Posts by Himmelsrichtungen

    Ist zwar Definitionssache und es wird jeder etwas anderes darunter verstehen, aber im Falle von Potsdam würde ich anstatt von "Altstadt" eher von "historischem Zentrum" sprechen, was das Areal um den Alten Markt und die barocken Stadterweiterungen mit einbezieht.


    Dies ist natürlich insofern richtig, als es sich bei Potsdam zu keiner Zeit der Stadtgeschichte um einen natürlich gewachsenen Stadtkern handelte, war der Ort vor dem Barock-Zeitalter doch nichts wesentlich anderes als ein hundsnormales brandenburgischen Dorf liegend an der Havel. Insofern trifft es "Historisches Zentrum" mit seinen zwei planmäßigen Erweiterungen vermutlich besser als "Altstadt". Dennoch müssen auch die Altvorderen den Begriff Altstadt zumindest im Hinterkopf gehabt haben, sprachen sie doch auch von Neustadt, womit das Viertel an der Neustädter Havelbucht und dem Neustädter Tor gemeint war.


    Was allerdings nur die Allerwenigsten in Potsdam verstehen, so meine Empfindung, ist, dass es sich bei der barocken Stadtanlage um ein zugleich filigranes Gebilde handelt, das allenfalls durch weitere bauliche Aufwertung und darauf aufbauende Schöpfung verändert werden kann, durch eine Allerwelts-Städtebaupolitik wie nach dem Krieg aber vom Grundgedanken her nur zerstört werden kann. Deshalb wird von den einen das Interhotel, das heutige Mercure, als so schmerzhaft EMPFUNDEN, ein Empfinden, was den anderen, die Barock nur als rückwärts gerichtetes Zeitfenster oberflächlich begreifen, nahezu völlig abgeht.


    Wer von diesem Empfinden ausgeht, kann nur vom Alten Markt ausgehen und die Stadt (ge)schicht(eter)weise von diesen Punkt aus in Richtung Nord und Nordwest her verstehen. Wer in Shanghai für Buenos Aires entwirft und in Berlin für Sydney, dem wird dieses Empfinden ebenso abgehen wie jenen, die in ihrer bloßen ZukunftsGETRIEBENHEIT das wirkungsmäßig hinter ihnen Liegende nichts weiter als graue Periode menschlicher Ausbeutung und Knechtschaft definieren.


    Zurück zur Alten Post:
    Der Platz der Einheit kann so etwas wie eine Verbindung, kann so etwas wie ein städtebauliches Scharnier sein zwischen den beiden Stadterweiterungen und dem jetzt Schritt für Schritt wiedergewonnenen barocken Stadtzentrum. Ist es Zufall, dass in Potsdam im wesentlichen nur vom barocken Zentrum und von der Zweiten barocken Stadterweiterung gesprochen wird, die dazwischenliegende Erste barocke Stadterweiterung faktisch aber zur Terra Incognita verkommt?

    Das Phänomen gab es aber auch schon im ausgehenden 19ten Jahrhundert.


    Gewiss.
    Ich wollte da auch keiner hermetischen Weltenscheide bzw. Zeitenscheide das Wort reden.
    Das Ausmaß dieses "Phänomens" dürfte sich allerdings mit weiterer Zunahme der technischen Möglichkeiten und der grassierenden Allmachtsphantasien eher noch verstärken. Gemeint als Herausforderung.

    Völlig richtig. Und die alte Frauenkirche hat ja auch 200 Jahre gehalten. Dennoch ist es sicher sinnvoll, die Kirche (wie auch andere Kirchen und sonstige Großbauten) zu überwachen und Schäden zu beseitigen, so lange sie noch klein sind. Was passiert, wenn man das nicht macht, kann man gerade an unserer Infrastruktur in Deutschland bewundern...


    Die "Altvorderen" hatten im Vergleich zu uns die unzureichenderen technischen Möglichkeiten, doch von der Tendenz her klar die höhere Wertschätzung ihrer errichteten Bauten, die heutigen Generationen wissen um ausgefeiltere und fast schon Allmachtsphantasien beflügelnde technische Möglichkeiten, sie leiden aber vglw. an der unzureichenden Wertschätzung, die das Entsprechende dann marode macht.

