Posts by Juan Martillo

    O nein, o nein, o nein, o nein!
    Das darf nicht wahr sein!


    Das Ganze ist bitter. Es gibt mir schon einen Stich ins Herz, wenn ich bedenke, dass ich im August 2007 noch an dem Haus vorbeigegangen bin und Fotos gemacht habe. Ein komisches Gefühl, dass die jetzt schon historischen Wert haben...






    Puh, das muss ich erst einmal verdauen. Damals konnte man natürlich sehen, dass der Zustand des Gebäudes nicht der beste war. Aber ich muss erbsenzaehler recht geben: In Ostdeutschland habe ich vieles gesehen, dessen Zustand offensichtlich weit schlimmer war. Und siehe da: Einige Jahre später stand es dann doch hübsch saniert da. Warum wird bei einem Haus von dieser Qualität, dieser hist. Aussagekraft, dieser ortsbildprägenden Bedeutung (es steht an einer Hauotdurchgangsstraße) und von diesem alles andere als hoffnungslosen Bauzustand nicht alles daran gesetzt, es zu erhalten?

    Georg Friedrich: Du stellst Fragen! In der Tat habe ich vor allem Partien oder Gebäude gezeigt, die mir gut gefallen. Es gibt in der Altstadt noch einige Schmankerl, die hier noch nicht vorkamen, und einige unansehnliche Straßen. Dort stehen viele Nachkriegshäuser, haben sich große Handelsketten angesiedelt und dort kriegt man nachmittags kein Bein auf den Boden.
    Ich persönlich liebe selbst diese hässlichen Ecken, denn Flair hat die Altstadt eigentlich überall. Vielleicht, weil sie so belebt ist, weil sie alles andere als ein Freilichtmuseum ist. Sie wird v.a. abends stark frequentiert (-> Längste Theke der Welt...) und ist in manchen Ecken regelrecht übernutzt. Aber sei's drum, ich mag sie einfach.

    Ich habe einige Bilder aus der Altstadt zusammengekratzt.


    Das Land-/Amtsgericht wurde 1913 begonnen und infolge der Nachkriegswirren erst 1921 fertiggestellt. Der "Gerichtskoloss" befindet sich in der Mühlenstraße und ist ein rechter Klotz, was man beim Anblick der Fassade nicht sofort vermutet. Für den Bau musste unter anderem ein hübsches spätbarockes Stadtpalais abgerissen werden. Das Gebäude nahm im Laufe seiner Entstehung solche Ausmaße an, das es die Dimensionen der kleinteiligen Altstadt eindeutig übersteigt.
    Und dennoch: Das Gebäude ist inzwischen historisch, man kennt die Situation dort nicht anders und seiner Architektur kann ich persönlich auch einiges abgewinnen (man beachte die Farbigkeit der Ziegel)...








    Benachbart die Kunstsammlung...


    ...und die Kunsthalle. Die alte Kunsthalle wurde im WWII zerstört, die vier Statuen sind ihre letzten Überreste (haben hier Spolien-Funktion). Der brutal-nackte Betonbau ist nach der letzten Sanierung wieder ansehnlicher geworde. Diese Architektur ist aber eigentlich nicht klotziger als die des Land-/Amtsgerichtsgebäudes.


    Benachbart die großartige ehem. Jesuiten- und Hofkirche St. Andreas. Bitte nicht vom aparten gelben Anstrich abschrecken lassen!! Innen findet sich ein grandioser Spätrenaissance-/Barock-Innenraum. Er erhält seine eigentümliche Wirkung durch überreiche weiße Stuckapplikationen, die alle Wände und Decken überziehen. Schmerzlich fehlt der Hochaltar (kriegszerstört). Der Versuch einer Neuinterpretation dieses Raums durch Ewald Mataré ist löblich, aber die schlichte Apsis passt nicht zur Stuckfülle des restlichen Raums. Hier wäre eine Altarrekonstruktion angebracht (wie das geht, kann man in der Paderborner Jesuitenkirche sehen)...



    Gegenüber dem Land-/Amtsgericht in der Mühlenstraße...



    Diese schrägen Fahnenmasten an Fenstern sind auch in der Düsseldorfer Altstadt selten geworden. Früher prägten sie ganze Straßenzüge und waren überall im Rheinland verbreitet.


    An St. Lambertus findet sich niederrheinische Heimeligkeit. Allerdings ist sie in dieser Form erst nach dem Krieg entstanden bzw. wiederhergestellt worden.





    Am Stiftsplatz St. Joseph(1712-16) und dahinter das Theresienhospital (1908-12). Das Theresienhospital ist ein tolles Beispiel für "Bauen im Bestand - richtig gemacht".



    (entschuldigt das Foto :peinlich: )



    Hier ist nur die Fassade alt...




    In der Ritterstraße


    In der Eiskellerstraße


    Rechts die Rückseite der Kunstakademie







    Leipziger


    Ich möchte behaupten, in den Denkmalpflegeämtern bestehen verschiedene Haltungen zu Rekonstruktionen: Die einen sagen, eine Rekonstruktion ist strenggenommen eine Neubauaufgabe (so z.B. die Frauenkirche). Dabei hat die Denkmalpflege erst einmal überhaupt nicht mitzureden. Die anederen monieren, dass bei einer Rekonstruktion in der Regel ein annähernd exakter Zustand des Vorbildes angestrebt wird, also eines verlorenen historischen Bauwerks, das materiell ja überhaupt nicht mehr existiert. Die Wiedererrichter der Frauenkiche können wohl ein Lied davon singen, wie schwierig es trotz guter Quellenlage (Fotos, Pläne, Zeichnungen etc.) und sogar einiger Relikte (der Trümmerberg) war, dieses Ding bis ins Detail nachzubauen. Und nur wenige Bauten sind überhaupt in ihrem unmittelbaren Vorkriegszustand derart gut dokumentiert wie die Frauenkirche (so weit ich weiß eigentlich nur die Kölner Kirchen).



    Wozu führte nun diese Unsicherheit bei vielen Detailfragen der Rekonstruktion? Zu permanenten, wenn auch jeweils sehr kleinen Interpretationen, somit zwangsläufig zu Idealisierungen.
    Die Denkmalpflege hat sich aber etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts zumindest im deutschsprachigen Raum auf Standards geeinigt (dazu entsprechende Schriften von Georg Dehio und Alois Riegl).


    Was meine ich mit "Standards"?


    Die Übereinkunft, dass es primäres Ziel der staatlichen Denkmalpflege sein muss, ein Bauwerk in seinem überkommen Zustand und mit soviel von seiner Substanz wie irgend möglich zu bewahren. Alle Wunden, die einem Gebäude seiner Geschichte geschlagen wurden, sind zu konservieren, da sie unter Umständen wichtige Aussagen über das Gebäude hinaus geben können. Die Geschichte eines Gebäudes sollte erfahrbar, gewissermaßen am Material selbst mit seinen Abnutzungsspuren, Einschusslöchern, Rußschichten und seiner Patina ertastbar sein.


    Wenn denkmalpflegerisches Arbeiten sich überhaupt einer gewissen Nachvollziehbarkeit und Wissenschaftlichkeit unterwerfen möchte, ist dieser "Standard" nach Meinung einer Mehrheit der heute arbeitenden Denkmalpfleger auch in unserer Zeit noch der beste Modus.
    Dass dieses Prinzip des Konservierens der Zeitspuren nicht immer durchzuhalten ist, da oft aufgrund verschiedener Sachzwänge (z.B. Kosten zu hoch, Nutzbarkeit eingeschränkt, konstruktive oder substanzielle Schäden gefährden das Bauwerk) ein Eingreifen und damit ein Verändern unumgänglich ist, zeigt, wie schwer überhaupt der Job der Denkmapflege und des Denkmalschutzes ist. Zumal diese Institutionen seit ihrer Gründung um 1900 unter ständiger Unterfinanzierung leiden.


    Also noch mal: Die Prämisse denkmalpflegerischer Arbeit ist immer noch: Substanzerhaltung.


    Nun zum Pellerhaus:
    Leipziger hat gesagt, dass sich Denkmalerhaltung und Rekonstruktion ergänzen sollten. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Aber im Fall des Pellerhauses stehen sich die Substanzerhaltung und Reko unversöhnlich gegenüber. Was nämlich hier zum Denkmal erhoben wurde, ist nicht ein Renaissancehaus, sondern ein Bau der Nachkriegszeit auf rekonstruiertem Erdgeschoss. Bei einer Rekonstruktion der Renaissancefassade müsste ein denkmalgeschütztes Gebäude abgerissen werden. Aus Sicht einer im Sinne der Riegl'schen Prinzipien professionellen Denkmalpflege wird denkmalgeschützte Substanz (das heutige Pellerhaus) ersetzt durch einen Neubau (Kopie der Renaissancefassade). Damit ist in diesem Fall die von Leipziger angeregte friedliche Koexistenz von Denkmalerhaltung und Rekonstruktion unmöglich!




    Noch etwas zum Thema Bürgerbeteiligung:
    Meine persönliche Erfahrung mit Architektur ist, dass sich die subjektive Sicht auf ein Bauwerk massiv verändert, nachdem sich mit ihm intensiver befasst hat. Genau das tut übrigens die Bauforschung, eine Kernkompetenz der Denkmalpflegeämter: Es werden schriftliche Quellen (Akten oder Literatur) und restauratorische Befunde am Objekt selbst herangezogen und ausgewertet. Diese langwierige und mühsame Arbeit kann uns erst einen angemessenen Umgang mit einem Bauwerk ermöglichen. Oftmals treten völlig überraschende Befunde zutage, die aus einem einfachen Renaissancebau in Eisleben plötzlich ein Luther-Sterbehaus machen.
    Was ich damit sagen will: Um qualifiziert über ein Gebäude und die Frage, was mit ihm geschehen soll, urteilen zu können, muss man erst einmal tüchtig arbeiten. Im Falle des Pellerhauses heißt das zum Beispiel: Man muss verstehen lernen, warum der Architekt die Ruine damals gerade so umgebaut hat und nicht anders. Was hatte er für Absichten, wie interpretiert er das Vorgefundene, welchen Beziehung hatte er zum Vorgängerbau. Erst wenn wir diese mühsame "Einfühlungsarbeit" geleistet haben, können wir uns einigermaßen qualifiziert über dieses Bauwerk und seine Qualität äußern. Ich nehme an, die Mitarbeiter des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege haben dies getan und sind darauf erst zu dem Schluss gekommen, das (neue) Pellerhaus für schutzwürdig zu befinden, was ja ohne Zweifel ein Gebäude ist, das kaum ein Mensch auf den ersten Blick als besonders ansprechend bewerten würde.
    Genau das, den von mir beschriebenen Einfühlungsprozess in die Geschichte eines Bauwerks, kann eigentlich nur eine mit den entsprechenden Mitteln ausgestattete Institution, wie es ein Denkmalpflegeamt ist, leisten. Der Normalbürger kann das überhaupt nicht, schon deshalb, weil er die Zugänge zu den Informationsquellen nicht kennt. Deshalb sollte man die Bürger auch niemals bei Fragen mitentscheiden lassen, die dnekmalgeschützte Bauten betreffen.

    Sorry, aber ich muss noch was zum Pellerhaus loswerden:


    Hier wird von einigen so argumentiert, als würde die Wiederherstellung der Renaissancefassade den damit eintretenden Verlust des 50er-Jahre-Denkmals aufwiegen. Wen wollt ihr denn mit so einer Argumentation überzeugen???
    Vielleicht ein paar Bürger, ja, da werden wohl einige gleicher Meinung sein. Aber nicht die staatliche Denkmalpflege. Die würde zum Glück alles daransetzen, den Verlust des Denkmals - auch wenn es ein 50er-Jahre-Bau ist - zu verhindern, ganz egal, was und wie dann neu gebaut wird. Denn Denkmalpfleger können und wollen keine Architektenzensoren sein!
    Man hat hier ein Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, und ich unterstelle einmal, dass es dafür auch Gründe gab. Die Aufgabe der Denkmalpflege ist nun, sich für die Erhaltung des unter Schutz gestellten Bauwerks einzutreten. Dass einigen hier dieses Gebäude nicht gefällt, ist deren Privatmeinung. Nicht mehr und nicht weniger, zum Glück!


    Die Denkmalpflege hat sich um die Jahrhundertwende einen wissenschaftlichen Standard erkämpft, mit dem sie größtenteils noch heute arbeitet. Erst dadurch hat sie sich freigestrampelt vom Einfluss derer, die in der Wiederherstellung eines idealisierten Vorzustandes ihr Heil suchten (Schinkel & Co).
    Dass ihre Arbeit bei aller Wissenschaftlichkeit auch heute noch nicht unfehlbar ist, dass nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen werden, ist selbstverständlich und es ist unangebracht, daraus ein solches Aufregerthema zu machen, wie es manche hier tun. Wo Menschen arbeiten, machen sie nun mal Fehler!
    Und dass die Dnekmalpflege sich auch um die Baukunst der Nachkriegszeit kümmert, ist sehr wichtig. Spätere Generationen werden es der Denkmalpflege danken, dass sie dem bedenkenlosen Abriss von Nachkriegsbauten - so oft sie konnte - Einhalt geboten hat.
    Wenn manche hier die Nachkriegsarchitektur per se für nicht erhaltungswürdig, ja sogar für dringend abbruchwürdig halten, dann verhalten sie sich nicht besser als die Stadtplaner der 60er Jahre, die den Flächenabriss der Gründerzeitviertel für unbedingt notwendig gehalten haben. Aus diesen Fehlern hat hier offenbar manch einer nicht gelernt!

    saibo


    Was du sagst, ist naiv. Die Architektur soll bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein "Kontinuum" gewesen sein, dann soll der rote Faden plötzlich abgerissen und nur noch Mist produziert worden sein?
    Das ist einfach dummer Unfug!
    Bei allen Architekturen der vergangenen Jahrhunderte handelte es sich um Reaktionen auf bereits Bestehendes. Und meistens hieß die Losung der Baumeister: Das, was man kurz vor uns gebaut hat, ist überholt, wir besinnen uns lieber auf etwas noch älteres. So hat man z.B. im Klassizismus Barock und Rokoko verteufelt und sich auf die Architektur der Antike bezogen. Die Baumeister dieser Zeit arbeiteten in dem Glauben, zu den Traditionen der angeblich höherwertigen Antike zurückzukeheren und sich vom Spätbarock zu lösen. In Wahrheit war aber die gerade die überholte Barockarchitektur das, woran man sich fortan abarbeitete: Indem man den Barock um jeden Preis vermeiden wollte, bezog man sich natürlich zwangsläufig auf ihn. Genauso lief es immer und läuft es auch heute noch: Eine neue Architekturströmung ist - bewusst oder unbewusst! - eine Antwort auf oder ein Bruch mit der vorhergehenden Bautradition.
    Das "Kontinuum" Barock-Klassizismus ist in Wahrheit genau so ein These-Antithese-Verhältnis wie die Beziehung zwischen Historismus und Moderne. Allerdings braucht es seine Zeit, bis wir Menschen das verstehen und erkennen können. Das Nachempfinden solcher Zusammenhänge müssen wir den Kunsthistorikern späterer Generationen überlassen. Wir können nur eins tun: Den Architekten ihr Handwerk überlassen und uns nicht zu ihren Zensoren aufschwingen. Klar, es gibt gute und schlechte Architektur, wie es eben gute und schlechte Architekten gibt. Man darf sich auch gerne einmischen, wenn man denkt, ein Architekt begeht einen Fehler. Man muss aber auch damit leben können, wenn man Neues nicht verhindern konnte (zumindest, solange dabei älteres nicht zerstört wird). Prinzipielle Verdammungen heutiger Architkturtendenzen, wie saibo sie geäußert hat, sind völlig deplatziert.



