Posts by nothor

    Ich denke dass für viele die Frage nicht wirklich wichtig ist, ob man Originale oder recht überzeugende Replikate präsentiert bekommt. Viele Menschen wollen einfach das mal sehen, worüber "alle sprechen". So denke ich auch, dass es sinnvoll wäre Replikate von den gestohlenen Juwelen in Dresden anzufertigen und auszustellen. Die Leute wollen bestimmt sehen, was da gestohlen wurde. Wie hat das ausgesehen wovon die Presse schrieb, das sei Millarden wert? Im Einzelnen kann man das sicher auch ausprobieren.


    In Nürnberg zumindest sind Replikate und Kopien verpönt, was ich ziemlich paradox finde, weil die Altstadt weitgehend aus Kopien besteht. Die Reichskleinodien z.B. sind nach München verbracht worden, in Nürnberg kann man nur Kopien davon anschauen im Fembohaus. Die finde ich aber recht gelungen. Interessant ist sicherlich auch die Korrelation zwischen Nahbarkeit und Authentizität. Je näher ich an ein Kunstwerk heran kann, desto mehr Details kann man sehen und es wird dann natürlich immer wichtiger, wie aufwändig, detailgetreu und überzeugend eine Kopie ist. Ich persönlich habe keine Probleme mit Kopien, wenn sie an das Original heranreichen. Denn es gibt auch heute sehr wohl fähige Kunsthandwerker, die in der Lage sind ein historisches Objekt in allen Details nachzumachen. In meinen Augen ist das auch eine Kunst - ich weiß, dass das in der Welt der Kunsthistoriker sehr umstritten ist. Das hat dann wohl aber mehr mit Substanzverliebtheit, Forschungsdrang, der Angst, getäuscht zu werden und sicherlich auch mit dem Wert eines Unikats zu tun. Wer Kunst mehr als Wertanlage sieht kann von Kopien freilich nichts halten.

    Heimdall: Ich meinte das eigentlich andersherum: Im Auktionshandel sind viele Objekte unterwegs, die eigentlich in ein Museum gehören, und manchmal auch umgekehrt. Während man im Auktionshaus das Zeug anfassen, drehen, benutzen kann, sind sie im Museum weggeschlossen. Das allein ist ja ok, aber wenn Gemälde hinter Panzerglas ausgestellt werden und man sie vor Abstand, Reflexionen und Fettfingern gar nicht mehr genießen kann, oder Objekte ganz in einem Depot verschwinden um durch Replikate oder Simulationen ersetzt zu werden ist das genau das andere Extrem. Welches ist das bessere?

    Man gehe mal in einen Baumarkt und schaue sich das Angebot an leistungsfähigen, kompakten Akku-Geräten an. Und was aktuelle Messeneuheiten mit sich bringen, mittlerweile gibt es sogar mit Akku betriebene elektrische Kettensägen. Und das sind nur ganz normale Handwerkergeräte. Da mit zu halten und stets hoch zu rüsten in der "Verteidigung" sensibler Kunstschätze ist eine ständige und fast unlösbare Aufgabe.


    Das das Dresdner Residenzschloss seine Hauptattraktion verloren hat finde ich fast noch tragischer als den Verlust an sich, denn das schmälert die Attraktivität im Ganzen. Ich hoffe dass, sollten die Stücke nicht bald wieder auftauchen, ein geeignetes Substitut gefunden wird, z.B. eine perfekte Replik.


    Über das Salvator Mundi habe ich auch nachgedacht. Vor wenigen Jahren für sensationelle 400 Mio Dollar versteigert gilt es aktuell als verschwunden. Es ist an seinem Bestimmungsort, dem Louvre in Abu Dhabi nie aufgetaucht. Bei Ebay bietet einer eine perfekte Kopie davon für ein paar Hunderttausend an. Jetzt kann man trefflich darüber streiten, was das Wesen der Kunst ist, oder sein sollte. Ob das öffentliche Ausstellen für schmales Geld (20,- EUR Eintritt im HGG empfand ich als Freundschaftspreis) mit der latenten Verlustgefahr besser ist als das Versteigern für Abermillionen, ohne das man weiß oder auch das Recht dazu hat zu erfahren, was damit geschieht. Ich gehe auch regelmäßig auf Kunst- und Antiquitätenauktionen und bin immer wieder überrascht, wie freimütig da mit den Stücken umgegangen wird. Ich darf als Kunde natürlich alles in meine Fettfinger nehmen, selbst wenn es 1000 Jahre alt ist. Niemand stellt Fragen, niemand interessiert sich dafür wer es kauft und was damit passiert. Das ist eben das krasse Gegenstück zum Museumsprinzip.

