Posts by Heinzer

    Das Haus steht an der Ecke Verdener Straße/Am Hulsberg, da ist ein recht bekanntes Restaurant im EG, das Kamayan heißt und wo man auf Sand am Boden sitzend arabische Küche essen kann. Den Architekten weiß ich leider nicht.

    Ein Haus am Dobben, das ich schon seit 10 Jahren im Blick habe ob seines schlechten Zustandes wird endlich saniert:



    Leider ist der schlechte Vorzustand hinter dem Gerüst nur zu erahnen.


    Noch eine etwas seltsame Aufstockung in Peterswerder, Vorzustand von 2008 (Google Streetview), aber abgesehen von einem anderen Anstrich im EG sah das Haus bis letzten Sommer so aus:



    Kurz vorm Abrüsten:



    Positiv: Aufstockung orientierend am Bestand, zurückhaltende Neubestuckung des neuen OG (Fensterumrahmungen)

    Negativ: Kunststoffenster, wechselnde Proportionen des Oberlichts, extrem ungünstige, breite Mittelstege bei den Flügeltüren im EG

    Ja, er macht alles unifarben. Ich schätze aber, dass er das nicht aus Preisgründen macht, sondern weil die Häuser original so aussahen. Auch in Leipzig wird ja sehr viel einfarbig saniert, und fast immer in diesen Creme- und Eierschalenfarben. Muss aber gestehen, dass ich über die Originalanstriche nicht viel weiß. Viele Häuser waren auch einfach ungestrichen/putzfarben, wenn man sich alte Bilder aus Gründerzeitgebieten anschaut. Das war oft eine ziemlich graue Angelegenheit, muss man so sagen.

    Der Knüller aber war eine Zufallsbegegnung mit Rolf Thörner. Er hatte mich fotografieren sehen und angesprochen. Richtig sympathischer Mann, dem wirklich etwas am Stadtteil liegt und der fast als "Altbauextremist" zu bezeichnen ist. So besteht er gegenüber den Handwerkern darauf, dass die Fassaden mit dem Quast gestrichen werden und nicht mit der Rolle. Es wird wirklich alles erhalten, die ganzen Geschichten mit "die Dielen waren nicht zu retten", "den Terrazzoboden mussten wir leider überkleben", "die Türen waren rott" - typisch für westdeutsche Altbausanierungen sind mit ihm nicht zu machen.


    Auch berichtete er darüber, dass ein Problem in Bremerhaven sei, dass die Laibungen der Fenster innen wie außen das gleiche Maß haben, während es in Bremen z.B. üblich sei, dass die Innenlaibung größer als die äußere ist, so dass man beim Fensterwechsel einfach das alte Fenster nach innen ausbauen kann, und das neue "reinschieben". In Bremerhaven aber muss man beim Fensterwechsel entweder ein kleineres Fenster einbauen und dann innen und außen mit Leisten "pfuschen", oder eben wirklich ans Mauerwerk und die Öffnung innen aufstemmen. Vor diesem Schritt schrecken viele Besitzer zurück, so dass fast alle Altbauten in Bremerhaven "zu kleine" Fenster haben, die alten werden einfach rausgebrochen und die neuen dann eben passend eingebaut.


    Der Mann meint es wirklich ernst.


    Und als absolutes Bonbon bestätigte er mir noch, dass als nächstes diese beiden Häuser auf dem gleichen Niveau saniert würden, sie waren letztes Jahr von der STÄWOG zur Notsicherung erworben worden:




    Ich hatte genau darauf weiter oben schon spekuliert, aber wusste natürlich nix. Die Planungen laufen bereits und die Arbeiten sollen bald beginnen. Unfassbar, was dort in dieser geschundenen Straße alles passiert. Und keine Spur von Müdigkeit.

    Und nochmal die Uhlandstraße 18:



    Tolle Fassade:



    Neue Haustür, weiß nicht, als Neukonstruktion ob dem längst verschwundenen Original nachempfunden, oder transloziert aus einem anderen Haus. In jedem Falle richtig schick:



    Neben dem Haus befindet sich zur Goethestraße eine Lücke im Blockrand (Bombenlücke? Nie bebaut? Nachkriegsabriss? - egal), hier entsteht eine kleine Terrasse, weiß nicht, was für eine konkrete Nutzung hier geplant ist, kann auch einfach privat sein:



    Gegenüber (auch schon gezeigt, ist aber einfach so schön):



    In der Uhlandstraße der erhoffte Dominoeffekt, allerdings qualitativ nicht besonders vielversprechend:


    Neue Rutsche Bilder aus Lehe, leider ist mein "Lieblingshaus" Goethestraße 60 immer noch nicht abgerüstet, aber nochmal besser zu sehen als vorher:



    Unglaublich, mit wieviel Liebe die Fassade wiederhergestellt wird:





    Nochmal von der Goethestraße aus gesehen:



    Umfrage: Hausbesitzer sparen an Modernisierung

    https://www.handelsblatt.com/d…ernisierung/28576864.html

    Wäre schön, wenn die Hausbesitzer freiwillig sparen würden. Es ist seit ca. 2 Jahren praktisch unmöglich, Handwerker zu bekommen. Wie bei so vielem an der heraufziehenden Krise ist auch hier nicht etwa ein Nachfrageproblem führend, sondern ein Angebotsproblem. Die Arbeitslosigkeit erreicht immer neue Tiefs, übrigens in ganz Europa. Selbst traditionelle Arbeitslosigkeitshotspots liegen unter 10% mittlerweile und die Arbeitslosigkeit sinkt weiter, die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt extrem hoch.


    Übrigens haben auch die steigenden Krankenkassenbeiträge mit dem Angebotsproblem zu tun: Es gibt nicht genug Pflegende und Ärzte, weshalb die Gehälter im Pflegebereich in den letzten 10 Jahren um 40% gestiegen sind - natürlich kostet das mehr - es ist im Gegenteil fast ein Wunder, dass die Beiträge trotz der Mehrkosten und permanenten Leistungsausweitungen nicht noch stärker gestiegen sind. Das geht eben nur, weil in den letzten 10 Jahren Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen wurden und die Basis der Beitragseinzahler verbreitert wurde. Deutschland hat nun im Bereich der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter eine der höchsten Erwerbstätigenquoten weltweit.


    Diese "Krise" ist ganz anders als die vorherigen Krisen, die immer mit hoher Arbeitslosigkeit einhergingen. Der Grund für die Krise ist, dass es an allem mangelt, Rohstoffen, Komponenten für die Fertigung, Containerkapazitäten, LKW-Fahrern, Arbeitern etc.

    Ich kann mir das nur noch mit dem allzeit gerne herangezogen "Selbsthass" erklären.

    Ja, das habe ich auch schon oft gedacht. Viele der Vorwürfe, die aus dieser Ecke gegen den angeblich linksgrünen "Mainstream" kommen, wirken bei näherer Betrachtung wie Projektion der eigenen Position. Man ist flexibel. Es wird - ganz unpatriotisch - der Zusammenbruch unseres verächtlich "BRD" abgekürzten Deutschlands in den Nischen des Internets ja geradezu herbeigesehnt - aber den Selbsthass sollen die haben, die versuchen, unsere Abhängigkeit von fragwürdigen Gaslieferanten zu reduzieren und das nicht erst seit dem 24.02.2022?


    Auch dass Heimdall oben ganz locker von "Vasallentreue zu einem Imperium" schreibt und nicht merkt, dass das viel problematischere Imperium gerade einen blutigen Krieg gegen einen Nachbarstaat ficht in einer Intensität und mit systematischen Gräueltaten, wie wir sie in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen haben, ist faszinierend. Da spielt Russland 19. Jahrhundert und fabuliert offen von einer vierten und letzten Teilung Polens im Fernsehen - aber das böse Imperium sind die Vereinigten Staaten. Lustig, wenn es nicht so tragisch wäre.

    Jetzt bin ich aber baff. So einfach geht das. Dabei wurde uns damals erzählt, dass eine Regeneration fast 100 Jahre brauchen würde.

    Ist das so? Ich erinnere mich recht gut daran, dass von Jahrzehnten die Rede war, die es nun ja auch gebraucht hat bzw. noch braucht. Die jeweils extremsten Vorhersagen rauszukramen ist verständlicherweise ganz lustig, aber wenn man sich an die wissenschaftliche Konsensposition von damals hält, ist man (nicht nur hier) ganz gut gefahren. Da gibt es einfach nicht besonders viel zu skandalisieren. Das Problem wurde identifiziert, eine Lösung von wissenschaftlicher Seite vorgeschlagen und diese nach etwas politischem Hin und Her global konzertiert umgesetzt. Im Prinzip ein Vorbild dafür, wie solche Dinge laufen können, wenn kooperiert wird auf Basis von Wissenschaft.


    Zum Thema Gaskrise nochmal der kleine Einwurf, dass Deutschlands Speicher nun zu 70% gefüllt sind und der Gasverbrauch im Juli um 17% unter demjenigen des letztjährigen Julis lag. Die Industrieproduktion ist zwischenzeitlich nicht eingebrochen und die Witterung dürfte bei diesem Unterschied kaum eine Rolle spielen. Und all das, obwohl Russland zur Zeit nur mit 20% der üblichen Kapazität liefert.


    Parallel hat Mercedes-Benz angekündigt, den Gasverbrauch jederzeit um 50% reduzieren zu können, falls es nötig ist - Umstieg auf erneuerbare Energien. Linde-Chemie wird vermehrt mit Öl arbeiten, Schott Spezialglas hat sich Propan gesichert für die Produktion und ist ebenfalls unabhängig von Gas.


    Was bei solchen Schocks immer grundsätzlich übersehen wird, ist einfach die Dynamik, die sich entfaltet, wenn es kracht. Dann gehen plötzlich Dinge, die vorher angeblich unmöglich waren. Und so werden Industrie und Verbraucher deutlich den Gasverbrauch reduzieren und Europa ist momentan sehr gut versorgt mit alternativen Gasquellen, seien es Norwegen, Algerien oder Importe über die großen LNG-Terminals in Benelux und dem UK. Bei dieser Geschwindigkeit sind die Speicher Ende September praktisch voll und spätestens dann werden die Preise auch wieder fallen. Wieder nix mit Untergang.

    Ja und?, wirst Du vielleicht fragen. Nun, solchen Apokalypse-Glauben sehe ich zum Einen etwas skeptisch. Ich gehöre ja zu der Generation, der man in den 80er Jahren erzählt hat, spätestens 2000 keinen Baum mehr sehen zu können (wegen "saurem Regen"). Und bald auch nicht mehr an die frische Luft gehen zu können (wegen "Ozonloch").

    Das finde ich lustig, sind doch beide Beispiele perfekt dafür, zu zeigen, was dabei herauskommen kann, wenn auf ein Problem nicht mit Geschwurbel, sondern mit Wissenschaft reagiert wird. Das Waldsterben wurde größtenteils durch die massiven Schwefelemissionen von Industrie und Verkehr ausgelöst. Die weitgehende Entschwefelung unserer Fabriken (unter dem üblichen Gejaule der Industrie) in den 70er und 80er Jahren hat dann rasch Wirkung gezeigt. Dass der Zustand der Wälder zur Zeit wieder schlechter wird, hat jedenfalls mit dem damaligen Problem nichts mehr zu tun, sondern liegt an Trockenstress und Hitze.


