Posts by Heinzer

    Mittlerweile kommen mehr und mehr Vertreter deutscher Industrieverbände mit kritischen Wortmeldungen zur deutschen Energiepolitik hervor.


    Ein Beispiel von heute.


    Wollen wir mal sehen, wie sich die Situation im Februar/März darstellen wird ...

    Das ist deren Job, in der Welt zu jammern. Das war vor 10 Jahren so und vor 20 und vor 30 und vor 40. Dass Du dieses Spiel mit Deiner Lebenserfahrung nicht verstanden hast (oder nur selektiv, wenn die Richtigen jammern), lässt schon tief blicken.


    Und dann immer dieses Geunke, "ihr werdet schon sehen", "wartet's mal ab", und dann wird im "Februar/März" der Weltuntergang auch wieder verschoben. Wachstum im dritten Quartal sogar nochmal hochkorrigiert und fürs 4. Quartal sieht es auch besser aus, Ifo-Index steigt wieder, Konsum läuft deutlich besser als gedacht, v.a. im Gastgewerbe (!!) und Einzelhandel. Hier in Bremen war der Freimarkt brechend voll und abends bekommt man nirgends einen Tisch ohne Reservierung. Sollte doch jetzt schon alles Totentanz sein und Massenverarmung.


    German economy surprises again with stronger than expected growth in Q3


    Steuereinnahmen im Oktober deutlich über den Erwartungen:


    Stark gestiegenes Lohnsteueraufkommen verantwortlich für deutliches Steuerplus


    Jahrelang wurde uns erzählt, die einseitige Ausrichtung des deutschen Wirtschaftsmodells auf den Export (bei schwachem Binnenkonsum) werde nochmal unser Raucherbein, und nun trägt der Konsum die Wirtschaft (und die Industrie steigert die Produktion ebenfalls weiter) und dann isses auch wieder nicht recht.


    Ich weiß nicht, Zusammenbruch und Finale sehen anders aus. Bin weiterhin sehr gespannt, ob es überhaupt auch nur für ein Rezessiönchen reicht (glaube schon an 1-2 Minusquartale nächstes Jahr, a.e. wohl Q1 und evtl. Q2), aber das dürfte sich im niedrigen 0,x%-Bereich abspielen.


    Die deutsche Industrie wird seit Jahren runtergeschrieben, zum einen von der Seite, die Deutschland seit 50 Jahren am Abgrund sehen, zum anderen natürlich von der Industrie selbst. Ich habe hier neulich schon verlinkt, dass die Industrie zur Zeit zwischen 30 und 40% einspart, ohne die Produktion drosseln zu müssen. Ja, das wird nicht ewig so weitergehen, und vielleicht werden auch ein paar der besonders energieintensiven Prozesse zukünftig ausgelagert, aber das ist kaum wertschöpfungsrelevant (auch hierfür hatte ich diese Studie verlinkt - 26% des Gases gehen für 3% der Wertschöpfung am Beginn der Produktionskette drauf und die können relativ schmerzlos abgegeben werden).


    Niemand sagt, dass es nicht schwierig wird. Aber dass ausgerechnet unsere selbsternannten Patrioten so eifrig dabei sind, mit Übertreibungen und selektiven Schnipseln eine Großkrise herbeizubeten, ist schon irgendwie trist. Ich sage es schon seit Jahren: Deutschland ist viel stärker als Ihr denkt und wird auch diese Krise wieder wegstecken bzw. sogar stärker wieder zurückkommen.

    Wenn man sich relativ aktuelle Straßenbilder bei AppleMaps anschaut, wird die Steinmetzstraße anscheinend schon wieder verschmälert/zurückgebaut:



    Anders kann ich diesen in den alten Straßenraum hereinragenden Rohbau nicht erklären. Fast schon rekordverdächtig, dass dieser Schwachsinn nicht einmal 20 Jahre Bestand hatte, die Abrisse also wie so oft für die Katz gewesen sein dürften. Die Bilder der von Norden an die Steinmetzstraße heranziehenden, unterbrochenen Straßen erinnern mich an den "Dobbendurchbruch" in Bremen, als ebenfalls intakte Straßen zerstört/unterbrochen wurden, als eine "Tangente" durch das Viertel geschlagen wurde. Nur war das 1962 und nicht 2002 (was es nicht einen Deut besser oder weniger destruktiv macht). An den Folgen dieses Wahnsinns krankt das Ostertor in Bremen noch im Jahr 2022 ohne Aussicht auf Heilung.


    In Bremen sind die Protagonisten längst unter der Erde, aber in Mönchengladbach könnte man sie vielleicht noch finden und mal fragen, was sie sich dabei eigentlich gedacht haben.

    Das ist eben nicht der Fall, sondern nur Nachplappern von gesetzten Narrativen interessierter Krei$€.

    WCD-version-06272215121.pdf (clintel.org)


    Zusammenfassende Feststellungen auch hier:

    Kleine Inspektion am Klimadampfer – DIE ACHSE DES GUTEN. ACHGUT.COM

    Ich seh da im Impressum Ingenieure für Bergbau, Geologen, pensionierte Lehrer, "Organizers of a Critical Climate Group", Chemiker, "Experten für Regen", pensionierte IT consultants und ganz viel mehr, aber keine Klimaforscher. 2019 wurde die Gruppe von Leuten aus dem Umfeld der Shell Corporation gegründet. Vielleicht könnte ich da als "kritischer, in 20 Jahren pensionierter Intensivmediziner" auch unterschreiben?


    Lustig. V.a. der Vorwurf, das große Geld ("Krei$€") stünde auf der anderen Seite.


    Diese Seite illustriert in ihrem intellektuellen und wissenschaftlichen Elend exemplarisch den Schwachsinn der Klimaskeptiker. Und ich warte immer noch darauf, dass mir einer von Euch plausibel erklärt, wer genau eine solche Macht und ein solches Geld haben soll, um gegen die mächtigste und reichste Industrie der Welt ein erfolgreiches Verschwörungsnarrativ in die Welt zu setzen, das alle Wissenschaftler im Thema (nicht: Bergbauingenieure und pensionierte Lehrer) mittragen, ohne sich zu verplappern.


    Ich werde wohl vergebens warten.

    Dir ist klar, dass Du Dich auf die Erwähnung einer anderen Erwähnung beziehst, ohne dir den Text, auf den Bezug genommen wird, im Original angesehen zu haben?


    So funktioniert Meinungsbildung in Blasen ...

    Ich habe mir den Link nicht angesehen, aber der Titel war schon relativ witzig, selbst wenn er sachlich richtig gewesen sein sollte. Ein bisschen Humor schadet nie. Hier erkenne ich schon eine gewisse Weltfremdheit, die Ukrainer kämpfen um Leib, Leben und ihre Land und Deutschland sorgt sich ums Klima - nimm's mir nicht übel, ja ist polemisch und blöde, aber auch ein kleines bisschen witzig. Finde ich zumindest.

    wer außerhalb der BRD und einer gewissen "urbanen" Blase in Ö glaubt so etwas wirklich? Wir sind längst Lachnummer mit dieser Mentalität. wie oft sollen wir noch auf die Schnauze fallen, indem wir jeden Mist, der uns vorgegeben wird, mit voller Inbrunst mitmachen?

    Geht ja nicht um "glauben", sondern um wissen. Das ist absoluter wissenschaftlicher Konsens auf der ganzen Welt, jede Diskussion albern. Und wie ich oben gezeigt habe, geht selbst der nicht minder alberne Versuch, das alles als eine bundesdeutsche Neurose abzutun, fehl. Deutschland hängt beim Klimaschutz deutlich hinterher und seine Autoindustrie hat die Elektrifizierung fast verpennt, muss jetzt teuer nachsteuern, um nicht den Anschluss zu verlieren, sonst wird es zukünftig weder in Europa, noch in China, noch in den USA noch Autos verkaufen.


    Ist das auch eine bundesdeutsche Neurose? Selbst beim Ausbau erneuerbarer Energien werden wir abgehängt, von China, Dänemark, sogar Großbritannien. Was genau meinst Du also? Wenn, erkenne ich vielmehr ein Verliebtsein in den Status quo, das Hoffen darauf, dass Veränderungen an uns vorbeiziehen, riesige Orgien an Subventionen, um die Bevölkerung vor der bösen Realität zu schützen, nämlich dass das Verbrennen fossiler Brennstoffe ein Verbrechen ist.

    Im Moment werden jedoch eher Überkapazitäten beim Flüssiggas aufgebaut... https://www.n-tv.de/wissen/For…ggas-article23708286.html

    Jupp, sieht so aus. Wahrscheinlich ein Fehler. Kann erstmal dazu beitragen, die Abhängigkeit von ausländischen Terminals zu reduzieren. Sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fehlinvestition, zumindest in diesem Ausmaß. Bin mal gespannt, ob die überhaupt noch umgewandelt werden in feste Terminals, wenn, wohl nur für Wasserstoff. Kann gut sein, dass wir schon in 5-10 Jahren nur noch mit norwegischem Gas plus ein bisschen LNG im Winter vollkommen klar kämen.

    Das ist richtig, wurde aber auch nicht anders behauptet. Der erste Schritt ist doch, dass der Zubau fossiler Stromerzeuger zurückgeht. Das ist mit immer größerer Geschwindigkeit nun seit der zweiten Hälfte der 2010er Jahre der Fall. Wahrscheinlich wird man die Anzahl an neu fertiggestellten Kohlekraftwerken Ende des Jahrzehnts global schon an einer Hand abzählen können. Die gebauten werden noch eine Weile laufen, bis sie ihr Abschreibung- oder technisches Lebensende erreichen oder durch politische Entscheidungen abgeschaltet werden.


    Üblicherweise geht es ab dem Erreichen solcher Kipppunkte immer sehr schnell, Ähnliches konnte man bei der Elektromobilität sehen. Die wirtschaftliche Logik wird dazu führen, dass keiner mehr an Kohle und Ölverfeuerung denken wird bei der Stromerzeugung. Das ist ja das, was immer übersehen wird: Es ist schon jetzt wirtschaftlicher, Strom über Wind und Sonne herzustellen als mittels NEUER Großkraftwerke, und der Abstand wird sich in den nächsten Jahren weiter vergrößern, weil der technische Fortschritt bei beiden großen Technologien (Solar und Wind) noch lange nicht zu Ende geht oder gar langsamer würde.


    In 10 Jahren werden Debatten wie die hier um Stromerzeugung und Elektroautos absurd wirken. Dessen bin ich mir absolut sicher. Und kein neokonservatives Rollback wird dazu führen, dass diese Entwicklung wieder rückgängig gemacht wird, weil es vollkommen unlogisch und unwirtschaftlich wäre.


    Nicht einmal eine Grundlast werden wir noch brauchen, allenfalls Gaskraftwerke in abnehmender Reservebereitschaft, um kurze Phasen mit Strommangel auszugleichen. "Grundlast" ist auch Quatsch, weil es suggeriert, man bräuchte immer irgendwelche Großkraftwerke am Netz, die irgendeinen willkürlichen Anteil an Strom produzieren "müssen". Grundlastbereithaltung ist aber teuer und bremst Einspeisung erneuerbar hergestellten Stroms. Deshalb eignen sich Atomkraftwerke auch gerade nicht besonders gut für die Energiewende, weil sie unflexibel sind und kaum kurzfristig gedrosselt oder hochgefahren werden können.


    Dafür eignet sich in der Tat am meisten Gas, wenn man konventionell denkt, zusätzlich zu den immer mehr verbauten Batterien und anderen Energiespeichern z.B. durch Hydrolyse/Wasserstoff oder thermisch in Vulkangestein wird es schon in 10, 15 Jahren allenfalls noch einen sehr kleinen Rumpf an konventionellen Kraftwerken geben, von denen die meisten die meiste Zeit nicht produzieren werden.


    Es ist mir ehrlich gesagt schleierhaft, wie man mit etwas Kenntnissen der Materie zu einem grundsätzlich anderen Schluss kommen kann. Über Zeitskalen und welche Technologien sich exakt durchsetzen werden beim Speicherthema kann man immer streiten, aber an der grundlegenden Entwicklung besteht ehrlich gesagt kein Zweifel mehr. Hier werden Debatten im Wachkoma gehalten, denen vielleicht 2008 noch eine gewisse Brisanz oder Spannung innewohnte, aber nicht mehr im Jahr 2022.

    Lustig, wie hier die Debatte nur noch durch Polemik und Blödelei entgleist werden kann. Da scheinen die Argumente auszugehen. Noch was zur "Wirtschaftskrise", laut neuesten OECD-Daten soll Deutschland im nächsten Jahr in eine leichte Rezession fallen, es werden 0,3% Schrumpfung prognostiziert, ab 2024 wird die Wirtschaft wieder wachsen:


    OECD Wirtschaftsausblick November 2022


    Stecken bestimmt auch alle unter einer Decke und sehen die Deindustrialisierung und Massenarbeitslosigkeit nicht.


    Edit:

    Ich bin nur so penetrant, weil mich dieser Defätismus so nervt, diese, ja, fast Freude an der Katastrophe, das Lauern aufs Scheitern, endlich mal Recht haben...


    Ich sage jetzt hier, auch auf die Gefahr hin, zitiert zu werden in zwei Jahren: Ich glaube, dass selbst die aktuelle OECD-Prognose noch zu pessimistisch ist in Bezug auf Deutschland. Das Land, die Leute und seine Industrie werden mit einer Penetranz unterschätzt und abgeschrieben, schon traditionell, das es einem die Schuhe auszieht.


    Wenn jetzt die richtigen Weichen gestellt werden, Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Klimaschutz, ein modernes Zuwanderungsgesetz, eine Vereinfachung des Steuerrechts und ein allgemeiner Abbau von unnötigen bürokratischen Hürden, dann wird Deutschland sehr gut durch die nächsten Jahre kommen. Kann man auch zitieren. Auch wenn es sicherlich sehr verschiedene Wahrnehmungen dessen, was gut oder schlecht sein wird, geben wird.

    Schon etwas beelendend, wenn eine Aussage zum Zubau der Stromproduktion im Jahr 2021 mit einer Grafik der Gesamtstromversorgung widerlegt werden soll, die im Jahr 2014 (?) 2015 (?) endet. So, da wiederhole ich mich, kann keine sinnvolle Diskussion entstehen.


    75% der global neuzugebauten Stromerzeuger waren 2021 Solar- und Windenergie. Das ist auch kein "Bildchen", sondern mit Quellenangabe eine kaum ernsthaft in Zweifel zu ziehende Aussage. Es sei denn, Du findest eine Quelle, die Gegenteiliges zeigt, aber die sollte nicht 2015 enden und einen ganz anderen Parameter anzeigen.


    Ich finde es nur fast lustig, mit welcher Macht die Realität verweigert wird. Ihr würdet noch Kohle zubauen, wenn Deutschland das letzte Land ist, das es macht. Genau wie bei der Elektromobilität. In 10 Jahren redet kein Mensch mehr von fossiler Energieerzeugung. Die Debatte ist eigentlich längst tot.


    Zu Deinem Corona-Zitat (vom 01.05.2021! - Übergang von Alpha zu Delta): Möchtest Du bestreiten, dass die Coronaimpfstoffe gegen die damaligen Varianten einen Schutz vor Infektion zeigten? Da würden mich mal entsprechende Daten für den Wildtyp oder Alpha interessieren. Selbst bei Delta gab es diesen Effekt noch absolut und vielfach belegbar, wenn auch abnehmend.


    Omikron hat die ganze Chose kräftig durchgewirbelt, und zwar zu unseren und selbst der Ungeimpften Gunsten. Das ist doch schön. Weniger schwere Verläufe, auch ohne Impfung (trotzdem noch überproportional viele Ungeimpfte auf den Intensivstationen), insgesamt nun immer weiter zunehmende Grundimmunität in der Bevölkerung, entweder durch Impfung oder Infektion.


    Nachteil ist eben, dass beide nicht vor Infektion schützen oder der Effekt nur kurz anhält (je nach Studie zwischen 3-6 Monate nach Infektion/Impfung). Auch hier gibt es überhaupt keinen Widerspruch oder man muss schon maximal böswillig/unterkomplex an die Sache herangehen. Ich habe jetzt zweimal COVID19 gehabt und gut überstanden. Trotzdem gibt es gute Hinweise darauf, dass man Infektionen trotzdem besser vermeiden sollte oder zumindest nicht bewusst herbeiführen, denn viele Komplikationen wie Long COVID etc. können auch nach dem 3. oder 4. Mal noch auftreten, wenn auch mit abnehmender Wahrscheinlichkeit.


    Auf der anderen Seite sehe ich nun seit spätestens letztem Sommer auch keinen Anlass mehr für einschränkende Maßnahmen. Vieles läuft ja nun auch aus bzw. findet nicht mehr statt. De facto hat sich das Leben vollständig normalisiert, das letzte Relikt sind regionale Maskenpflichten im ÖPNV und in der Bahn. Darüber kann man sicherlich streiten, aber ein richtiger Aufreger ist es nicht. Und auch das wird spätestens im Frühjahr überall uniendgültig Geschichte sein.

    Und noch was, noch stärker zum Thema:


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    Das ist ja auch so eine Geschichte, die hier seit Jahren erzählt wird, die kleine "BRD" wolle die Welt retten und wie lächerlich das alles sei und China baue so viel Kohlekraftwerke zu und peinliche Hybris, irgendwas mit einer am bundesdeutschen Wesen genesenden Welt.


    Wenn man sich dann man den -wohlgemerkt GLOBALEN- Zubau an Stromerzeugung anschaut, sieht das irgendwie gar nicht danach aus, dass Deutschland alleine auf dem Pfade der zwanghaften und sich glücklich selbstverkrüppelnden Moraltugend wandelt, sondern dass sich schlicht die günstigsten und sinnvollsten Technologien gerade am Markt durchsetzen:


    75% des Zubaus an Stromproduktion im Jahr 2021 war Wind und Sonne. Global. Nixe Deutschland. Glaubt Ihr ernsthaft, dass nicht nur die Traumtänzer-BRD, sondern gleich die ganze Welt verrückt geworden und auf die Klimaverschwörung reingefallen ist? Oder wie kann das sein?

    Was täten wir ohne ein bisschen Whataboutismus? So sicher wie das Amen in der Kirche kommt irgendwas mit den USA, wenn jemand auf die krassen Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraine hinweist. Man könnte, wenn man schon über verfehlte Außenpolitik sprechen wollte, auch noch auf russische Luftangriffe auf Aleppo erwähnen, bei denen viel mehr Menschen inklusive zahlreichen Kindern gestorben sind als bei den verlinkten gezielten Angriffen der USA auf Militäreinrichtungen. Man könnte über Grosny sprechen, über den Krieg gegen Georgien, über den fehlgeschlagenen Afghanistanfeldzug, darüber, dass Russland überall nur Schutt und Asche hinterlässt, wo es sich militärisch "engagiert". Man schaue sich einfach nur die Bilder aus Aleppo und Grozny an und vergleiche diese z.B. mit Mariupol. Aber das ist ja eigentlich gar nicht das Thema hier.


    Gut zum Thema hingegen passt die Nachricht, dass die deutsche Industrie ihre Produktion in den letzten Monaten sogar erhöhen konnte und dabei zwischen 30 und 40% Gas einsparen konnte. Das kommt in der Deindustrialisierungsblase, in der sich manche befinden, dann wieder eher nicht vor:


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    Wie gesagt, Deutschland packt das. Das größte Problem für unseren Wohlstand sind weder Energiepreise noch der Kampf gegen den Klimawandel, sondern die Demografie. Bis 2035 fehlen selbst bei Einwanderung auf aktuellem Niveau 7 Millionen Facharbeiter. Der deutsche Maschinenbau klagte vorgestern nicht etwa über die Energiepreise, sondern darüber, dass es einen eklatanten Ingenieursmangel gibt:


    Ingenieursmangel wird zum Problem für deutschen Maschinenbau


    Liest sich irgendwie nicht nach Deindustrialisierung. Und wenn, aus ganz anderen Gründen als hier wahrheitswidrig behauptet.

    War vor kurzem erstmals in Mönchengladbach und fand die Stadt nur deprimierend.


    Es ist immer das Gleiche. Man steigt mit gewissen Erwartungen am Bahnhof aus, dann geht der Reigen der Enttäuschungen los: banale, hingerotzte Architektur, wohin man blickt, das wenige Erhaltenswerte heruntergekommen. Nichts Schönes, an dem sich das Auge festhalten kann.


    Sorry, Mönchengladbach, ich weiß, du kannst nichts dafür. Du warst sicher früher mal eine schöne Stadt. Aber man hat dich total versaut. Wir werden uns nicht wiedersehen.

    Wenn man ehrlich ist, gilt das für praktisch alle westdeutschen Städte mehr oder weniger, und in NRW ganz besonders. Selbst der Altbaubestand ist fast durchgehend runtergekommen, unpassende, grelle Anstriche, die elenden, deprimierenden Plastikfenster, die unpassenden Erdgeschosszonen in den wenigen erhaltenen Altbauten.... es ist einfach nur traurig. Bin ja im Zuge meiner Straßenansichtsfahrten wieder durch wirklich viele mittelgroße und große Städte gefahren, und letztlich ist das Stadtbild fast in jeder westdeutschen Stadt mehr oder weniger versaut mit ganz wenigen Ausnahmen. Mönchengladbach ist da vielleicht auch ein Extremfall, aber die fast völlige Abwesenheit von Schönheit in unseren Zentren ist sehr augenfällig. Es ist auch fast egal, wo am Bahnhof man aussteigt, das Bild ist von Kiel bis München, von Aachen bis Berlin gerade in den Bahnhofsumgebungen einfach nur übel.


    Auch diese völlige Lieblosigkeit im Umgang mit dem Vorhandenen, so was gibt es in anderen Ländern einfach nicht, selbst die erhaltenen Gebiete, die dann hier auch von mir in dieser fast rührenden Naivität als "schön" bezeichnet werden, sind nur Schatten ihrer selbst, die Dachlandschaften zerstört, die Fassaden katastrophal in Schuss, die Plastikhaustüren und ungeteilten weißen Fenster..... oh Mann. Was soll man sagen? Selbst in durchaus bescheiden gerühmten Städten wie Bonn, Wiesbaden, Wuppertal, kommen auf zwei gut sanierte Gründerzeitler einer, der in jedem anderen europäischen Land eine Unverschämtheit wäre.