    Hier wurde schon mehrfach erwähnt, dass der 2. Weltkrieg ein Einschnitt von Außmaßen gewesen sei, die die Rekonstruktionen z.B. vieler Kirchen nach dem Krieg gerechtfertigt haben. Ok, das sehe ich erst einmal genauso.
    Aber auch hier gibt es Grenzen: Dass die Bürger Kölns, die bald nach dem Mai 1945 in ihre völlig zerstörte Stadt zurückkehrten, ein Bedürfnis nach der Wiedererrichtung wenigstens einiger wichitger Gebäude hatten, kann man ihnen nicht verübeln. Dass man aber in Dresden über 50 Jahre nach ihrer Zerstörung die Frauenkirche wieder hingepflanzt hat, kann ich nicht gutheißen. Denn der Wiederaufbau wurde von Menschen forciert, von denen die meisten die Frauenkirche niemals selbst gesehen haben. Diese Menschen können nicht behaupten, der Verlust der Frauenkirche sei ein Identitätsverlust, denn sie haben sie nie gekannt.
    Sie wohl eher eine Art Symbol für die vergangene Vorkriegszeit, in der Dresden angeblich wichtiger, schöner und reicher gewesen sein soll, als es heute ist. Alle Hoffnungen auf eine bessere Zukunft für dieses etwas verschlafene Dresden, an der östlichen Peripherie Deutschlands gelegen, werden in diesen einen Bau hinprojiziert. Viele von denen, die eine Rekonstruktion dieser Kirche geordert haben, meinten damit eigentlich eine Rehabilitation dieser Stadt, deren relative Bedeutungslosigkeit im heutigen Deutschland sie schmerzt und die sich in die ihrer Meinung nach glanzvolle Vergangenheit der Stadt hineinträumen.
    Dass das Projekt der "Wiederauferstehung" Dresdens aber nicht mit dem Neubau der Frauenkirche bewältigt sein würde, ist bald klar geworden. Und geschacksunsicher, wie man dort offenbar ist, kam man auf die Idee, zusätzlich zur Frauenkirche noch den kompletten Neumarkt historistisch neu zu bauen. Dass aber Dresden schlichtweg nicht mehr das Dresden vor `45 ist und auch nie wieder werden kann, das will dort kaum einer einsehen. Die Stadt hat an Einwohnern, an Wirtschaftskraft, an kultureller Bedeutung, an Wohlstand der Bevölerung und sicher auch an Selbstbewusstsein verloren. Diese Rekonstruktionen rund um die Frauenkirche sind wie das Pfeifen im Wald: "Wenn Dresden erst mal wieder so aussieht wie vor dem Krieg, dann kommt alles weitere ganz von allein."
    Dieses Neumarkt-Disneyland ist aber in Wahrheit eine Investorenarchitektur, nicht besser als die im Frankfurter Bankenviertel. Nur warten die Invetsoren hier nicht auf Banker, sondern auf Touristen (Wessis) und deren Geld. Denn irgendjemand von den Rekobefürwortern hat denen eingeredet, dass die davon angelockt werden (was ja teilweise auch stimmt). Mehr braucht man zur Qualität dieser Architektur nicht zu sagen.

    Ein Frevel, mehr kann man dazu nicht sagen. Hier fehlt es noch ganz massiv an Bewusstsein für überkommene Bausubstanz und an Bereitschaft, dazu auch mal ein bisschen mehr Geld hinzulegen (wobei Abbruch und Neubau zusammen ja ohnehin meist teurer sind).
    Ich denke, hier geht der altbekannte Modernitätswahn vieler Bürger (Hauptsache neu!) konform mit dem politischen Kalkül von Ortsbürgermeistern, die ihre Amtszeit unbedingt mit solchen Erneuerungsmaßnahmen schmücken wollen.


    Im Osten ist man da tatsächlich weiter als in den westdeutschen Gefilden. Andererseits muss gesagt werden, dass in den neuen Ländern nach der Wende auch nicht mehr viel da war außer einer unglaublichen Menge an Altbauten, auf das man hätte stolz sein können. Man ist also gezwungenermaßen auf die Idee gekommen, genau daraus Profit zu schlagen. Dieser Prozess steht im Westen noch aus, aber im kiselnden Ruhrgebiet kann man ja schon Ansätze dazu entdecken: Hier sind die Relikte auch der jüngeren (industriellen) Vergangenheit vielfach zu Industriedenkmalen erhoben und als solche auch anerkannt worden.


    Noch ein Wort zur Denkmalpflege: Seid ihr sicher, dass dieses Gebäude nicht unter Denkmalschutz stand?
    Mir scheint es alle Kriterien zu erfüllen, denn die ursprüngliche Gestaltung ist kaum verändert worden.
    Wenn es tatsächlich nicht unter Denkmalschutz stand, kann man dies zum Teil dem nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetz in die Schuhe schieben. Denn hier herrscht das Prinzp der sog. konstitutiven Denkmalliste. Das heißt: Die Mitarbeiter der beiden Landesämter für Denkmalpflege und die Mitarbeiter der Schutzbehörden reisen durchs Land und erheben bei irgendeinem Gebäude den "Denkmalverdacht". Davon wird der Eigentümer in Kenntnis gesetzt. Dann beginnt ein recht langwieriges Unterschutzstellungsverfahren, in dem auch die Meinung des Eigentümers eine wichtige Rolle spielt.
    Dieses Krankenhaus gehört(e) vermutlich der Stadt. Und die wird dem Ansinnen der rheinischen Denkmalpflege, das Gebäude unter Schutz zu stellen, wohl ablehnend gegenüber gestanden haben, weil - vermutlich - Abbruch und Neubau schon länger geplant sind.
    Das Unterschutzstellungsverfahren ist in NRW im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern stark von der Haltung des Eigentümers des entsprechenden Gebäudes abhängig. Wenn nun die rheinische Denkmalpflege das Gebäude unter Schutz stellen will, der Eigentümer das aber ablehnt und darin womöglich noch von der Unteren Denkmalschutzbehörde (bei der Kommune angesiedelt) bestärkt wird, wenn also konträre Positionen vorliegen und keiner von der eigenen abrücken will, dann kommt es zu einer Entscheidung des Ministeriums. Die kann aber auf dem Rechtsweg wiederum angefochten werden.
    Man erkennt, solch ein Verfahren kann sehr langwierig sein, was auch erklärt, warum im Rheinland erst in den letzten zehn Jahren sehr viele neue Denkmale hinzugekommen sind. Bei einigen von denen wurde der Denkmalverdacht schon in den siebziger Jahren geäußert.
    In den meisten anderen Bundesländern gibt es die nachrichtliche Denkmalliste. Hier entscheidet allein das Landesamt für Denkmalpflege, welches Gebäude auf die Liste kommt. Diese Entscheidung kann natürlich, genauso wie in NRW, vom Eigentümer angefochten werden. Der Eigentümer selbst ist aber am Unterschutzstellungsverfahren nicht beteiligt. Wenn ein Gebäude erst einmal unter Schutz steht, schrecken viele Eigentümer vor einem Prozess zurück. Wenn man die Eigentümer aber am Prozess der Unterschutzstellung beteiligt (wie in NRW), so setzen nicht wenige sofort alles daran, den Denkmalstatus ihres Eigentums zu verhindern, da sie erhöhte Kosten befürchten. Bemerkenswert ist, dass es dennoch gelungen ist, auf dem relativ kleinen Gebiet des Rheinlands bis heute knapp 100 000 Denkmale auszuweisen. Nicht genung - da sind wir uns einig. Aber doch eine Lesitung angesichts dieses (für den Denkmalschutz nachteiligen) Verfahrens.

