemälde im großen Saal hatte man leider seinerzeit so sorgfältig beseitig, so dass eine Rekonstruktion aufgrund einiger schwarz/weiss Fotos nicht möglich erschien; stattdessen gibt es nun einen neutralen Himmel. Der barocke Altar in der von Adolf von Vagedes entworfenen klassizistischen Laurentiuskirche gehört eigentlich gar nicht hierher, er wurde nachträglich übertragen. Und der Bahnhof Mirke, Pendant zum Hauptbahnhof Elberfeld an der sog. Rheinischen Strecke scheint nicht so richtig fertig zu werden - immerhin wurde er vor Jahren von einem Liebhaber gekauft. Im Inneren wurde uns vor ca. 8 Jahren mal die ehemalige Empfangshalle gezeigt, brutal durch eine Zwischendecke geteilt, die wieder hergestellt werden soll.

    Natürlich, Wuppertal hat Potenzial. Im Vergleich mit dem Ruhrgebiet (Dortmund, Bochum...) ist die alte Bausubstanz in Wuppertal sehr viel interessanter. In Wuppertal stehen kleine Unternehmervillen noch und noch, genau so wie prächtige Rathäuser auch in den Vororten (siehe Vohwinkel im anderen Strang), und qualitativ hochwertige, wenn auch heute oft verunstaltete 20er-Jahre-Siedlungen, viele städtisch anmutende Bahnhöfe verschiedener Qualitäten von ca. 1850-bis ca. 1925. In dieser Dichte ist das in Deutschland selten. Wuppertal muss allerdings mühsam erschlossen werden. Dadurch dass es sehr zerklüftet ist, muss man die schönen Ecken regelrecht suchen. Manchmal taucht hinter einer Straßenbiegung, einer Anhöhe, einem Gebüsch... unerwartet eine solche Ecke auf.

    Sebaldt hat natürlich "selektiv" fotografiert, so zusammenhängend erhalten wie es hier in den Bildern scheint ist Wuppertal dann doch nicht.
    Aber: als Bergisches Manchester verfügt es über eine ungewöhnliche Fülle an Bauten der Industrialisierung, die anderswo längst verschwunden sind. Elberfeld und Barmen zusammen waren für eine sehr kurze Zeit um 1871 die 4. oder 5. größte Stadt im Deutschen Reich.


    Nachdem seit Mitte der 70er Jahre in Wuppertal eine für NRW ungewöhmlich hohe Zahl an Gebäuden unter Denkmalschutz gestellt wurde (heute wäre das politisch nicht mehr möglich), Bürgerinitiativen die weitere Zerstörung der Stadt z.T. verhindern konnten, hat die Stadt heute mit erheblichem Einwohnerschwund zu kämpfen, was man dem Stadtbild ansieht. Im allgemeinen ist Wuppertal nicht so gepflegt, wie es auf den Fotos scheint. Gerade in der verkehrsbelasteten Talachse B7 sind die Gebäudepreise im Keller (die Mieten auch), obwohl hier die schönsten Gebäude der Stadt stehen. In meiner Zeit in Wuppertal habe ich mir immer gewünscht, dass die B7 in zentralen Bereichen Freidrich-Engels-Allee und Friedrich Ebert-Straße als Fahrradstraße verkehrsberuhigt würde - leider wird dieser Wunsch immer an der Topographie der Stadt scheitern.


    Mal einige Beispiele für Gebäude, die in den 70er und 80er Jahren kurz vor dem Abbruch standen:
    - Hofeshaus Lütterkus-Heidt, Emilstr. 46 (von Sebald fotografiert, das ist einies der ältesten Gebäude der Stadt)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Heidt_%28Quartier%29


    - Die Friedrich-Engels-Allee, die Stadtstraße zwischen Barmen und Elberfeld aus der 2. H. 19. Jh. sollte einseitig abgerissen und verbreitert werden, was teilweise auch geschehen ist.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich-Engels-Allee


    Dabei wären auch die klassizistischen Haspelhäuser abgerissen worden - die Stadt hat sie dann nach langen Diskussionen zum Stadtarchiv aus gebaut - eines dieser Häuser (das linke) ist innen im Flur erstaunlich reich bestuckt.
    http://de.wikipedia.org/w/inde…etimestamp=20070501200808


