Posts by BautzenFan

    Interessanter Filmfund über das Dresdner Residenzschloss und seinen Wiederaufbau. Etliche der enthaltenen Sequenzen hatte ich noch nicht gesehen, z.B. ab 18:00, Auftritt von Ludwig Coulin im Propositionssaal mit geöffneter Fußbodenzone (notwendig für den Einbau des Schlingrippengewölbes).

    Die Anfangsstelle ist ziemlich un-woke, sorry. :cool:

    Klick

    Quote from Chris1988

    Was ist das daneben eigentlich für eine Tür. Scheint ja noch Baustelle zu sein


    Auch im Gastronomiebereich gab es ja zunächst Interimsfenster. Die Ausschreibung für die Anfertigung der endgültigen Fenster enthielt folgende Option:

    Quote from SIB

    Der Auftraggeber behält sich die Möglichkeit vor, gem. § 3a EU (3) Nr. 5 VOB/A innerhalb von drei Jahren nach Abschluss des ersten Auftrags ein Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb durchzuführen, bei der nachfolgend beschriebene Leistungen an das Unternehmen vergeben werden, das den ersten Auftrag für die "Holzfenster und Eingangstüren Gastronomie" erhalten hat.

    Umfang der Leistungen:

    Fenster und Türen EG Ostflügel;

    die Leistung im EG Ostflügel umfasst zur Straßenfassade 9 St. Kreuzstockfenster vierfl. 128/222cm, davon 6 St. Festeinbau, 3 St. mit oberen RWA-Kippflügeln,

    zum Großen Schlosshof 8 St. Kreuzstockfenster vierfl. 128/244cm, davon 5 St. mit manuell zu öffnenden unteren Flügeln, 3 St. mit oberen RWA-Kippflügeln sowie eine zweiflügelige Tür mit festem zweiflügeligen Oberlicht 145/352cm.

    Die unterstrichene Position erfasst die Tür neben dem Brunnen. Vor dem Krieg sah das übrigens so aus:

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0115256.jpg


    Wie Max M. schon schrieb, handelt es sich um die Räume der noch einzurichtenden Schlossausstellung, also die Gotische Halle und die nördlich anschließenden gotischen Einzelräume – laut einer Formulierung von Gerhard Glaser die letzte gotische Architektur in Dresden.

    Quote from Max M.

    Stehen mittlerweile eigentlich die Baustellenschilder vor dem Schloss die Anzeigen, dass am Großen Ballsaal und Propositionssaal gearbeitet wird?


    Diese Frage bezog sich auf eine am 27. Oktober 2021 gepostete Nachricht über folgende Ausschreibung: „Schloss Dresden Nordflügel 2. OG, Ausbau Großer Ballsaal und Propositionssaal“. Hier nochmals der Inhalt besagter Ausschreibung:

    Quote from SIB

    Gegenstand der geplanten Beauftragung sind die Leistungen der Objektplanung Gebäude und Innenräume nach Teil 3, Abschnitt 1, §§ 34 ff. i.V.m. Anlage 10 HOAI 2019 mit den Leistungsphasen 5 bis 8 entsprechend dem ausgeschriebenen Vertrag. Die Beauftragung erfolgt stufenweise.

    Zum Zeitpunkt der Beauftragung liegt eine EW-Bau (Entwurfsunterlage) mit einer Kostenberechnung vor. Beides wird Grundlage der zu beauftragenden Leistungen.

    Die Planungsaufgabe besteht darin, die vorhandene Entwurfsplanung in den folgenden Leistungsphasen federführend umzusetzen. Fachlich sind hier bauklimatische Belange, die Funktionalität der Beleuchtungsanlagen, Übertragungsnetze und Aspekte der Präsentation zu beachten. Die Planung von Flächen zur Wärme- bzw. Kälteübertragung und Integration der raumluft- und sicherheitstechnischen Anlagen in das Gebäude (Obergeschosse) bzw. die Räume sind ebenfalls Gegenstand der hier ausgelobten Planungsleistung. Den Belangen des Brandschutzes und der Standsicherheit ist ebenfalls Rechnung zu tragen.
    Die Statik, Vermessung, technische Gebäudeausrüstung (HKLS, GLT, GMA und EMA), die Leistungen des SIGEKO, der Bauforschung, Bauklimatik, die Erstellung eines Brandschutzkonzeptes sind oder werden separat vergeben. Hervorzuheben ist die Rekonstruktionsplanungen der Raumflächen (Decken und Wände), die in den Sälen durch (zwei unterschiedliche) Fachplanungsbüros erbracht werden und die ebenfalls separate Fenster- und Vitrinenplanung.

    Am 9. Mai 2022 wurde nun die Leistungsphase 5 vergeben. Das ist die Ausführungsplanung. Zur Einordnung hier die Leistungsphasen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure)


    • LP 1: Grundlagenermittlung mit Prüfung des Kostenrahmens vom Bauherren
    • LP 2: Vorplanung mit Kostenschätzung
    • LP 3: Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung
    • LP 4:Genehmigungsplanung
    • LP 5: Ausführungsplanung
    • LP 6: Vorbereitung der Vergabe, einschließlich Ermitteln der Mengen und Aufstellen von verpreisten Leistungsverzeichnissen
    • LP 7: Die „Mitwirkung bei der Vergabe“ beinhaltet die Koordination des Vergabeverfahrens und den Vergleich von dem Kostenanschlag (Ausschreibungsergebnisse) mit den vom Planer bepreisten Leistungsverzeichnissen oder der Kostenberechnung
    • LP 8:Objektüberwachung – Bauüberwachung und Dokumentation


    Auf Bauschilder werden wir noch etwas warten müssen, die sind erst ab LP 8 zu erwarten.


    Für die genannte Ausschreibung sind 4 Angebote eingegangen, den Zuschlag erhielt das Dresdner Büro *Heine Mildner Architekten PartG mbB*. Die hatten übrigens den analogen Auftrag für die Gewehrgalerie.

    Vielen Dank Chris1988 für die tollen Fotos. Zum gezeigten Raum (laut offizieller Terminologie der sogenannte VORRAUM) ein paar Anmerkungen. Die nachfolgenden Zitate stammen von Steffen Delang, langjährig Referatsleiter im Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Alle Aussagen beziehen sich auf besagten Vorraum, in der Quelle auch als Raum 9 bezeichnet.

    Quote from Steffen Delang

    An der Westwand zeichnen sich Reste einer Wendeltreppe ab, die spätestens mit der Einwölbung dieses Raumes beseitigt worden sein muss, von der jedoch vier Stufen in eine neuzeitliche gerade Treppe, die zu einem höher liegenden Renaissanceraum im Nordflügel führt [Anm.: dies die heutige Vinothek], eingebunden wurden.

    Quote from Steffen Delang

    Alle Beobachtungen lassen auf eine Entstehung der Wölbung des Raumes 9 um oder nach 1500 schließen, möglicherweise sogar erst auf die 20er Jahre des 16. Jahrhunderts, wo unter Herzog Georg zahlreiche kleinere Umbauten erfolgten. In den Querwänden fanden sich oberhalb der Wölbung Balkenlöcher, die auf eine ehemals flache Holzdecke deuten. In die Zeit vor der Einwölbung des Raumes gehören auch mehrere bogige Abrißformen an der Südwand. Rauchabzüge in der Mauermasse legen die Vermutung von Backöfen nahe. Nach der Einwölbung befand sich in dem Raum die „Schneiterey“, gemeint ist damit der Platz zum Zerlegen des Fleisches für die Küche.


    Bei dem vermuteten Backofen geht es um diese Struktur hier:


    Foto von Chris1988


    Nun ein paar Fotos, die zeigen, wo die Treppe oben "ankommt", nach der obersten Treppenstufe folgt noch ein kurzer, rustikal belassener Gang.

    Bauzustand, Blick in die entstehende Vinothek: Foto 1

    Bauzustand, Blick aus der entstehenden Vinothek in den "Minigang", der zur Treppe führt: Foto 2

    Blick auf die Südwand der Vinothek, Gangeintritt ist mit Scheibe verschlossen (dadurch Spiegelwirkung): Foto 3

    Minigang: Foto 4



    Weiteres Delang-Zitat:

    Quote from Steffen Delang

    Die Beobachtungen in diesem nördlichen Bereich des Ostflügels bestätigen weitgehend die Aussagen von B. Gonschor-Werner, daß Ost- und Nordflügel bis 1470/80 nicht verbunden waren und daß die Wendeltreppe im Raum 9 [Anm.: Raum 9 = Vorraum] ursprünglich frei vor dem östlichen Ende des Nordflügels stand.

    Um das zu verstehen, muss man sich die Bauhistorie verdeutlichen. Um 1400 entstanden unter Markgraf Wilhelm, genannt der Einäugige, folgende Bauten: die unteren Geschosse des heutigen Hausmannsturmes, das palasartige sogenannte "Alte Haus" und ein Baukörper entlang der heutigen Schlossstraße.


