Posts by Saxonia

    An der Ostseite stehen doch schon immer Bäume?!

    Na die par kleinen Hutscheln da sind für mich keine Bäume.

    Die alte Platzkante, bzw, Bebauungslinie wurde durch die 5 Wasserbecken (von denen nur noch 3 einigermaßen funktionieren) markiert. Man kann sich dadurch in etwa vorstellen, wie relativ "klein" der eigentliche Altmarkt einmal war.

    Ja ich weiß, ist aber auch nicht so der Knaller, in meinen Augen.

    Kommt denn niemand auf die Idee, diesen schrecklichen Galgen zu entfernen? Ich verstehs nicht. Regt mich jedes mal aufs neue auf, dieses Teil.
    Zu den Bäumen, soweit mir bekannt, sollten bei der großen Umgestaltung vor knapp 10 Jahren ja an der Ostseite Bäume gepflanzt werden. Was seinerzeit offenkundig unterblieben ist. Erscheint mir aber sinnvoller, statt dies nun an der dank des durchgehenden Arkadenganges eh schon sonnengeschützten Westseite vorzunehmen. Zumal man an der Ostseite mit den Bäumen bspw. die alte Platzkante nachzeichnen könnte.

    Also ohne jetzt jeden Neubau in Erfurt schön zu reden, so stimmt das nicht. Es sind etliche Neubauten mit Satteldach entstanden, auch in den letzten Jahren. Die sehen deshalb nicht immer schön aus, aber dass in der Altstadt nur Neubauten mit Flachdach gebaut werden, stimmt nicht. Davon kann man sich am Wenigemarkt, hinter der Krämebrücke oder im ganzen Andreasviertel überzeugen.

    Tres iuctus causae sunt hoc sub marmore clausae: rex, decus ecclesiae, summus honor patriae


    frei übersetzt:
    Drei Gründe der Trauer sind von diesem Marmor verschlossen: Der König, die Zierde der Kirche, der höchste Ruhm des Vaterlandes.

    Interessantes Propagandafilmchen zum Bau der Schmidtstedter Brücke in den 70er Jahren. Damit einher ging der Ausbau des Schmidtstedter Tores zur riesigen Verkehrskreuzung. Verbunden war das natürlich mir einigen Abrissen. Sichtbar insbesondere an der nicht mehr vorhandenen gründerzeitlichen Eckbebauung Stauffenbergallee/Thälmannstraße


    Der fehlende Turm ist tatsächlich das geringste Problem. Der gegen Artikelende erwähnte "Südverbinder", diese gebaute Zumutung, ist es schon eher. Nach wie vor unfassbar...

    Also wenn ich zum Maßstab nehme, wie man in Berlin (West) mit anderen Kunstwerken aus der Kaiserzeit umgegangen ist, habe ich wenig Hoffnung, davon noch etwas halbwegs heil vorzufinden.


    Hier mal als Beispiel die etwa zeitgleiche Zerstörung des Kaiserdenkmals auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau für den Bau der Stadtautobahn Bundesallee. http://www.friedenau-aktuell.d…/friedrich-wilhelm-platz/


    http://www.friedenau-aktuell.d…13190230.jpg?t=1542774480
    http://www.friedenau-aktuell.d…13190232.jpg?t=1542774480
    http://www.friedenau-aktuell.d…13190236.jpg?t=1542774480
    http://www.friedenau-aktuell.d…13190235.jpg?t=1542774480

    Auf den meisten von mir auffindbaren Ansichten des alten Sitzungssaals befindet sich dort über dem Sitz des Präsidenten, wo im heutigen Plenarsaal der Bundesadler wäre, diese helle Leerfläche. Es gibt aber auch Ansichten, auf denen eine große Wandmalerei zu sehen ist. Weiß jemand was dort genau zu sehen war und warum es entfernt worden ist?

    Zahlreiche Ausstattungsdetails wurden erst nach der offiziellen Einweihung angegangen. Wallot hatte noch 1895 mit Anton von Werner über eine Ausmalung verhandelt. Die kleineren Gemälde sollten dabei Grund- und Schlusssteinlegung des Gebäudes, das mittlere Hauptgemälde eine Version von Werners bekannter Kaiserproklamation zeigen. Die Bismarck nicht ganz wohlgesonnene Stimmung im Reichstag jener Zeit, hat dies aber verhindert und die Pläne wurden nicht weiter verfolgt.
    Erst 1907 wurde ein neuer Wettbewerb zur Ausmalung des Plenarsaales ausgeschrieben, den der Münchner Professor Angelo Jank für sich entschied.
    Janks "Reichstags-Triptychon" zeigte in der Mitte eine Szene des Deutsch-Französischen Krieges. Kaiser Wilhelm reitet, umringt vom Kronprinz Friedrich-Wilhelm, Bismarck, Moltke und Roon nach der Schlacht von Sedan am 2. September über das Schlachtfeld. Die linke Szene stellte Karl den Großen beim Empfang von arabischen Abgesandten des Kalifen Harun ar-Raschid dar, die den Kaiser um Unterstützung im Kampf gegen die Kalifen von Cordoba ersuchen. Das rechte Gemälde zeigt die Unterwerfung der lombardischen Städte und Mailand durch Friedrich I. Barbarossa 1158.


    Hier einige Studien des Malers:
    https://digi.ub.uni-heidelberg…ge/dkd1911_1912/1/042.jpg
    https://digi.ub.uni-heidelberg…ge/dkd1911_1912/1/041.jpg
    https://digi.ub.uni-heidelberg…ge/dkd1911_1912/1/040.jpg
    https://digi.ub.uni-heidelberg…ge/dkd1911_1912/1/039.jpg
    https://digi.ub.uni-heidelberg…ge/dkd1911_1912/1/043.jpg



    Die Gemälde waren sofort umstritten. Schon an der Motivauswahl störten sich die Kritiker. Stresemann, damals weitgehend unbekannt, monierte bspw. die Wahl einer kriegerischen statt einer parlamentarischen Szene. Bemängelt wurde zudem die moderne, der Sezession verhaftete Malweise von Jank. Darüberhinaus stoß man sich an historischen Ungenauigkeiten wie dem dicken Wintermantel Wilhelms, obwohl die Schlacht an einem warmen Spätsommertag geschlagen wurde. Auch die unübersehbar im Dreck liegende französische Flagge erregte Anstoß (auch international).


    Im Herbst 1908 wurden die Gemälde im Plenarsaal aufgehangen:



    https://i.ebayimg.com/images/g/60oAAOSwDJZb2rkQ/s-l1600.jpg (groß) (Die Szene mit Karl dem Großen ist hier falsch beschrieben)



    Zu sehen waren sie dort aber nur wenige Wochen. Schon Anfang 1909 wurden sie nach einer Entscheidung der Ausschmückungskommission aus dem Plenarsaal entfernt und im Sitzungssaal des Haushaltsausschusses aufgehangen, dem zweitgrößten Saal nach dem Hauptplenarsaal. Gelegen im 1. OG über dem Osteingang. Dort hingen die Gemälde mindestens bis 1933. Pikanterweise wurde dort im August 1914 auch über die Kriegskredite abgestimmt, was ein elsässischer Abgeordneter mit Verweis auf die Gemälde kritisch anmerkte.


    Den Reichstagsbrand hatte der Saal unbeschädigt überstanden. Der Prozess machte einige Ortstermine im Gebäude und traf sich dort. Auf Fotos, die häufig fälschlicherweise mit dem Leipziger Reichsgericht als Aufnahmeort betitelt sind, sind die Gemälde im Hintergrund zu sehen. Das weitere Schicksal ist wohl unbekannt.


    https://media-cdn.sueddeutsche…240/1200x675?v=1522292162
    https://media04.berliner-woche…/175793_XL.jpg?1554761647


    Danach blieben die Plätze für die Gemälde im Plenarsaal leer. In Weimarer Zeit sind sie immer mal wieder für Inszenierungen genutzt worden. Reichskunstwart Edwin Redslob nutzte den Platz bspw. für verschiedene Reichsadlerdarstellungen wie hier bei einer Kundgebung im Reichstag zum „Pfalz- und Rheintag“ 1924. Adler-Entwurf von Ernst-Böhm.


    https://3.bp.blogspot.com/-4Vp…eichsadler%2B1924%2B2.jpg


    Dieser Adler hing wohl, mindestens zu feierlichen Anlässen wie dem Verfassungstag, bis 1929 im Reichstag.

    Der Reichstag wurde beim Umbau in den 1990ern nahezu vollständig entkernt, es standen nur noch die Außenmauern. Historische Bausubstanz im Innern gibt es an einigen Stellen, an denen oben abgebildete Graffiti von sowjetischen Soldaten konserviert wurden. Ansonsten ist nahezu alles modern, entsprechend dem Plenarsaal, gestaltet.

    Den Verlust der opulenten Innenarchitektur haben wir aber im Wesentlichen den Entkernungen der 50er Jahre und dem verheerendem Umbau unter Paul Baumgarten in den 60er Jahren zu verdanken. Foster hat versucht zu retten, was noch zu retten war.

    Die Treppe hinaufsteigend sehen wir hier die Flaggen von Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die sächsische Flagge müsste ausgetauscht werden. Das haben andere vor mir auch schon gesagt, aber man kann es gar nicht oft genug sagen: Die sächsischen Farben sind Weiß und Grün. Hängeflaggen und Knatterflaggen sieht man in der Praxis oft falsch herum, aber in der Paulskirche sind bei den anderen Flaggen die Farben ja richtig angeordnet. Das folgende Bild zeigt, wie es sein muss:

    Aber da sieht man doch schön, wie stiefmütterlich die Paulskirche behandelt wird. Dass die sächsische Flagge falsch herum hängt, stand schon vor 15 Jahren in der FAZ. Interessiert dort bis heute keinen. Kann ich nicht nachvollziehen. Da müsste man als Hausherr doch vor Scham in Grund und Boden versinken.

    Naja, wenn man all die Gebäude und Denkmäler zusammennimmt, die angeblich aus Resten der Reichskanzlei erbaut wurden, könnte man selbige wahrscheinlich dreimal wieder zusammensetzen.
    Roter Granit ist in der Reichskanzlei jedenfalls gar nicht verbaut gewesen, sondern Saalburger Marmor. Der rote Granit für die Fahnenmonumente in Treptow stammt wohl aus Schweden und ist einem Lager in Fürstenberg an der Oder entnommen worden.

    Also ich hätte jetzt mit der üblichen Argumentation gerechnet, dass Wappen eben Hoheitszeichen sind und nicht auf allen möglichen nichtamtlichen Dokumenten wie Werbe- und PR-Artikel der Stadt verwendet werden sollen. Aber der Herr Tippmann von den Linken hat mit seinem Geschwafel vom "reaktionären Herrschaftszeichen" wirklich den Vogel abgeschossen. Da weiß man, welch Geistes Kind der Mann ist. Seine Uhr ist vor 30 Jahren stehen geblieben.

    Ein Händchen für Stadtmöblierung und Stadtraumgestaltung hat man in Erfurt leider nicht. Der Fischmarkt mit seinem Chinapflaster und den neumodischen Laternen, der geflickschusterte Domplatz, die Laternen an der Andreasstraße. Die Liste ließe sich fortsetzen.