Posts by Kaoru

    Ich wusst nicht ganz wohin damit, aber ich habe mich ja mal etwas über die Dachlandschaft der Dresdner Kunstakademie belustigt:


    Nun habe ich mir mal das Palais Bourbon, den Sitz der Französischen Nationalversammlung in Paris angeschaut, das scheint der Kunstakademie Dresden Konkurrenz zu machen mit seiner aufgemauerten Attikakulisse:


    https://www.google.de/maps/sea…0.83t/data=!3m1!1e3?dcr=0


    https://www.google.de/maps/sea…3.71t/data=!3m1!1e3?dcr=0


    Fallen euch ähnliche, kulissenhafte Architekturfassaden oder andere skurille Dachlandschaften ein?

    Vorallem steht das Astoria seit bald einem Jahr ohne Dach da , das beunruhigt mich mit am meisten. Das alte Dach war ja noch soweit intakt, dass es das Gebäude schütze. Ich hoffe, der Substanz nimmt nicht noch größeren Schaden.

    Für mich noch unklar ist auch das Schicksal des historischen Abschnitts in der Geberstraße. Die Innenhofbebauung ist ja bereits abgerissen, ebenso der schlichte (aber unaufdringliche) 50er Jahre Flügel in der Gerberstraße links, eigentlich schade drum, zumindest besseres wird kaum kommen. https://www.google.com/maps/@5…R0ePTg!2e0!7i13312!8i6656


    Nun habe ich aber schon mehrfach gehört, dass auch der mittlere Bau auch abgerissen werden soll. Dafür spricht, dass er bisher ganz unbeeindruckt von den restlichen Arbeiten kein Gerüst erhalten hat, das Dach blieb auch unangetastet.

    Vorne in der Mitte, so schaut es bis heute dort aus:

    https://www.lvz.de/var/storage…nt_big_teaser_article.jpg


    Doch mw. ist dieser Teil nicht wie die große Erweiterung in den 1950ern erbaut worden (zum Glück lässt man das ja stehen) sondern stammt noch aus 1915. Neben dem Schriftzug "Hotel Astoria" weißt er die gleichen Stilmerkmale wie die Hauptfassade auf und ich sehe nicht ein, warum dieser Teil weniger schützenswert sein soll. Ein Abriss wäre wirklich jammerschade.

    Interessante Dokumentation zur Versetzung des Tempels von Abu Simbel. Angesichts dessen, dass bei Rekonstruktionen hierzulande Standortabweichungen von ein paar Metern schon Projekte behindern, kann man sich bei den dutzenden Tempeln, die wegen des Nassersees verlegt wurden, nur an den Kopf greifen:Teilweise wurden sie mehrere hundert Kilometer von ihrem Originalstandort entfernt wieder aufgebaut, gerne auch dichter beisammen, dass sie einfacher für Touristen zu besuchen sind.

    Es ist völliger Unsinn den Wert eines Kunstwerkes nach der Art seiner Finanzierung zu bewerten!

    Und umso schöner ist es doch, dass man es nun besser macht und das neue Berliner Schloss durch demokratisch legitimierte Entscheidungen und freiwillige Spenden finanziert wurde, natürlich ist eine Demokratie und selbst eine Nicht-Monarchie in der Lage Schlösser zu bauen (wenn auch mit neuer Funktion), Berlin, Potsdam und auch Braunschweig sind dafür wunderbare Beispiele.

    Für die Stadtreparatur würde ja eine Rekonstruktion der Kubatur und Fassaden ausreichen. Das Innere kann ganz neu gestaltet werden.

    Wobei ja gerade der Innenraum wirklich herausragend war und somit eine Rekonstruktion absolut gerechtfertigt ist.
    Die Pilzsäulen haben geradezu etwas proto-futuristisches und lassen sich als klassizistische Interpretation gotischer Fächergewölbe lesen.



    https://www.timothyselvage.com…eterborough-vault-002.jpg

    Der Entwurf hat durchaus Potential, jeoch müsste man einiges ändern, dass er wirklich gelungen wäre:


    Es bräuchte roten Klinker, gerne mit fehlgebrannten Steinen um eine lebendige Textur zu erzeugen, wie bei den backsteinexpressionistischen Bauten.


    Die Basis müsste eigentlich über zwei, wenn nicht sogar über drei Geschosse gehen, dann wirkt die Auskragung gleich viel spektakulärer und erdrückt das Erdgeschoss nicht so.


    Die abgeschrägte Ecke sollte man mit einer Monumentalskulptur betonen, auch wenn Engels- oder Heiligenstatuen aus der Mode sind:


    https://www.raphaelsklinik.de/…Hochhaus-3_924607dd40.jpg


    Alternativ gerne auch sowas ;) :


    https://herrberndmeyer.files.w…s.com/2015/05/igp8386.jpg


    Man könnte auch einen Schiffsbug mauern, mit Bronzeapplikationen


    Natürlich alles vollkommen utopisch.


    Nicht zu letzt müsste die Eckbetonung auch auf das Dach übergreifen, sich zB in Filialspitzen oder Maßwerk ausdrücken.


    So aber verschenkt das Gebäude alles Potential, das in ihm wohnt: die Formen und Energien verpuffen, anstatt sich zu entfalten

    Die sich bei mir in diesen Zusammenhang einstellenden, noch ganz anderen – weiterführenden, schwärzeren – Gedanken, behalte ich besser für mich. Es reicht darauf hinzuweisen, daß man in den letzten Jahren gelernt hat, reihenweise Pferde vor den Apotheken….

    Ach ich bitte dich... und die Notre-Dame wurde vom Pariser Fremdenverkehrsamt angezündet, um die Übernachtungszahlen zu steigern.

    Man muss wahrscheinlich Gdansk mit Münster

    In Münster ist nur der Wiederaufbau des Prinzipalmarktes und dessen Verlängerung über den Roggenmarkt auch nur ansatzweise mit Danzig zu vergleichen, in Danzig wurde ein vielfaches mehr auf mindestens diesem Niveau wiederaufgebaut (mir fehlt das Wissen zu Danzig, um die freien Intepretationen dort genauer bewerten zu können)

    der alte Dom von Schinkel

    Für sich genommen sehr schön, aber für eine Weltstadt? Vielleicht hätte man den neuen Dom wo anders hinbauen sollen und den alten stehen lassen können. Aber Berlin hat nach etwas gesehnt, das zumindest so tut, als könnte es sich mit Petersdom, Isaakkathedrale oder St. Paul's Cathedral messen.

    Stüler hatte 30 Jahre vor Raschdorff einen klassischen Zentralbau entworfen. Der hätte mir gefallen.

    Der Stüler-Dom gefällt mir insgesamt auch besser, als der Raschdorffsche (mit dem ich mich mitlerweile angefreundet habe), doch auch hier sehe ich Schwächen:


    Die Feingliederung der Fassade, exemplarisch die Drei Akkardenstockwerke der vier Eckttürme oder aber auch die Zwerggalerie wirken zu filigran und zu kleingliedrig für den sonst so großen, monumentalen und klaren Baukörper des Doms.
    Die Vermittlung klappt nicht wirklich, es wirkt so, als habe man Versatzstücke aus einem Modell kleineren Maßstabs verwendet.
    Man schaue sich die Dreiergruppen von Bogenfenster unterhalb der drei Fensterrosen (genial!) an der Seite an, hier stimmt das Verhältnis zwischen Kubatur und Gliederung. Auch der grandiose Säulenaltan passt in die großzügigen Verhältnisse.
    Die Zwergengallerie der Kuppel stört weniger, denn hier haben wir zusätzliche eine Ebene, die zwischen dem Maßstab der großen Bogenfenstern der Kuppel und den kleinen Akarden vermittelt, nämlich die etwas größeren Fensterdreiergruppen des Kuppeltambours.

    Als reine Portfolio-Arbeit habe ich in den letzten Tagen den Münsteraner Dom im Zustand zur Mitte des 16. Jahrhunderts gezeichnet


    Die Perspektive ist gut gewählt. So konntest du die grauenhafte Westfassade aus den 50ern ignorieren.


    Nun, vielleicht ist auch die Zeit klug gewählt, im 16. Jahrhundert gab es die Fassade aus den 50er Jahren noch nicht, sofern du die 1950er Jahre meinst ;)


    Im übrige stimme ich dir aber zu, die neue Westfassade, jene "Wählscheibe Gottes" oder "Seelenbrause" ist ein Kulturfrevel erster Güte. An einem Neubau nichts verwerfliches, aber der St. Paulus-Dom zu Münster ist nicht irgendeine Vorstadtkirche.

    Mir fiel bisher auf daß die Stilkunde hier etwas zu kurz kommt, was natürlich auch da zu führt, daß Stilrichtungen durcheinander gebracht werden - so wird hier häufig die Dadaistische Moderne mit Bauhaus oder gar dem Brutalismus gleichgesetzt; so wie Jugendstil und Artdeko in die Gründerzeit verortet werden.

    Da ist aber schon der Begriff "Gründerzeit" ungenau und umgangssprachlich und m.E. für eine differenzierende Stilkunde eher ungeignet, genauso wie die "Belle Époque", zumal mal von einem Zeitraum, (1871-73? oder gar bis 1914?), mal von einem "Gründerzeitstil" gesprochen wird. Und auch das, was man als typischen Gründerzeitstil verortert, ist unscharf umrissen: Sein Wesen, die Kunst- und Geistesströmungen, die ihm zu Grunde liegen sind teils vollkommen contraire, haben aber doch in ihrer Umsetzung de facto erstaunlicherweise teilweise zu sehr ähnlichen Resultaten geführt, zu "Gründerzeithäusern".
    So ist der Jugendstil eigentlich eine Gegenbewegung zum späten Historismus. Trotzdem wurde das Jugendstil-Ornament, da schick und modern, ab kurz vor 1900 teils eklektizistisch an Häusern angewandt, die strukturell historistische Fassaden haben und im Habitus her das sind, was man als Gründerzeithaus wahrnimmt. Somit sind diese eigentlichen Gegensätze, Jugendstil und Historismus eine Symbiose eingegangen, die typisch "Gründerzeit" ist. Selbst das Art Déco lässt sich nicht einfach ausklammern (gleichwohl es in Reinform natürlich erst in der Zwischenkriegszeit auftritt) doch hat der Reformstil der 10er und 20er Jahre (der oft auch gar nicht so einfach vom Jugendstil zu trennen ist, gewissermaßen ein monumentalisierender, purifizierender Spätjugendstil) ebenso den Anspruch, handwerkliche und ästhetische Qualität über den Massenpomp des Historismus zu stellen (und entwickelt darin teils Ornamentik, die das Art Déco antizipiert). Doch sind es doch oft ebenso jene Gebäude, die als letztes großes Auflehnen des Historismus wahrgenommen werden können: ein sublimer, edler, heroischer Historimus, befreit von aller sentimentalen Lieblichkeit; aber irgendwie auch, nunja... "Gründerzeit".
    Und nun haben wir nur das eine Ende der ominösen Gründerzeit gepackt und nur assoziativ einige wenige ihrer Wendungen, Widersprüche und Wensensarten skizziert , das andere, ihr Ursprung, im Nebel zwischen Romantik, Klassizismus bzw. deren Spätgebärden ist mindestens ebenso vielschichtig und komplex. Auch wurden hier die wirtschaftlichen, soziologischen und städtebaulichen Bedingungen der "Gründerzeitarchitektur" nicht behandelt.
    Vielleicht habe ich aber mit dieser kurzen Ausführung deutlich gemacht, dass "Gründerzeit" als Begriff für eine genauere Stilkunde eben mehr Verwirrung und Indifferenz schafft und nur wenig dazu taugt, Indifferenzen anderer (seien sie bewusst oder unbewusst) zu kritisieren.

    Interessant, dass die Bauteile des Schlosses gen Osten hier wie elendes Gerümpel aussehen. Als wäre gerade Sperrmüllwoche gewesen.

    Wo bitte siehst du elendes Gerümpel?
    Und der jetzige Betonriegel? Kommt nicht mal Ansatzweise an dieses "Gerümpel" ran, stört, spreizt, blockiert und erdrückt das Schloss von Osten her.

    Entlang des Hafens haben sich bedeutende Teile der Stadtmauer erhalten können:




    Sogar eine gotische Pforte gibt es, gleichwohl die Häuser die sich uns dahinter zeigen, einen bittren Vorgeschmack auf die eigentliche Stadt geben:



    Daneben hat man versucht, angepasst zu bauen, die Ziegelauswahl war nicht so recht glücklich.



    Da wirkt dies kleine, reetgedeckte Hafengebäude auf der anderen Seite schon passender:



    Der Camminer Botten, begrenzt durch die Inseln Wollin und Gristow zeigt sich uns je nach Perspektive als See:


    Und spielt manchmal Meer. Die Stadt lebt vom Wasser, umarmt es, verneigt sich vor ihm. Die Präsenz des Wassers verleiht diesem kleinen, geschundenen Städtchen etwas großes, Erhabenes.


    Manchen wurde das Wasser auch zum Verhängnis:


    2016 geborgen, bis 2018 restauriert, präsentieren sich uns hier die Überreste eines Segelfrachters aus dem 19. Jahrhundert.



    Doch auch neue Schiffe, Segelyachten, Boote, dürfen wir in der im Schoß der Stadt liegenden Marina bewundern:


    Fortsetzung folgt!

    Wie versprochen wollen wir uns nach Treptow nun das hinterpommersche Städtchen Cammin anschauen.


    Der Kurort Cammin liegt landschaftlich unglaublich reizvoll am Camminer Bodden. Der Ort ist belebter und frequentierter als etwa Treptow, gleichwohl der Ort auch nur 8.000 Menschen zählt, lebt er doch besser vom Tourismus und liegt auf dem Weg von bzw. nach Wollin und Usedom.


    Wie wir schnell sehen werden, ist die eigentliche Altstadt leider kriegsbedingt als Totalverlust zu werten. Das einzige Positive an diesem Umstand ist, dass es mir so möglich war, binnen der halben Stunde Aufenthalt die ich dort hatte, im Rekordtempo durch die Stadt zu spurten und doch alles Wesentliche abzulichten.


    Warum überhaupt eine Gallerie von Cammin? Nun zwei Dinge muss man dieser Stadt zu Gute halten: Zwar ist die Stadt eine Plattenbauwüste, kaum mehr als das wiederaufgebaute Rathaus und Teile der Stadtmauer sind von der alten Stadt übrig geblieben, doch ist es die freundlichste und angenehmste Plattenbauwüste die ich kenne und sie profitiert sehr von der herrlichen Lage am Wasser. Und der zweite Umstand, der für mich Cammin nicht verloren gibt und der für dieses Forum sicherlich relevanter sein dürfte ist der, dass sich mit Dom und Bischhofshaus ein großartiges Ensemble erhalten hat, ohne dass man kaum einen vollständigen Begriff pommerscher Gotik und Renaissance erhalten dürfte und der barocke Orgelprospekt des Camminer Doms gehört für mich zu den schönsten der Welt.
    Doch dazu kommen wir später, in der Hoffnung ein wenig Appetit auf Cammin gemacht zu haben, beginnen wir beim Äußeren hin zum Inneren, vom Weltlichen zum Geistlichen, beginnen wir am Hafen, beginnen wir mit Trümmern und steigen wie der Phoenix aus der Asche:




    Gegenüber ist ein wuchtiger Speicherbau der noch eine Nutzung hat.





    Und schauen wir auf, erhebt sich uns gleich einem Märchenschloss der (einzig erhaltene) Torturm der Stadtbefestigung, das Wolliner Tor:






    1308 errichtet, wurde hier wohl irgendwann eine neue Decke eingezogen:



    Das Stadttor beherbergt das Stadmuseum.
    Wahrlich, eine kleine Traditionsinsel von der man sich nicht blenden lassen darf. Das hier sind weit und breit die einzigen alten Gebäude.



    Außer natürlich diesem hier, das Bild auf dem Plakat kommentiert recht treffend, was diesem Haus geschehen ist:



    Eh wir uns in die Stadt hineinwagen, schleichen wir im nächsten Beitrag noch nordwestlich an der Stadtmauer entlang um mehr von ihr und dem Hafen sehen. Fortsetzung folgt!