    Beim Ozonloch ganz ähnlich: Das Problem wurde identifiziert (nicht nur, aber weit überwiegend FCKW) und eliminiert. Das Ozonloch hat sich seit dem Verbot deutlich erholt.


    Stelle mir immer vor, was gewesen wäre, wenn es das Internet schon 1985 gegeben hätte oder 1992. Sicherlich wären einige Leute recht rasch zu einer gewissen Berühmtheit gelangt, die die Zusammenhänge zwischen Waldsterben und Schwefelemissionen in Frage gestellt hätten. Oder Ozonloch, geiles Thema, hätte man so schön verschwurbeln können. Das gab es damals natürlich auch alles, aber eben in den Nischen der Welt, in den Eckkneipen hinten neben dem Klo - aber nicht so prominent und erfolgreich als fett angelegte Desinformationskampagne wie jetzt beim Klimawandel.


    Zeigt auch, wie vergleichsweise gut Deutschland im Vergleich gerade dasteht. Ungarn tut einfach so, als sei nichts passiert (mit unabsehbaren Folgen für das Land in der Zukunft - wird zum Pariah in Europa, selbst die ideologischen Kumpels der Visegradstaaten setzen sich gerade sehr schnell ab) - Frankreich hat eben viel Atomenergie - allerdings mit den oben beschriebenen Einschränkungen und Folgen - und Schweden und Finnland haben deutlich höhere Anteile regenerativer Energiequellen.


    Wirklich verwunderlich ist das Vereinigte Königreich mit seinem Gas- und Ölreichtum. Unfassbare Schere zwischen Arm und Reich bei den Energiepreisen, die DORT dann wirklich mal das Geraune von Aufständen etc. realistisch erscheinen lassen. Deutschland? Erstmal Bahnsteigkarte besorgen.

    Ich weiß nicht, warum hier immer sofort so ein seltsamer "Eliten"-Beißreflex ins Spiel kommt, wenn jemand sagt, dass nun eben Dinge passieren, die schon früher hätten passieren müssen. Auf der Rückfahrt aus dem Urlaub waren wir Anfang der Woche bei Freunden meiner Frau in Hessen. Ganz normale Leute, keine Akademiker, er arbeitet bei einem Automobilzulieferer, sie ist Bürokauffrau, arbeitet aber wegen der Kinder schon seit Jahren nur Teilzeit. Die beiden besitzen ein kleines Reihenhaus in einem kleinen Ort etwa zwischen Siegen und Wetzlar, das 2004 gebaut wurde, beide sind abhängig vom Auto fürs Pendeln.


    Was machen sie? Seit etwa 10 Jahren haben sie Photovoltaik auf dem Dach, nun haben im Januar eine Wärmepumpe bestellt, die ihre in die Jahre gekommene Gasheizung ersetzen wird, Basis Luft, Vorlauftemperaturen dank Fußbodenheizung niedrig. Die werden deutlich vor uns also eine gasfreie Heizungsanlage haben. Das ist kein Hexenwerk und definitiv auch jemand aus der ganz normalen Mittelschicht meiner Generation, dicke haben die es ganz sicher nicht mit drei Kindern und einem de facto Alleinverdiener. Mich nervt dieses Elitengeschwafel kolossal. Es wurde niemand, auch jemand mit schmalem Geldbeutel und in Dörfern wohnend daran gehindert, sich an Genossenschaften für die Errichtung einer WKA am Dorfrand zu beteiligen. Wenn man wie Bayern nun seit 20 Jahren hauptamtlich damit beschäftigt war, die Energiewende zu torpedieren, schaut man nun eben doof in die Röhre. Wie gesagt werden Standortentscheidungen zunehmend von der Verfügbarkeit erneuerbarer Energie abhängig gemacht und das wird noch zunehmen.


    Hier wird immer so getan, als sei die Energiewende das Spiel irgendeiner möglichst diffus oder gar nicht definierten "Elite", während "das Volk" in die Röhre kuckt. Dabei muss man entweder "Elite" sehr weit definieren oder eine sehr enge Definition von gefährdeter Mittelschicht haben. Das scheint eher ein Code für EFH-Besitzer jwd mit Sanierungsstau zu sein, denn diese Menschen, ja, wird die Energiekrise tatsächlich hart treffen.


    Die vielzitierten Mieter wohnen sehr oft in bereits energetisch sanierten Wohnungen, profitieren von den immanenten Vorteilen von solchen größeren Blöcken, die weniger Außenwände bedingen und haben oft ohnehin weniger Wohnfläche zu heizen. Ich kenne einige Mieter in saniertem oder neuerem Wohnungsbestand, die praktisch gar nicht heizen müssen. Wenn ich denen erzähle, wann ich in unserem schattigen Reihenhaus aus den 20er Jahren die Heizung anmache (meist im September, und laufen tut sie eigentlich immer bis Mai), lachen die laut. Die lassen die nur mal in Frostperioden ein bisschen laufen.


    Also: Es gibt einen Teil der Bevölkerung, den die Energiekrise hart treffen wird. Dies werden größtenteils ältere Ehepaare in unsanierten Nachkriegs-EFH sein, mit alten Fenstern, einer vielleicht noch in die Jahre gekommenen Gas- oder Ölheizung und mit schmalen Renten. Das ist nicht schön. Und der Staat wird versuchen, extreme Härten abzufedern. Aber es war immer klar, dass solche Momente kommen würden. Und gerade die so oft zitierten ärmsten Menschen besitzen oft gar kein Auto und wohnen in Mietwohnungen - diese wird es also deutlich weniger treffen.