    Naja ich mache mir halt so meine eigenen Gedanken. Der Unterschied im haptischen Kunsterlebnis ist schon in einem Vatikanischen Museum ein ganz anderes als z.B. im Lindenaumuseum in Altenburg/Thüringen. Letzteres ist mir tausendmal lieber, weil es mir Kunstgenuss ermöglicht. Wir waren 2016 in den vatikanischen Museen - da werde ich wohl nie wieder reingehen, denn von Kunstgenuss war das dortige Handeln und Wandeln weit entfernt. Es war einfach übervoll, manches bekam man nur per Zufall oder mit viel Geduld zu Gesicht, die sixtinische Kapelle hat mehr mit dem Berliner Hauptbahnhof gemein als mit einem Kunsttempel. Ein Höllenlärm durch die Touristenmassen, brüllende Wachleute "No Photo!!"- hat eh niemand befolgt - wo bin ich hier gelandet, bloß weg da. Das eine ist das bloße Vorhandensein von Substanz, das andere ist ihre Zugänglichkeit und Erfahrbarkeit. Ich habe von Freunden schon gehört, dass sie extrem enttäuscht waren von der Präsentation der Mona Lisa im Louvre. Was ich damit sagen will, ich habe Verständnis dafür, dass Museumsleitungen einen Spagat schaffen müssen zwischen der Nahbarkeit ihrer Kunst und der Sicherheit vor ihren Bewunderern. Im Grünen Gewölbe habe ich mich z.B. sehr wohl gefühlt. Ich bin froh dass ich diesen Spagat nicht entscheiden muss, aber wenn es absolut sicher sein und trotzdem begeisternd erfahrbar sein soll müsste man wohl immer weiter auf Replikate oder Simulationen ausweichen.


    Ich persönlich möchte nicht das Kunstschätze in Magazinen oder Tresoren verschwinden, sondern sie sollen erlebbar bleiben. Dafür wurden sie geschaffen.

    Man sollte vielleicht auch nicht vergessen, dass man heute über jedes verbogene Kreuz, jeden geraubten Kerzenständer erfährt, was früher lediglich in der Lokalpresse Erwähnung gefunden hätte.
    Das Sprengen von Kirchen und Schlössern zu DDR-Zeiten, oder das Opfern von Barockhäusern des Straßenausbaus wegen im Westen, ist sicherlich auch hoffentlich eine längst überwundene Episode des Umgangs mit Kulturgut in Deutschland. Für mich persönlich ist jedes manierlich handwerklich gestaltete Sandsteinornament Kulturgut, für jemand anderen sind Oldtimer Kulturgüter, oder eben Briefmarken, aber eben keine Steine.


    Als Nürnberger gehe ich gerne ins Germanische Nationalmuseum. Dort kann man recht nah ran an die Pretiosen. Wer Böses will könnte entsprechend leicht Schaden anrichten, gleichwohl man ihn sicherlich erwischen würde. Verloren wären die Dinge u.U. trotzdem. Sicherheitsmaßnahmen, die das verhindern, würden aber dazu führen, dass man nicht mehr gerne ins Museum geht, das Ganze würde sich noch mehr zum Minusgeschäft entwickeln, am Ende geschlossen und wäre verloren. Man muss die Dinge halt auch zuende denken. Dass Schwerbewaffnete alles bewachen ist eine beruhigende Vorstellung, in der Praxis ist sie aber unschön und führt zu Verlust.

    @ Rastrelli: Danke für den sachlichen und überzeugenden Beitrag.


    Dieses Weltuntergangsgerede von einer universellen und nie dagewesenen Geringschätzung materieller Kulturgüter gegenüber kann ich nicht nachvollziehen, sie ist auch grundlegend falsch, wie oben schon belegt wurde. Auch, dass man von den Wachleuten erwartet sich eines Spezialeinsatzkommandos gleich in den Kampf zu werfen, ist in meinen Augen einfach infantil. Das habe ich ja selbst schon versucht darzulegen. Auch ist die Diskussion um den Begriff Notwehr völlig am Thema vorbei, ein Notwehrtatbestand liegt hier schlichtweg nicht vor! Ich verstehe auch nicht wie man sich wünschen würde, dass da irgendwer eine Schießerei im Grünen Gewölbe anfängt, denn das hätte nicht unbedingt den Raub verhindert. Es sei denn halt man hätte die Diebe an der Flucht gehindert, aber ein einzelner Wachmann im Dunkeln hätte das wohl kaum bewerkstelligen können. Ich versteh die Wut und den Frust, aber Rastrelli hat dankenswerter Weise sehr plastisch dargestellt, wie die Faktenlage vor Ort aussieht. Es ist eben etwas anderes als der einfache Einbrecher, der sich nachts in dein Wohnzimmer schleicht, den man dann schlaftrunken überrascht und dann unvorhersehbares passiert.

    Ich glaube, dein Problem ist einfach, dass du nicht akzeptieren willst, dass Notwehr auch gegen Angriffe auf andere Rechtsgüter als Leib und Leben gerechtfertigt ist. Da ist das deutsche Recht aber völlig klar und eindeutig.

    Da könntest du Recht haben, denn deine Auslegung erscheint mir recht archaisch. Das würde ja auch auf Diebe zutreffen, die einen Apfel aus dem Garten klauen, oder jemanden, der unberechtigt auf deinem Anwohnerparkplatz steht. Einen Notwehrtatbestand aus jeder denkbaren Rechtsverletzung zu konstruieren erscheint mir praxisfern. Aber ich unterhalte mich darüber mal mit Juristen, das finde ich spannend.

    Zum Wertverlust: Ja, das sollte man aber vorher schon wissen, wenn man eh schon am recherchieren ist welche Vitrine, was liegt da drin, wann und wo kann man am Besten welches Fenster einschlagen. Das finde ich nicht überzeugend, das sich Diebe genau darüber informieren wie sie an das Diebesgut rankommen, aber nicht darüber, woraus das Diebesgut eigentlich besteht, was es wert ist und wie man es los bekommt. Es spricht vieles für einen Auftrag.


    Zum juristischen Thema: Ich bin da kein Experte, aber ich glaube wir haben hier noch nicht definiert, was Notwehr eigentlich ist. Und ob ein Angestellter überhaupt einem Notwehrtatbestand ausgesetzt sein kann, wenn sein Leib und Leben gar nicht bedroht ist, sondern "nur" irgend ein Wertgegenstand. Ich glaube du nimmst hier einfach an, dass der Wachmann den Alarm wahrnimmt, den Tatort aufsucht und dort dann in eine Situation gerät, die eine Notwehrhandlung erforderlich macht, z.B. weil die Täter noch dort sind und ihn bedrohen. Ich glaube aber so einfach ist das nicht. Etwas anderes wäre es wenn die Täter im Rahmen der Tatdurchführung die Wachleute festsetzen und direkt bedrohen. Aber selbst dann ist es m.E. fragwürdig zu erwarten, dass diese sich automatisch mit Waffengewalt verteidigen wenn der wahrscheinlichere Ausgang der ist, dass man sie unversehrt lässt.


    Deine Herleitung aus der Kant'schen Lehre teile ich natürlich, wenn es um eine direkte Gefahr für Leib und Leben geht, der man unbeabsichtigt geraten ist. Aber wer sich in Gefahr begibt kommt darin um. Ich muss auch arg überlegen was ich täte, wenn in meinem Haus eingebrochen wird und mich das aus dem Schlaf reisst. Hingehen und den Helden spielen? Die Polizei rät davon dringend ab. Faktisch aber geht man den Geräuschen doch nach. Aber das ist eben nur stark eingeschränkt vergleichbar mit dem Szenario im Grünen Gewölbe.

    In unserer Kultur gilt materielles Gut stets als ersetzbar. Soweit ich in meiner halbjuristischen Ausbildung gelernt habe ist der Schusswaffengebrauch absolut ungerechtfertigt, wenn man damit nur beabsichtigt einen Diebstahl, Vandalismus oder sonst etwas zu verhindern. Das allein folgt schon aus der Logik heraus, dass das Menschenleben immer höher wiegt als materielles Gut. Auch das Leben eines Räubers. Das Wachleute auf Diebe schießen ist eher ein Märchen aus Kinofilmen. Das mag in patriarchalischen Strukturen oder beim Militär so sein, aber nicht in einer aufgeklärten Zivilgesellschaft.


    Unabhängig davon stimme ich natürlich zu, dass der Sachverhalt in Dresden einen üblen Beigeschmack hat, nämlich sieht es tatsächlich so aus als wären unsere Kunsttempel Selbstbedienungsläden für jene, die einfach dreist genug sind.


    Gestern äußerte sich bei Maischberger die Kunstsachverständige Heide Rezepa-Zabel zu dem Raub und sagte nicht nur, dass sie optimistisch sei dass die geraubten Stücke wieder auftauchen würden, sondern auch, dass z.B. der große Altschliffdiamant bei einem Neuschliff nach modernen Maßstäben um die 80 % an Substanz einbüßen würde, und somit an sich schon mächtig an Wert verlieren würde. Das scheint auch dagegen zu sprechen, die ganzen Steine umzuschleifen.

    Dazu sind ja auch Feuerlöscher im Gebäude. Die hängen nicht herum, damit sie von der Feuerwehr nach deren Eintreffen genutzt werden können.

    Ein Feuerlöscher macht dich aber noch nicht zu einem Feuerwehrmann. Die sind ja dafür da, dass derjenige, der einen Brand unmittelbar bemerkt, die Möglichkeit hat ihn zu löschen. Aber um Himmels willen sind die Feuerlöscher nicht dafür da, dass man sich einen greift und dann den Brandherd suchen geht!

    Naja der Materialwert ist das eine, eine Rekonstruktion eine ganz andere. Handwerkliche Fähigkeiten, Recherche, Geschick und Patina wollen ja auch bezahlt werden.
    Für mich ist das ganze noch etwas surreal. Wenn es denen nur um das Material ging, wieso sind die nicht in irgend einen Juwelier, Pfand- und Auktionshaus oder eine Bank eingestiegen? Die logische Antwort wäre ja, weil es im Grünen Gewölbe am einfachsten war. Die Zeit, die verging, bis Polizei vor Ort war + dem Umstand, dass man dort um 4:30 Uhr keine Zeugen und Hindernisse auf den Straßen zu erwarten hatte, und wohl auch in alle Himmelrichtungen abhauen konnte, spricht Bände. Aber naja, es wird ja auch noch ermittelt und sicherlich gibt's weitaus mehr Infos als wir haben. Weiß man denn die Personalien der Gesuchten? Oder wurde das nicht öffentlich gemacht?

    Ja, ein anwesender Polizist wäre definitiv eingeschritten. Dafür ist er verbeamtet, er und seine Familie alimentiert, an der Waffe ausgebildet, hat einen Eid geschworen. Allerdings glaube ich nicht dass man einen Polizisten mit seiner Dienstpistole gegen offensichtlich schwer bewaffnete Gangsterbanden alleine ins Gefecht schickt. Nicht, wenn man via Kamera sehen kann was los ist und keine Unschuldigen in Gefahr sind. Es geht auch hier immer um Gefahrenabwehr, Abwägung von Gefahr für Leib und Leben und Verhältnismäßigkeit.

    Nach wie vor finde ich es am schlimmsten, dass die aus der Dresdner Innenstadt einfach so entkommen konnten. Rundherum alles Top Adressen, es müsste ein Netz an Kameras geben, und eigentlich auch ein dauerhaft herumkreisendes Einsatzfahrzeug der Polizei. Das verstehe ich nicht. Heißt es nicht auch immer bei Einbrechern dass man immer irgendwie reinkommt, die Kunst ist das unerkannte Entkommen. Und das scheint in der Dresdner Innenstadt ganz allgemein kein Problem zu sein, auch bei den hochwertigen Geschäften dort...

    @East_Clintwood Ich verstehe schon was du meinst, aber wenn man sich hier mal die üblichen Tarifverträge ansieht und dem entgegen hält, dass man auch irgendwo sparen muss, dann dürfte nachvollziehbar werden dass die Wachleute alt nur aufpassen sollen, aber eben keine Feuer löschen oder auf Diebe schießen sollen. Das würde eine tiefere und umfassendere Ausbildung bedeuten, und damit höhere Preise. Und womöglich hat man es dann mit zweifelhaftem Personal zu tun.


    Nein, ich denke bei Bewachung geht es mehr um Technisierung. Ich würde von einem Wachmann nicht erwarten, dass er sich für das Bewachungsobjekt in Lebensgefahr begibt, wenn ich das will muss ich bereit sein einen Bodyguard zu bezahlen, oder einen Feuerwehrmann. Ich erwarte von Wachleuten dass sie durch Präsenz abschrecken und an sonsten nur aufpassen. Sie müssen die Schwachpunkte kennen und dafür sorgen, dass das Sicherheitskonzept als ganzes funktionieren kann, dass nichts blockiert wird oder deaktiviert ist. Das Bild vom heldenhaften Wachmann, der mit Feuerlöscher in den Rauch entschwindet um dort was auch immer zu löschen... oder der am Montag mit der gezogenen Knarre durch die Dunkelheit dorthin marschiert wäre wo der Krach herkommt... Was soll das bringen? Und: reden wir von EINEM Wachmann, der andere bleibt sitzen und guckt weiter auf den Monitor, oder sollen beide losgehen, was ist wenn es ein Ablenkungsmanöver ist.... Das hätte nicht zwingend etwas verhindert, den Tatort unnötig verwaschen oder womöglich einen toten Wachmann hinterlassen. Die Wachleute sind i.d.R. unterbezahlt, haben einen knapp geschnittenen Aufgaben- und Verantwortungsbereich und sind eher nicht von der Sorte "Actionheld". Es gibt sicherlich einen Grund weswegen das Bewachungswesen in der westlichen Welt so ausgerichtet ist. Ich erwarte ja nichtmal von zwei Polizisten, dass sie sich 100 gewaltbereiten und bewaffneten Verrückten entgegenstellen. Zurückziehn, Verstärkung holen und dann mit Aussicht auf Erfolg eingreifen. An sonsten so viele Informationen sammeln wie möglich, die kann man später gut verwerten.

    Ich habe auch schon an eine Verbindung mit dem kurz vorher abgeschobenen Clan-Chef Miri gedacht, der wohl auch was mit dem "Goldmünzen-Coup" am Bodemuseum zu tun haben soll. Ich wette, dass da hinter den Kulissen alle Drähte glühen und wir nur Dinge erfahren, die den Tätern kein Stress machen und sie so zu Leichtsinn verleiten.


    Naja und ob die Sachen bereits zerstört sind - wer weiß, glaube ich eigentlich nicht. Das würde ja bedeuten dass die Jungs nach nur zwei Tagen ein sicheres Versteck erreicht haben und dort eine entsprechende Ausrüstung und Diskretion vorhanden ist. Einen Diamanten jedenfalls schleift man nicht mit einem Dremel einfach so um, dazu brauchts ne jahrelange Ausbildung und entsprechende Geräte. Die muss man auch irgendwo her bekommen, ebenso denjenigen, der schleift. Kann mir nicht vorstellen, dass all das die zwei Einbrecher selber machen können. Aktuell wird nach 4 Personen gefahndet. Und vermutlich stecken da noch weitaus mehr Leute dahinter, und irgend wo macht einer davon einen Fehler - oder hat ihn bereits vor Monaten gemacht. Bei der Anmietung einer Werkstatt, der Bestellung eines Diamantenschleifsteins bei Amazon, den Kauf mehrerer Wegwerfhandys gleichzeitig oder weiß der Kuckuck.


    Ich hoffe jedenfalls dass das alles wieder auftaucht und man auch mal Stolz sein kann auf unsere Ermittlungsbehörden. Ich wünsche den Beamten viel Erfolg!


    Achja, und zu den Wachleuten: Wer meint, dass die bewaffnet seit sollen um Gangster vertreiben zu können, der sollte aber auch fordern, dass sie zu Feuerwehrmännern ausgebildet werden, damit "kleine Feuer" sofort gelöscht werden können und man nicht minutenlang wartet bis die Berufsfeuerwehr kommt.

    Dürfte wohl als Falle aufgefasst werden und lediglich Trittbrettfahrer auf den Plan rufen. Eine saftige Belohnung (50 MIO oder mehr) für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, wäre wohl zielführender, weil furchteinflößender.


    "Den Rest" des gesammelten Geldes sollte man zur Anfertigung von Repliken hernehmen.

    Angesichts der steten Diskussionen um den "Zuschussbetrieb Museum" bzw. Kultur im Allgemeinen scheinen mir Forderungen, Museen zu einbruchsicheren Tresoren umzubauen, reichlich weit hergeholt. Unabhängig davon was sicherheitstechnisch in Dresden jüngst falsch gelaufen sein könnte erscheint mir die pauschale Forderung, dass alle Orte an denen wichtige Kunst zu besichtigen ist, hochsicherheitsmäßig aufzurüsten für den Kunstbetrieb im Allgemeinen weit hergeholt bzw. kontraproduktiv.


    Da man wohl kaum jede Kirche, die einen wertvolles Tryptichon, ein Epitaph oder sonstwas besitzt, polizeilich schützen kann, und ebensowenig einbruchsicher umbauen kann, würde das am Ende bedeuten dass man unsere Kunstschätze einsammelt und sie sich in wenigen Hochsicherheitstempeln in den Großstädten häufen und man sie nur dort sehen kann. Sie wären aus dem Zusammenhang gerissen und nur für wenige Menschen zugänglich, nein, das würde ich nicht wollen. Ich finde es toll, dass es Heimatmuseen gibt, die nicht jeder kennt und in denen man sich in Ruhe den Ausstellungsstücken nähern kann. Für mich entsteht so erst Kunstgenuss. Wer mal in den Vatikanischen Museen war, oder die Mona Lisa gesehen hat weiß, wie sich Kunstgenuss vergällen lässt wenn man es mit Sicherheitsvorkehrungen zu gut meint oder zu viel auf kleinstem Raum präsentiert.


    Was ich viel wichtiger und eigentlich auch nachhaltiger finde ist wenn man überzeugend deutlich macht, dass man mit den Objekten niemals unerkannt entkommen könnte. Lückenlose Kameraüberwachung rundherum, automatisch abgesperrte Straßen mit versenkbaren Pollern, die man nur mit Identifizierung befahren kann, Alarme, die bereits bei Stromausfall losgehen, Beleuchtung die keine dunklen Ecken übrig lassen, dass wäre doch mal ein guter Anfang.


    Darüber zu fantasieren was man hätte alles ins Grüne Gewölbe einbauen müssen damit die Diebe nicht entkommen können oder gar nicht erst rein können, nunja, ist wohl nicht nur viel zu teuer und auch hässlich, sondern am Ende in einem anderen Szenario gänzlich unwirksam. Was mich wirklich wurmt ist, dass der Alarm selbst wohl prima funktioniert hat, aber es zulange dauerte bis Einsatzkräfte vor Ort waren - wie kann das 5 Minuten dauern in Dresdens historischer Innenstadt?!? Wenn bei uns im Dienstgebäude Feueralarm ausbricht rücken sofort mehrere Löschzüge der Feuerwehr aus, da muss niemand rumtelefonieren und erstmal beschreiben was los ist usw. Und das letztlich die Diebe unerkannt entkommen, ohne verwertbare Videobilder, ohne dass man das Fluchtauto irgendwo drauf hat. Aber naja, vielleicht sind das ja auch nicht veröffentlichte Erkenntnisse, von denen wir nicht wissen.

    Schade dass die alte Schinkelwache direkt gegenüber keine Wache mehr war. Dann wäre die Reaktionszeit wohl wesentlich kürzer gewesen. Trotzdem, ich verstehe, dass man nicht Abermillionen investiert, um das Schloss und seine Räume diebstahlsicher zu machen, mit Fallgittern oder Schlafgas, wie hier schon fantasiert wurde. Das wäre ein gewaltiger baulicher Eingriff um am Ende doch nutzlos zu sein, wenn es brennt, oder Kunstgut bei einer Renovierung/Ausleihe/Transport zu Schaden kommt oder verloren geht.


    Ich bin trotzdem durchaus zuversichtlich, dass man das Beutegut wiederfinden wird. Denn wenn es nur um die reine Masse an Edelsteinen geht, warum haben sie dann nicht noch mehr mitgenommen. Wieso hat einer der Typen dem anderen genau die Vitrine gezeigt, die aufgemacht werden soll. Auch wie gesagt kann ich es mir nicht vorstellen, dass man die Stücke auch in Einzelteilen und auch umgeschliffen gut verkaufen kann wenn man nicht gleichzeitig unterstellt, dass weite Teile der Edelsteinbranche kriminell unterwegs sind. Wer bitte legt denn dann noch sein Geld in Edelsteinen an, wenn er bei einem Diebstahl davon ausgehen muss dass alle wegschauen? Einkäufer, Händler, Börsen, die alle haben doch sicher ein großes Interesse am bestehenden Vertrauen in ihren Stand. Naja alles nur meine vagen Hoffnungen als kunstbegeisterter Laie.


    Ich selbst muss aber zugeben, wir waren letztes Jahr im Grünen Gewölbe, beeindruckt von den Sicherheitsvorkehrungen dort, aber von den Schaustücken haben mich die Juwelen am wenigsten interessiert. Ich fand die Kunstkammerobjekte, Möbel, Pokale und Tabernakel usw. alle irgendwie viel interessanter.

    Also ich bin neben des Schocks trotzdem froh, dass das die Gangster keinen Brand gelegt haben, nicht mutwillig das zerstört haben, was sie nicht mitnehmen konnten und dass auch niemand zu Schaden gekommen ist. Dass die Wachleute nicht eingeschritten sind ist wohl nachzuvollziehen, sie werden dafür wohl nicht ausgerüstet und ausgebildet sein, und werden bestimmt auch nicht dafür bezahlt. Ich hoffe dass es ein Auftragsraub war, der nicht zur Folge hat dass die Schaustücke zerstört werden.


    Und das macht mir jetzt wirklich Sorgen: Anscheinend hat es neben einer Akku-Flex und einer Axt, einer Leiter und einem Auto und reichlich Ortskenntnis wohl nichts weiter gebraucht, dort einzubrechen und ohne aufgehalten zu werden abzuhauen. Das wieder lässt mich vermuten, dass neben Sorgfalt der Raub nicht viel Aufwand gemacht haben könnte und es sich lohnt. Denn das zerlegen der Teile und das Umschleifen der Edelsteine muss man ja auch erstmal können, und sie dann auf den Markt bringen ohne Herkunftsnachweis, wieviel ist das Zeug da wohl wert? Dürfte wohl nicht allzuviel sein, aber wenn der Raub halt auch nicht viel Aufwand gemacht hat, dann lohnt sichs wohl doch. Denn einen Panzer haben die wohl nicht gebraucht, auch keinen Leiterwagen/LKW oder irgend eine Laserkanone oder Nachtsichtgeräte...


    Und das wiederum ist halt auch krass, wenn man schon kein Sicherheitskonzept hat, dass solche Diebe vor Ort stellt, oder ihre Flucht verhindert, dann scheint es eigentlich kein wirksames Konzept auch gegen Vandalismus /Anschläge zu geben. Das finde ich wirklich besorgniserregend.

    Globalisierung und Kosmopolitismus, propagiert von den "Anywheres". Der Mensch soll keine Bindung an seine Umwelt mehr haben (Zitat: "Das „Heimatbedürfnis der einfachen Menschen“ ist ein ahistorisches Konstrukt" https://www.merkur-zeitschrift…-ahistorisches-konstrukt/).

    Ein Irrweg im Architekturverständnis. Es entwurzelt die Menschen, macht Integration schwieriger und es bedeutet ja auch irgendwie, dass es Tourismus bald nicht mehr braucht. Ich bin heute schon müde geworden, mir Städte anzusehen, die von Hochhäusern geprägt sind. Vor 15 Jahren fand ich das noch spannend, aus Berlin kommend, einer Stadt ohne richtige Skyline, da hatte mich sogar Frankurt am Main beeindruckt. Doch nachdem ich diverse amerikanische Großstädte gesehen habe - die zugegebenermaßen qualitativ oft in einer anderen Liga spielen - sind sich eigentlich alle europäischen, arabischen und asiatischen Hochhauslandschaften sehr ähnlich und ermüdend. Nach Dubai, Shanghai oder Tokio zu reisen, das reizt mich wirklich wenig. Was kann diese Art von Architektur denn sonst transportieren, wenn nicht die Utopie eines "Metropolis", eines Stadtplaneten "Coruscant", in der der Einzelne in der Anonymität untertauchen kann, und die anonyme Stadtkulisse unterstützt ihn dabei. Ich bin noch nicht darauf gekommen, was den Reiz dieser Hochhauslandschaften auf viele Menschen ausmacht.