Posts by Philon

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!

    Gerade in München und Dresden stehen zwei besonders abschreckende Beispiele für moderne Synagogen.

    Was Dresden angeht, gebe ich dir vollkommen recht. Allerdings nicht, was München angeht, die dortige Synagoge gehört zum besten, was in München in der Nachkriegszeit gebaut wurde. Den Bau muss man im Original sehen; die Fotos geben keinen gute Eindruck davon wieder.


    P.S.: Glückwunsch an die jüdische Gemeinde in Hamburg!

    Franka und wo liegt jetzt der Unterschied zur meiner Aussage?


    Über große Altstädte gern was sagen aber über die kleinen noch erhalten nicht sprechen?

    Na ja, das Nürnberg-Zitat ist ein Grenzfall, aber ich denke, dass Tieck schon recht deutlich macht, dass er Nürnberg in gewisser Weise für repräsentativ für deutsche Altstädte hält ("die feste Spur von unserer alten vaterländischen Kunst").

    Mir ging es nur darum, dass der thread sich nicht dahin ausweitet, dass jedes beliebige Zitat eines Dichters oder Philosophen über eine Stadt angeführt wird, sonst enden wir mit Aussagen wie "Köln hat schöne Kneipen." Zumindest ein Architekturbezug sollte doch vorhanden sein und das sehe ich bei dem Heine-Zitat eher nicht (überhaupt scheint es mir von Heine doch eher ironisch gemeint zu sein).

    Münden zählt zu einer der 8 schönst gelegenen Städte der Welt (Heinrich Heine)

    Ich meinte jetzt eher über deutsche Altstädte und deren Baukunst im allgemeinen. Oder ggf. auch über Städten oder Bauten, die dafür im jeweiligen Zitat als besonders repräsentativ benannt werden, wie z.B. Goethes Reflexionen über die deutsche Architektur des Mittelalters insgesamt am konkreten Beispiel des Straßburger Münsters.


    Zu einzelnen Städten gibt es natürlich jede Menge, das würde den thread komplett sprengen.

    Ich habe gerade in Fichtes "Reden an die deutsche Nation" (die ich für einen Handbuchartikel lesen muss) folgende schöne Stelle über die mittelalterlichen Altstädte Deutschlands gelesen:


    "Es entstanden unter ihnen [den Deutschen des Mittelalters] indessen Städte, die durch Glieder aus dem Volk errichtet wurden. In diesen entwickelte sich schnell jeder Zweig des gebildeten Lebens zur schönsten Blüte, In ihnen entstanden, zwar auf Kleines berechnete, dennoch aber trefflich bürgerliche Verfassungen, und Einrichtungen, und von ihnen aus verbreitete sich ein Bild von Ordnung und eine Liebe derselben erst über das übrige Land. Ihr ausgebreiteter Handel half die Welt entdecken. Ihren Bund fürchteten Könige. Die Denkmäler ihrer Baukunst dauern noch, haben der Zerstörung von Jahrhunderten getrotzt, die Nachwelt steht bewundernd vor ihnen und bekennt ihre eigene Ohnmacht." (J. G. Fichte: Reden an die deutsche Nation, Sechste Rede)


    Vielleicht könnte man in diesem thread vergleichbare Aussagen von Dichtern und Philosophen über die deutschen Altstädte sammeln.

    Das Fichte-Zitat darf übrigens gerne kommentiert und diskutiert werden.

    Bei Roger Scruton lernt man auch, was ein genuiner Konservatismus jenseits der bundesdeutschen Schwundstufe (Wirtschaftsliberalismus plus ein bißchen Familenwerte) bedeuten kann und muss:


    - Antitotalitarismus

    - Kritisch gegenüber den ästhetischen und gesellschaftlichen Verirrungen der Moderne

    - Verteidigung des Rechtsstaats

    - Verteidigung und Bewahrung der nationalen Identität, der überlieferten Kultur und der Gemeinschaft

    - Bewahrung der Schöpfung

    - Skepsis gegenüber Marktradikalismus
    (https://en.wikipedia.org/wiki/Roger_Scruton)

    Da es voerst unser letzter Ausflug war, werde ich Deine Sicht und Analysen sehr vermissen.

    Es war nur unser letzter gemeinsamer Ausflug bis zum Sommer. Und vielleicht sogar nur bis Ostern. Die Bilder aus dem fernen Lateinamerika verspreche ich jetzt schon allen!

    Statt eines Nachrufs:
    Wie Franka bereits geschrieben hat, ist am 12. Januar der Philosoph Sir Roger Scruton verstorben. Sir Roger war einer der ganz Großen der konservativen Architekturtheorie. Sein Werk "The Aesthetics of Architecture" von 1979 ist der vielleicht wichtigste theoretische Beitrag zur "traditionellen Architektur" überhaupt.


    Besonders traurig ist, dass er als Vorsitzender der "Building Better, Building Beautiful Commission" für 2019 eine Reise nach Deutschland geplant hatte, um sich die Rekonstruktionsprojekte in Frankfurt und Dresden anzusehen. In diesem Zusammenhang sollte auch ein Treffen mit Vertretern von Stadtbild Deutschland stattfinden.

    Dazu ist es nicht mehr gekommen, weil er im April 2019 zunächst das Opfer der Verleumdungskampagne eines Journalisten wurde und dann kurz nach seiner Rehabilitation schwer erkrankte. Wir hätten ihm gewünscht, dass er noch hätte sehen können, was in Dresden und Frankfurt entstanden ist.


    Wir werden ihn als einen unserer Vordenker in Erinnerung behalten. Wer seine Gedanken zur Architektur nachlesen will, findet sie hier:

    https://portalconservador.com/…etics-of-Architecture.pdf

    Die Exponate waren toll in Szene gesetzt, es gab viel zu sehen, nur leider müsste man studierter Historiker sein, um die Exponate mit den entsprechenden Zitate einzuordnen.

    Das war genau das Problem dieser Ausstellung: Tolle, absolut hochkarätige Einzelstücke aus der Zeit von 500 bis 1800. Aber keines davon war irgendwie in politische oder kulturelle Kontexte eingeordnet. Wenn man von bayrischer Geschichte keine Ahnung hatte, hat man dort auch nichts gelernt (wenn man sich auskannte und die Stücke einordnen konnte, hat man durchaus profitiert).


    Stattdessen wurden die Stücke durch, wie Franka schon bemerkte, größtenteils erfundene Zitate realer oder selbst wieder nur erfundener Personen der jeweiligen Zeit ergänzt.

    Dass die Zitate bzw. Personen nur erfunden waren, wurde aber nirgends gesagt. Ich habe das selbst nur durch Internetrecherche herausgefunden, da einige der Zitate mir doch etwas spanisch vorkamen. Der unbedarfte Museumsbesucher wird wohl gedacht haben, dass das reale Zitate sind. Das soll vermutlich moderne Museumsdidaktik sein, aber eigentlich ist es schlicht eine Frechheit.

    Das wird nur immer behauptet, aber der klobige Würfelrechteckbrei, der heutzutage überall entsteht hat doch nichts mit dem Bauhaus gemeinsam.

    Das sehe ich überhaupt nicht so. Das Bauhaus war sicher deutlich qualitätvoller als das, was heute die Nachkriegsstädte verschandelt, aber die grundlegenden Prinzipien sind dieselben: Abkehr von der Blockrandbebauung; Abkehr vom Ornament; skulpturale Auffassung von Bauwerken statt Denken in Ensembles; radikaler Bruch mit der architektonischen Tradition etc.


    Von daher hat das alles schon sehr viel mit dem Bauhaus zu tun bzw. handelt es sich bei der Nachkriegsmoderne durchaus um eine konsequente Weiterentwicklung der Bauhaus-Gedanken unter den Bedingungen von Ressourcenknappheit (in der ersten Nachkriegszeit) und Renditeoptimierung (heute).


    Das Verhältnis ist vielleicht am ehesten so zu beschreiben wie das zwischen romantischer Architektur (Schinkel, Semper u.a.) und spätem Historismus: die Romantik hat alte Formen, besonders des Mittelalters und der Renaissance, kreativ und phantasievoll aufgegriffen und weiterentwickelt, während der anschließende Historismus zwischen ca. 1885 und 1905 oft (zum Glück nicht immer) dazu erstarrt ist, mit bloßen Versatzstücken aus Mittelalter, Renaissance und Barock zu arbeiten. Das eine ist dann zwar die Verfallsform des anderen, zu tun haben sie aber schon miteinander.

    In Nürnberg wundert mich nichts mehr. Interessant ist aber aber das Foto vom Baufortschritt und auch traurig.
    Ganz ehrlich: Ich hätte nie gedacht, dass ich den Entwürfen von Helmut Jahn mal hinterherweinen würde. Es geht noch schlimmer.

    Das Jahn-Projekt wäre zumindest interessanter gewesen als die 0815-Investorenarchitektur, die da jetzt gebaut wird.
    Ich verstehe auch nicht wirklich das Agieren der Altstadtfreunde in der ganzen Sache: Gegen das Jahn-Projekt hat man voll mobilisiert - und es mit Erfolg verhindert -, aber gegen den ungleich schlechteren alpha-Gruppe-Bau haben die AF keinen Finger gerührt.


    Überhaupt wäre das sinnvollste gewesen, die Altstadtfreunde hätten gleichzeitig mit der Verhinderung des Jahn-Entwurfs ein Rekoprojekt à la Altstadt Frankfurt oder Dresdner Neumarkt für das Areal vorgelegt. So wie man halt in Frankfurt nicht nur gegen die damaligen Pläne einer modernistischen Bebauung, sondern auch gleichzeitig für Rekonstruktionen auf dem Areal des Technischen Rathauses eingetreten ist.
    Aber so weit waren die Altstadtfreunde in Nürnberg wohl in den 90'iger Jahren noch nicht. Selbst 10 bis 15 Jahre später gab es anläßlich des Pellerhofs ja noch massive Kontroversen innerhalb der AF, ob man sich überhaupt für Rekonstruktionen einsetzen sollte.

    Nur ein Beispiel: ich kenne einen evangelischen Theologen, der zum Thema Genmanipulation seit Jahren immer nur mit betroffener Miene verkündet, dass das ein ganz schwieriges Thema sei und man dazu eine intensive gesellschaftliche Debatte brauche.
    Ja, toll, um das zu merken braucht man eigentlich kein Studium. Von der Politik wird der Mann aber geliebt und mit Ämtern und Ehrenbezeugungen überschüttet, gerade weil er selbst keine Position hat und sich nie festlegt. Das macht ihn halt für die Politik unglaublich bequem.

    Aber was sind nochmal die Kernaufgaben eines evangelischen Geistlichen? Ich komm bei so viel tagespolitischer „Haltung“ einfach nicht mehr drauf...

    Gute Frage. Es ist zwar off topic, aber mal aus dem Nähkastchen: Ich bin beruflich in der praktischen Philosophie unterwegs und habe da in meinem Leben einiges auch mit evangelischen Moraltheologen zu tun gehabt (ich weiß, die nennen sich nicht so, aber ich finde, der Begriff charakterisiert es am besten). Und da muss ich leider sagen, dass ich außer wohlfeilem, seichtem, an den Zeitgeist angepasstem Geschwätz selten was gehört habe.


    Vielleicht liegt das daran, dass die klügeren und unangepassten Köpfe vorzeitig rausgemobbt werden, aber diejenigen, die in akademische Ämter und Würden aufsteigen, kann man in der Regel vergessen. Außer Anpassung an herrschende Meinung und Zeitgeist, wohlfeil-seichtem Gerede und hochtönenden Blasen, aus denen man mit einem gezielten Stich alle Luft rauslassen kann, ist da in der Regel nichts zu erwarten.
    Das finde ich nicht zuletzt deshalb schade, weil es unterhalb der Ebene der Professoren und Bischöfe durchaus kluge Leute gibt; die haben nur in der Evangelischen Kirche null Chance, etwas zu werden, weil die Angepassten und Nachplapperer das Sagen haben.

    Somit könnte man das Haus als Bauherr fertigstellen und dann z.B. einzelne Eigentumswohnungen darin verkaufen, um die Baukosten wieder hereinzuholen. Oder man vermietet.

    So gehen die Altstadtfreunde schon seit Jahrzehnten vor, allerdings mit sehr moderaten Mieten.

    Das ist geltendes Recht seit 2500 Jahren. Traurig, dass das nicht allgemein bekannt ist...

    Wie, seit 2500 Jahren. 500 v. Chr. gab es ja nicht einmal den zeitgenössischen Eigentumsbegriff. Und selbst wenn, dann ändert das Alter nichts an der Blödsinnigkeit und logischen Widersprüchlichkeit der Regel.


    Logisch widersprüchlich ist ein solches Gesetz deshalb, weil der Staat damit de facto einen Eigentumsübergang (wenn nicht mehr der Bestohlene, sondern der Dieb die ausschließende Verfügungsgewalt hat, dann ist das Diebesgut faktisch Eigentum des Diebes geworden) durch Diebstahl anerkennt. Damit setzt er den Diebstahl zugleich als Recht und als Unrecht und das ist logisch widersprüchlich.
    Wie kann man so einen Schwachsinn als Gesetzgeber verzapfen?

    Zivilrechtlich sind ohnehin die Museen bzw. deren Träger immer noch Eigentümer. Nur der Herausgabeanspruch war verjährt.

    Wie bitte? Die Museen sind noch Eigentümer der gestohlenen Bilder, hätten aber an die Diebe keinen Anspruch auf die Herausgabe des Diebesgutes???
    Sorry, aber das ist wirklich völlig schräg und führt den Eigentumsbegriff komplett ad absurdum (Eigentum = Recht der ausschließlichen Verfügung über eine Sache). Ist das allen Ernstes geltendes Recht. Wenn ja, dann kann man sich da eigentlich nur an den Kopf fassen und fragen, was für ein Wahnsinniger sich das ausgedacht hat.

    Bevor das hier ausufert:
    Wir haben schon vor Jahren festgestellt, dass für das Gebäude des Jahres sowohl Rekonstruktionen, als auch traditionelle Neubauten in Frage kommen. Daran hat sich nichts geändert.


    Bei den Rekonstruktionen wiederum ist ein erster Linie an Vollrekonstruktionen gedacht, d.h. den Wiederaufbau von Gebäuden, die vollständig oder jedenfalls praktisch vollständig (nur weil irgendwo z.B. ein Keller oder einige Mauerreste erhalten waren, fällt ein Gebäude nicht aus der Kategorie heraus) zerstört waren. Damit wird ausgeschlossen, dass bloße Renovierungen oder Restaurierungen ausgezeichnet werden.


    Zweifelsfälle wird es fast schon notwendig geben, da der Übergang zwischen Vollrekonstruktion, Teilrekonstruktion, Restaurierung und Renovierung naturgemäß fließend ist. In solchen Fällen muss der Vorstand entscheiden.