Posts by Philon

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!

    Daß man so ein Ding in stalinistischen Systemen als sozialistische Errungenschaft unter Denkmalschutz gestellt hätte, liegt auf der Hand. Aber in Bonn??? Das war mal die Hauptstadt der Bundesrepublik...oder ist das ein Denkmal der Guillaume-Affäre ?

    Das finde ich jetzt auch nicht so abwegig. Natürlich ist der Denkmalschutz hier sicher nicht aus ästhetischen Gründen gerechtfertigt. Die historische Bedeutung des Langen Eugen scheint mir aber unbestritten und das rechtfertigt einen Denkmalschutz als Geschichtsdenkmal auf jeden Fall.

    Nur einmal eine ganz kurze Bemerkung zu der ganzen Diskussion: Das Problem ist doch auch hier mal wieder die mangelnde Differenzierungsfähigkeit auf beiden Seiten.

    Ich finde es, ganz ehrlich gesagt, auch richtig, wenn Statuen von Sklavenhändlern oder Massenmördern gestürzt werden, noch dazu, wenn das sogar der Grund dafür war, warum ihnen überhaupt Statuen errichtet wurden. Sklaverei oder Massenmord sind Handlungen, die zeitunabhängig moralisch falsch und verboten sind ("semper et pro semper", wie es in der Scholastik so schön heißt, die auch nicht erst gestern erfunden wurde ...)


    Nur ist halt das Problem, dass die "Bilderstürmer" es nicht damit bewenden lassen, sondern auch Statuen von Persönlichkeiten schleifen, Namen tilgen etc. wollen, die neben ihren Verdiensten vielleicht nach heutigen Maßstäben "dunkle Flecken" auf der Weste haben, aber eben auch nicht wirklich Verbrecher waren. Was da dann passiert, ist wirklich, dass die Maßstäbe der eigenen Zeit zum Maß aller Dinge in der Bewertung der Vergangenheit gemacht. Das ist eben schlicht totalitär und teilweise selbst rassistisch (siehe ursus' Beispiel einer Statue für einen Sklavereigegner die nur geschleift wurde, weil er Weißer war!)


    Darauf reagiert die "rechte" Gegenseite dann wieder damit, dass sie jegliches Stürzen von Statuen für falsch erklärt. Kurz gesagt: Undifferenziertheit auf beiden Seiten.

    Die Grüne Apotheke im Laufe der Zeit (beide Bilder von Villa1895)

    Bin ich der einzige, der den Eindruck hat, dass das Gebäude kaputtsaniert wurde. Es wirkt jetzt irgendwie steril (von der schimmelgrünen Fassade ganz abgesehen). Vor der Sanierung hatte das Gebäude einfach Charme und Charakter. Warum kann man nicht so sanieren, dass etwas davon erhalten bleibt? Muss das immer so steril werden?

    Auch von mir herzlichsten Dank für diese wunderbare Hölderlin-Hommage, die mir auch die eigenen Studientage in Tübingen wieder so lebendig vor Augen führt.


    Eine Anmerkungen hierzu noch:

    Landseminar des jetzt evangelischen Klosters Denkendorf

    Man macht sich heute glaube ich nicht mehr recht klar, was für eine enorme Rolle diese evangelischen Klosterschulen/Seminare, die ja oft in säkularisierten Zisterzienserklöstern eingerichtet wurden (vielleicht wollte man die jungen Leute nicht in der Stadt haben?) einmal für das deutsche Geistesleben gespielt haben.

    Es sind so viele prägende Gestalten des deutschen Geisteslebens des 17., 18. und frühen 19. Jahrhunderts daraus hervorgegangen:
    Lessing, Gellert, Hölderlin, Schelling, Hegel, Mörike, Hesse, Fichte, Nietzsche, Wilhelm Hauff, Leopold von Ranke, Paul Gerhardt, Johannes Kepler ... Es ist eigentlich unfassbar.
    Eigentlich wäre das auch mal eine Galerie wert.

    Liebe Leute, das ist hier nicht der Ort, um aktuelle Fragen der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages zu diskutieren, die weder mit dem Schloss, noch mit den Abstimmungen über das Schloss, die "Wippe" oder ähnliches etwas zu tun haben.

    Bitte zurück zum Thema!

    Tübingen hats mal ohne Erfolg versucht, zusammen mit Marburg, als Musterbeispiel einer deutschen Universitätsstadt:

    Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht. Man könnte neben Marburg noch Heidelberg, Jena, Freiburg und Göttingen mit ins Boot nehmen und hätte dann ein schönes "Gesamtpaket".


    "Weltkultur" hat da nun wirklich stattgefunden: der Deutsche Idealismus (Tübingen, Jena, Heidelberg); Phänomenologie, Neukantianismus und Existentialphilosophie (Marburg, Heidelberg, Freiburg); die Blüte der modernen Mathematik und Physik in Göttingen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert (Werner Heisenberg, Paul Dirac, Otto Hahn, Max von Laue, Max Born, Herrmann Minkowski, David Hilbert etc.).


    Ich muss allerdings auch sagen, dass mir ein Tübingen ohne Weltkulturerbe-Rummel lieber ist.

    Wie ich im Parallelthread schon berichtet habe, war auch für mich Ulm eine - der wenigen - positiven Überraschungen. Die Zerstörungen scheinen sich dort doch sehr auf die Achse zwischen Bahnhof und Dom konzentriert zu haben (da waren sie allerdings vollständig), während andere Viertel offenbar halbwegs intakt blieben.


    Kombiniert mit einem sehr gut angepassten Wiederaufbau, der die Parzellenstruktur und oft auch den Aufriß der Häuser bewahrt hat, hat man dadurch abseits der (wirklich schauderhaften) Hauptbahnhof-Dom-Achse doch einen recht geschlossenen mittelalterlichen Eindruck.

    Das hatte ich bei meinem ersten Besuch dort so nicht erwartet, nachdem ich gelesen hatte, dass der Zerstörungsgrad in der Altstadt bei 81% lag. Wenn ich das nicht gewusst hätte und man mich nach meiner Visite gefragt hätte, hätte ich den Zerstörungsgrad eher auf um die 40% geschätzt.

    Eigentlich alle zerstörten Städte in Deutschland. Man hofft ja, bevor man die Stadt besucht, insgeheim doch, dass es nicht ganz so schlimm ist, aber dann erwischt es einen doch meistens mit voller Wucht, ob nun in Köln, Frankfurt, Hamburg oder Hannover.


    Eine besondere Enttäuschung waren und sind für mich aber die Städte, von denen ich vor dem Besucht eigentlich immer gehört hatte, dass dort der Wiederaufbau besonders gut gelungen sei und wo ich dann bei meinem ersten Besuch feststellen musste, dass sie eigentlich genauso häßlich und nichtssagend sind wie der ganze Rest. Das gilt m.E. insbesondere für Münster, Nürnberg und München.

    Positiv überrascht war ich dagegen beispielsweise von Ulm, bei dem man trotz einem Zerstörungsgrad von gut 80% eher den Eindruck einer zu mindestens 50% erhaltenen Stadt hat. Ich war aber auch zu lange nicht mehr dort, um sagen zu können, warum das so ist.

    Könnte nicht San Telmo als ein Form von Altstadt gelten?


    https://en.wikipedia.org/wiki/San_Telmo,_Buenos_Aires

    Nein, San Telmo ist eigentlich kein Altstadtviertel. Ich war dort zwei Wochen während eines Kongresses untergebracht. Die ältere Bebauung stammt größtenteils aus der Zeit zwischen 1850 und 1910. Dazwischen gibt es aber auch sehr viele, nicht gerade ansehnliche Gebäude aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

    Wenn ich mich an die Ausführungen unserer Gastgeber richtig erinnere, ist Buenos Aires in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mal komplett abgebrannt. Deshalb sind von der spanischen Kolonialstadt des 16.-18. Jahrhunderts nur ganz vereinzelt ein paar Gebäude übrig.

    Paris weniger..., Buenos Aires erinnert mich ein wenig an Madrid, wobei es auch da viele Unterschiede gibt, allein schon die Lage Küste vs. Landesinnere.

    So ähnlich war auch mein Eindruck bei meinem bislang einzigen Aufenthalt in Buenos Aires. Mir schien es wie eine südeuropäische Großstadt (freilich ohne Altstadt), die irgendwie versehentlich auf einem anderen Kontinent gelandet war.

    Wenn man in Ouro Preto weilt, dann kann man sich auch die Orte Tiradentes und Sao Joa del Rei anschauen. Die liegen recht nahe für brasilianische Verhältnisse.


    Ich hatte vor 5 Jahren etwa schon mal Bilder eingestellt. Die müsste man doch noch finden. Oder?!


    Ich werde demnächst dann auch Bilder von Rio de Janeiro einstellen!

    Toll, vielen Dank für die Hinweise!

    Vielen Dank für die beiden tollen Brasilien-Galerien, Spreetunnel!

    Da ich jetzt etwas länger in dem Land sein werde, werde ich es hoffentlich schaffen, mir Ouro Preto und Salvador anzuschauen. Daneben steht an Städten noch Recifé bzw. Olinda auf dem Programm. Gibt es sonst noch eine Stadt, die man unbedingt gesehen haben muss?

    Ich war vor 4 Wochen in Ouro Preto und habe 383 Fotos geschossen

    Optimal. Ich werde so schnell nicht in den Süden kommen. Von daher würde das doch hervorragend passen.

    Falls nicht jemand vorher dran ist, dann im März, auch Salvador falls gewünscht

    Ich denke, dass ich vermutlich erst im Mai oder Juni nach Salvador und Recife komme. Eine Salvador-Galerie wäre von daher ebenfalls im März gerne gesehen.

