Posts by erbse

    Über diese Verwendungsmöglichkeit hatte ich auch schon nachgedacht, das Neue Museum eröffnet tatsächlich ganz neue argumentative Horizonte :lachen:


    Aber mal im Ernst, ich finde es auch wirklich dreist, wie hier der Steuerzahler über den Tisch gezogen wird. Vollmundig und begleitet von wirklich gigantischen Erwartungen kommt da vor nunmehr bereits über einer Dekade ein gewisser Herr Chipperfield in der Kapitale angetrabt und verspricht Großes.
    Eine originalgetreue Rekonstruktion, das Neue Museum in alter Pracht. Das "alt" hierbei mit "zerstört, deformiert, und entstellt" gleichzusetzen ist, hätte der gute Mann ja auch mal früher erwähnen können. :?

    ^ Geht mir genauso. Was mir vorallem Sorgen bereitet: Es ist ja vorgesehen, einen Architektenwettbewerb dafür auszuschreiben und die Ostfassade eventuell sogar modern (!!) zu gestalten. Was soll denn dieser Blödsinn? Wenn man dieses Schloss mit 3 Schauseiten und einer modernen Fassade rekonstruiert, nimmt man doch den Rekonstruktionsbefürwortern jeglichen Wind aus den Segeln - und gibt den Gegnern durch dieses frevelhafte Vorgehen wieder reichlich dreiste Argumente (Disneyland, Kitsch, Schaukastenarchitektur, Las Vegas, etc. pp.) an die Hand.


    Wieso errichtet man die Ostseite nicht einfach erstmal in der alten Kubatur und ohne jegliche Fassade? Wenn genügend Geld da ist, kann ja die Fassade immer noch originalgetreu wiederhergestellt werden. So ein Wiederaufbau passiert ja auch nicht von heut auf morgen, wie sich die Herren das so vorstellen - das königliche Dresdner Residenzschloss beispielsweise wird nun schon (zumindest äußerlich) seit einigen Jahren beständig und liebevoll in seiner alten Pracht wiederhergestellt, Stück für Stück.


    Man sollte solch eine aufwendige und umfassende Rekonstruktion als Generationenaufgabe sehen, nichts was sich innerhalb von 3 Jahren hochziehen lässt. So muss unter anderem auch sichergestellt werden, dass zumindest die kunsthistorisch bedeutenden Räume in ihren genauen historischen Abmessungen errichtet werden, damit eine spätere genaue Wiederherstellung möglich ist.


    Das schlimmste jedoch wäre eine moderne Ostfassade, die ließe sich so leicht nicht mehr verändern (oder zumindest nur sehr kostspielig wieder entfernen & ersetzen) und würde zudem einfach furchtbar aussehen (egal wie gut sie gemacht ist), darüber hinaus wie bereits erwähnt deutsche Rekonstruktionen generell unglaubwürdig machen (wie sich das leider Gottes teilweise am Dresdner Neumarkt mit seinen modernen Füllbauten abzeichnet). Dieses Desaster muss um jeden Preis verhindert werden!

    Quote from "Kindvon2dresdnern"

    Und noch was- warum empfiehlt sogar die Regierung das Austauschen schöner alter Holzfenster (natürlich aus Energiegründen) in gesichtslose Plastikfenster? Gehören die alten Fenster nicht auch zur Geschichte? Diese ganze metaphysische und an den Haaren herbeigezogene Geschichtserlebbarmachung geht mir manchmal sowas von gegen den Strich!


    Was genau willst du jetzt damit sagen? Dass du etwas gegen die schönen alten Holzfenster hast? Oder widert dich nur an, dass man mit fadenscheinigen Begründungen (Energiesparen,...) diesen Altbau zu entstellen versucht? :keine ahnung:

    ^ Ganz genau.
    Ich bin völlig entsetzt (nahezu schockgefroren möchte ich meinen) - in einem TV-Interview mit einem Sprecher der Organisation Preußischer Kulturbesitz war im Zusammenhang mit dem neuen Museum soeben die Rede von einer "gelungenen Neuinterpretation & Kombination der zerstörten Museumsbereiche mit den modernen Elementen" sowie "wahrem Luxus im öffentlichen Raum" - und darauf bezogen einer Liebe der Berliner zu den musealen prächtigen Freitreppen auf ihrer verehrten Museumsinsel. Dass diese grauen Waschbetonstufen jemals irgendwelche Zuneigung ernten werden, darf an der Stelle mal ganz dezent angezweifelt werden ;)

    Habe ich das jetzt richtig verstanden? Man lehnt den Bürgerentscheid (und somit jedwede bürgerliche Mitentscheidungsmöglichkeit) ab, aber sagt "dass die Bürger in dieser für die Innenstadtentwicklung wichtigen Frage selbst entscheiden sollten". Entweder sind das Nachwehen von meinem gestrigen Weizensaftkonsum auf einer Privatfeier, oder aber diese netten Herren sind von einem anderen Stern.


    So geht unsere Demokratie (zu deutsch übersetzt "Macht des VOLKES") zusehends den Bach hinunter... Armes Land.

    ^

    Quote

    Der Wiederaufbau des Schlosses wird insgesamt etwa 500 Mio. EUR kosten.


    Quelle


    Hat mich stolze 5 Sekunden per Google gekostet ;)
    (Zwar nicht ganz entsprechend der gewünschten Information, aber ich denke ein wenig weitergehende Recherche dürfte darüber mehr Aufschluss geben. Kannst uns ja anschließend gern das Ergebnis deiner Suche präsentieren)

    So eine Terrormeldung ist doch kein Weltuntergang - ist entweder eine Ente (was ich doch sehr hoffe) oder aber da konnte nur wieder irgendein vollkommen inkompetenter, fachfremder und rekonstruktionsfeindlicher Politiker (oder was auch immer für eine mordswichtige Person) nicht dicht halten und hat dann einfach mal auf etwas Panikmache gegenüber der Öffentlichkeit gesetzt. Alles andere würde mich doch schon einigermaßen überraschen, ja gar erzürnen.


    Wenn Berlin nicht mal dieses Brötchen (oder doch eher Brotlaib) gebacken bekommt, dann seh ich schwarz für unsere Kapitale. Aber lasst euch bloß nich verrückt machen jetzt ;)

    Die Rede ist aber sicher auch vorallem von den zahlreichen intakten Ensembles, die man der Abrissbirne preisgegeben hat. Auch gibt es zig Beispiele, wo man selbst geringste Kriegsschäden (Einschusslöcher an der Fassade, ausgebrannter Dachstuhl, zersprengte Eingangsbereiche etc. pp.) als Vorwand für einen Komplettabriss herangezogen hat. Dabei hätten es in den allermeisten Fällen bereits wenig aufwendige Notsicherungsmaßnahmen für's erste getan, viele der leicht zerstörten Bauten hätten sehr schnell wieder bezugsfertig sein können. Aber man wollte primär die "autogerechte Stadt" durchboxen sowie Spielwiesen für die ach so modernen Architekten und Stadtplaner schaffen, dafür nahm man dann eben die zerrissenen Strukturen in Kauf. Was im weg stand, wurde beiseite geräumt, ob es den Krieg nun unbeschadet überstanden hatte oder nicht.


    Kann mir zwar auch nicht ganz vorstellen, dass effektiv in der Nachkriegszeit mehr von den Städten "zerstört" wurde als im Krieg, aber es war auf jeden Fall eine untragbare Menge, die man für den Zeitgeist opferte. Vielleicht das größte Verbrechen nach den Kriegen, das Deutschland je begangen hat (und das nicht zuletzt an seiner leidenden Bevölkerung). Nie wieder diese menschenfeindliche Architektur!

    Das klingt wirklich recht vielversprechend und verheißungsvoll, insbesondere im Hinblick auf die sonst eher tristen bevorzugten Modernistenneubauten in Berlin, wenn es denn überhaupt mal was zu bauen gibt. Hoffentlich kann sich bei diesem Bau ein Verantwortlicher für wahrhaft schöne Architektur erwärmen und sich durchringen, die eine oder andere Rekonstruktion mit auf den Weg zu geben. Wäre an dieser Stelle wirklich ein unermesslicher Gewinn, für die gesamte Berliner Mitte.


    Mal eine nebensächlichere Frage, rein interessehalber: Wie kommt es, dass hier verhältnismäßig doch recht viele Niederländer im deutschsprachigen APH-Forum unterwegs sind? Interesse an deutscher Architektur? Aufbesserung von Sprachkenntnissen? Oder doch eher schnuppern nach frischen Bauaufträgen? :lachen:

    Der Lern- und Vorführeffekt Dresdens wird schon einen Großteil dazu beigetragen haben, dass überhaupt noch eine historische Wiederherstellung dieses Frankfurter Altstadt-Areals erwogen wurde. Ich bin wirklich unglaublich überrascht von der augenscheinlich plötzlichen Sinneswandlung der lokalen Politiker, woran die Aktiven vor Ort sicher nicht ganz "unschuldig" sind ;) Großes Lob und vielen Dank für das Engagement der örtlichen Altstadtrettungs-Platzhirsche! Ohne euch wäre etwas derart Überzeugendes wömöglich in den nächsten 20 Jahren keiner Rede wert gewesen.


    Überaus positiv anzumerken auch, dass es eine strikte, einzuhaltende Bebauungsvorschrift für 'moderne' Neubauten geben wird. Damit werden Totalausrutscher wie die 2 Betonklötzchen des Quartiers an der Frauenkirche auf dem Neumarkt von vornherein quasi ausgeschlossen. Ich krieg mich gar nicht mehr ein, ist das fantastisch - WEITER SO! :o

    Was ist denn mit euch los, werte Architekturfreunde?
    Wollt ihr derlei wertvolles Kulturgut nun einfach kampflos aus der Hand geben?




    :?

    Aber die Medien in etwa in unseren Kenntnisstand zu versetzen, halte ich nicht für die schlechteste Idee. Sollte unter den Lokalzeitungsredaktionen ein echter Lichtblick dabei sein, der sich in solchen Fällen gern auch ein wenig in der öffentlichen Aufklärung engagiert, könnte eventuell noch einiges zu retten sein - und sei es nur, dass man genaue Aufmaße und Dokumentationen der Bauten unternimmt. Das wäre es den hochverehrten Architekturfreunden aus dem sonnigen Süden doch wohl durchaus wert, gell? ;)

    ^ Ich mutmaße jetzt einfach mal, dass es sich bei dem 2. von oben rechts um deine Wenigkeit handelt :) Lieg ich in der Annahme recht? (die Aussage mit dem 'Stararchitekten' könnte nämlich irgendwie nur von einem aph-ler stammen ;))


    Wie steht eigentlich die aktuelle Entwicklung? Wird das Gewandhaus auf Hängen und Würgen von der Politik durchgeboxt oder lässt man sich letzendlich doch auf einen Bürgerentscheid o.Ä. ein :?:

    Recht herzlichen Dank Markkleeberger für die Impressionen, auch wenn die jetzt nicht vom Neumarkt stammen. Besonders am Schauspielhaus wird sehr deutlich, wie unglaublich viel Eleganz ein derart riesenhafter Bau durch eine Komplettsanierung gewinnen kann. Schaut schon toll aus!