Posts by Wolfsheim_Jena

    @ jörg: danke für die Unterstützung.


    Also wirklich, mir kommen die Tränen.
    Genau diese Zeilen meine ich mit der bei einigen herrschenden "Weltfremdheit". Ihr versteht einfach nicht, daß es beim Bauen eben nicht um art-pour-le-art geht.
    Es geht in erster Linie - ja ich nehme die Worte wieder in den Mund- um Finanzierung, Kosten, Geschoßflächen, Nutzbarkeit und Rendite. Vor allem in Innenstadtlagen. Historisierende Architektur ist bei manchen hier ein Sebstzweck, so gehts aber nicht.


    Mit diesen Ansprüchen würde die Leipziger Innenstadt heute noch eine trümmerbrachendurchzogene Provisorienwüste sein!
    Oft ist es nämlich die Investition in moderne Renditeobjekte, die erst einmal die Kundenfrequenz und Aufmerksamkeit erzeugen, um die stets sündhaft teuren Rekos zu wagen. JEDES Projekt ist ein Kompromiß und ein Konglomerat von Abwägungen, dagegen könnt ihr geifern wie ihr wollt -siehe Jahnallee, Neumarkt, etc. Wer keine Kompromisse zu schließen bereit ist, wird da draussen einfach stehengelassen und übergangen, so einfach ist das. Das ist hart, aber am Ende sitzen bei einem Bauprojekt zu viele Leute mit am Tisch und viele haben längere Hebel als man selber.


    Und was die gebrauchten Bundesländer angeht: Ich weiss sehr wohl wie es in Kassel, Köln, Unna, etc. ausschaut. So schlimm, das man sich theatralisch an die Brust werfen muß ist es nun auch wieder nicht. Es gab zwar eine große Bauwelle in den 60ern und 70ern, aber das dadurch gleich die Lebensqualität grundlegend zerstört wurde, ist heillos übertrieben. Ich finde diese Städte gleichermaßen lebenwert. Wem es nicht gefällt, der kann gerne nach Wiesbaden oder Dresden umziehen. Egal wo man sich in Deutschland befindet: von der Lebensqualität her leben wir in der besten aller Welten.


    Ich rufe nur noch mal dazu auf, hier mit Kontakt zur Realität des Bauens (d.h. damit zur Realität der Gesetzeswelt, der Bürokratenwelt, der Finanzwelt etc.) zu diskutieren. Nur so können auch nutzbare Impulse aus unserer Diskussion hervorgehen. Wenn wir hier einen idealistischen Kunstdiskurs führen wollen und zwanghaft versuchen die Urbanität von vor 100 Jahren herzustellen, haben wir eine rein akademische Kunstwelt geschaffen, in der wir fröhlich zwischen Säulchen, Putten und Butzenscheiben uns nach der guten alten Zeit sehnen können. Das wäre aber schade um der Diskussion willen.


    Wenn Euch das "Renditegehabe" stört, wird eben in Zukunft nicht mehr gebaut, so einfach ist das. Objekte die keine Rendite bringen entstehen nicht, es sei denn es sind Kirchen oder andere Sonderbauten. Es wird gebaut, weil man hinterher mehr raushaben will als vorher. Auch am Neumarkt: Baywobau, VVK und die anderen interessiert es einen feuchten Kehrricht, ob ihre Bauten nun solche Fenster oder solche haben oder ob das eine Reko ist oder nicht. Hauptsache die Finanzierung haut hin und die Behörden hauen nicht dazwischen. Alles andere ist pure Romantisiererei, die nichts nichts nichts mit der Realität zu tun hat. Wenn ich damit in Gegnerschaft zu einigen hier im Forum lebe oder dem Mainstream dem Mund rede: das begrüße ich sogar, denn ich finde es sehr erfrischend, wie belebt die Diskussion auf einmal wird, wenn ich eine zwischen Tradition und Moderne vermittelnde Position einnehme! Vielleich sollte man einmal radikale Modernisten hier herein bitten, dann wird es doch erst spannend. Im Vergleich dazu sind doch unsere Positionen doch eher nah beieinander und die Sticheleien noch schmerzarm.

    Provinz beginnt dort, wo den Leuten im Ausland erst einmal erklärt werden muß, wo das liegt oder dass es die Stadt gibt. Berlin gehört definitiv nicht zur Provinz. Hier konzentriert sich nun einmal alles, was in Deutschland medial und kulturell wichtig ist. Damit erfährt Berlin die meiste Aufmerksamkeit.


    Hamburg, Köln und München meinetwegen auch, aber damit verbindet niemand was Konkretes. Vor allem aber gilt das für unsere gewesene Hauptstadtkarikatur Bonn, das heute wieder zu muffig und provinzlerisch ist wie es immer schon gewesen ist.


    Nach den ersten vier Orten ist eigentlich schon Schluß. Ich habe jedenfalls noch nie jemanden im Ausland getroffen der was mit Rostock, Landshut oder Görlitz anfangen konnte. Wollen hier mal absehen von mit Absicht zum Idealbild der deutschen Provinz hochstilisierten Orten wie Rüdesheim, Rothenburg und Dinkelsbühl. Dort werden die Japaner und Amis busseweise hingekarrt im Glauben, sie sähen sich Deutschland an.


    Wobei: Gerade in Deutschland hat "Provinz" ja nichts mit ökonomischer Schwäche zu tun. Traditionell verdient bei uns die Provinz das Geld für die Metropole. Genau umgekehrt wie überall sonst, etwa in Frankreich oder Großbritannien. Dieser Fakt führt zwar zu einem insgesamt recht angeglichenen Lebensniveau und einer sehr großen Vielfalt, aber auch zu Neid, da die Provinz geistig-kulturell nicht mit der Metropole mithalten kann.

    Nun ja, bedeutend wird die Rolle des Platzes im öffentlichen BEwußtsein eher nicht werden, dafür ist der zu klein und etwas abseits gelegen. Da wird er wohl dem Pariser Platz und dem neuen Platz vor dem Schloß den Vortritt lassen müssen. Zusammen mit der aber am Schinkelplatz neu entstehenden Architektur wird sich ein sehr interessanter Ort ergeben, der durchaus das Zeug zu sehr hochwertiger Klientel hat. Arme Leute werden jedenfalls dort nicht wohnen.
    Schon aus diesem Grund habe ich keinen Grund anzunehmen, warum der Platz verwahrlosen sollte? Wie können wir das vorher sagen, bloß weil einer von uns mal eine Dreckecke in Neukölln oder sonstwo gesehen hat? Berlin wird sich seiner kaufkräftigen Klientel dort durchaus bewußt sein, keine Angst.

    Sehr richtig. Auch kommen die vielfach händischen und vergleichsweise ineffizienten Produktionsweisen dazu. Wenn man mit Pferd und Wagen unterwegs ist und nur jeder Hunderste ein Automobil besitzt, brauche ich keine Autobahnen, Umgehungsstrassen und Parkhäuser.


    Wenn man mit 1PS den Acker pflügt, stören Hecken nicht.


    Unsere moderne Konsumgesellschaft braucht da aber andere Produktionsweisen, auch deswegen wurde neben der Stadt (autogerechte Kommune) auch die Landschaft immer mehr auf Effizienz getrimmt. Im Westen mit seinen Mini-Bauern ist das teilweise noch nicht so, in zwanzig Jahren wird sich die Struktur eh der schon im Norden und Osten bestehenden angeglichen haben. Der Trend zur Effizienzsteigerung/Zersiedlung geht also weiter.

    Naja, eine Rekonstruktion des Marktplatzes ist wohl etwas für die Wünsch-dir-was-Rubrik. Es wäre dem Ganzen schon gedient, wenn man sich auf qualitätvolles Bauen mit wertigen, regionalen Materialien verpflichten würde, anstatt bloß Renditehütten hinzustellen, die nach 25 Jahren wieder abgerissen oder totalsaniert werden müssen.

    Es ist eben die seltsame Eigenart dieses Forums mit Scheuklappen herumzulaufen, so dass es fast ans Ewiggestrige grenzt.


    Einzelne Äußerungen hier bestätigen diesen Eindruck immer wieder, wenn ich mir hier den zuweilen undifferenzierten Hass auf alles Neue, Innovative und Frische anschaue. Ein sehr kümmerlicher Geisteszustand, der da präsentiert wird. Nur zur Erinnerung: Die Semper-Kommode in Dresden ist ein Neubau des VEB Gesellschaftsbau, ein Plattenbau mit Zuckerbackwerk wenn man so will.
    Ich fordere hiermit den Abriß dieser Kopistenhütte wegen mangelnder Authentizität!