    Wenn ich das Ganze mal kühnerweise mit einem Menschen vergleiche, so kann es ja sein, dass so mancher Gründerzeitler mit übertrieben illustrer Auskleidung daherkommt. Doch das in den 1970ern vreschandelte Ding erweckt bei mir die Assoziation wie ein Mensch, dem man die Arme auf den Rücken gedreht hat und die Augenbrauen abrasiert.

    Das ist mir schon in früheren Jahrzehnten aufgefallen. Über irgendeine politisch genehme bzw. journalistisch akzeptierte Veranstaltung (Friedensprotest, Tierschutz...) wurde breit in den TV-Nachrichten berichtet, obwohl anhand der Bilder darauf geschlossen werden konnte, dass vielleicht hundert Teilnehmer zusammenkamen. Beispielsweise von Vertriebenentreffen, die damals noch beachtliche Teilnehmerzahlen hatten, kam allenfalls eine Kurzmeldung. Folglich kannst Du auch die Aktion von 20 "Anderen" zu einer riesigen Medienstory aufbauschen, beispielsweise ein Vortragsabend andersdenkender Bürger mit 150 Besuchern findet hingegen in der Presse nicht statt. Es ist schlicht so. Die Welt der etablierten Medien ist eine gefilterte, politisch aufbereitete. Es ist die Welt, die der Kosument sehen soll.


    Ich stimme zu, dass es bestimmte Assoziationsketten gibt, die Medienvertreter und die einschlägigen Akteure inhaltlich zusammenbringen, der Fokus der Wahrnehmung einschlägig vorbestimmt ist. Wobei ich das örtlich unterschiedlich sehe. Übereinstimmend dürfte eine Tendenz zum Effekthaschenden sein. Linksextremisten genießen gemeinhin einen Jugend- und Antifa-Bonus, fast schon gleich was sie tun, rechtsextremistische Plakate sind - völlig zu Recht - binnen von 24 Stunden aus dem Stadtbild verschwunden.

    Gewiss haben es die Festhaltenden und Traditionellen vergleichsweise weniger zu kühnen Visionen gebracht, die wir Menschen AUCH brauchen. Dieses nichtssagende, unendlich gleich geschichtete Quadrat nach oben hin empfinde ich als ohne jegliche Aussage und fernab menschlichen Schönheitsempfindens. Es dürfte sich - ob seiner gefühlsmäßigen Entkoppeltheit - fast schneller überholt haben, als es gebaut ist. Durch bloßes Übertrumpfen andernorts.


    Vielleicht wagt ein Architekt ein visionäres Hochhaus auf 25 qm Grundfläche?
    Oder eine Pyramide mit der Spitze nach unten?


    Es sind Menschen, die würden auch Autos noch mit dem Fahrwerk auf dem Dach konstruieren, wenn das nicht den erheblichen Nachteil hätte, dass es dann schlichtweg nicht mehr fahren könnte oder, bei entsprechend großen Rädern dann, sich der unterhalb des Fahrwerks Sitzende dann irgendwie eingeklemmt vorkäme ...



    Wichtig ist doch, dass nur das Zusammenkommen der drei Spektren überhaupt den Wiederaufbau der Garnisonkirche realistisch macht. Auch trägt nur die möglichst originalgetreue Rekonstruktion allen drei Aspkten ausreichend Rechnung.


    Der Bauherr sieht dies doch offensichtlich auch so, also...


    Das ist für mich die Quintessenz.


    Der Versöhnungsgedanke, was ja etwas anderes ist als ein Versöhnungszentrum, kann eben am Sinnvollstsen durch die originalgetreue Rekonstruktion erreicht werden, zumal heutige Architekten
    a) tendenziell sehr kopflastig an die Angelegenheit rangehen würden
    b) ein derartiger Neubau auch niemals die Klammer bilden könnte wie der hervorragende und rekonstruierte Bau
    c) durch einen Neubau in der einschlägigen Richtung eines von drei Motiven zu stark gewichtet würde, wo es untrennbar eines von dreien bzw. vieren eben ist.