    - In Wuppertal gibt es aus den 60er/70er Jahren sogar Beispiele für versetzte Bergische Häuser: Das Wohnhaus der Fa. Barthels&Feldhoff von ca. 1790 wurde aus Oberbarmen (Berliner Str.) an die Friedrich-Engels-Allee versetzt. Heute wäre dies so nicht mehr denkbar.
    Haus Barthels – Wikipedia


    Wuppertal hat seit Jahren ein Problem mit ungenutzten Kirchen. In der Pauluskirche finden Vorlesungen der Bergischen Universität statt.
    Im Inneren ist diese Kirche leider nicht so gut erhalten, wie man von außen denken könnte.
    Datei:Wuppertal Pauluskirche.jpg – Wikipedia


    Ich bin gespannt auf weitere Fotos.

    Münzgasse 9
    Baujahr um 1860 laut Denkmaltopographie, verputztes
    Fachwerkhaus
    Sanierung durch CG Gruppe (die machen jetzt wieder kleinere
    Projekte)


    Vorher



    Beginn Umbau




    Ca. 11/2011





    O1/2012




    Spohrstraße Hinterhaus vorher



    11/2011



    Schreberstraße, Heinesche Aromawerke


    Vorher



    Während Umbau



    Jetzt



    Floßplatz 33, Baujahr 1887


    Treppenhaus vorher




    11/2011



    01/2012



    Bilder sind alle von mir.

    Entschuldigung, bilderbuch, in den neuen Bundesländern kann man an jeder Ecke Sanierungen mit Fassadenrekonstruktionen sehen, die i.d. Regel besser gelungen sind. Dies liegt daran, dass die vorhandenen Vorlagen und Reste dort in aller Regel aussagekräftiger sind. Fast immer haben die Handwerker und Planer konkrete Reste mit Maßen, die nachgearbeitet werden können. Das gilt sowohl für den Stuck als auch für Fenster-Profilierungen. In Westdeutschland ist das viel komplizierter, weil wie im Fall der Kaiserstraße vor mehr als einer Generation alles entsorgt wurde, und zwar deutlich gründlicher als in der ex DDR. Diejenigen, die heute im Westen die Dinge nachschaffen, haben die Vorbilder nicht mehr vor Augen, auch die Vergeleichsbeispiele nicht. Man weiß nicht mehr, wie z.B. korrekte Fenstersprossen in dem jeweiligen Zeitschnitt aussahen, weil es quasi keine Original-Fenster mehr gibt.
    Sowohl vor diesem, als auch vor dem Hintergrund, dass in Westdeutschland seit 1950 nur noch entstuckt, aber nahezu niemals wieder bestuckt wurde, ist das Beispiel Kasierstraße hoch zu bewerten, auch wenn sein Ergebnis möglicher Weise in einigen Details nicht besonders gut gelungen ist. Inwieweit der Denkmalschutz eine Rolle spielt, kann nur gemutmaßt werden. In Ostdeutschland unterstützt der Denkmalschutz Fassadenrekonstruktionen, im Westen habe ich noch nie davon gehört. Entsprechend mieser werdn die Ergebnisse.
    Was die Regenrohre betrifft, sind diese auf die ausgezeichnete DIN-Normen-Welt im Bereich der Haustechnik zurückzuführen. Balkone brauchen nach DIN eine Entwässerung, sonst kann der Wohnungskäufer klagen. Das möchte der Bauherr/Architekt nicht. Daher wurden die Rohre gebaut, während diese an den benachbarten Altbauten schlicht und einfach nie vorhanden waren (dort läuft das Wasser einfach über eine umlaufende Tropfkante ab). Bei Sanierungen in den neuen Bundesländern wird läufig viel mehr mit Augenmaß (nicht nach DIN) gemacht. Mein Balkon beispielsweise hat auch keinen Ablauf mit Regenrohranschluss, obwohl 2004 neu saniert/Balkon rekonstruiert, aber in Ostdeutschland wohnen ja auch nicht in jeder Wohnung allwissende Juristen oder Lehrer.

    Vielen Dank, aus Sicht von Norddeutschland, das immer mehr verfällt bzw. durch die gestaltlose energetische Sanierung mit Styropordämmplatten geprägt ist, einfach unglaublich, was in Görlitz geschieht, und das ganze bei der schlechten Vermietungssituation.

    Quote

    Den Fehler hatte keiner bemerkt.

