Posts by Heinzer

    Abgesehen vom albernen Namen ein schönes Projekt in Köln-Ehrenfeld:


    The Wid


    Auf dem Gelände eines Autoteilehändlers sollen diese Gebäude entstehen:




    Klar ist das "obenrum" auch nur relativ üblicher Modernismus, aber die Klinkerbögen geben dem ganzen Projekt einen echten Pfiff. Die gleichen Jungs zeichnen auch für dieses bereits hier gezeigte Projekt verantwortlich:



    nennt sich "Neue Mitte Braunsfeld".


    Ich bleibe dabei, dass Köln neben Hamburg einer der Orte ist, an denen ich zeitgenössischer Architektur noch am meisten Qualität zuweisen würde. Berlin ist sicherlich die Hauptstadt des reduzierten Neoklassizismus (vielleicht zusammen mit Düsseldorf), aber in puncto moderner Architektur wirklich größtenteils gruselig/seelenlos. Das machen Hamburg und Köln mit diesen Melangen und einem gewissen Mid-Century Chic definitiv besser.

    Ja, das ist sehr schön, aber eben aufgrund der Zielgruppe nicht sehr prachtvoll. Prachtvoller Reformstil sieht so aus in Bremen:



    Ich wollte eben zeigen, was für eine hohe Qualität damals auch Wohnstraßen, die nicht fürs Bürgertum konzipiert waren, hatten. Solcherlei Straßen gibt es zu Dutzenden in Bremen, nur oft in einem noch schlechteren "Renovierungs"-Zustand, also noch mehr Plastikfenster, noch mehr Waschbetonvorgärten etc. - da liegt noch eine enormes Potenzial begraben hinter Außenrolläden und Aluhaustüren.

    Ein kleine, unscheinbare Straße im Stadtteil, die Herzberger Straße... alles andere als großbürgerlich geplant, bewohnt ursprünglich von Handwerkern, gehobenen Angestellten, Ladenbesitzern. Es ist die östlichste der vom Osterdeich abgehenden Straßen des Stadtteils, die Architektur gemischt etwa zwischen 1910 und 1925. Und doch ist gerade die Ostseite eine Augenweide in ihrer Heterogenität. Wie gesagt, für sich genommen nichts wahnsinnig Aufregendes, aber das ist vielleicht gerade ihre Stärke. Die ersten Häuser auf der Ostseite sind eindeutig nach dem ersten Weltkrieg errichtet, aber qualitativ trotzdem sehr gut, wenn nur die westdeutsche Fensterkrankheit nicht wäre. Die Bilder zu zwei verschiedenen Zeitpunkten aufgenommen.



    Danach folgt eine typische Bremer Hausreihe:



    mit schönen Ensembles:



    Besonders dieses Haus wohl im weitgehenden Originalzustand hat es mir angetan:



    Sehr interessant ist auch das Ende der Reihe mit diesen Häusern:



    Diese Häuser sind insofern atypisch, als dass die Fenstergrößen nochmal größer als ohnehin schon bei Altbauten sind, dadurch bekommen sie auch mit den Erkern etwas Niederländisches oder Englisches.


    Wie gesagt, noch nicht mal eine besonders klassisch schöne Straße oder beispielhaft für Bremer Häuser, gegenüber auch ein paar hässliche Nachkriegsbauten, kaum echte Pracht - aber doch eine Straße von enormem Abwechslungsreichtum ohne beliebig zu wirken und sehr repräsentativ auch mit ihren Ärgerlichkeiten für Bremer Wohnstraßen.

    Es gibt natürlich sehr viele Aspekte, die beachtet werden müssen bei der Bewertung von Sterblichkeit in Bezug auf die COVID19-Pandemie. Ich glaube auch, dass über die Maßnahmen diskutiert werden können muss. Spätestens, wenn wir nun mit einer Mischung aus rasch wachsendem Impfschutz und rückläufigen Fallzahlen endlich die Kurve bekommen, bin ich auch für eine recht rasche Lockerung der Maßnahmen.


    Aber egal, wie weit ich zurückblicke, ich finde keine Grippeepidemie, die in Deutschland 5.000 Intensivbetten belegt hätte. Zumal die Sterblichkeit auf Intensiv weiterhin sehr hoch bleibt, abgesehen von der extrem langsamen Rekonvaleszenz der Überlebenden. Es ist ja nicht so, dass die Leute, die da beatmet werden, sich an irgendeinem Tag die Schnorchel aus dem Halse rissen und tanzend das Krankenhaus verließen, nein, die sind noch monatelang arbeitsunfähig und viele, auch vorher weitgehend gesunde Männer im besten Alter werden nie wieder ihren Vorzustand erreichen. Erschütternd ist eben die hohe Zahl an 45, 50, 55jährigen Männern, häufig der Sorte "Schrank", ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und vielleicht eine Blutdrucktablette einnehmend, aber sonst eben gesund. Das sind nicht die typischen Grippekranken, die ich auch jedes Jahr auf den Intensivstationen gesehen habe (in deutlich geringerem Ausmaß natürlich), die sind viel älter und man unterhält sich mit den Angehörigen immer über mutmaßliche Wünsche der oft über 80jährigen, und über eine Begrenzung der Maßnahmen.


    Jetzt liegen und sterben da eben Menschen, die so alt sind wie ich und auch nicht viel kränker waren vorher. Man kann das alles als "German Angst" abtun und davon schwadronieren, wie wir in einer Diktatur leben, aber in der Summe hat diese "German Angst" eben auch viele Leben gerettet und das auch hier wahrheitswidrig immer wieder zu lesende, dass da eh nur ein paar demente Alte, die sonst eben im nächsten Winter an was anderem gestorben wären, sterben, könnte falscher nicht sein. Es ist übrigens auch gegenüber dem am Limit arbeitenden Pflegepersonal und den Ärzten gegenüber eine Unverschämtheit, durch die Blume zu fordern, die sollten sich mal nicht so anstellen, schließlich würden sie dafür bezahlt. Die Szenen mit alleine sterbenden Menschen, die sich nur noch per Facetime röchelnd von ihren Angehörigen verabschieden konnten, werden alle, die dieses letzte Jahr im Krankenhaus erlebt haben, noch lange verfolgen.


    Ich bleibe dabei, dass es keine echte Alternative zu einer möglichst weitgehenden Verhinderung der Ausbreitung des Virus gab. Im Gegenteil, könnten wir viel weiter sein heute, wenn im Februar und März klarer kommuniziert worden wäre, dass eine Fortsetzung des Lockdowns weiterhin nötig ist, statt einer seltsam gefühlten, gar nicht der Wahrheit entsprechenden Gefühlslage in der Bevölkerung Folge zu leisten und von Öffnungen zu palavern. Wenn wir den Laden bis Ostern richtig dicht gehalten hätten, wären wir jetzt wesentlich weiter und könnten öffnen.


    Es ist jetzt aber auch egal. Die Lage ist, wie sie ist, Deutschland wird in der Bewertung am Ende mal wieder vergleichsweise gut dastehen, sowohl was wirtschaftliche als auch medizinische Folgen angeht und das Leben wird weitergehen. Ich teile zumindest die Meinung, dass wir das Paniklevel jetzt langsam runterfahren können und auch nicht wegen jeder neuen Mutation in heillose Panik verfallen sollten. Eine Mischung aus Impfungen, die angepasst werden können und einer zunehmenden Hintergrundimmunität ähnlich wie bei der Grippe wird die Wahrscheinlichkeit von ähnlichen Pandemien wie diejenige 2020 zumindest mit dem Coronavirus deutlich unwahrscheinlicher machen.

    Aus ganz eigener Erfahrung vermag ich vielleicht folgenden Fakt zu berichten von der Intensivstation, auf der ich arbeite: Das Durchschnittsalter der dort liegenden beatmeten und an COVID19 erkrankten Patienten liegt mittlerweile bei etwas über 50, nur mal so von wegen nur Greise sterben oder werden schwer krank.


    Der Effekt der Impfungen lässt sich nun erfreulicherweise auch bereits erkennen an den Sterbestatistiken, denn es sterben schlicht kaum noch über 80jährige. In Großbritannien, das bekannterweise weiter ist mit der Impfkampagne (hier müsste man sich als Fundamentalopponent aber zuerst mal entscheiden, ob man Impfungen oder die EU mehr ablehnt, um zu einer Position zu kommen ;)), sterben mittlerweile keine 20 oder 30 Menschen mehr am Tag - die hatten aber auch einen wesentlich härteren Lockdown von Weihnachten bis Ende März. Komischerweise sind dort die Forderungen nach dem "schwedischen Weg" und anderen lockdownkritischen Äußerungen sehr rasch verstummt, als im Winter die Menschen auf den Fluren vor der Notaufnahme starben. Auch hier greift also das Präventionsparadox, weil Deutschland eben wegen der Maßnahmen und mit viel Glück recht gut durch die Krise gekommen ist, wird nun behauptet, es sei ja alles nicht so schlimm gewesen und die Maßnahmen übertrieben. Vorhersehbar und menschlich, aber doch erschütternd falsch.


    Russland als positives Beispiel zu nennen wirkt auch surreal angesichts der Übersterblichkeit dort, die mittlerweile die Zahl von 500.000 Menschen überschritten haben dürfte (bereits im Jahr 2020 lag diese bei 380.000 anhand der Sterbetafeln). Hinzu kommt, dass es sich jetzt nur noch um wenige Wochen handeln dürfte, in denen die Einschränkungen so stark sind. Von einer weniger kulturpessimistischen Seite beleuchtet ist es sogar recht wahrscheinlich, dass es post-Corona zu einem enormen Boom kommen wird, der viele der Diskussionen hier im Nachgang etwas lächerlich wirken werden lässt.


    Ich glaube zwar auch, dass Corona die Probleme in unseren Innenstädten noch verstärkt, aber auch hieraus kann ja etwas Gutes entstehen, denn vieles von dem, was nun leidet (die einseitige Ausrichtung auf den großvolumigen Handel, die Monofunktionalität etc.) war ja auch vielen hier immer ein Dorn im Auge. Soviel von mir zum Thema, aus dem ich mich dann auch wieder verabschiede.

    Da Michael68 ja eine ganz vorzügliche Galerie über die schönen Schulgebäude Münchens gestartet hat, hier mal eine ziemlich traurige Geschichte aus Bremen, genauer aus dem Ortsteil Hastedt. Im Alten Postweg liegt hier die passenderweise "Grundschule am Alten Postweg" genannte Schule. Dieses Gebäude aus den letzten Jahren vor dem 1. Weltkrieg mit Jugend- und Reformstilelementen weist seit Jahren gravierende Baumängel auf, die ebenfalls seit Jahren im Rahmen einer großen Sanierung und des Umbaus auf Ganztagsbetrieb angegangen werden sollten.


    Das Gebäude sieht so aus:



    Schulgebäude dieser Art gibt es in Bremen und wie ich schätze im ganze Lande noch viele. Im Hintergrund links seht ihr eine metallene Außentreppe, die bereits wegen der Sperrung eines Teils des Obergeschosses nötig wurde. Der Musikraum im OG ist bereits seit einiger Zeit wegen statischer Mängel geschlossen. Nun hat eine Begehung vor einigen Wochen akute Einsturzgefahr des Gebäudes ergeben, so dass die Schule mit sofortiger Wirkung geschlossen wurde. Der Schulbetrieb läuft zur Zeit notdürftig in einem Anbau, der nicht gesperrt ist und angemieteten ehemaligen Büroräumen eines Telekomgebäudes.


    Die Kinder hängen an ihrem Schulgebäude und stellen die richtigen Fragen:




    Im Moment läuft eine Bestandsaufnahme, es sollen notdürftig zusätzliche Stützen eingebaut werden, um die Stabilität wiederherzustellen. Angeblich soll schon Pfingsten der Schulbetrieb wieder weiterlaufen, aber der langfristige Bestand des Gebäudes, das eigentlich saniert und erhalten werden sollte, steht aufgrund der neuen Situation wohl auf der Kippe.



    Dabei sind meiner Erfahrung nach diese Arten von Schulgebäuden sowohl bei Lehrern als auch den Schulkindern meist sehr beliebt aufgrund der meist großzügigen Räume und hohen Decken. Wäre sehr schade, wenn dieses Gebäude dem Pfusch und der Nachlässigkeit der kommunalen Immobiliengesellschaft "Immobilien Bremen" zum Opfer fallen würde.

    Ich bin auch Gegner der Mietpreisbremse gewesen und froh, dass sie kassiert wurde, aber ist eine derartige Polemik ("Verfassungsfeinde") denn wirklich nötig? Das war ein einfaches Verfassungsgerichtsurteil, wie es im Jahr mehrfach wegen geplanter oder beschlossener Gesetze gefällt wird, ohne, dass die das jeweilige Gesetz beschlossen habenden Regierungen deshalb als Verfassungsfeinde bezeichnet werden.

    Aus aus dem Stadtbezirk Mitte gibt es neue Fotos, in der Schleusenstraße wird gerade ein Haus renoviert:




    Bin mal gespannt, ob da wiederbestuckt oder einfach ein WDVS draufgeklatscht wird.


    Sonst bleibt die Ecke vom alten morbiden Charme, leider gibt es keine weiteren relevanten Renovierungen, Häuser in richtig gutem Zustand bleiben die Ausnahme, sind aber dann umso schöner:


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    p10800883ij7p.jpg

    Auch dieses weiter oben mal thematisierte Haus wird nun renoviert:




    Allerdings befürchte ich eine minderwertige Sanierung, u.a. sieht es nach Plastikfenstern aus. Das Haus liegt an der Kistnerstraße, die gerade neu gestaltet wurde, Blick auf die Baustelle:



    und jetzt (mit Blick auf beide Sanierungen an der Ecke Goethe/Kistnerstraße):



    Andere Richtung (mit diesem fürchterlich neonorangen Haus als "Landmarke"):




    Und noch ein Schnappschuss aus der Heinrichstraße:


    Nur um zu zeigen, was alles noch an Potenzial schlummert in Bremerhaven, ein paar wahllose Fotos aus Lehe und dem Stadtbezirk Mitte:



    Die Hafenstraße in Lehe:



    Irgendwo im nördlichen Lehe, ein echtes Juwel in allerdings schlechtem Zustand:




    Schönes Eckgebäude:


    Ein weiteres schönes Haus in der Hafenstraße:



    Ein riesiger, aber ziemlich zerschossener Gründerzeitler im Stadtteil Mitte:


    Neuigkeiten aus Bremerhaven, allerdings weniger sichtbarer Renovierungsfortschritt in Lehe als von mir erhofft:


    Dieses Haus:


    bildschirmfoto2020-12w3jfk.png


    ist nun abgerüstet:




    Gegenüber wird dieses Haus:


    dsc_0204mpqzx.jpg



    Man sieht hier durch die Planen eine recht aufwendige "Wiederbespaltriemchenung":





    Ich hatte ein bisschen spekuliert darauf, dass dieses Haus schon abgerüstet ist bei meiner spontanen Entscheidung, nochmal nach Bremerhaven zu fahren. Bei der "Mutter aller Schrottimmobilien":


    img_7411d0jze.jpeg


    hat sich seit meinem Besuch vor fast einem Jahr leider nichts mehr getan.... hoffe, dass es sich nur um eine Baupause aufgrund der vielen anderen Baustellen im Gebiet ist und nicht ein stiller Tod des Projekts.

    Tut mir leid, Reik, aber Du wirkst in der Tat wie ein Troll mit Deinen seltsamen Versuchen, Leipzig zu diskreditieren. Es herrscht nicht nur hier der vollkommen berechtigte Konsens, dass dies eine der am besten erhaltenen und sanierten/wiederhergestellten deutschen Großstädte ist. Das heißt selbstverständlich nicht, dass es im Originalzustand 1930 vor uns steht, aber wäre das nicht auch ein wenig traurig, nach all dem, was in dieser Stadt im 20. Jahrhundert passiert ist?


    Es gibt überall Luft nach oben und auch in Leipzig sind viele Dinge geschehen, die man im Nachhinein als Fehler bezeichnen würde. Vielleicht könntest Du Dich mit ähnlicher Verve mal verbal um Duisburg oder Kiel kümmern, die hätten es nötiger (auch wenn ich nicht glaube, dass Dir überhaupt an einer Lösung oder Verbesserung gelegen ist, es scheint eher um "Stänkern" zu gehen, ums "Gegen-den-Strom-schwimmen").


    Manche Leute finden es auch irgendwie schön, mit konträren Meinungen online irgendwo anzuecken und freuen sich über die vielen, teilweise aufwändig argumentierten Reaktionen, um sie dann wieder in hingerotzten, meist weitgehend bezugsfreien Dreizeilern kontern zu können. Du scheinst einer dieser Menschen zu sein. Es wird hier kein Erkenntnisgewinn entstehen im Austausch mit Dir.

    Zu dem geplanten Abriss des Sofitels am Alten Wall (s.o.) gibt noch die Informationen, dass der Entwickler auch die weiteren Gebäude der Reihe erworben hat (wie Helge oben mit dem Abendblatt-Link gezeigt hat) und dass dieser Entwickler "Art-Invest" heißt und für die hochwertige Sanierung des direkten Nachbarblocks Alter Wall 2-32 verantwortlich zeichnet, die Sonicted oben sehr schön angebildet hat:


    ArtInvest Projekt Alter Wall


    Wenn die diesen Standard halten können bei der Neubebauung, wäre das ein Riesenschritt für Hamburg. Schräg gegenüberbefindet sich außerdem ein weiteres Riesenprojekt am Rödingsmarkt, das hier auf der Vorseite schon Thema war und bei dem es wieder um eine qualitativ hochwertige Ertüchtigung eines Kontorhausensembles aus dem frühen 20. Jahrhundert geht mit dem ältesten Paternoster der Welt.


    In Hamburg geht einfach richtig was zur Zeit, und zwar im absoluten Herzen der Stadt und von der Tendenz her hochwertiger/klassischer als in den meisten anderen deutschen Städten.

    Das links und in der Mitte auf der Visualisierung sind aber Bestandsbauten. Das Gebäude rechts mit der gefalteten Backsteinfassade ersetzt allerdings einen üblen 60er Kasten, der bereits abgerissen wurde. Musste mal nach oben scrollen, das Projekt war hier oder in einem anderen Hamburg-Strang auch schon Thema.


    Den Abriss des Hotels oben am Alten Wall finde ich aus Stadtbildgründen auch sehr gut, auch wenn natürlich das Thema "graue Energie" nicht außer Acht gelassen werden sollte. Aber diese post-postmodernen Spätneunziger-Dinger mit ihren "Brüchen" aus irgendeinem gläsernen Foyer und einem Riegel dahinter hängen mir manchmal mehr zum Halse raus, als ein zurückhaltender 50er Bau im Blockrand. In einem Gewerbegebiet mögen die Dinger eine gewisse Qualität haben, aber an einer solchen Stelle sind sie fehl am Platze, zumal zumindest in Hamburg auch die Chance auf eine einigermaßen gelungene Neubebauung besteht.

    Nu, du hast ja beispielsweise selber geschrieben, dass diese Ansicht in Bremen jetzt nicht so ohne weiteres möglich wäre. Abgesehen davon, sind solche Schnappschüsse schon noch in größerer Zahl möglich. Und dass es eben kein ausgesuchtes Prospektmotiv wie die eine Altstadtmarktseite und eben KEINE Traditionsinsel ist. Es hat auch keiner geschrieben, BS wäre GUT durch den Krieg gekommen.

    Es sollte auch kein "Beleg" für irgendwas sein. Einfach nur ein Bild, das mich interessiert hat, weil ich mich an diese Stelle selber eigentlich nicht mehr erinnern kann.


    Hätte ich es nicht einstellen sollen? Ein paar hier hats gefallen. Und was hätte ich sonst drunter schreiben sollen? Hier noch so n Bild aus dem beschissenen Braunschweig?

    Hast schon recht, Ursus, war von mir nicht übermäßig sachlich, das Bild sah für mich nur so unglaublich "niedersächsisch-medioker" aus. Mit solchen Straßenbildern bin ich großgeworden, das hätte bis zur Stadtmöblierung auch eine Stelle in Göttingen sein können und eben auch Hannover. Aber Recht hast Du natürlich damit, dass dies anders als das von "typo2708" eingestellte Bild von Nürnberg gar keinen besonders touristischen Bereich in der Innenstadt zeigt, sondern eine ziemlich gemischte Straßenszene in der Fußgängerzone, allerdings wohl in einem der wenigen weitgehend unzerstörten Bereiche, die nicht von Fachwerk geprägt waren.

    Das sind sehr schöne Beispiele! Und so macht sogar der bei mir sonst nur leichte Übelkeit verursachende Standardsatz "Kontraste zwischen Alt und Neu" fast Spaß. Dieser ganz zentrale Bereich um Jungfernstieg, Rathausmarkt und Umgebung ist in Hamburg mittlerweile (fast) frei von den sonst auch in wesentlich weniger zerstörten Städten wirklich hässlichen Klötze. Auch der frühe Wiederaufbau war in Hamburg noch verträglich und die 1960er und 1970er Jahre werden in den zentralen Bereichen der Stadt Stück für Stück aus dem Stadtbild getilgt.

    Kann mit dem Begriffsschöpfungsversuch "Traditionsinselmüll" nichts Rechtes anfangen. Erstens, weil es nach modernistischen Architekten klingt, die "Tradition" nicht mögen, zweitens weil der Gedanke der Bildung von Traditionsinseln in BS ein Guter war, den man sich woanders auch gewünscht hätte, und drittens weil Traditionsinsel das Gegenteil von Müll ist, denn der Müll steht drum herum, die Insel schwimmt sozusagen im Müll, ist aber das Gegenteil, und viertens, weil das Bild gar keine Traditionsinsel zeigt.

    Heimdall, ich stimme mit deinen Freunden überein. Natürlich ist in BS beileibe nicht alles zu loben, der Neuaufbau entwickelt in seiner Hässlichkeit fast schon eine gewisse Art von Qualität, das Nebeneinander von Alt und Müll fällt brutaler aus als anderswo, aber .... es hat trotzdem etwas. Wenigstens stellenweise war so etwas wie ein gestalterischer Wille erkennbar, und in Summe hat die Stadt noch viel schönes, teilweise sogar zusammenhängend. Dazu kommt ein gewisses Potential für Rekonstruktionen.

    Naja, irgendeinen hochselektierten Schnappschuss aus der Fußgängerzone von Braunschweig als Beleg zu nehmen, wie gut diese Stadt doch durch den Krieg gekommen sei, halte ich für unlauter. So ein Bild kann ich wie gesagt auch in Hannover, Oberhausen oder Bielefeld in der Fußgängerzone schießen, unpassende Plastikfenster in Gründerzeitlern inklusive. Wenn das ein Beleg dafür sein soll, wie gut es in BS gelaufen ist, dann muss ich da wohl doch so bald nicht wieder hinfahren.