Posts by Pfälzer Bub

    Da gibt's in der tat weniger zu motzen aber dennoch ist das ganze nicht so stimmig wie im Historismus. Die Architekten damals kannten den Bauschrott von heute noch nicht, die heutigen müssen sich erst sozusagen rückentwickeln um wieder klassische-stimmig bauen zu können

    Das Probleml ist nicht das mäkeln Einzelner, sondern auch die hier, die sich mit dem Mindestmaß an traditioneller Architektur zufriedengeben oder sowas sogar hochjubeln. Mir gefällt das geplante Hotel überhaupt nicht, mit anderen Bauten kann man sich anfreunden. Grundsätzlich besteht bei bei meisten traditionellen Neubauten verbesserungsbedarf und das sollte man ansprechen und diskutieren dürfen, genau wie man auch historische Gebäude als ge- oder misslungen bezeichnen darf.

    Mäkeln mäkeln mäkeln, der Deutschen liebstes Hobby. Wäre es Euch lieber gewesen es wäre ein moderner Kasten gebaut worden? Ich freue mich über jeden Versuch neoklassisch zu bauen, und sehe da auch gerne über Mängel in Detail und Ausführung weg. In der Gründerzeit gab es auch viel stilistische Merkwürdigkeiten, aber gerade die sind mir heute sympathisch. Kitschig finde ich das Gebäude auch nicht. Zu kritisieren hätte ich nur daß man zuviele Geschosse draufgepackt hat.


    Fehlt jetzt eigentlich nur noch ein Kommentar von ursus, der ultimative Vernichtungsschlag sozusagen. :wink:

    M.E. genügt aber nicht nur der gutgemeinte Versuch, wenn historisierende oder wie du es nennst neoklassizistische Architektur in Zukunft ernst genommen werden soll, und eine höhere Halbwertszeit als die postmoderne erreichen soll. Ich miste auch spontan an Mittelmeer-Hotels denken, sorry.

    Bei der Wandverkleidung des U-Bahnhofs hätte man auf jeden Fall etwas abwechslungsreicher gestalten können - aber was solls; im Vergleich zu dem, was in München so alles entsteht bzw. entstehen soll, schneidet dieser Bahnhof verdammt gut ab.

    ein kurzer Exkurs: Da muss ich dir widersprechen. München hat ohne Zweifel in Sachen U-Bahnarchitektur die Nase vorn in Deutschland. was du zeigst sind aufgehübschte 70er Stationen. Das Design der neueren Bahnhöfe ist durchdacht und überraschend. Was ich meine ist sowas:
    http://en.academic.ru/pictures…hof_Oberwiesenfeld_01.jpg
    http://i.ytimg.com/vi/qx7Ooh1epco/maxresdefault.jpg
    http://upload.wikimedia.org/wi…/cc/Munich_subway_GBR.jpg
    http://de.academic.ru/pictures…n_station_Josephsburg.JPG
    http://www.heise.de/imagine/5z…llery/Westfriedhof-II.jpg
    Kein Vergleich zu dem schnarchigen Berliner Kram auf der neuen U5!
    Wenn man sich ansieht, welches Niveau da in den 20ern herrschte:
    http://upload.wikimedia.org/wi…erlin_Alexanderplatz2.JPG
    http://upload.wikimedia.org/wi…n_Berlin_Hermannplatz.JPG
    https://c2.staticflickr.com/8/…46124497_da6cc2e715_b.jpg

    Es ist unglaublich wie selbstverständlich selbst der Rohbau schon im Stadtbild steht, als wäre das Schloss nie wirklich weggewesen. Schon in diesem Zustand zeigt sich, wie richtig die Entscheidung für den Wiederaufbau war. Was die Qualität des U-Bahnhofs betrifft, so kann ich Schorschibärs Meinung nicht teilen. Wieso werden in Berlin U-Bahnhöfe immer noch mit solch klobigen Stützen konzipiert? Wer mal gut gestaltete U-Bahnhöfe in Deutschland sehen will, dem sei München empfohlen. Da baut man seit den Neunzigern stützenfrei und was hätte man herrlich mit Zitaten zum Thema Humboldforum/Museumsinsel spielen könne! Statt dessen diese banale Gruft.

    Mich irritiert etwas dieser Materialmix. auf der einen Seite hochwertiger Naturstein, dann Betonteile. Dass die Rustikal aus Beton gegossen ist, damit habe ich keine Probleme, denn Fassadenstuck war und ist ja auch nichts anderes als eine Art von Beton. Regelrecht dämlich finde ich die "hauchdünne" Dämmung zwischen Beton und vorgemauerter Fassade. Hoffentlich kommt es da nicht mal zu Problemen. Nötig wird das wohl aufgrund des unterschiedlichen Verhaltens der Materialien in Bezug auf Hitze, Kälte und Feuchtigkeits-Aufnahme und -Abgabe sein. Dennoch hätte man das ganze bestimmt auch ohne Styropor lösen können, zumal das sich ja auch irgendwann zersetzt, soweit ich informiert bin.

    Die Neubauten neben dem Dom gefallen mir vor allem in Bezug auf die Materialwahl und die Behandlung der Oberfläche gut. Was natürlich mal wieder nicht so toll ist ist die auf Teufel komm raus gewollte Asymmetrie der Fenster. Gerade hier wären die Typischen "Fensterbänder" wie sie viele der Frankfurter Altstadthäuser aufwiesen, angebracht gewesen. Aber hier will ich nicht auf höchstem Niveau meckern.

    Aus dem Artikel:


    "Die schlichte Fassade weicht Stuck, Säulen und GlasDas Kino kehrt zwar nicht zurück – dafür aber Teile der alten Architektur. Die moderne, aber schmucklose grau-weiße Fassade des Hotels wird abgetragen. Nach Entwürfen des Architektenbüros Tchoban & Voss sollen die unteren Etagen wieder dem Original mit Stuck und Säulen gleichen und so „den Kurfürstendamm als Prachtboulevard bereichern“; darüber entsteht eine Glasfront."
    Das ist ja nahezu unglaublich! gut, auf dem Glaskasten könnte man verzichten und er wird auch mal wieder nicht so leicht und transparent wie auf der Visualisierung daherkommen, aber trotzdem klasse!

    Das ist mir natürlich bekannt, trotzdem gab es keinen Masterplan á la Brasilia oder Canberra. Friedrich wollte die Stadt mit schönen Bauten ausstatten und wo die Fassaden nach Vorbildern aus europäischen Kunstmetropolen entstanden und ob sie englisch, italienisch oder französisch waren, war egal. Natürlich entstanden die schönsten in Schossnähe, das ist ja in gewachsenen Städten wie Dresden nicht anders. und dass jede Platzachse sorgsam komponiert war, widerlegt der Alte Markt. Was da gerade neu entsteht, wirkt schon ein bisschen zusammengeschustert und passt eigentlich streng genommen weder von der Höhe noch von der Stilistik ganz zusammen, eher wie eine gewachsene Altstadt.

    All die Bilder beweisen doch, dass es durchaus möglich wäre, Deutschlands Altstädte im großen Stil zu rekonstruieren. Aber das ist natürlich politisch nicht gewollt.

    Richtig, sagte ich schon immer. Eine edle Glas-Stahl-Marmorfassade ist nämlich keineswegs billiger als eine rekonstruierte Fassade, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Wie auch im Garnison-Kirchen-Strang gerade deutliche wird, gibt es aber immer wieder Quertreiber, die sich die Stadt der Brüche und kein heiles Stadtbild wünschen. Heil heißt hier nicht heile Welt, wirklich nicht, sondern einfach ein ästhetisch, gewachsen wirkendes Stadtbild. Auch zeigte die Diskussion über A-Liga-Städte, dass selbst hier viele dem Mythos aufgesessen sind, dass nur eine "moderne" Stadt spannend sein könne, alles andere bedeute Stillstand.

    Ja, ja....und die Frauenkirche war für das freie Neumarktumfeld zu klotzig, die neue Frankfurter Altstadt beißt sich mit den Hochhäusern, Das Weseler Rathaus passt in seiner gotischen Formensprache nicht in die Wiederaufbaustadt... Mann, Mann, in diesem Forum wird man mit so einer Meinung alleine stehen, ausserdem entbehrt sie jeder Grundlage. Was nicht nach Potsdam, einer ehemals schönsten Barockstädte der Welt passt, sind diese sozialistischen Platten.

    Grundsätzlich sollte man endlich einmal die ästhetisch-baugeschichtliche und städtebauliche Qualität der Garnisonkirche von ihrer frühren Nutzung und dem "Tag von Potsdam" abkoppeln. Die Kirche alleine ist nicht "böse", wie kein Bauwerk, sondern der Mensch. Ein KZ ist auch nicht per se böse, sondern die Menschen und die menschenverachtende Ideologie, die dahintersteht. Wollte man alle Gebäude, die in ihrer Geschichte einmal Schauplatz grausamer oder menschenverachtender Aktionen waren vernichten wo kämen wir da hin. Ganz Jerusalem müsste bodeneben gemacht werden. Darüber sollte man mal nachdenken. Was kann eine wunderschöne Kirche dafür, dass ein Depp darin mal den Reichstag eröffnen musste? In erster Linie hat die Kirche auch nichts Militärisches an sich. Sie war halt die Kirche der Potsdamer Garnison, was soll daran bitte böse sein? Auch von anderen Altären und Kanzeln aus wurden Soldaten in den Krieg geschickt für Gott und Vaterland.

    Im "heidnischen" Brandenburg hat man mit einer Kirche offenbar Riesenprobleme. Gegen die Frauenkirche gab es diesen Gegenwind nie, obwohl der Gläubigkeitsindex in Sachsen bestimmt auch nicht viel höher liegt. Da wird dann die offenbar ach so böse Geschichte eines Gotteshauses bemüht um ja nicht eine Kirche zu rekonstruieren. Auch die Frauenkirche hatte ihre dunklen Seiten im "dritten Reich", Landesbischof Coch sag ich da nur. Hier nachzulesen:
    http://www.dresden-nazifrei.co…traege/7_Frauenkirche.pdf
    Wenn der Bau nicht in seiner ursprünglichen Funktion als Kirche rekonstruiert wird, dann fände ich die Nutzung als Wohnung im Schiff allemal besser als wenn überhaupt kein Schiff kommt. Der Turm alleine wäre sicherlich schon schön, aber auch die suboptimale Lösung.

    Das ist aber in der Tat etwas, dass man Zwickmühle nennt. Einen Kirchenbau, den keiner braucht, zu Lasten eines Studentenwohnheimes? Da wird mächtiger Gegenwind aufkommen

    Oh süße Ironie! Noch schlimmer wäre nur eine Kita oder eine Schule :biggrin:

    Allerdings hat die Stadt das Areal für das Kirchenschiff auch schon an die Kirche verkauft. Diese steht schon im Grundbuch.

    Anhand dessen dürfte doch wohl alles klar sein. Davon abgesehen spricht nichts dagegen das Kirchenschiff innen zu unterteilen und als Studentenwohnheim zu nutzen, groß genug wäre es ja, und im Gegensatz zum grandiosen Gerlach-Turm, der wirklich einer der schönsten Barocktürme Deutschlands war, war das Kirchenschiff und dessen Ausstattung eher schlicht. Damit stand die Garnisonkirche nicht allein in Preußen, siehe Parochialkirche oder Sophienkirche, Französischer und Deutscher Dom in Berlin.
    Diese Innenansicht:
    http://fotos.verwaltungsportal…andate-18829-fotodrei.jpg
    zeigt meines Wissens das Ergebnis einer wilhelminischen Umgestaltung. Das Original war wohl noch schlichter. Es war ja eine Soldatenkirche und die passte gut zum spartanische preußischen Geist der Erbauungszeit.
    Das war wohl vor der Umgestaltung:
    http://fotos.verwaltungsportal…andate-18829-fotozwei.jpg

    Dass A-Liga und Schönheit nicht unbedingt Gegensätze sein müssen, beweisen beispielsweise Paris, Amsterdam und London. Jetzt bitte nicht wieder die Londoner "Häßlichkeiten" gebetsmühlenhaft herunterbeten, sondern einfach mal meine Meinung so stehen lassen. Wenn die A-Stadt des 21. Jahrhunderts eine Skyline benötigte, wären nicht nur Paris und Amsterdam völlig aussen vor, sondern Frankfurt müsste DIE Pulsierende deutsche Metropole sein. Das "Freilichtmuseum" Wien stand an "pulsierendem Flair" Berlin nach meinen Beobachtungen in nichts nach. Wer in Wien natürlich nur die Innere Stadt besucht, lässt sich da vielleicht etwas einschläfern. Ich fand Viertel wie Mariahilf oder Neubau interessanter als alles in Berlin, meine Meinung. Vielleicht ist dort die "Szene" "provinzieller" als in Berlin, dafür ist Berlin aber auch fast 3-mal so groß und aus dem Alter, dass ich die Attraktivität einer Stadt an Szene und Ausgehmöglichkeiten gemessen habe, bin ich ehrlich gesagt raus.

    Friedenau ist in der Tat eines der schönsten Altbauquartiere Berlins, immer noch, obwohl auch hier die unsägliche Entstuckung grausam zugeschlagen hat. Der hohe Altbaubestand, verbunden mit geringer Kriegszerstörung hat hier ein typisches vornehmes Westviertel überleben lassen, wie man es nicht häufig in Berlin findet.

    Aber warum sie qualitativ besser ist als die City Höfe (die Du ja leider in der aktuell verunstalteten Form mit Eternitfassade zitiert hast), erschließt sich mir überhaupt nicht.

    Die sahen auch mit den Bahnhofstoilettenfliesen an der Fassade nicht besser aus. Warst du schon mal in Dresden und Hamburg und hast dir das ganze mal in natura angesehen? Die Hamburger Häuser sind buchstäblich ein schlag ins Gesicht der Stadt, zumal sie an die wunderschöne Sprinkenhoffassade grenzen. Die Prager ist durchaus durchkomponiert und als stadtplanerisch gelungen zu bezeichnen. Ich habe die Prager auch nie als positives Beispiel für Städtebau genannt, zumal sie das Scheitern der "Moderne sehr eindringlich veranschaulicht identitätsstiftende Stadträume zu schaffen, wie es der Vorkriegs-Prager gelang, was man an der bis heute andauernden Verklärung dieser banalen Straße, auch hier im Forum sieht. Dennoch kann die Qualität dieser auf der grünen Wiese, im wahrsten Sinne des Wortes, gebauten Straße, als Einzeldenkmal, durchaus anerkannt werden. Die Hamburger Häuser sind Solitäre, denen kein Konzept oder stadtplanerischer Aspekt zugrundeliegt. Da war halt Platz nach dem Krieg und man wollte was "Modernes", Amerikanisches. So sind die halt entstanden.


    Was vergleichbares zur Prager haben die Hamburger übrigens mit der Hamburger Straße in Barmbek gebaut:
    http://de.academic.ru/pictures…de0188948464b3db80d19.jpg


    http://www.hamburg-web.de/foto…ekz-hamburger-strasse.jpg