Posts by Philon

    Übrigens ist mir beim genaueren Betrachten der Vergleichsbilder der Danziger Wasserfront aufgefallen, daß man dort nicht genau den Vorkriegszustand rekonstruiert hat, der auch etliche Bauten bzw. Fassaden des 19. Jahrhunderts aufweist, sondern offenbar einen älteren Zustand, der eher dem Erscheinungsbild des 16. oder 17. Jahrhunderts zu entsprechen scheint. Interessant!

    Hello Rene,


    well, compared to what happened elsewhere in Germany, Lübeck, Trier, Freiburg and Münster were "successful".


    The problem in Germany were the German intellectuals, who considered the destruction of it's cities as kind of just punishment for National Socialism. Walter Dierks i.e., a Frankfurt journalist, argued against the reconstruction of his city as follows:


    National Socialism has caused a war, in which the German cities have been destroyed. Germany as such resp. "the Germans as a whole" ("Kollektivschuld") are to blame for National Socialism. Therefore the destruction of German cities is a just punishment for National Socialism and was caused by Germany itself . Therefore reconstructing the cities would mean to deny the "German guilt" or the "German past between 1933 and 1945" etc. Thus it would be immoral.


    Of course everything in this argument, except for the first phrase, is complete nonsense. But unfortunately this silly ideology is still today widespread among German intellectuals and journalists. This explains, why reconstructions are so difficult to realize in Germany and have always been. Poland and France (see the reconstructions of Rouen or St. Malô) never had this problem.


    Straßburg by the way isn't a reconstruction because it has never been destroyed. It's the last city in Europe, where you can get impression of how the big German cities looked before the war.

    Augsburg werde ich mir bei Gelegenheit wohl mal anschauen müssen. Ehrlich gesagt kann ich mir anhand der von Christian zitierten Passagen kein richtiges Bild machen. Einerseits 50% Zerstörungsgrad in diversen Altstadtvierteln und eine komplett aus Neubauten bestehende West-Ost-Achse, andererseits doch vielfach recht positive Aussagen über das Stadtbild. Irgendwie bekomme ich das noch nicht so richtig zusammen.


    Was Münster anbetrifft, ist der teilrekonstruierte Prinzipalmarkt zwar nicht mit dem Vorkriegszustand vergleichbar. Dennoch hat die Stadt trotz 90% Zerstörung meinem Eindruck nach (ich war letztes Wochenende zu einem Kongreß dort) ihr Gesamtbild wiedergewonnen. Das kann man von kaum einer anderen deutschen Stadt sagen, die einen vergleichbaren Zerstörungsgrad aufwies.
    Und es liegt m.E. nach auch an vielen Punkten, die nicht direkt was mit dem Prinzipalmarkt zu tun haben. Dazu gehören z.B.
    - die Totalrekonstruktionen praktisch aller Kirchen, des Rathauses, des Schlosses, des Erbdrostenhofs, des Stadtweinhauses, des Krameramtshauses, diverser Klöster, des Bischofspalais' etc.,
    - die Tatsache, daß auch etliche Häuser, die nicht am Prinzipalmarkt liegen, die Kubatur der zerstörten Bauten aufnehmen und in traditioneller Bauweise (meistens Ziegel) errichtet wurden
    - die weitgehende Wiederaufnahme des Grundrisses
    - die Tatsache, daß es von einigen wenigen Ausnahmen wie dem Landesmuseum und den obligatorischen Kaufhäusern abgesehen keine ganz katastrophalen Bausünden gibt
    - die gelungene Erhaltung und Renovierung dessen, was den Krieg überstanden hat.


    All das ergibt doch ein relativ geschlossenes Stadtbild. Das ersetzt natürlich keine Totalrekonstruktion, aber es ist doch immerhin besser als das, was in den meisten anderen Städten geschehen ist. Schließlich wollte ich ja auch Beispiele für "halbwegs gelungenen" Wiederaufbau sammeln.

    Lieber Clint,


    ich hatte deinen Beitrag auch nicht als negative Kritik verstanden. Ich wollte nur die Gelegenheit nutzen, um nochmal zu erläutern, worum es mir bei der Liste eigentlich ging.


    Den Eindruck, den du von Oldenburg schilderst, hatte ich übrigens so ähnlich bei Wittenberg: alles sehr nett (wenn auch vielleicht weniger schmuck als Oldenburg), aber von wenigen Bauten wie Rathaus, den beiden großen Kirchen oder Lutherhaus (d.h. ehemaligem Kloster) und Cranachhof abgesehen: größtenteils eintönige, schmucklose Fassaden aus dem 19. Jahrhundert (Klassizismus und Gründerzeit). Und vom Grundriß her kaum mehr als zwei langgezogene Parallelstraßen. Das muß zu Luthers Zeiten wirklich ein "gottverlassenes" :lol: Kaff am Rande der europäischen Zivilisation gewesen sein....

    @ Clint:


    Was Münster, Trier und Soest anbetrifft, gebe ich dir (leider) völlig recht. Ich wollte ja nicht nur Beispiele für völlig, sondern auch solche für "halbwegs" gelungenen Wiederaufbau sammeln - also Beispiele, die zeigen, was selbst in den schwierigen Zeiten kurz nach dem Krieg möglich war und auch für andere Städte (sogar Frankfurt, Stuttgart, Hannover oder Köln...) möglich gewesen wäre. Und dazu gehören die drei Städte, ebenso wie Freiburg, dann doch.
    Wenn z.B. am Dresdner Neumarkt etwas herauskäme, was auch nur annähernd dem vergleichbar wäre, was Münster - bei aller Kritik - mit dem Wiederaufbau des Prinzipalmarkts geschafft hat, wäre das schon ein Grund, die Sektkorken knallen zu lassen.


    Trier ist, da hast du recht, im südlichen Teil der "Altstadt" (wenn man sie da noch so nennen kann) wirklich übel zugerichtet. Andererseits hat es ja Dinge zu bieten, die sonst kaum mehr in deutschen Städten zu finden sind. Zum Beispiel die Judengasse als geschlossenes Ensemble von Wohnbauten des 13. bis 15. Jahrhunderts oder den Frankenturm und den Turm Jerusalem aus dem 12. Jahrhundert.


    Nun, und Augsburg, das ich leider nicht kenne, scheint ja sogar vollauf in die Kategorie eines richtig gelungenen Wiederaufbaus zu gehören. Wunderbar!

    Nur schnell drei Anmerkungen zur Liste:


    1.) Wittenberg kommt zweimal vor: einmal als "Wittenberg" und einmal als "Lutherstadt Wittenberg". Ich würde vorschlagen, es einmal zu streichen, am besten die letztere Version. Die Stadt heißt nun mal "Wittenberg" und nicht "Lutherstadt". Übrigens ist Wittenberg zwar sehr gut erhalten, aber von den Luther-Gedenkstätten abgesehen finde ich es eigentlich ziemlich langweilig, auch und gerade in architektonischer Hinsicht.


    2.) Torgau statt Torga


    3.) Was haltet ihr davon, zusätzlich eine Liste mit Städten zu erstellen, in denen ein halbwegs gelungener Wiederaufbau erfolgt ist. Die wäre zwar leider sehr kurz und wahrscheinlich umstritten, aber einen Versuch wäre es wert. Mit fallen spontan ein:
    Münster i.W.
    Freiburg i. Br.
    Donauwörth,
    Rothenburg o.d.T. (das war nämlich auch zerstört!)
    Soest
    Lübeck (in Grenzen)
    Trier (in Grenzen)
    Augsburg (eventuell; ich kenne es leider nicht aus eigener Anschauung, es war aber wohl nicht sehr stark zerstört und macht auf Fotos einen interessanten Eindruck).