Posts by Heinzer

    Heute auf den Plakaten, die im Rahmen der Baustelle an der Bürgerschaft am Bauzaun aushängen fiel mir folgendes Bild auf:



    Dies müsste nach meiner bescheidenen Einschätzung ein Blick etwa von vor dem Postamt nach Südwesten Richtung Breitenweg sein, der Hbf also weiter rechts liegen, die Hochstraße ist noch nicht gebaut. Kann mir jemand etwas zu dem äußerst vital erscheinenden Altbau, der links im Bild angeschnitten ist, sagen? Von der Bebauung her und der fehlenden Hochstraße würde ich das Bild auf späte 1950er Jahre einschätzen, auch der Opelturm steht rechts noch.


    Ist das das Tivoli gewesen? Ich wusste gar nicht, dass hier offenkundig so spät nach dem Krieg ein weiteres Gebäude direkt am Bahnhofsplatz noch abgerissen wurde. Trist mal wieder.

    Beim Johann-Jacobs-Haus sind die ersten Figuren an der Seitenfassade angebracht worden:



    Ungünstiger Winkel, Handyfoto, rangezoomt:



    Und die Rückseite der Stadtwaage, die in den 50er Jahren neugestaltet wurde, da diese Seite nie freigestanden hatte:



    Links, wo der Lieferwagen steht, soll die Caféfläche entstehen. An einem grauen Spätwinternachmittag alles von begrenztem Charme, aber ich kann mir ein Gelingen der Idee mittlerweile sogar vorstellen.

    Die kriegen bei dieser Nummer ja kräftig auf die Mütze, muss man sagen. Und so richtig viel offen vorgetragene Opposition kam auch noch nicht vor. Im Süddeutsche Artikel wurde eine Architektin (?) zitiert, der Zeit-Artikel kommt ganz ohne kritisches Zitat oder Quelle aus, sondern raunt von "Architektenkreisen". Nicht missverstehen, ich habe das nicht im Detail verfolgt und glaube sofort, dass die Sache manchen modernen Architekten und vielleicht auch ideologischen Architekturtheoretikern gegen den Strich geht.


    Aber richtig viel Dampf scheint da nicht hinter zu sein. Es ist beschlossen, die jüdische Gemeinde möchte es so, das Ding ist mehr oder minder durch, und das dürften die entsprechenden Personen auch wissen, zumal sie mit einem kleinen Fitzchen Selbstreflektion wohl selbst erkennen dürften, dass sie hier argumentativ ein Problem haben. Also müssen wir uns hier anders als bei anderen Rekoprojekten auch nicht seitenlang über irgendwelche Randmeinungen aufregen.

    Eisen-Werner ist der jetzige Standort des "Sozialkaufhauses". War gut gefüllt dort, draußen auch ein langer WK-Artikel über den Besitzer ausgehängt von 2016. Interessante Geschichte, die man wohl nur als länger hier lebender Bremer kennt. Abgesehen vom Aladin (da war ich persönlich auch noch nie) gibt es wirklich fast keinen Grund mehr als Nichtanwohner, in diese Ecke zu fahren.


    Eine schöne alte Apotheke (passenderweise "Alte Apotheke" genannt) steht aber in der Bahnhofstraße immer noch:



    Ein weiterer Blick in die Straße, ebenfalls mit Apotheke:



    Ein bemalter Bunker:



    Ein Eckgebäude der ebenfalls in der Hemelinger Bahnhofstraße ansässigen Silbermanufaktur Wilkens:



    Blick auf eine Villa:



    Der Sebaldsbrücker Bahnhof:



    Und ein Blick auf ein Ensemble um die Kirche:


    Der Stadtteil Bremen-Hemelingen umfasst alle Ortsteile des "echten" Bremer Ostens von Osterholz bis Mahndorf, aber auch den zentralen Ortsteil Hemelingen, der ein ziemliches Schattendasein führt in Bremen. Er ist wie viele alte Arbeiterstadtteile zerrupft von Eisenbahn- und Autotrassen sowie Gewerbegebieten, die bessere Zeiten gesehen haben. An der Hemelinger Bahnhofstraße, die schon lange im Fokus der Stadtplanung liegt, regieren Tristesse und Leerstand, obwohl die Bausubstanz eigentlich nicht unattraktiv wäre. Schwere oder flächige Bombenschäden scheint es hier eher nicht gegeben zu haben, trotzdem macht die Straße den typisch bremischen, sehr heterogenen Eindruck. Ich muss gestehen, dass ich hier in meiner gesamten Bremer Zeit nur 3 oder 4 mal gewesen bin, was für mich als Stadtvagabunden wirklich wenig ist. Selbst durch das von mir zu Hause viel weiter entfernte Gröpelingen kommt man häufiger. Dies ist der besagten sehr ungünstigen Insellage der Straße, die eingekeilt ist zwischen zwei Bahntrassen, einem Autobahnzubringer und zwei verlassenen großen Industriegrundstücken geschuldet (Könecke und Coca-Cola). Zunächst ein Screenshot von GoogelMaps zur Umgebung:



    Zentral sieht man die Hemelinger Bahnhofsstraße, westlich (links) ist diese flankiert vom großen Könecke/Coca-Cola-Areal, das in den nächsten Jahren als Wohnstandort entwickelt werden soll und somit wohl für einen deutlichen Schub in dieser vernachlässigten Ecke sorgen soll.


    Hier spielt sich nun folgende ganz interessante Geschichte ab. Direkt am alten Sebaldsbrücker Bahnhof (der in den nächsten Jahren verlegt werden soll) soll ein sogenanntes Sozialkaufhaus entstehen, welches vorher bereits in einem anderen verlassenen Ladengeschäft Domizil bezogen hat. Hier soll es zum einen eine Art Gebrauchtwarenmarkt geben und ein Café, in dem man für wenig Geld einen Kaffee und ein Brötchen bekommt, also eine Art gesponserter Quartierstreffpunkt entstehen. Das Grundstück, um das es geht, ist folgendes (Foto Screenshot GoogleStreetview):



    Auf diesem Grundstück steht links ein recht gut erhaltener, für Bremen geradezu stattlicher Altbau, der aber im letzten Jahr durch einen Brand beschädigt wurde, lange Zeit war nicht klar, ob er erhalten werden kann. Zumindest ist er auf den folgenden Bildern nicht gut gesichert und könnte somit leider gefährdet sein:



    Die Fassade des Altbaus ist eingerüstet:



    Ansicht zum Sebaldsbrücker Bahnhof hin:



    Baustelle mit dem Altbau links im Bild:



    Ich hoffe nun, dass der Altbau auch wirklich erhalten wird und die Einrüstung nicht Abrissvorbereitungen darstellen. Interessant fände ich im Falle einer Realisierung, dass in einer sozioökonomischen hochproblematischen Gegend ein milde historisierender Entwurf gewonnen hat, der sich zumindest in den Proportionen und Geschosshöhen ganz klar an den Altbau anpasst.


    Das war meine kleine Geschichte aus Hemelingen.

    Es ist eine Geschmacksfrage und ganz entscheidend beeinflusst dadurch, wie man zur frühen Moderne und allgemein zu den "Übergangsbaustilen" nach dem Historismus vor der gerupften Bauhausmoderne steht. Für mich persönlich wäre die Rekonstruktion ein Traum, weil ich diese Stile liebe, vielleicht müsste ich mich also eher in einem Forum für die Frühmoderne anmelden. Ein ähnlicher Konflikt zeigt sich ja auch in der Bewertung der von erbse "neobacksteinexpressionistisch" getauften modernen Klinkerentwürfe in vielen norddeutschen Städten, die für manche nur die Fortsetzung der Rasterlogik darstellen, für andere wiederum durchaus einen Ausweg aus der Misere des modernen Städtebaus, zumindest für Nord- und Westdeutschland, wo es diese Stile auch in der Zwischenkriegszeit gab.


    Klar ist das kein Barock und auch nicht in der Tradition der grandiosen historistischen Kaufhausbauten, von denen Berlin so viele verloren hat. Aber es ist wohl eines der beeindruckendsten Zeugnisse der Urbanität der Architektur der Zwischenkriegszeit, ich möchte es unbedingt rekonstruiert sehen.

    Naja, mögen muss man das -zumal als Stuttgarter natürlich nicht, vielleicht ist es ein wenig zu fremd. Aber wenn ich auf der Suche nach einem halbwegs realistischen Neubaustil für Großstädte bin, zumal mit ein wenig Lokalkolorit, dann finde ich solche Dinge doch einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung. Wir können natürlich auch alle von einer Rückkehr des Historismus träumen, hätte ich ja nicht mal etwas dagegen - aber dann werden wir hier auch noch in 50 Jahren sitzen und schimpfen, ohne einen Meter weitergekommen zu sein.


    Ich finde den Sonninpark-Entwurf auch gerade wegen des Bekenntnisses zum Blockrand und zur abwechslungsreichen Fassadengestaltung sehr ordentlich:



    Und im Luftbild:


    (Quelle: baunetz.de)


    Oder dieses Hotel am Anckelmannsplatz/Berliner Tor (weiter oben bereits gezeigt):


    (Quelle Goljan/Sontowski & Partner Group)


    Find ich richtig gut, ortstypisch, großstädtisch und passend für Hamburg.