    Ja, ich wollte da jetzt nicht so schroff widersprechen, aber ich sehe das eher wie Du. Nichts gegen straßenbegleitendes Grün, aber das sollte meiner Meinung nach eher wie eine Allee und dann zwischen Straße und Gehweg und nicht zwingend als Vorgarten angelegt sein in einem so urbanen Gebiet - mein Hauptkritikpunkt ist eher, dass es an offenen Erdgeschossnutzungen mangelt, mal ein Laden oder ein Café mit ein paar Stühlen davor würde dem Straßenraum einen ganz anderen Charakter geben, im Idealfall noch unter Bäumen, die aber eher weiter Richtung Straße stehen (auch um die Beschattung fürs die niedrigeren Geschosse im Rahmen zu halten). Dafür müsste man aber an die heilige Kuh der straßenbegleitenden Parkplätze ran, im Moment und in Hamburg auch noch nicht richtig vorstellbar.


    Dieses Projekt hat eher eine Art "Burgcharakter", also toller Innenhof, nach außen eher abweisend. Ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber Gründerzeitgebiete zeichnen sich ja gerade auch durch die Offenheit zur Straße aus, Balkone, unten Läden und andere (halb)öffentliche Nutzungen, die ein Straßenleben ermöglichen. An dieser Straßenflucht möchte man nur möglichst schnell vorbei als Fußgänger - auch wenn es ganz zweifellos schon besser ist als an vielen anderen Orten des Nachkriegsstädtebaus..

    Ja, ich kann beide Einwände verstehen. Beim Sonninpark hätte eine leichte Rückversetzung der Straßenfront mit etwas Grün sicherlich gutgetan, zumal ohnehin keine lebendige Erdgeschossnutzung geplant ist abgesehen vom Supermarkt im Norden. Umgekehrt ist dafür natürlich der Innenhof begrünt worden, der vorher eben, naja, eine öde weiße Lagerhalle war.


    Und das Quartier an der Marckmannstraße ist wirklich sehr dicht, letztlich wie dichter gründerzeitlicher Blockrand, nur noch 2 Geschosse mehr. Man wird sehen, wie es in natura dann wirkt. Lustig fand ich wie gesagt nur, dass nach Norden einer dieser sehr hamburgischen "Höfe zur Straße" geplant ist, also ganz erkennbar Anleihen an die hier früher vorhandene Vorkriegsbebauung geplant sind.


    Das Nonplusultra ist all das noch nicht. Ich muss auch sagen, dass mir reine Klinkerfassaden zunehmend auf die Nerven gehen, insbesondere, wenn sie nicht wenigstens gut gestaltet sind. Da bin ich deutlich kritischer als noch vor 10 Jahren. Besser wäre ein Mix mit verputzten und verklinkerten Bereichen (evtl. sogar am gleichen Haus), so wie es früher in Hamburg auch typisch war.


    Trotzdem eine in der Summe sehr interessante Entwicklung, zumal eben wie Erbse richtig sagt, diese ganze Gegend ein großes Nichts ist auf der mentalen Karte Hamburgs, und das angesichts einer immer noch vergleichsweise zentralen Lage und dem sehr interessanten Wasserbezug überall, viele Inseln und Halbinseln, von den Kanälen und Armen der Bille umgeben. Da kann man sehr viel draus machen.


    P.S.: Noch zu Heimdalls Einwand bzgl. des verdrängten Kleingewerbes: Üblicherweise wird sich da meist von städtischer Seite schon Mühe gegeben, den Betrieben Alternativen im selben Stadtteil zur Verfügung zu stellen. Es ist natürlich klar, dass eine Stadt auch Gewerbeflächen braucht und dass ein "Auslagern" derselben auf die grüne Wiese in niemandes Interesse sein kann.


    Durch die neue Möglichkeit, eine gemischte Flächennutzung als "Urbanes Gebiet" zu ermöglichen (das ging bis vor 10 Jahren immer nur als eine Art Sondernutzung in überkommenen Gebieten, niemals als Neuplanung) werden sich hoffentlich auch Möglichkeiten zur Integration zumindest eines Teils der Betriebe in die Neuplanungen ergeben. Es sollte so wie vor dem Krieg auch wieder möglich sein, über einem handwerklichen Betrieb zu wohnen. Wenn das Gewerbe zu lärmintensiv sein sollte, gibt es auch die geplanten "Gewerbehöfe", in denen sich in städtebaulich etwas attraktiverer Kulisse dann Handwerksbetriebe ansiedeln können. Solche sind auch in Bremen an verschiedenen Stellen geplant und tlw. bereits in Realisierung.

    Weiter südlich in Rothenburgsort gibt es ähnliche Bestrebungen, als erstes ein Projekt am Billhorner Mühlenweg, die aktuelle Situation im Luftbild:



    Im Prinzip das Drama des Hamburger Ostens auf einem Bild:

    - Unmotivierte Zeilenbauten an einem städtebaulich wichtigen Ort

    - ein zerschossener Gründerzeitler rechts im Bild

    - drumherum unternutzte Gewerbeflächen


    Die Planung:




    Quelle: RHWZ-Architekten


    Der Zustand des gründerzeitlichen Wohnhauses im Hintergrund spottet natürlich jeder Beschreibung - und doch passiert hier etwas Wichtiges.


    Etwas weiter östlich in der Marckmannstraße wird aus diesem Gewerbegebiet:



    Das hier:


    Quelle: Urban Isle Hamburg


    Ähnliche Perspektive, aber wie immer schräger als mit den Google- und Appleluftbildern. Sogar einen Hamburger Knick (Hofbildung zur Straße) kann man etwas weiter hinten erkennen. Insgesamt eine deutliche Aufwertung der Gegend, die jetzt noch einen sehr mäßigen Ruf hat und auf der mentalen Karte der meisten Hamburger einfach gar keine Rolle spielt.


    Bereits abgeschlossen und von den Dimensionen her deutlich bescheidener, aber ebenso wichtig hier die Kreuzung Billhorner Deich/Vierländer Damm (nochmal weiter östlich, aber alles dieselbe Gegend):



    Zwei der vier Ecken dieser Kreuzung wurden blockrandkomplettierend bebaut, vorher/2008:



    Jetzt:



    Gegenüber vorher (allerdings schon nach Räumung des Grundstücks, die Rasenflächen im Vordergrund sprechen aber gegen eine straßennahe Bebauung, ganz links angeschnitten schon wieder ein einzelner, zerrockter Gründerzeitler):



    Jetzt:



    Das letzte Gebäude ist erkennbar älter, sicherlich 10 Jahre (Google Straßenansicht Stand 2008, Apple Straßenansicht Stand 2020). Diese abgerundeten Ecken sind sogar ganz schick, sonst ist das alles nichts, weswegen man allzu freudig aufspringen müsste, aber es geht um das Prinzip der "Reurbanisierung", das Hamburg sich für diesen Stadtteil vorgenommen hat.


    Umgekehrt erkennt man auch die Grenzen des Prinzips der geschlossenern Blockränder, wenn die Fassaden dann doch relativ öde sind. Da ist hier natürlich noch sehr viel Spielraum, letztlich in wechselndem Ausmaß in allen meinen Beispielen. Trotzdem finde ich die Ziel- wie auch die Umsetzung bemerkenswert.

    Das habe ich doch nirgendwo behauptet, ich habe geschrieben, daß ein Anleger errichtet wurde und die Pipeline etwas über die Hälfte fertiggestellt ist (wobei ja noch ein zweites Terminal am selben Ort errichtet werden soll, bis Ende 2023).


    Ich benenne Quellen und nenne Fakten, die ich dann objektiv bewerte. Eine "Meinung" im Sinne eines festen Meinungskorsetts, in das sich dann alles kohärent einfügt, habe ich zum Glück nicht.

    Ich habe oben zahlreiche Quellen dafür angegeben, dass sich die Hinweise darauf mehren, dass Deutschland diese Krise wesentlich besser meistern wird als befürchtet, das ist für mich ehrlich gesagt weiterhin die zentrale Botschaft.


    Rekordbeschäftigung, rekordniedrige Arbeitslosigkeit, im mittlerweile dritten Quartal des Jahres schon wieder deutlich die Prognosen übertreffendes Wachstum, Industrie deutlich weniger abhängig von Gas als erwartet - das sind aus meiner Sicht ehrlich gesagt relevantere Fakten als ob der Terminal Mitte Dezember oder Mitte Januar ans Netz geht. Hier wurde auch nie mehr versprochen als "im Winter", und es sieht sehr danach aus, dass es "im Winter" soweit ist.


    Davon abgesehen ist die Relevanz des Terminals natürlich deutlich geringer als erwartbar war, da Belgien und die Niederlande deutlich mehr Überkapazitäten hatten als erwartet und uns vollkommen adäquat versorgt haben. Ich weiß auch gar nicht, ob sich die Investitionen in feste Terminals überhaupt noch lohnen.


    Mir geht es bei diesen Dingen immer mehr um das Geraune und Geunke, an das sich dann hinterher (wie auch beim Terminal, der niemals fertigwerden sollte, bei angeblichen massenhaften Stromausfällen, bei einer Gasmangellage, Deindustrialisierung, Massenarbeitslosigkeit) niemand mehr erinnern möchte.


    Aus dem ganz großen existenzbedrohenden Rad streiten wir uns jetzt übers Klein-Klein, wie man Terminals nennt, was genau "Fertigstellung" heißt und was "Inbetriebnahme", was davon vielleicht eher eine PR-Maßnahme war, auf die vielleicht sogar jemand reingefallen sein könnte und was man hätte anders machen können beim Gaseinkauf in diesem Sommer. All das ist es sicherlich wert, diskutiert zu werden, aber ich bestreite, dass es dieselbe Relevanz hat.


    Was ich einfach so bemerkenswert finde ist die halsstarrige Unfähigkeit, mal anzuerkennen, dass es bis hier ganz gut gelaufen ist. Und weil das nicht geht, weil die Untergangsszenarien zunehmend lächerlich wirken, widmet man sich nun Details, deren Relevanz und Richtigkeit, dabei bleibe ich, nicht von einem Welt-Journalisten beurteilt werden kann und auch nicht von mir oder dir. Das Vorgehen wird ausgiebig diskutiert worden sein und man ist anscheinend zum Schluss gekommen, es so zu machen. Möglicherweise war dies in der Rückschau ein Fehler, mag sein. Ich glaube nicht, dass man das so abschließend und ganz sicher jetzt schon feststellen kann.


    Lass uns die Diskussion an dieser Stelle beenden. Wir können gerne wetten: Ich sage, im Herbst 2023 sieht die Lage schon ganz anders aus, die Wirtschaft wird wachsen, wir werden ohne dramatische Einbußen durch diese schwierigen 2 Jahre gekommen sein und uns an vielen Stellen fragen, worüber genau man sich eigentlich so fürchterlich die Köpfe heißgeredet hat.

    Wieder weg vom Münzviertel gehen wir zurück ins westliche Hammerbrook. Ich möchte jetzt ein paar Beispiele für geplante und bereits erfolgte Stadtreparatur bringen. Fast alles davon ist modern gebaut, so dass es sicherlich nicht allen gefallen wird, es ist auch bei weitem nicht alles gut, aber doch bemerkenswert, was in diesem zentralen Stadtteil, der seit dem Feuersturm aber einen absoluten Gewerbegebiets-Hinterhofcharakter gehabt hat, alles geschehen ist.


    So ist auf dem großen Gelände einer SHARP-Niederlassung zwischen Sonninstraße und und Nagelsweg in den letzten Jahren ein neues, dichtes Wohnquartier im Blockrand entstanden, es geht um folgenden Block:



    (Im Norden sieht man ein weiteres Grundstück in Bauvorbereitung, das folgt weiter unten in diesem Beitrag)


    So sah es vorher aus:



    Und so 2020 aus derselben Perspektive:



    Weitere Eindrücke des Gebiets:




    Der Clou ist der große, öffentlich zugängliche Innenhof:



    Etwas weiter nördlich an der Nordkanalstraße (das oben geräumte Grundstück im Satbild) gab es diesen für den Stadtteil wirklich typischen Anblick:



    Irgendein Brei aus Nachkriegsprovisorien, Parkplätzen und Brachen.... hier ist ein Hotel entstanden, das den Blockrand schließt:




    Prasch Buken Partner Architekten


    Es gibt in einem Nachbarforum auch schon echte Fotos des Gebäudes, das tendenziell eher besser als auf der Visualisierung aussieht. Ich bin selbst mittlerweile relativ kritisch bei reiner Klinkerarchitektur, die massiert sehr streng wirken kann, so auch hier. Umgekehrt und wenn man sieht, was dann ohne Klinker alles gebaut wird, bin ich doch wieder ganz froh ;).


    So ähnliche Vorgänge gibt es hier im gesamten Stadtteil, nicht alles davon ist gelungen, aber es ist zumindest eine städtebauliche Handschrift zu erkennen und die Bereitschaft, die Fehler der Nachkriegsplanung zu korrigieren. Hammerbrook wird leider wohl nie wieder so interessant und vielseitig wie vor dem Krieg, aber etwas mehr als eine Art großes Gebrauchtwagenhändlergebiet kann es dann doch sein.


    Leider sind nach dem Krieg einige der dem Stadtteil seinen besonderen Charme gebenden Kanäle zugeschüttet worden. Es geht noch weiter....