Posts by Heinzer

    Ja. Ich glaube ehrlich gesagt, das Ding ist gestorben. Niemand ist so richtig glücklich mit der Planung. Vielleicht gab es auch gar kein Problem, bzw. das Problem war einfach die Verschlossenheit der Erdgeschosszonen der den Platz säumenden Gebäude und nicht das Gefälle oder was auch immer. Durch den Umzug der juristischen Fakultät in das Landesbankgebäude wird da automatisch mehr Leben rein kommen. Gegenüber am alten Gebäude der Bremer Bank ist bereits ein Café eingezogen mit Außenbestuhlung, auch am Nordrand mit diesen frühen 50er-Gebäuden wurde beim Eckgebäude zur Bischofsnadel das Erdgeschoss geöffnet und ein Café ist eingezogen.

    Bei der Neubebauung dieses Areals überwiegt trotz der positiven Ansätze auch bei mir immer so ein reflektorischer Schmerz über die verpasste Chance. Jedes Mal, wenn ich Bilder von dort sehe, will ich wirklich was Positives sehen, bin fast verzweifelt auf der Suche nach dem Guten, sehe den wiederhergestellten Straßenverlauf und die vielleicht nicht völlig toten Fassaden, ich sehe auch die (wieder)entstandene Dichte und Urbanität - und doch bleibt der Eindruck für mich in der Summe bestenfalls gerade so ausreichend.


    Ich habe sicherlich keine "zu hohen" Ansprüche an moderne Fassadengestaltung, wünsche mir nicht das Kaiserreich zurück und freue mich über moderne und gelungene Entwürfe sicherlich mehr als die Mehrheit in diesem Forum - aber ich kann dieses Viertel einfach nicht gelungen nennen. Dafür ist es zu schlecht.

    Das stimmt sicherlich alles, die (bislang nur schematische) Fassadendarstellung auf dem Bild lässt nicht Gutes vermuten und die Dachgärten etc. sind meist auch nichts, was die Planungsphase überlebt. Trotzdem hat das eine halbwegs urbane Dichte und diese leicht gotisierenden Arkaden fände ich eigentlich ganz witzig, die sieht man ja häufig in backsteinexpressionistisch geprägten Gegenden, das würde also gut zum Hamburger Osten passen.


    Insgesamt muss man wohl kritisch abwarten, was da dann genau gebaut wird. Andere und genauere Visualisierungen habe zumindest ich auch nirgends gefunden.

    Interessante Nachrichten aus dem übelst zugerichteten Wandsbek: Am Wandsbeker Markt hat tatsächlich der Karstadt die Zerstörungen des Krieges überlebt. Obwohl meine Oma in Wandsbek wohnte bis 1989, kann ich mich an diese Ecke gar nicht erinnern (sie wohnte allerdings auch im deutlich schlichteren Norden des Stadtteils). Hier einmal die erhaltene Fassade:


    (Apple Maps)


    Sicherlich schon etwas runtergerockt, aber ein absoluter Lichtblick im wirklich freudlosen Hamburger Nachkriegseinerlei. Der Block dahinter wird fast vollständig von einem ausnehmend hässlichen Parkhaus eingenommen, hier mal ein Bild:


    (Apple Maps)


    Das Parkhaus überquert sogar eine Straße, das sind so die Ecken Nachkriegsautodeutschland, die wirklich überall wegmüssen.


    Kleine Anekdote zum Straßennamen "Quarree": Die Wandsbeker sprachen das sehr zum Leidwesen meiner frankophilen Oma immer "Quarre" aus, also mit deutschem Qu wie in Quark und kurzem e, es wurde außerdem weiblich und ein anliegendes Einkaufszentrum einfach "Die Quarre" wie "Die Karre" genannt. Böse Zungen behaupten, dass genau deshalb in Göttingen das ehemalige Hertie-Kaufhaus "Carré" genannt wurde, um den Quark-Anlaut bei den nicht minder sprachsicheren Göttingern zu vermeiden. Aber ich schweife ab....


    Noch ein Schnappschuss aus der Ecke, der die wirklich zutiefst unbeeindruckende Qualität des Wiederaufbaus im Hamburger Osten nochmal zeigen soll. Wir befinden uns hier immerhin im Zentrum des größten östlichen Hamburger Stadtteils:


    (Apple Maps)


    Diese einstöckigen Dinger wie das rechts mit der Fußpflege, dann dieser uringelbe Klinker des Gebäudes weiter hinten, und ganz links ragt das grausige Parkhaus noch ins Bild. So weit, so typisch.


    Das ganze Areal soll nun umgestaltet werden, die Immobilienzeitung in einer Ausgabe aus 10/22 mit einem Luftbild des Areals:


    Union Investment baut Galeria-Standort in Hamburg-Wandsbek um
    Union Investment will einen dreistelligen Millionenbetrag in die Entwicklung des bisherigen Galeria-Standorts am Wandsbeker Markt investieren. Für das…
    www.iz.de


    Und so soll es aussehen:


    (Union Investment)


    Der Startschuss ist nun gefallen, der Bau hat begonnen:


    Wandsbek: Die Pläne für das neue Quartier rund ums Karstadt-Haus
    Start für ein großes Bauprojekt mitten in Hamburg-Wandsbek: Rund um das denkmalgeschützte Karstadt-Haus entsteht ein neues Quartier mit Restaurants, Wohnungen…
    www.ndr.de


    In jedem Falle ein sehr gutes Stück Stadtreparatur, von der Dichte, Nutzung und Gebäudehöhe deutlich angemessener für einen Stadtteil wie Wandsbek. Man wird sicherlich die genaue Fassadengestaltung noch abwarten müssen, aber das gehört so mit zum Besten, was heute außerhalb von klar historischen Kontexten gebaut wird, Blockrand wiederhergestellt, zumindest abwechslungsreiche Fassaden mit betonter Erdgeschosszone... und eben schon im Bau, kein "Projekt" für 2029.

    Rembertikreisel, die 13.:


    Bremen: Antrag der Koalition: Rembertikreisel soll bebaut werden
    In Bremen nimmt ein Projekt Fahrt auf, das bereits lange in der Diskussion ist: die Bebauung des Rembertikreisels in der Innenstadt. Bedeutet das eines ...
    www.weser-kurier.de


    Die Onlineausgabe des Weserkuriers titelt heute mit einem neuen Quartier, das auf dem Rembertikreisel entstehen soll. Das ist soweit auch nur eine Bremer Tradition, fast seit 50 Jahren. Immer wieder gab es Pläne, den überdimensionierten Straßenraum zurückzubauen und dort wie bis in die 1960er Jahre ein Wohnviertel zu errichten. Zuletzt war eine fürchterliche Riegelbebauung im Rahmen eines Nachverdichtungsprogramms für die Bahnhofsvorstadt vorgesehen, die hier bestimmt weiter oben auch schon gezeigt wurde.


    Aufhorchen ließ mich an diesem ansonsten aber nicht bemerkenswerten und herrlich unkonkreten Artikel dieser Absatz:


    Die Art der Bebauung solle interessant und einladend sein, beispielsweise durch das Aufgreifen historischer Wegebeziehungen. Zu den Vorstellungen gehören auch Vorhöfe, Hinterhäuser und unterschiedliche Gebäudehöhen.


    Dies würde sich ganz eindeutig mit dem bei der Baubehörde immer noch ausgestellten Riegelmodell beißen und lässt zumindest etwas hoffen, dass diese städtebauliche Chance nicht vollkommen verdaddelt wird. Wahrscheinlicher ist aber in Bremen ohnehin, dass hier auch in den nächsten 20 Jahren nichts passiert.

    In Lilienthal bei Bremen wurde ein denkmalgeschütztes Zweiständerhaus aus dem 18. Jhdt. instandgesetzt:


    Denkmalgeschütztes Haus in Mittelbauer vor dem Verfall gerettet
    An der Kreisstraße 8 im Lilienthaler Ortsteil Mittelbauer hat Mark Mucke vor drei Jahren ein denkmalgeschütztes Haus gekauft und komplett restauriert. Jetzt ...
    www.weser-kurier.de


    Der Bauherr hat insgesamt fast 1,5 Mio Euro investiert und es für sich und zwei Ferienwohnungen renoviert. Es steht auf einer ebenfalls denkmalgeschützten Wurt (kleine Anhöhe) im Moorgebiet St. Jürgensland und war vor dem Verfall bedroht:


    Mark Mucke will altes Haus in Lilienthal vor dem Verfall retten
    Der 38-jährige Mark Mucke will ein altes Fachwerkhaus in Lilienthal-Mittelbauer vor dem Verfall retten. Das Gebäude und die Wurth, auf der es steht, sind ...
    www.weser-kurier.de


    Das Wort "Wurt" gibt es im gesamten niedersächsischen Sprachgebiet mit ähnlicher Bedeutung, in meiner Heimat Südniedersachsen, welches weitgehend moorfrei und hügelig ist, heißt es oft "Worth" und bedeutet ebenfalls eine erhöhte Stelle in einer Flussniederung, die oft hochwassersicher war. Unzählige Straßennamen in den Dörfern der Region enthalten das Wort.


    Mit dem oberdeutschen "Wörth" hat das nichts zu tun, dies bedeutet Flussinsel und ist mit dem niederdeutschen "Werder" verwandt.

    Ich weiß aus erster Hand (Einschränkung: Stand vor 2 Jahren), dass der Glockenturm (Campanile) der Kapelle erhalten bleiben soll. Es werden nur die anliegenden Gebäude und die Kapelle abgerissen. Im Neubau soll auch weiterhin Platz für kirchliche Veranstaltungen, die dort laufenden Musikschulen und den Konfirmandenunterricht im Stadtteil sein.


    Ich finde diese Lösung (in Unkenntnis des "Designs" des Neubaus) jetzt nicht grundlegend schlecht. Den Teil des Altbaus mit dem Türmchen hätten wir in keiner realistischen Version wiederbekommen. Das Kapellengebäude ist keine Augenweide, der kleine Campanile aber eigentlich ganz witzig. Wenn dort weiter kirchliche und stadtteilrelevante öffentliche Nutzungen möglich bleiben und gleichzeitig Wohnungen entstehen, ist das sicherlich keine ganz schlechte Lösung.


    Abzuwarten bleibt natürlich die Gestaltung, die zumindest ich jetzt ohne Bezahlzugang nicht sehen konnte.


    Edit: Nach Lektüre des WK-Artikels ist leider nicht von einem Erhalt des Glockenturms auszugehen, zumindest wird dieser nirgends erwähnt. Insofern sind meine obigen Äußerungen dann wohl als nicht zutreffend zu bezeichnen.

    Wenn ich so was sehe, dann wird mir schon wieder ganz anders:


    72000-bildschirmfoto-2024-01-06-um-09-02-12-png


    Die übliche einfallslose Investorenarchitektur mit Versuchen, sich interessant zu machen: z B. durch Giebelandeutungen und Erkerversuchen. Wenn ich es richtig sehe, handelt es sich bei den Gebäuden zwei und vier - von rechts gesehen - und bei den Gebäuden drei und fünf um baugleiche Gebäude. Ich bleibe dabei: was in der Überseestadt so gebaut wird und wurde, ist einfach nur noch als schlimm zu bezeichnen. Wir sollten keine Architekten mehr an unsere Städte ranlassen, die verschandeln nur noch.

    Ja, bei diesem Areal ist sicherlich eine große Chance verpasst worden. Statt einer Art Fortsetzung der (wenn auch arg gerupften) noch vielfach geschlossenen altstädtischen Weserfront nur diese autistischen Monolithe. Die Gestaltung ist zwar nicht ganz so öde, wie sie auch hätte werden können (siehe die rechts angeschnittene Zumutung aus dem Bestand), aber es ist wirklich traurig. Nichtbremern ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, wie nah dieses Gebiet an der Innenstadt liegt, es ist im Prinzip die direkte (nord)westliche Fortsetzung der Weserpromenade Schlachte.

    Am Europahafenkopf sieht die Lage jetzt so aus:




    Im Europaquartier sind die Wohnungen ebenfalls bereits bezogen:




    Und im sogenannten Kaffeequartier geht es ebenfalls voran:




    Leider schlechtes Licht, aber diese Reihen sind tatsächlich erkennbar der Versuch, eine Art "modernes" Bremer Haus auf die Beine zu stellen. Schlecht sehen sie nicht aus, allerdings sind diese Minibalkone natürlich schon ziemlich sinnlos.


    Für ein Gewoba-Projekt, das so aussieht:



    Kaffeequartier — Wirth Architekten!


    läuft gerade der Aushub, hier ist ein interessantes Stück unterirdischer Hafeninfrastruktur zum Vorschein gekommen:



    An dieser Stelle lag vorher der RoRo-Terminal, ich schätze aber, dass dieses Relikt (alter Kanal?) aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammt.

    Freunde von Architektur aus der Zeit vor dem Zweiten oder gar Ersten Weltkrieg müssen jetzt stark sein. Allen anderen möchte ich die fortschreitende Umnutzung des ehemaligen Kellogg's-Areals in der Überseestadt zeigen. Es gibt hier sogar eine Art Rekonstruktion einer Industriehalle aus den 1950er Jahren.


    Zentrum des Gebiets ist ein ehemals als Silo genutztes Gebäude, das in ein Hotel umgebaut wird:



    Der nach bestimmt 3 Jahren erstmals abgerüstete Siloteil ist nun endlich zu sehen:



    In die Silos sind Fenster eingezogen worden, die als Hotelzimmer dienen werden. Das Innenleben des Gebäudes wird "erlebbar" bleiben:



    Hier im Erdgeschoss werden die ehemaligen Schütten verbleiben und Restaurants sowie die Lobby einziehen.


    Nebenan ist die ehemalige Reishalle abgerissen und in gleicher Kubatur wieder aufgebaut worden, angeblich war das Gebäude statisch so marode, dass es nicht erhalten bleiben konnte. Ein Blick entlang der Weserfront der Reishalle Richtung Altstadt:



    In die andere Richtung:



    Das gesamte Ensemble von weiter weg:



    Ganz rechts auf diesem Bild ist ein weiteres, massive Gebäude zu sehen, das ebenfalls gerade umgebaut wird. Auf den Gebieten im Vordergrund laufen im Moment bauvorbereitende Maßnahmen für die Stephanitorhöfe:



    https://www.ueberseeinsel.de/stephanitor/#gallery-12 (ROBERTNEUN Architekten Berlin)


    Noch weiter stadteinwärts als direkte Altstadtverlängerung entstehen Wohngebäude:



    Stephanitor - ÜBERSEEINSEL
    q
    www.ueberseeinsel.de


    Weiter westlich werden weitere Gebäude umgenutzt, es haben nur zwei Gebäude auf dem gesamte Areal den Zweiten Weltkrieg überstanden, eines davon ist die ehemalige Hauptverwaltung von Kelloggs, jetzt in eine Grundschule umfunktioniert:


    Schule - ÜBERSEEINSEL


    Die große Fabrik (oben das gelbe Gebäude rechts des Silos) wird so umgenutzt:



    Noch weiter westlich werden weitere ehemalige Fabrikgebäude umgebaut, auf diesem Bild links im Vordergrund angeschnitten ist das einzige weitere Vorkriegsgebäude neben der Schule, das in ein Veranstaltungszentrum umgebaut werden soll:



    Kellogg-Höfe - ÜBERSEEINSEL

    So hätte ich das auch gesagt. Wirklich nichts Besonderes, aber "verhunzt" ist dann auch nicht passend. Es gibt für eine nicht kriegszerstörte Stadt ein paar zu viele Bausünden und gleichzeitig ist der Altbestand bis auf wenige Ausnahmen wirklich keine Reise wert. Trotzdem ist die Altstadt ganz gemütlich und nicht hässlich.

    Nur ein paar Schnappschüsse aus Göttingen. Die Stadt war rappelvoll, auch die Nebenstraßen und B-Lagen kaum mit Leerstand. Sorgen machen allerdings einige Fachwerkhäuser, die erkennbaren Sanierungsstau haben mit jahrelangem Leerstand, wie dieses hier in der Lange-Geismar-Straße:



    Allein schon diese 90er-Plasteladenfront ist ja eine Zumutung.... nur ein paar Häuser weiter dieses dolle gotische Fachwerkhaus:



    Ein schon bekannter Blick in die Kurze Straße, im Hintergrund der ebenfalls seit Jahren im Verfall befindliche Schwarze Bär:



    Und noch eines der älteren Häuser aus dem 14. Jahrhundert in der Roten Straße:



    Was man merkt, ist, dass wirklich viele Fenster in den letzten 20 Jahren nach historischen Vorbildern renoviert wurden.

    Wir scheinen uns fast glücklich schätzen zu können angesichts der beiden anderen Finalisten:


    Strandlust: Was die vier besten Entwürfe haben - und was zweien fehlt
    Eigentlich sollte es am Dienstag einen Sieger im städtebaulichen Wettbewerb zur Strandlust geben, stattdessen gehen nun zwei Büros ins Stechen. Was die vier ...
    www.weser-kurier.de



    Foto: Frenz-Schwanewedel-Bollmann Architekten



    Foto: Katja Pahl Architektin mit Völlmar Architektur und Huck Lorenz Freiraumplanung


    Ihr wisst ja, dass ich oft etwas anders denke als viele der hier stark vertretenen Traditionalisten. Ich habe nichts gegen moderne Architektur per se. Ich mag gar nicht so wenige der in den letzten 10 Jahren in Bremen neu entstandenen oder geplanten Bauten. Aber von diesen vier Finalisten sind 3 wirklich absolut unterste Kajüte. Sowas habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen, nicht einmal bei Wettbewerben in Bremen. Ich hoffe, dass hier nach einem zaghaften Trend zu traditionelleren Materialien und Formensprachen (meist mit Referenzen an 20er bis 50er Jahre), der relativ viele Entwürfe der letzten Jahre geprägt hatte nicht schon wieder der nächste Wechsel in Richtung einer kalten Schachtelmoderne mit Referenzen eher in den 60er und 70er Jahren ansteht.

    Da wir dieses Projekt kaum werden verhindern können, so bin ich wenigstens für Nummer 1, da es immerhin nicht so furchtbar langweilig aussieht. Diese Schachtelhalme... äh... -Häuser à la Nr. 2 wuchern inzwischen überall wie bekloppt und ganz besonders in Bremen...

    Ich auch. Sieht trotzdem aus wie ein "Sporthotel" von 1979.

    Phänomenale Sanierung! Seit Jahren habe ich einen Trip durch die niederdeutschen Fachwerkstädte meiner (erweiterten) Heimat vor. Da muss ich dann wohl auch in Osterwieck vorbeischauen. Schade ist, dass wir uns dort wie auch auf der niedersächsischen Seite im Herzen des demografischen Notstandsgebiets befinden. Zumindest im Westen geht es vielen der kleinen (ehemaligen) Kreisstädte erkennbar nicht gut, schon lange vor Pandemie und Krieg. Goslar und Wernigerode haben sich als die relevanten und funktionierenden Touristenmagneten der Region entwickelt, der Rest bekommt allenfalls etwas Tagestourismus, von dem niemand leben kann. Sonst gibt es dort auch nicht mehr viel.