    Das ist zwar richtig, aber es bezieht sich leider ausschließlich auf gewerbliche Bauten / Geschäftshäuser, die derzeit in Metropolen wie Hamburg mit mehr architektonischem Stilwillen gestaltet werden. Wann kommt dieser Trend endlich auch bei Etagenmietshäusern an, die momentan größtenteils sehr öde einfallslose Kästen sind? Wann sehen Wohnbauten endlich wieder (wie es in der Gründerzeit üblich war) genauso gut aus wie gewerbliche Bauten?

    Irgendwo hier haben wir auch schon das SonninPark-Projekt gehabt, ich finde es nur gerade nicht. So wird in Deutschland im Moment allenfalls noch in Berlin (meist ohne Klinker) und evtl. Köln gebaut. Das ist schon sehr ordentlich, hier mal ein Screenshot von der Projektseite Sonninpark:


    sonninpark.hamburg


    Links:


    Sonninpark Hamburg


    Baunetz Wissen


    Auf den Seiten einfach mal die Visualisierungen anschauen, das meiste davon ist auch schon fertig. Das ist Blockrand, urban, nicht gestaltungsverweigernd. Ich finde es richtig gut. Von derartiger Qualität im städtischen Wohnungsbau können fast alle deutschen Städte nur träumen, zumal es hier nicht um etwas wahnsinnig Hochpreisiges geht. Mit irgendwelchen neuklassizistischen Edelstadtvillen im Düsseldorf oder München ist das nicht zu vergleichen. Da kommen richtig Menschen unter.

    Noch eine gute Nachricht aus Hamburg:


    Das hier:


    ein ekliger 70er-Klotz an der Willy-Brandt-Straße wird durch das hier:



    Und vom Nikolaifleet aus:


    (QUEST Investment Partners, Architekten: Christ und Gantenbein


    So kann es gehen. Ich finde, gerade in den Metropolen gibt es nun doch einen sich stabilisierenden Trend zu besserer Architektur, ich habe in letzter Zeit gerade aus Hamburg und interessanterweise Köln eine ganze Menge dieser ganz ordentlichen Entwürfe gesehen. Backstein als Material macht es einfacher, ein wenig frühmodernen Chic in die Entwürfe zu bringen, anscheinend.


    Nicht missverstehen: Das ist jetzt kein Kracher, über den wir über Wochen reden müssen, aber gerade angesichts dessen, was in Hamburg alles als üblem Nachkriegsgrusch wegkommt (Cityhöfe, Commerzbankareal, das hier) doch sehr erfreulich.

    Rein to dull is dat! De plattdütsche Humor is alltied wat ganz besünners ween. Denn lat us mol hopen, dat se Deel 4 mit de Warmholdeplatten nicht wahr maken!

    Ich kann vielleicht für eine gewisse Beruhigung der Gemüter insofern sorgen, dass diese Entwürfe allesamt auch in den modernistischer ausgerichteten Foren auf wenig Gegenliebe stießen. Was mir seit einiger Zeit zumindest in Bremen auffällt, ist, dass orts- und zeittypischer Charakter der Umgebung bei Neubauprojekten immer dann "aufgenommen" werden soll, wenn diese von der Nachkriegsmoderne geprägt ist. Sämtliche klassischeren Entwürfe sind auch hier rausgeflogen, ich meine, mich zu erinnern, dass der vorletzte (vor dem Panzerkreuzer Potemkin) den Wettbewerb gewonnen hat. Als unvermeidliche Relativierung sei gesagt, dass das gesamte Umfeld in diesem Bereich vollkommen zerschossen ist, so dass zumindest nichts zerstört wird. Trotzdem zeigen doch einige ermutigende Beispiele z.B. aus Köln oder Hamburg in letzter Zeit, wie auch in architektonisch sehr heterogenen Umgebungen einigermaßen qualitätsvoll gebaut werden kann.


    Das hier wirkt einfach nur traurig.

    Habe Dir geantwortet, sorry, habe da seit Monaten nicht mehr reingeguckt und habe gleich 4 interessante Anfragen und Kommentare gefunden ;). Du hörst von mir!

    Danke fürs Einstellen. Erwarten sollte man sich angesichts der Lage auf keinen Fall zuviel, im Gegenteil. Visualisierungen habe ich noch nicht gesehen. In der vom BremerMann in Bezug auf einen ab morgen kommenden Bericht zur Überseestadt erwähnten Mediathek des Norddeutschen Rundfunks gibt es übrigens einen sehr schönen Bericht über den Bremer Schnoor und seine Geschichte sowie seine Bewohner:


    Der Bremer Schnoor - NDR Nordstory


    Dafür braucht man etwas Zeit, die sich aber lohnt. Es werden einzelne Häuser und ihre Geschichte und Bewohner sehr ruhig vorgestellt. Schön, dass es wenigstens den Schnoor noch gibt.

    Ja, in Hamburg geht einiges, muss man so sagen. Ist alles nicht richtig "klassisch", aber dank der fantastischen frühmodernen Baugeschichte der Stadt gibt es genug Anschauungsmaterial, das irgendwie auch bei "Modernisten" durchgehen kann und eine hohe Qualität aufweist. Sicher nicht unbedingt etwas für den Freund (neo)barocker Opulenz, aber trotzdem Stadtreparatur. Das Ding sieht, ähnlich wie viele der hier zuletzt vorgestellten Projekte (auch dieses neue Hotel irgendwo am Berliner Tor mit der offenen Chilehausanleihe) richtig gut aus.

    Schöne Geschichte! Alte Fotos habe ich leider nicht, aber die Reihe ist ja insgesamt abgesehen von unpassenden Fensterformaten relativ unzerstört. Das müsste doch mit einem passenderen Anstrich (die sind da alles so quietschen-80er-mäßig gestrichen), evtl. dem Abschlagen der albernen Spaltriemchen im Souterrain und neuen Fenstern getan sein?

    Sehr unglücklich in der Tat. Plastik wirkt immer billig, und wenn dann noch nicht einmal die Proportionen stimmen (wie beim obigen Beispiel im OG mit den fehlenden Mittelteilungen), dann kann man es tatsächlich lieber gleich lassen, meine ehrliche Meinung. Es wird in Bremen bei Altbausanierungen weiterhin dilettiert. Gelungene Sanierungen sind Zufall und mitnichten ein Trend oder wie in Leipzig eine Selbstverständlichkeit.


    MAK: Das Haus in der Römerstraße hatte ich auch auf dem Kieker, ich glaube aber, dass ist nur eine Fassadensanierung mit neuen Fenstern, muss mal bei googleEarth kucken.

    Wie man an meinen Posts bemerkt, schwanke ich hin und her zwischen einer "realistischen", ausgeglichenen Position, die das Positive sucht (und gelegentlich auch findet) und Bremen immer noch für eine sehr sehenswerte Stadt hält und einer deutlich negativeren, bisweilen destruktiven Seite. Mich übermannt mich eine Art Wut, wenn ich sehe, was alles durch die Nachkriegszeit zerstört wurde. Die gesamte Parkallee ist hier -neben dem Thema Altstadt und der Verkehrsplanung im Ostertor- sicherlich eines der schlimmsten Beispiele. Gerade in dem Bereich zwischen Eisenbahntunnel und Stern gab es so gut wie keine Schäden, die Straße hätte das Zeug zu einer der urbansten und großzügigsten der Stadt - und doch sind überall grundlos diese fürchterlichen 70er Kästen an die Ecken geknallt worden, tlw. nach Abriss halber Reihen von Bremer Häusern.


    Und dann denke durchaus manchmal auch, dass diese Stadt es nicht besser verdient hat. Mit einem (relativ und immer auf die exponierte Lage bezogen) vergleichsweise großen Glück durch den Krieg gekommen, und dann nach dem Krieg doch noch zum Essen oder Pforzheim geworden. In solchen Momenten ist es mir dann eben egal, reißt ab, was Ihr wollt, macht die Stadt endgültig kaputt, ich bin nichtmal Bremer, mich hält hier nichts, nicht einmal das gute Wetter.


    Naja, so ähnlich. Und dann geht mir auf, dass Architektur dann doch nicht alles ist und es weiterhin eine einmalige Schönheit gibt in der Stadt, und das alles wirkt wieder etwas übertrieben. So bin ich eben.

    Ja, ein ziemlicher Reinfall, das ganze Projekt. Ich war anfangs durchaus positiv gestimmt, als ich von dem Wettbewerb hörte. Aber der Gewinnerentwurf ist schon allein von einer ungelenken klobigen Ödnis, wie sie selbst in Bremen mittlerweile gar nicht mehr häufig zu finden ist. Die Weserfront wurde vollkommen verholzt, ärgerlich v.a. vor dem Hintergrund, dass direkt nebenan derselbe Unternehmer sogar etwas Giebelständiges auf die Beine gestellt hat.


    Der Nichtabriss des ecken- und somit platzdominierenden Parkhauses auf den neuesten Visualisierungen setzt dem ganzen in der Tat dann die finale Krone des Scheiterns auf.