Posts by Kapitell

    Ja, es war (unausgesprochene!) Wertschätzung und die Demut für das verlorene. Auf breiter Front sichtbar sind diese Bemühungen der 80er Jahre allerdings nur in Westdeutschland geworden, daher passt dieses Thema im Dresden-Strang nicht wirklich.


    (In der DDR gab es lediglich Einzelprojekte unter staatlicher Obhut wie Barockhäuser an der Str. der Befreiung, Hotel Bellevue in Dresden, Barockhäuser Katharinenstr. in Leipzig.... in Westdeutschland hätte man derart herausragende Objekte sicher schon einige Jahre zuvor in Angriff genommen .... ergänzt 11:55 Uhr)

    #183, genau, der Lustgarten ist/war das städtebauliche Zentrum der Stadt. Ich habe mir das ganze am Wochenende angesehen. Das Schloß leuchtet wie ein Diamant und ist aus allen Richtungen zu sehen, ob man nun über die Brücke kommt, oder durch die Breite Straße, oder hinten im Lustgarten an den Ringerkollonaden steht. Leider bin ich beim fotografieren beinahe mehrfach überfahren worden - die Straße ist selbst sonntags stark frequentiert und hat einen Verkehrsfluss wie eine Autobahn - die zahlreichen Ampeln, die sich in jedes Foto zwängen, sind -ostdeutschlandtypisch- nur nach Belangen des Verkehrs getaktet. Die Straße stört mindestens genau so wie das Hotel. Die Straßenbahn wäre ggf. noch hinnehmbar, hier stören allerdings auch die Oberleitungen. Man stelle sich den Schloßpark Schönbrunn, Versailles oder das städtebaulich ähnlich eingeordnete Würzburger Schloß mit einer Autobahntrasse zwischen Schloss und Park vor - undenkbar.

    Natürlich befand sich dieses Portal seit dem großen Schloßumbau E. 19. Jh. bis nach 1945 in Zweitverwendung im kleinen Schlosshof. Mag sein, dass das jetzige Portal eine Nachbildung ist.


    Anbei ein Bild aus Bildindex von dieser Situation:


    Das runde Fenster und die Kartusche gehören lt. Gurlit nicht zum Original dazu. Der Renaisance-Türblatt ist nicht erhalten (wahrscheinlich beim Brand des Schlosses zerstört) und wurde daher in der Rekonstruktion durch eine 'neutrale' Glastür ersetzt.


    Siehe ausführlich Beitrag von Bautzenfan, lfd. Nr. 759
    Das Dresdner Schloss

    Ihr erinnert euch schon noch, wie sehr dieser Hof mit den offenen Arkaden rund um die alte Nationalgalerie im Krieg zerstört, jahrzehntelang runtergewirtschaftet, jahrelang Baustelle war und nun wieder hergestellt und sogar stilecht bepflanzt wurde? Als ich vor ca. 1/2 Jahr nach längerer Pause mal wieder dort war, war ich durchaus sehr angetan von dem wieder erstandenen Kleinod. Was interessiert mich, ob mal ab und zu ein kleines Stück Stein aus den Säulen heraus gebrochen ist.... Die alternativ einzusetzenden Vierungen (Ersatzstücke aus Naturstein) würde man auch beim genauen Hinsehen als Flickenteppich wahr nehmen, dann lieber so!

    Man muss die Fotos der Originalfiguren gar nicht gesehen haben, um zu erkennen, dass die neuen Figuren eine moderne Neuinterpretation sind.
    Figuren der Jahrhundertwende / spätes 19. Jh. hatten stets scharfkantige Züge sowohl in den Gesichern als im Faltenwurf der Kleidung...
    die jetzige Ausführung erinnert in ihrer wachsfigurartigen Machart eher an irgendwelche belanglosen Figuren, die in den 80er Jahren in Fußgängerzonen der damaligen Bundesrepublik aufgestellt wurden. Vor allem der Schmied sieht gegenüber dem Original um Jahre gealtert aus, die Spinnerin nicht ganz so....

    Ich sehe es so wie Tour Dresden und Jan DD, derzeit ist die Gegend völlig unwirtlich, Grünflächen noch und noch, diese haben keine gute Struktur und sind einfach zu groß. Die Entferung zwischen Rathaus und Herulesallee ist so groß, dass eine Sichtverbindung quasi nicht gegeben ist. Funktional betrachtet möchte man idealer Weise vom Rathaus (Stadtkern) in die Hauptallee des Großen Gartens geleitet werden. Insofern ist die Johann-Georgen-Allee genau richtig angeordnet. Ihr erhaltener Straßenkörper allein bieten eine städtebauliche Erinnerung an das alte Dresden und sollte daher durch eine neue Randbebauung wieder einen Sinn bekommen.
    Die erhaltene Parzellenstruktur (Eigentumsverhältnisse) ist dabei eine Hilfe.


    Als einziges altes Gebäude der Johann-Georgen-Allee steht noch eines der Torhäuser am früheren Zugang des königlichen Gartens (Prinzenpalais - Sekundogenitur an der Zinzendorfstr.) - noch immer ruinös. Weiss jemand etwas darüber, inwieweit hier nach Jahrzehnten eine Instandsetzung und Rettung dieses Kleinods geplant ist? Müsste öffentliches Eigentum sein (Grundstück Hygienemuseum).

    Das war gewissermaßen ein Nacht+Nebel-Abriss:
    1) Gespräche des Eigentümers (Baugesellschaft Sudbrack) mit der Baubehörde der Stadt hinter verschlossenen Türen
    2) Beauftragung des Abrissunternehmens
    3) Info über die Presse - Tenor: das ganze ist alternativlos und wir sind ja so bemüht (Tränendrüse, Halbwahrheiten) ---> Abriss wahrscheinlich übernächste Woche
    4) Abriss beginnt tatsächlich 3-4 Werktage später etwas verstohlen von hinten (nicht einsehbare Seite)


    Zu der Umgebung:
    Es handelt sich bei dem Meyerhof Sudbrack um einen Einzelhof. Bis Mitte der 1920er Jahre stand dieser in Alleinlage inmitten seiner Felder und Wiesen. Dann bebaute der Bauunternehmer Klarhorst (Vorgängerunternehmen der Baugesellschaft Sudbrack) große Flächen mit eigentlich recht schönen Mehrfamilienhäusern ("sozialer Wohnungbau" der Weimarer Republik). Leider sind diese nach 1960 nicht stilgerecht instand gesetzt worden, so dass ihr ursprünglicher Charakter kaum noch erkennbar ist. Der qualitätsvolle Städtebau aus der gleichen Zeit ist jedoch nahezu ungestört.


    Für den Stadtteil ist der Abriss ein gewaltiger Verlust, war der Meyerhof doch das einzige markante Gebäude aus vorindustrieller Zeit und das eigentliche Ortszentrum. Man sollte zumindest den (hoffentlich) geretteten Torbogen in der Nähe des Standortes zur Erinnerung aufstellen (und nicht auf einem Firmengelände in Sennestadt).

    Im Mai/Juni 2011 habe ich dieses Haus noch fotografiert. Es war damals leer.
    Nach meiner Einschätzung war dieses Haus das architekturgeschichtlich wichtigste steinerne Bürgerhaus der Stadt. Sehr schade! Unfassbar.

    ... wobei "wiederentdeckt" natürlich ein irreführender Begriff ist, denn dieses 1897 als Stadtarchiv erbaute und 1971 an den Gerling-Konzern verkaufte neo-gotische Gebäude am Gereonskloster war ja niemals "verschwunden". Beim Tag des offenen Denkmals bin ich mal in den gezeigten hochherrschaftlichen Räumen gewesen, die als Büroräume des Gerling-Konzern genutzt wurden.

    Ja genau, das ist die Querstraße zur Breiten Straße, die Dortusstraße. Wie so oft in der ex-DDR, ist die ehemalige Prachtstraße (also die Breite Straße) im Sinne der sozialistischen Moderne verändert, wärend die Seitenstraße 'unbeachtet' erhalten blieb.
    In der Dortusstraße verlief übrigens in diesem Abschnitt der Stadtkanal, der irgendwann wieder freigelegt werden muss. Wie die Planung hierzu aussieht, weiss ich jedoch nicht.

