Posts by erbse

    Wie hier nach Jahren immer noch seitenweise über dieses Dachrestaurant lamentiert wird... 😄


    Leute! Aufwachen! Direkt nebenan droht der Molkenmarkt im Herzen des alten Berlins mit lieblosen kommunalen Bauten zugestellt zu werden! Der älteste Platz der Stadt. Der Ort, wo JETZT die Dringlichkeit zum lamentieren und handeln besteht. Wo die nächste Chance auf echte Stadtheilung besteht.

    Dennoch ein interessantes Projekt.

    Bei eher nachrangigen einstigen Bauwerken kann man ggf. auch den perfektionistischen Anspruch an Neuinterpretationen einfach etwas zurückschrauben.


    Und das eben nicht als detailgetreue Reko betrachten. Das Ganze entsprechend hier im Titel auch eher als "Neubau" statt als "Wiederaufbau" betiteln. Kimmerle haben wir letztlich auch so einiges zu verdanken.


    Gibt es auf der Baustelle denn Fortschritte?

    Also ich war das erste Mal 2019 bewusst in Braunschweigs Zentrum unterwegs und hatte das Schlimmste erwartet. Dann war ich aber völlig baff, wie zusammenhängend die alten Ensembles dort noch sind. Es war eine richtige Freude sich da aufzuhalten. Die Bausünden haben sich eher um die Altstadt herum als Solitäre gruppiert, zB am Hauptbahnhof. Zudem war grad ein Altstadtfest und alles voller Leben.

    Wenn ich das richtig sehe gehts doch gar nicht um zufällige Tagesbesucher im Hellhaus-Konzept. Sondern man will es als Lehrort nutzen, wo zB Schulklassen und Fachbesucher auf Anmeldung hinkommen.

    Auch in Frankreich regt sich immer mehr Widerstand gegen Verfall, Abriss, miese Neubauten und den Mangel an Baukultur.


    Schaut mal in diese Facebook Gruppe:

    https://www.facebook.com/groups/8839417724/?ref=share


    Grenzübergreifend ist auch die franko-belgische Initiative TRA "La Table Ronde de l'Architecture" aktiv, die organisieren sogar internationale Seminare (empfehlenswert auch für Interessierte aus Deutschland!):


    https://www.latablerondearchitecture.com/


    https://instagram.com/latabler…cture?igshid=p6ikj5dz0q3d

    (Um die 14.000 Follower)


    Wer französisch und/oder englisch hinreichend versteht, sollte die Chance nutzen und bei der Architekturakademie dabei sein:

    https://www.latablerondearchit….com/eeatb-ao%C3%BBt-2021

    Aber welches sollte denn das Stralsunder Erfolgsmodell sein?

    Ich meine damit u.a. die Neubauten in der Frankenstraße. Ich kann mich bei einem Rundgang und einer Vortragsveranstaltung an Gäste aus anderen norddeutschen Hansestädten erinnern, die das als vorbildlich und nachahmenswert empfanden. Insgesamt baut man in Stralsund etwa seit der Ernennung zum Weltkulturerbe 2002 überwiegend angepasst und geht eben kreativ mit tradierten Formen und Details um. Mal mehr, mal weniger gelungen - am besten gelingt es privaten Hausbauern.


    Das war danach in weiteren Städten zu beobachten, sicher gibts auch davor genügend Beispiele. Jedoch nehme ich Stralsund bei diesen kleinen privaten Eigentümer-Häusern schon als Pionier wahr.


    Diese Bauten meine ich u.a., es gibt weitere Beispiele:

    RE: Stralsund

    Man darf gern mal genauer drüber nachdenken, wie sich im Bestand eine drastische Verbesserung erreichen lässt. Vor allem bei innerstädtischen Bausünden wie solchen Plattenbauten. Wir werden immer weniger Abrisse sehen, prognostiziere ich mal, allein wegen der Kosten und Ressourcenvergeudung.


    Das Thema wäre mal ein Seminar einer klassischen Architekturschule wie der Notre Dame University in Rom wert.

    Sehr valider Punkt. Die Sanierung des wohl aufwändigsten öffentlichen Schwimmbades in Berlin auf dem Olympiagelände kostete vor einigen Jahren etwa 21 Millionen Euro.


    Das heißt: man könnte von dem Geld inflationsbereinigt wohl locker 6-7 weitere Sanierungen in diesem Umfang stemmen, oder ca. 10-12 kleinere Schwimmbäder auf Vordermann bringen. Aber die kommunalen Finanzen sprudeln ja bekanntlich in Berlin, zumal im Zuge von Corona..


    https://m.tagesspiegel.de/berl…-olympiabads/8903264.html

    Uff. Erinnert etwas an die potemkinschen Dörfer die zuletzt in Königsberg entstanden. Überzeugt leider nicht.


    Dann lieber ein konsequenter Konplettumbau im klassischen Stil, der kohärent den Bau neu denkt, statt einfach nur Versatzstücke vorzublenden. Ich denke an sowas wie das damalige Baywobau-Projekt zur Umbauung des Dresdner Kulturpalastes.

    Na das was man unter "kritische Rekonstruktion" versteht, oder teils auch die postmodernen Versuche im Bauen von Altstadt. Etwa in der Frankfurter Saalgasse oder der Altstadt von Kolberg.


    Zuletzt auch zB ziemlich fies im Zentrum von Königsberg (Fischerinsel usw.), im Stadthafen von Danzig oder dem Zentrum von Elbing/Elblag, Allenstein/Olsztyn oder Stolp/Slupsk.


    Dankwart Guratzsch feiert diesen Eklektizismus in jenem Artikel eher ab, und ich finde die Vielfalt und Kleinteiligkeit auch reizvoller als monotone Tristesse. Aber die Lösungen in Stralsund und Lübeck finde ich dann doch deutlich geschmackssicherer, hochwertiger und zukunftsweisender als diese Versatzstücke und playmobil-artigen Zitate.


    https://www.welt.de/kultur/art…staedte-neu-erfunden.html

    Nachhaltigkeit ist DAS Schlüsselthema im Bauen.

    Und es ist endlich groß im Gespräch.


    Die Chance, zu beweisen, dass wirklich nachhaltige und dauerhafte Architektur sowohl Historie, Traditionen, lokale natürliche Materialien als auch den Stadtraum und Willen der Bevölkerung respektiert.

    Wie würden denn die Chancen für eine Rekonstruktion stehen`?

    Aktuell weiß ich das nicht so genau.

    Als ich noch öfter in Stralsund war habe ich das Anliegen an mehrere Vereine und Fraktionen getragen und eine facebook Seite gestartet. Stieß insgesamt alles durchaus auf Wohlwollen, aber einbringen wollte etwaige Anträge zur Freihaltung des Standortes, zur möglichen Überbauung des Randbaus und für eine Finanzierungs- und Variantenprüfung damals noch keiner.


    Dürfte also nochmal angegangen werden.

    Lasst doch da später erstmal Leben einziehen.


    Ich finde das Projekt absolut ansprechend und vorbildlich. Hier wird wirklich mal kreativ mit den tradierten lokalen Formen gearbeitet, ohne eine Karikatur zu schaffen oder die Historie zu verhöhnen, wie das sonst oft geschah. Stattdessen schafft man dank der kleinteiligen privaten Bauherrenstruktur eine echte Vielfalt und v.a. hohe handwerkliche Qualität.


    Das aus Stralsund importierte Erfolgsmodell funktioniert zweifellos hervorragend!


    Genau so etwas wünsche ich mir für die historische Mitte Berlins! Natürlich im passenden Berliner Stil, mit eher traufständigen und spätbarock-klassizistisch anmutenden Altstadthäusern.

    zur Erstellung einer Liste mit klassisch-traditionell orientierten Architekturhochschulen in Europa benötigen wir euer Schwarmwissen.

    Welche Hochschulen/Universitäten mit deutlich klassisch-traditionellem Schwerpunkt kennt ihr? Einzugsbereich ganz Europa.

    Wir haben hier ja auch irgendwo ein eigenes Thema dazu, entsinne ich mich.

    INTBAU hat wohl die aktuellste und ergiebigste Liste von klassischen Architekturstudiengängen weltweit zusammengestellt:

    https://www.intbau.org/resources/institutions/