Posts by Maßwerk

    Ich finde, es liegen Welten zwischen den beiden Beispielen. Das Gebäude der Bundesstiftung finde ich sogar ziemlich gut, man kann ihm höchstens vorwerfen, dass es nicht mehr stilistisch einheitlich ist.

    Dem Steglitzer Beispiel fehlt hingegen jegliche Feinfühligkeit. Es beschränkt sich auf die plump umgesetzte Idee, das Gebäude gefühlt modern fortzuführen und gleichzeitig abzugrenzen, und kommt dabei nicht über die erste Skizze oder das 1:500-Styrodurmodell hinaus.

    Wie ich schon im Nachbarthread schrieb, auch wenn manche die moderne Fassung nicht mögen, sie ist definitiv konzipiert worden mit dem Wiederaufbau der Bauakademie in den historischen Formen im Blick. Ich denke, dass alle Architekten davon ausgegangen sind, dass das geschehen wird, was ja auch durch die Präsenz der Plane und der gemauerten Ecke über Jahre untermauert wurde. Auch aus dieser Sicht ist ein Schinkelscher Wiederaufbau zwingend.

    Tja, bei sowas bin ich immer unsicher, ob ich es gut oder schlecht finden soll. Ja, es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber ein sehr unbeholfener. Man hat zwar Stuckelemente einer gewissen Qualität gewählt, und auch den grundlegenden Aufbau einer Berliner Fassade begriffen (Sockel, darüber 3 Geschosse mit jeweils anderen Elementen, Abgrenzung zum obersten Geschoss, Ecktürmchen), aber leider mit wenig Gefühl für Proportionen. Warum geht das angedeutete Zwischengesims über dem 3.OG auch beim Eckerker durch? Warum klebt es so nah an den Fenstern des 3.OG? Warum schweben die Elemente über den Fenstern, statt diese ordentlich einzufassen (ein oft gesehener Fehler bei Neubestuckungen)? Warum ist das Dach v.a. beim Eckerker so plump?

    Ja, da ist natürlich was dran. So gesehen, sind die Sprengungen der Nachkriegszeit die wahre Form von Verdrängung, von "so tun, als wäre nichts gewesen", und die Rekonstruktionen geben erst den Raum, sich zu erinnern, dass da eben mehr gewesen ist als eine moderne Schnellstraße.

    irreführende bildliche Darstellungen, denen die Realität widerspricht.

    Eine typische Methode bei anderen Bauprojekten, vor allem im Wettbewerb: Billige, brutale Glaskiste entwerfen, dann aber darstellen mit dramatischem Himmel bei Sonnenuntergang, mit warmem Licht von innen leuchtend, mit reizvollen Spiegelungen in der regennassen Straße, wie bei diesem Schmuckstück zeitgenössischer Entwurfskunst.

    Solche Manipulationen sollte man bei Wettbewerben eigentlich von vorneherein verbieten, z.B. vorgeben, dass das Gebäude am frühen Nachmittag mit wolkenlosem Himmel dargestellt werden muss.

    Ich frag mich auch immer: wenn die Architekten doch offenbar wissen, wie man was visuell ansprechendes erstellt, warum wird nicht gleich das Gebäude so entworfen?

    Danke Andreas für den Hinweis. Das Thema scheint ja doch eher eine nicht mehr zeitgemäße Theologie zu sein, die betont, nur Konfirmierte hätten Teil an der Gemeinschaft Gottes, und Kinder und Schwerstbehinderte folglich nicht.

    Gegen zusätzliche Heiligenscheine hatte offenbar das Denkmalamt was (sollte als Zeichen erhalten werden), also blieb wohl nur diese Lösung ...

    Die Frage ist doch, wer ist da dargestellt, und wie ist es gemeint gewesen? Dazu muss es doch Unterlagen geben. Ich sehe hier offenkundig Heilige (auch wenn ich keinen konkret erkenne, scheint es sich anhand der Tonsur ganz links um historische Persönlichkeiten zu handeln). Eine Person hat ein Baby, eine begleitet anscheinend ein Kind, nur die dritte kümmert sich um jemanden, der alt, krank oder beeinträchtigt ist. Problematisch auf den ersten Blick ist maximal diese letzte Gruppe rechts unten. Aber wenn dies eine historische (heiliggesprochene) Person darstellt, die genau dies getan hat, wo ist das Problem? Sich um Menschen zu kümmern, ist doch an sich was gutes??

    Aber vielleicht gibt es ja tatsächlich eine NS-nahe Programmatik, die hier intendiert wurde?

    Das ist den Gegnern ja auch klar, dass eine dauerhafte Änderung nicht durchsetzbar wäre. Sie träumen natürlich von einem dauerhaften Provisorium, aber ich halte auch das für recht unwahrscheinlich.

    Nach dem ganzen Claudia-Roth-Bashing möchte ich mal versuchen, die Sache mit dem Spruchband etwas zu objektivieren. Den Spruch kann man auf verschiedenen Ebenen betrachten, und ich versuche, die naheliegenden Schlussfolgerungen zu ziehen.

