Posts by Kaoru

    Das Kaufhaus müsste sich in Qualität und Angebot schon deutlich von Karstadt-Kaufhof und den anderen Pleitegeiern abheben und deren Fehler nicht wiederholen, man müsste sich überregional und einzigartig präsentieren um Kunden aus Berlin, Dresden, Leipzig und Polen anzulocken. Richtig angepackt könnte man mit dem Kaufhaus ganz Görlitz beleben. Gibt oder gab es im Nachkriegspolen überhaupt etwas vergleichbares wie Karstadt? Vielleicht könnte man für die Polen das Konzept Kaufhaus noch mal ganz neu verkaufen und zwar in seiner besten Art. Nicht dass die genannten Orte über allzu große Kaufkraft verfügen, aber zusammen genommen kommt da schon ein bisschen Kundenpotential zusammen, wenn man es richtig macht.

    Frage: In dem Nahen Osten, oder auch in Laendern wie Brasilien wird gern ein Geruest aus Beton gesetzt, die Gefache dann zugemauert.

    Ist das auch Fachwerk?

    Das fällt unter die Skelettbauweise, wozu auch der Fachwerkbau gehört. Ob man das jetzt dem Fachwerk zurechnet, ist sicher eine Definitionsfrage, aber der entscheidende Unterschied im Gegensatz zum Holz- und Stahlfachwerk ist, dass beim Stahlbetonskelettbau die tragenden Elemente fest und untrennbar miteinander verbunden sind, wohingegen beim Fachwerkbau die tragenden Elemente grundsätzlich auch wieder auseinander gebaut werden können. Dadurch können Fachwerkbauten auch einfacher als Massivbauten transloziert werden, weil man sie (mit Substanzverlust) abbauen und wieder aufbauen kann.

    Das geht bei Stahlbetonskelettbauten so nicht, die tragende Struktur ist da später eine Einheit.

    Übrigens sind Stahlbetonskelette auch bei uns schon lange oft das Mittel der Wahl, wenn es um größere Bauten geht; mit dem Unterschied, dass bei uns die tragende Struktur meist mit einer Vorhangfassade verkleidet und damit verdeckt wird.

    Nachtrag zum Stahlfachwerk: Ein Pionier im Stahlbzw. Eisenfachwerks ist der Architekt und Lebensrefomer Karl Buschhüter gewesen.

    Von ihm sind auch mehrere Wohnhäuser mit entsprechendem Fachwerk erhalten, auch mit sehr interessanten Farbgebungen, um wieder etwas zum Thema zurückzukommen:


    Hochstraße 57 in Viersen, gekachelte Ausfachungen sieht man auch nicht aller Tage:

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    by Käthe und Bernd Limburg, www.limburg-bernd.de / Lizenz: Creative Commons BY-SA-3.0 de


    und in Krefeld:


    Buschh%C3%BCterhaus_Westwall_Krefeld.jpg

    (gemeinfrei)

    Aber sind denn die verputzen Fachwerkhäuser nicht erst in späterer Zeit verputzt worden?

    Es gibt genügend Fachwerk, das nicht als Sichtfachwerk ausgeführt wurde, sog. konstruktives Fachwerk, das dann auch ursprünglich verputzt war. Oft geschah das, um teurere Steinfassaden vorzutäuschen, viele Häuser wurden auch erst später verputzt, das ist richtig. Im letzten Jahrhundert begann man dann mit der Fachwerkfreilegung, dabei wurde oft auch konstruktives Fachwerk freigelegt, das eigentlich nie dafür bestimmt war, Fassade zu sein. Es gibt Städte und Regionen, in denen sind verputzte Fachwerkbauten seit Jahrhunderten ortsbildprägend und keineswegs ein ästhetischer Mangel, Beispiel Dinkelsbühl:


    Dinkelsbuehl-Elsasser_Gasse-Ost.jpg

    CC BY-SA 3.0 by Mylius

    Stahlfachwerk? Wo kommt das denn vor? In alten Industrieanlagen vielleicht? Würde mich mal interessieren - wär schön wenn Du Bilder solcher Bauten hättest - und vor allem wie die gestrichen (oder auch nicht gestrichen) sind.

    Konstruktives Stahlfachwerk ist weit verbreitet, in Ost wie West war es Mittel um schnell und günstig auch größte Höhen zu erreichen. Sämtliche alten Wolkenkratzer in Manhatten sind Fachwerkhäuser. Ein weiteres Beispiel Beispiel für Stahlfachwerk wird jeder kennen. Denkt mal an Paris.


    e3678efa0b41dc3f002672792e47cf9f.jpg

    (gemeinfrei)


    Das ist nun aber sehr weit weg, von dem, was wir uns unter einem Fachwerkhaus vorstellen. Doch es gibt auch Sichtstahlfachwerk bzw. Sicht-Eisenfachwerk, wie du schon richtig sagst, insbesondere bei Industriebauten. Ein bekanntes (und wunderschönes) Beispiel ist die Maschinenhalle der Dortmunder Zeche Zollern, dort haben wir es sogar mit Jugendstilfachwerk zu tun.


    vor der Sanierung:


    Zeche_Zollern_Dortmund_-_Maschinenhalle.jpg

    © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)


    Nach der Sanierung. Wie wir sehen, ist auch bei Eisenfachwerk die Farbgebung nicht irrelevant. Man hat sich statt des Chromoxidgrüns für ein dunkleres Tannengrün entschieden:


    Dortmund_-_Zeche_Zollern24_-_Maschinenhalle_06_ies.jpg

    by Frank Vincentz CC BY-SA 3.0



    Innen:

    Zeche_Zollern_Maschinenalle_Maschinen.jpg

    CC BY-SA 4.0 by Arnoldius


    Die Essener Zeche Zollverein ist ebenfalls komplett in Sicht-Stahlfachwerk errichtet, hier im Stile der Neuen Sachlichkeit. Interessant ist die ähnliche Farbe zwischen Trägern und Ziegelgefachen, semi-monochrom wenn man so will. Kennt ihr weitere Beispiele von "Bauhaus"-Fachwerk?


    1280px-Zeche_Zollverein_abends.jpg© Thomas Wolf, www.foto-tw.de (CC BY-SA 3.0 DE)


    Zollverein_4_4.jpg

    by Nordenfan CC BY-SA 3.0


    Weitere Beispiele für sichtbares Stahlfachwerk:


    http://2.bp.blogspot.com/-8J0F…4/s1600/Stahlfachwerk.jpg


    Vor 10 Jahren abgerissen, der Bau am Förderturm des Oyenhausenschachts der Zeche Ibbenbüren:


    https://www.rag-anthrazit-ibbe…rk/wegpunkte/Bild_056.jpg

    Da wohl nicht jedem bekannt ist was ein Fachwerkhaus ist - das sind so die Häuser welche sich von anderen Häusern durch äußere sichtbare Holzbalken unterscheiden. Wem es nicht zu lang ist, der kann hier noch mal weiteres darüber lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Fachwerkhaus

    Ach lieber Henry, grantel doch nicht herum, wenn sich eine kleine (aber ergiebige) Off-Topic-Diskussion zum Thema Fenster entwickelt hat, dichter am Thema Architektur geht es doch gar nicht. Zur Not müssen eben ein paar Beiträge verschoben werden, sofern das nicht zu viel Aufwand bedeutet.

    Außerdem deine Defenition schlicht falsch. Weder haben alle Fachwerkhäuser sichtbares Fachwerk (es gibt verputzte Fachwerkhäuser) noch muss ein Fachwerkhaus zwangsläufig aus Holz sein. Es gibt auch Stahlfachwerk.

    Ich bestreite die Behauptung, dass auf historischen Bauzeichnungen die Fenster grundsätzlich nicht gezeichnet worden seien. Der Beweis:

    Hat doch niemand behauptet. Der Beweis:



    Gleichwohl ist es interessant, dass auf so vielen Bauplänen traditionell die Fenster weggelassen werden [...]

    Von "grundsätzlich" ist hier nirgendwo die Rede. Aber es gibt viele, viele alte Baupläne ohne Fenster (vor allem vor dem Historismus). Ob das jetzt die Mehrheit der "alten Pläne" ausmacht, habe ich jetzt nicht statistisch eruiert. Dass es auch alte Baupläne mit eingezeichneten Fenstern gibt, bestreite ich ja gar nicht. Auch Zeitlos hat nicht von einer Grundsätzlichkeit gesprochen.

    Fazit: a) man kann nicht generalisieren - Sprossenfenster waren keineswegs bis 1950 generell üblich, und b) was wirklich zu Buche schlägt, sind nicht die Sprossen, sondern die Kastenfenster.

    Ich glaube der Begriff"Sprossenfenster" wird umgangssprachlich für alle Fenster mit irgendeiner Unterteilung verwendet, also auch für Galgenfenster oder Kreuzzstockfenster; und fenstergliedernde Elemente wie Kämpfer und Setzholz als "Sprossen" interpretiert, was genau genommen falsch ist. Aber egal ob Sprosse, Kämpfer oder Setzholz, die Gliederung der Fenster ist ein wichtiger Teil der Archietktur.

    Gleichwohl ist es interessant, dass auf so vielen Bauplänen traditionell die Fenster weggelassen werden und nur die dunklen Fensterhöhlen zu sehen sind. Hatten die Fenstermacher so wenig mit dem Baumeister am Hut (und es war schlicht klar, wie die Fenster gemacht werden mussten) oder woran mag das gelegen haben?

    @ursuscarparticus


    Danke für deine Ausführungen, so giftig habe ich es gar nicht gemeint. Eigentlich hatte ich deinen Satz wirklich missverstanden, auch weil für mich der gezeigte Potsdamer Entwurf so viel näher an der faschistischen Architektur Italiens ist, als bei irgendeiner Reinaissance. Als ich dann meinen Frage stehen hatte, ist mir klar geworden, dass du das bestimmt nicht gemeint haben könntest, aber ich habe es mal stehen gelassen, weil die mit meiner Frage aufgeworfene Assoziation mindestens genauso berechtigt ist.

    Nicht, dass ich perse was gegen den Razionalismo oder italienischen Neoklassizismus habe, im Gegenteil (auch wenn da der Potsdamer Entwurf weit hinter zurücksteht), doch es ist schon sehr bezeichnend, was ein paar Meter weiter für ein Affentanz um die Garnisonkirche gemacht wird, während man daneben (ohne dass es jemand merken würde) etwas Mussolini-Geist nach Potsdam bringt und sich niemand daran stößt.

    Da wäre doch der Einwand verständlich: Postdam und die Garnisonkirche seien ein sensibler Ort, da könne man sich doch mit Architektur, die wirklich einen so deutlichen Bezug zur Architektur des Faschismus oder Nationalsozialismus herstellt und ihre Tradition fortführt, etwas zurückhalten.

    Oder wollte der Architekt genau dies um subtil an den "Potsdamer Geist" zu gemahnen oder um sich sogar kritisch zur GK zu distanzieren? Alles andere würde dem Architekten Unbildung (dass er nicht weiß, was er da tut) oder Ignoranz (dass es ihm egal ist, was er tut) unterstellen und zu solchen infamen Unterstellungen wäre ich gute Seele doch gar nicht fähig. Also Glückwunsch Potsdam zu einem weiteren Stück Mahn- und Erinnerungskultur.

    Das sog. krumme Haus in Tecklenburg, ein Leinenweberhaus von 1693. In den 1980ern vor dem Abriss gerettet, hat man es dann restauriert und die blaue Farbgebung wieder hergestellt, die früher Insekten vetreiben sollte (blau oder blaugrün war ja aus diesem Grund auch lange Zeit vorherrschend in Küchenräumen, auf Geschirr usw.)

    Leinenweberhaus_von_1693%2C_Tecklenburg_%2801538%29.jpg
    © Günter Seggebäing, CC BY-SA 3.0


    Das Hotel Drei Kronen in Tecklenburg hat seit 15 Jahren ebenfalls blaue Gefache und Schwarzes Gebälk. Vorher hatte es bestimmt 30 Jahre lang hellblaues Gebälk, sicher nicht denkmalgerecht, aber es sah überraschend vornehm und leicht aus und hat mir immer gut gefallen. Der Hotelbesitzer hat übrigens lange um sein blaues Hotel gekämpft weswegen die blauen Gefache sicher ein Zugeständnis sein dürften.


    Vorher:

    https://foto.hrsstatic.com/fot…tel_outdoor_area-3624.jpg


    Heute:

    https://cf.bstatic.com/images/…1024x768/152/15264221.jpg


    Vielleicht ist das auch nur eine Mär, die ich bloß vom Hören-Sagen kenne. Sehe nämlich gerade, das Hotel Drei Kronen steht überhaupt nicht auf der Denkmaliste (typisch!), obwohl im Festsaal zB der Renaissance-Kamin aus dem ehemaligen Schloss transloziert wurde und das Hotel exzellent erhalten ist. Umso glücklicher, dass es auch ohne Denkmalschutz über die Jahrzehnte so behutsam gepflegt wurde.



    Um 1900 war das Drei-Kronen übrigens verputzt.


    AK-Gruss-aus-Tecklenburg-Panorama-Hotel-Drei.jpg

    (gemeinfrei)


    Ob das der Erstzustand war? Ich bin mir nicht sicher, ob das Haus nicht doch im Kern älter ist, obwohl es schon sehr nach 19. Jhd. ausschaut. Und bis in die 1970er Jahre waren viele Fachwerkhäuser in Teckelnburg verputzt, erst dann begannen umfangreiche Freilegungen des schlichten Tecklenburger Fachwerks.

    Insgesamt ist Münster gut durchgekommen, aber es ist auch überproportional vieles stumpf abgerissen worden.

    gut durchgekommen würde mir Kontext mit Münster zwar niemals einfallen, aber man hätte es schlimmer machen können. Doch seit dem Wiederaufbau des Prinzipalmarktes hat sich eigentlich keinerlei Verbesserung in Münster ergeben. Vielleicht ein bisschen das München-Syndrom? Der Wiederaufbau hätte jedenfalls mindestens in Prinzipalmarktqualität viel großflächiger sein müssen. Was manch polnische Stadt mit viel geringeren Mitteln auf die Beine gestellt hat, hätte doch eine reiche Kaufmannsstadt wie Münster in 70 Jahren sukzessive auch schaffen können, doch mal wollte nicht, ebenso wenig wie man ein Interesse daran hatte, das historistische Erbe in Münster zu wahren. Prinzipal/Roggenmarkt als gute Stube reicht ja als Postkartenmotiv, was will man mehr. Dass darüberhinaus das alte Münster nahezu restlos ausgelöscht wurde, scheint niemanden zu stören.


    Einige hochaufgelöste Bilder der immensen Kriegszerstörung Münsters, der man sich immer bewusst sein muss. Zumindest hat man alle Kirchen halbwegs gescheit wieder aufgebaut. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

    http://www.trolley-mission.de/…ie-06-11-us-air-force.jpg

    https://www.wn.de/var/storage/…ster_image_1024_width.jpg

    Weiß jemand, wie hoch in etwa der Fachwerkanteil in der Altstadt gewesen ist? Lässt sich das auch in den Luftbildern erkennen? Fachwerk hatte in Münster ja nie eine so große Bedeutung wie beispielsweise in Osnabrück, das bis heute eine ganze Reihe an repräsentativer barocker Fachwerkbauten aufweist, es war immer mehr Not als Tugend, doch der Anteil an einfachen (oft wohl verputzten Fachwerkhäusern dürfte nicht gering gewesen sein). Oder fallen euch bedeutende (abgegange) Fachwerkhäuser aus Münster ein? Der Drubbel hatte große, verputzte Fachwerkhäuser, gab es vergleichbare? Viel wird wohl in der Gründerzeit zerstört worden sein.

    Na endlich.Ja,es ist etwas schade.Ein Nahwinkelobjektiv wäre eindeutig sinnvoller.Wozu ist aber noch die alte Webcameinstellung aktiv?

    Teleobjektiv, nicht Nahwinkelobjektiv, mindestens Schmalwinkelobjektiv müsste es heißen ;) Dichter ran hätte es aber auch getan, beim Berliner Schloss sind es ja auch Ultra-Weitwinkel. Aber man kann halt (auch aufgrund der riesigen Auflösung) sehr dicht hereinzoomen. Sicher auch alles eine Kostenfrage und wer vom Team da wie viel Zeit und Ressourcen überhatte.

    Vielen Dank für die wunderbaren Zittau-Impressionen, lieber Villa!. Zittau und das Zittauer Gebirge haben mich bei meinem Besuch vor Jahren sehr beeindruckt, eine wirklich eine unterschätzte und kaum bekannte Region. Zittau ist nicht groß, aber bietet so manches Juwel barocker Bürgerhausarchitektur und ist auch städtebaulich ist es ganz wunderbar komponiert, was man auch deinen Bildern entnehmen kann.

    Und auch landschaftlich ist es dort wirklich spektakulär:


    https://oberlausitz-bilder.de/…12/11/HPB_120725_067w.jpg


    https://media04.berliner-woche…6/90506_XL.jpg?1564317366


    https://bilder.t-online.de/b/8…le-ins-visier-nehmen-.jpg


    Auf der tscheschischen Seite:


    https://d2gg9evh47fn9z.cloudfr…00px_COLOURBOX8266062.jpg


    Quote

    In der nahegelegenen, klassizistischen ev. Johanniskirche, der Stadtkirche:

    Übrigens von Schinkel und seinem Schüler Carl August Schramm klassizitisch umgestaltet worden; das beeindruckende Rathaus im Rundbogenstil stammt ebenfalls von Schinkel.

    Ich hoffe, es ist nicht unerwünscht, wenn ich nach und nach die Filme Dieter Wielands hie und da, wo es passt, einpflege.


    Hier ein kritischer Blick auf den neobajuvarischen Landhausstil, von Wieland als "Jodlerstil" verhöhnt. Wieland nicht nur ein unglaublich strenger Lehrer wider allen Kitsches, sondern auch ein Rhetoriker gleichen Ranges wie der Rhetoriker und Redner Franz Josef Strauß.

    Einige Kostproben (lange nicht die besten. Verzeiht auch meine grottenschlechte Umschrift des bairischen. Aber es war nicht ins Standard-Deutsche übersetzbar)

    "Joa herrschaftszaitn, a Windbred is do koa Raizwäschn!"


    "Gsund samma, schmalz hamma, hund samma, und an flins hammer a."
    sinngemäß: wir sind gesund, haben Kraft (Schmalz), wir sind Schlitzohren (gewieft, schlau) und Geld (Vermögen) habern wir auch.

    Ohne die Translotion ins Freilichtmuseum wären diese Gebäude ansonsten alle verloren gegangen.

    Trotzdem fehlen sie umso schmerzlicher in den Dörfern, sie sind ihnen regelrecht entrissen worden. Ein transloziertes Haus in einem Freilichtmuseum ist doch nur der halbe Spaß, so schön die Rettung ist. Aber natürlich, diejenigen, die Häuser retten können (in nahezu allen Fällen) nichts für den Grund, dass sie an ihrem alten Standort nicht stehen bleiben konnten sondern haben sich vielmehr verdient gemacht.

    Was mir nicht gefällt, sind Translokationen im globalen Kontext. Also, wenn die Chinesen irgendwann ausreichend Geld bieten, um Schloss Neuschwanstein zu kaufen, abzutragen und in Wuhan neu aufzubauen, wäre ich dagegen.

    Spannend wäre es, sich die Frage beim Pergamon-Altar oder Ischtar-Tor zu stellen, auch unabhängig von der Kolonialismus und Kunstraub-Debatte.

    Die Translokationen ja schon selbst wieder historisch und wichtiger Teil europäischer Museumskultur, ohne die strukturelle Rekonstruktion der genannten Großexponate hätten diese auch nie die Würdigung und Prominenz erfahren, die sie haben, überhaupt wurde die Architektur erst wieder erlebbar.

    Es ist aber auch eine Krux. Ein Zootier ist besser als gar kein Tier und doch hat das Zootier nichts mehr mit dem wilden Tier gemein. So ähnlich verhält es sich mit kulturfremd translozierten Gebäuden, denn Ort und Gebäude bedingen sich eigentlich gegenseitig. Ohne das eine fehlt dem anderen etwas essentielles und entweder schafft man aus dem fragmentieren, entkontextualisierten etwas neues (wie die Obelisken in Rom im ganz neuen, barocken christlichen Kontext) oder man hat auf immer einen Fremdkörper, der, wenn er wenigstens halbwegs sinnvoll dastehen soll, irgendeiner kuratorischen Einbindung bedarf.

    Natürlich ist es mir auch lieber, dass ein Kunstschatz nicht zerstört wird, weil er in Europa ist, statt drüben vom IS zerstört zu werden

    (das gleiche hätten sich die Amerikaner oder besser ein neutraler Schweizer auch über die deutsche Kunst während des II. WK denken können. Wir hätten nicht schlecht gestaunt, hätten die Schweizer in Eigeninitaive den Kölner Dom abgebaut und bei sich eingelagert oder in Bern wieder aufgebaut) und trotzdem wäre es immer ein kulturfrevel sondergleichen zB. prophylaktisch die Tempel in Petra abzubauen und bei uns ins Museum zu stellen. Eine Translokation kann also niemals die optimale Lösung sein im Vergleich zu einem Erhalt vor Ort, sofern das möglich ist. Wenn es nicht möglich ist, oder der Wille fehlt, so ist eine Translokation eine Schadensbegrenzung, mehr nicht. Das gilt ganz allgemein, nicht nur bei globalen Translokationen. Abu Simbel ist als translozierte Kulisse (mit einem hohlen Berg aus Beton) besser als eine Totalzerstörung, aber dennoch hat die Verlegung dieses Bauwerk massiv beeinträchtigt.