    Quelle: Das Dresdner Schloss, Sicherung der Bausubstanz, herausgegeben 1989 vom VEB Gesellschaftsbau


    In der Bauphase 1468 bis 1485 wurde dann - unter Einbeziehung der bereits bestehenden Baukörper, die gotische Burg errichtet:


    Quelle: Das Dresdner Schloss, Sicherung der Bausubstanz, herausgegeben 1989 vom VEB Gesellschaftsbau


    Gemäß einem leider nicht mehr vorhandenen historischen Modell sah diese gotische Burg so aus (der Ostflügel mit dem Schössereiturm befindet sich rechts, der Nordflügel oben):


    Von Georges Servières - https://archive.org/details/dresdenfreibergm00serv,

    Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=113782352


    Erst im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde der Nord- und Ostflügel verbunden - die Wendeltreppe lag nunmehr im Inneren.



    Quelle für alle Zitate von Steffen Delang und das Grundrissbild:

    „Zur Bauforschung im Ostflügel des Dresdner Residenzschlosses“;

    veröffentlicht in: Beiträge zur Denkmalpflege 1/1989 (Publikation der Gesellschaft für Denkmalpflege im Kulturbund der DDR)

    Ein paar aktuelle Fotos von Schloss Hainewalde (Oberlausitz, nahe Zittau)


    Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Barockbau aus dem 18. Jahrhundert, der in den 1880er Jahren im Stil der Neorenaissance umgestaltet wurde und dabei umlaufend an der Außenfassade mit Sgraffito-Schmuck verziert wurde. Das Schloss stand seit den 1970er Jahren leer und verfiel zusehends. In den 1990er Jahren hatte ein Investor mit der Sanierung begonnen, aber außer diversen Abbruchmaßnahmen im Inneren und dem Absetzen der baufälligen Turmhaube passierte nichts. Jetzt ist das Schloss wieder im Besitz der Gemeinde.







    Zum Vergleich: Zustand 1981:

    Von Erich Braun - Scan vom Negativ, CC BY-SA 4.0,

    https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48145711



    Quote from Touranoglou

    Wisst ihr, was aus dem schönen großen Kirchenneubau, der "Orthodoxen Kirche der Fürbitte der Muttergottes" im Stadtzentrum von Mariupol geworden ist? Die rotfarbene Heilige-Erzengel-Michael-Kathedrale wurde ja schwer beschädigt.

    Das folgende Kurzvideo wurde am 19. April hochgeladen. Demnach sind um die Kirche starke Beschädigungen zu verzeichnen, die Kirche selbst scheint aber - bislang - einigermaßen heil geblieben zu sein.

    https://www.youtube.com/watch?v=EEfIVAsmPV4

    Ein paar Impressionen vom diesjährigen Osterreiten (sorbischer Osterbrauch). Mit Reiterzügen (9 Züge mit insgesamt rund 1300 Reitern) wird dabei die Osterbotschaft verkündet. Der Bautzner Zug führte traditionell von Bautzen nach Radibor (katholisch geprägtes Dorf ca. 9 km nördlich von Bautzen) und wieder zurück.

    Drohnenbild


    Hier ein interessantes Kurzvideo (2 min), auch um einen Eindruck von den feierlichen Gesängen zu bekommen (religiöse sorbische Lieder):

    https://www.mdr.de/nachrichten…aa995c42_zs-508eae13.html


    Die nachfolgenden Fotos entstanden bei der Rückkehr der Reiter nach Bautzen, zum Abschluss wird dreimal der Dom umrundet.








    Ein paar Ergänzungen zum Schlossrestaurant. Es gab in den letzten Wochen einige Stellenanzeigen im Netz, die meisten sind nicht mehr aktuell, d.h. die betreffenden Jobs sind vergeben. Dort fanden sich aber nun einige Infos des Pächters:

    Das Wort Terrasse ist möglicherweise bewusst gewählt, vielleicht wird man die Stühle und Tische im Hof auf so einer Art mobilem Podest aufstellen, um so Beschädigungen der historischen Sandsteinplatten zu vermeiden („Stühlerücken“).


    Quote from Chris1988

    Wenn Freitag Eröffnung ist, wird da noch der Bereich unterhalb der Fenster gestaltet und wenn ja wie? Wie der Rest auch? Am Brunnen fehlt ja auch noch ein Teil, der erst verputzt wurde.

    Laut Modell soll das so aussehen:



    Aber das wird man wohl in einigen wenigen Tagen nicht mehr schaffen. Solche Restarbeiten kann man selbstverständlich noch später nachholen – denkt mal an die Paraderäume. Eine andere Maßnahme ist allerdings sicher noch durchzuführen, die Herstellung der Barrierefreiheit. Bei Ortlichkeiten, die völlig neu entstehen, ist das m.W. gesetzlich gefordert.

    Vor einiger Zeit hatte ich ja schon mal die dafür gedachte Rampe vorgestellt. Die verläuft „innerhalb“ des Altans und ermöglicht Rollstuhlfahrern den Zugang ins Restaurant über Tür Nr. 2. Aufgrund der Fotos von Seebastian ist zu vermuten, dass das Ding gerade gebaut wird oder vielleicht sogar schon fertig ist. Man betrachte die Holzverkleidung im östlichen Teil des Altans. Kann ich eigentlich nur als temporären Schutz für Besucher interpretieren (man muss ja unterhalb eines Gerüsts durch (wo auch mal etwas runterfallen kann). Auf Fotos von Anfang Februar fehlt diese Holzverkleidung noch.



    Zu den Sandsteinplatten.

    Der Große Schlosshof umfasst eine Fläche von ca. 2.630 m². Ca. 60% der historischen Platten konnte gerettet werden. Die Nachlieferung umfasste 1000 m². Bedingung war, dass es gebrauchte Platten sind (mit Patina).

    Fündig wurde man bei einer Dresdner Firma, die sich auf solche historischen Materialien spezialisiert hat (so eine Art „Spolienretter“ – Bergung, Rückbau, Handel).

    Haben auch aktuell interessante Dinge im Angebot:

    https://www.historischebaustoffe-dresden.de/

    Quote from Resurrectus

    Als DER Auftakt wird klassischerweise immer der 13. Februar 1985 angegeben.

    Es war jener denkwürdige Tag der Wiedereröffnung der Staatsoper (verballhornend immer "Semperoper" genannt) gezählt, als man Honney die Worte "... und nun habt ihr Dresdner ja auch schon mit dem Wiederaufbau des Schlosses begonnen" in seine Rede hineingeschmuggelt und gleichzeitig ein paar Fake-Gerüste vor die Schloßruine geschoben hatte (so erzählte man es mir).

    Nachdem diese Bilder um die Welt gegangen waren, konnte die DDR-Führung nicht mehr ohne Gesichtsverlust zurückrudern und gab die allerersten Gelder für den (natürlich nur sehr schleppend vorankommenden) Wiederaufbau frei. Immerhin war aber die gesamte Plaung während der DDR-Zeit stark vorangetrieben worden, so dass man - glaube ich - fast noch bis zum Jahr 2000 damit bauen konnte......

    Eine Heldengeschichte.


    Ich zitiere aus einem früheren Beitrag, in dem ich einen längeren Fernsehbeitrag zum Wiederaufbau des Schlosses vorgestellt hatte:


    Neben dem primären Thema *Semperoper* gab es aber noch einen weiteren Punkt, der diesen Tag, den 13. Februar 1985, so interessant machte – Was wird Honecker zum Schloss ausführen? In den 1980er Jahren war das Gebäude nicht mehr „ideologisch“ gefährdet, man hatte längst allgemeine Statements abgegeben, dass es wieder aufgebaut werden soll. Aber die Entscheidung über solche megateuren Bauvorhaben fiel natürlich nicht in Dresden, sondern im Machtzentrum in Berlin (Politbüro). Und die Berliner Genossen scheuten sich lange, ihr endgültiges Okay zu geben (angesichts der Kosten). Im Video berichtet Hans Modrow, der Dresdner SED-Chef (einer mit viel Herzblut für die historischen Bauwerke der Stadt), wie man Honecker in eine Lage brachte, dass er in seiner Rede auf dem Theaterplatz am Thema *Schloss* nicht vorbei kam: Wir stellen Gerüste auf. Dieser Plan funktionierte bestens. Denn das war sofort Stadtgespräch: Am Schloss stehen Gerüste, jetzt geht’s bald los. Darüber erzählt auch Hans-Christoph Walther (als – wie er das formuliert – kleiner Stift/Lehrling), der am 13. Februar 1985 auf dem Theaterplatz dabei war und gespannt auf das wartete, was Honecker nun zum Schloss sagen würde (Video ab 26:59).

    In einer DDR-Veröffentlichung zum Schloss von 1989 (Herausgeber: VEB Gesellschaftsbau) las sich der Sachverhalt mit den Gerüsten dann wie folgt:

    Quote

    Die erste Eintragung im Bautagebuch des VEB (B) Gesellschaftsbau [Anm.: VEB = Volkseigener Betrieb] durch den GAN-Komplexbauleiter Gottfried Ringelmann:

    10. September 1984, 12.00 Uhr, 16°C, bedeckt, Beginn der Baustelle Schloss, Brigade Bräuer“.

    Das war der Beginn von bauvorbereitenden Maßnahmen und der Errichtung von Gerüsten für Aufmaße der Ruine als Projektierungsvoraussetzung.


    Die Riesenkundgebung auf dem Theaterplatz (Redeauftritt Honeckers):

    https://image.saechsische.de/5…7x1cq5ijxsxaq051i90fn.jpg

    Quote from Resurrectus

    Der Sandsteinboden im Großen Schloßinnenhof hatten den Angriff überstanden. Er wurde erst seit Mitte der 1980er Jahre mit Beginn der Bauarbeiten teilweise abgebaut, um den Baustellenkran zu intstallieren und Ausgrabungen zu ermöglichen. Bis zuletzt lag auch noch ein Reststück vor dem Nordwestflügel vor der Schloßkapelle. Mittlerweile wurde auch dieses, glaube ich, abgetragen.

    Dieses Reststück ist hier recht gut zu sehen (beide Aufnahmen entstanden im August 2007):

    https://fotothek.slub-dresden.…009000/df_dat_0009415.jpg

    https://fotothek.slub-dresden.…009000/df_dat_0009413.jpg


    Und hier ein Foto, das den rückgebauten Zustand belegt (Juli 2016):




    Übrigens gibt es im Nachbarforum ebenfalls tolle Fotos vom Schloss. Die dort enthaltene Monumentalaufnahme des Bauareals im Großen Schlosshof verdeutlicht anschaulich die Ausdehnung des „Verlegebbereichs“´(besagtes Baufeld 1) - man beachte diesbezüglich die bereits (fast) vollständig verlegte Grenzborde.

    https://www.deutsches-architek…?postID=713435#post713435

    Foto von den Ausgrabungen im Großen Schlosshof (1980er Jahre), man beachte die Tiefenreichweite (Bauarbeiter zum Vergleich):

    Quelle: Schnappschuss aus der filmischen Dokumentation *Von der Ruine zum Richtfest*, herausgegeben 1994 vom Sächsischen Finanzministerium

    Bei Sanierungsbeginn erschien ein Artikel in der Lokalzeitung mit interessanten Hintergrundinformationen zu diesem Haus (Sächsische Zeitung vom 30.08.2021). Ich zitiere:

    Quote from Sächsische Zeitung

    Die Ursprünge des Gebäudes liegen vermutlich im 16. oder 17. Jahrhundert. Die ineinander verschachtelten Kellergewölbe sprechen dafür. Im Brandkataster taucht das Gebäude nach 1637 unter den 18 wüstliegenden Häusern des Vierten Viertels auf. In diesem Zusammenhang genannte Geldbeträge weisen auf ein recht ansehnliches Gebäude vor dem 30-jährigen Krieg hin.

    Ab 1739 gibt es Eintragungen im Urbarium der Stadt Meißen. Aus dem Wertzuwachs zwischen 1805 und 1809 kann auf umfangreiche Baumaßnahmen geschlossen werden. Die für das Gesicht des Hauses bestimmende neugotische Architektur dürfte zwischen 1860 und 1870 entstanden sein.

    Das Wohnhaus in der Görnischen Gasse 32 mit seiner strengen neugotischen Formsprache ist in der Art der Gestaltung an kaum einer anderen Stelle der Stadt Meißen wiederzufinden. Anhand der Gestaltung der Türen sind stilistische Parallelen zu den Monumentalgebäuden Kornhaus und Albrechtsburg erkennbar.

    Quelle: https://www.saechsische.de/mei…gasse-teil-4-5512812.html


    Und es gibt auch Informationen zu dem so genannten Türkenkopf (rechts neben dem Erker). Hier zwei Detailaufnahmen:

    Foto 1

    Foto 2

    Quote from Sächsische Zeitung

    Was hat es mit dem Türkenkopf auf sich?

    Einen richtigen Namen hat der ominöse Sandsteinkopf nicht, der das Vorderportal des Hauses ziert.

    Im Gurlitt wird er als „überlebensgroßer Kopf eines Türken“ bezeichnet. Aber wo kommt er her? In einigen Aufzeichnungen wird er auch als „wütender Postmeister“ bezeichnet. Denkmalpfleger Andreas Christl vermutete, dass er wahrscheinlich aus der Dresdner Zwingerhütte stammt und von einem Sammler damals mitgenommen wurde und an das Haus montiert wurde.

    Und noch ein Vergleichsbild zum letzten Foto von tyrann0us, die Rückfront im Ausgangszustand: Klick

    Quote from Resurrectus

    Was noch anzumerken wäre, ist, dass diese wunderbaren Rokoko-Stukkaturen damals von Julius Hempel geschaffen worden sind, in vierter Generation Erbe der berühmten, bis ins 19. Jh. zurückreichenden Dresdner Bildhauerfamilie

    Zwar offtopic, aber das möchte ich unbedingt ergänzen, nämlich den herausragenden Beitrag der Firma an der Rettung des zweiten Altars der Dresdner Schlosskapelle. Der war 1737, nach Auflösung der Schlosskapelle, in die Sophienkirche umgesetzt worden. Dort überstand er die Bombennacht so einigermaßen. Über das weitere Schicksal zitiere ich aus einem älteren Artikel hier im Forum:


    Zum Altar gibt es einen Fachartikel im Jahrbuch 2012 des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen (Autor: Arndt Kiesewetter, langjähriger Mitarbeiter des Denkmalpflegeamtes). Demnach sind von dem Retabel (Aufsatz auf dem Altartisch) zwar nur ca. 60 bis 70 % erhalten, aber eben – wie Kiesewetter schreibt – die architektonisch wichtigsten Teile. Nachfolgend ein kurzer Auszug aus dem Artikel, in dem über das Nachkriegsschicksal des Altars berichtet wird:

    Quote from Arndt Kiesewetter

    Die geborgenen Retabelteile gelangten später zur Einlagerung überwiegend in die Dresdner Bildhauerwerkstatt von Werner Hempel, teils in das Institut für Denkmalpflege und teils in den Keller der Dresdner Matthäuskirche. Noch zwei Generationen nach dem Tod Werner Hempels lagerten die Steine in der Firma, die inzwischen einen anderen Werkplatz bezogen hatte. Die Übersicht über den erhaltenen Bestand war längst verloren und es ist der Bildhauerwerkstatt zu danken, dass sie die Teile über die Zeit von 50 bis 60 Jahren aufbewahrt hat, obwohl deren Zukunft völlig ungewiss war und niemand an eine Wiederherstellung zu denken wagte.

    In der historischen Aufnahme des Vestibüls blicken wir auf die Ostwand dieses Raumes, hier nochmal der Link:

    https://skd-online-collection.…a07-932e-baf730625d9b.jpg


    Ähnliche Blickrichtung heute: Klick


    Diese „offene“ Gestaltung (Bögen wieder sichtbar, keine Türeinbauten) im Vergleich mit der unmittelbaren Vorkriegsversion gefällt mir sehr gut, sollte also unbedingt so bleiben. Ich vermisse aber den „Wandschmuck“ (Decke, Pfeilerfiguren).


    Zur Vervollständigung noch der aktuelle Blick auf die Westwand (funktionell notwendigerweise als Windfang gestaltet, da die Ostseite des Vestibüls jetzt offen ist): Klick


    Zur Frage von Treverer

    Eine Rekonstruktion des Vestibüls war meines Wissens noch nie angedacht, auch nicht im DDR-Programm. Und in naher Zukunft wird sich da wohl auch nichts tun.


    Bei den beiden „Stehlampen“ im Kleinen Ballsaal handelt es sich übrigens um Rekonstruktionen.

    Klick

    Quote from Max M.

    Beim Riesensaal stimmt ja zumindest schon mal die Kubatur des Raumes:

    "Durch den Kabinettsbeschluss von 1997 wurde entschieden, die ursprüngliche Kubatur des Raumes aus dem 17. Jahrhundert mitsamt der gewölbten Decke in 9,20 Metern Höhe wiederherzustellen, ansonsten aber einem modernen, auf seine zukünftige Funktion als Ausstellungshalle für die Rüstkammer abgestimmten Entwurf zu folgen."

    https://www.sib.sachsen.de/dow…esdner_Schloss_Teil_2.pdf

    (Seite 49)

    Vielleicht kann man die Entscheidungsträger ja zukünftig davon überzeugen auch den Rest zu rekonstruieren. Die heutige Ausstellung könnte ja dort bleiben und man hätte mit dem rekonstruierten Raum wieder ein Gesamtkunstwerk geschaffen.

    Eine vollständige Rekonstruktion des Riesensaals (also in der Fassung von 1627, geschaffen von Dilich) ist nicht mehr möglich, und zwar aufgrund der Fensterproblematik. Der Ostflügel war bei dem Brand von 1701 am stärksten geschädigt worden – der hier im 2. OG befindliche Riesensaal ging vollständig verloren. In den Jahrzehnten danach wurde die Fenstergliederung und -geometrie in diesem Trakt „modernisiert“, soll heißen in barocker Formensprache modifiziert. Besagte Ausführung blieb i.w. bis 1945 unverändert und sah wie folgt aus:


    Straßenseite (Schloßstraße): im 1. und 2. OG durchgängig barockisierte Fenster (Einzelfenster, Fensteröffnungen deutlich höher und etwas breiter)

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0061414.jpg


    Hofseite

    Die paarige Anordnung der Fenster im 1. und 2. OG (Renaissanceversion) blieb erhalten (mit Ausnahme des kleinen Abschnitts des Gardesaales im 1. OG). Im 2. OG und im Abschnitt des Gardesaales wurden die Fensterformate allerdings auf „Barockmaße“ gebracht (deutlich höher und etwas breiter).



    Dass die Ausführungen auf der Straßenseite bzw. auf der Hofseite unterschiedlich waren, hatte wohl den Grund der Aufwandsminimierung (Kostenfrage, nur dort ändern, wo es unbedingt notwendig ist)). Entlang der Hofseite verliefen seit den Umgestaltungen des 18. Jhd. die beiden schmalen Galerien. Von der aus gingen die Türen ab in die „eigentlichen“ Räume mit ihren Fenstern auf der Straßenseite. Nur der Gardesaal erstreckte sich über die gesamte Breite des Ostflügels.


    Im DDR-Programm war die Rekonstruktion des Riesensaals vorgesehen (Fassung von 1627). Dafür war es notwendig, die Fenster im 2. OG wieder in die Renaissance-Fassung zu bringen (paarige Anordnung, kleinere Formate). Aus optischen Gründen wäre das auch im 1. OG realisiert worden-

    Hier ist das damalige Modell:



    Bekanntlich kam es nicht zu diesen Änderungen und damit war der historische Riesensaal passé, dafür hätte es die Renaissancefenster gebraucht. Hier 2 Visus:

    Visu1

    Visu2


    Was eventuell noch möglich wäre, ist die Rekonstruktion der ursprünglichen Decke (irgendwann einmal). Der Dokumentationsstand ist relativ gut.

    Abwicklung der Deckenausmalung des Riesensaals, Wilhelm Dilich, 1625/1630. Feder, Pinsel/Papier. 63,2 x 206,6 cm

    http://www.deutschefotothek.de…00000711/dd_hstad_0000464

    (Abbildung nach dem Öffnen unbedingt vergrößern - Plus-Icon - sonst sieht man die Details in den blauen Feldern nicht)


    Aber sehen wir es mal positiv, mit der jetzigen Ausführung ist eine andere Reko möglich, die wiederum mit dem DDR-Programm nicht möglich gewesen wäre (wegen der Fenster): die Wiedergeburt des Gardesaales:

    http://www.deutschefotothek.de…j/89040146/tu_hks_0000002

    http://www.deutschefotothek.de…j/89040147/tu_hks_0000003


    Mein zweiter Wunschkandidat für zusätzliche Rekos wäre das Vestibül der englischen Treppe

    https://skd-online-collection.…a07-932e-baf730625d9b.jpg

    Quote from eryngium

    Die Vergleichs-Fresken in Parma als wichtigstes Vorbild für den Altan wurden hier bereits gezeigt, vermulich von Bautzenfan oder Rastrelli. Vielleicht kann man/frau das hier nochmals verlinken.

    Es war ein Beitrag von Rastrelli. Hier ist der Link:

    RE: Das Dresdner Schloss

    Quote from Rastrelli

    Richtig! Es ist willkürlich und hängt mit der Orientierung eines Großteils unserer kulturellen Eliten zusammen. Die Rekonstruktion der Räume machen das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) und das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB). Die Bestückung des Porzellankabinetts wird von der Direktorin der Porzellansammlung, Julia Weber, verantwortet.

    Das gilt – analog – eben auch für den Kleinen Ballsaal. Die Visualisierungen (VOR der Fertigstellung des Raumes entstanden) wurden im Auftrag des SIB geschaffen, von Arte4D, Andreas Hummel. Und so sehen die aus (nach dem Öffnen etwas nach unten scrollen, bis zu den kleinen Vorschaubildern):

    https://www.arte4d.de/details/…oss-kleiner-ballsaal.html


    Für die Bestückung des Raumes waren dann aber die SKD zuständig – nix mehr mit Möbiliar, das in den Visualisierungen recht zahlreich zu sehen ist.


    Das Thema (Möbel im Kleinen Ballsaal) hatten wir im Forum schon mal behandelt. Da muss ich nunmehr eine damalige Falschinterpretation von mir korrigieren. Ich hatte aus den Visus (die die Möbel zeigen) und einer Referenzmeldung der Firma, die die Stoffe im Kleinen Ballsaal rekonstruiert, fälschlicherweise abgeleitet, dass die Möbel rekonstruiert werden (insbesondere das legendäre *Königliche Kanapee* in der Raumnische). Es ging aber offensichtlich nur um die „fadengenaue“ Reko der Stoffe (Fenstervorhänge). Stoffeinsatz für die Möbelbezüge und für die Vorhänge war identisch. Die Firma hatte das wie folgt formuliert:

    Quote from Eschke Seidenmanufaktur

    Analog zum Münzkabinett fand sich auch für den Kleinen Ballsaal in den Rechnungsunterlagen des Staatsarchives ein kleiner Gewebeabschnitt (siehe Foto), so das auch hier Bindungstechnik und Material befundet werden konnte. Zusammen mit einem -entzerrten- Foto einer Sitzbank waren damit ausreichende Grundlagen für eine Rekonstruktion vorhanden.

    Quelle: : https://www.eschke.de/en/crede…/dresden-residenzschloss/

    Wenn man einen Stoff (großflächig „gemustert“) rekonstruieren will braucht man natürlich auch Abbildungen einer möglichst großen Fläche, nicht nur eine kleine Gewebeprobe, deshalb der Hinweis auf das entzerrte Foto der Sitzbank).

    Noch ein wichtiger Nachtrag zum Thema Tabourets. Ich zitiere dazu aus einer Broschüre von Dr. Reiner Zimmermann

    „Die Paraderäume Augusts des Starken im Dresdner Schloss: Von der Einrichtung 1719 bis zur Rekonstruktion 2016 – 2019“


    Zur Personalie Dr. Zimmermann 2 Angaben aus der beruflichen Vita (hier schreibt also ein absoluter Insider, was das Thema *Rekonstruktion der Paraderäume* betrifft):

    bis 2003: Leitung der Abteilung Kunst im Sächsischen Staatsministerium für Kunst und Wissenschaft

    von 2015 bis 2019: Vorsitz der Schlosskommission Wiederaufbau der Paraderäume

    Quote from Dr. Zimmermann

    Von den zwölf Tabourets [Anm. siehe unten] haben nur zwei originale Exemplare aus dem 18. Jahrhundert die Zeiten überstanden, sowie sechs weitere Hocker aus dem 19. Jahrhundert, die nach den Mustern der Augusteischen Zeit gefertigt waren. Solche kleinen Sitzmöbel, von denen im ganzen Schloss ursprünglich 80 existierten, hatten einen hohen Verschleiß, da sie in verschiedenen Räumen ständig genutzt wurden. Es wurde entschieden, dass nur die zwei älteren Tabourets aufgestellt werden und keine nachgebaut werden.

    Anm.: An anderer Stelle ist davon die Rede, dass im 2. VZ ursprünglich zwölf Tabourets standen. Die "Bestückung" im

    1. VZ ist mir nicht bekannt. Ich habe das Buch leider noch nicht ergattern können und habe aktuell nur Zugriff auf die Leseprobe des Verlags.


    Die beiden Visualisierungen in meinem gestrigen Beitrag zeigen im 1. VZ vier Tabourets. Das ist aber möglicherweise nicht der letzte Stand, was die Aufstellung von Möbeln betrifft. Denn diese Visus sind ja sicher mit fortschreitendem Forschungs- und Entscheidungsstand jeweils überarbeitet worden.

    Andererseits sind aber doch wohl ALLE acht Hocker restauriert worden. Fürs Depot? - sicher nicht. Aber warum sollte man sie woanders ausstellen als eben in den Paraderäumen?


    Fazit:

    Es gibt acht Tabourets, aber es ist nun doch nicht sicher, ob auch die jüngeren sechs Stück in den Paraderäumen zur Aufstellung kommen werden