Posts by noricum

    Wunderbare Bilder! Ich freue mich um alles, was schon gebaut ist. Wenn die Gerüste fallen, darf sich die Schönheit entfalten und ihren ganz eigenen Beitrag zur Diskussion um die Kirche einbringen. Ich bin zuversichtlich, dass sich dann Wege und Mittel finden werden, den Turmbau ganz abzuschließen.

    Ich verstehe nicht, warum man bei den Neubauten am Tafelfeld nicht mehr mit Farbe gearbeitet hat? So könnte man diese langen monotonen Riegel unterteilen und/ oder zumindest jedem Block eine eigene Farbe geben. Das wäre zum einen für die Orientierung aber auch für die Identifizierung der Bewohner mit ihrem Wohnort bestimmt förderlich. Nach dem Motto: "Ich wohne nicht im grünen sonder im gelben Block". Aber so ist alles braun in braun, sehr schade!

    Das Regensburger Viertel gefällt mir! Im positiven Sinne unaufgeregte Fassaden ohne Strichcode-Fenster oder ähnliche moderne Spielereien. Stattdessen gibt es geschwungene Balkone und Sockelgeschosse die nicht aus Rücksprüngen bestehen. Für Nürnberg finde ich das überraschend gediegen und angenehm für das Auge. Natürlich geht immer noch mehr, aber es ist ein guter Anfang!

    Mir tut es sehr um die mehreckigen Fenster leid, könnte mir gut vorstellen, dass die noch bauzeitlich waren. Insgesamt hätte die Modernisierung auch schlechter ausfallen könne, überzeugen tut sie mich aber nicht. Es wirkt alles so grob und kalt, leider.

    East Clintwood hat ganz Recht; als das Pellerhaus 1605 fertiggestellt war, gab es strenggenommen schon zwei. Den Neubau und den gekauften Altbau daneben.


    Zwecks besserer Unterscheidung hat man dann die Mauerwerksfarbe hinzugezogen. Das "weiße Pellerhaus" war ursprünglich hellbeige/ weiß geschlämmt, das erkennt man zum Teil heute noch mit bloßem Auge an einzelnen Stellen des Erdgeschosses. Der Altbau daneben war, durch eine andere Schlämme oder Verwitterung entsprechend dunkler, also: "schwarzes Pellerhaus".

    Meiner Meinung nach ist eine Rekonstruktion des schwarzen Pellerhauses (SP) unbedingt zu befürworten:


    1. Das SP setzt den Mayerbau wieder in einen städtebaulichen Bezug, das war in den 50ern auch so geplant, das dort wieder etwas hinkommt.


    2. Der Mayerbau braucht einen Aufzug um die Archivgeschosse zu erschließen.
    Irgendetwas wird also auf jeden Fall an der Stelle gebaut werden (!). Wenn an dieser Stelle keine Rekonstruktion erfolgt, wird es mit 95% Wahrscheinlichkeit ein Glasaufzug sein. Ich befürchte, dass diese Ecke dann noch unruhiger und ungemütlicher werden wird, Stichwort: "Hinterhof" und "Un-Ort".


    3. Ein weiteres sehr schwerwiegendes Argument: Das Schwarze Pellerhaus wäre die erste Totalrekonstruktion eines Bürgerhauses in Nürnberg. Eben nicht "nur" ein Chörlein wieder angebracht oder "nur" ein Haus saniert, sonder etwas, das komplett weg war, wieder aus der Taufe gehoben. Ähnliches gab es in letzter Zeit nur bei Stadtmauertürmen, aber die sind in der öffentlichen Wahrnehmnung nicht vergleichbar mit einem Bürgerhaus an so prominenter Stelle.


    Insofern sehe ich in dieser Reko auch eine Art Dammbruch in der Nürnberger Rekonstruktionspolitik. Wir dürfen nicht vergessen: Der OB Marcus König ist seit langem Mitglied bei den AF und das eben nicht nur auf dem Papier. Bei der Einweihung der Baustelle Hintere Ledergasse hat er eine Dankesrede auf die Altstadtfreunde gehalten, die sich an Lob und Wertschätzung nicht zurückgehalten hat. Das kam aus dem tiefsten Herzen. Hier haben wir endlich einen überzeugten Befürworter für traditionelle Architektur an der Spitze der Stadt Nürnberg sitzen.:blumen:



    Die Aufgabe besteht jetzt darin, die Öffentlichkeit und den Bürger auf der Straße mitzunehmen und zu begeistern. Ich bin der Meinung: wenn wir wollen das irgendwann das weiße Pellerhaus auch wieder seinen Platz einnehmen wird, dann müssen wir mit dem schwarzen Pellerhaus anfangen. Jede Rekonstrutkion macht immer Lust auf mehr (zum Glück). Alleine die reiche Dachlandschaft des schwarzen Pellerhauses, würde den Egidienplatz extrem aufwerten, und die Passanten ins Nachdenken bringen. Über Architektur im Allgemeinen und vielleicht den Mayerbau im Besonderen:wink:. Politisch waren die Voraussetzungen für Rekonstruktionen in Nürnberg in den letzten 15 Jahren noch nie so gut wie jetzt.:thumbsup:

    Wie dramatisch der Zustand tatsächlich ist, dazu können vielleicht die Nürnberg-Experten etwas mehr sagen? 20 Millionen sind nötig...

    Ich denke die Herausforderung bei der Nürnberger Stadtmauer ist die schiere Masse an laufenden (Kilo) Metern, die zu bewältigen ist. Hat man einen Teilabschnitt für viel Geld fertig saniert, ist es im Gesamtbild immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein, einfach weil es so viel Mauer gibt. Als Besucher der Stadt macht die Mauer aber einen intakten Gesamteindruck. Klar gibt es verwahrloste Ecken, wo die Steine auch schon ein bisschen (arg) sanden, aber nichts was augenscheinlich einsturzgefährdet ist (Ausnahmen bestätigen die Regel).

    Ein Problem dabei ist natürlich die dauerhaft finanziell angespannte Lage der Stadt und meines Erachtens die öffentliche Wahrnehmung. Man weiß in Nürnberg zwar um die Stadtmauer, aber "sie ist halt da", "nix besonderes". Wenn man sich auf der Zunge zergehen lässt, dass hier die Befestigungsanlage einer der ehemals mächtigsten Städte des HRR, fast noch vollständig erhalten und vor allem erlebbar ist, wäre das eher ein Kandidat für das Unesco Welterbe, als es im mentalen Niemandsland versauern zu lassen.

    Bei aller Kritik am Baureferenten Ulrich, muss man ihm wirklich zu Gute halten, dass er sich dieses Themas angenommen hat und scheinbar einen touristischen Anlaufpunkt schaffen will. Dabei geht es um ein Stück zwischen dem Marientorzwinger und dem Cinecitta-Komplex, das im Moment saniert wird. Dabei soll sogar ein Turmstumpf teilrekonstruiert werden (!). Das aus dem Mund des Baureferenten zu hören erfreut doch sehr, vielleicht gibt es für Nürnberg ja noch Hoffnung.;)

    Ich bin mal so frei und zitiere aus dem Post auf Instagram (14.04.2021):

    "Morgen im Stadtplanungsausschuss #nuernberg. Sanierung der #Marientormauer mit #Park an der Katharinengasse, #Wiederaufbau eines #Stadtmauerturms und einem Ort zur Erklärung der besten Stadtmauern #Europas. Das wird ein toller kleiner Park und ein bisschen ein #Freiluftmuseum."


    Quelle: Daniel F. Ulrich (@baureferent) • Instagram-Fotos und -Videos

    Eine weitere Schlagzeile findet sich heute in der NN:
    Vom Hauptportal des Pellerhauses ist der originale Türknauf wieder aufgetaucht!

    Er wurde von der Tochter des Architekten Rudolf Göschel an die Altstadtfreunde als Dauerleihgabe übergeben. Rudolf Göschel war mit der Sicherung der Ruine nach dem Krieg betraut. Die wenigen Pläne die von Teilen der Vorderhausfassade bestehen, stammen von ihm.
    Es ist wirklich erstaunlich, wie gut der Türknauf durch die Jahre gekommen ist und dass er nicht bei der Trümmerräumung verlustig gegangen ist. Ein toller Fund!

    "Sensationsfund" nach 76 Jahren: Toröffner vom Pellerhaus entdeckt - Nürnberg - nordbayern.de



    Eine nachdenkliche Randnotiz des Artikels ist, dass die Altstadtfreunde sich scheinbar von der Rekonstruktion des Vorderhauses zurückziehen:unsure::

    Quote
    Der Abriss der Nachkriegsfassade der beiden Architekten Mayer und der Nachbau der Renaissance-Fassade ist derzeit offenbar kein Thema mehr. Die Altstadtfreunde hatten sich für die Rekonstruktion stark gemacht und sind dabei auf erheblichen Widerstand gestoßen. Auf die Pläne angesprochen, meint der 70-jährige Enderle: "Ich bin zwar überzeugt, dass sich die Fassade doch noch ändern wird. Aber ich werde es nicht mehr erleben. Wir widmen uns jetzt anderen wichtigen Aufgaben wie etwa dem Pilatushaus."

    Ja, die Pläne das schwarze Pellerhaus zu rekonstruieren gibt es, wohl auch schon recht konkrete. Diese Rekonstruktion wird sogar von Julia Lehner befürwortet (!), allerdings protestiert der Bürgerverein Altstadt dagegen und verschiedene Architekten. Streitpunkt sind vermutlich die Bäume die für eine Rekonstruktion weichen müssen.

    Der neue OB ist seiner Partei (CSU) entsprechend wohlwollend konservativ eingestellt. Meiner Meinung nach ist er der Rekonstruktion neutral bis offen gegenüber. Leider ist aber auch Julia Lehner in der Wahl bestätigt worden und sie hat in Sachen Pellerhaus aktuell die Hosen an. Hinzu kommen der Baureferent und das Denkmalamt, die in der Diskussion hinter ihr stehen.

    Die Hoffnung die ich dennoch sehe, ist das Geld:
    Eine Million Euro klingt zwar viel, aber bei 34 Millionen Euro Gesamtvolumen ist es nur ein Bruchteil. Die Frage ist, wie weit man mit der einen Million kommt. (Stichwort: 50er Jahre vs. Energetische Sanierung)
    Außerdem bleibt zu bedenken, dass ein Haus des Spiels noch laufende Kosten nach sich ziehen wird: Personal, Ausstellungen, Software, PC's für digitales Spielen, etc. Zusätzlich steht für die Stadt Nürnberg noch die Volksbadsanierung ins Haus und das wird einiges kosten. Sowohl in der Sanierung als auch im Unterhalt.

    Ich hoffe auf eine Hybridlösung:
    Der Imhoffbau bleibt erhalten und wird saniert, das Erdgeschoss bekommt einen seperaten Eingang der direkt ins 50er Jahre Treppenhaus führt. So bleibt die Funktionsfähigkeit des 50er Jahre Baus inklusive Treppenhaus und Lesesaal erhalten. Der Archivturm wird aus Kostengründen abgerissen, das Pellerhaus in Folge rekonstruiert (auf Kosten der Altstadtfreunde, das Geld kriegen die zusammen und dann wird's auch richtig schön).

    Die neuralgischen Punkte um eine Rekonstruktion voranzutreiben liegen m. E. darin:

    1. Pellerhaus und Imhoffhaus stärker voneinander zu trennen:

    Alles Schöne der 50er Jahre -Architektur liegt faktisch im Imhoffhaus. In der Öffentlichkeit heißt es aber immer: Das (neue) Pellerhaus darf nicht abgerissen werden, sonst ist das Treppenhaus und der Lesesaal weg. Was natürlich nicht stimmt.

    Wenn man es genau betrachtet, ist der Name "Pellerhaus", wie er heute verwendet wird ein Unding und auch nicht wahr: Auf der Fläche des heutigen Pellerhauses findet im 50er Jahre Bau nur die Lagerung der Spiele statt. Hingegen sind alle "lebendigen" Funktionen wie z.B. der Lesesaal, der 50er Jahre Innenhof, das geschwungene Treppenhaus, die Toiletten, die Büros, etc. im Imhoffbau untergebracht.

    Es heißt im offiziellen Sprech ja immer: "Haus des Spiels im Pellerhaus"
    Eine wahrhaftigere Aussage wäre: Das "Haus des Spiels" befindet sich im Imhoffhaus. Im Pellerhaus werden nur die Spiele gelagert. (Und ich bin der Meinung, die kann man auch gut im Imhoffhaus lagern.)

    2. Gute Bilder zu liefern:

    Um die Reko-Begeisterung in Nürnberg zu entfachen braucht es gute Visualisierungen, die auf den ersten Blick ein begeisterungsfähiges Bild zeigen und klar machen um was es bei der Rekonstruktion geht. Leider tun sich die Altstadtfreunde mit soetwas schwer. Ich habe diesbezüglich schon mehrere Anläufe bei den AF unternommen, bin aber nicht durchgekommen.

    Wenn jemand 3000-5000 Euro investieren möchte (oder auch einen kleineren Betrag), um eine ordentliche Visualisierung mit zu finanzieren, bin ich sehr gerne bereit mich um den Orga-Kram zu kümmern.:daumenoben: Wie schaut's aus? Irgend jemand? biggrin:)

    Das ist wirklich ein ganz wunderbares Video geworden. Das sollte man im Nürnberger Stadtplanungsamt in Dauerschleife abspielen! Vielleicht hilft es ja für die Zukunft:biggrin:

    Ich glaube das einzeln geschriebene Leserbriefe sehr viel bewirken können. Gerade wenn sie aus ganz Deutschland/ Österreich/ Schweiz kommen. Oftmals wird ja die deutschlandweite Bekanntheit des Pellerhauses in Frage gestellt und so getan als sei das Pellerhaus lediglich eine Berühmtheit innerhalb Nürnbergs gewesen.
    Mit einer Fülle von Leserbriefen aus dem deutschen Sprachraum (oder auch darüber hinaus?) können wir eindrucksvoll beweisen, dass das Pellerhaus kein lokal brgrenztes Phänomen ist!

    Wow, das sind wirklich durchschlagende Nachrichten. Jetzt wird es also ernst.
    Eine Frage: Wollen die Altstadtfreunde wirklich auch den Peststadel (spätmittelalterlicher Speicherbau an der Tetzelgasse) rekonstruieren oder ist das Ebnersche Anwesen ('schwarzes Pellerhaus') gemeint?

    Wie auf diesem Bild zu sehen ist, fehlen noch eine Menge an Aussattung des Hofes. Dazu zählen Bodenbeläge aus Solnhofner Platten im 1.Stock und rot-schwarze Ziegelfliesen im 2.Stock. Ebenso Fenster und Türen in den Seitenflügel und nicht zu vergessen zwei hölzerne Treppen in der Nordwestecke. Letzlich bleibt noch die Frage zu klären, ob der Sandstein mit einer farbigen Schlämme in "Nürnberger Rot" überzogen wird.


    Pellerhof Rekonstruktion 2018