    Den Vorwurf, den ich der Politik mache, ist, dass diese in den letzten 20 Jahren trotz der Rhetorik um Klima und Ökologie so getan hat, als würde alles immer so weiter gehen. Noch perfider finde ich allerdings die Verknüpfung hoher Energiepreise mit unserer Haltung gegenüber dem Angriffskrieg Russlands. Die Gaspreise waren schon weit vorher massiv gestiegen, und sind auch in Ländern, die gar kein russisches Gas beziehen, sehr hoch. Spätestens seit den Spielchen Russlands um die generalüberholte Turbine für die Kompressorstation in St. Petersburg muss hier doch jedem klar sein, dass Russland kein verlässlicher Partner mehr ist. Wenn wir nun wie erwünscht "einknicken" und NS2 in Betrieb nehmen, spielt Putin eben mit dieser Pipeline seine Spielchen und wird immer neue Vorwände finden, warum nicht geliefert wird.


    Nein, es ist doch ganz klar, dass wir vom russischen Gas nun wegkommen müssen. Deutschland hing wie ein Junkie daran. Für die Industrie und private Haushalte werden wir für eine Zeit noch Gas aus anderen Quellen brauchen (Norwegen und Großbritannien haben die Lieferungen nach Deutschland bereits deutlich erhöht). Dass dies nun so einen Schock bedeutet, liegt nicht an "grüner Ideologie", sondern im Gegenteil an der Verschleppung der sinnvollen und seit Jahrzehnten bekannterweise notwendigen Maßnahmen. Diese Phase geht nun abrupter zu Ende, als das wünschenswert gewesen wäre.


    Trotzdem bin ich mir sicher, dass Deutschland auch diese Herausforderung meistern wird. Innovationen werden massiv explodieren und die Welt wird schon in 3 Jahren ganz anders aussehen. Dieser hier verbreitete Defätismus ist und bleibt mir fremd. Und vielleicht sehen ja unter dem Druck der Fakten doch auch immer mehr "Klimaskeptiker" ein, dass sich etwas tun muss. Ist ja schon interessant, dass sich die Rhetorik aus diesen Kreisen in den letzten 20 Jahren von "welcher Klimawandel?" zu "Klimawandel ja, aber nicht menschengemacht" gewandelt hat, weil selbst dem letzten Dödel auffällt, dass sich etwas verändert hat.


    Wer mit offenen Augen die letzten 5 Jahre passieren lässt, kann doch nicht ernsthaft zu dem Schluss kommen, dass sich unser Klima nicht rapide verändert hat? Es stirbt großflächig Wald ab (oder verbrennt gleich ganz), die Flusspegel sind überall in Europa extrem niedrig (Bodensee gar mit negativem Pegelrekord), ich kenne keinen einzigen Bewohner der Alpen, der sich nicht größte Sorgen um die Gletscher und Bergstabilität machen. Wenn Sommer wie diese nicht dazu führen, dass wir etwas ändern müssen, dann weiß ich nicht mehr weiter.

    Deutschlands Energiepolitik ist das Ergebnis von jahrzehntelang praktizierter, jeweils nur kurzfristig auf die nächsten Wahlen hin orientierter "Wohlfühlpoilitik" von CDU, SPD, FDP und leider auch den Grünen.


    Atomenergie ist ein im Vergleich verlässlich verfügbare und saubere und sichere Energiequelle. Frankreich produziert pro Kopf nur halb soviel CO2 wie Deutschland, ohne das ganze Land vollzuspargeln.

    Man muß wohl leider konstatieren, dass die Perspektiven düster sind. Unsere Gebäude wurden historisch noch nie für Hitzeschutz, sondern auf winterlichen Kälteschutz hin optimiert. Die Mauern bieten reichlich Masse, die sich in den immer längeren Hitzperioden zum Wärmespeicher entwickeln. Die tagsüber aufgenommene Energie wird nachts nur langsam wieder abgegeben, minimiert die nächtliche Abkühlung der Wohnungen und der Städte als Ganzes. Wenn zunehmend Klimaanlagen eingesetzt werden, verschlimmert die Abwärme der Anlagen die Situation für alle anderen, die noch keine Klimaanlage haben. Im Endeffekt wird der Aufenhalt in den Städten während sommerlicher Hitzewellen zum tödlichen Risiko für alle, die sich nicht in klimatisierten Räumen aufhalten.

    Insgesamt Zustimmung außer zu dem Atombeispiel. Es ist wahrscheinlich schon 5 nach 12.


    Aber Frankreichs tolle Atommeiler bringen Europa gerade an den Rand einer Stromkrise. Ohne massive Exporte von grünem Strom aus Deutschland wären dort schon die Lichter aus. Nur ein einziges Atomkraftwerk läuft dort zur Zeit mit voller Leistung, der Rest ist entweder abgeschaltet für Routineprüfungen, oder wegen massiver Korrosionsprobleme in heiklen Bereichen oder läuft mit deutlich reduzierter Leistung, weil die Flusspegel zu niedrig sind, um genügend Kühlwasser zu entnehmen/bei Volllast die Kühlwassertemperatur zu hoch wäre und die Fauna und Flora der Flüsse gefährden würde. Wie ernst die Lage dort ist, erkennt man daran, dass viele AKWs zur Zeit nur mit Sondergenehmigungen unter Inkaufnahme von Schädigungen der Flüsse durch zu hohe Kühlwassertemperaturen überhaupt laufen dürfen.