    Es geht eben nichts über ordentliche Planer, die sich die richtigen historischen Fotos besorgen und dann akribisch die Maße ermitteln und auf die zwangsläufig neue Baukonstruktion richtig übertragen. Das ist aufgrund der ganzen Zwänge schwerer als die meisten denken und wird so gut wie nicht honoriert. Wenn ich es weiß, stören mich solche Fehler sehr, wobei ich der Auffassung bin, dass es gerade in der Renaissance sehr häufig ist, dass Erker nur 1/2 Fensterbreite auskragen. In den Gebieten, mit denen ich mich beschäftige (eher Norddeutschland...) ist das durchaus die Regel.

    Die farbliche Trennung von Architekturteilen und Hintergrundflächen ist richtig dargestellt.


    Lasse dir vom Architekten die verschiedene Varianten anlegen (in CAD geht das schnell, wenn die Zeichnung richtig aufgebaut wurde)
    - eine Variante monochrom beige (immer warm)
    - eine Variante zwei nah an einander liegende Beige-Tönen, ähnlich dem rechten Nachbarhaus, aber insgesamt entweder heller oder dunkler
    - eine Variante mit stärkerem Kontrast und z.B. wein-roten Hintergrundflächen.
    etc.
    Bei uns müssen meist auch die Nachbarhäuser mit dargestellt werden.
    Nie reines Weiß verwenden, selbst Altweis wirkt i.d.R. zu "weiß".


    Suche mit dem Bauherrn und dem Denkmalschutz eine Variante aus und lasse vom Maler eine Musterfläche anlegen. Mache diese groß genug. Kleine Farbflächen wirken ganz anders. Die Farben dürfen nicht zu kräftig sein (sonst wirken die zu aufdringlich!), dies sieht man nur an der Musterfläche.


    Die Farben dürfen nicht kunstoffhaltig sein, sie müssen diffusionsoffen sein, damit der Wasserdampf im Winter von ihnnen hindurch kann.
    (Stark kunststoffhaltige Farben blättern irgendwann flächig ab.)
    Handelsübliche Dispersionsfarben aus dem Baumarkt sind i.d.R. kunststoffhaltig.
    Es dürfen insbesondere an Metallteilen (alte Beschlägen etc.) nur matte Farben verwendet werden.


    Wichtig ist auch, dass die Fenster nicht weiss werden. Weiße Fenster wurden erst im größerem Umfang kurz vor dem ersten Weltkrieg ab 1910 verwendet. In der Folgezeit sind die braunen, grünen.... Fensteranstriche der "Gründerzeit" vielerorts völlig verschwunden.
    Wähle also z.B. ein braun, gerne auch ein hellbraun-beige, bei uns gibt es auch häufig ein dunkel-grün. Letzteres bei der Haustür bitte nicht, die ist dann trotzdem braun. Einfach mal in der Zeichnung anlegen. Lasse den Maler auch ein Fenster (nur Außenansicht bei Kastenfenstern) anlegen. Der Kasten und die Innenansicht bleibt mit Rücksicht auf die Mieter natürlich weiß.


    Bei dem Traufgesims, das ja offenbar neu gemacht wird, musst du drauf achten, dass das groß genug wird und weit genug auskragt.
    Viele Planer und altbausanierende Architekten unterschätzen an die Tiefe von auskragenden Bauteilen.
    Die Dachrinne muss bei diesem Gebäude aufgesetzt sein, nicht vorgehängt. Dazu muss der Holzkasten mit Blech (Zinkblech) gedeckt werden. Bei den Nachbarhäusern ist das Detail richtig gelöst.


    Um den Anstrich lange ohne Rotznasen zu erhalten, müssen alle Gesimse mit Zinkblech abgedeckt werden. Dies muss vorne am Rand möglichst schmal und zwingend schmal+rund gebördelt und hinten in den Putz geschoben werden.


    Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu viel Info.

