Posts by Naumburg

    Mit 10% mehr Aufwand bei den Stuckgesimsen und etwas mehr Einfühlungsvermögen in die Architekturideen des Spätbiedermeier wäre es auch eine 100% Reko geworden. Fehlendes Bewusstsein, Eitelkeit, Starrsinn und falsche Sparsamkeit wird auch oft hinter solchen Worthülsen versteckt.
    Unsere Kinder lernen jetzt daraus, wirklich achten muss man nichts, lässt sich ja alles zu 80% rekonstruieren und die Eigenschaft des pflichtbewussten Fertigmachen einer Sache ist nicht mehr anstrebenswert. Persius war eben noch ein Fertigmacher und erst das macht glücklich. Man kann ja auch nicht eine nur zu 80% schöne Frau als makellos schön bezeichnen. Bei solcher Art von Selbstbetrug leidet man nur.

    Ja, Ostfassade. Danke für das Bild, im Netz findet man nur unscharfe alte Postkarten. Was fehlt ist der Blüten und Akanhtusschmuck in der grossen mittleren Verdachung. Dadurch hat das dünne Bogen-Profil eine schlechte Proportion, zur grossen freien Fläche darunter. Eine klassische Verdachung mit dem vollen aufgehenden Karniesprofil und nur Stab und Fläche im Architrav hätte vielleicht gefälliger ausgesehen.

    Vielleicht nichts Ernsthaftes, aber was soll das geprägte Industriebodenblech auf der Treppe bedeuten? Kommt da eine Werkhalle, wenn man reingeht?.
    Die Kassetten der Haustür und die Kapitelle an der Schlagleiste wirken etwas wie die Schrankwände, die es in den Achtzigern im Westen gab. Etwas linkisch und unproportioniert, auf alle Fälle nicht als Kopie geschweige denn sinngemässe Nachahmung gedacht. Das ist es eigentlich, was verloren gegangen ist, der Sinn für die Proportionen.

    Man könnte auch sagen, das ganze Problem ist überhaupt nicht komplex. Es ist eine einzige Frage, die es zu beantworten gilt: Bin ich bereit mit und in einem Haus zu leben und zu arbeiten, das zweihundert Jahre vor meiner Zeit gebaut wurde. Das ganze Erzählen von verantwortungsbewussten architektonischen Lösungen ist nur ein schön eingefasster Sarg für den immer gleichen Tod. Ich komme aus Neubrandenburg, das im Krieg zu 85% abgebrannt ist. Um 1985 wurden von den letzten 15 nochmal 5 platt gemacht. Wenn man keine Geschichte mehr haben soll ist das wohl folgerichtig, wenn man sich aus der Tradition definiert ist das ein Verbrechen. Wohlan Rudolstadt.

    Wenn diese Häuser verschwinden ist die geschlossene Ansicht der Stadteinfahrt mit Bauten um 1900 endgültig nicht nur perforiert sondern weg. Vor Jahren war schon mal im ZDF Magazin Aspekte ein launiger Beitrag zu Weissenfels, dass dort in zehn Jahren ein Grossgehege für freilaufende Wildtiere eingerichtet wird, weil es die Stadt nicht mehr geben wird. Na ja langsam aber sicher kommen wir dahin.

    Von total verschandelt kann man ja nun auch nicht sprechen. Es wurden nicht die üblichen Eternithplatten drangeklatscht, keine Plastefenster eingebaut und die Fensteraufteilung relativ gut vorgenommen. Das Gegenteil ist aus meiner Erfahrung der übliche Sanierungsstandard bei privaten Objekten in der Gegend. Hatte öfter das Vergnügen bei Stau auf der Autobahn durch die Orte am Wegesrand zu fahren.

    Ja, teilweise einverstanden, aber es ist ja nun auch nicht so, dass der Denkmalschutz eine völlig neue Sache ist. Es gibt ausführliche Vorkriegslisten und die gesamten Inventarisierungen danach, die dem Wiederaufbau diente. Im Osten sind pro Bezirk (leider nicht für alle) sogar ausführlich beschreibende Buchsammlungen in Druck gegangen, die Fotos und Beschreibungen auf hohem Niveau enthalten, und die jedermann kaufen konnte. Dass die kommunalen Listen heute teilweise auf Excel hingezaubert wurde kann ich für Naumburg bestätigen. Aber der durchaus engagierte Denkmalpfleger der nach der Wende am Ruder war, kam aus dem Westen und hat ansonsten auf hohem Niveau publiziert. Welche Veranlassung er hatte die Liste so nachlässig ins Internet zu stellen...wer weiss. Vielleicht ist hier auch etwas Kastendenken, wenig Aufgeschlossenheit vor neuen Medien und Angst vor Angreifbarkeit im Spiel. Immerhin genehmigen die Jungs ja horrende Steuerabzüge nach §10 EstG.

    Diesen mittelalterlichen Zirkus kann man sich doch eigentlich eh sparen. Entweder sind unsere Länder Kunstgebilde oder aber noch 100 Jahren ohne Monarchie gibt es eh nur noch die wenigsten, die das ehemals regierende Haus auch am Wappen erkennen.
    Wer sich allzusehr zum Land und dessen Staatsvolk bekennt gehört ja sowieso automatisch in die rechte oder die Schäm-Dich Ecke.


    Diese Diskussion führt zu nichts, es wird wohl noch ein zwei Generationen bei grau und weiss bleiben.


    Und um der ganzen Tautologie noch eins drauf zu setzen: Schöne Frauen sollte man auch nicht mehr in der Werbung zeigen, die haben ja auch bloss aggressiv gemacht und nachweislich zu mehreren Angriffskriegen insbesondere in der Antike geführt.

    Die Villa ist m.E, wirklich aus den 1890iger Jahren. Um 1870 hatten die Verdachungen Perl- oder Eierstäbe in Karnies und Akroterien an den Ecken und in der Mitte. Auch gab es im Spätklassizismus nicht diese stark vorgeblendeten Halbsäulen und den Stilmix mit den barocken Atlanten.


    Die nicht mehr aufliegende, sondern vorgehängte Dachrinne ist natürlich eine Scheusslichkit unserer Tage. Ich glaube nur noch ganz wenige Dachdecker wissen was ein Gesims ist und wie man eine Dachrinne unauffällig versteckt.

    S21 - das passiert, wenn man nicht mehr weiss wohin mit seinem Geld und woher noch die unsterbliche Leistung mit auf den Grabstein zu nehmen. Abstossende Eitelkeit der verwöhnten Wohlständler....

    Grundsätzlich waren die Fenster natürlich erstmal viel grösser als im Standardneubau heute.


    Bei einer Raumhöhe von 3,50 bis 4,00 mtr. muss man natürlich Proportionen einhalten.


    Von unten Fensterbrüstung früher ca. 75 cm (heute meist 85).


    Von oben kommt eine Stuckdecke mit einer Profilhöhe von 20 bis 35 cm, dann nochmal ein Fries von der gleichen Breite und dann die Stoff-oder Papiertapete mit Tapetenleiste. Jetzt muss noch die Gardinenstange oder der -kasten (bei vielen Häusern auch ein Rolladenkasten über dem Fenster Platz haben, also nochmal 40 cm.


    Verbleibt also als Fensterhöhe von ca 2,10 oder je nach Raumgrösse und -höhe etwas höher. Bei noch höheren Räumen deutet die Fassade aber meist ein Mezzaningeschoss an, weil sonst aussen nicht alles stimmt. Bei schmalen Räumen sind die Fenster meist nur 2,00 weil ja die Fensterbreite im goldenen Schnitt mitwächst und dann evtl. zu breit wäre. Bei der Achsengestaltung und den vorspringenden Risaliten hat man meist im Risalit die grösseren Zimmer und auch die höheren Fenster, achten sie mal ganz genau drauf. (es sind aber nur ca 10-15 cm Unterschied)


    Ergo scheint mir das ziemlich standardisiert gewesen zu sein. Die durchschnittliche Raumgrösse war auch nur ca. 25 m². Bei grösseren Räumen kommt man dann zwangsläufig zu proportional grösseren Fenstern. Alles muss ja auch noch auf die Fassade mit ihren Achsen und Verdachungen etc. übertragen werden und harmonisch ausssehen. In Hamburg wurden deshalb wohl seit 1880 auch dreiteilige Fenster eingebaut die dann fast quadratisch sind, wobei zwei Teile daraus wieder exakt der oben beschriebenen Standardgrösse entsprechen. Das macht es für das Auge angenehmer und passt zu den übrigen schmalen Fenstern des Hauses.

    Aber der Dachstuhl sieht irgendwie nach Anfang der Neunziger aus mit den Bögen in den Gauben. Die Bögen sollen wohl die im Erdgeschoss wiederholen, ist aber nicht recht gelungen. Ein Mansarddach hätte besser ausgesehen. Auch frage ich mich, ob der Architekt bei der stark gegliederten Sockelzone weiter oben wirklich mit Stuck derart sparsam gewesen ist. In Summa etwas unproportioniert für meinen Geschmack.

    Ich weiss nicht, wie genau Du Frankfurt kennst. Komme auch aus der Stadt deines Ikons und ... es ist die gleiche Sch... total kriegszerstörte Innenstadt und bezugslose Neubebauung. Habe 7 Jahre dort gewohnt. Danke!

    Die Altstadt von Neubrandenburg mitsamt Rathaus und grossherzoglichem Palais. Ich habe Ende der 80 iger live erlebt, als die letzten Fachwerkhäuser in der Neutorstrasse abgerissen wurden und welche WBS 70 Blocks dann kamen. Das hat mein Architekturempfinden bis jetzt geprägt.

    Das Haus wird gerade vorbildlich saniert. Muss mal am Wochenende ein aktuelles Foro machen. Bis auf ganz kleine Details sieht es wirklich gut aus. Der Apotheker von gegenüber macht ein Ärztehaus daraus.

    Start



    Aber natürlich. Die neue Bauamtsleiterin hat den Neubau ausdrücklich begrüsst, den ihr Vorgänger noch ca. 10 Jahre verhindern konnte. Das übliche Getöse mit Brüchen zur historischen Architektur usw. In der gleichen Strasse sind während der Bauzeit drei Barockhäuser abgerissen worden. Das ist der Geist der jetzt in Naumburg weht.