Posts by jörg

    Um die Veranstaltung des Werkbundes gestern Abend inhaltlich einschätzen zu können, ist es sicher sinnvoll sich die Themen in der Broschüre zu Gemüte zu führen. Ich möchte darauf hinweisen, das nun folgende eher mit Humor zu nehmen, da man sonst evtl. schlecht schläft. Es ist auch wichtig zu wissen, dass die Veranstaltung eigentlich zu spät kam und die Beschlüsse längst in eine andere Richtung gefasst wurden (die uns genehmer ist)! Also:


    Standpunkte zur Bebauung des Frankfurter Römerbergs (Überschrift)


    Textbeiträge:
    Roland Burgard: Frankfurt und der Retrotaumel
    Günter Pötschke: Dreißig Häuser sind keine Altstadt - zum Ersatzbau für das Frankfurter Technische Rathaus
    Rolf Schmidt: Altstadt Frankfurt am Main - Historische Kontinuität
    Jochen Rahe: Dom-Römer - Abenteuerspielplatz oder Stadtmittelpunkt
    Hans-Ulrich von Mende: Anmerkungen zum Bereich Dom-Römer
    Wilhelm Hein Krahn: Aphorismen zur Neubebauung der Altstadt
    Axel Huth: Altstadt Frankfurt - Gedanken zur Diskussion über eine Bebauung
    Wolf Dietrich: Die Altstadt und die Zukunft des Technischen Rathauses


    Interview:
    Hans-Reiner Müller-Raemisch im Gespräch mit Gregor Fröhlich


    Textbeiträge:
    Julian S. Bielicki: Römerberg - ein Aufruf
    Barbara Ettinger-Brinckmann: Römerberg in Frankfurt am Main
    Jürgen Hasse: Anachronistische Metamorphosen (Anm.: Auch hier geht es inhaltlich um den Dom-Römer-Bereich)
    Astrid Hansen: Frankfurts Altstadt - Rekonstruktion? Seelisch nicht möglich! (Anm.: LOOOOOOOOOOOOOL!)
    Josef Hamm: Über das Rekonstruieren von Fachwerkhäusern
    Dieter Bartetzko: Aus Alt mach Neu: Plädoyer für eine wahrhaft alte Altstadt
    Gregor Fröhlich: Auf der Suche nach der beständigen Form und dem zukunftsweisenden Inhalt
    Thorsten Bürklin und Michael Peterek: Der Römerberg - ein Forum der Zukunft
    Bettina Rudhof: Haus am Dom


    Entwürfe:
    Anmerkungen zu den vorgestellen Entwürfen
    Rolf Schmidt: Altstadt Frankfurt am Main - Rekonstruktion der Altstadt?
    Wolf Dietrich und Vitezslav Fara: Kultur durch Wandel - Wandel durch Kultur
    Jürgen Engel, KSP - Engel und Zimmermann: Lebendiges Stadtquartier
    Johannes Peter Hölzinger, Katrin Fingerhut und Mathias Hölzinger: Das Alte im Neuen
    Christin Scheiblauer: La Città latente
    Peter Westrup: Philosophie einer Rekonstruktion


    Wichtig bei den Textbeiträgen ist , dass man bei vielen die Einstellung des Autors nicht sofort erkennt und auch keine Sortierung vorliegt. So kommt es durchaus vor, dass auf einen harten Verfechter einer zeitgenössischen Lösung ein moderater oder nachdenklicher Autor folgt. Es ist also nicht einheitlich. Das Interview ist rekofeindlich. Bei den Entwürfen ist eine Sortierung erkennbar. Die Befürworter von Rekonstruktionen (Scheiblauer und Westrup) sind ganz hinten.


    Die Veranstaltung muss man sich so vorstellen: Auf dem Podium saßen Gregor Fröhlich, Astrid Hansen, Hans-Ulrich von Mende und Johannes Peter Hölzinger. Dieter Bartetzko war ursprünglich auch für das Podium vorgesehen, fiel aber wegen plötzlicher Erkrankung kurzfristig aus. Das Publikum bestand fast ausschließlich aus "Sachverständigen" (also Architekten, Stadtplaner und Denkmalpfleger), insgesamt etwa 80 Personen im Alter von 40-70 Jahren, dazu etwa 15 Befürworter der Rekonstruktion (also WIR). Dass das kein Heimspiel für uns werden würde war fast allen vorher klar gewesen. Dennoch blieben die Positionen des Podiums und die rekonstruktionsfeindlichen Beiträge aus dem Publikum von uns nicht unwidersprochen. Hierbei muss insbes. Frau Katharina von Beckh und Herrn Vowinkel gedankt werden. Sie haben Großartiges geleistet! Und ich habe wieder etwas gelernt: In diesen Kreisen geht es nicht vordergründig um die Architektur der Fassaden, sondern um ein Gesamtkonzept. Nur das ist wichtig, die Fassaden kommen immer zuletzt (und so sehen sie dann auch meistens aus!). Bei uns ist es anders: Hier sind die Fassaden gesetzt, und um diese herum wird ein Konzept gebaut.


    Wenn euch ein bestimmter Beitrag interessiert, dann werde ich ihn hier einstellen (falls das keine Bedenken der Moderatoren) hervorruft.

    Ich bin auf jeden Fall dabei und freue mich über Unterstützung!!!


    Außerdem möchte ich nochmal an das Altstadtforum erinnern, das am Montag, den 29.10.2007 um 19.00 Uhr im Leinwandhaus am Weckmarkt stattfindet. Dazu sollten möglichst viele von euch aufkreuzen. Das ist nämlich diesmal eine wichtige Veranstaltung, nicht nur weil Herr von Boddien kommt!

    Ich weise darauf hin, dass Herr von Boddien beim nächsten Altstadtforum in Frankfurt am Main am 29.10. der Festredner sein wird. Außerdem steht er in einer Diskussionsrunde auch den Fragen des Publikums zur Verfügung. Wer also nicht allzuweit weg wohnt und sich für das Thema interessiert, kann hier die neuesten Details erfahren.

    Auf die Frage von Restitutor Orbis, ob mit dem Diplom-Geographen Sven Ott ich gemeint bin, kann ich nur sagen: Ja!
    Es ist schon etwas ärgerlich! Mein Name ist doch nun wirklich nicht sonderlich kompliziert. Und Frau Petermann hätte in den 4 Stunden, die sie mit uns verbracht hat, die Schreibweise meines Namens auch mal nachfragen können. Die Namen der anderen Personen im Text sind ja auch korrekt wiedergegeben. Davon mal abgesehen halte ich Sven für einen sehr schönen Namen. Es ist aber leider nicht meiner. :?

    Heute um 15.45 Uhr (HR) kommt übrigens eine Wiederholung der Sendung "Als Frankfurt 100 Gassen hatte", die im Mai erstmals ausgestrahlt wurde. Natürlich wieder mit D. Mangelmann und meiner Wenigkeit. Neue Erkenntnisse sind nicht zu erwarten, da es sich - wie gesagt - um eine Wiederholung handelt. Aber wer möchte, kann trotzdem reinschauen.


    8)

    @ Henry
    Ich weiß leider auch nicht, in wie weit die GHND diese Hinterzimmerpolitik betreibt. Aber wenn man sich die Bestrebungen des Neumarktvereins seit seiner Gründung 1999 ansieht, dann fällt auf, dass es irgendwann wohl einen Bruch mit der Stadtverwaltung und den Politikern gegeben hat. Bis 2002 lief ja alles gut; die Anzahl der Leitbauten wurde mehrmals per Stadtverordnetenbeschluss erhöht, eine Gestaltungssatzung ausgearbeitet. Ich denke, dass es wegen einem der folgenden Punkte zum Bruch mit der Stadt gekommen ist:
    1.: Die Fläche des Gewandhausgrunstücks, die verkauft werden sollte
    2.: Die Gestaltungssatzung wurde gebilligt, aber nicht verabschiedet
    Und dann hat man wohl von beiden Seiten etwas überreagiert. Die GHND hat den Fehler gemacht, gleich einen Bürgerentscheid anzustreben und somit offen auf Konfrontationskurs mit der Stadt zu gehen. Dies hat die Stadtverordneten sicher verärgert und auch die Gegner eines barocken Neumarkts wahrscheinlich erst wieder salonfähig gemacht, da die den Dissenz der Stadt mit der GHND ausnutzen konnten, um ihre eigenen Konzepte darzustellen. Die Stadt hat den Fehler gemacht, die Leute der GHND, die ja Experten der Barockstadt sind, einfach so ziehen zu lassen und Aufträge an Personen zu vergeben, die von der Materie keine Ahnung hatten. Und dabei kommt dann natürlich so ein Unsinn wie das QI heraus. Dass man z.B. keinen Einfluss auf die Besetzung bestimmter Gremien wie des Gestaltungsbeirats hat, wenn man mit der Stadt nicht kooperiert, ist eine weitere Folge der oben geschilderten Ereignisse. Im Moment haben ganz klar die Leute das Sagen, die keinen barocken Neumarkt wollen (daher das Problem mit Dietze und seinen abgelehnten Fassadenrekonstruktionen und die starke Unterstützung des Gewandhauses durch die Stadt. Ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass die Modernisten in Dresden das Sagen haben, ist die Positionierung der stärksten Partei im Stadtparlament (CDU). Auch in Frankfurt ist ja die CDU die stärkste Partei, und als Lobbyist hängt man sich immer an die stärkste Partei. Das haben wir jedenfalls getan. Und die Modernisten haben es in Dresden ganz sicher auch getan. Das Verhalten, das in Richtung Pro Gewandhaus geht (im Gegensatz zu den übrigen Parteien) legt das nahe. Somit sieht es gar nicht so gut aus im Moment, die Lage ist jedoch nicht hoffnungslos. Hier sollte das Frankfurter Projekt Schule machen, sowohl was den Umgang mit der Stadt geht, als auch bei der Entscheidungsfindung ("...in Frankfurt haben die das so gemacht...")


    Jetzt zu der Frage der Nutzung der Fachwerkhäuser. Zunächst folgendes: Diese Häuser sind alles andere als klein, auch wenn ihre durchschnittliche Breite in der Gasse nur bei etwa 5-6 m liegen dürfte. Die Grundrisse sind im Erdgeschoss auch winzig, gewinnen aber durch die Auskragungen in den Obergeschossen teilweise kräftig an Fläche hinzu. Außerdem kann man ja bei nebeneinanderliegenden Häusern auch Durchgänge schaffen und diese so miteinander verbinden (das war auch vor dem Krieg schon so üblich). Die Häuser müssen dann aber im Inneren als eigenständige Objekte erkennbar bleiben. Gerade hier gab es ja in Dresden erhebliche Probleme nach dem Motto "Die Nutzung im IOG geht über die beiden ersten Barockfassaden, und von der dritten Fassade nehmen wir noch die beiden linken Fensterachsen hinzu" (siehe QII, neuerdings auch QI). So kann man natürlich bauen, aber das ist dann selbst für die meisten Laien Kulissenbauerei. Jedenfalls, um mal wieder zurück zum Punkt zu kommen, lassen sich diese Fachwerkhäuser im Inneren schon nutzen. Oft kommt man bereits im IOG auf eine BGF von über 100 m², und das ist doch eigentlich okay. Die Altstadt kann natürlich nicht von jedem genutzt werden, aber Interessenten für diese Gebäude gibt es. Es gab auch schon Treffen von Investoren, wo diese einen Wunsch nach einem bestimmten Objekt äußern konnten. Und da gingen auch die kleineren Häuser gut.


    GruttePier
    Du hast natürlich recht: Bei uns in Frankfurt kann auch noch einiges schief gehen. Schlecht sieht es aus, wenn das da eintritt:
    1.: Die Fachwerkhäuser werden von Leuten ohne Expertenwissen errichtet. Dann ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.
    2.: Es finden sich nicht genügend Interessenten für Rekonstruktionen. Dann kriegen wir einen Mischmasch.
    3.: Die Kosten für den Abriss des TR und den Umbau der Tiefgarage sprengen jede Kalkulation. Es gibt zu diesem Punkt noch keine seriöse Kostenaufstellung. Wenn die Stadt jedoch glaubt, das sei ein Fass ohne Boden, dann kann sie sich auch aus dem Projekt zurückziehen. Die Folgen wären dramatisch: Ein großes Loch in Frankfurts Zentrum - u.U. für Jahre!
    Ich bin allerdings ein optimistischer Mensch und glaube an einen guten Ausgang. Und auch für andere steht zu viel Prestige auf dem Spiel, als dass man die Altstadt gezielt scheitern lässt.


    @ Henry
    Du darfst nicht als einfacher Bürger bei der Stadt vorstellig werden, sondern als Lobbyist! Such dir jemanden, dem dein Konzept gefällt und der bereit ist zu investieren. Muss ja nicht gleich ein ganzes Haus sein. Vielleicht möchte ja jemand aus deinem Bekanntenkreis ein Geschäft am Neumarkt eröffnen. Nimm ihn mit zu einem Treffen mit einem Stadtverordneten und lass ihn sagen, dass er nur am Neumarkt das Geschäft aufmacht, wenn er in ein historisches Haus kann. Oder willst du vielleicht eine Wohnung am Neumarkt beziehen? Dann probiers über die Schiene. Du musst eine Ware zum Verkauf anbieten, dann wirst du auch ernst genommen. Denn du wirst sehr schnell merken, dass die Stadtverwaltung und das Stadtparlament nur aus Lobbyistengruppen bestehen. Und dann brauchst du noch eine Person, die dein Produkt in der Öffentlichkeit gut darstellt. Bei uns ist das Jürgen Aha, der eine Werbeagentur besitzt. Dann funktioniert das auch!

    An dieser Stelle mal eine kurze Erläuterung wie es in Frankfurt gemacht werden soll:


    Die Parzellen sollen einzeln an Investoren vergeben werden, die diese dann in Erbbaupacht bebauen. Die Parzellengrenzen liegen noch nicht fest. Sie sollen den Interessen der Investoren angepasst werden. D.h., wenn jemand rekonstruiert, dann werden die historischen Parzellengrößen festgeschrieben. Findet sich aufgrund der Vorfahrtsregelung für Rekonstruktionen kein Investor für einen Nachbau des Vorkriegshauses, dann erst kann über eine Neuaufteilung einer oder mehrerer Parzellen nachgedacht werden. Im Ausnahmefall können einzelne nebeneinanderliegende Parzellen zusammengelegt werden, um einen günstigerern Zuschnitt der Gebäude zu ermöglichen. Sind alle Parzellen vergeben, wird gebaut (nicht vorher!). Das Gesamtensemble wird aus einer Hand errichtet.


    Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, was ich auch im Frankfurt-Thread geschrieben habe:
    Dresden ist ein Vorbild für uns Altstadtaktive. Für den Dom-Römer-Ausschuss, der im März eine Reise nach Dresden unternahm, war der Neumarkt jedoch genau das was man nicht wollte, nämlich eine reine Kulissenbauerei. Es ist also eher so, dass Dresden inzwischen eher ein Beispiel dafür ist, wie man es nicht machen sollte. Man hat in Frankfurt hieraus die richtigen Schlüsse gezogen und einen Stadtverordnetenbeschluss gefasst, der es besser machen soll als in Dresden, und ich glaube, dass das auch gelingt. Es reicht nicht aus, dass die Dresdner sich mit ihrer Vorreiterrolle am Neumarkt begnügen! Sie müssen die Veränderungen, die die Frankfurter Entscheidung gebracht hat, in ihr Konzept einarbeiten. Und dabei möchte ich auch etwas ganz entscheidendes herausstellen: Ein freundschaftlicher Umgang mit den Entscheidungsträgern in der Politik (nicht unbedingt in der Verwaltung, aber auf jeden Fall in der Politik). Diese Connections sind entscheidend. Das wurde in Dresden meines Erachtens falsch gemacht. Es wird zu schnell und zu kräftig auf die Straße gesetzt. Das funktioniert zwar auch, aber nicht so gut. Diese Dinge werden in Hinterzimmern unter 4 oder 6 oder 8 Augen entschieden. Und Politiker freuen sich immer auch, wenn man mit Anliegen zu ihnen direkt kommt und sie von Projekten eher erfahren als andere. Man muss diese Leute mit einbeziehen. Sie sind nämlich wesentlich wichtiger als die breite Bevölkerung, die nur Leserbriefe schreibt. Die sind auch wichtig, entscheiden aber am Ende nicht. Und wenn man die Entscheidungsträger nicht mit einbezieht, wird es die Gegenseite tun, die in den Ämtern sitzt und auf diese Hinterzimmergespräche spezialisiert ist. Das ist aus meiner Sicht der Hauptgrund, weshalb die Frankfurter Altstadt in nur 2 Jahren "durchgepeitscht" werden konnte, und andererseits das Gewandhaus in Dresden immer noch nicht vom Tisch ist.


    Nur so als Tipp für die weitere Vorgehensweise in Sachen Gewandhaus.

    Hm, ich war von Anfang an am Zweifeln ob es sinnvoll ist, hier Namen zu nennen. Jetzt fühle ich mich leider zu Recht bestätigt - es war eine blöde Idee. Man kann bei einem solchen Projekt nie alle Beteiligten erwähnen und ihr Tun werten. Es gibt immer Leute die sich übergangen fühlen. Ich habe daher meinen Text weiter oben um die betreffenden Passagen gekürzt... :? :weinen:

    Danke, danke!
    Ich nehm eure Glückwünsche jetzt mal stellvertretend für die übrigen Aktiven ein:
    Das Rekonstruktionsprojekt auf dem Aereal des TR ist ja zu allererst eine Gemeinschaftsidee von Dominik Mangelmann (Kardinal) und meiner Wenigkeit. So gesehen werden nun hoffentlich in den nächsten Jahren die städtebaulichen Vorstellungen eines Bauingeneurs aus Offenbach und eines Diplom-Geographen aus Darmstadt umgesetzt. Die anderen sind dann alle im Laufe der Zeit aufgesprungen.


    Jetzt zu der Frage, ob von Dresden lernen Siegen lernen bedeutet. Das ist nicht so eindeutig zu beantworten. Natürlich ist der Dresdner Neumarkt ein Vorbild für uns, aber diese Funktion bezieht sich lediglich auf die ursprüngliche Planung und weniger auf das was inzwischen teilweise umgesetzt wurde. Wir haben mit großer Sorge registriert, dass im März die Fahrt nach Dresden durch die Mitglieder des Frankfurter Sonderausschusses Dom-Römer als negativ beurteilt worden ist. Das hat die üblichen Gründe: Beton statt Ziegelbauweise, nur Leit-Fassaden und kaum historische Leit-Grundrisse, das Fehlen einer verbindlichen Gestaltungssatzung für Neubauten, die Raumaufteilung entspricht tlw. nicht den Fassaden, qualitative Mängel bei der Ausführung von Rekonstruktionen, z.B. das Anbringen von Stuck usw. Das alles wollten wir in Frankfurt vermeiden, und so wie es jetzt ausschaut, gelingt das wohl auch. Man muss Dresden natürlich zugute halten, dass hier zum ersten Mal eine ernsthafte Rekonstruktion von zerstörten Altstadthäusern probiert wurde, und auch die schlechtere Haushaltslage im Vergleich zu Frankfurt ist zu berücksichtigen. Um es vielleicht auf den Punkt zu bringen: Dresden ist ein Vorbild, aber wir haben dieses Vorbild weiterentwickelt, und das was jetzt entsteht kann wiederum für Dresden Vorbild für die Zukunft werden (und auch für andere Städte).


    Zuletzt noch zu dem Thema der Übertragbarkeit auf andere Städte. Es ist natürlich so, dass die Bedingungen in Frankfurt günstig waren. Wir sind überall auf Leute gestoßen die so dachten wie wir. Jetzt muss man natürlich erwähnen, dass in kaum einer anderen deutschen Stadt mit der Vergangenheit so radikal gebrochen wurde wie in Frankfurt und es daher auch immer Widerstand gegen den modernen Neuaufbau nach dem Krieg gab. In anderen Städten, z.B. Würzburg oder Nürnberg ist es vielleicht nicht so einfach, etwas ähnliches auf die Beine zu stellen. Es kann aber trotzdem gelingen, wenn man die jungen Leute dafür begeistern kann. Das ist schwieriger als in der Generation, die die Verhältnisse vor der Zerstörung noch kennen gelernt hat, aber es ist möglich! (Wie man ja sehr schön an diesem Forum sehen kann) Also einfach probieren. Dann kann man zwar damit auch baden gehen, aber wenn man es gar nicht erst probiert, dann geht man auf jeden Fall baden.

    @ BerlinFan:


    RICHTIG! Und genau aus diesem Grund werden wir auch sehr genau überwachen, dass es gelingt.


    @ alle:


    Man sollte grundsätzlich vorsichtig sein mit Formulierungen wie "historisch" oder "einmalig", aber bei diesem Stadtratsbeschluss (vom Donnerstag) sind diese Begriffe meines Erachtens angebracht. Man muss sich nur mal vergegenwärtigen, wo wir vor 2 Jahren waren. So gesehen ist das was erreicht wurde etwas Besonderes. Und deshalb möchte ich auch nicht, dass hier jetzt schon wieder die Bedenkenträger mit Argumenten kommen, die Stadt hätte alles rekonstruieren sollen. Das war nunmal mit dieser Koalition nicht drin. Und es geht auch gar nicht darum, dass die Stadt Frankfurt mit Steuergeldern in zweistelliger Millionenhöhe den Bau von 50 Altstadthäusern vorfinanziert. Das wollte auch nie einer von uns. Wir wollten die Investoren selbst beibringen, die dort bauen. Politik und Verwaltung waren zunächst dagegen, haben aber inzwischen eine Kehrtwende vollzogen. Und das ist jetzt das eigentlich Neue, für das wir uns auf die Schulter klopfen können, und das hoffentlich in Deutschland Schule macht: Das Gebiet kann komplett historisch bebaut werden, und Neubauten kommen nur dann, wenn es keine Interessenten für bestimmte Parzellen gibt. Wir können also prinzipiell so bauen wie WIR wollen. Darüber kann man sich doch mal freuen!!! Dass man die Verwaltung mit Vorsicht genießen muss und auch politische Versprechen nicht unbedingt zu denen gehören, die ganz sicher eingehalten werden, ist doch völlig klar. Und auch, dass die Anhänger einer zeitgenössischen Lösung nicht aufhören werden, dieses Projekt zu kritisieren. Wir haben jedoch immer die öffentliche Meinung hinter uns gehabt und können so über die Presse jederzeit Druck ausüben, wenn plötzlich die Rahmenbedingungen zu unserem Nachteil geändert werden sollten. Zumal wir ja auch mit diversen Experten zusammenarbeiten und diese in einem kompetenten Team zusammenfassen werden, das neben dem Altstadtbeirat ein weiteres gewichtiges Kontrollgremium darstellen wird.
    Erstmalig besteht nun die Möglichkeit, eine Bürgerstadt wieder aufleben zu lassen, also kein Schloss oder das Geburts- bzw. Wohnhaus einer prominenten Person, sondern das Fachwerkhaus von Tante Erna und Opa Helmut. Hier wurden Regeln verschoben, die Jahrzehnte galten, ich möchte dass ihr das begreift! Ebenso wurde der Ensemblebegriff eingeführt bzw. neu definiert. Ein Gebäude kann nun rekonstruiert werden, auch wenn es in jeglicher Hinsicht unbedeutend war, es genügt, dass es Teil einer Gebäudeabfolge war, die als ästhetisch empfunden wurde. So etwas ist in Deutschland noch nie dagewesen!
    Und dementsprechend ratlos sind auch momentan die Leute, die eine andere Position vertraten als wir. Diesbezüglich folgende Geschichte: Gestern war im Haus Giersch (ein Museum am Museumsufer) ein inoffizielles Treffen von Frankfurts High Society zum Thema Neubebauung des TR-Areals. Wir waren auch eingeladen. Es gab einen Vortrag von Günter Possmann zur Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt und eine Gegenrede des Architekten Stefan Forster. Diese Gegenrede war übrigens sehr polemisch und hat die Position der Befürworter einer modernen Lösung nicht gerade gestärkt, z.B. "Herr Aha, wer eine solche Medienkampagne lostritt, wie Sie es getan haben, der hat keine Kultur!" Dominik Mangelmann und ich haben uns am Ende noch einige Zeit mit dem Leiter des Hauses Giersch unterhalten. Dieser erzählte uns fast beiläufig, dass er sehr lange suchen musste bis er jemanden fand, der eine Position gegen Rekonstruktion einnimmt und diese auch auf der Veranstaltung vertritt. Die meisten aus der Elite der Frankfurter Architekten, Denkmalpfleger und Stadtplaner seien über das Ergebnis des Stadtratsbeschlusses derart schockiert, dass sie sich momentan nicht öffentlich äußern wollten! So hat es der Museumsleiter des Hauses Giersch selbst ausgedrückt. Das ist ein fast wörtliches Zitat, da ist nichts von mir hinzugedeutet. Wir haben ihre Macht aus den Angeln gehoben und den Beweis erbracht, dass genau das auch funktioniert, wenn man sich anstrengt. Übrigens war auch ein Vertreter des Architekturbüros KSP Engel und Zimmermann anwesend, der sich kurz zu der Frage äußerte, ob er denn - ausgehend von seinem preisgekrönten Entwurf - mit einem solchen Verlauf gerechnet habe :!: . Die Antwort fiel naturgemäß ausweichend aus, eine grundsätzliche Verhaltensänderung für die Zukunft war aber nicht erkennbar. Es hörte sich eher nach Durchhalteparolen und einem beherzten "Weiter so!" an, so dass ich glaube, dass wir mit diesen Leuten noch sehr viel Freude haben werden.


    So! Jetzt hab ich genug geschrieben und verzieh mich ins Bett :zwinkern:


    :gutenacht:

    Dohoggediedieimmerdohocke.


    Nein, aber mal im Ernst: Gestern waren die Ränge bei der Bürgersprechstunde erschreckend leer! Planungsdezernent Schwarz sagte dazu während der Veranstaltung, dass das Thema Dom-Römer wohl doch nicht so viele interessieren würde wie er angenommen hat. Ich kann ja verstehen, dass Donnerstag Abend um 18:00 Uhr nicht für jeden ein günstiger Zeitpunkt ist. Andererseits wären volle Säle und Leute die Redebeiträge formulieren durchaus wünschenswert für die Zukunft. Gestern war diesbezüglich kein sonderlich guter Tag für uns.

    Es gibt wieder Neuigkeiten:


    Nächsten Donnerstag (30.8.2007) findet von 18:00 - 21:00 Uhr eine Bürgeranhörung im Plenarsaal des Römers statt, an der u.a. Herr Schwarz und Herr von Lüpke teilnehmen und Fragen zum Thema Dom-Römer-Neubebauung beantworten werden. Da bislang der Termin nicht groß in der Presse bekannt gegeben wurde, kann man davon ausgehen, dass es den betreffenden Personen lieber wäre, wenn möglichst wenig Bürger zu diesem Termin erscheinen. Deswegen möchten wir, dass relativ viele von euch dort hingehen und auf folgende Änderungswünsche bei der Magistratsvorlage M 112 bestehen:


    1.: Grundriss Rotes Haus stimmt nicht
    2.: Grundriss Goldene Waage stimmt nicht
    3.: Zerschneidung des Hauses Flechte durch einen unnötigen neuen Weg zwischen Neugasse und Rebstock
    4.: Fehlende Bebauung entlang Tuchgaden und Langer Schirn (inkl. Metzgerhöfchen)


    Damit nicht immer die Gleichen reden, sollten sich auf dieser Veranstaltung auch neue Gesichter zeigen und das Wort ergreifen.


    Diese Veranstaltung ist unabhängig von der nächsten Sitzung des Dom-Römer-Sonderausschusses, die am 4.September stattfindet.


    Ein schönes Wochenende


    Jörg

    Bitte nicht hier den Frust ablassen, sondern ans ZDF schreiben. Dann kommen wir im nächsten Beitrag auch vor. Eine Fernsehanstalt ist immer nur so schlau wie die Journalisten, die darin arbeiten. Und die müssen mit Informationen gefüttert werden. Das haben Mäckler und Bartetzko getan. Jeder von euch sollte schreiben, dass ihn das Ergebnis stört, aber nicht hier, sondern ans ZFD. Hier im APH nützt das niemandem was!

    Ein Blick von der Otto-Schill-Straße (in Höhe der Einmündung von "Apels Garten") auf den Innenstadtring nahe des Neuen Rathauses:



    MUSIKVIERTEL


    Zunächst ein Blick von der Friedrich-Ebert-Straße auf das Reichsgericht:



    Das hier im Forum bereits öfters gezeigte Haus Beethovenstraße 8 - ein Traum des Historismus :huepfen:




    Nun kommen einige Bilder der nach Kriegszerstörungen rekonstruierten Albertinischen Bibliothek:








    SÜDLICHES MUSIKVIERTEL SIMSON-/ LAMPESTRAßE


    Nachdem das eigentliche Musikviertel doch eher durch hervorragende Einzelgebäude besticht, es dazwischen aber auch jede Menge Schrottarchitektur gibt, war es doch eine wahre Freude, einen kompletten Straßenzug hochwertiger Historismus-Fassaden zu erleben. Zwischen der Simsonstraße (auf dem nächsten Bild der linke Teil des Straßenzugs) und der Lampestraße (rechter Teil des Straßenzugs) verlief früher der Pleißemühlgraben, der zu DDR-Zeiten dann verrohrt wurde, und dessen Existenz auch die Tatsache erklärt, dass es sich um zwei Straßen handelt. Der Verein "Neue Ufer" möchte den Graben wieder freilegen, hat aber das Geld dafür noch nicht zusammen. Kann also noch etwas dauern...








    Am nördlichen Ende der Simson-/Lampestraße befindet sich das Reichsgericht. Hier fließt der Pleißemühlgraben auch wieder an der Oberfläche:



    WALDSTRAßENVIERTEL


    Thomasiusstraße 8, sehr interessanter Fassadenschmuck:



    Thomasiusstraße Ecke Jahnallee:



    Gustav-Adolf-Straße:




    Funkenburgstraße:



    SCHILLERHAUS IN GOHLIS


    Nach dem APH-lertreffen gingen wir noch zum Schillerhaus. Es wurde schon dunkel, daher sind die Bilder etwas verschwommen:




    Im Inneren des Schillerhauses steht ein Modell des Dorfes Gohlis vor der gründerzeitlichen Überformung:




    Zum Schluss noch ein Abschlussfoto, das total verwackelt ist, aber dem Streben nach Anonymität der meisten Forumsmitglieder entsprechen dürfte. Mich stört das nicht, ich bin der Dritte von rechts!



    Wen sich noch wer von den Abgebildeten "outen" möchte, kann er das gerne tun :lachen:

    So, hier einige Impressionen von mir: Besonders angetan hat es mir in der Innenstadt der Brühl. Von dieser einst eng bebauten Straße ist leider kriegsbedingt nur noch sehr wenig erhalten geblieben. Aber wenigstens einige zusammenhängende Gebäude in der Nähe der Einmündung der Nikolaistraße. Sie zeigen, wie man sich den Straßenzug der Pelzhändler (Rauchwarenhändler) nach seiner gründerzeitlichen Überformung vorzustellen hat. Beim ersten Bild hab ich übrigens mit großer Freude registriert, dass am rechten Haus rekonstruiert wurde, und zwar mindestens die beiden obersten Etagen. Ein Bild wie es vorher ausgesehen hat, besitze ich leider nicht, aber vielleicht kann es ja einer von den Leipzigern beisteuern.



    Hier die Einmündung der Nikolaistraße



    Als nächstes möchte ich einige Fotos aus dem Eingangsbereich und dem Treppenhaus eines gründerzeitlichen Gebäudes in der Gottschedstraße zeigen. Sie sind nicht alle scharf geworden, aber inhaltlich scharf :zwinkern:









    So sieht das Haus von außen aus:



    Dieses Gebäude befindet sich gegenüber. Auch nicht schlecht:



    Als nächstes kommen noch Bilder vom Musikviertel, vom Waldstraßenviertel und vom Schillerhaus, evtl. heute Abend. Mal sehen, wie lange wir noch unterwegs sind. Wenn ich nach Hause komme stelle ich die Bilder sofort ein :D

    Neben den Fotos aus dem Musikviertel, wo ich alleine gewesen bin, kann ich noch einige weitere Bilder aus dem Waldstraßenviertel beisteuern. Ansonsten decken sich meine Fotos mit denen von RMA, sodass ich nur Musikviertel und Waldstraßenviertel einstellen werde. Ich habe allerdings noch einige weitere Informationsquellen zu Leipzig bei mir zu Hause rumliegen, die ich auch alle selbst erstellt habe. Wenn von eurer Seite Interesse besteht, dann könnt ihr folgendes einsehen:
    1. eine Fotosammlung, auf der die Veränderung der Stadt im Laufe der Zeit dokumentiert ist. Die hatte ich auch in Leipzig dabei, wo sie von Spacecowboy und Leipziger schon neidisch in Augenschein genommen wurde. Sie enthält Bilder der Jahre 1994, 1995, 1997, 1999, 2001 und 2002. Auf meinem Rechner hab ich noch Fotos von 2002 und 2003. Die Bilder von meinem Leipzig-Besuch 2005 sind durch einen Datenverlust der Speicherkarte leider alle verloren gegangen; 2006 hab ich nur ein Bild gemacht, war aber auch nur für 2 Stunden in der Stadt. Mit meinem ersten Leipzig-Besuch 1987 und dem diesjährigen war ich also schon 11 mal dort.
    2. eine schriftliche Zusammenfassung meines ersten Leipzig-Besuchs Pfingsten 1987 (mit 10 Jahren), allerdings aufgeschrieben erst 1993 (mit 16 Jahren) mit etwa 10 zeitgenössischen Bildern.
    3. eine schriftliche Zusammenfassung meines zweiten Leipzig-Besuchs Anfang März 1994 (etwa 10 Wochen vor meinem 17. Geburtstag), ebenfalls mit mehreren zeitgenössischen Bildern, die auch nicht in der Fotosammlung (siehe 1) zu sehen sind.
    Was (2) und (3) betrifft: Wollt ihr nur Bilder gucken, oder auch die Texte lesen? (Meinungen bitte kundtun!)


    Meine persönliche Meinung hierzu ist: Die Texte sind typisch geschrieben für einen 16-jährigen Gymnasiasten und dokumentieren neben der Stadt auch die altersbedingten Veränderungen vom Kind zum Erwachsenen: Teils noch recht naiv, andererseits aber auch schon mit ziemlich hohem architektonischen Gespür. Alles werde ich aber nicht ausbreiten, da sind dann doch viele Dinge dabei, hinter denen ich heute nicht mehr stehe. Ich werde für diese ganzen Dokumentationen eine eigene Galerie eröffnen.