    Ich denke, das lässt sich im Werdegang, also in der Herausbildung der Garnisonkirchen-Idee nachlesen.


    Am Anfang stand die Initiative von Max Klaar, beginnend mit dem Glockenspiel, dann nach der Aufstellung des Glockenspiels mit der Idee zum Neuaufbau der Kirche. Hier ging es ziemlich eindeutig darum, die Garnisonkirche wegen ihrer vorherigen Funktion wieder aufzubauen, auch wenn das zu heutigen Zeiten gar nicht mehr geht, noch stattfhaft wäre. Träger der Kirche konnte nur die Kirche als Organsation sein. Die aber hat sich von der Idee nur überzeugen lassen im Sinne des Konzeptes der Versöhnungsarbeit, erarbeitet von Martin Vogel und Gregor Hohberg. Martin Vogel als seinerzeitiger Referent des Bischofs und Gregor Hohberg als heute Aktiver des Trialogs zwischen Christen, Juden und Muslimen am früheren Standort von St. Petri in Berlin-Mitte.


    Somit einigen sich drei Spektren im Gedanken, die Kirche in ihrer Gestalt wieder aufzubauen:
    1. Menschen, die um die "Heilung", "Reparatur" des historischen Stadtzentrums bemüht sind und von daher das Herausragende des Garnisonkirchenbaus erkennen. Herausragend im Baukünstlischeren und herausragend, was die Stellung innerhalb der Breiten Straße anbetrifft, die von der Bedeutung innerhalb von Potsdam gleichgesetzt werden kann mit der Straße Unter den Linden in Berlin und der Champs d Elysées in Paris. Alles drei Achsen in westliche bzw. nordwestliche Richtung.


    2. Menschen, die innerhalb der Kirche davon überzeugt sind, dass GERADE ein solches mit der Wechselhaftigkeit der deutschen Geschichte verbundenes Bauwerk sich mehr als andere für den Versöhnungsgedanken eignet. Wer Geschichte offen und lernend begegnen will, kann dies vor allem mit den entsprechenden Bauwerken tun, schwieriger aber ohne sie und mithilfe von anderen, die modernistisch und all zu zweckgerichtet an ihre Stelle treten sollen.


    3. Menschen innerhalb des Militärs, aber auch innerhalb der Zivilgemeinde, die
    a) persönliche Erfahrungen mit der Kirche verbinden
    b) wegen der Präsenz des Militärs sie wiedererrichtet sehen wollen.


    Die drei Punkte habe ich gemäß meiner Empfindung geschrieben, wie es sich zahlenmäßig mit der Gewichtung der Motive verhält.

    Ihre Satire-Aktion hat für Aufsehen und Gelächter gesorgt: Anfang März umzäunte die Potsdamer Fraktion „Die Andere“ eine etwa 40 Quadratmeter große Fläche am Platz der Einheit. Die Idee stammte von Mathias Döpfner, der einen Zaun um den Pfingstberg gezogen hatte. Nun lädt die Fraktion zum „Tag der offenen Tür“ – und will für Döpfner ein Denkmal bauen.


    Hier zeigt sich wieder einmal deutlich, wie "Meinung gemacht" wird. - Mehr als ein Dutzend Personen im abgezäunten Dreieck und einen stehengebliebenen wie einen vorbeigehenden Passanten kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Reicht vielleicht nur eine einzige Person, damit die im ersten Satz formulierte Schlagzeile stimmt?

    Selbst auf dem DDR-Foto von 1968 ist zu sehen, wie grün die Breite Straße seinerzeit noch war und wie auch ein bescheidener Gestaltungsanspruch in Form der Leuchten zutage trat. Mit der Sprengung der Garnisonkirche wurde nicht nur ein wesentlicher Teil der Potsdamer Geschichte materiell vernichtet - geistig geht das ja nie und nimmer -, vernichtet wurden auch die zaghaften Gestaltungsversuche der frühen DDR und die Straße als Straße an sich, die ja mehr ist als bloße Fahrbahn + x.

    Na, da bin ich mal weit "negativer" gestimmt. Im Westen würde das womöglich wirklich positiv für eine Rekonstruktion ausgehen, wenn die Reko-Anhänger ausreichend Werbung betreiben, im Osten sieht die Stimmung anders aus. Es sei an die Ulrichkirche in Magdeburg erinnert. Man braucht sich nur die Wahlergebnisse in Potsdam anschauen, jene große Menge an SED-Altkadern und jungen "Antifa"-Linken, dazu eine von 40 Jahren DDR geprägte Bevölkerung. Selbst jene große Zahl, der der ideologische Streit egal wäre, steht vermutlich Veränderungen ihrer Lebenswelt negativ gegenüber .


    Ich halte zehnmal mehr von einer bürgerlichen Inspiration als von einer rein zahlenmäßig gewerteten Bürgerbefragung. Das ist der Unterschied zwischen Demokratie und vordergründig zahlenvernarrtem Demokratismus, der das Verhältnis von Inspiration bzw. Argumenation und Abstimmung glatt umkehrt. Alle Argumente sind zweckdienlich nur im Sinne der fokussierten Abstimmung.


    Was die bloße, rein rechnerische Abstimmung anbeträfe, so habe ich hier nach meiner Erinnerung schon einmal eine ähnliche Einschätzung abgegeben:


    Für die Garnisonkirche:
    Ca. die Hälfte der SPD-Wähler *, mithin etwas über 15 %
    ca. dreiviertel der CDU-Wähler, gut 15 %,
    ca. ein Drittel der grünen Wähler * * mithin gut 2 - 3 %,
    maximal ein Zehntel der Wähler der Partei Die Linke und der Fraktion Die Andere, mithin maximal 4 % aus diesem Spektrum.
    Weitere 3 % maximal von weiteren Gruppierungen


    Gegen die Garnisonkirche
    Neun Zehntel der Wähler der Partei Die Linke und der Fraktion Die Andere, mithin über 35 %
    gut die Hälfte der SPD-Wähler, mithin etwas über 15 %
    ca. ein Viertel der CDU-Wähler, 5 %
    ca. zwei Drittel der grünen Wähler, 5 - 6 %.
    _____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
    * die andere Hälfte sieht sie verkürzt als Hort des Militarismus, bspw. im Sinne von Christen brauchen keine Garnisonkirche, Friedrich Schorlemmer und Hans und Ruth Misselwitz)
    * * gut zwei Drittel sehen sie, vgl. SPD, verkürzt als Hort des Militarismus

    Gewiss.


    Was ich dabei überhaupt nicht verstehe, ist, dass die Hochkette mit zwei Fahrdrähten sich em Landtagsschloss befindet, ab der Einmündung Babelsberger Straße bis zum Hauptbahnhof aber auf derselben Strecke offenbar eine Einfach-Fahrleitung ausreicht.


    Auch lässt sich eine Fahrleitung ja mit solchen und solchen Fahrleitungsmasten bewerkstelligen. Das im Krieg beschädigte und zu DDR-Zeiten gleichermaßen weiter geschädigte Magdeburg hat seit kurzem immerhin im Breiten Weg recht filigrane Fahrleitungsmasten aufgestellt, bei gleichfalls etlichen Linien.


    Ich halte das Ganze für eine pure Ignoranz. Doch damit steht der Verkehrsbetrieb nicht allein. Ignorant ist die gesamte Ausgestaltung des Bodenbelages der Friedrich-Ebert-Straße zwischen Steubenplatz und Platz der Einheit.

    Jeneits von Polemik, vielmehr ins Spiel gebracht, wo die Grenze zwischen selbstherrlichen Entscheidungen, bürgernaher Politik und Populismus liegt: Ich stelle mir grad vor, über die Höhe der Besoldung des (Potsdamer) Oberbürgermeisters, über die Höhe der Aufwandsentschädigung der Stadtverordneten oder über die Höhe der Abgeordneten-Diäten des Deutschen Bundestages soll ein ergebnisoffener Dialog geführt werden.

