Posts by BautzenFan

    Eine gute Nachricht aus Madrid. Gestern postete die Teppichmanufaktur Real Fabrica de Tapices auf ihrer facebook-Seite:

    Quote from Real Fabrica de Tapices

    Ya hemos fabricado el 90 % de los tapices que decorarán el Palacio de Dresde, en

    Alemania.

    Wir haben bereits 90 % der Wandteppiche hergestellt, die das Dresdner Schloss (Deutschland) schmücken werden.



    Und noch einige Infos zu der interessanten Frage, die Treverer hier vor einiger Zeit gestellt hatte:

    Quote from Treverer

    Ich nehme an, Sachsen musste Christie's den Teppich allerdings abkaufen, auch wenn das Auktionshaus so zuvorkommend war, den Wandteppich zuerst den Sachsen anzubieten? Oder wie ist sowas geregelt?


    Es ging um den bei Christie’s aufgetauchten Wandteppich „Die Ohnmacht der Esther“, der vor dem Krieg zur Ausstattung im Dresdner Residenzschloss gehörte.

    In der Frankfurter Rundschau wurde in der Ausgabe vom 1. Juni 2022 wurde ein (juristisch) ähnlicher Fall behandelt: Die Geschichte einer kostbaren Uhr, die seit dem Krieg vermisst wurde und seit einigen Tagen wieder „zu Hause“ ist – im Bautzener Stadtmuseum.

    Da hast Du natürlich recht, Resurrectus. ABER: ich hatte versucht zu belegen, dass dort, wo wir das Modell so einigermaßen verifizieren können (nämlich in dem östlichen Drittel - anhand der in situ hergestellten Situation und dem dafür und leider nur dafür vorliegenden technischen Plan), dass dort Modell und ausgeführte Situation ganz gut übereinstimmen (bzgl. Verlegegeometrie aber auch bezüglich der Kandelaber-Standorte).

    Und wie gesagt, in dem technischen Plan ist an der vermuteten "Fehlstelle" ein Standort eingetragen. Der liegt nur ganz gering neben (außerhalb) der Baufeldgrenze und ist daher im Plan trotzdem enthalten.

    Zur Anmerkung von Max M.

    Ich denke eher, in der großen "Lücke" fehlt ein Standort.


    Nochmal ein Auszug aus dem LV für die Leuchten im Schlosshof:

    Quote from SIB

    Bei den hier ausgeschriebenen Leistungen handelt es sich um die Lieferung von 13 Kandelaber-Leuchten nach historischem Vorbild aus Aluminiumguss für den Außenbereich.

    […]

    Leistungsumfang ist auch das Aufstellen und betriebsfertige Anschließen von 5 der vorgenannten Leuchten. Die restlichen 8 werden im Lager des AG eingelagert. Die Aufstellung der letztgenannten ist nicht Teil dieser Leistung.


    Es sind also insgesamt 13 Kandelaber. Im Endzustand werden jeweils 2 Stück in den Ecken positioniert (flankierend die Wendelsteine). Entlang der Ost- und Westfassade (die sind etwas kürzer als die Nord- und Südseite) werden „dazwischen“ keine weiteren Kandelaber aufgestellt. Vier (vier Wendelsteine) mal zwei ergibt 8 Kandelaber. Verbleiben also noch 5 Stück. Davon kommen laut Modell 2 Stück an die Nordfassade.



    Das ergibt in der verbleibenden Differenz für die Südfassade 3 Stück (wie gesagt ZWISCHEN den Eckstandorten. Auf dem Modellbild sind aber nur 2 zu sehen – mit einer unlogisch großen Lücke. Meiner Meinung fehlt dort ein Exemplar. Laut dem technischen Plan ist direkt neben der Baufeldgrenze ein Standort vorgesehen:



    Vermutlich handelt es sich um eine kleine Beschädigung des Modells, das war nicht die einzige:


    Nachfolgend noch ein Vergleichsbild. Ich wollte ja belegen, dass die tatsächlich realisierte Verlegegeometrie dem Modell entspricht. Hier ist nun der Beleg für den erwähnten "Dreier-Streifen" (entlang der Ost- und Westfassade):


    Quelle des Planes: SIB, Ausschreibungsunterlagen (rote Pfeile von mir)

    Zur Frage nach den Verlegeplänen. Was ich hier schon mal gepostet hatte, waren diverse Abbildungen des Modells für den Großen Schlosshof. Angefertigt wurde dieses Modell als Arbeits- und Entscheidungsgrundlage für die Weiterfführung der Sgraffiti-Malereien. Im Vergleich mit dem einzigen mir zugänglichen technischen Lageplan des Hofs (das besagte Hofdrittel namens Baufeld 1) war meiner Meinung nach festzustellen, dass die im Modell ersichtliche Verlegegeometrie der Sandsteinplatten ziemlich genau so kommt (also dem technischen Plan entspricht).

    Zwei Details sollen das belegen. Zunächst aber eine Gesamtaufnahme des Modells.