    Ist schon lustig, dass uns die Atomlobby seit Jahren Frankreich als Vorzeigeland präsentiert hat und nun inmitten einer der größten Energiekrisen Europas ausgerechnet Frankreichs Stromnetz kurz vorm Kollaps ist. Deutschlands Netz ist im Übrigen und schon seit Jahren zunehmend versorgungssicherer als sowohl dasjenige Frankreichs (Atom) und Polens (Kohle), obwohl bei uns doch katastrophale Blackouts drohen sollten durch den Ausbau der erneuerbaren Energien.


    Ich habe nichts gegen ein Längerlaufenlassen unserer AKWs und wäre sogar dafür, die erst im letzten Jahr abgeschalteten wieder in den Betrieb zu nehmen, also nicht als Rundumschlag gegen Atomkraft verstehen - aber ein Allheilmittel ist das auch nicht. Irgendwie ignoriert werden in diesen Debatten auch immer die enormen staatlichen Sicherheitsgarantien und Subventionen im Milliardenbereich, die für den Bau dieser Kraftwerke nötig waren, hinzu kommen das ungeklärte Entsorgungs- und Rückbauproblem, beides nochmals Kostentreiber im Milliardenbereich.


    Im Bereich regenerative Energien passiert gerade extrem viel, auch ausgelöst durch den Energiepreisschock, China, das UK und selbst Deutschland gehen mit riesigen Offshorewindparks an den Start nach jahrelangem Gedipper und Gedödel, parallel werden natriumbasierte Batterien zur Speicherung von Leistungsspitzen in den nächsten Jahren marktreif, und diese benötigen kein teures Lithium mehr und auch keine oder deutlich weniger weitere seltene Rohstoffe. Eine solche Batterie zusammen mit Solar auf dem Dach und einer Wärmepumpe im Keller wird in den nächsten Jahren zum Standard werden, sowohl bei Neubauten als auch immer mehr im Bestand.


    Deutschland zahlt nun eben den Preis für jahrelangen Blindflug und die süßen Verlockungen absurd billigen Gases. Dieses hat sein Ziel einer weitgehenden Abhängigmachung des Landes und Ausbremsung von Maßnahmen zur Energieunabhängigkeit des Landes erfolgreich erreicht. Bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass es -aus Sicht vieler Doomer wohl leider - wieder nicht zur ersehnten Großkrise kommen wird. Russische Kohle ist schon weg, russisches Öl liegt nun bei einem Importanteil von 12% (nur noch eine Raffinerie in Schwedt wird beliefert, Ersatz über den Hafen Danzig ab Ende des Jahres organisiert), beim Gas liegen wir bei aktuell 20% des üblichen Gasflusses, trotzdem füllen sich unsere Speicher zur Zeit um 0,3-0,4% pro Tag.


    Der Winter wird sicherlich ziemlich kritisch, aber auch hier sehe ich keine der ausgemalten Katastrophenszenarien. Im Gegenteil wird der Gasverbrauch sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich deutlich sinken, und sei es nur preisbedingt, die Leute setzen nun ihre langgehegten Pläne für eine Wärmepumpe um oder einen zusätzlichen Ofen, all das wird für einen deutlich sinkenden Gasverbrauch sorgen. Außerdem werden es sich überraschend viele Leute zum Hobby machen, Gas zu sparen. Gerade viele ältere Paare in Einfamilienhäusern werden nur noch einzelne Räume heizen, in meinem Umfeld gibt es fast eine Art "Wettlauf" um die radikalsten Einsparmaßnahmen, um den Gasverbrauch zu senken. Wir werden zum Beispiel nur noch ein Badezimmer und unser Esszimmer heizen, im OG haben wir ohnehin die Heizung nie an, und im Wohnzimmer dann eben Ofen plus Decken, die Kinder sind auch aus dem Gröbsten und brauchen keine 22 Grad mehr in den Räumen. Das geht schon alles. Wenn dann noch der Winter wie in den letzten Jahren typisch ein milder wird, wird das alles ziemlich glimpflich ablaufen. Und schon im nächsten Jahr sind wir deutlich weniger abhängig durch neue Terminals und weitere Umbau- und Einsparungsmaßnahmen.

    Naja. Solche Nachrichten gibt es in einem Land wie Deutschland mit um 8 Mio. Beschäftigten (!) im produzierenden Gewerbe immer, in jedem Jahr, und natürlich v.a. in Rezessionsjahren oder solchen, die es werden können. Hat natürlich wieder mal nichts mit der Klima- und Energiewende in der Stadt zu tun, aber egal.


    Es ist im Gegenteil ein schönes Beispiel für die Negativbias der Medien, denn dass die Zahl der Industriearbeitsplätze im letzten Jahrzehnt um 600.000 gestiegen ist, war irgendwie kein großes Thema. So bin ich mir sicher, dass hier 80% unserer Kulturpessimisten dachte, dass im letzten Jahrzehnt Arbeitsplätze abgebaut wurden, weil, keine Ahnung, die Statistik gefälscht wird und ja ohnehin nur Billig- und Leiharbeiter eingestellt werden, das Übliche eben.


    Dementgegen stehen weiterhin auch große Investitionen der Industrie am Standort Deutschland, siehe Tesla, siehe Chipfabrik in Magdeburg, siehe die massiven Investitionen mit tausenden von neu entstehenden Arbeitsplätzen in Batteriefabriken und die ganze E-Mobilität. Was man aber sicher sagen kann, ist dass Deutschland nicht "deindustrialisiert" wird. Es war eine herausragend herausfordernde Zeit für alle Unternehmen, global. Und es sieht so aus, als werde das auch noch eine Weile so bleiben. Aber hier aus Lokalzeitungsmeldungen die finale Abwicklung Deutschlands herauszudestillieren oder noch besser, sogar eine Verschwörung hinter dem Nichterscheinen dieser Meldungen auf den Frontseiten der Zeitungen anzudeuten, ist lächerlich.

    So sehr viel mehr regenerative Energieerzeugung, v.a. schnell, wünschenswert ist, ist das Thema im Detail kompliziert. Windkraftanlagen müssen zur Bewältigung der Energiewende stark ausgebaut werden, das ist natürlich sinnvoll, aber nicht im Hau-Ruck-Verfahren und v.a. nicht ohne ausreichendes Hintergrundwissen. Dass die von mir beschriebene Problematik auch nur ein Aspekt bei Windkraft ist (neben ähnlich komplexen Problemen wie Lärm, Entsorgung, Bodenbeeinträchtigung, Vibrationen, Ästhetik, Eisschlag, Waldrodung, usw.), zeigt zumindest mir, dass diese Technologie insgesamt zurecht kritisch betrachtet wird, und zwar aus rein sachlichen Gründen, und nicht, weil man grundsätzlich die Notwendigkeit der Energiewende in Frage stellen würde.

    Naja, der halbe Strang besteht aus einem Infragestellen dieser Notwendigkeit. Nun so zu tun, als ginge es hier lediglich um Details und es bestünde (im Forum) eine Art Konsens zur Energiewende, ist unlauter. Die meisten Likes bekommen hier Beiträge mit nachweisbar falschen und erschütternd leicht zu falsifizierenden Aussagen wie oben derjenigen von "buarque", demzufolge angeblich "kein europäisches Unternehmen" beabsichtige, "in die Zellfertigung einzusteigen". Wohlgemerkt just am Tag der Grundsteinlegung für eine VW-Gigafabrik für Batteriezellen in Salzgitter (!). So daneben zu liegen, muss man erstmal schaffen.


    Ich sage das hier immer wieder: Wenn schon die grundlegenden Fakten nicht stimmen, kann kein Erkenntnisgewinn entstehen. Wenn gutgemachte Studien zum Thema Windkraft und Vögel mit persönlichen Erfahrungen gekontert werden unter beeindruckender Ausblendung der eigentlich problematischen Faktoren für das Artensterben in Deutschland, dann wird es eben schwierig.


    Natürlich müssen Windkraftanlagen geprüft werden auf ihren Einfluss auf die Avifauna. In Naturschutz- und Vogelschutzgebieten sollten keine WKA entstehen usw. - trotzdem, und da bestreite ich vehement, dass die Gründe gegen den Ausbau der Windkraft "rein sachlich" wären - trotzdem müssten wir eine viel breiter angelegte Debatte über den Zustand unserer Flora und Fauna führen. Diese würde aber sicherlich NICHT zu dem Ergebnis führen, dass das Hauptproblem WKA sind und ist somit unerwünscht. Es geht also eben gerade nicht um die Sache. Dann müssen wir über Hauskatzenbesitz mindestens so dringend sprechen wie über Windkraft. Aber irgendetwas sagt mir, dass diese Diskussion dann als "Bevormundung", "Ökostalinismus" und "Panikmache" abgewürgt würde.


    Recht hast Du aber sicherlich damit, dass die Diskussion hier schon wieder off topic ist. Auch Recht hast Du damit, dass es einen breiten gesellschaftlichen Konsens braucht für die Umwälzungen (ich glaube aber wie gesagt, dass Deutschland hier deutlich weiter als dieses Forum ist).

    Nichts für ungut, Franka, aber mit solchen Anekdoten kann man keine ernsthafte Diskussion führen. In der oben zitierten Studie aus den USA sterben 300x (!) mehr Vögel durch Katzen als durch Windkraftanlagen, und 50x (!) mehr Vögel durch Autos als durch Windkraft. Was soll man dann mit einer solchen Entgegnung anfangen - "habe neulich einen Vogel unter einer WKA gefunden" - ich übrigens noch nie, und ich bin auch viel unterwegs - soll ich das kontern mit "wieder so viele tote Vögel am Straßenrand neulich"? Das bringt doch nichts. Fakt ist, es gibt keine Hinweise darauf, dass WKA relevant das Vogelsterben in Deutschland beschleunigen. Das tun ganz andere Dinge, Verkehr, Flurbereinigungen, Pestizide, und, als Oberkiller Nr. 1 - Katzen ("in diesem Frühjahr in unserem Garten mindestens 6 Jungvögel von Hauskatzen getötet").


    Nebenbei heute gerade Grundsteinlegung für eine von einer VW-Tochterfirma betriebene und gebaute Batteriefabrik in Salzgitter:


    VW-Batterien werden aus Salzgitter kommen


    Das nur hierzu:

    Die Batterietechnologie wird auch zukünftig aus Asien kommen, es gibt kein einziges europäisches Unternehmen, das beabsichtigt, in die Zellfertigung einzusteigen (vom Vorsprung der Japaner, Koreaner, Chinesen mal abgesehen).

    Gemäß DE-STATIS waren es 2021 40,9% Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen. 2020 waren es 44,1 %.