    Ehrlich gesagt frage ich mich ernsthaft, wie ein Dialog aussehen könnte, wenn im Spektrum der Aufbauinitiative der Garnisonkirche zu 80 % sachlich, mit Herzblut und in Bezug zur Einmaligkeit dieses Ortes argumentiert wird, zu 20 % im persönlichen Übermaß oder aus persönlicher Knorrigkeit zu 20 % oolemisiert wird, auf Seiten der erklärten Gegner zu 80 % rumgeholzt wird, bei 20 % nüchternen argumentativen Vorgehens.


    Die Moderatoren, die jedesmal gute Miene dazu machen müssen, tun mir jetzt schon leid.


    Es sollte gesagt werden, wie es ist:
    Es gibt zwei grundverschiedene Vorstellungen von Stadt, die eine, die die Geschichte ganz bewusst UNSELEKTIERT mit einbezieht und um Bedeutungsstiftung weiß, die andere, die die Stadt recht vordergründig als ein zweckmäßiges und recht austauschbares Gebilde begreift, wobei die "Orte" dann recht beliebig daherkommen.


    Wenn der eine von einem Baum redet, wie er anmutig und schön den Weg akzentuiert, der andere die Baumerhaltung unter Vorbehalt genügend ausgestoßenen Chlorophylls und ausreichend bemessener Brutplätze für Vögel stellt, wie soll da ein Zusammenkommen möglich sein? Wenn einer ein Fensterkreuz als Zierde des Hauses begreift, der andere die Plackerei unständlichen Fensterputzens hervorhebt, hilft da die Zahl der erhobenen Finger, um über Fortexistenz, Abbruch oder Rekonstruktion dieses Hauses zu befinden?

    Ich kann mir nicht helfen, aber auf mich entfalten alle Gebäude der momentalen (und damit eigentlichen) NS-Stilrichtung eine einschüchternde Wirkung. Das ist deshalb so, weil der Blick beispielsweise nicht wie in den Himmelsgewölben der Kirchen frei und offen umherwandert, sondern starr auf spezifische Punkte hin ausgerichtet wird. Darin liegt die eigentliche Gewalt dieser Bauten. Die Herbeinahme von Zierrat und die Anleihe aus andere Kulturen ist dabei nur Mittel zum Zweck.

    Es gibt Verbrechen, deren Gründe verstandesmäßig nachvollziehbar sind und es gibt Verbrechen, die scheinbar grundlos geschehen und allein in der Person des Ausführenden liegen. All zu billig und auch zynisch wäre, "Sowas kommt von sowas", weil es die Willensfreiheit von Menschen negierte. Freilich wäre es auch "übermenschlich" angesichts der einen begonnenen Verbrechen Verbrechenlosigkeit bei den anderen zu erwarten.


    Ich weiß jetzt nicht, ob es der verstorbene Altbundespräsident Richard von Weizsäcker war oder jemand anders, ich glaub, es war wohl Weizsäcker, der sagte: "Opfer sind Opfer, gleich wer die Täter sind".


    Leid steht ebenso NEBENeinander wie die Taten der Täter NEBENeinander stehen, jedes für sich zum Anschauen betrachtet und jenseits irgendeiner Verrechnung mit anderem.


    Einige werden sich gemäß des Mottos "Niederargumentieren vor Schauen" sicher davon ausschließen wollen.


    So wahr das Dach die BEKRÖNUNG eines Hauses ist, Hut und Mütze die BEKRÖNUNG des Kopfes, so wahr ist die Krone als Bestandteil der Kirchtumsspitze der Garnisonkirche die BEKRÖNUNG dieses einzigartigen und stadtbildprägenden Bauwerks und es verbleibt einzig bei den erklärten Gegnern, bei ihrem antimilitaristischen, antifaschistischen, antiimperialistischen Kampf Nektar für anderes daraus zu ziehen.

    ... wobei es die Seite zumeist ungleich schwerer hat, die sich mit Maß halten, Schachverstand und Besonnenheit Gehör verschafft, während sich die Gegenseite des Populismus hin gibt...


    Nicht an der unterschiedlichen Auffassung über die Garnisonkirche leidet die politische Kultur in Potsdam, sondern an den völlig unterschiedlichen Maßstäben gegenüber Befürwortern und Gegnern der Kirche.


    Während der Stiftung und der FWG abverlangt wird, päpstlicher als der Papst zu sein und jede geringe Zuwiderhandlung gegenüber diesem Anspruch mit hysterischer und denunzierender Reaktion belegt wird, herrscht bei ausgesprochenen verbalen Tiefschlägen eines Teils der Gegner ausgesprochenes Verständnis. So auch bei anderen einschlägigen Dingen.

    Diese ständigen Querelen sind genau der Grund, weshalb ich mich für das Projekt nicht wirklich so begeistern kann. Ich habe den Eindruck, dass die Potsdamer diese Kirche gar nicht wollen, ja ein regelrechter Hass besteht. Das mag alles eine lautstarke Minderheit sein, aber die große Mehrheit scheint sich dafür auch nicht wirklich zu interessieren. Wie lächerlich ist das denn, Dinge die auf Preußen verweisen vom Bau streichen zu wollen? Das erinnert mich doch stark an die "politisch korrekten" Wiederaufbauprojekte in der DDR, wo auch alles ans Preußentum erinnernde einfach weggelassen wurde. Echt traurig. Die Ideologisierung der Gesellschaft ist anscheinend in Brandenburg am besten geglückt und trägt bis heute Früchte. :augenrollengruen:


    Ich würde es mal mit einem höheren Grad


    a) an selektiver Geschichtswahrnehmung,


    b) einer selektiven Stadtwahrnehmung, dass zur prägenden Gestalt der Stadt nicht nur Sanssouci, nicht nur der Neue Garten oder der Park Babelsberg gehört, nicht nur die Zweite Barocke Innenstadt, sondern gleichfalls auch Stadtkanal, Garnisonkirche und ein Bau in Stadtschlossgestalt.


    c) eines größeren Unvermögens sich vorzustellen, dass der Wiederaufbau eines hervorragenden Gebäudes nichts damit zu tun hat, sämtliche Facetten seiner Geschichte gutzuheißen. Ansonsten reichte eine einzige nachweisbare Facette, um die Rekonstruktion eines Gebäudes von vornherein zu diskreditieren bzw. unter vorsorglichen Generalverdacht zu stellen, der dann bitte schön zu entkräften sei. Kein einziges Gebäude wäre jemals unter solchen erklärten Vorzeichen jemals wieder aufgebaut worden, weil der Nachweis auf unbefleckte Geschichte an keiner Stelle erbracht werden kann.


    Selektive Geschichtswahrnehmung im Sinne eines erklärten Fortschrittlichen und eines vorgeblich Reaktionären und der dichotomischen Zweiteilung war in der Tat Wesensmerkmal politischen Agierens in der DDR. Das Unvermögen auf Differenzierung, sprich: dass mit einem Wiederaufbau baulich nicht zugleich alle weiteren Facetten zur Wirkung kommen, ist in fast größerem Ausmaß ein Merkmal derjenigen, die zu den Widerständler rechneten: "Wie kann ich denn gegen die Militarisierung - auch in der DDR - auf die Straße gehen und gleichzeitig einem militärisch geprägten Bau zu neuem Leben verhelfen?"


    Es sind derartige Kurzschlüsse, mit denen das Projekt Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche allein schon wegen des Namens mehr als andere Projekte konfrontiert ist. Im Wesentlichen ist es die mangelnde Bereitschaft zu wohltuendem Abstand, um den Kirchenbau unvorfestgelegter zu sehen. Wohltuender Abstand heißt ja nicht Distanzierung und auch nicht Gleichgültigkeit gegenüber der verschwundenen Hälfte von Potsdam, was ja das zweite große Problem ist. (b) Ein Stadtkanal zwischen der Zweiten Barocken Stadterweiterung und dern nördlichen Vorstädten, wäre er längs der Hegelallee und entlang des Jägertores und des Nauener Tores verlaufen, wäre schon längst aus Spendenmitteln finanziert worden.


    Immerhin: Es besteht Hoffnung und es ist heute schon erkennbar, dass mit Wachsen der Bäume in der Breiten Straße auch der Weg vom Landtagsschloss zur Garnisonkirche ein selbstverständlicherer werden wird.