    Im nächsten Bild sehen wir die Südwestecke des Hofs (die habe ich ausgewählt, weil sie fotografisch am besten getroffen war). Hier wird Folgendes deutlich:


    In den Randbereichen entlang der Fassaden liegen die – länglichen – Platten jeweils senkrecht zur Fassade. Die Verlegerichtung der Platten im Bereich des mittigen Hauptfeldes (das von den Randbereichen eingerahmt wird) verläuft in Ost-Westrichtung – also genau so wie die Platten in den Randbereichen entlang der Ost- und Westfassade. Zur optischen Abgrenzung wurde hier daher ein Nord-Süd-ausgerichteter Streifen aus 3 Plattenlagen verlegt (siehe die rote Markierung). Entlang der Nord- und Südfassade war dieser Dreier-Streifen nicht notwendig, die Platten des Hauptfeldes treffen senkrecht auf die Platten in den Randbereichen (siehe die hellgrüne Markierung).



    Ein weiteres Indiz ist die geometrische Gestaltung in den Eckbereichen.


    Vielleicht könnte mal jemand Fotos des Hofbelags „von oben“ machen“, dann erschließt sich das realisierte Verlegemuster besser.




    Ein weiteres Indiz ist die geometrische Gestaltung in den Eckbereichen.


    Vielleicht könnte mal jemand Fotos des Hofbelags „von oben“ machen“, dann erschließt sich das realisierte Verlegemuster besser.



    Vielen Dank eryngium für die Darlegungen zur vermutlichen Verlegehistorie, finde ich sehr logisch. Hier noch ein Foto, dass den erwähnten "Fahrstreifen" zeigt, der die beiden Tore verband:

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0352931.jpg

    Quote from kaffeesachse

    Was mich interessiert: Standen nicht früher zwei Laternen vor dem Durchgang zum kleinen Schloßhof? Also vor jedem Säulenpaar der Torarchitektur eine? Ich glaube, ich habe dies auf einem historischem Photo gesehen.

    Genau so ist es. Hier ein Vorkriegsfoto mit Blick auf das Starcke-Portal:

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0008831.jpg


    Und nun ein Blick auf den Lageplan der betreffenden Baumaßnahme (Freifläche Großer Schlosshof, Baufeld 1). Der nachfolgende Planausschnitt zeigt die Südostecke des Schlosshofs:


    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Die vier Säulen des Portals habe ich mit 2 gelben Pfeilen markiert (einzige Eintragung von mir). Die dicke rot gestrichelte Linie verdeutlicht die Baufeldgrenze. Die Kandelaber sind durch hellblaue Punkte dargestellt. Die bereits aufgestellte Leuchte trägt die Bezeichnung K7. Die westlich davon geplante (ganz knapp außerhalb der Baufeldgrenze) ist tatsächlich NICHT symmetrisch angeordnet – in geometrischem Bezug auf das Portal. Tja, kann ich erst mal nicht nachvollziehen.


    Quote from Resurrectus

    Der Große Schloßhof ist jetzt jederzeit frei und kostenlos zugänglich während der regulären Öffnungszeiten des Museums, also 10-18 Uhr.

    Klitzekleine Korrektur: Die Zugänglichkeit des Großen Schlosshofs ist NICHT deckungsgleich an die tageszeitliche Öffnungsdauer der Museumsbereiche gekoppelt. Das Schlossrestaurant ist nämlich von 9 Uhr bis 22 Uhr geöffnet – und nur über den Großen Schlosshof erreichbar. Der Ruhetag des Restaurants korrespondiert aber mit dem Schließtag der Museen, dienstags ist geschlossen.


    Dirk Syndram / Peter Ufer hatten dazu Folgendes formuliert

    Quote

    Ebenfalls außerhalb der Öffnungszeiten des Schlossmuseums zugänglich wird das, im Erdgeschoss des östlichen Nordflügels vorgesehene Restaurant in den gewölbten Räumendes 15. Jahrhunderts, die noch zum Alten Haus des herzoglichen Burgareals gehören, sein.

    Quelle: Die Rückkehr des Dresdner Schlosses, edition Sächsische Zeitung, Sept. 2006


    Das Büro Peter Kulka hat seine online-Projektseite zum Restaurantbereich überarbeitet. Zwei interessante Auszüge:

    Quote

    Der Besucher tritt über die neu gestaltete Vorhalle ein, die durch Licht und sichtbar gelassene originale Befunde eine besondere und einladende Atmosphäre vermittelt und in den wiederaufgebauten Treppenturm Nord-Ost mündet, ein. Sie wird gleichzeitig auch in das Museum für Schlossgeschichte führen - unser noch letztes ausstehendes Projekt im Zuge des Wiederaufbaus des Dresdner Schlosses.

    […]

    Die Farbigkeit der Räume ist bewusst in einem natürlichen Ton gehalten und bildet mit dem dunklen Fußboden und den eigens entwickelten Ringleuchten und Wandleuchten eine Symbiose. Im Sommer lädt der große Schlosshof ein, um unter freiem Himmel die Atmosphäre des Schlosses zu erleben und zu genießen. Wir haben den Rahmen geschaffen, nun darf der Restaurantbetreiber sein Können unter Beweis stellen. Leider entspricht die Möblierung nicht unseren Vorschlägen. Sie wurde ohne Abstimmung mit uns ausgewählt.

    Quelle: https://www.peterkulka.de/

    In einem Artikel der Sächsischen Zeitung vom 4. Juli fanden sich zusätzliche Informationen zum Thema Wandteppich (jetzt leider hinter der Bezahlschranke).

    Ich habe das, was über den Inhalt der PM des SMF hinausgeht, nachfolgend zusammengefasst.

    - Aktuell liegt der Wandteppich „ausgebreitet auf einem Tisch im Großen Ballsaal“.

    - Einst gab es 23 solche Wandteppiche im Residenzschloss.

    Also es steht nicht explizit da, aber mit *einst* dürfte der unmittelbare Vorkriegszustand gemeint sein. Es gab ja 5 Gobelinsäle, bedeutet

    also – m.E. stimmig – pro Saal 4 bis 5 Wandteppiche.

    - Eigentümer des Wandteppichs sind nicht die SKD, sondern das Finanzministerium.

    - Das Finanzministerium hat die Restaurierung des Wandteppichs ausgeschrieben. Man erwartet dafür einen fünfstelligen Betrag. Bislang

    wurde aufwändig gereinigt. Demnächst folgt das Ausbessern „dünnhäutiger“ Stellen (Hinterfütterung). Der vollständigen Wiederherstellung der einstigen Farbenpracht müssen kunsthistorische Tiefenrecherchen und naturwissenschaftliche Forschungen vorangehen.

    - Offenbar war der aktuelle Fundvorgang endlich einmal Anlass für die sehr überfällige Vervollständigung und Aktualisierung der Eintragungen in

    der Datenbank lostart. Den betreffenden Passus möchte ich doch wörtlich angeben:

    Quote from Sächsische Zeitung

    Was die Recherchen vielleicht schon eher zu einem Erfolg hätte führen können, wäre ein Eintrag der Tapisserie ins Lost-Art-Register gewesen. Dort verzeichnen Museen, aber auch Privatleute, Kunstwerke, die im Krieg verschwanden oder ihnen entzogen wurden.

    […]

    Thomas Rudert, Provenienzforscher an den SKD, sagt: „Die Verluste der SKD sind bei Lost Art weitgehend vollständig eingetragen. In einem nächsten Schritt müssen die Verluste des Freistaates erfasst werden, die noch größer sind als die der SKD.“ Daran werde bereits gearbeitet. Außerdem sollte das Register nicht am 8. Mai 1945 enden, sondern auch die Verluste danach erfassen, meint der Historiker, der die Restitutionen wissenschaftlich begleitet.


    Für die ehemalige Aussattung der Gewehrgalerie (SKD zugehörig) ist freilich bei lostart immer noch der Wissenstand von 1991 dokumentiert. Ihr erinnert Euch sicher, man hatte 20 Fürstenbildnisse, die man fälscherweise für die Originale aus der Gewehrgalerie hielt (bis zur Restaurierung 2001 bis 2006). Und so lautet die Suchmeldung bei lostart bezogen auf die Porträts von Göding: Es fehlen 26 (von ehemals 46). Man weiß aber spätestens seit 2006, dass ALLE fehlen. Die Historienbilder sind überhaupt nicht aufgeführt, ebenso die Inschriftentafeln.



    P.S.

    Eines hab ich noch vergessen. Der Wandteppich soll ab 2025 in die Schlossausstattung integriert werden.


    Quote from kaffeesachse

    Das würde mich auch interessieren, gibt es noch mehr dieser Wandteppiche? Geschrieben wird immer von einer Tapisserie. Theoretisch müssten da noch welche existieren? Wäre ja phantastisch!

    Bislang war der Kenntnisstand so, dass alle großformatigen Gobelins, mit denen diverse Räume der Repräsentations- und Festetage (2. OG umlaufend um den Großen Schlosshof) ausgestattet waren, seit dem Krieg verschollen sind. Der Wandteppich „Die Ohnmacht der Esther“ ist der erste, der wieder aufgetaucht ist. Es geht um sehr viele Exemplare, denn es waren 5 Räume, die eine solche „durchgehende“ Behängung mit Gobelins aufwiesen. Neben den schon genannten Großen und Kleinen Speisesaal im Ostflügel gab es noch 2 Räume im Südflügel (darunter die sogenannte *Reitschule*) und einen im Bärengartenflügel.


    Gobelinsaal im Bärengartenflügel

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0062781.jpg


    Reitschule

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0045643.jpg

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0045644.jpg


    Nun also ist ein Stück wieder da. Auch bei mir kam da sofort der Gedanke – da könnten doch durchaus noch mehr existieren. Hier ist jetzt die spannende Frage: WER hat das Teil auf den Kunstmarkt gebracht? Denn daraus könnten sich Schlussfolgerungen ergeben, was mit diesen Wandteppichen in den Nachkriegswirren passiert ist - Und daraus wiederum „mehr oder weniger fundierte“ Spekulationen, ob Chancen auf weitere Funde bestehen.


    Quote from Treverer

    Ich nehme an, Sachsen musste Christie's den Teppich allerdings abkaufen, auch wenn das Auktionshaus so zuvorkommend war, den Wandteppich zuerst den Sachsen anzubieten? Oder wie ist sowas geregelt?

    Sehr interessante Frage, auf die auch ich gern eine Antwort von einem juristischen Fachmann hätte. Ich gehe mal davon aus, dass der Wandteppich nicht von einer offiziellen staatlichen Seite angeboten wurde (so wie damals die historischen Bücher, die vom Staat Georgien an Deutschland zurückgegeben wurden). Dann hätte man den ganzen Vorgang wohl auch nicht über Christie’s abgewickelt. Das war sicher irgendeine private Quelle.


    In diesem Zusammenhang sei an die beiden Spiegelbekrönungen aus dem 1. Vorzimmer erinnert, die auf analoge Weise nach Sachsen zurückkamen (Anfang der 1990er Jahre).

    Quote

    Bis 1945 krönten die Aufsätze die beiden Wandspiegel, die dem ersten Vorzimmer der Audienzräume im Schloß zu Dresden Glanz verliehen. Nirgendwo finden die Spiegel, in denen die gewaltige Prachtentfaltung am Hofe Augusts des Starken (1670-1733) aufscheint, ihresgleichen in Deutschland. Goldene Hinterglasradierungen, in deren Mitte Apollo der Nymphe Daphne nachstellt, stehen vor schwarzem Grund. Vorbild war eine Kleinbronze nach der Apoll-und-Daphne-Gruppe von Gian Lorenzo Bernini. Aufwendig gestaltete, mit üppigem Laub- und Bandelwerk verzierte Rahmen aus vergoldeter Bronze fassen die Aufsätze ein. Nach französischem Muster gegossen, dürften die fein ziselierten Rahmenbeschläge um 1710/20 in Dresden entstanden sein. Angekauft zusammen mit dem Bundesministerium des Innern und einer Spende von Frau Rosemarie Pauls-Wilz, gelangten die Spiegelaufsätze in das Dresdener Residenzschloß zurück, für dessen Rekonstruktion sie von großer Bedeutung sind.

    Quelle: https://www.kulturstiftung.de/…s-dem-schloss-zu-dresden/



    Foto von Seebastian

    Also thematisch würde es am besten in die geplante Ausstellung zur Baugeschichte des Schlosses passen. Das Stück berührt ja viele Aspekte, die dort betrachtet werden sollten – Reminiszenz an viele Innenarchitekturen/Ausstattungen, die heute aus verschiedenen Gründen nicht mehr existieren, die komplexe Problematik der Kriegsverluste aber auch die sukzessive Wiedergewinnung historischer Ausstattungen und und und. Ich bin mir freilich nicht sicher, ob die Räumlichkeiten (Gotische Halle und nördlich anschließender Bereich) in „geometrischer“ Hinsicht (Raumhöhe, Größe der Wandfläche) geeignet sind. Der Wandteppich ist ja recht groß.

    Vielen Dank eryngium für die Super-Nachricht. Ich habe mal versucht weiterführende Informationen zu diesem „Wiederauftauchen“ zu finden, aber Fehlanzeige. Fundstellen der Meldung gibt es im Netz etliche, aber stets wird nur die originäre dpa-Meldung vermittelt.

    Ich denke doch, dass noch eine gebührende Präsentation des Wandteppichs für die Öffentlichkeit folgen wird (mit Bildern). Anlass für die „magere“ dpa-Meldung war vermutlich, dass die Rückkehr nach Dresden nunmehr rechtlich abgesichert ist.

    Ein paar Bilder kann ich trotzdem präsentieren. Beginnen wir mit dem *Großen Speisesaal*, zu dessen Ausstattung der Wandteppich gehörte. Dieser Raum befand sich im 2. OG des Ostflügels, die zugehörige Grundfläche gehört heute zum Riesensaal:



    Das folgende Foto wurde in den 1920er Jahren aufgenommen, wir blicken auf die Südwestecke des Großen Speisesaals:


    Quelle: Eigenes Archiv


    Das nächste Foto weist eine nahezu identische Blickrichtung auf (nach Südwesten), es zeigt aber mehr vom Raum:

    Foto Nr. 3


    Insgesamt gab es 4 Wandteppiche im Großen Speisesaal (Geschenke von Napoleon an den sächsischen König als Dank für dessen Bündnistreue). Zwei hingen an der Längsfront des Raumes (gegenüber der Fensterseite), jeweils einer an der Süd- und Nordwand.

    Die beiden Wandteppiche an der Längsfront entstanden nach Entwürfen des französischen Malers Charles-Antoine Coypel (1694 – 1752), der die Kartons 1725 vollendete (dies Angaben in einem historischen Schlossführer, herausgegeben in den 1920er Jahren vom Sächsischen Finanzministerium). Es ist zu erwähnen, dass beide Motive auch als Gemälde ausgeführt worden sind. Der Schöpfer des Gemäldes „Die Ohnmacht der Esther“ (heute im Louvre) war der Vater von Charles-Antoine Coypel, sein Name Antoine Coypel.


    By Antoine Coypel - Web Gallery of Art: Image Info about artwork, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2081099


    Und jetzt bitte nochmal das Foto Nr. 3 betrachten (Fotolink). Man sieht dort rechts angeschnitten den Wandteppich „Die Ohnmacht der Esther“. Man vergleiche mit dem Louvre-Gemälde. Eine große Ähnlichkeit scheint tatsächlich vorzuliegen, zum Beispiel ist der Feuertopf gut zu erkennen.



    Der zweite Wandteppich der Längsfront trägt den Titel: Joseph wird von seinen Brüdern erkannt. Hierzu ein Zitat über Charles-Antoine Coypel aus einem Künstler-Lexikon von 1913 (Herausgeber Ulrich Thieme, Verlag von E. A. Seemann Leipzig):

    Quote

    Außerdem hat er die Kartons für zahlreiche Tapisserien entworfen. 1725 vollendete er die von seinem Vater begonnene Serie alttestamentl. Szenen mit dem Bild „Josef von seinen Brüdern erkannt“ (als Gemälde ausgeführt im Mus. de Cluny, Exemplare [Anm.: Plural! - Exemplare] des gewobenen Stückes im „Gardemeuble“, Paris, Vatikan, Dresden, königl. Schloss).

    Den betreffenden Wandteppich sieht man auf folgendem Vorkriegsfoto in einer schönen Detailaufnahme:

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0008182.jpg


    Südlich des *Großen Speisesaals* befand sich übrigens der *Kleine Speisesaal*, auf dem nächsten Bild zu erahnen hinter der geöffneten Tür. Auch dieser Raum war mit französischen Gobelins ausgestattet (aus der berühmten Serie der Monatsdarstellungen), die ebenfalls seit dem Krieg vermisst werden.

    https://fotothek.slub-dresden.…/0005000/df_m_0005822.jpg

    Interessanter Filmfund über das Dresdner Residenzschloss und seinen Wiederaufbau. Etliche der enthaltenen Sequenzen hatte ich noch nicht gesehen, z.B. ab 18:00, Auftritt von Ludwig Coulin im Propositionssaal mit geöffneter Fußbodenzone (notwendig für den Einbau des Schlingrippengewölbes).

    Die Anfangsstelle ist ziemlich un-woke, sorry. :cool:

    Klick

    Quote from Chris1988

    Was ist das daneben eigentlich für eine Tür. Scheint ja noch Baustelle zu sein


    Auch im Gastronomiebereich gab es ja zunächst Interimsfenster. Die Ausschreibung für die Anfertigung der endgültigen Fenster enthielt folgende Option:

    Quote from SIB

    Der Auftraggeber behält sich die Möglichkeit vor, gem. § 3a EU (3) Nr. 5 VOB/A innerhalb von drei Jahren nach Abschluss des ersten Auftrags ein Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb durchzuführen, bei der nachfolgend beschriebene Leistungen an das Unternehmen vergeben werden, das den ersten Auftrag für die "Holzfenster und Eingangstüren Gastronomie" erhalten hat.

    Umfang der Leistungen:

    Fenster und Türen EG Ostflügel;

    die Leistung im EG Ostflügel umfasst zur Straßenfassade 9 St. Kreuzstockfenster vierfl. 128/222cm, davon 6 St. Festeinbau, 3 St. mit oberen RWA-Kippflügeln,

    zum Großen Schlosshof 8 St. Kreuzstockfenster vierfl. 128/244cm, davon 5 St. mit manuell zu öffnenden unteren Flügeln, 3 St. mit oberen RWA-Kippflügeln sowie eine zweiflügelige Tür mit festem zweiflügeligen Oberlicht 145/352cm.

    Die unterstrichene Position erfasst die Tür neben dem Brunnen. Vor dem Krieg sah das übrigens so aus:

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0115256.jpg


    Wie Max M. schon schrieb, handelt es sich um die Räume der noch einzurichtenden Schlossausstellung, also die Gotische Halle und die nördlich anschließenden gotischen Einzelräume – laut einer Formulierung von Gerhard Glaser die letzte gotische Architektur in Dresden.

    Quote from Max M.

    Stehen mittlerweile eigentlich die Baustellenschilder vor dem Schloss die Anzeigen, dass am Großen Ballsaal und Propositionssaal gearbeitet wird?


    Diese Frage bezog sich auf eine am 27. Oktober 2021 gepostete Nachricht über folgende Ausschreibung: „Schloss Dresden Nordflügel 2. OG, Ausbau Großer Ballsaal und Propositionssaal“. Hier nochmals der Inhalt besagter Ausschreibung:

    Quote from SIB

    Gegenstand der geplanten Beauftragung sind die Leistungen der Objektplanung Gebäude und Innenräume nach Teil 3, Abschnitt 1, §§ 34 ff. i.V.m. Anlage 10 HOAI 2019 mit den Leistungsphasen 5 bis 8 entsprechend dem ausgeschriebenen Vertrag. Die Beauftragung erfolgt stufenweise.

    Zum Zeitpunkt der Beauftragung liegt eine EW-Bau (Entwurfsunterlage) mit einer Kostenberechnung vor. Beides wird Grundlage der zu beauftragenden Leistungen.

    Die Planungsaufgabe besteht darin, die vorhandene Entwurfsplanung in den folgenden Leistungsphasen federführend umzusetzen. Fachlich sind hier bauklimatische Belange, die Funktionalität der Beleuchtungsanlagen, Übertragungsnetze und Aspekte der Präsentation zu beachten. Die Planung von Flächen zur Wärme- bzw. Kälteübertragung und Integration der raumluft- und sicherheitstechnischen Anlagen in das Gebäude (Obergeschosse) bzw. die Räume sind ebenfalls Gegenstand der hier ausgelobten Planungsleistung. Den Belangen des Brandschutzes und der Standsicherheit ist ebenfalls Rechnung zu tragen.
    Die Statik, Vermessung, technische Gebäudeausrüstung (HKLS, GLT, GMA und EMA), die Leistungen des SIGEKO, der Bauforschung, Bauklimatik, die Erstellung eines Brandschutzkonzeptes sind oder werden separat vergeben. Hervorzuheben ist die Rekonstruktionsplanungen der Raumflächen (Decken und Wände), die in den Sälen durch (zwei unterschiedliche) Fachplanungsbüros erbracht werden und die ebenfalls separate Fenster- und Vitrinenplanung.

    Am 9. Mai 2022 wurde nun die Leistungsphase 5 vergeben. Das ist die Ausführungsplanung. Zur Einordnung hier die Leistungsphasen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure)


    • LP 1: Grundlagenermittlung mit Prüfung des Kostenrahmens vom Bauherren
    • LP 2: Vorplanung mit Kostenschätzung
    • LP 3: Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung
    • LP 4:Genehmigungsplanung
    • LP 5: Ausführungsplanung
    • LP 6: Vorbereitung der Vergabe, einschließlich Ermitteln der Mengen und Aufstellen von verpreisten Leistungsverzeichnissen
    • LP 7: Die „Mitwirkung bei der Vergabe“ beinhaltet die Koordination des Vergabeverfahrens und den Vergleich von dem Kostenanschlag (Ausschreibungsergebnisse) mit den vom Planer bepreisten Leistungsverzeichnissen oder der Kostenberechnung
    • LP 8:Objektüberwachung – Bauüberwachung und Dokumentation


    Auf Bauschilder werden wir noch etwas warten müssen, die sind erst ab LP 8 zu erwarten.


    Für die genannte Ausschreibung sind 4 Angebote eingegangen, den Zuschlag erhielt das Dresdner Büro *Heine Mildner Architekten PartG mbB*. Die hatten übrigens den analogen Auftrag für die Gewehrgalerie.

    Vielen Dank Chris1988 für die tollen Fotos. Zum gezeigten Raum (laut offizieller Terminologie der sogenannte VORRAUM) ein paar Anmerkungen. Die nachfolgenden Zitate stammen von Steffen Delang, langjährig Referatsleiter im Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Alle Aussagen beziehen sich auf besagten Vorraum, in der Quelle auch als Raum 9 bezeichnet.

    Quote from Steffen Delang

    An der Westwand zeichnen sich Reste einer Wendeltreppe ab, die spätestens mit der Einwölbung dieses Raumes beseitigt worden sein muss, von der jedoch vier Stufen in eine neuzeitliche gerade Treppe, die zu einem höher liegenden Renaissanceraum im Nordflügel führt [Anm.: dies die heutige Vinothek], eingebunden wurden.

    Quote from Steffen Delang

    Alle Beobachtungen lassen auf eine Entstehung der Wölbung des Raumes 9 um oder nach 1500 schließen, möglicherweise sogar erst auf die 20er Jahre des 16. Jahrhunderts, wo unter Herzog Georg zahlreiche kleinere Umbauten erfolgten. In den Querwänden fanden sich oberhalb der Wölbung Balkenlöcher, die auf eine ehemals flache Holzdecke deuten. In die Zeit vor der Einwölbung des Raumes gehören auch mehrere bogige Abrißformen an der Südwand. Rauchabzüge in der Mauermasse legen die Vermutung von Backöfen nahe. Nach der Einwölbung befand sich in dem Raum die „Schneiterey“, gemeint ist damit der Platz zum Zerlegen des Fleisches für die Küche.


    Bei dem vermuteten Backofen geht es um diese Struktur hier:


    Foto von Chris1988


    Nun ein paar Fotos, die zeigen, wo die Treppe oben "ankommt", nach der obersten Treppenstufe folgt noch ein kurzer, rustikal belassener Gang.

    Bauzustand, Blick in die entstehende Vinothek: Foto 1

    Bauzustand, Blick aus der entstehenden Vinothek in den "Minigang", der zur Treppe führt: Foto 2

    Blick auf die Südwand der Vinothek, Gangeintritt ist mit Scheibe verschlossen (dadurch Spiegelwirkung): Foto 3

    Minigang: Foto 4



    Weiteres Delang-Zitat:

    Quote from Steffen Delang

    Die Beobachtungen in diesem nördlichen Bereich des Ostflügels bestätigen weitgehend die Aussagen von B. Gonschor-Werner, daß Ost- und Nordflügel bis 1470/80 nicht verbunden waren und daß die Wendeltreppe im Raum 9 [Anm.: Raum 9 = Vorraum] ursprünglich frei vor dem östlichen Ende des Nordflügels stand.

    Um das zu verstehen, muss man sich die Bauhistorie verdeutlichen. Um 1400 entstanden unter Markgraf Wilhelm, genannt der Einäugige, folgende Bauten: die unteren Geschosse des heutigen Hausmannsturmes, das palasartige sogenannte "Alte Haus" und ein Baukörper entlang der heutigen Schlossstraße.


    Quelle: Das Dresdner Schloss, Sicherung der Bausubstanz, herausgegeben 1989 vom VEB Gesellschaftsbau


    In der Bauphase 1468 bis 1485 wurde dann - unter Einbeziehung der bereits bestehenden Baukörper, die gotische Burg errichtet:


    Quelle: Das Dresdner Schloss, Sicherung der Bausubstanz, herausgegeben 1989 vom VEB Gesellschaftsbau


    Gemäß einem leider nicht mehr vorhandenen historischen Modell sah diese gotische Burg so aus (der Ostflügel mit dem Schössereiturm befindet sich rechts, der Nordflügel oben):


    Von Georges Servières - https://archive.org/details/dresdenfreibergm00serv,

    Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=113782352


    Erst im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde der Nord- und Ostflügel verbunden - die Wendeltreppe lag nunmehr im Inneren.



    Quelle für alle Zitate von Steffen Delang und das Grundrissbild:

    „Zur Bauforschung im Ostflügel des Dresdner Residenzschlosses“;

    veröffentlicht in: Beiträge zur Denkmalpflege 1/1989 (Publikation der Gesellschaft für Denkmalpflege im Kulturbund der DDR)

    Ein paar aktuelle Fotos von Schloss Hainewalde (Oberlausitz, nahe Zittau)


    Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Barockbau aus dem 18. Jahrhundert, der in den 1880er Jahren im Stil der Neorenaissance umgestaltet wurde und dabei umlaufend an der Außenfassade mit Sgraffito-Schmuck verziert wurde. Das Schloss stand seit den 1970er Jahren leer und verfiel zusehends. In den 1990er Jahren hatte ein Investor mit der Sanierung begonnen, aber außer diversen Abbruchmaßnahmen im Inneren und dem Absetzen der baufälligen Turmhaube passierte nichts. Jetzt ist das Schloss wieder im Besitz der Gemeinde.







    Zum Vergleich: Zustand 1981:

    Von Erich Braun - Scan vom Negativ, CC BY-SA 4.0,

    https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48145711



    Quote from Touranoglou

    Wisst ihr, was aus dem schönen großen Kirchenneubau, der "Orthodoxen Kirche der Fürbitte der Muttergottes" im Stadtzentrum von Mariupol geworden ist? Die rotfarbene Heilige-Erzengel-Michael-Kathedrale wurde ja schwer beschädigt.

    Das folgende Kurzvideo wurde am 19. April hochgeladen. Demnach sind um die Kirche starke Beschädigungen zu verzeichnen, die Kirche selbst scheint aber - bislang - einigermaßen heil geblieben zu sein.

    https://www.youtube.com/watch?v=EEfIVAsmPV4

    Ein paar Impressionen vom diesjährigen Osterreiten (sorbischer Osterbrauch). Mit Reiterzügen (9 Züge mit insgesamt rund 1300 Reitern) wird dabei die Osterbotschaft verkündet. Der Bautzner Zug führte traditionell von Bautzen nach Radibor (katholisch geprägtes Dorf ca. 9 km nördlich von Bautzen) und wieder zurück.

    Drohnenbild


    Hier ein interessantes Kurzvideo (2 min), auch um einen Eindruck von den feierlichen Gesängen zu bekommen (religiöse sorbische Lieder):

    https://www.mdr.de/nachrichten…aa995c42_zs-508eae13.html


    Die nachfolgenden Fotos entstanden bei der Rückkehr der Reiter nach Bautzen, zum Abschluss wird dreimal der Dom umrundet.








    Ein paar Ergänzungen zum Schlossrestaurant. Es gab in den letzten Wochen einige Stellenanzeigen im Netz, die meisten sind nicht mehr aktuell, d.h. die betreffenden Jobs sind vergeben. Dort fanden sich aber nun einige Infos des Pächters:

    Das Wort Terrasse ist möglicherweise bewusst gewählt, vielleicht wird man die Stühle und Tische im Hof auf so einer Art mobilem Podest aufstellen, um so Beschädigungen der historischen Sandsteinplatten zu vermeiden („Stühlerücken“).


    Quote from Chris1988

    Wenn Freitag Eröffnung ist, wird da noch der Bereich unterhalb der Fenster gestaltet und wenn ja wie? Wie der Rest auch? Am Brunnen fehlt ja auch noch ein Teil, der erst verputzt wurde.

    Laut Modell soll das so aussehen:



    Aber das wird man wohl in einigen wenigen Tagen nicht mehr schaffen. Solche Restarbeiten kann man selbstverständlich noch später nachholen – denkt mal an die Paraderäume. Eine andere Maßnahme ist allerdings sicher noch durchzuführen, die Herstellung der Barrierefreiheit. Bei Ortlichkeiten, die völlig neu entstehen, ist das m.W. gesetzlich gefordert.

    Vor einiger Zeit hatte ich ja schon mal die dafür gedachte Rampe vorgestellt. Die verläuft „innerhalb“ des Altans und ermöglicht Rollstuhlfahrern den Zugang ins Restaurant über Tür Nr. 2. Aufgrund der Fotos von Seebastian ist zu vermuten, dass das Ding gerade gebaut wird oder vielleicht sogar schon fertig ist. Man betrachte die Holzverkleidung im östlichen Teil des Altans. Kann ich eigentlich nur als temporären Schutz für Besucher interpretieren (man muss ja unterhalb eines Gerüsts durch (wo auch mal etwas runterfallen kann). Auf Fotos von Anfang Februar fehlt diese Holzverkleidung noch.



    Zu den Sandsteinplatten.

    Der Große Schlosshof umfasst eine Fläche von ca. 2.630 m². Ca. 60% der historischen Platten konnte gerettet werden. Die Nachlieferung umfasste 1000 m². Bedingung war, dass es gebrauchte Platten sind (mit Patina).

    Fündig wurde man bei einer Dresdner Firma, die sich auf solche historischen Materialien spezialisiert hat (so eine Art „Spolienretter“ – Bergung, Rückbau, Handel).

    Haben auch aktuell interessante Dinge im Angebot:

    https://www.historischebaustoffe-dresden.de/

    Quote from Resurrectus

    Als DER Auftakt wird klassischerweise immer der 13. Februar 1985 angegeben.

    Es war jener denkwürdige Tag der Wiedereröffnung der Staatsoper (verballhornend immer "Semperoper" genannt) gezählt, als man Honney die Worte "... und nun habt ihr Dresdner ja auch schon mit dem Wiederaufbau des Schlosses begonnen" in seine Rede hineingeschmuggelt und gleichzeitig ein paar Fake-Gerüste vor die Schloßruine geschoben hatte (so erzählte man es mir).

    Nachdem diese Bilder um die Welt gegangen waren, konnte die DDR-Führung nicht mehr ohne Gesichtsverlust zurückrudern und gab die allerersten Gelder für den (natürlich nur sehr schleppend vorankommenden) Wiederaufbau frei. Immerhin war aber die gesamte Plaung während der DDR-Zeit stark vorangetrieben worden, so dass man - glaube ich - fast noch bis zum Jahr 2000 damit bauen konnte......

    Eine Heldengeschichte.


    Ich zitiere aus einem früheren Beitrag, in dem ich einen längeren Fernsehbeitrag zum Wiederaufbau des Schlosses vorgestellt hatte:


    Neben dem primären Thema *Semperoper* gab es aber noch einen weiteren Punkt, der diesen Tag, den 13. Februar 1985, so interessant machte – Was wird Honecker zum Schloss ausführen? In den 1980er Jahren war das Gebäude nicht mehr „ideologisch“ gefährdet, man hatte längst allgemeine Statements abgegeben, dass es wieder aufgebaut werden soll. Aber die Entscheidung über solche megateuren Bauvorhaben fiel natürlich nicht in Dresden, sondern im Machtzentrum in Berlin (Politbüro). Und die Berliner Genossen scheuten sich lange, ihr endgültiges Okay zu geben (angesichts der Kosten). Im Video berichtet Hans Modrow, der Dresdner SED-Chef (einer mit viel Herzblut für die historischen Bauwerke der Stadt), wie man Honecker in eine Lage brachte, dass er in seiner Rede auf dem Theaterplatz am Thema *Schloss* nicht vorbei kam: Wir stellen Gerüste auf. Dieser Plan funktionierte bestens. Denn das war sofort Stadtgespräch: Am Schloss stehen Gerüste, jetzt geht’s bald los. Darüber erzählt auch Hans-Christoph Walther (als – wie er das formuliert – kleiner Stift/Lehrling), der am 13. Februar 1985 auf dem Theaterplatz dabei war und gespannt auf das wartete, was Honecker nun zum Schloss sagen würde (Video ab 26:59).

    In einer DDR-Veröffentlichung zum Schloss von 1989 (Herausgeber: VEB Gesellschaftsbau) las sich der Sachverhalt mit den Gerüsten dann wie folgt:

    Quote

    Die erste Eintragung im Bautagebuch des VEB (B) Gesellschaftsbau [Anm.: VEB = Volkseigener Betrieb] durch den GAN-Komplexbauleiter Gottfried Ringelmann:

    10. September 1984, 12.00 Uhr, 16°C, bedeckt, Beginn der Baustelle Schloss, Brigade Bräuer“.

    Das war der Beginn von bauvorbereitenden Maßnahmen und der Errichtung von Gerüsten für Aufmaße der Ruine als Projektierungsvoraussetzung.


    Die Riesenkundgebung auf dem Theaterplatz (Redeauftritt Honeckers):

    https://image.saechsische.de/5…7x1cq5ijxsxaq051i90fn.jpg