    • Der Spruch ist offensichtlich Teil der Gestaltung der Fassade. Wenn man den Anspruch hat, die Fassade vollständig zu rekonstruieren, gehört er mit dazu. Allerdings ist es nur ein kleiner Teil (wenn auch ein prominent sichtbarer), und rein gestalterisch würde nur wenig Schaden zugefügt, wenn er z.B. anders lauten würde.
    • Der Spruch ist historisch gesehen zunächst Ausdruck dessen, dass sich dahinter die Schlosskapelle befand. Insofern ein wichtiges Erinnerungsmal, das aber außerdem durch das Kreuz, die Engel und Propheten schon deutlich verwirklicht ist. Es wäre in der Summe dieser beiden Ebenen kein großer Schaden gewesen, wenn (bei vorhandenem Kreuz und Engeln) dort nichts oder z.B. "Humboldt-Forum" eingemeißelt worden wäre – Ausdruck dessen, was sich nun in diesem Gebäude befindet.
    • Auf einer rein religiösen Ebene ist der Spruch natürlich nicht zu beanstanden (außer man ist fanatischer Antitheist). Er besagt ja auf dieser Ebene, dass sich alle, auch die Herrscher, nicht über Gott als das Prinzip des Guten erheben dürfen. (Dass hier ein christlicher Gott angesprochen ist und man nicht alle überlieferten Gebote im Einzelnen richtig finden mag, ist hier absolute Nebensache.)
    • Auf der historischen Ebene gehört er zur Persönlichkeit Friedrich Wilhelms IV. Zunächst mal Ausdruck seiner Frömmigkeit und seiner Auffassung, dass auch er eben Gott Rechenschaft ablegen muss – soweit der positive Teil der Geschichte. Aber da gibt es eben noch die andere Seite: natürlich ist es auch Ausdruck dessen, dass er seine Herrschaft ausschließlich über Gott definierte und nicht etwa über das Volk (weshalb er ja auch 1849 die Kaiserwürde ablehnte). Man kann dazu verschieden stehen: entweder man sieht diesen Aspekt als Teil der Geschichte, also als Erinnerungsmal, oder man hat das Bedürfnis, dass ein letztlich antidemokratisch gemeinter Inhalt an so einer zentralen Stelle nicht unwidersprochen stehen bleiben kann. Eigentlich scheint die Sache einfach: Wer Marx und Engels zentral stehen lassen will, sollte auch den Spruch akzeptieren. Wer den Spruch kontextualisieren möchte, sollte überlegen auch Marx und Engels zu kontextualisieren. Eine naheliegende Schlussfolgerung wäre, dass historische Zeugnisse dieser Art von den jeweiligen Gegnern akzeptiert werden können, eine Kontextualisierung aber auch denkbar ist, solange sie keinen materiellen Schaden anrichtet und das Geschichtszeugnis nicht entstellt.

    PS 1: Ich war neulich im Park Neubabelsberg. Dort steht eine von FW IV in Auftrag gegebene Statue vom Erzengel Michael als Drachentötermit dem erst kürzlich neu eingemeißelten Spruch "Zu Ehren der siegreichen Operations Armee am Rhein im Jahre 1849" – gemeint ist die Niederschlagung der Deutschen Revolution in Baden. So richtig glücklich bin ich damit nicht geworden (nicht zuletzt wegen dem historisch zufälligen Anklang an "militärische Spezialoperation"). Den Engel finde ich sehr schön, und ich kann ihn auch als historisches Denkmal akzeptieren, aber ich spürte große Lust, eine Ergänzung ist Auftrag zu geben, die besagt "Und die Demokratie hat doch gesiegt".

    PS 2: Meine persönliche Meinung: Das Leuchteband finde ich unnötig, aber nachvollziehbar und als temporäre Installation auch keine Katastrophe. Wenn schon, dann aber als Lösung, die den originalen Spruch tagsüber optisch nicht beeinträchtigt. (Nicht nachvollziehbar dagegen z.B. die Ablehnung der völlig unpolitischen Balustradenfiguren.)

    Den neuen Einsiedler kann ich auch nur als sehr seltsam wahrnehmen. Anders als bei der neuen Alten Post, wo die Proportionen in sich stimmig sind (wenn auch anders als beim Original), sind dieselben hier ziemlich entgleist.

    Der Giebel ist viel zu wuchtig, er schreit einem geradezu entgegen, dass er nur vorgesetzt ist, der Abschluss des Daches ist zu kräftig und disharmoniert mit dem Giebel, die Gauben kommen ästhetisch aus einer wieder ganz anderen Ecke, die Farben wirken altbacken wie vom Ende der 80er. Am Ende sind alle Details schlechter als im Wettbewerbsentwurf, welcher noch akzeptabel gewesen wäre, wenn auch schlechter als das Original.