    Bei der Grimmaischen Straße handelt sich wahrscheinlich um die einzige Fußgängerzone, die alle 10 Minuten in zwei Richtungen von Bussen befahren wird, und in der die Taxis des zentralen Taxistandes jederzeit freie Fahrt haben. Sie öffnen dazu per Fernbedinung die teuren Polleranlagen. Um Platz für den Kraftverkehr zu schaffen, wurde die Querung des Stadtzentrum für Radfahrer gesperrt, was regelmäßig durch die sächsische Polizei kontrolliert wird.

    Schuld an der hinsichtlich der Fassaden derzeit sehr banalen Architektur ist das nur auf Wirtschaftlichkeit ausgerichetete System.
    Die Architekten merken halt was von den Investoren und Bauherrn verlangt wird, und bieten entsprechendes an. Aldi merkt ja auch, dass die süßen ungesunden Duplo-Riegel mit 3-fach-Verpackung als erstes gekauft werden und bietet diese verstärkt an. Auf weiteren Bauherrnwunsch werden noch die letzten Besonderheiten weggespart, die standardisierten Bauteile der Baustoffindsutrie tun ihren Anteil dazu, die Wärmeschutzverordnung optimiert noch die letzten Versprünge aus der Fassade weg, macht alles glatt.
    Dass es auch anders ging, sieht man an der Architektur der 1980er Jahre in der alten Bundesrepublik: Dort gab es rote Spitzdächer noch und noch, die heute angeblich nicht mehr wirtschaftlich zu bauen sind, es gab verschachtelte Gebäude, die sich deutlich besser einfügten als die jetzt aktuellen weißen "Klötze". In den 80ern konnten Klinkerfassaden gebaut werden, sogar mit gemauerten Stürzen, das war alles gar kein Problem, heute ist das aber alles zu teuer und wird durch Wärmedämmung mit Putz ersetzt. Auf den Wärmedämmverbundsystemen wird häufig noch nicht einmal mehr mineralischer Putz verwendet, sondern irgendwelches Kunststoffzeug mit Lotus-Effekt, das auch wie Kunststoff aussieht. Einziger Grund: mineralischer Putz muss verhältnismäßig lange trocknen (=Bauzeit und Gerüststandzeit), Kunstharzputz trocknet innerhalb weniger Tage. Im Werbesprech ist das dann "premium".
    Die öffentliche Hand nutzt verstärkt Architektenwettbewerbe, um die günstigste Baulösung zu finden (die Außenansicht ist egal), und wenn die Leute meckern, wäscht sie die Hände in Unschuld und sagt "wieso, wir haben doch die besten Architekten aufgefordert, und deren Lösungen wiederum von den Besten (=irgendwelchen Profs) bewerten lassen, besser geht es doch gar nicht, wer soll denn einen Fehler gemacht haben?"
    Das sind nicht einzelne Gruppen, wie z.B. die Architekten, es sind alle zusammen, das ganze System, allem vorran die Bauherrn. Denn der, der bezahlt, bestimmt wie es wird.

    Quote

    In Freiburg baut man Straßen ab, in Dresden baut man Straßen aus.

    Das kann ich nur unterstreichen - dies gilt nicht nur für Dresden, sondern zumindest ganz Sachsen, wenn nicht alle fünf "neuen" Bundesländer.
    Irgendwie gibt es in den Köpfen noch immer einen Nachholbedarf - die Ostdeutschen haben dicke+ neue Autos, brauchen dafür breite Straßen und bekommen die (von der CDU???).
    Für Westdeutsche ist die Verkehrspolitik in Sachsen völlig unverständlich und frustierend.

    @1589 volle Zustimmung.
    Aus eigener Erfahrung: Bei jedem öffentlichen Bauvorhaben gibt es früher oder später sog. "Kosteneinsparrunden". Das läuft dann so ab, dass der Architekt Vorschläge machen muss, weil er ja der übergeordnete Fachmann ist. Dann wird in 5 Räumen die technische Lüftung weggespart, die Medientechnik um 3 1/2 Beamer gekürzt, das Türdrückermaterial von Edelstahl auf Alu gewechselt. Da Kleinvieh nicht immer viel hilft, muss schlußendlich noch die ein oder andere "teure" Bildhauerarbeit dran glauben. Letztendlich geschieht das ganze aber nur(!) auf Bauherrnwunsch, trotz alle dem, dass schließlich in der Zeitung steht, die Änderung (Achtung: das Wort Kosten-Einsparung wird absichtlich weggelassen) sei auf Anweisung des Architekten erfolgt. Also: nicht Täter mit Opfer verwechseln.

    @Tocklergasse 1
    Angesichts der allgemeinen Entwicklung gehört dieses Projekt mit Sicherheit zu den erfreulichen. Ich erkenne immerhin ein sehr deutliches Bemühen, alte Substanz zu erhalten (Naturstein-Quadermauerwerk, Fachwerk des Giebels, aufgrund der beibehaltenen Setzungen wohl auch das Dachwerk) und Dachgauben, die sich als Schleppgauben tatsächlich einfügen und zu dem Haustyp passen.

    Wenn es denn wirklich das wäre, was es vorgibt zu sein, nämlich ein großer, im Sinne einer "einstürzenden" Architektur spannungsvoll aus Naturstein geschnittener monolitischer Körper. Aber allein die vielen unvermeidlich Fügungen und Fugen offenbaren eben doch, wessen geistes Kind die Architektur ist, nämlich ein durch und durch modernes Gebäude mit einer tapetenhaften Vorhangfassade, bei dem gerade einmal eine Rosette und ein Fenster tatsächlich in monolitischer Fügung erscheint, in der Art einer manieristischen Postmoderne. Darüber hinaus trägt die mit Ausnahme der Glasscheiben nicht vorhandene Farbigkeit wesentlich dazu bei, dies Gebäude zwischen alle den belanglosen Gebäude der Moderne einzureihen. Dieser Eindruck festigt sich mehr und mehr, je öfter ich an dem Gebäude vorbei komme. Wenn es in einigen Jahren noch etwas mehr angegraut sein wird als jetzt, wird kaum noch ein Qualitätsunterschied zu der stets ungeliebten Pergola mit der Tiefgarageneinfahrt und den Milchtöpfen erkennbar sein.

    Allerdings kommen mir die Gestalt-Defizite der sozialistischen Moderne gegenüber der westlichen Moderne nicht deutlich genug raus: letztlich ist die sozialistischen Moderne sehr viel radikaler und konsequenter, wird daher aber auch von der Bevölkerung als negativer und brachialer wahr genommen. Die Entwicklung im Westen fand viel kleinteiliger statt, an ihr waren viel mehr verschiedene Akteure beteiligt, was letztlich zu einer deutlich größeren Variantenvielfalt führte. Dies, und die vage angesprochene bessere Bauqualität führten zu einem besseren Gestaltergebnis und zu einer höheren allgemeinen Akzeptanz. Die Befürworter der sozialistischen Moderne nehmen diesen Aspekt m.E. unzureichend wahr. Der Artikel ist mir zu sehr aus (leicht verunklärter) Ost-Sicht geschrieben.

    Na klar, Wuppertal ist ziemlich unterschätzt, weil die meisten Altbauten heute sehr runtergekommen sind. Zur Erbauungszeit waren diese gerade in Wuppertal verhältnismäßig wertig ausgeführt, schließlich waren Barmen und Elberfeld seinerzeit wohlhabend und um 1871 auch kurzzeitig viertgrößte Stadt im deutschen Reich. Aus dieser Ära stammt die gezeigte Schule.


    Hier sind auch Fotos von innen:


    Treppenanlage
    http://www.pbs-architekten.de/…ealschule-Bild-04-Web.jpg


    Die Schulaula im Obergeschoss des Mittelrisalits
    http://www.pbs-architekten.de/…ealschule-Bild-03-Web.jpg