    Die nächsten möglichen Weiterentwicklungsareale der Altstadt wurden bereits mehrfach erwähnt. Sie liegen westlich des Römerbergs, im Bereich zwischen Limpurgergasse und Alte Mainzer Gasse. (Altstadt 2.0)

    Darüber würde ich gerne mehr erfahren. In den (sozialen und sonstigen) Medien ist immer nur von dem Projekt Alte Börse die Rede, das mir allerdings persönlich nicht wirklich am Herzen liegt und für das ich daher auch kaum große Begeisterung oder großes Engagement entwickeln kann.

    Für eine Weiterführung der Altstadtrekonstruktion westlich des Römers wäre ich dagegen sofort Feuer und Flamme.

    Ich werde auf jeden Fall versuchen, während meines Aufenthaltes in Brasilien noch die alten barocken Kolonialstädte Salvador da Bahia (gegründet 1547), sowie Recife ( gegründet 1537 und als "Mauritsstad" 1630 bis 1654 Hauptstadt des kurzlebigen "Niederländisch-Brasilien") und seine Schwesterstadt Olinda (ebenfalls 1537 gegründet) zu besuchen, die alle richtige geschlossene Altstädte aus dem 17.-18. Jahrhundert aufweisen.

    Das wird dann sicher für das Forum auch interessanter.

    Netter wird es dann in Aquiraz, etwa 17 km westlich von Fortaleza, wo ich aktuell auch untergebracht bin. Die Stadt wurde 1699 gegründet und war bis 1726 die erste Hauptstadt des heutigen brasilianischen Bundesstaates Ceará.


    Das Stadtbild wird von einer recht stattlichen Barockkirche aus dem Jahr 1713 beherrscht:



    Direkt dahinter eine alte Markthalle:



    Das Haus des Generalkapitäns von Ceará, das Erdgeschoß stammt aus der Gründungszeit der Stadt, der erste Stock wurde im frühen 19. Jahrhundert ergänzt:


    Zum Abschluß einige Straßenszenen aus Aquiraz und als Dreingabe ein Strandbild:





    Weiter geht es mit einigen ganz typischen Impressionen aus den Vierteln um die Innenstadt herum, fotografiert auf einer Autofahrt aus dem Universitätsviertel nach Osten. Das ist wohlgemerkt noch eines der normalen Wohnviertel, keine Favela oder ähnliches. Hier wohnen Arbeiter, kleine Angestellte und Dienstleister:





    Wie ihr seht, ist gerade Regenzeit ... Fortaleza liegt nur etwa 250 km südlich des Äquators und ist entsprechend feuchtwarm. Putz oder Farbe halten hier nicht lange.


    Schließlich kommen wir zum Haus des Volks- und Heimatdichters José de Alencar, das ursprünglich etwas außerhalb der Stadt lag, heute aber mitten in einem etwas "schwierigen", von hoher Kriminalität geprägten Vorstadtviertel liegt. José de Alnecar muss man sich ein bißchen wie einen Ludwig Ganghofer mit Indios vorstellen:



    So, liebe Leute, mich hat es für einige Zeit beruflich nach Brasilien, genauer gesagt in den Nordosten nach Fortaleza verschlagen. Ich bin erst seit gut zwei Wochen hier und wollte euch meine ersten Eindrücke (die durchaus sehr gemischt sind) nicht vorenthalten.


    Fangen wir mit meinem aktuellen Arbeitsplatz an, der Universidade Federal do Céara, und zwar dem Hauptgebäude:




    Das Gebäude ist eine ehemalige Industriellenvilla im früheren Villenviertel von Fortaleza - von dem allerdings außer dem Hauptgebäude der Universität praktisch nichts mehr vorhanden ist.

    Überhaupt ist von dem Fortaleza des 19. Jahrhunderts (die Stadt war kaum älter) kaum etwas übrig geblieben. In der Innenstadt gibt es noch einige Straßen mit Bebauung aus der Zeit von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts , die ich mir aber noch nicht näher angesehen habe. Das kommt aber in den nächsten Wochen auf jeden Fall. In den 60'iger bis 80'iger Jahren wurde ansonsten fast alles abgerissen, was etwas älter war und durch Hochhäuser oder ärmliche einstöckige Bebauung ersetzt.


    Der größte Teil der Innenstadt sieht daher so aus, immer wieder aber durch ärmliche Ecken unterbrochen, wie man im zweiten Foto sieht, wo im wahrsten Sinn des Wortes eine Favela "eingebaut" ist:






    Die Strandpromenade sieht leider nicht viel besser aus:



    Früher standen hier wohl zahlreiche Marine- und Yachtclubs wie an einer Perlenschnur aufgereiht nebeneinander. Überlebt hat die Abriss- und Neubauwut wohl nur einer:



    Zum Abschluß noch eine Skurrilität, die hinter der Strandpromenade zu finden ist: