Posts by Minifutzi

    Vielleicht ein Resultat des modernen Kunstbegriffs, nach dem nicht mehr die handwerkliche Ausführung, sondern der schöperische, kreative Prozess die eigentliche Kunst ist.
    Wer in der Szene ernst genommen werden will, muss irgendwas kreieren - und wenn es Fettecken sind (um auf ein aktuelles Thema Bezug zu nehmen :wink:).

    Ich habe noch nirgends von seriöser Seite das Argument gehört, Rekonstruktionen seien pauschal undemokratisch (Ausnahmen mögen so belastete Bauten wie die Garnisonkirche in Potsdam sein).

    Pauschalisieren möchte ich das tatsächlich nicht, wie die von dir genannten Beispiele ja zeigen. Aber die von mir beschrieben Praxis begegnet einem jedoch auf Schritt und Tritt.
    Gerade in der jüngsten Debatte um die Rekonstruktion des Frankfurter Schauspielhauses wurde diese Argumentation doch wieder deutlich.

    Hier nur auf die Schnelle ein Biespiel aus der FR:


    "Das Glasfoyer mit seiner Transparenz und den schönen „Wolken“ von Zoltán Kemény steht exemplarisch für den Aufbruch in eine demokratische Kultur der Nachkriegsära. Der Dialog von Außen und Innen, den die Glasfassade ermöglicht, die ihrerseits wie ein Gesicht auf die Stadt schaut, war in den 60er Jahren ein Statement der ästhetischen Moderne. Es unterstrich, dass die Stadtgesellschaft offen sein wollte für Neues."


    Der Seeling-Bau schotte sich dagegen in seiner monumentalen Wucht nach außen ab und sei deshalb das genaue Gegenteil usw. usw.

    ... Die Wohnungsnot war riesig, der Druck des Wiederaufbaus auch. Es musste schnell Wohnraum geschaffen werden und die schlimmsten Kriegszerstörungen beseitigt werden, damit Infrastruktur und Verwaltung wieder funktionierten. An filigrane Rekonstruktionen war abgesehen von einigen Leitbauten kaum zu denken...

    Das Problem hatten die Polen aber auch tegula. Und trotzdem haben die's mit dem Wiederaufbau ihrer Innenstädte hinbekommen.

    Was die Grabenkämpfe angeht gebe ich dir aber recht.


    Meiner Ansicht nach, ist der Kern des Problems auch eher ein anderer.

    Zeitgenössisch zu bauen ist für die allermeisten Architekten schlicht einfacher. Es bedingt weniger Planung, entspricht dem was in der Hochschule gelehrt wurde und meistens ist es auch noch biliger (zumindest in den geschönten Vorfeldberechnungen).
    Weil diese Dinge aber natürlich nicht als Argument taugen, warum jetzt hier der nächste Riegel anstatt einer Rekonstruktion entstehen soll, bedient man sich einer moralischen Begründung und welche wäre da geeigneter und durchschlagender als die Alternative "undemokratisch" zu nennen. Die Entscheider in der Politik trifft das ins Mark und wer will sich schon dem Verdacht aussetzen rückwärtsgewandt zu sein. Den Investoren wiederum ist eigentlich schnuppe was gebaut wird, hauptsache es bringt fette Rendite.

    Somit ist ein Großteil des Gefasels über rechte und linke Räume eine Scheindebatte, die von den Architekturbüros angeschoben wird, um für ihren Mist einen Käufer zu finden.

    Die Fassade ist definitv weg.

    Ich habe lange in Kassel gewohnt und erinnere mich an einen Artikel über die Einweihung des "wiederaufgebauten" Bahnhofs, in dem die Glasfassde überschwenglich gelobt wurde. Endlich hätte Kassel nun auch einen modernen Bahnhof mit dem es sich sehen lasse könne. Dem alten Backsteinklotz würde wohl niemand nachtrauern, so stand es dort sinngemäß.

    Leider finde ich den Artikel nicht mehr.

    In Zukunft sollten wir also unabhängig davon tätig werden, so schnell wie möglich.

    Ganz meiner Meinung Manuel!
    Es bringt wenig, wenn wir uns hier in unserer Filterblase zu Tode echauffieren.
    Vielmehr muss diese Diskussion in die Öffentlichkeit getragen werden.
    Pressearbeit, Pressearbeit, Pressearbeit,...

    Fatal ist vor allem die Signalwirkung die davon ausgeht und die, so glaube ich, von der Kommission auch durchaus beabsichtigt ist.
    Nämlich: "Liebe Kollegen, wenn ihr euch zukünftig solche Überarbeitungen ersparen wollt, dann verzichtet bitte direkt auf diesen klassischen Firlefanz!"

    Dieses ganze Geblubber von "demokratisch offenen Foyers, die dem angrenzenden Stadtraum etwas zurückgeben" hält man doch ohnehin im Kopf nicht aus (wie 90% der üblichen Architektensprache ebenfalls) .
    Das ist doch einzig und allein Mittel zum Zweck um Glasfassaden schönzureden bzw. an den Mann zu bringen.

    :lachentuerkis::lachentuerkis::lachentuerkis:


    Sie werden angesichts des Sammlungserfolgs nun wütend und schießen aus allen Rohren. Bloß, wer liest und goutiert noch "Frankfurter Rundschau"? :zwinkern:

    Da würde ich nicht drüber lachen. Die Keule, Gegner in die rechte Ecke zu stellen oder zumindest als rückwärtsgewandt zu verunglimpfen um damit zwischen moralisch richtig und falsch zu polarisieren, hat schon so manche niedergestreckt.

    In letzter Zeit vergeht kaum noch eine Woche in der man, wenn man sich etwas mit Städtebau beschäftigt, keinen Artikel über die Notwendigkeit von Begrünungsmaßnahmen (sei es auf Dächern, in Gärten etc.) in Innenstädten liest.

    Baden-Würtemberg verbietet mittlerweile Steingärten.


    Vor diesem Hintergrund macht es wirklich sprachlos, dass rund um das Schloss alles gepflastert werden soll :gehtsnoch:

    Aber vielleicht sind Lüscher und Co ja einfach nicht so im Thema

    Aktueller Bericht der Frankfurter Rundschau


    Die Presse wird nicht müde zu betonen, dass das alte Schauspielhaus "bei den schweren Bombenangriffen von 1944 auf Frankfurt am Main weitgehend zerstört worden" sei, was ja nachweislich Quatsch ist.


    Allerdings eignet sich eine Kriegszerstörung viel besser dazu, einer Rekonstruktion die Legitimation abzusprechen, als ein mutwilliger Abriss in den 60er Jahren.

    Eigentlich sollte man einer solchen Aussage jedesmal direkt einen Leserbrief schreiben.

    Ach Leute, spart euch die Zeit über sowas nachzudenken.
    In Kassel ist nun wirklich GAR NICHTS mehr zu retten.


    Alles was da neu gebaut wird macht's nur schlimmer und schlimmer (siehe Grimmwelt).
    Das Finanzzentrum auf Fuldatalers erstem Bild ist erst wenige Jahre alt.


    Zudem wurden, wie schon gesagt, fast sämtliche Straßenverläufe geändert.
    Die Planer haben sich damals vorgenommen die Stadt auf ewig zu vermurksen und das hat auch ganz gut geklappt.


    Da sollten wir uns lieber auf Städte konzentrieren, in denen wenigstens noch ein bisschen Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist.