Posts by Wolfsheim_Jena

    Sehr richtig! Polen und der gesamte Ostblock ist massiv davon entfernt wettbewerbsfähige Strukturen zu haben. Da können noch so viele spektakuläre Ansiedlungen wie Nokia in Rumänien passieren, das dauert noch sehr sehr lang.


    Im übrigen finde ich auch als "Ossi" den Weg der 5 neuen Länder in den letzten 20 Jahren sehr bemerkenswert. Wenn man von Anfang an die harte Konkurrenz durch einen der leistungsfähigsten Wirtschaftsräume der Erde (Westdeutschland) direkt und schrankenlos vor der Nase hat, geht es nun mal nicht ohne Reibereien. Und dank der Bereitschaft des Westens, derartige Transferleistungen zu zahlen, ging die Aufholjagd recht schnell. Man bedenke ja, das Wohlstandgefälle lag ja 1990 bei 50% heute sind es 25%, in den Wachstumsregionen nur 5-10%. Außerdem erreicht alleine die Region Mitteldeutschland das BIP von Irland oder Dänemark! Da braucht man sich als Ostdeutscher nicht benachteiligt zu fühlen! Im Gegenteil, es bieten sich einem alle Chancen selbst unternehmerisch tätig zu sein, denn die Infrastruktur stimmt ja mittlerweile. In Osteuropa geht dies nicht, dort ist sowohl die Landwirtschaft als auch die Infrastruktur auf dem Stand von vor 50 Jahren. Also mal nicht meckern, der Osten lebt als Teil des ehemaligen Ostblocks in der besten aller Welten.

    Es ist ja auch einfach! Man braucht nur den Status-Quo zu erhalten, und schon braucht man sich nicht allzusehr mit der Wirtschaftsförderung befassen, da ja alle gut versorgt sind.
    Aber auch Behörden gibt es nicht ewig, sie unterliegen ständigem Sparzwang und schrumpfen immer weiter. Kurzfristig mag man damit gut fahren, aber langfristig hilft ja nur die Konzentration auf die freie Wirtschaft. Nur die schafft ja die Werte und ermöglicht erst den öffentlichen Popanz, von dem ganze Städte im Westen leben. Das ist strukturpolitisch hochgefährlich, ähnlich wie die Monostruktur in der Industrie der DDR. Wenn dann einmal ein Zweig wegbricht, ist es meistens gleich der ganze Ast, auf dem die Stadt sitzt. Bespiel: als das BKA von Mainz nach Berlin umziehen sollte, stand die ganze Stadt da und heulte, weil man außer Behörden nicht viel hat in Mainz. In Pullach wird auch das Licht ausgehen, wenn der BND in Berlin sitzt. Und Bonn hat sich fett abschmieren lassen mit zwei Weltkonzernen (Post und Telekom) und steht heute besser da als vorher. Das ist aber ein Sonderfall.


    Daher ist es zwar der steinigere, aber nachhaltigere Weg, auf den Aufbau einer starken Unternehmenslandschaft zu setzen, als sich staatlich alimentieren zu lassen. Es sind also keine Nostalgiker, sondern eher faule bequeme Säcke :zwinkern:

    Quote

    In unserem Sinne wählten demnach gerade mal 20 Prozent. 80 Prozent waren entweder unfähig, sich zu informieren bzw. zu reflektieren, oder verfolgen tatsächlich Ziele, die sich nicht an der großartigen Tradition und dem kulturschaffenden Bildungsbürgertum Vorkriegsdresdens festmachen lassen.


    Ganz schön selbstherrlich! Das obige heisst etwa für mich, daß alle anderen entweder blöd oder Kommunisten sind. Tatsächlich ist die Aussage peinlich und ziemlich dumpf. Im Namen der angeblich reinen Lehre sind viele hier so ideologisch geworden, daß sie schon solche Politbüro-Phasen fallen lassen. Das zeugt nicht von Diskussionskultur, sondern von eingemauertem Trotz und ganz fetten Scheuklappen gegenüber allem, was Euch nicht in den Kram passt. Wer nicht übereinstimmt, wird niedergemacht und an den Pranger gestellt. Pfui Deibel kann ich da nur sagen. Ich wünsche weiterhin bestes Arbeiten mit der Dresdner Stadtregierung, von der ich hoffe, daß sie Euch kräftig Feuer gibt. Ehemals gehörte ich zu den Unterstützern eurer Anliegen, mittlerweile zeige ich größte Sympathie und Verständnis für die Stadtverwaltung und die Unternehmerschaft.


    Euren angeblichen Status als legitimer Bewahrer eines angeblichen "alten Dresdens" hat sich der Schreiber des obigen Artikels jedenfalls gründlich verwirkt. Auch die Bürger Dresden bleiben hoffentlich so realistisch wie bei der letzten Wahl und entscheiden sich auch weiterhin gegen die Einbalsamierung ihrer Stadt in puppigen Muff und nachgemachtem Historienkitsch. Das funktioniert am Neumarkt schon nicht mit seinem elitären Upperclass-Flair, daß jeden Normal-Dresdner suspekt sein muss.

    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Beitrag:


    Quote

    Von einem Feindbild Investor habe ich noch nie etwas gehalten. Im Gegenteil – der Eigentümer mit seinem Engagement und Geld ist der eigentliche Denkmalpfleger. In Leipzig werden jedes Jahr bis zu 300 Gründerzeithäuser durch private Bauträger gerettet. Das ist eine unglaublich hohe Zahl.


    Der Mann hat so recht! Genau das ist die Quintessenz meiner Beiträge und vieler anderer hier!

    Sehr richtig. Außerdem ist es aus meiner Sicht wichtiger, die Strassenfluchten sauber zu gestalten, denn so ist die Urbanität der Innenstädte gewahrt. Auf moderne Nutzungen im Inneren kann schließlich nicht verzichtet werden. Daher sollte man bei den innenliegenden Dachlandschaften nicht immer die reine Lehre fordern, sondern Kompromisse um des Gesamtprojektes willen ruhig eingehen. Insofern halte ich den Handelshof mit seiem innenliegenden Dach für äußerst gelungen. Wer das als Negativbeispiel beklagt, der schaue sich einmal diverse Neubauten an: Petersbogen oder in Jena das Cinestar-Kino, welches ein Klima-Gedärm übelster Couleur als Krone trägt.

    :D:D:D:D:D
    Sowas Schönes aber auch! Und vor allem mit privatem Geld! Besser kanns nicht sein. Vor allem die detaillierten Kupferlaternen, einfach eine Pracht. Sie brauchen nur noch etwas mehr Patina!


    Dann mache ich auch gerne den Kompromiß mit dem Flachdach, das man ja von außen nicht sehen kann. Immerhin ist es ein Hotelbau und der braucht innen nun einmal Platz für die Annehmlichkeiten ohne die angeblich keiner mehr auskommen mag: Konferenzräume, Fitnesszentrum, Spa, etc...

    Das ist Realität vs. Wünsch-Dir-was.


    Auf der einen Seite wäre es natürlich gut, wenn man damit die eine order andere interessante Architektur beleben könnte. Aber nur um der Häuser willen einen riesigen Zirkus veranstalten, der nur öffentlich bezahlte Beamten hin und her schiebt, dafür sollte uns als Steuerzahler das Geld nun wahrlich zu schade sein! Das gibts weiß Gott wertvollere Projekte, wie die Wiederbelebung des Graphischen Viertels mit neuem Unternehmertum.


    Das alles geht in der Tat nicht zusammen. :zwinkern:

    Quote from "Schloßgespenst"

    @ Wolfsheim_Jena




    Es ging natürlich auch darum, den Osten aufzuwerten, indem man einen Teil der höchsten Judikative dorthin verlagert. Und Leipzig war nunmal vor dem Krieg nicht nur eine Stadt der Bücher, sondern auch des Rechts, so daß man an eine Tradition anknüpfen konnte.


    ich finde, amn sollte endlich mal mit diesem ewigen "vor dem Krieg..." aufhören. Das ist alles hoffnungslos gestrig. Warum soll man denn immer den Zustand von vor 60 Jahren herstellen? Warum und wozu soll den das gut sein? Kostet unheimlich viel Geld und bringt strukturpolitisch überhaupt nichts. Dann kann man es genauso gut auch lassen.

    Ich kann nicht genau erkennen, was der Zweck des Ganzen sein soll? Geht es darum, Gerichte in Altbauten umzusiedeln oder Gerichtsbarkeit nach Leipzig zu holen?
    Beides ist totaler Unsinn wenn ihr mich fragt. Warum sollte ein funktionierendes Gericht umziehen, wenn es doch gute Räumlichkeiten hat? Ob das nun ein Neu- oder Altbau ist, in dem das Gericht haust, ist für die Rechtsprechung ohne Belang. Ich sehe für einen Umzug von Gerichten, seien es nun BGH oder BVerfG keinen Grund. Schon gar nicht um der Restauration früherer Reichszustände willen.


    Gut finde ich aber, das über eine Aufwertung der herrlichen gründerzeitlichen Verwaltungsbauten in Leipzig nachgedacht wird. Doch es gibt auch lokalen Bedarf. Beispielsweise braucht Leipzig ein Technisches Rathaus. Ich finde, man kann phantasievollere Lösungen finden, als bloß den alten Status wiederherzustellen, das ist etwas einfallslos.

    Ich wäre dagegen, wenn man einen Umzugszirkus verschiedener Bundesbehörden veranstalten würde, nur um einen alten Zustand wiederherzustellen. Das ist doch gestrig und es reicht schon, wenn die Bundesregierung umgezogen ist. In diesem Falle war Bonn immer nur ein Provisiorium. Die Standorte der Bundesgerichte waren aber aufs Bleiben eingerichtet. Es gibt keinen sachlichen Grund, das BVerfG von Karlsruhe wegzuverlegen, das ändert an der Rechtsprechung auch nichts. Und es gibt wahrlich besser Wege der Standortförderung, als Staatsdiener im Lande nach Proporz zu verteilen :augenrollen:


    Wenn Karlsruhe so gerne eine staatlich alimentierte Beamtenstadt sein will, bittesehr. Leipzig sollte dagegen versuchen, mit Innovation und Unternehmertum zu punkten, das steht ihr schon aus historischer Sicht weitaus besser zu Gesicht als Beamtentum. Das ist was für Dresden oder Weimar.

    Auch nicht viel anders, ist meine Meinung. Schaut euch mal britische Städte an, die haben historische Substanz vernichtet, ohne dass es viele Kriegsschäden gab. Stattdessen hat der Sozialwohnungbau seine Opfer gefordert und man hat Betonbrutalismus von der allerfeinsten Sorte hingeklotzt. Das wäre in Dtl. auch so gekommen.


    Im übrigen hätten wir ohne den Krieg unser heutiges historisch-denkmalpflegerisches Gewissen gar nicht. Wer viel alte Substanz unter ständiger Nutzung hat und schon immer darin und mit ihr lebte, nimmt sie für selbstverständlich wahr. Aus dieser Sicht treffen Rekos und Historienschnickschnack viel häufiger auf Unverständnis. In Amsterdam und Paris wird Altes oft genug für Neues abgerissen einfach so. In Deutschland hat man eben auch durch die Kriegsfolgen ein anderes Bewußtsein. Und wir hätten ohne den Krieg das gleiche Denken wie in Amsterdam und Paris. Da gibts nichts zu weinen. :augenrollengruen: :verrueckteaugengelb:

    Philipp Reclam hat seinen Verlag mit 10 Groschen Kapital aufgemacht. Als Melitta Bentz in Dresden den Kaffeefilter erfand, wies ihre Eröffnungsbilanz einen Kapitalstock von 23 Pfennigen auf...


    :D
    Wer immer jammert, das "Leipzig nur ein Schatten seiner selbst ist, *lächerlich* und die Verlage in Leipzig wiederhaben will, soll mal selbst einen aufmachen!
    :D


    Verlag architecutura pro homine !

    Nana, so schlimm ist es ja nun auch wieder nicht...


    Leipzigs Stärken liegen eben jetzt in anderen Bereichen wie der Biotechnologie, Logistik und der Verarbeitenden Industrie. Alle diese Zweige gab es vor 20 Jahren hier noch gar nicht - geschweige denn früher. Wirtschaft wird und vergeht, im übrigen an allen Standorten, auch im Westen und anderswo. Es kommt nur darauf, sich immer wieder neu zu erfinden und Innovationen voran zu bringen. Mit dem Blick auf das, was mal gestern vielleicht top war, ist es nicht getan und das bringt uns ja nicht weiter. Von den angeblich 2200 Verlagen (bezweifle stark, daß auch nur 150 die Bezeichnung verdient hatten), wären heute auch nur noch vielleicht 10 übrig und 90% der Arbeitsplätze anderswo hingewandert.
    :zwinkern:

    Ja stimmt! Der kalte Modernismus hat einen großen Vorteil: In streng eckige Zimmer passen eben besser die Schreibtische der Scheinselbständigen Teilzeit-Leiharbeiter und bei Sichtbetonwänden bietet sich bei Bedarf eine kostengünstige Umnutzung von der Grundschule zum Gefängnis an :lachen::lachen::lachen::lachen: