Posts by Kapitell

    Ich vermute, dass Oktavian mehr Einblicke in die aktuelle Planung hat als wir, die nur die Zeitungsanimation kennen. Es gibt ja auch Ausführungspläne (maßstabsgerechte Ansichten) sowie vermutlich auch maßstabsgerechte zeichnerische Rekonstruktionen bzw. alte Aufmaße der Fassade, die natürlich nicht für die Veröffentlichung geeignet sind, und aus deren Vergleich geänderte Maße deutlich werden. Gewisse maßliche Abweichungen sind normal, schon allein dadurch, dass Maße wie Dachhöhen sich heute kaum mehr auf den Zentimeter genau ermitteln lassen, und auch damals schwer zu messen waren.

    Hallo Exilwiener,
    kannst du etwas zu den Vorraussetzungen der Sanierungen sagen?
    - Stehen die Gebäude unter Denkmalschutz? Hat der Denkmalschutz die Architekten bei der Planung/Geometriefindung unterstützt? Beosnders das Objekt 5. Kleine Neugasse 9 ist absolut perfekt gelungen.
    - Gibt es in Österreicht eigentlich so etwas wie eine Wärmeschutzverordnung? Die Fassaden sehen alle so aus, als seien sie konventiell ausgeführt worden, wie früher. Nur 8. Bezirk, Bennogasse 9 könnte gedämmt worden sein, soweit man es auf dem Foto erkennen kann.

    Man stellt immer wieder erstaunt fest, dass das Grassi-Museum absolut stimmig ist - alle Baustoffe sind völlig ohne Bruch farblich und materiell aufeinander abgestimmt, bis hin zum Fugenmörtel im Pflaster und der im Grunde sehr schlichten, zwischen Art Deco und klassischer Moderne zu verortender Innenarchitektur. Ein exzellenter Museumsbau.

    Hallo Heinzer, vielen Dank auch von mir für die stets informativen Beiträge, die ich gerne lese.
    Bremerhaven habe auch ich mir eher wie das mir recht gut bekannte Wilhelmshaven vorgestellt - d.h. eine bis auf wenige Ausnahmen sehr spröde Ansammlung von Wohnhäusern, Werften, Kasernen, drittklassigen Kirchen.... Das Theater und der Bahnhof zeigen wirklich ordentlichen ausgewogenen Jugendstil/Reformstil, der ganz im süddeutschen Sinne gefällt. Dahingegen finde ich, dass viele Wohngebäude ihre norddeutsche/hannoversche/preußische Provenienz nicht verleugnen können. Sie bestehen nur aus Putz und Stuck (nicht aus Naturstein), die Figuren in einem einen Eckgebäude sind wenig feinfühlig ausgeführt, wirken vielmehr schwerfällig-preußisch-plump. Die Häuser an sich dürften tatsächlich außergewöhnliche, besondere Wohnungen haben.


    Ich frage mich übrigens auch, warum hier im Forum norddeustche Themen stets weniger Beachtung finden. Ich habe manchmal das Gefühl, es liegt daran, dass Norddeutschland weniger Stadtkerne hat und stattdessen schon in älterer Zeit viel stärker zersiedelt war, und somit historische Gebäude sehr verstreut liegen und seltener Enseblme bilden. Dies, und die gnadenlose technikgeprägte Moderniserung nach 1950/60 führen dazu, dass die charakteristische Bausubstanz Norddeutschlands für Besucher bei der Durchfahrt heute kaum mehr wahrnehmbar ist. Vom Krieg betroffen waren nur die großen Städte, alles andere ist ja erst später mutwillig zersört worden.

    Das "Problem" der Kostensteigerungen während der Bauphase findet sich systembedingt bei jedem öffentlichen Bauvorhaben.
    Aus strategischen Gründen muss die Verwaltung gegenüber dem Stadtrat, der Staatsregierung o.ä. zunächst niedrige Kosten angeben. Das heißt, die Architekturbüros werden von den Mitarbeiter(innen) der Verwaltung gedrängt, die Kosten rigoros runter zu rechnen. Dabei lässt man gerne ganze Themen (Abriss Altbestand oder statische Deckensanierung wie in dem obigen Beispiel) unberücksichtigt. Dann werden die (zu niedrigen) Mittel im Haushalt bereit gestellt. In der Bauphase werden dann im Ausschreibungsergebnis die tatsächlichen Kosten erkennbar. Eines der Angebote muss beauftragt werden, also nimmt man das günstigste (nur dieses Kriterium gilt in der Praxis- gleichwertigkeit der Ausführung ist egal). Nun ist das beauftragte Angebot schon höher als die eingestellten Kosten im Haushalt, wohingegen die ausführende Firma der Meinung ist, dass alles sehr knapp kalkuliert ist und so wird diese versuchen, über (überhöhte) Nachträge dies wieder auszugleichen. Dazu muss man wissen, dass die Baufirmen heute (ich meine nicht die großen Konzerne) ein großes Risiko tragen (Rechtsstreitigkeiten noch Jahre nach Fertigstellung...). Nun muss die Verwaltung über den Stadtrat die Kostensteigerung kommunizieren: Und siehe da -man muss die komplizierten Abhängigkeiten nun mal für den Bürger plakativ vereinfachen - heraus kommt meist, dass das Architekturbüro eine falsche Kostenschätzung abgegeben hat. Und die Architekturbüros lassen diese Rufschädigung auf sich sitzen, weil sie vielleicht einmal wieder einen Bauauftrag von Freistaat oder der Stadt bekommen wollen.


    Auch beim Kulturpalast wird es also Kostensteigerungen geben. Die DDR-Bausubstanz ist i.d.R. schon im Rohbau nicht gerade solide ausgeführt.

    Interessante Veränderung am Wernerschen Haus.
    Die nicht vorhandenen Riegel im Foto des alten Zustands verrieten, dass der gesamte Eckvorbau (mit Ausnahme des Erdgeschosses, dort wo jetzt die Fensterläden sind) ursprünglich durchfenstert war. Dies hat man nun getreu wieder hergestellt, und nicht nur das, man baute sogar sorgsam dem Zeitschnitt des 17.Jahrhunderts entsprechende bleiverglaste Fenster nach. So kommt nun der renaissancezeitliche Charakter des nur aus Fenstern und Schnitzwerk bestehenden Schmuckvorbaus wieder deutlich heraus.
    In den anderen Wandbereichen hat man die Holzsprossenfenster des 19. Jhs. belassen - diese muss man sich selbstverständlich auch mit Bleiverglasung vorstellen. Schön auch, dass die nur für die 1. Hälfte 20. Jh. typische weiße Fensterfarbe nun wieder verschwunden ist.


    PS: Danke für den Link mit dem Zeitungsartikel, dort steht das ganze schon in anderen Worten.... mein Beitrag hat sich mit Palantiers Beitrag zeitlich überschnitten....

    Ich war im September 2011 an diesem bemerkenswerten Ort, der Wiederherstellungsgrad sowohl von Schloß und Park lässt noch immer allerhand Wünsche offen.... dort ist es derzeit nicht so durchsaniert wie sonst fast überall in Potsdam. Leider wirkte insbesondere das Schloß leer und gemessen an seiner Bedeutung und seinem Bekanntheitsgrad recht vernachlässigt. Auch an der Parkanlage schien mir noch erheblicher Wiederstellungsbedarf, beispielsweise der Rückbau gewisser Asphaltflächen, Herstellung von Wegen, Stufen.... was die Bepflanzung betrifft, bin ich kein Experte, die Sichtachsen sind aber weitgehend frei geschnitten wie es sich gehört. Ein zum Ensemble gehörendes Gebäude am Parkzugang schien gerade fertig saniert zu sein.

    Quote


    Nun, im Gegensatz zum nun Favourisierten ist die dd1-Planung schon als großer Wurf zu bezeichnen.

    Das sehe ich auch so. Diese dd1-Planung beinhaltete immerhin die Wiederherstellung der Moritzstraße und den Quasi alternativlosen Beibehalt der heutigen verbreiterten Wilsdruffer Straße. Die neuen Fassaden sehen doch auch gar nicht so verkehrt aus, jedenfalls besser als die durchschnittliche inzwischen dresdenübliche Grütze.

    Nikischplatz 1


    Portal am Schulgebäude Scharnhorststr. 15



    Kurt-Eisner-Str. 37 und 39 (Nr. 39 rechts wurde bereits um 2000 äußerlich kurz vor dem Einsturz/Abbruch saniert, jedoch nie fertiggestellt)




    Weißenfelser Str. 63 Ecke Lauchstädter Str.


    Weißenfelser Str. 36



    Weißenfelser Str. 33 - daneben gab es leider einen Abbruch


    Die Fotos sind von mir.

    Hohe Str. 35


    Karl-Liebknecht-Str. 6b - hat anscheinend keinen Denkmalschutz?!?


    Karl-Liebknecht-Str. 51



    Georg-Schumann-Str. 22

    Friedrich-Ebert-Str., letztes Gebäude der Piano-Fabrik Blüthner


    Kohlgarten- Ecke Comeniusstr.


    Pfaffendorfer Str. 16


    Die Fotos sind von mir.

    Im Folgenden habe ich noch einige Sanierungsprojekte nett aufbereitet. Die sind nicht alle ganz aktuell, aber überwiegend aus dem letzten Jahr. Die Vorher-Bilder sind z.T. bis zu 4 Jahre alt.


    Hohestr



    Arndtstr. 3



    Brandvorwerkstraße



    Fregestr. 6




    Friedrich-Ebert-Str. 83+85




    Goldschmidtstr. 33




    Doe Fotos sind von mir.

    Von mir ebenfalls vielen Dank für die Bilder.
    Allgemein gesprochen sind in Nordwestdeutschland strenge spätklassizistische (=frühhistoristische) Fassaden viel seltener als im Südosten des deutschen Sprachraums. Häufig sind diese zudem versatzstückartiger zusammengefügt. Im allgemeinen sieht man, dass Süddeutschland an den großen italienischen... Vorbildern viel näher dran war und es seinen Baumeistern am Ende des 19. Jhs. augenscheinlich leichter fiel, beinahe klassische Fassaden zu entwerfen.
    Dafür ist die norddeutsche Historismusarchitektur wiederum deutlich ekletischer, was zu mehr Eigenständigkeit, aber auch häufiger zu sehr gewöhnungsbedürftigen Varianten führte.
    Bezüglich des Bremer Hauses möchte ich noch erwähnen, dass es den Norddeutschen vom Menschenschlag her schon immer wichtig war, allein im eigenen Haus zu wohnen. Es ist bemerkenswert, dass man dies selbst in der Stadt realisierte.

    Der Turmhelm wurde zerstört, alles andere blieb bis auf unvermeidliche Luftdruckschäden usw. recht unversehrt. Der Dachstuhl blieb stehen, die Gewöllbe natürlich auch. Daher zeigt sich die Kirche auch heute noch weitgehend im Gewand ihrer historistischen Erneuerung (Constantin Lipsius, 1878ff).

    Du meinst Prinzipalmarkt 41, Knipperdollinghaus (die Google Bildsuche zeigt etliche Bilder....)
    Dieser Giebel ist m.E. für einen originalgetreuen Wiederaufbau vorgesehen gewesen. Wie man sieht, sind die Hauptgeschosse mit Sandstein verblendet und im spätgotischen Sinne "rekonstruiert", während der Sandsteingiebel bis heute fehlt (stattdessen eine vereinfachte zurückgesetzte Putzfassade).
    Die Fensteröffnungen waren in der Fassung vor 1945 bereits verändert, die jetzigen entsprechen wieder mehr dem mutmaßlichen Original.


    Dieses ist m.E. die einzige Rekonstruktion am Prinzipalmarkt, die derzeit eine realistische Chance hätte. Der Bau ist soweit vorbereitet, es ginge wirklich nur um das Sandstein-Giebelschild. Das Haus befindet sich natürlich im Privatbesitz.


    Übrigens sind die Parzellen des Prinzipalmarktes (Ausnahme 1-5 Kaufhaus Boecker)/Drubbel/Roggenmarkt, Bogenstr. (nur Südseite) beim Wiederaufbau nicht verändert. Bei einigen neu aufgebauten Häusern sind die Lauben erhalten.

    Der Denkmalschutz in Sachsen steht (Teil-)Rekonstruktionen generell verhältnismäßig aufgeschlossen gegenüber. Dies muss etwas damit zu tun haben, dass bei dem weit fortgeschrittenen Verfallsgrad vieler Gebäude am Ende der DDR eine Rekonstruktion z.B. einer kompletten Putzfassade unumgänglich war. Diese Philosophie gibt es in den alten Bundesländern so nicht, weil der Verfall nie so weit fortgeschritten war.
    Weiterhin fließen die Fördermittel noch immer sehr gut. Hinzu kommt, dass das Palais im Großen Garten ein Einzelgebäude von herausragendem kunstgeschichtlichem Wert ist, das deutschlandweit bekannt ist und geschätzt wird. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Festsaal wieder hergestellt ist, ähnlich wie bei den großen Schlössern in Süddeutschland, die erst Jahrzehnte nach ihrer Zerstörung wieder hergestellt waren. Auch dort war es nie wirklich eine Frage des "ob", sondern nur das "wann" und "wie". Über das "wie" können die Fachleute sich im Fall des Palais im Großen Garten gerne noch weiter verständigen. Es kann dem Ergebnis nur dienen.

    Naja, jener "sehr ranzige" (bezogen auf #47) Giebel Prinzipalmarkt 42 ganz rechts auf der ziemlich bekannten und sehr alten Fotografie von 1864(!) war einer der wichtigsten Giebel in der Art der niederländischen Renaissance ("Florisstil") am Platz. Man bedauerte seinen Abbruch um 1890 sehr und bewertete dieses neue, zu allem Unglück auch noch zu hoch geratene und direkt in der Sichtachse der Salzstraße liegende Gebäude außerordentlich negativ. Quasi als Wieder-gut-Machung baute man 1898 eine Kopie dieses Giebels einige Häuser weiter rechts auf dem Grundstück Nr. 47. Wie es der Zufall wollte, steht diese Kopie von 1898 mit wenigen Änderungen bis heute (Haus Rüschenbeck).


    Hier eine Postkarte um 1910 (gemeinfrei), die links gerade noch zu erkennen unter Nr. 42 jenen unpassenden Neubau zeigt und 5 Häuser weiter rechts unter Nr. 47 die Kopie von 1898.


    Genau dieser Standort heute mit Nr. 47 als Kopie von 1898.
    Nr. 45 und Nr. 48 (Cafe Kleimann) sind übrigens die einzigen erhaltenen Originalgiebel, die auf beiden Fotos zu sehen sind.


    (Ps: Es gab eine zeitliche Überschneidung mit Riegels Beitrag)

    Das Wohnhaus Straße des 18. Oktober Nr. 13 wurde schon
    vor einigem Monaten fertiggestellt - Baujahr kurz vor 1914.


    Vorher



    03/2012




    03/2012
    Straßenansicht mit dem nun zur Sanierung eingerüsteten Haus
    Nr. 15




    Seeburgstr. 47 – bemerkenswertes neugotisches Gebäude von
    1855, jetzt zum Studentenwohnheim ausgebaut (Studentenwerk Leipzig).


    Fotos von 2007




    Während der Baumaßnahme im Hintergrund links



    03/2012 mit fertiggestellter Fassade



    03/2012 mit barockem Gartenhaus Seeburgstr. 45








    Die Villa Beethovenstr. 16 wurde schon mehrfach gezeigt,
    zuletzt im Beitrag 1541 auf Seite 129


    http://www.stadtbild-deutschland.org/forum/index.php?page=Thread&postID=122204#post122204


    Um 1900



    Um 2010


    Jetzt wurden die Balkons und Terrassen historisierend komplettiert und die Zaunanlage rekonstruiert. Fotos von 03/2012:








    Und nun das historische Foto des Plauenschen Hofes, das auf die bemerkenswert grobschlächtig-klotzige neue Glas-Fassade das Einkaufszentrum am Brühl projiziert wurde: sehr grobpixelig, und kaum erkennbar.


    Link zum Original:


    http://upload.wikimedia.org/wi…cher_Hof_Leipzig_1873.jpg



    Die Fotos sind von mir.

    Letzteres vermute ich auch. Denn als Fachmann, der die ganzen Themen im allgemeinen kennt, kann man aus der Kritik nicht ableiten, was genau beim nächsten Mal anders zu machen wäre. Dass im Inneren der Konstruktion irgendwo Styropor etc. ist, sei zugestanden, wenn dieses aber mit einem konventionellen mineralischem Putz bedeckt ist, kann man das wirklich nicht mehr erkennen. Oder geht es um die Ebenheiten der ganzen Flächen? Früher war halt alles ein wenig mehr krum und schief als heute im Nachbau. Dies betrifft aber auch viele neue Putzflächen an Denkmal-Sanierungen, die fast nie kritisiert werden. Ich kann auch keine groben Maßfehler beispielsweise bei den Fensternischentiefen ausmachen.


    Ich für meinen Teil finde, dass den am Bau beteiligten bei den Fassadenrekonstruktionen ein guter Kompromiss gelungen ist. Ich erinnere mich noch an die wüste Fläche des Neumarkts, begrenzt von Schloßruine und Baustelle der Frauenkirche: wie anders sieht es heute aus, was wäre die Alternative gewesen? Wieviele Bauten, die ich seit langem aus Löfflers "das alte Dresden" kenne, konnte man in den letzten Jahren wieder entstehen sehen. Ich hätte das vor 15 Jahren nie für möglich gehalten.