    Im ersten Halbjahr 2022 waren es 49%:


    Deutlich gestiegener Ökostromanteil in Deutschland 2022


    Der Bundestag hat gerade beschlossen, diesen Anteil bis 2030 auf 80% zu steigern:


    Schnellerer Ausbau regenerativer Energien


    Das Lustige ist eben, dass in diesen Diskussionen vor 10 Jahren schon 50% als komplett unrealistisch abgetan wurde und natürlich wirst Du gleich 80% als Quatsch bezeichnen. Gut, dass das Internet eben doch vergisst und viele Leute zu faul sind, den Kram von gestern wieder rauszusuchen. So kann man das Spiel endlos immer weiter spielen. Wenn man unrecht hatte, ist es eben zu lange her, man tritt unter anderen Namen wieder auf und erzählt weiter Quatsch (nicht Du, generell in online-Medien).


    Was ist eigentlich aus der Netzsicherheit geworden? Wir sollten doch permanent Stromausfälle haben, die die Industrie vertreiben sollten? Komisch, die Netzsicherheit ist heute sogar höher als vor 10 Jahren und höher als in Atomparadiesen wie Frankreich und Kohleparadiesen wie Polen:


    bildschirmfoto2021-06jsknq.png


    Parallel wird es nun auch ernst mit dem Ausbau der Wasserstofftechnologie, in Bremen wurde gerade der Baustart für einen 10MW-Elektrolyseur für die Stahlwerke für Herbst bekannt gegeben:


    Bau von Wasserstoffanlage in Bremer Stahlwerk


    So etwas passiert jetzt massiv, überall im Land, überall in Europa. Hätte man alles weniger disruptiv haben können, wenn nicht 15 Jahre rumgemerkelt worden wäre. Jetzt wird es sicherlich ein spannender Winter, aber auch das werden wir überleben, die Gasspeicher füllen sich rapide, die Leute investieren in Alternativen, der Gasverbrauch lag schon im ersten Halbjahr 2022 14% niedriger als im selben Zeitraum letztes Jahr, im Winter ist der erste LNG-Terminal in Wilhelmshaven betriebsbereit, über den immerhin knapp 10% des jährlichen Gasverbrauches importiert werden kann, Gleiches gilt für Brunsbüttel, wo eine ähnlich dimensionierte Anlage ebenfalls im Winter in Betrieb gehen soll, sind schon um 18%.


    Zur Elektromobilität

    Die Batterietechnologie wird auch zukünftig aus Asien kommen, es gibt kein einziges europäisches Unternehmen, das beabsichtigt, in die Zellfertigung einzusteigen (vom Vorsprung der Japaner, Koreaner, Chinesen mal abgesehen). Chipproduktion gibt es natürlich schon, wenn viele Mrd. für den Bau der Anlagen fließen, das Design kommt aber nach wie vor aus den USA (mal abgesehen von Nischenanbietern wie STMicroelectronics)

    Wie bitte?



    Das sind riesige Konsortien in tlw. europäischer Eigentümerschaft, die einen massiven Ausbau der Zellproduktion in Europa auf den Weg gebracht haben. Selbst die Lithiumproduktion zieht dann in diese Gegenden, z.B. hier in Brandenburg (die Nähe zu einem neuen Hotspot der europäischen Automobilproduktion ist sicher kein Zufall:


    Lithiumkonverter in Guben - Genehmigungsverfahren begonnen

    Die Energiedichte ist relativ irrelevant, es geht um Wirkungsgrade, und da ist die Elektrotechnologie gegenüber jedem Verbrenner überlegen, denn diese liegen bei nahezu 100%. Und natürlich wird es erschwingliche Kleinwagen mit E-Antrieb geben, gibt es doch jetzt schon und erst recht in 10 Jahren. Solange kann ja noch jeder Verbrenner fahren, ich tue dies auch. Auch gebraucht werden E-Autos eine zunehmende Rolle spielen, weil die Batterien viel länger halten als ursprünglich vermutet. Eher rostet einem die Karre weg, als dass die Batterie unbrauchbar wird. Und auch bei der Batterietechnologie wird es noch weitere Schritte geben, Feststofftechnologie, Lebensdauern etc. - das ist ja nicht statisch.


    Mir ist völlig klar, dass das eine große Umwälzung wird und dass längst noch nicht alle Probleme gelöst sind. Mich wundert nur manchmal die schier endlose Energie, die manche Menschen investieren, um zu "belegen", was alles nicht geht und niemals gehen wird. Völlig sicher posaunen sie scheinbare Weisheiten heraus ("zwangsläufig"), und merken noch nicht einmal, dass die Realität sie längst überholt hat. Wer vor 10 Jahren E-Autos skeptisch gegenüberstand (so wie ich auch), war einfach nur nicht gut informiert. Wer im Jahr 2022 noch die irrelevanten Schlachten der frühen 2010er schlägt, hat eben einfach den Zug verpasst.

    Da ich selber in der Industrie tätig bin, habe ich mittlerweile den Eindruck, dass die Industrie schon weiter ist als manche Bundesbürger in ihren Köpfen. Da wird nämlich teils das Ruder voll herumgerissen und auf Erneuerbare gesetzt.

    Absolut. Die Industrie sehnt sich nach klaren Ansagen und einem Ende des Geeiers. Investitionsentscheidungen werden schon von der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien abhängig gemacht. Die Schlachten, die hier im Forum immer noch wie die Gegenwart wirken, sind bei vielen Entscheidungsträgern längst geschlagen, es wird lediglich auf ein verlässliches Regelwerk gewartet, dann geht die Industrie all-in.


    Und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die deutsche Industrie weiterhin eine unheimliche Innovationskraft hat. Man erkennt es jetzt ja am Schwenk zur Elektromobilität. In wenigen Jahren wird die deutsche Autoindustrie mehrheitlich qualitativ und technisch immer besser werdende E-Autos auf den Markt bringen. Die Wertschöpfungsketten wandern zurück nach Europa, um die Abhängigkeit von Ostasien zu vermindern (Chipproduktion, Lithiumkonversion, Batterietechnologie).


    Aber die Antwort der "Skeptiker" ist immer dieselbe, seit Jahrzehnten. Geht nicht, lächerlich, kann nicht klappen. Dabei hat die Realität längst den Stand der Diskussion vor 10 Jahren überholt. Egal, geht nicht, Batteriebrände, Reichweite, klappt nie, Deindustrialisierung, Massenarbeitslosigkeit, Klimawandel gibt's nicht. Mit dieser Attitüde wäre Deutschland nie das geworden, was es ist. Glaube kaum, dass Beharrung und Angst Deutschlands Ingenieure und Erfinder angetrieben hat, als sie Eisenbahn, Autos, Telefon etc. erfanden oder weiterentwickelten. Auch damals hieß es, Fantasten, kann nix werden, Pferde werden sich durchsetzen, wer braucht schon Computer, das Internet wird überschätzt. Unglaublich eigentlich, dass die Antwort auf fast alle Lösungsansätze der Zukunft immer "pffft", haha, kann nicht klappen ist - seit Jahrzehnten. Wenn es dann doch wie immer klappt, wird abgetaucht oder sich auf das nächste Reizthema gestürzt.


    Keine Frage: Das werden harte Jahre. Es gibt aber kein Zurück mehr. Diese Entscheidung hat uns Russland abgenommen. Am Ende wird es zum Besseren sein. Innovationssprünge entstehen oft in Phasen großer Not oder von Schocks. Wir hatten es uns viel zu bequem eingerichtet im künstlich billigen, endlosen russischen Gas. Dies hat uns die Augen und Gehirne vernebelt und sein Ziel erreicht: Dass Deutschland eben nicht voranschreitet, nicht seine Technologieführerschaft ausnutzt beim Thema eneuerbare Energien, sondern erlahmt, bremst, zaudert. Ja, ein Gutteil unseres Wohlstandes (der ja aber an anderer Stelle immer bestritten wurde) basierte auf dieser Arbeitsteilung, billige Energie aus Russland, wettbewerbsfähige Produkte aus Deutschland bei relativ niedrigen Löhnen und einem sehr günstigen Wechselkurs. Nun zerren von allen Seiten die Probleme an diesem Modell, welches aber aufgrund der absurden Leistungsbilanzüberschüsse ohnehin nicht besonders nachhaltig war.


    Nun werden wir eben gezwungen, manche Dinge zu ändern, ist ja nicht nur russisches Gas, auch die Lieferkettenprobleme, zunehmende Spannungen zwischen den Handelsblöcken usw. machen die Dinge komplizierter. Aber statt hier in Alarmismus und Defätismus zu versinken und irgendwelche Horrorszenarien auszuweiden, halte ich es für deutlich sinnvoller, die Herausforderungen anzunehmen und daran zu wachsen. Ich habe wenig Zweifel, dass ein Land wie Deutschland auch das schaffen wird.

    Das sehe ich wenig überraschend vollkommen anders.


    Der Wahnsinn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat die einseitige Abhängigkeit Deutschlands vom russischen Regime und alle ihre katastrophalen Folgen sichtbar gemacht. Einen Weg zurück wird es nun nicht mehr geben. Windenergie wird nun nach 15 Jahren Blockade durch Merkel und Konsorten (in deren Rahmen übrigens wie bei der deutschen Solarindustrie deutlich mehr Arbeitsplätze verloren gegangen sind als bei der mit Milliarden gepäppelten, landschaftszerstörenden Braunkohleförderung überhaupt vorhanden sind in Deutschland) endlich wieder deutlich ausgebaut.


    Belgien, die Niederlande, Deutschland und Dänemark haben einen massiven Ausbau der Offshore-Windenergie angekündigt, mit dessen Hilfe bis 2040 über 200 Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden sollen, inklusive der ebenfalls auszubauenden E-Mobilität, inklusive des Ausbaus der Wärmepumpentechnik zur Beheizung unserer Wohnungen und Häuser, inklusive Elektrolyseuren für die Nutzung überschüssigen Windes zur Wasserstoffproduktion:


    Nordsee soll zum grünen Kraftwerk werden


    Bereits in diesem Jahr kamen ca. 50% des in Deutschland produzierten Stroms aus regenerativen Quellen, nicht auszudenken, wo wir stehen würden, wenn das Thema nicht so aktiv behindert worden wäre in den letzten 10 Jahren. In einem zunehmend vernetzten europäischen Verbund wird auch das Risiko der Dunkelflaute immer geringer, da irgendwo in Europa eben doch immer Wind weht und selbst im Winter die Sonne scheint. Für die Grundlast werden wir bis zu einem wirklich intelligenten Netz und/oder dem breiten Übergang der Verstromung von Wasserstoff eben noch Gas, Kohle oder Atomenergie brauchen, dafür sind im Jahresdurchschnitt aber Anteile von weniger als 10-15% an der Gesamtstromproduktion nötig.


    Und die meisten Horrorgeschichten über Windenergie kommen immer aus denselben Ecken und beinhalten dieselben Halbwahrheiten und Lügen, so zum Beispiel die Vogelgeschichte. Vorher sollte jeder Autofahrer und Katzenbesitzer mal überlegen, was wirklich wichtig ist:


    Es ist ja oft so, dass es solcher Schocks bedarf, damit sich endlich etwas ändert. Ein solcher Schock war der russische Angriff auf die Ukraine. Was jetzt schon sicher ist, ist, dass Europa 2030 einen um ein Vielfaches niedrigeren fossilen Energieverbrauch haben wird.