    Das anscheinend in Bremerhaven als "Grüne Häuser" bekannte Ensemble seit vielen Jahren leerstehender Häuser in der nördlichen Goethestraße (siehe Beitrag #45) ist Thema in einem Artikel auf der Homepage der Stadt Bremerhaven mit weiteren Informationen zum Sanierungsplan für das Goethequartier:


    Bremerhaven bringt Goethequartier weiter voran – Bremerhaven.de
    Das Goethequartier in Bremerhaven ist mit seinen 500 Gebäuden aus der Gründerzeit einzigartig und hat aus Sicht der Stadt viel Potential.
    www.bremerhaven.de


    Immerhin 500 Wohnhäuser aus der "Gründerzeit" in der üblich gewordenen erweiterten Definition, die die gesamte Epoche des Deutschen Kaiserreichs umfasst, stehen im Viertel, was durchaus beachtlich ist angesichts der nicht übermäßigen Ausmaße des Gebiets. Es werden im Artikel noch weitere Häuser unter Sanierung besprochen, u.a. Lutherstraße 34a-38, die ich trotz meines "Sanierungsröntgenblicks" leider auf meinem Ausflug neulich verpasst habe.


    Nochmal mein altes Vorherbild:



    Die Sanierungsbilder sind wie gesagt auf dieser Seite oben im Beitrag 45 zu sehen. Neu ist eine Visualisierung des angestrebten Ergebnisses:



    Das Gebäude soll eine Art Quartierszentrum mit Kneipe, Kita und anderen Funktionen im Erdgeschoss werden. Insgesamt hat die Stadt eindeutig die richtigen Ideen (Belebung der Erdgeschosszonen durch Läden und Gastronomie, Aufwertung und Attraktivierung der Gegend für Studenten und "normale" Leute).... mal sehen, ob es auch klappt.

    Das Gebäude erinnert mich extrem an die ehemalige Hautklinik auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte. Bei diesem Gebäude ist ein Abriss zumindest nicht geplant, auch wenn es nicht unter Denkmalschutz steht. Das ist schon sehr ärgerlich.


    Vielen Dank für die interessante Fotostrecke einer mir vollkommen unbekannten Klinikanlage in Bremen!

    In den Artikeln steht nichts Großes. Das Projekt ist deutlich abgespeckt worden, hat sich um Jahre verzögert, die Aufstockung entfällt, es fehlt immer noch der zentrale "Ankermieter" für das Erdgeschoss, ein Großteil der Fläche wird an das Bauressort des Bremer Senats, also öffentlich vermietet. Alles wie immer in Bremen, also.

    Beifang von gestern noch der Wohnwasserturm Wulsdorf im Süden des Stadtgebiets:





    Den wollte ich schon immer mal fotografieren..... ist das einzige mir bekannte Gebäude mit dieser Doppelfunktion, die es auch bis heute innehat. 1927 war die Wohnungsnot so groß, dass man auch so unkonventionelle Dinge baute. Könnte nur mal passende Fenster gebrauchen.

    Auf dem ehemaligen Kistnergelände an der Hafenstraße werden moderne Wohnbauten errichtet, nicht der Rede wert, aber der Schornstein und eine alte Werkshalle wurden erhalten:




    Schlechte Nachrichten gibt es leider von der Hafenstraße 42, die Löbenichter hier erwähnte:


    Die Bauarbeiten sind dort zum Erliegen gekommen, das Haus ist abgerüstet, aber nicht saniert. Tlw. fehlen Fenster (!), was natürlich katastrophal für die Bausubstanz ist. Ich habe kein Fotos aus dem Auto geschossen, aber das ist eindeutig ein Wermutstropfen im ansonsten hocherfreulichen Ausflug.