    Gleich eine ganze Reihe?
    Einen einzelnen Beitrag für einen Sammelband könnte ich sicher schreiben und bebildern, aber ein ganzes Buch macht man nicht so nebenbei.
    Nach meiner Erfahrung muss man heutzutage selbst Geld mit bringen, damit der Verlag solche im Druck und Layout teuren Bücher überhaupt herstellt. Von Honoraren für Autoren ganz zu schweigen, die gehen üblicher Weise leer aus und streiten dann noch mit dem Verlag über Qualitäten (Papier, Einband, Druckqualität von Bildern, Nachbearbeitung und Vereinheitlichung der Bildvorlagen z.B. in der Helligkeit und in den Farbnuancen bei Farbbildern). Denn die Käuferschaft für solche Bücher ist nicht hoch (meist nur aus der jeweiligen Stadt) und die "Wissenschaftler" lassen sich die Bücher schenken anstatt sie selbst zu kaufen.
    Eigentlich will ich das Projekt nicht kaputt reden, meiner Erfahrungen in diesem Bereich waren jedoch außerordentlich ernüchternd um nicht zu sagen erschütternd. Hauptsächlich liegt dies an den hohen Verlagskosten (Verlag und Vertrieb wollen für alles Geld, und die Autoren machen alles umsonst inkl. Erstellen der Bildvorlagen (Zeichnungen, eigene Fotos, Kosten für Karten (z.B. Grundkartenauszüge), historische Bilder aus Bildarchiven, letztere sind bekanntlich in den letzten Jahren auch durch diese ganzen Digitalisierungsprojekte sehr angestiegen, wodurch die Bildauswahl eingeschränkt wird).

    Ich finde übrigens, dass die moderne Architektur in Wien noch klotziger, monströser und abweisender daher kommt wie vielerorts in Deutschland.
    Bei unserem Wien-Besuch haben wir uns am Bahnhof Wien Mitte regelrecht verlaufen. Wir wussten einfach nicht, wo wir hin mussten, ob wir in dem Tunnel-Gewirr bleiben sollten oder besser auf den Straßen rumirren sollten (Nebenbei gesagt: sonst finden wir unseren Weg immer sofort). Diese unglaublich hässliche Betonkiste aus den 70ern ("Ersatz für die historischen Markthallen") war so ziemlich das erste, was wir von Wien gesehen haben. Schöne Visitenkarte. Und es wird immer hässlicher.

    Paderborn, Kamp 15-17-19
    Bis 1945 Hotel Löffelmann (Kamp 15), im Krieg ausgebrannt, die mächtige 3-geschossige Renaissance-Sandsteinfassade (um 1600, wahrscheinlich gelber teutoburger Sandstein), im letzten Zustand traufständiges Gebäude, um 1959 abgerissen.


    1959 belangloser Neubau der Ländlichen Centralkasse mit zahlreichen Loggien in der Straßenfront.


    2009 -11 Neubau Bank für Kirche und Caritas, Kamp 17
    Die neue Fassade von 2011 nimmt im Erdgeschoss historische Zitate der Renaissance-Fassade auf, nachgebildet in rotem Main-Sandstein. Der Vergleich mit den historischen Fotos ist außerordentlich enttäuschend, weil sich die Zitate in den Lisenen mit Fries erschöpfen und diese in einem langweiligen Rhythmus wiederholen, der dem Geist der Renaissance völlig widerspricht. Vergessen ist das große Einfahrstor, das der Front seinen Charakter gab, vergessen die Obergeschosse, die ebenso gegliedert waren.
    Vor dem Haus steht eine Tafel, die an das untergegangene Renaissance-Haus erinnert, mit zwei Fotos aus der Zeit vor 1944 und nach 1945.
    Bildindex ist leider in diesem Fall „unwissend“.


    Das rechts benachbarte Geschäftshaus „Pronuptia“, das abgerissen wurde, war ein belangloser Bau mit Putzfassade ebenfalls von 1959.


    Den folgenden Link bitte in ein neues Fenster kopieren, sonst funktioniert er nicht:
    http://www.nw-news.de/lokale_news/paderborn/paderborn/4695024_Wir_wollten_keinen_Geldtempel.html


    Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass die ehemals charakteristische Straße Kamp im Krieg komplett zerstört, verbreitert und modern wieder aufgebaut wurde, mit Ausnahme des Posthofs Nr. 22, des Dalheimer Hofs Nr. 38 und des ehemaligen Jesuitenkollegs, aber auch hier sind die ehemals barocken Bauteile im Stil des Neoklassizismus der 50er Jahre banalisiert worden.

    Die Thermobilder sind nur dafür da, die Wärmebrücken zu finden, weil es an diesen Stellen oft zu Schimmel und Bauschäden kommt.
    Mit den Thermobildern kann man nach einer Baumaßnahme feststellen, wo etwas falsch gelaufen ist und gff. nachbessern. Die nach energetischen Gesichtspunkten neu sanierten Gebäude haben auch sehr häufig Wärmebrücken.
    Man macht diese Bilder im Winter, wenn es möglichst unter 0 Grad ist und innen geheizt wird (an einem Tag ohne Sonne) und sieht so anhand der Temperaturdifferenz, wo die meiste Wärme aus dem Gebäude verloren geht. Solche Stellen sind z.B. geometrisch benachteiligte Gebäudecken, Fugen an den Fenstern, Heizkörpernischen, Deckenauflager und ungedämmte Dachflächen.
    Die reine Fassadenfläche ist auch bei Altbauten oft weniger das Problem.
    Zu einem vollständigen Thermo-Bild gehört eine Legende mit Angabe der gemssenen absoluten Temperaturen.

    Eine neue Nachricht aus der LVZ:
    Die ehemalige Heilanstalt Dösen, Leipzig, Chemnitzer Str. 50, wurde nach ca. 10 jährigem Leerstand an eine Immobiliengesellschaft aus Arnstadt (ProWohn Immobilien) verkauft, und soll überwiegend zu einem Wohnquartier entwickelt werden. Es wird auch eine Kita etc. geben.


    Die Heilanstalt Dösen wurde 1899 - 1901 durch den Leipziger Stadtbaumeister Scharenberg in Pavillonbauweise auf der Flur Dösen gebaut als Klinik zur Behandlung psychisch Kranker und Behinderter, seit 1913 Königliche Landesheil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen des Königreichs Sachsen, nach 1990 Parkkrankenhaus, mit Privatisierung in einen Neubau an anderer Stelle verlagert.


    Das Areal besteht aus ca. 25 großen, freistehenden Gebäuden der Gründerzeit, denkmalgeschützt, die überwiegend im Heimatstil mit großen Loggien und Balkons in dem parkartigen Gelände angeordnet sind. Einzelne sind nach 1990 teilweise denkmalgerecht saniert wurden, die meisten jedoch nicht. Der Gebäudezustand ist noch recht gut, die Gebäude sind alle verschlossen.


    Das Hauptgebäude Chemnitzer Str. 50 ist das markanteste Gebäude mit repräsentativer Auffahrt, auf der Vogelschau rechts hinten mit Turm.
    Davon ausgehend liegt am Ende der Hauptachse ein Versammlungsgebäude (Andachtsraum, Speisesaal, mit kleinem Glocken-Dachreiter). Die übrigen ca. 18 Gebäude sind die eigentlichen Krankenhäuser. An der Hauptallee liegen weitere Nebenbäude wie Küche, Heizung u.a., erkennbar an dem hohen Schornstein auf der Vogelschau.


    Ein kleiner Teil mit dem Wasserturm hinten links an der Gorbitzer Str., wird vom Freistaat ähnlich der ursprünglichen Bestimmung in modernisierter Forum weiter genutzt, gleicht von außen also eher einem Gefängnis. Der Wasserturm ist bei bing.com auf dem Luftbild noch zu sehen, jetzt ist er komplett verschwunden. Der gogel stretview hat, man dort noch den Krater im Boden ziemlich nah an der Straße sehen.


    Zu der ehem. Heilanstalt gehört ein ansehnlicher Park mit altem Baumbestand und ein See.


    Hier eine gemeinfreie Vogelschau aus der Entstehungszeit.

    Das sind natürlich wieder einige der bekannteren Beispiele für schöne Treppenhäuser in der Stadt.
    Das erste kenne ich nicht, dann folgt die Hardenbergstr. 23 mit Außenansicht und dem schon in der Denkmaltopografie der Südvorstadt abgebildete Treppenhaus, dessen Deckenbild glaube ich nie überstrichen war, dann die Außenbilder Nordplatz 3, 6, das Eckhaus zur Balzacstr., Villa Kickerlingsberg 10, die Villa Springerstr. 1 Ecke Kickerlingsberg, das Eckhaus Pölitz- Ecke Stallbaumstr., Schloß Gohlis Menkestr.23, Pölitzstr. 19 und schließlich das etwas maurisch-düster wirkende Treppenhaus aus dem Kickerlingsberg 12 aus der Zeit um 1910/14.