    :zwinkern:

    tja, um diese etwas abschweifende Diskussion vielleicht etwas zu einem Ende zu schieben: Wären die Russen von der anderen Seite gekommen, hätten die Stuttgarter und Münsteraner über die Mauer gucken müssen oder wären im Stuttgarter Stalinwerk (vorm. Daimler-Benz AG) schaffe gegangen. Insofern dreht sich unsere Diskussion um nun einmal nicht vermeidbare Resultate historischer Zufälle.
    In diesem Lichte besehen, sind einige Bemerkungen hier reichlich kleinlich oder weinerlich. Ich jedenfalls wende mich da lieber dem Neuen zu, daß -wie im Falle des sehr, sehr schönen und attraktiven Schinkelplatzes uns endlich wieder etwas von weltstädtischer Eleganz zurückgegeben kann. Dier Sinn dafür ist uns in allen Teilen Deutschlands gründlich verloren gegangen. Warum immer dieses Provinz-Genöle? Insofern ist es mir sehr recht, daß Berlin als einzige ernstzunehmende Weltstadt Deutschlands einige Renommierorte bekommt (Entschuldigung, München und Düsseldorf sind schöne Städte, aber die Kö und die Ludwigstrasse kennt keine Sau im Ausland, den Pariser Platz dagegen schon). Da darf dann auch ruhig Geld ausgegeben werden, das nicht unbedingt berlinisches Geld sein darf. Berlins hoffentlich bald glanzvolle Hauptstadtrolle fällt auch indirekt auf Provinzorte wie Münster, Erfurt oder Landshut zurück.

    Quote

    sorry, dann schreib doch nicht so einen klischeetriefenden sch****dreck, bei dem jeden die galle hochkommt. erst undifferenziert rummuffeln und dann von "interessanten kräuterlein" faseln. Ich bin kein ökosympathisant, sondern ein normaluser, der hier über architektur diskutieren will, und sich nicht so einen unterirdischen provinz-hirnerguss anhören will. das ist einfach off-topic, von einer ganz dumpfen sorte. da hört echt die toleranz auf, wenn hier dümmliche berlin-ossiklischees gefahren werden und sich über irgendwelche leute auf der strasse ausgelassen wird. diesen stil kennen wir in seiner dummheit schon und interessiert uns nicht die bohne. das niveau brauchen wir hier nicht und geht uns auf die nerven.


    ERST DENKEN, DANN SCHREIBEN


    siehe beitrag unten. das hätten wir dann geklärt, hiermit nehme ich das gesagte zurück, offenbar reagieren wir beide impulsiv auf dinge die uns zunächst mal anstinken, nichts für ungut :P:D

    Quote from "macron79"

    Ist ja kein Wunder, dass viele Ordnungsliebende Deutsche die Stadt nicht mögen.


    Was verständlich ist, denn in Ostdeutschland hat man da wohl andere Maßstäbe.



    Ohne frech zu sein, aber dieser Satz gehört für mich in die Schublade "Gartenzwerge & rheinische Kleinlichkeiten". Da bin ich ganz froh, daß wir hier offenbar andere Maßstäbe haben sollen. Wenn man das im gebrauchten Teil Deutschlands alles besser kann, warum ist dann das Ruhrgebiet eine so schlimme Prekariatswüste? Kehrt besser erstmal Eure Städte, da siehts keinen Deut besser aus.


    "Ordnungsliebende Deutsche": da fällt mir nur ein: Aber die dreckigen Ausländer finden Berlin dafür ganz toll. *muhahaha* Ins ach so saubere Münster *prust* fährt kein Mensch. Wahrscheinlich legt der Kellner im Cafe erst mal ein sagrotan-Tüchelchen unter den Kundenhintern, sonst werden die Sitze dreckig. Offenbar scheint unser liederlicher Schmutz ganz attraktiv zu sein.


    Irgendwie finde ich solche Bemerkungen miefig und provinziell á la "zu Hause isses aber viel schöner". Also echt, was manche für Probleme haben :P:schockiert::zwinkern::augenrollen::D:D:D

    Naja, in der westfälischen Provinz sind die Strukturen etwas übersichtlicher und die Wege zur Abhilfe bei sichtbaren Mißständen auch viel kürzer. :D In Berlin muß man sich als Bürger erstmal durch die Senatsverwaltung durchfragen, im beschaulichen Münster ruft man einfach mal an beim Amt, und vielleicht passiert auch was.


    Ich glaube es gibt auch wichtigere Projekte in Berlin, also irgendwelche Grünstreifen. :augenrollen:

    Hallo,


    wie in dieser Woche schon einmal angekündigt, stelle ich hier einmal Bilder meiner letzten Fototour ein. Diesmal war ich nicht etwa im Randgebiet sondern direkt in Leipzig unterwegs. Abermals in einem eher unterschätzten Stadtteil: Eutritzsch.
    Anders als etwa Schleußig oder die Südvorstadt tobt der Sanierungsboom eher verhalten. Dennoch finden sich hier sehr interessante Objekte der späten Gründerzeit und vor allem der Moderne, die vor allem auch im Leipziger Nordosten vertreten ist. Hier einige Eindrücke.


    Zunächst ein Blick auf eines der vorzüglichsten Zeugnisse sozialen Wohnungsbaus in Deutschland - die Meyerschen Stiftungen, die in ähnlicher Bauweise an mehreren Stellen in Leipzig zu finden sind.



    Danach weiter entlang der Theresienstrasse. Wie man sieht eine ruhige, aber durchaus gediegene Wohngegend. Eher unaufregend, aber durchaus nicht schmuddelig.



    Viele Zeugnisse der Moderne finden sich im Viertel. Einiges wird auch derzeit saniert, vieles erstrahlt schon im neuen Glanz



    Um die Ecke: In der Dessauer Strasse entdeckte ich ein für meine Begriffe atemberaubend schönes Industriegebäude. Ich habe noch nie davon gehört. Augenscheinlich steht es leer, scheint aber noch in sehr gutem Originalzustand zu sein. Es handelt sich um den ehemaligen Firmensitz der Papiergroßhandlung Ferd. Flinsch & Co., die vor dem Kriege Marktführer in Leipzig war.




    Besonders beeindruckend fand ich die schlichte Formgebung, so etwas habe ich sonst nur so klar in Amerika gesehen mit die großen Original-Stahlrahmenfenstern.





    Weiß jemand mehr über das Gebäude?
    Wer ist der Eigentümer, gibt es dort geplante Sanierungsprojekte? Hier sollte man eine Loft-Nutzung anstreben, ein prädestinierteres Gebäude gibt es in Leipzig nicht.

    Volle Zustimmung.


    Letztendlich geht es um die Wiedergewinnung von Urbanität.Das kann aber nicht durch konsequentes Ignorieren des technologischen Fortschrittes am Bau geschehen. Wenn sich Vorteile bei der Verwendung von Materialien wie Beton gegenüber anderen Materialien hinsichtlich Kosten oder Bauqualität zeigen, müssen diese auch genutzt werden. Schließlich wäre es Unsinn, überkommene Technologien (reines Ziegelmauerwerk, Holzfenster ohne Isolation) um ihrer selbst willen zu reproduzieren.

    Sehr richtig. Aber lassen wir die alten Kamellen, wir sollten uns größerem zuwenden! Habe heute nach einem Termin in Leipzig das Industriegebiet in Eutritzsch durchfahren und in der Dessauer Strasse das alte Gebäude der Papiergroßhandlung Ferd. Flinsch & Co. entdeckt. Eine Perle der Industriearchitektur! Ich stelle beizeiten Bilder rein, aber heute ist die Sonne weg.

    Moskau-Chic :D


    Das ist ein wildes Durcheinander von Stilmitteln und Formen. Das Endergebnis wirkt oft seltsam überladen und kitschig. In der Anmutung eher neureich als elegant. Auf Berlin bezogen hiesse das, daß die Patzschke-Bauten aus meiner Sicht (Charlottenpalais) eher elegant sind, das hier aber eher neureich wirkt. Zu dick aufgetragen. In Moskau kann man solche Bauten zu Hunderten bewundern:


    http://i033.radikal.ru/0803/31/5c39d8d130fd.jpg


    http://img-fotki.yandex.ru/get…31.0/0_b598_227472f5_orig


    http://i007.radikal.ru/0803/6e/330c2c8000d5.jpg


    http://img76.imageshack.us/img76/8586/kriviera5so5.jpg



    :P Nicht das ich das Projekt ablehne, jeder soll so bauen wie er will, aber irgendwie isses schon eine seltsame Hütte, die irgendwie unwirklich in Berlin wirken wird. Ich bin total gespannt auf das Endergebnis! :D