Posts by BautzenFan

    Wie hier schon mehrfach behandelt, laufen aktuell Restaurierungsarbeiten an diversen barocken Möbeln für die Paraderäume. Ich kann nun für 2 Möbelstücke, das Bureau Mazarin (PSZ) und eine Kommode (2. VZ) Fotos vorstellen. Beide Exponate wurden kriegs- (und nachkriegs-)bedingt schwer beschädigt und waren daher nach 1945 noch nie ausgestellt. Die nachstehend verlinkten Fotos zeigen den Vorkriegszustand.


    Kommode

    Vorkriegsfoto


    Aktueller Zustand / Beschreibung der Zielstellung:

    Quote from SKD

    Boulle-Marketerie in contre partie, Gesamtmaße 1,31m x 0,85m.


    Bei dem Möbel handelt es sich um eine bedeutende dreischübige, höfische Kommode des frühen 18.Jhs., die durch kriegsbedingte Verluste heute nur fragmentarisch erhalten ist. Zwei der drei Schubladenfronten sowie deren Blindholzkonstruktion sind nicht erhalten. Ziel der Maßnahmen ist die Konservierung der Marketerie unter Erhalt der altersbedingten Oxydationsfarbigkeit. Die Rückformung stark deformierter Messingbleche sowie die behutsame Freilegung der Oberflächenbeschichtung des 19.Jhs. sind ebenso Teil der Maßnahmen. Die Originalbeschläge sind durch Weichstrahlverfahren zu reinigen. Die optisch notwendigen Ergänzungen der beiden Schubfronten mit dazugehörigen Beschlägen sind als detailgetreue Kopien des Originals auszuführen. Das Ausmaß der Schäden wird als sehr hoch eingestuft.


    Bureau Mazarin

    Vorkriegsfoto


    Aktueller Zustand / Beschreibung der Zielstellung:

    Quote from SKD

    Boulle-Marketerie in première-partie und a double jeux. Gesamtmaße 1,49m x 0,79m.


    Bei dem Objekt handelt es sich um ein bedeutendes höfisches Möbel des frühen 18.Jhs., dass allerdings durch Restaurierungen des 19.Jhs. sowie durch kriegsbedingte Schäden stark verändert wurde. Der heutige Gesamtzustand ist schadhaft und fragmentarisch, vom Fußgestell sind nur Einzelteile vorhanden. Ziel der Maßnahmen ist die Konservierung der Marketerie und Erhalt der altersbedingten Oxydationsfarbigkeit. Die Rückformung stark deformierter Messingbleche sowie die behutsame Freilegung der Oberflächenbeschichtung des 19.Jhs. sind ebenso Teil der Maßnahmen. Die statisch notwendigen Ergänzungen beschränken sich auf die detailgetreue Rekonstruktion der Blindholzpartien. Der Anschluss von Original und Ergänzung muss als Anfügung ohne jegliche Substanzentnahme erfolgen. Zur besseren Lesbarkeit sind auch die fehlenden Beschläge zu rekonstruieren. Alle Ergänzungen sind mit einer neu definierten Oberfläche im Sinne einer Neutralergänzung zu gestalten. Das Ausmaß der Schäden wird als sehr hoch eingestuft.

    Als Fertigstellungstermin wurde jeweils Ende November 2021 angegeben.

    Quote from Yves87

    Die Frage habe ich mir auch schon mal gestellt. Auch die anderen großen Kandelaber in der Stadt... wo sind die alle hin?

    Heute wären die ein Vermögen wert...

    Der Post stammt zwar aus dem Schlossstrag, aber passt besser hier hin.

    Viele der historischen Straßenleuchten sind schon bei der Enttrümmerung (mit dem Ziel der Schrott-/Buntmetallbergung) oder dann sukzessive, vor allem in den 1960er Jahren, vernichtet worden. Ich will das mal an 2 Beispielen demonstrieren: Altmarkt und Theaterplatz.


    Altmarkt

    Man beachte jeweils die beiden großen Kandelaber, etwa in einer Fluchtlinie mit dem Germaniadenkmal.

    Foto aus den ersten Nachkriegsjahren


    Foto von 1956

    Von Bundesarchiv, Bild 183-42328-0004 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5353284


    Foto von 1958


    Foto von 1962


    Foto von 1965

    Nu sind sie weg...


    Dieser Zustand (Peitschenlampen im Stil der 1960er Jahre) blieb erhalten bis zur Neugestaltung des Altmarktes ab 2006, nachfolgend ein Foto aus diesem Jahr:


    Von Thomas Richter - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1045277



    Theaterplatz

    Hier sollen die Lampen betrachtet werden, die das Reiterdenkmal von König Johann einrahm(t)en.


    Foto von etwa 1890


    Foto von 1923

    Die Aufstellung dieser "einarmigen" Exemplare erfolgte im Zeitraum Ende des 19. Jhd. bis Anfang 20. Jhd.


    Foto von 1935

    Die einarmige Version in einer detaillierteren (Einzel-)Ansicht.


    In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre (sicherlich VOR Kriegsausbruch) wurden die einarmigen Exemplare ersetzt. Die Zeitangaben in der fotothek sind für die zugehörigen Fotos widersprüchlich. Alle Fotos bis einschl. 1935 zeigen die „alte“ Version, ein mit 1936 datiertes Bild (das nachstehend verlinkte) ist mit 1936 angegeben, ein weiteres Foto von 1937 zeigt aber wiederum die alte Fassung.

    Foto von 1936? eventuell etwas später aufgenommen


    Foto von 1945


    Foto von 1962

    Die Vorkriegsexemplare stehen immer noch.


    Foto von 1965

    Die Vorkriegsexemplare sind durch moderne Peitschenlampen im Stil der 1960er Jahre ersetzt.


    Im Zuge des Wiederaufbaus der Semperoper wurden wieder historische Kandelaber aufgestellt, aber nicht in einer der Formen, die früher hier standen. Ich vermute, man hat dafür Versionen nachgebildet, die sich am Rand des Platzes aus der Vorkriegszeit erhalten haben.

    Foto von 1988

    Von Jörg Blobelt - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65583361

    Quote from Heimdall

    Das Gebäude wurde wohl in den 1970er Jahren vereinfachend umgebaut.

    Ursache war ein Großbrand im Herbst 1976, ausgelöst durch fahrlässigen Umgang mit offenem Feuer bei Bauarbeiten. Dabei wurde leider auch der prächtige Bürgersaal im Obergeschoss völlig zerstört (incl. zweier großer Historiengemälde). Hier eine Teilansicht des Saales: Klick


    Aber noch etwas Erbaulicheres. Bautzen ist ja Stadt der Osterbräuche (meist sorbische Traditionen). Dieses Jahr fand trotz Corona das Osterreiten statt, allerdings unter strengen Auflagen:

    Quote from LausitzNews

    Die Tradition des Osterreitens wird in der sorbischen Oberlausitz seit mehr als fünf Jahrhunderten gepflegt. In neun verschiedenen Prozessionen machen sich hunderte Reiter mit geschmückten Pferden auf den Weg, um die frohe Botschaft der Auferstehung Christi ins Land hinaus zu tragen. Der Brauch ist ein Glaubensbekenntnis der katholischen Sorben. Es nehmen ausschließlich Männer teil. Das Jahr 2020 war in der Geschichte des Osterreitens das erste Jahr, in dem die Reiter pandemiebedingt nicht reiten durften. Zum Osterfest war es damals eine völlig neue Situation, in der der Schutz der Bevölkerung oberste Priorität hatte. Mühsam erarbeitet ermöglichten in diesem Jahr strenge Sicherheits- und Hygienekonzepte eine Durchführung. Vize-Landrat Udo Witschas betonte in einem Pressestatement jedoch, dass das Osterreiten unter dem Aspekt der Ausübung der Religionsfreiheit und nicht zur „Show“ für Touristen stattfinden sollte. Genau aus diesem Grund wurden in diesem Jahr weder die genauen Zeiten noch Routen der einzelnen Prozessionen öffentlich gemacht. Eine Ansammlung tausender Touristen am Straßenrand, wie es in den vergangenen Jahren überall in der Lausitz stattfand, sollte somit verhindert werden. Die Teilnehmer der Prozessionen mussten vorbereitend auf den Ostersonntag bereits am Vorabend einen Covid-Schnelltest durchführen. Nur mit einem negativen Testergebnis wurde die Teilnahme genehmigt. Um Infektionsketten einzugrenzen, wurden zudem Stallgemeinschaften gebildet, die sich neben den Reitern um das Wohl der Tiere sorgten. Die sächsische Polizei war in Zusammenarbeit mit den örtlichen Ordnungsämtern im Einsatz, um die alpgemeingültigen Abstands- und Maskenregeln bei potentiellen Besuchern am Straßenrand zu überprüfen.

    Kurzvideo der diesjährigen Reiterprozession mit Start in Bautzen: Klick


    Diesjähriger Osterschmuck:



    Vor fast einem Jahr stellte RobBerg hier die fast fertig sanierte Kappler-Mühle vor.

    Quote from RobBerg

    Mühlgässchen - Mühle fertig. Fehlen nur noch die Haupteingangstüren. Die Ausführung am Bau sind ansonsten exquisit!!!

    Einzig der sehr sehr große Parkplatz stößt mir gewaltig auf. Wieviele Autos kann man denn bitte haben? Und dann so eine deutlich versiegelte Fläche im Flutkorridor. Und bisher noch kein Baum und leider auch ein Ersatz für die alte schöne Trauerweide ist noch nicht zu sehen.

    Ein paar ganz aktuelle Fotos (vom Objekt und der unmittelbaren Umgebung): Es gibt jetzt Bäume, die Haupteingangstüren sind drin. Der sehr große Parkplatz erklärt sich wohl dadurch, dass es sich um Ferienwohnungen handelt.








    Zum Vergleich: Straßenseite im Jahr 2015


    By Julian Nyča - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39426790



    Zustand gleicher Eingang 2015


    By Julian Nyča - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39426787

    Vor einigen Tagen wurde der Auftrag zur Rekonstruktion der historischen Kandelaber für den Großen Schlosshof vergeben. Nachfolgend im Zitat einige Passagen aus den Ausschreibungsdokumenten zur Verdeutlichung des Auftragsumfangs und zum Aspekt der vorgesehenen Fassadenanstrahlung:

    Quote

    Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des historischen Hofbelags im Großen Schlosshof soll auch die Beleuchtung im Stile des 19. Jhds. ausgeführt werden. Bei den hier ausgeschriebenen Leistungen handelt es sich um die Lieferung von 13 Kandelaber-Leuchten nach historischem Vorbild aus Aluminiumguss für den Außenbereich. Die Leuchten sind voll elektrifiziert und besitzen als Haupt-Leuchtkörper ein LED-Modul in Form einer historischen Gasbeleuchtung. Im Dach (Baldachin) befinden sich zusätzliche Anstrahlungsmodule, mit Hilfe derer besondere Bereiche der Fassade eine lichttechnische Akzentuierung erhalten.

    […]

    Einige Kandelaber sollen mit Anstrahlungsmodulen im Baldachin ausgestattet werden, zur Anstrahlung der beiden reich verzierten Toreinfassungen des Grossen Schlosshofes. Die geeignete Ausstrahlcharakteristik sowie der Platzbedarf zum Einbau der Module sind vorab an einem funktionsfähigen Muster zu testen.

    […]

    Im ersten Bauabschnitt (1. BA) werden fünf der insgesamt 13 historischen Kandelaberleuchten hergestellt und betriebsfertig angeschlossen. Die übrigen 8 Leuchten werden zeitgleich fix-und-fertig - d.h. einbaufertig mit allen elektr. Einbauteilen, Lichtmodulen, Verkabelungen etc. - hergestellt und im Lager des AG eingelagert. Der Transport nach Dresden, die Montage und der betriebsfertige Anschluss der eingelagerten 8 Stück erfolgt dann im zweiten Bauabschnitt (2. BA). Dies ist aber nicht Teil dieses LVs.


    Vereinbarter Gesamtpreis (ohne MwSt.): 328.640,60 EUR


    Der Zuschlag ging an die sächsische Firma *AKH Paul Lorenz / Inhaber: Mario Lorenz*


    Terminliche Vorgaben

    Es erfolgte keine Datumsangabe (im Sinne des Fertigstellungstermins), sondern die Fertigungsdauer, nämlich 108 Tage. Je nachdem, ob hier Kalendertage oder Arbeitstage gemeint sind, ergeben sich ca. 4 – 5 Monate.



    Ein paar Abbildungen:


    Historische Ansicht - oberer Bereich:

    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Rissliche Darstellung lt. Reko-Planung - oberer Bereich


    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Historische Ansicht - unterer Bereich

    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Rissliche Darstellung lt. Reko-Planung - unterer Bereich


    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen



    Das nachstehend verlinkte Foto entstand 1889 und ist wie folgt untertitelt:

    „Donadini, Ermenegildo Antonio: Residenzschloß. Großer Schloßhof vor dem Umbau, um 1889“

    Wie man sieht, sind unsere Kandelaber schon da.

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0041528.jpg


    Die Vorgänger sind auf dem nächsten Foto zu erkennen, aufgenommen um 1870:

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0081423.jpg


    Der gleiche Typ war auch im Stallhof aufgestellt (gemäß Untertitelung aufgenommen vor 1889):

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0400246.jpg

    Quote from Resurrectus

    Hoffen wir für dieses, dass die beiden angeblich kriegsverlustigen, in Wahrheit heute aber wohl in St. Petersburg, USA wohl verwahrten aufgestellten Silvestre-Gemälde wieder zurückkommen werden!

    "Versteckt" werden die beiden Gemälde aber nicht gerade, das Museum of Fine Arts (St. Petersburg, Florida) fühlt sich offenbar als rechtmäßiger Besitzer:

    Perseus rettet Andromeda vor dem Seeungeheuer

    Thetis in der Schmiede des Vulkan


    Übeltäterin war eine Deutsche, die nach 1945 etliche Gemälde entwendete und nach Amerika verkaufte.

    Ein LV (Leistungsverzeichnis) für einen Bauauftrag des Residenzschlosses enthält quasi standardmäßig einen Passus zum Emmissionsschutz, üblicherweise recht kurz und allgemein gehalten. Nicht so im LV für die Arbeiten zur Gestaltung der Freianlagen im 1. BA des Großen Schlosshofs, hier gab es knallharte Grenzwertvorgaben und die Nachweispflicht ihrer Einhaltung:

    Diese stringenten Vorgaben waren dadurch begründet, dass in dem zu behandelnden Baufeld (grundhafter Ausbau) noch Fundamente im Boden waren (vielleicht von der ehemaligen Kranschneise?), die vor dem Entfernen natürlich erst zerkleinert werden mussten. Auf „normalen“ Baustellen hätte man in solchen Fällen zu Presslufthämmern (oder ähnlicher Brachialtechnik) gegriffen – aber genau das sollte im Großen Schlosshof vermieden werden (daher die oben genannten ziemlich niedrigen Grenzwerte).


    Mit einigen Fotos möchte ich die elegante Alternativtechnologie verdeutlichen, die hier zum Einsatz gekommen ist. Die Bilder wurden zwar erst Ende Februar gepostet, es ist aber wohl davon auszugehen, dass die betreffenden Arbeiten schon im vorigen Jahr durchgeführt worden sind.


    Bohrarbeiten

    Foto 1


    Stückweises Aufbrechen mittels hydraulischer Presse

    Foto 2

    Foto 3




    Außerdem möchte ich noch über eine aktuelle Auftragsvergabe informieren:


    Gemäß Visualisierung wird die Aufstellung wohl im 2. Vorzimmer erfolgen:


    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Aktuelle Ansicht


    Foto von effndy


    Den Zuschlag für die Restaurierung der Kommode erhielt eine Fachfirma aus Wien:

    KOPP Restauratoren GmbH


    Folgende Fristen sind festgelegt:

    Fertigstellung der Restaurierung: bis zum 31.10.2021

    Einbringung, Aufstellung und Sicherung in den Paraderäumen sowie Abgabe der objektweisen Dokumentationen: bis zum 26.11.2021


    Die etwa zeitgleich veröffentlichte Ausschreibung für die Restaurierung eines *Bureau Mazarin* kam nicht zum Abschluss

    Begründung der Aufhebung

    Es ist kein Angebot eingegangen, das den Ausschreibungsbedingungen entspricht.


    Auf einem historischen Kupferstich aus der Serie von 1719 ist das Möbelstück im Paradeschlafzimmer zu verorten (rechts im Bild, neben der Tür):

    https://fotothek.slub-dresden.…_hauptkatalog_0150037.jpg

    Zwei Internet-Funde zum Reko-geschehen.


    1. Kaminleuchter im Kleinen Ballsaal

    Die Stücke waren aus der Ruine geborgen worden, natürlich ziemlich lädiert. Hier sieht man sie im Bergungszustand (Bilder können stark vergrößert werden, einfach nochmal draufklicken):

    Großer Kaminleuchter (Mitte)

    Kleiner Kaminleuchter links

    Kleiner Kaminleuchter rechts


    Und hier nun der restaurierte Zustand:

    Foto von eryngium



    2. Video (ca. 4 min) über die Rekonstruktion des Zierats für die Spiegel im 1. Vorzimmer

    Link zum Video

    Gemäß einer Textstelle im Video gehören die Stücke zu den Spiegeln im 1. Vorzimmer. Auf einem hochauflösenden historischen Foto des betreffenden Kaminspiegels kann ich die gezeigten Teile allerdings nicht finden. Aber das werden wir ja demnächst vor Ort sehen können.

    Quote from Resurrectus

    Sag, hast du vielleicht ein Foto von der Gesamtgestaltung dieses oben gezeigten Spiegelleuchters im PAG? Mir erschließt sich die Geometrie einfach nicht. War einer noch da (denke ich doch)? Und die waren doch aus dem Rokoko oder gehörten die zur 1719er Grundausstattung?


    Aus dem zugehörigem Ausschreibungstext, Quelle SIB

    Hier noch einmal das Foto, das Eszuyel entdeckt hatte. Gemäß Untertitelung ist die männliche Figur (Audienzgemach) dargestellt. Die wiederum ist laut Ausschreibungstext erhalten, sollte also restauriert werden. Klick


    Bilder (zur Verdeutlichung der Gesamtgeometrie) habe ich leider nur für die Trumeauxleuchter des 2. Vorzimmers gefunden:

    https://www.historische-leucht…n_Parade_Trumeauxl_01.jpg

    Zum Vergleich ein paar Fotos zum Zustand der "Boulle-coffer" VOR der Restaurierung:






    Die von Eszuyel ebenfalls gezeigten Leuchter sind wohl einst fehlende, jetzt rekonstruierte Stücke für die Trumeauspiegel des Audienzgemachs. Hier ein Foto vom Herbst 2020, aufgenommen und gepostet von VanWuerzburg:



    Trumeauxleuchter


    Ein historisches Foto für den "vollständigen" Zustand der Schaftspiegel im AG habe ich leider nicht gefunden. Der hier befindliche Kaminspiegel hat solche Leuchter.

    Kleiner Rückblick in das Jahr 1987, es liefen die Rohbauarbeiten am West- und Nordwestflügel:

    Quote

    Sächsische Zeitung vom 5. Juni 1987

    Titel: Schlossprotokolle 1987

    Untertitel: Notiert bei einem neuerlichen Besuch im Dresdner Schloss und bei Gesprächen mit Leuten vom VEB Gesellschaftsbau der Elbestadt


    Seit ich das erste Mal durch das klaffende Loch auf der Ostseite, dort wo sich früher der Riesensaal erstreckte, die Schlossruine betreten habe, ist knapp ein Jahr vergangen. Wieder betrete ich das Schloss durch die für den Kran geschlagene Öffnung. Wieder bin ich beklommen ob des Eindrucks der Ruine. Hier im Inneren, im Schlosshof, ist der Eindruck noch immer viel erschütternder als draußen, wo teilweise an der Schlossfassade noch der freundliche Putz zu sehen ist. Hier braucht man nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie der Feuersturm im Geviert tobte, den Sandstein teilweise auseinander sprengte, meterdickem Mauerwerk tiefe Risse beifügte, Stahlträger verbog. Vor allem der Südflügel des Großen Schlosshofes zeigt sich unverändert mit seinen bizarren Ruinen, den Bäumen in den Trümmern und den dort nistenden Tauben…


    Südwestecke des Großen Schlosshofs, etwa 1987


    Von Erich Braun - Scan vom Negativ, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34064029


    Ansicht 2018


    Foto vom Apollo


    Aus der Sächsischen Zeitung vom 5. Juni 1987: Schlossprotokolle 1987


    Mit der „neuen Betonwand“ neben dem Wendelstein ist die Trennmauer zwischen Eckparadesaal und Propositionssaal gemeint. Die historische Mauer war abgebrochen worden:

    Von Erich Braun - Scan vom Negativ, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34064019



    Die neue Betonmauer sah dann so aus:

    Ansicht vom Eckparadesaal aus



    Wendelstein:


    Quelle: Baubroschüre *Dresdner Schloss - Sicherung der Bausubstanz*, herausgegeben 1989 vom VEB Gesellschaftsbau


    Quote from Saxonia

    …Reiterstandbild König Alberts, dargestellt in der Generalsuniform von 1870/71. Leider haben die Kommunisten das unbeschädigte Denkmal 1951 zerstört.

    Denkmal 1946, noch auf dem Schlossplatz: Klick


    Denkmal abgebaut und abgestellt, Foto von 1951: Klick

    Untertitelung in der fotothek:

    Abgestellt im Hof des Marstallgebäudes, eingeschmolzen Ende 1951

    Die königliche Teppichmanufaktur in Madrid (Real Fábrica de Tapices) hatte vorgestern königliche Gäste: Don Felipe und Doña Letizia waren zu Besuch, begleitet von hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik und Kunstinstitutionen Spaniens. Anlass war das 300-jährige Jubiläum der Gründung der Manufaktur. So geht Wertschätzung.

    Den Hauptgrund, warum ich das hier poste, verdeutlichen folgende 2 Fotos:

    Foto 1

    Foto 2

    Wie man sieht, ist Säule Nr. 8 begonnen worden (die achte von insgesamt zwölf). Es geht also ohne Pause weiter.

    Ich habe einen interessanten und recht aktuellen Artikel (von Anfang März) über das Moritzburger Hellhaus gefunden. Der Autor Dietrich Lohse hat offenbar Insider-Wissen (jetzt im Ruhestand, früher als Denkmalpfleger in Radebeul tätig).

    Quote from Dietrich Lohse

    Inzwischen ist der staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Eigentümer dieser Immobilie geworden und seit 2020 tut sich nun wirklich etwas am Hellhaus. Was täglich von vielen Spaziergängern beobachtet wird, ist keine Notsicherung, sondern die 1. Baustufe, also die äußere bauliche Fertigstellung. Welche Nutzung das vollständig sanierte Hellhaus einmal haben wird, ist noch nicht beschlossen, zeichnet sich aber in groben Umrissen ab: Museum zur höfischen Jagd in verschiedenen Jahrhunderten, Forstwirtschaft in Sachsen heute und Schule des Waldes, also eventuell entsprechende Lehrveranstaltungen für Schulklassen. Eine Jahreszahl, wann das so weit sein wird, kann heute noch nicht genannt werden. Die 1. Baustufe muss die Gewähr sein für weitere Baustufen und wird damit schließlich auch die endgültige Fertigstellung des Hellhauses bewirken.

    […]

    Als die wichtigsten bauausführenden Betriebe sind die Coswiger Firma Holzbau Grätz und die Dachdecker Täuber – Kühnel, Altenberg, zu nennen. Der zweigeschossige Dachstuhl über achteckigem Grundriss und mit vielen Gaupen ist fast abgeschlossen und sicherlich keine alltägliche Bauaufgabe. Dem historischen Bild entsprechend, kommen bald wieder Biberschwanzziegel auf das Dach und als oberer Abschluss wird das eiserne Geländer wieder aufgebaut.

    Historische Ansicht


    Neue Dachgaube


    Link zum Artikel:

    https://www.vorschau-rueckblic…itzburger-hellhaus-getan/

    Im Bereich des laufenden Ausbaus im EG und KG des Nordostflügels für Gastronomiezwecke scheint das Gewerk *Maurerarbeiten/Putzarbeiten* zum Abschluss gekommen zu sein. Das Projekt erscheint jetzt auf der Referenzliste der damit beauftragten Spezialfirma (Brumm Bau GmbH Meißen), dort dokumentiert mit einigen interessanten Fotos.


    Das erste Foto zeigt den – offenbar recht aktuellen - Zustand des Hauptgastraumes. Der Fotograf stand mit dem Rücken zu der kleinen Treppe (4 Stufen), die in einen weiteren Gastraum führt (in die Vinothek), Blickrichtung bei der Fotoaufnahme nach Westen. Die bräunliche Interimstür , schräg links hinter der Säule, wird einmal der Haupteingang.

    Foto 1


    Das 2. Foto entstand im gleichen Raum einige Schritte weiter vorn (Laufrichtung nach Westen). Die Fenster in beiden Fotos liegen rechts (dies die Fenster zur Straßenseite, das sind die mit den schönen historischen Vergitterungen).

    Foto 2


    Das nächste Foto (Nr. 3) zeigt ein historisches Portal. Das werden wir Normalsterblichen aber wohl leider nie zu Gesicht bekommen, es liegt nämlich im Keller, Bereich Abstellraum. Nur zur Erinnerung: Die hier überkommenen Mauern (bis inkl. 1. OG) gehören zum sogenannten „Alten Haus“ und werden in die Zeit um 1400 datiert.

    Foto 3


    Zum Auftrag gehörten auch Arbeiten am nordöstlichen Treppenturm, das belegt Foto Nr. 4:

    Foto 4


    Der betreffende, neu aufgemauerte Bereich mit dem Rundfenster grenzt direkt an die nördliche Hoffassade (EG-Zone). Zum Vergleich hier der Zustand im Sommer 2011:


    Foto 5


    Foto 6


    Die wertvolle historische Bauplastik des nordöstlichen Treppenturmes wurde bereits 2008/2009 restauriert. Das folgende Foto zeigt den Zustand eines Pilasters im Jahr 1987 (man vergleiche mit Foto 6)

    Foto 7

    Die hellgrün eingekreisten Zonen in Foto 6 markieren ergänzte Fehlstellen.


    Das letzte Foto zeigt den so genannten Vorraum (Zutritt von der Schloßstraße aus). Die hier aufgebauten Lehrgerüste dienen höchstwahrscheinlich zur Montage der rekonstruierten Gewölbrippen:

    Foto 8

    Zum Vergleich Visualisierung des Raumes vom Büro Kulka:

    Foto 9

    Quote from Seebastian

    Ich bin mir gar nicht sicher da ich da gar nicht so oft lang gehe. Hängen die Gitter unter dem Übergang zur Hofkirche schon lang.


    Das Thema hatten wir schon kurz behandelt, aber nun kann ich es – dank eines Videofunds – ganz genau terminisieren. Das (Wieder)-Einsetzen der Gitter erfolgte am 28. August 2020. Der zugehörige Auftrag umfasste folgende Leistungen:

    - 2 St. Neukonstruktionen von schmiedeeisernen Fenstergittern nach historischem Vorbild

    - 13 St. Instandsetzung historischer schmiedeeiserner Fenstergitter

    Lage der Fenster: Nordostfassade Straßen- und Hofseite, EG und Keller


    Link zum Kurzvideo (ca. 1 min): Klick


    Das große bogenförmige Gitter, im Video bei 0:17 bis 0:29 gezeigt, gehört zum Fenster der Vinothek. Dieser Raum wird im Kulka-Grundriss als Gastraum 1 bezeichnet.


    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Grundriss Gastronomiebereich


    Hier sieht man die entstehende Vinothek von innen (mit Blick in Richtung Fenster), Zustand Anfang Dezember 2020:

    Klick


    Zum oben genannten Auftrag gehören auch 2 Neukonstruktionen von Vergitterungen, beide befinden sich auf der Hofseite:




    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen (grüne Eintragungen von mir)




    Anfang Dezember hatte Chris1988 einen Artikel der Zeitung tag24 verlinkt, der die laufenden Bauarbeiten im Gastronomiebereich behandelte. Ein dort integriertes Foto

    Klick

    war wie folgt untertitelt.

    Der Hauptraum. An der Decke die große Lampe von Architekt Peter Kulka (83)


    Diese Leuchte wurde offenbar als Musterexemplar vorab hergestellt, so jedenfalls interpretiere ich gewisse Formulierungen im Vergabetext. Der Gesamtauftrag für die betreffenden Leuchten wurde erst vor kurzem vergeben:

    Gesamtwert der Beschaffung (ohne MwSt.) 70 355,00 EUR

    Quote from Kaiserpalast

    "In den Bau integriert waren Teile des ehemaligen Palais Brühl, das für die Errichtung des Sächsischen Ständehauses auf der Brühlschen Terrasse im Jahr 1900 abgerissen worden war. Hierzu zählte auch der Brühlsche Saal mit seinem Rokoko-Deckengemälde."


    War das wie im Schloss auch auf Leinwand oder wie wurde das Deckengemälde da rüber transportier?

    Quote from wikipedia

    Das 1742 von Louis de Silvestre für den Premierminister Graf Heinrich von Brühl geschaffene Deckengemälde im Festsaal des Brühlschen Palais in Dresden besteht nicht mehr, da es im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Das Gemälde in Öl auf Gipsgrund stellte den Sieg des Bellerophon über die Chimäre dar.

    […]

    Als im Jahre 1899 das Palais abgebrochen wurde, konnte das Deckenbild dadurch gerettet werden, dass man einzelne Teile sorgfältig abnahm. Es wurde zusammen mit den übrigen Dekorationen in die Aula der 1901/1909 erbauten Kunstgewerbeschule in der Güntzstraße übertragen. Die Details der Rettung des Deckenbildes schildert Paul Schumann im „Dresdner Anzeiger“ vom 24. September 1900. Ursprünglich hatte sich das Sächsische Finanzministerium gegen eine Bergung ausgesprochen, da die mit 45.000 Mark berechneten Kosten als zu hoch erschienen. Hofrat Professor Ermenegildo Antonio Donadini (1847–1936) schlug dann eine andere Methode der Bergung vor, die nur 5000 bis 7000 Mark kosten sollte. So konnte „buchstäblich in letzter Minute“, als bereits mit dem Abbruch begonnen wurde, das Bild abgenommen werden. Das „17,77 m lange und 12,92 breite Deckengemälde wurde auf der Bildseite mit Leinwand verklebt und – ohne die Figurengruppen zu berühren – in 51 große Blöcke zersägt, von denen jeder 18 - 24 Zentner wog“. Professor Donadini vollzog dann auch die Wiederherstellung des Deckengemäldes in der Kunstgewerbeschule.

    Dieser Herr Donadini wirkte viele Jahre als Professur für figürliche Malerei und Leiter des Ateliers für Theaterdekoration an der Dresdner Akademie für Kunstgewerbe mit Sitz am Antonsplatz. Er schuf zahlreiche monumentale Wand- und Deckengemälde mit mythologischen und historischen Themen, von denen die meisten im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Am bekanntesten dürfte den heutigen Zeitgenossen die Ende des 19. Jahrhunderts geschaffene Neuausstattung des so genannten Wettinzimmers im Westflügel des Residenzschlosses sein (heute südliche der beiden Retiraden).

    Wettinzimmer


    Als Kunstmaler ist Donadini heutzutage kaum noch bekannt, zumal der größte Teil seiner Werke beim Bombenangriff 1945 zerstört wurde. Der Mann hatte aber noch eine weitere Leidenschaft: die Fotografie. Und so verdankten wir ihm viele fotografische Zeugnisse des alten Dresdens. Donadini hatte sehr gute Beziehungen zum sächsischen Königspaar (König Albert und Gemahlin Karola), er war auch Zeichenlehrer der Königin. Das war wohl der Grund, dass er Zutritt zu den königlichen Privatgemächern im Georgenbau besaß und hier Fotos aufnehmen durfte.

    Die Real Fábrica de Tapices informierte gestern über die Fertigstellung der 7. Säule für das 1. Vorzimmer der Paradesuite. Nur zur Erinnerung: Es sind insgesamt zwölf Säulen, je vier auf der Süd-, Ost- und Nordwand.

    Zugehöriges Kurzvideo


    Visualisierung:

    Quelle: SIB, Ausschreibungsunterlagen


    Die Wortwahl * ein Jahr Strickarbeit zwischen 5 Personen* ist natürlich verbesserungswürdig. Kann jemand eine möglichst exakte Sinnwiedergabe liefern?

    Quote from Centralbahnhof

    Wenn ich am Dom vorbeikomme und die erneuerten Teile sehe, kommt mir immer in den Sinn, dass diese ständige Reparatur auch ihr Gutes hat: Selbst wenn die letzten freiberuflichen Steinmetze aussterben sollten, weil nach Berliner Schloss und Garnisonkirche keine weiteren Aufträge der Art mehr kommen, dann gibt es wenigstens in Köln noch die Dombauhütte, wo weiter das traditionelle Steinmetzhandwerk betrieben wird, sodass es nicht völlig verloren geh

    Hatten wir die nachfolgende Meldung schon?

    Quote

    Der UNESCO-Ausschuss zum immateriellen Kulturerbe entschied in seiner Sitzung am 17. Dezember 2020, das Bauhüttenwesen in das Internationale Register Guter- Praxis-Beispiele aufzunehmen. Somit zählt das Bauhüttenwesen der Dresdner Zwingerbauhütte ab sofort zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Gemeinsam mit 18 Bauhütten aus 5 europäischen Ländern hatte sich die Zwingerbauhütte um die Eintragung beworben.

    Quelle: https://www.sib.sachsen.de/

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    Die Bewerbung wurde gemeinsam eingereicht von der Dombauhütte Aachen, Staatlichen Dombauhütte Bamberg, Stiftung Basler Münsterbauhütte, Zwingerbauhütte Dresden (der einzigen säkularen Bauhütte des Verbundes), Münsterbauhütte Freiburg, Dombauhütte Köln, Dombauhütte Mariendom Linz, Kirchenbauhütte Lübeck, Dombauhütte Mainz, Staatlichen Dombauhütte Passau, Staatlichen Dombauhütte Regensburg, Münsterbauhütte Schwäbisch Gmünd, Dombauhütte St. Maria zur Wiese Soest, Fondation de l’OEuvre Notre-Dame de Strasbourg, Nidaros Domkirkes Restaureringsarbeider (Trondheim), Münsterbauhütte Ulm, Dombauhütte zu St. Stephan Wien sowie der Dombauhütte Xanten.

    Quelle: https://www.muensterbauverein-…immaterielles-kulturerbe/