Posts by Maßwerk

    Schrieb nicht mal jemand, dass die Figuren aus dem 19. Jahrhundert, die hier nachgeschaffen wurden, selbst auf älteren Figuren basieren? Ich vermute, dass diese älteren Figuren Instrumente hatten, aber so schlecht erhalten waren, dass die fehlenden Teile im 19. Jahrhundert irgendwie anders ergänzt worden sind. Mit der Folge, dass es mit den Armhaltungen nicht mehr ganz passt.

    In dem Video kann man sehr gut erkennen, wie sehr sich Architekten verbiegen müssen, um selbst banalste Gestaltungsansätze zu verteidigen. Denn genau das ist es: man versucht sich zu rechtfertigen, warum man überhaupt den Eingang betont und einen Erker bildet (statt alles flach in der Fassade anzuordnen), das heißt dann "skulptural", warum man Ziegel nimmt statt eines billigen WDVS ("robust und langlebig") usw.

    Ich seh das etwas differenzierter. Das erste Gebäude am Hiroshimasteig ist grauenvoll (für mich unterste Schublade, altbackene Fensterbänder, nicht mehr ganz taufrisch vermeintlich modischer Fensterversatz, sieht schon auf dem Rendering billig aus).

    Das Haus 75-77 ist von Mantikor ungünstig fotografiert, in echt passt das an die Stelle ganz gut. Es ist auch nicht überdimensioniert (gegenüber ist das sogenannte Shell-Haus), die Fassade ist gut strukturiert und im Rahmen des modernen Stils auch detailliert. Den Verlust des Altbaus (speziell der Medaillons an der Fassade) kann man natürlich trotzdem bedauern, auch wenn dieser nicht zu meinen Lieblingsbauten zählte.

    Das Soravia-Projekt sieht leider nicht übermäßig vielversprechend aus, aber ich würde die Hoffnung noch nicht komplett aufgeben. Schlechter als der Ist-Zustand kann es nicht werden ...

    Sowas wie oben die Kantine gilt im Architekturstudium als "gut gestaltet". Genau darauf wird man trainiert. Der moderne Architekturexperte erkennt:

    • Material ist ortstypisch
    • die Gliederung des historischen Zwischenbaus wird durch die Schlitzfenster neu interpretiert, die Höhen werden aufgenommen (z.B. Oberkante Fenster = Oberkante Pilaster)
    • Abgrenzung durch Glasfuge
    • klare, moderne, skulpturale Gestaltung, die sich nicht anbiedert
    • usw.

    Das das in Wirklichkeit total sperrig wirkt, wird gerne übersehen.

    Kurfürsten- Ecke Frobenstraße: da hab ich vielleicht zu lange Architektur studiert ... das Eckgebäude steht zwar im scharfen Kontrast zum Altbau, aber ich find es gar nicht unfreundlich anzuschauen (und ich laufe da oft dran vorbei).

    Wirklich schlecht finde ich dagegen das Gebäude links daneben. Tristes Anthrazit, Fenster ohne jede Struktur oder erkennbare Idee über die Fassade gestreut:

    Berlin-Schöneberg Fröbelstraße

    Und das 60er Jahre Gemeindehaus rechts vom Altbau ist auch unter aller Kanone. Das kommt noch aus Zeiten, als hier mal eine Autobahn geplant war:

    Berlin Kurfürstenstraße

    Hier ein Bild von mir aus derselben Perspektive. Kann gerne für Vereinszwecke verwendet werden. Ich hab das nur noch nicht bei Instagram Berlin gepostet, weil ich Hemmungen hatte, das Wiki-Bild für eine Meinungsäußerung einzusetzen. Aber vielleicht bin ich da übertrieben vorsichtig.

    Berlin Tucholskystr Jüdisches Gemeindehaus

    @findorfer, ich hab das ja mal studiert in den 90ern, und ich hab es gerade anders empfunden. Baukonstruktion spielte bei uns eine viel zu geringe Rolle (auch wenn sich einzelne Profs bemüht haben), Baupraxis und Wirtschaftlichkeit fast gar keine, Materialien und Grundrisse eine halbwegs angemessene Rolle. Vor allem aber ging es um Ästhetik. Allerdings entweder auf Grundlage einer gewissen puristischen Moderne (Materialsichtigkeit, konstruktionsgemäß entwerfen, form follows function) oder im Sinn von Experiment, Innovation, etwas entwerfen, was noch nie da war. Empfunden hab ich dahinter immer den Anspruch, wir sind die ästhetische Elite, wir wissen nach dem Studium wie sowas geht und haben dann auch einen gewissen Erziehungsauftrag gegenüber denjenigen, die das nicht studiert haben.

    Ideologie ist ein scharfes Wort, nennen wir es Doktrin oder Leitlinie ... aber die Grundidee, dass moderne Zutaten immer im scharfen Kontrast zum Bestand ausgeführt werden sollen, kann und sollte man in Frage stellen.

    Es ist immer schwierig bei der Ästhetik, wenn Theorie und unmittelbarer Eindruck nicht im Einklang stehen. Bei vielen dieser Ergebnisse denke ich immer, die faktische Entstellung der Baudenkmäler oder auch Rekos ist doch offensichtlich (beim letzten Beispiel gar nicht mal so krass, aber ich denke z.B. an Kongsnaes in Potsdam, oder ein gewisser Glasaufzug an einer Jugendstilschule). Scheinbar gerettet wird das Ergebnis immer nur durch einen erheblichen theoretischen Überbau, der letztendlich die Betrachter für blöd erklärt: warum eigentlich muss auch der letzte architekturfremde Mensch mit dem Holzhammer gezeigt bekommen, dass es sich um eine neue Zutat handelt?

    Gerade aus diesem Bereich höre ich im meinem Bekanntenkreis immer die klarste Kritik an den Ergebnissen, da ist dann immer offensichtlich, wie unpassend das ist, und maximal unklar, warum man das unbedingt so machen muss.

    Ist das der Endzustand der Fassade? Unglaublich. Hier überhaupt noch von sowas wie "gestalterisch ansprechend" zu sprechen... in der Form ist das wie der schlimmste Alptraum aus den 70ern. Der Slum von morgen.

    Vielleicht täuscht der Eindruck ja, und bei schönem Wetter oder auf der anderen Seite sieht es besser aus, aber richtig glauben kann man das nicht. Die neuen seriellen Berliner Schulbauten sind dagegen ein Traum.

    Ich finde auch, dass das neue Salzhaus genug Qualitäten hat, um es an dem Standort zu erhalten. Ich mag auch das Mosaik mit dem Phönix. Das ist in ähnlicher Weise eine ornamentale Gestaltung wie an vielen Fachwerkhäusern oder auch Gründerzeithäusern, nur eben im Stil der 50er Jahre, und auch viel besser/charakteristischer als das neue Pellerhaus. Der einzige Nachteil ist, dass es die Reko des originalen Salzhauses an der Stelle blockiert.

    Das alte Salzhaus sollte auf jeden Fall irgendwann wiederaufgebaut werden, möglichst in räumlicher Nähe, aber nicht genau am Originalort. Allein wegen der vielen erhaltenen Teile. Das könnte man argumentativ schon fast als Translozierung bezeichnen. Das halte ich für realistischer und in diesem Fall vertretbar. Wäre nur sinnvoll, einen Ort zu finden, der dem Charakter des Originalortes näher kommt als z.B. in Hannover beim Leibnizhaus.

    Ja, die Vorstellung von gekreuzten Krummsäbeln hatte ich auch spontan. An sich bin ich ja immer froh, wenn ein Gebäude sowas wie Ornamentik hat (auch bei Glashäusern), aber mit der Assoziation ist es dann schon wieder etwas unsympathisch...

    Die Botschaft von NRW gleich um die Ecke hat übrigens eine ähnliche Grundidee der Fassade: Hier ein Foto.

    Na ja. Das ist schon ok so, und das passt auch zu Bochum. Bochum ist schließlich im Grunde eine geschlossene 50er Jahre Stadt; die wirklichen Bausünden befinden sich anderswo (z.B. der Klopper an der Massenbergstraße an der Stelle des Stadtbades).

    Irgendwie schade um die Uhle ist es trotzdem, allerdings eher aus nostalgischen Gründen als aus architektonischen. Dass das ein Altbaurest war, konnte man nur erahnen.