    Jetzt gibts weitere Bilder aus D'dorf.


    Von der vielzitierten Altstadt habe ich zur Zeit leider auch keine Bilder, dafür aber vom nördlichen Stadtteil Kaiserswerth.
    Kaiserswerth hat eine lange eigenständige Geschichte (siehe wiki) und wurde erst 1929 eingemeindet, da das expandierende Düsseldorf immer näher heranrückte (u.a. Bau des Flughafens). Heute ist der Stadtteil einer der teuersten in Düsseldorf, hat sich aber in seiner Altstadt den Charme eines alten niederheinischen Städtchens bewahrt.
    Bekannte Anziehungspunkte sind die Kaiserpfalz (1054, Ruine) sowie die St. Suitbertus-Kirche, die im WK II leider schwer zerstört wurde und die Türme und Teile ihrer Ausstattung verlor. Das wertvollste Stück, der Suitbertusschrein, hat aber natürlich überlebt (http://de.wikipedia.org/wiki/S…tus_%28D%C3%BCsseldorf%29).
    Insgesamt merkt man der Altstadt an: Hier ist genug Geld und Geschmack für denkmalgerechte Sanierungen!


    Die Kaiserpfalz...


    Am Rheinufer...






    An St. Suitbertus...

















    Offenbar ein frühes Wohnhochhaus... oder was könnte das sein?



















    Ich habe Ergänzungen zu Oberkassel.


    Zunächst einen Blick auf die Rheinfrontvon Oberkassel an der Kaiser-Wilhelm-Allee, aufgenommen von der Oberkasseler Brücke. Dieses Bild ist aufschlussreich für die Bebauung des Viertels: schmale Ein- oder Zweiparteienhäuser, selten höher als drei Stockwerke. Dieser Typ von gehobenen Stadthäusern ist eine rheinische Spezialität, hier wohnt man traditionell eher neben- als übereinander. Während z.B. in den gehobenen Wohnvierteln Wiesbadens (abesehen von den Villenvierteln) vier- oder gar fünfgeschossige Mehrparteinhäuser errichtet wurden, wurde im gleichen Zeitraum im Rheinland die Tradition des Dreifensterhauses gepflegt. Am eindrucksvollsten war dieser Haustyp in der Kölner Neustadt vorzufinden, die ja leider zum größten Teil im WK II zerstört wurde. Große zusammenhängende Viertel dieser Art gibt es noch im Aachener Osten, in der Bonner Süd- und Weststadt, in Wuppertal-Elberfeld und eben in Düsseldorf-Oberkassel.
    Dieser Typus des schmalen Stadthauses für die besseren Schichten bezeugt die kulturelle Nähe der Region zum westlichen Europa. Denn ähnliche Bauten kann man noch heute en masse in den ausgedehnten Vorstädten etwa von Antwerpen, Brüssel, Lüttich oder Amsterdam finden, in Antwerpen und Brüssel oft in reinstem Jugendstil!





































    Dieser Kasten steht in Kontrast mit der sonst eher kleinteiligen Bebauung. Ich vermute, er wurde für Mitarbeiter der Rheinbahn gebaut. Er weist gute plastischen Fassedenschmuck auf, der an den Jugendstil-Kaufhof von Olbrich in der Düsseldorfer Innenstadt denken lässt. Schade, dass das Haus so einen scheußlichen Anstrich und billige Plastikfenster hat...




    Dieses wunderschöne Gebäude, das Postamt in Oberkassel, hat vor nicht allzu langer Zeit seine grünen Holzfenster wiedererhalten. Vorher hatte es weiße Plastikfenster ohne Sprossen, was die Wirkung des Gebäudes verdorben hatte. Eine wirkungsvolle kleine Reko! Leider habe ich keine Gesamtansicht der Straßenfassade...




    Hier sieht man ganz links, neben dem weißen Haus, einen Teil der Straßenfassade des Postamtes:



    Die evangelische Auferstehungskirche von 1914. Ein ansehnlicher Bau des niederrheinischen Heimatstils, bereits mit deutlichen expressionistischen Anklängen. Die Kirche ist übrigens auch von innen originalgetreu erhalten und sehr sehenswert, an diesem Tag war sie leider geschlossen.























    Ein Wohnhaus des niederrheinischen Heimatstils...



    ...und hier zwei seiner Fenster. Das rechte ist alt, das linke ist ein neues in enger Anlehnnung an das alte. Das nenne ich vorbildliches Bauen im Bestand.








    Das Düsseldorfer Institut für Denkmalschutz (Untere Schutzbehörde) hält im Internet eine Denkmalliste mit Bild und Baudaten bereit:


    http://www.duesseldorf.de/cgi-bin/denkmal/dsneu.pl




    .

    Noch einiges zur Geschichte von Oberkassel:


    Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Oberkassel dörflich, eher auf dem linken Niederrhein als auf Düsseldorf ausgerichtet. Der Grund: Der hier schon sehr breite Rhein wurde in diesem Bereich erst 1898 durch eine feste (Eisenbahn)brücke überwindbar, vorher gab es nur eine mobile Schiffsbrücke. Der Bau dieser Brücke wurde von einem Konsortium Düsseldorfer Unternehmer vorangetrieben, die 1896 die Rheinische Bahngesellschaft (noch heute als Rheinbahn bekannt) gegründet mit dem Ziel, eine Schienenverbindung zwischen den Großstädten Düsseldorf und Krefeld herzustellen. Mit der Brücke war der Schienenweg nun geschlossen und von nun verkehrte hier die erste Überlandschnellbahn in Deutschland, bis heute als U-Stadtbahn (mit Café-Wagen!) in Betrieb.
    Durch die neue Schnellbahnverbindung und die Rheinbrücke wurde das auf dem linken Rheinufer gelegene Weide- und Ackerland schlagartig zum begehrten Bauland. Da die Rheinische Bahngesellschaft einen Großteil der Grundstücke erworben hatte, konnte hier ein einheitlicher städtebaulicher Entwurf umgesetzt werden. Die Luegallee mit der Schnellbahntrasse bildet als lange gerade Achse die zentrale Erschließung des Viertels und führt auf die Rheinbrücke und damit die Düsseldorfer Innenstadt zu. Das Straßennetz ähnelt dem in der Kölner Neustadt umgesetzten, was nicht verwundert, da auch hier der rheinische Stadtplaner Heinrich Stübben beteilitg war.


    Vor allem in den Jahren bis zum ersten Weltkrieg stieg die Einwohnezahl des linksrheinischen Düsseldorf rasant. Oberkassel wurde zu einer der begehrtesten Wohnlagen in der Stadt, neben den "Beamten" der Rheinbahn zog die Lage am Rhein viele andere Gutverdienende an.


    Oberkassel hat den Zweiten Weltkrieg im Vergleich zu fast allen anderen Stadtteilen glimpflich überstanden. Auch hier sind einige Straßen zerstört und an anderer Stelle einzelne Häuser abgerissen worden, aber insgesamt beherbergt das Viertel das größte geschlossene Gründerzeitviertel der Stadt und ist in seiner Qualität darüber hinaus von Bedeutung.

    Zu guter letzt die Bilder der Wagenhalle am östlichen Endpunkt der Wuppertaler Schwebebahn, in Oberbarmen.
    Wie auf den Fotos zu erkennen ist, ist ein Teil der Außenfassade neu gestrichen worden. Hier wurden, im Gegensatz zur restlichen Fassade, nicht alle hervortretenden Elemente schwarz gestrichen. Was es damit auf sich hat, ob diese abgewandelte Farbfassung eine Rekonstruktion der ursprünglichen darstellt oder ob es aus einer Laune geschah, weiß ich leider nicht.


    Die Wagenhalle soll irgendwann in den nächsten abgerissen werden, ebenso wie die oben gezeigten Stationen. Wie der Neubau aussehen soll, kann ich nicht sagen. Aber es wurde bereits verkündet, dass ein einziges Element der alten Fassade gewissermaßen als Remineszenz in die neue integriert werden soll. Wie auch immer die neue Wagenhalle aussehen wird: Der Abriss wird den Totalverlust von Bausubstanz aus der Erbauungszeit der Schwebebahn bedeuten!






















    Zum Abschluss noch ein Blick auf den Schwebebahnhof Oberbarmen. Er war immer deutlich schlichter gehalten als die benachbarte Wagenhalle, wurde aber vor etwa zehn Jahren seiner historischen Zugänge beraubt. Die sahen früher so aus wie bei der Station Landgericht (also mit Jugendstil-Ornamentik versehene Fassaden und Hauben). Sie wurden durch zwei Aufzugs-/Treppentürme aus Stahl und Glas ersetzt, die überhaupt nicht auf die Reste der alten Station eingehen. Einfach grausig!






    So, das waren die Schwebebahnhöfe und die Wagenhalle, deren Abriss in absehbarer Zeit geschehen soll.
    Ob der Abriss noch abwendbar ist... nun, wenn man ähnliche Vorgänge betrachtet, bei denen die öffentliche Hand Eigentümer des Objekts ist, weiß man, dass eine Kommune bis zuletzt Einfluss auf die Planungen nehmen kann - wenn sie es denn will. Aber der Wille zu einer denkmalgerechten Sanierung der Stationen scheint in der Stadtverwaltung sehr gering zu sein.
    Die denkmalpflegerischen Institionen, also die UDSchB Wuppertal und das Rheinische Amt für Denkmalpflege, haben sicherlich getan, was sie konnten. Bekanntlich besagt aber das Denkmalschutzgesetz (nicht nur in NRW), dass die Denkmaleigentümer eine Sanierung nur soweit denkmalgerecht durchführen müssen, als sie dazu finanziell in der Lage sind. Und da die Stadt Wuppertal sich in einer Haushaltsnotlage befindet, werden die vermutlich höheren Kosten einer denkmalgerechten Sanierung gegenüber einem Neubau als nicht vertretbar dargestellt.
    Die einzige Chance, den Abriss noch abzuwenden, liegt meiner Meinung nach in der Erhöhung des politischen Drucks auf die Stadtregierung. Wenn der Bürgermeister feststellen müsste, dass die derzeitigen Planungen von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt werden, dass er mit einem Abriss den Zorn der Bürger auf sich zieht, dann würden die Pläne sicher geändert. Dann wäre von Seiten der Stadt auch keine Rede mehr von den angeblich 14 Mio. €, die eine denkmalgerechte Sanierung mehr kosten würde.
    Aber ein Aufbegehren der Wuppertaler gegen die geplanten Abrisse ist (noch) nicht in Sicht...

    Der Artikel ist dumm. Die Menschen haben, was das Bauen angeht, schon immer das überkommene, das ältere und vermeintlich wertvollere, reinere gegenüber dem Neuen bevorzugt. Dieses Phänomen ist seit der Renaissance nachzuweisen.


    Neu ist allerdings, das 1:1-Rekonstruktionen immer häufiger auch tatsächlich verwirklicht werden. Was da in Dresden oder in Frankfurt hingesetzt wurde, hat zumindest den Anspruch, eine orignalgetreue Kopie der Vorgänger-Bebauung zu sein. Zum ersten Mal in der Geschichte sehen sich Architekten vielerorts gezwungen, dem Wunsch der Bürger nach Wiederherstellung verlorener Stadtbilder nachzukommen.
    In den eher "rückblickenden" Phasen der Architekturgeschichte hat man es verstanden, den Wunsch vieler Bauherrn nach der Kopie älterer Bauten teilweise nachzukommen, ohne eine (ohnehin utopische) exakte Rekonstruktion tatsächlich umzusetzen. Diese "Kompromisse" hatten neue Stilrichtungen zur Folge, deren Wet heute keiner mehr in Frage stellt (Reniassance, Klassizismus, Historismus).
    Wollen wir es den heutigen Architekten wirklich verwehren, ihrer Kreativität Ausdruck zu verleihen? Wollen wir unseren Nachkommen in den Innenstädten wirklich nur Rekonstruktionen verlorener idealisierter Vorzustände hinterlassen?


    Die Masse der Bevölkerung ist skeptisch gegenüber allem Neuen. Das ist nicht neu und beschränkt sich nicht auf Architektur, davon können alle Aktuere, die sich im öffentlichen Raum bewegen, ein Lied singen (z.B. Komponisten, Künstler, Schriftsteller). Entscheidungen über architektonische Gestaltung eines Neubaus dürfen niemals den Bürgern überlassen werden. Denn dann kriegen wir sie sicher, die Puppenstube! Das heißt natürlich nicht, dass dem Architekten, der im historisch oder städtebaulich sensiblen Umfeld baut, nicht auch Grenzen gesetzt werden sollten. Auch er hat sich auf den genius loci einzulassen, darauf muss man bestehen. Aber die Verhandlungen über solche Probleme sollte man den Fachleuten überlassen. Emotion (und das ist fast immer die Nostalgie) hat hier nichts verloren!


    Zum Glück haben sich die Denkmalämter bislang gehütet, die von vielen geforderten (und nicht selten bereits durchgeführten) Rekonstruktionen verlorener historischer Bauten gutzuheißen. Die Denkmalpflege darf nicht wieder in das frühe 20. Jahrhundert zurückfallen, als man sich anmaßte, den Architekten Empfehlungen für Neubuten zu geben. Das ist zum Glück nicht mehr ihre Aufgabe. Wir können froh sein, dass man sich in den Landesämtern und Schutzbehörden bisher erfolgreich dagegen gewehrt hat, von häufig konservativen Gesinnungen der Öffentlichkeit vereinnahmt zu werden!


    Klug ist, was der rheinische Landeskonservator Udo Mainzer sinngemäß einmal gesagt: Gebt den heutigen Architekten genügend Raum und Möglichkeiten, damit sie Bauten schaffen, die später einmal Denkmal werden können!

