Posts by camillositte

Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.

    Dem stimme ich zu. Das Forum darf nicht nur als in sich geschlossener Raum für internen Austausch betrachtet werden, sondern sollte zunehmend auch als Vorzimmer und Beratungssaal für die argumentative Vorbereitung öffentlicher Überzeugungsarbeit genutzt werden.

    Ja genau. Die DDR hat sowohl die neoklassizistische Karl-Marx-Allee als auch die Platte gebaut; die Neue Sachlichkeit ist Folge früherer Entwicklungen und die Weimarer Republik war keine "sozialdemokratische Herrschaft"; die autogerechte Stadtplanung sowie der Baustil der frühen Bundesrepublik wurden von Menschen konzipiert, die sowohl aus der Bauhaus-Schule vor dem Krieg als auch aus den Albert-Speer-Büros des NS-Regimes kamen.

    Diese Diskussion stiftet Verwirrung, weil sie zwei ganz unterschiedliche Themen vermischt:

    - einerseits das Kaiserreich, das man sehr wohl als der Anfang nicht von Deutschland, wie viele heute noch in völliger Unkenntnis der Gesamtheit deutscher Geschichte meinen, sondern vom Ende Deutschlands, insofern mit Bismarck ein pyramidales, auf Gewaltkonzentration, Militär und Monopole gebautes System geschaffen wurde, das nicht in deutscher Tradition stand, sondern in rein preußischer, was verheerende Folgen haben sollte.

    - andererseits die Architektur und Stadtplanung, die man der "Gründerzeit" zurechnet und heute, angesichts der Zerstörungen im Krieg und nach dem Krieg, vielen als musterhaft erscheinen. Dabei sollte man beachten, dass die Gründerzeit nicht unbedingt mit Kaiserreich gleichzusetzen ist. Sie hat nämlich viel früher als 1871 begonnen, im vergessenen und verleumdeten Deutschen Bund, in dem die Deutschen nicht nur in Frieden und zunehmender Freiheit und Rechtssicherheit, sondern auch im fortschreitenden Wohlstand lebten. Für den Historiker Christian Jansen ("Gründerzeit und Nationsbildung 1849-1871, Paderborn 2011) deckt die Gründerzeit sogar nur die Zeit von 1850 bis 1870, das Kaiserreich gehört also nicht dazu. Er hält diese zwanzig Jahre für den Höhepunkt der deutschen bürgerlichen Gesellschaft, da sie für ihn noch eine offene Gesellschaft ist (auch offen für die soziale Frage), während sie sich mit Bismarck in eine Klassenideologie und ein Kastensystem einpferchen lässt.

    Was wir heute Gründerzeit in Bereich Städtebau nennen betrifft eher die Zeit um 1900. Diese Stadtplanung und Architektur hatte im damaligen Europa fast überall ihre Qualitäten, in Deutschland besonders durch die großzügige Raumverteilung und die Vielseitigkeit und Qualität der Fassaden. Ob das dem politischen System zuzurechnen ist, stimmt generell nicht, außer bei "politischen" Bauten, so beim Pompös-Kolossalen am Reichstag, von Wilhelm II. nicht als Lob des Parlaments gedacht, sondern im Gegenteil als Wille zur Unterwerfung der Volksvertreter unter dem Mythos Kaiserreich mit all seinen geschichtsverzerrenden und kitschigen Machtattributen.

    Architektur ist in erster Linie dem Architekten, ggf. dem Bauherrn, anzurechnen, nicht dem politischen System, in dem beide leben. Das sollte uns helfen, die Debatte wieder auf den Kernauftrag dieses Forums zu lenken, nämlich gute Architektur und Stadtplanung zu fördern, wo immer wir können.

    Dem stimme ich zu. Man hat den Eindruck, die "neue" Fassade ist das Ergebnis einer richtigen bauhistorischen Recherche . Durch die neue Anordnung nähert sich das Haus sogar dem Fassadenbild eines schlichten italienischen Palazzo. Eine eindeutige Besserung im Vergleich zum vorigen Zustand.

    Die am meisten mit Videokameras überwachten Städte sind auch die gefährlichsten - und sind es auch geblieben, seitdem es Kameras gibt. Die Spirale der Überwachung provoziert nur eine weitere Spirale der Gewalt, die sich dann nur irgendwo anders abspielt, bis der ganze öffentliche Raum "Big Brother" anvertraut wird. Wollen wir das? Ich kenne und liebe Deutschland als Land der Freiheit mit strengem, auf guten Argumenten gestütztem Datenschutz. Und zwar: "Jeder, der nicht sicher sein kann, dass sein Verhalten nicht überwacht und aufgenommen wird, handelt nicht mehr frei und das hat verheerende Folgen für die Demokratie" (Jörg Klingbeil, Datenschutzbeauftragter Baden-Württemberg). Eine Kamera hier ruft nach einer Kamera dort. Am Ende kommt der totale Staat.

    Man kann sich nur freuen, dass die UNESCO konsequent bleibt: ein solches Juwel wie die Wies ist nur mit und aufgrund ihrer Umgebung zu würdigen. Ihre Einzigartigkeit verdankt sie nicht nur ihrer Architektur, sondern auch einem noch weitgehend intakten, naturnahen, offenen, nicht bebauten Umfeld, das die berühmten Baumeister und Künstler der Wallfahrtskirche sehr bewußt in ihre Arbeit einbezogen haben. Windräder in ihrer leider noch üblichen Monstrosität haben hier nichts zu suchen. Hoffentlich obsiegt der gute bayerische Geist und Geschmack über die Interessen von Investoren und die Blindheit der Parteien, die glauben, umweltgerecht zu wirken, wenn sie überall die metallenen Hochmasten zulassen. Dabei kann es kein Umweltschutz ohne Landschaftsschutz geben. Diese heute noch verdrängte Grundwahrheit wird wieder an die Oberfläche gelangen, wenn Deutschland das Ausmaß der Verschandelung wahrnimmt.

    Links die Klosterkirche Sankt Antonius von Padua, um 1630/35 erbaut. rechts die Lourdeskapelle, eine Stiftung des Grafen Raczynski von 1883.

    Die Madonna der Bregenzer Lourdes-Kapelle ist übrigens die originale, die nach den Erscheinungen in der Grotte 1858 aufgestellt worden war. Jahre später, als die Wallfahrt anfing zu boomen, wurde sie zu klein, ging nach Rom und wurde dann von Papst Leo XIII. den Bregenzer Kapellenstiftern geschenkt.

    Ja, schön, aber wenn man sich den Artikel der Volksstimme genauer anschaut, wird die erfreuliche Sanierung der Straßenfassade durch eine absolut nicht denkmalgerechte, geschweige denn ästhetische "Modernisierung" der Rückseite mit den obligatorischen Betonbalkonen erheblich beeinträchtigt. Wird wirklich dieses Projekt gebaut?

    Tut mir leid, Löbenichter, aber die (allzu lange preußisch-verzerrende) Geschichtsschreibung hat sich Gott sei Dank weiterentwickelt. Die Verspottung der kleinen Staaten, ohne die es heute kein Deutschland gäbe, ist vorbei: heute weiß man sie zu würdigen als Quelle einer europaweit einzigartigen Kulturlandschaft, zu der auch eine große Anzahl an Wirtschaftszentren zählt, im Unterschied zu den meisten Nationalstaaten und zu den urpreußischen Gebieten. Zollschranken gab es im Alten Reich nicht, erst im Deutschen Bund, wo sie schon bald, lange vor das Bismarcksche Reich, durch verschiedenen Zollunionen aufgehoben wurden. Was generell Bismarck und seine "Folgen" angeht, verweise ich auf "Die deutsche Katastrophe", das große Werk von Friedrich Meinecke, das zwischen 1946 und 1965 mit sieben deutschen und zahllosen fremdsprachigen Auflagen ausgezeichnet wurde.

    „Wer seine Ansicht mit anderen Waffen als denen des Geistes verteidigt,

    von dem muss ich voraussetzen,

    dass ihm die Waffen des Geistes ausgegangen sind.“


    Otto von Bismarck

    Man sollte im Forum auf diese Art von Zitaten aus unseligen preußischen Munden, wie auch von Friedrich II., verzichten, wenn man einmal begriffen hat, welchen Schaden diese Männer Deutschland und Europa zugefügt haben. Daß Bismarck, der drei verheerende Kriege verursacht hat, von "Waffen des Geistes" spricht, kann nur auf das Konto seines Zynismus angerechnet werden. Aus rein preußisch-hegemonialen Gründen haben Friedrich II. und Bismarck Tausende in den Tod geschickt, Deutschland zutiefst entfremdet und damit das Land auf die Bahnen geführt, die in die NS-Katastrophe und, um zum Forum zurück zu kehren, in die Zerstörung unzähliger, so wunderbar gebauten deutschen Städte führen sollte.

    Nein, die romanischen Kirchen Kölns haben im Gegenteil weit über Köln hinaus eine große Bedeutung, nicht nur architektonisch. Ihr jahrzehntelanger Wiederaufbau hat nicht nur das Kölner Bild entscheidend verbessert und die erdrückende Geschichtsvergessenheit dieser Stadt gemildert, sondern aus meiner Sicht eine neue Ära in Deutschland eingeleitet, nämlich das Ende des rein standardisierten, anti-historischen Wiederaufbaus der 1960er und 1970er Jahre und der Beginn einer Wiederentdeckung des Bauerbes. Die Stiftung Denkmalschutz ist damals auf dieser "Welle" entstanden und dieses Forum ist auch ein fernes Kind dieser mutigen Bewegung, deren Ziel es ist, die Städte in Deutschland wieder schön und geschichtsbewusst zu machen. Seit einigen Jahren besuche ich das Forum tagtäglich ohne aktiv mitzumachen. Heute tue ich das und grüße Euch dabei herzlich, um die Bedeutung des Wiederaufbaus der romanischen Kirchen Kölns zu unterstreichen.