    Die angebliche Faustregel "Je reicher, bedeutender oder größer die Stadt, desto höher die (gründerzeitliche) Bebauung" ist Quatsch. Um das festzustellen, genügt ein Blick ins Rheinland: Köln hatte 1910 517 000 Einwohner, war einer der wichtigsten Gewerbestandorte in Preußen und das ökonomische und kulturelle Zentrum der Rheinprovinz. Und trotzdem blieb man hier dem rheinischen Dreifensterhaus treu: ein drei- oder viergeschossiges Haus mit drei Fensterachsen. Es wurden wenige Fünfgeschosser errichtet. Ähnliches gilt für Düsseldorf oder Wuppertal, beide ebenfalls florierende Industriestädte. Hier spielte eine sehr viel ältere regionale Tradition eine Rolle, von der man sich erst nach dem Ersten Weltkrieg löste, indem man großräumige Siedlungen errichtete. In den Altstädten spielt diese begrenzte Bauhöhe noch heute bei Neubebauungen eine Rolle. Das hat nichts mit der Bedeutung oder dem Wohlstand einer Stadt zu tun.
    Wie es sein kann, dass die Städte dieser Region trotz meist niedriger Bebauung so hohe Einwohnerzahlen aufwiesen, zeigt ein Blick auf den Stadtplan: Vergleicht man zum Beispiel Köln und Leipzig etwa um 1920 miteinander, so stellt man fest, dass Köln bei gleicher EInwohnerzahl deutlich mehr bebaute Fläche beanspruchte.
    In Mainz habe ich übrigens beim Hindurchfahren mit dem Zug mehrere Straßenzeilen mit geschlossener fünfgeschossiger Bebauung aus der Gründerzeit entdeckt. So etwas hat es in Köln fast gar nicht gegeben, obwohl die Stadt um 1910 fünfmal so groß war wie Mainz!

    Leipziger hat recht.
    Ich möchte allerdings hinzufügen: Vielleicht ist gerade der Rost an den alten Bahnhöfen, die lecken Dampfleitungen, die alten übermoosten Ufermauern, die Verwahrlosung charakteristisch für Wuppertal. Schon Friedrich Engels hat das Tal der Wupper als düster und eng beschrieben, und auch heute noch vermitteln viele Ecken in der Stadt dieses Flair. Wollte man das beseitigen, ginge eine Eigenart der Stadt verloren. Vollverglaste, reinliche moderne Schwebebahnstationen passen nicht nach Wuppertal! Aber das ist mein subjektives Empfinden und hat erst einmal nichts mit dem denkmalpflegerischen Problem zu tun.




    Jetzt aber noch die versprochenen Bilder von den anderen abrissgefähdreten Haltestellen...


    Die Station Völklinger Straße in Unterbarmen. Die Wellblechdächer sind natürlich spätere Zutaten, die die Haubendächer auf den Aufgängen (siehe beim Landgericht) ersetzten. Man darf nicht vergessen, dass Wuppertal im WK II. schwer zerstört wurde, kaum eine Station ist ohne kleinere Schäden davongekommen. Beachtenswert ist doch, dass die Bahnhöfe trotzdem bis in die letzten Jahre ohne größere Substanzverluste erhalten wurden. Wäre das in anderen (reicheren) deutschen Großstädten denkbar gewesen?











    Nun zur Werther Brücke. Sie ist die aufwendigste unter den erhaltenen Stationen aus der Erbauungszeit. Hier wird der ästhetische Einfluss des Jugendstils besonders gut sichtbar.


    Dieser bezieht sich übrigens nicht nur auf die Ornamentik, sondern auch auf die Gestaltung des Baukörpers. Während um 1900 noch viele technische Bauten und Bahnhöfe in Anlehnung an Schlösserarchitektur errichtet wurden, die den banalen technischen Zweck eines Bauwerks kaschieren sollten, entschied man sich in Wuppertal, den Zweck der Schwebebahnhöfe auch an der Architektur ablesbar zu machen. Die Funktionen dieser Gebäude sollte nicht hinter einer kompakten, eklektizistisch durchgestalteten Fassade verborgen bleiben, sondern für die Passanten ablesbar sein. Die verschachtelten Treppen und Aufgänge führen den Fahrgast "frei schwebend" vom Bahnsteig hinunter zum Wupperufer. Lediglich die sparsam verwendete Jugendstilornamentik dämpft diese technizistische Anmutung etwas.
    Mit diesen gestalterischen Grundsätzen folgte man bewusst einer damals modernen Strömung, die die Sichtbarmachung der Funktion eines Gebäudes forderte, statt sie hinter protzigen Fassaden zu verbergen. Das muss berücksichtigt werden, wenn man die ästhetische Qualität der historischen Schwebebahnhöfe in Frage stellt.


    Noch etwas zum Bahnhof Werther Brücke: Er wurde Mitte der 80er Jahre originalgereu restauriert, spätere Eingriffe wurden dabei rückgängig gemacht. Da auch damals die Stadt wenig Interesse an dem historischen Bauwerk zeigte, wurde die Sanierung privat bezahlt. Nun ist man - wie damals - nicht bereit, für eine denkmalgerechte Instandsetzung Geld auszugeben. Eine Bürgerinitiative hat einen anerkannten Gutachter hinzugezogen, der bestätigt hat, dass überhaupt kein akuter Handlungsbedarf besteht. Die sichtbaren Korrosionsschäden gefährden nicht die Substanz des Bahnhofs und wären durch einen neuen Anstrich zu beheben. Die Stadt will aber zur Tat schreiten, da die Station nicht behindertengerecht ist. Um die Denkmalpfleger und aufgebrachte Bürger zu besänftigen, haben die Stadtwerke vorgeschlagen, den Neubau in enger Anlehnung an den Vorgängerbau zu errichten. Trotzdem würde ein Abriss einen unersetzbaren Verlust an Denkmalsubstanz bedeuten.



    Im Vordergrund die namensgebende Werther Brücke von 1903:






















    Um einmal etwas zu der Rolle der Denkmalpfleger zu sagen: Leider kämpft(e) die Denkmalpflege bei dem Thema "Erhaltung des historischen Zeugniswerts der Schwebebahn" allein auf weiter Flur, alleingelassen von der Politik und der städtischen Öffentlichkeit. Ein trauriger und beklemmender Vorgang, der aber nicht Anlass gibt, auf die institutionelle Denkmalpflege einzudreschen, die wieder einmal nicht genug getan hätte. Denkmalpflegerische Anliegen haben aber oft viele Feinde - so auch hier: Angeblich waren einige Bürger mit dem gedämpften Lichteinfall in den alten Bahnhöfen unzufrieden, sie fühlten sich "bedroht". Dann sind da die klammen öffentlichen Kassen, denen eine Erhaltung alter Bausubstanz nicht zuzumuten sei. Und dann sind da noch die Kommunalpolitiker, die sich gerne mit großen Projekten brüsten, vorzugsweise mit Neubau. Die Zeiten sind gerade für die westdeutsche Denkmalpflege nicht günstig!



    RMA:


    Die von dir gezeigten Bilder zeigen den Schwebebahnhof Döppersberg in seinem ursprünglichen Zustand. Ein phantastischer feingliedriger Jugenstilbau, der aber nur bis 1926 bestand. Dann wurde er abgerissen, da er dem hohen Verkehrsaufkommen nicht gewachsen war (hier steigt man noch heute von der Eisen- auf die Schwebebahn um). 1926 stand dann der Neubau (KÖBO-Haus), der bis heute existiert und beim Umbau vor wenigen Jahren denkmalgerecht saniert wurde.



    BautzenFan:


    Wie die Bürgerschaft zu dem ganzen Thema steht und was die Öffentlichkeit darüber denkt, kann ich dir leider nicht sagen. Mein Eindruck von Wuppertal insgesamt aber ist und bleibt, dass die Stadt und ihre Bevölkerung sich ihres baulichen Erbes immer noch viel zu wenig bewusst sind, trotz Denkmaljahr 1975, trotz knapp 4500 eingetragener Denkmale und trotz starkem Engagement einiger Bürger... Die Stadt, die um 1900 - also zur Zeit des Schwebebahnbaus - eine der wichtigsten Industriestädte Deutschlands war, befindet sich seit etwa 1965 in einer wirtschaftlichen und demografischen Dauerkrise. Im Gegensatz zu ostdeutschen Städten, die aus ähnlichen Erfahrungen neues Potential schöpfen, hat man die Bedeutung seines reichen architektonischen Erbes in Wuppertal noch nicht erkannt. Sehr schade!



    Oliver:


    Hier geht es um ein denkmalpflegerisches Problem, nicht um ein ästhetisches. Meiner Meinung nach darf sich eine professionelle Denkmalpflege nicht zum Sittenwächter aufspielen, die über "schöne" und "hässliche" Architektur urteilt und Anweisungen für Neubauten gibt. Was du dir für das Wupperufer vorstellst und was du dir dort nicht vorstellen kannst, dass ist deine Sache. Das Thema der Denkmalpfleger ist aber, dass hier die historischen Reste eines auf der Welt einmaligen Verkehrssytems bedroht sind, also eines technischen Denkmals ersten Ranges!


    Die Dimensionen eines Denkmals können übrigens sehr vielschichtig sein. Wenn du dich in die Situation im Wuppertal des Jahres 1895 zurückversetzen würdest, könntest du vielleicht verstehen, warum die Schwebebahn mehr ist als "ein Haufen Schrott mit Jugendstilelementen". Es gab da zwei Großstädte im Tal der Wupper, Barmen und Elberfeld. Beide waren prosperierende Industriestädte, beide waren aber auch in ihrer Expansion fast an den Grenzen angelangt, die ihnen das enge Flusstal setzte. Hier unten drängten sich Straßenbahnen, Eisenbahnstrecken, Fabriken und Wohnhäuser dicht zusammen. Die beiden Städte waren bereits zusammengewachsen und bildeten mit ihren Nachbarn, mittelgroßen Industriestädten, eine der dichtesten Gewerbelandschaften Europas.
    Der Idee, den Raum über dem Fluss für den Verkehr entlang der Talachse zwischen diesen Städten zu nutzen, muss man einige Kühnheit zugestehen. Schließlich gab es hierfür keinerlei Vorbild, die Technik war noch lange nicht auf ihrem heutigen Stand. Die Verwirklichung eines solchen Projektes spricht für die Kraft und den Optimismus, der in diesen Städten im ausgehenden 19. Jahrhundert offenswichtlich herrschte. Eine technikgläubige Zeit, wie wir wissen... Im Tal der Wupper hatte man den Mut und das Geld, die Idee zu verwirklichen.
    Die Tatsache, dass die Schwebebahn bis heute mit hoher Auslastung die gleiche Strecke wie vor hundert Jahren bedient, zeigt, dass die Bahn mehr war und ist als "ein Haufen Schrott". Sie war eine gewichtige und durchdachte Antwort auf die Stadt mit ihrer komplizierten Topographie.


    Um es zusammenzufassen: Die Schwebebahn ist ein herausragendes Baudenkmal, unter technischen bzw. technikgeschichtlichen, unter stadthistorischen und unter städtebaulichen Gesichtspunkten (ganz zu schweigen von ihrem identitätsstiftenden und ihrem ästhetischen Wert, den ihr viele Menschen zugestehen). Man kann sagen: Ein großer Wurf für die Stadt, dessen Überreste es verdient haben, als Denkmal eingestuft und auch wie ein solches behandelt zu werden!




    Hier noch ein interessanter Link zu den Vereinbarungen zwischen dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege und der Stadt Wuppertal...


    http://www.fortunecity.de/lind…enstrasse/563/3903-97.htm


    ...und hier der Link zu dem WZ-Artikel vom 10.08.2007, der von den jüngsten und besorgniserregenden Planungsabsichten der Stadt berichtet:


    http://www.wz-niederrhein.de/index.php?redid=169861

    Noch ein paar Bilder!


    Die historische Schwebebahnstation Vohwinkel im April 2007, wenige Monate vor ihrem Abriss:



    Die Aufgänge waren schon 3 oder 4 Jahre vorher durch ein hölzernes Provisorium ersetzt worden:








    Landgericht ist eine der letzten historischen Stationen und soll jetzt auch in den nächsten durch einen Neubau ersetzt werden:














    Bilder von den anderen bedrohten Stationen und der Wagenhalle in Kürze!

    Den drei letzten historischen Bahnhöfen der Wuppertaler Schwebahn und der ebenfalls bauzeitlichen Wagenhalle droht der Abriss!


    Während der letzten zehn Jahre wurde die Schwebebahn in Wuppertal (eine "Einschienenhängebahn System Eugen Langen") durchgreifend saniert. Das stählerne Gerüst wurde inzwischen vollständig ausgetauscht, die korrodierten Brücken und Träger wurde durch exakte Kopien ersetzt. Der Ersatz des Gerüstes war offenbar aus technischen Gründen unumgänglich, das Erscheinungsbild blieb dabei erhalten.


    Nach der Jahrtausendwende begann der Umbau der Bahnhöfe. Vor Beginn des Umbaus waren 17 der 19 Haltestellen aus der Erbauungszeit um 1898-1901, sieht man von der Beseitigung der Kriegsschäden und kleineren Reparaturen ab. Eine der beiden Wagenhallen war im Ursprungszustand erhalten.
    Jetzt, nach dem vorläufigen Ende der Sanierungsarbeiten und der Schaffung einer zusätzlichen Haltestelle, sind noch drei Stationen im Erbauungszustand, eine weitere ist noch teilweise erhalten.
    Die ursprüngliche Planung aus den 90er Jahren sah vor, diese letzten Stationen (Landgericht, Völklinger Straße, Werther Brücke) und die historische Wagenhalle Oberbarmen in ihrem historischen Zustand zu belassen und lediglich notwendige Reparaturen durchzuführen. In diesem Sommer wurde bekannt, dass die Stadtwerke (Betreiber der Bahn) nun den kompletten Abriss und anschließenden Neubau dieser Gebäude verlangen, da eine denkmalgerechte Sanierung nach neuen Berechnungen 14 Mio. EUR zusätzliche Kosten verursachen würde. Nur eine der Stationen, die Werther Brücke, soll danach "in Anlehnung an das historische Gebäude" gestaltet werden.


    Die Denkmalpflege ist verständlicherweise sturmgelaufen. Die Schwebebahn ist ein in Deutschland und darüber hinaus einmaliges technisches Denkmal, das bis vor wenigen Jahren noch auf seiner ganzen Länge ein grandioses Zeugnis der Ingenieurskunst aus dieser Zeit. Sie stellte eine geniale Lösung der damaligen Verkehrsprobleme im Tal der Wupper dar, indem sie den Raum über dem Fluss Wupper als Verkehrsfläche nutzte. Sie steht in engster Verbindung mit der Stadt Wuppertal, ist stadtbildprägend und wichtigstes Identifikationsobjekt. Übrigens war die Wuppertaler Schwebebahn das dirkete Vorbild für die Dresdener Hängebahn in Loschwitz, ebenfalls konstruiert vom Kölner Ingenieur Eugen Langen.


    Aus diesen Gründen war nach Ansicht vieler schon der Abriss der meisten historischen Bahnhöfe ein Frevel. Der Grund für diese Abrisse war lediglich die Tatsache, dass das korrodierte Gerüst ausgetauscht werden musste. Da die Bahnhöfe aber um das Gerüst herum gebaut sind, wäre eine denkmalverträgliche Sanierung teurer gewesen als der Neubau.


    Die Sanierung des Gerüsts und der Neubau der meisten Bahnhöfe ist nun abgeschlossen. Die übriggebliebenen historischen Stationen sind, abgesehen von neuen Anstrichen, nicht sanierungsbedürftig. Trotzdem will die Stadt so schnell wie möglich neu bauen, in den Bahnhöfen seien schließlich dringend Aufzüge nötig...


    Dürfen vorübergehende fiskalische Schwierigkeiten der Stadt für den Umgang mit einem Baudenkmal diesen Ranges ausschlaggebend sein???


    Wie gesagt, der Abriss des größten Teils der Bahnhöfe ist passé. Aber drei historische Stationen existieren noch. Sie wurden übrigens bewusst als Zückerchen für die Denkmalpflege vom Abriss verschont. Die behielt die Wuppertaler Schwebebahn im Gegenzug auf ihrer Liste. Und nun sollen, darum geht es hier vor allem, diese letzten Zeugnisse aus der Erbauungszeit plötzlich auch noch geopfert verschwinden; wieder werden angebliche finanzpolitische Sachzwänge als Gründe vorgetragen. Das nenne ich die klassische Salamitaktik...
    Herr Heimeshoff, Leiter der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde, kündigt an, die Schwebahn aus der Denkamlliste zu streichen, wenn auch die letzten Stationen abgerissen werden, da dann keine bauzeitlichen Zeugnisse mehr übrig seien. Er hat recht. Aber müssten nicht viel mehr Leute aufstehen und dagegen protestieren?


    Hat es die Schwebebahn nicht verdient, ihrem unbestrittenen städtebaulichen, technikkgeschichtlichen und ästhetischen Wert entsprechend behandelt zu werden? Was werden unsere Nachkommen von uns denken, wenn sie dereinst lesen, dass man in Wuppertal diese Bauten aufgrund einer angespannten Haushaltslage in den Jahren um die Jahrtausendwende abgerissen hat???

    Noch ein Nachtrag zum Görresgymnasium in der Bastionstraße, da hier nun mehrfach Bilder gezeigt wurden.



    Das Dachgeschoss und der Turmaufsatz sowie die Zwerchhäuser mit ihren Giebeln sind offenbar vor kurzem rekonstruiert worden. Jedenfalls ist auf einer ca. zehn Jahre alten Fotografie zu erkennen, das dort noch das ganze Dachgeschoss so gestaltet ist, wie man es auf meinem Foto zwischen dem Giebel in der Bildmitte und dem Turm erkennen kann, also als flacher Aufsatz mit durchgehendem Fensterband. Das Mansarddach und die aufwendigen Fenster wurden fast überall wiederhergestellt. Außerdem sind inzwischen die Giebel der Zwerchhäuser (diese fehlen auf dem alten Foto noch völlig), die historische Fensterteilung und der komplette Zinkaufsatz des Turms rekonstruiert worden. Die alte Abbildung, die das noch nicht rekonstruierte Gebäude zeigt, kann man übrgens im Buch "Denkmalgeschützte Häuser in Düsseldorf" von Jörg Heimeshoff finden. Ich schätze ihr Alter, wie gesagt, auf etwa 10 Jahre.


    Leider weiß ich keine Details, wann und unter welchen Bedingungen die Reko stattfand. Dennoch finde ich sie bemwerkenswert, ist doch ein solches Vorgehen in (West)deutschland noch immer die Ausnahme. Meist werden in solchen Fällen denkmalwidrige Eingriffe der sechziger oder siebziger Jahre einfach in moderner Formensprache wiederholt.


    Die Reko des Görresgymnasiums hat jedoch kleinere Partien ausgelassen: Das Dachgeschoss behielt zwischen dem mittleren Giebel und dem Turm das hässliche Flachdach. Außerdem wurde bei einigen Fenstern im 1. OG, in der linken Bildhälfte sichtbar, die historische Fensterteilung nicht rekonstruiert. Diese "Auslassungen" sind wohl praktisch begründet, schließlich wird der Bau noch immer als Schulgebäude benutzt.


    Hier noch einige Fotos:




    Nun zu humanerer Tageszeit weitere Bilder...


    Wir befinden uns in der südlichen Stadteweiterung Düsseldorf, der Karlstadt (mittlerweile heißt sie Carlstadt), die unter den pfälzischen Kurfüsten bzw. bergischen Herzögen im 18. Jahrhundert systematisch angelegt wurde.
    Das Palais Nesselrode und die Citadellstraße werden bereits zu diesem Stadtteil gerechnet, doch seinen Kern bilden die rechtwinklig angelegten Straßen Bastion-, Bilker Hohe und Poststraße sowie der Carlsplatz, der zur Altstadt vermittelt. Hier hat sich in vielen Abschnitten eine geschlossene historische Bausubstanz mit Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten.


    An der Schulstraße, direkt beim Palais Nesselrode, befindet sich die kath. St. Maximilianskirche, in Düsseldorf einfach Maxkirche genannt. Backsteinkirche, 1735-43 in niederländisch anmutendem Barock errichtet.



    Historische Bebauung in Orangeriestraße und Bäckerstraße:







    Dieses Haus von 1926 oder so ähnlich steht in der Benrather Straße:



    Gegenüber und an der Ecke zum Carlsplatz steht dieses Haus von 1894. Eines der wenigen historischen Gebäude am dennoch anmutigen Carlsplatz. Irgendwie atmet das Haus französischen Geist (vielleicht sind es die hohen schmalen Fenster und das Mansarddach, die diesen Eindruck erzeugen...)



    Nun zum Rheinufer.
    Lange Zeit hat es gedauert, bis sich Düsseldorf dem Rhein auch städtebaulich zugewandt hat. Direkt am Ufer siedelten bis ins 19. Jahrhundert hinein Fischer. Da sich Düsseldorf im 19. Jahrundert rasch zu einem der bedeutendsten rheinischen Gewerbe- und Industriestandorte entwickelte und ein nicht geringer Teil der benötigten Rohstoffe per Schiff angeliefert wurde, prägten bald Verladekräne und Lagerhäuser das unmittelbare Ufer. Aufgrund der ungebrochenen Entwicklung der Stadt und den Problemen, den dieser innerstädtische Hafen mit sich brachte, wurden um 1900 großzügige Hafenanlagen samt Kraftwerk auf der Lausward außerhalb der inneren Stadt fertiggestellt.
    Sofort begann man mit der Neugestaltung des Rheinufers im Innenstadtbereich als Kombination von großstädtischer Uferpromenade und beschänkter gewerblicher Nutzung. Die aufwendig mit Lampen und Fahnenmasten ausgestattete Promenade diente Fußgägern und Fahrzeugen, zwischen derselben und dem Fluss wurde das etwa 3-4 m tiefer gelegene Rheinwerft als Schiffsanlegestelle errichtet.


    Aufgrund der stetigen Verkehrszunahme im Lauf der Nachkriegsjahre wurden nach und nach Ausstattungsteile wie die Lampen und Masten und ein Restaurantgebäude, das Düsselschlösschen, entfernt. In den 80er Jahren wurde daher die auf der ehemaligen Promenade verlaufende Uferstraße in einen Tunnel verlegt. Die Promenade wurde in Anlehnung an die Gestaltung von 1902 rekonstruiert: Mit einer doppelten Platanenreihe, mit der historischen Pegeluhr und den groben Sandsteinquadern des Geländers. Die gewaltigen Stützmauern zum Rhein sind noch von 1902. Düsseldorf hat seine Uferpromenade zurückerhalten!


    Die Bebauung der Uferstraße stammt überwiegend aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jh. Hervorzuheben ist das großartige Verwaltungsgebäude des ehem. Mannesmannkonzerns, das Peter Behrens 1911-12 errichtete, heute vom Nachfolger Vodafone genutzt. Damals ein Meilenstein für die Bürohausarchitektur! Leider fehlt mir ein Bild.





    Oben die Promenade mit den Platanen, unten das Rheinwerft, heute im Altstadtbereich gastronomisch genutzt. Bis heute fungiert es aber auch als Anlegestelle für die Dampfer der KD: