Posts by Jakob

    Zitat: "Als 1683 Wien durch die Türken belagert wurde, flüchtete Leopold I. nach Passau. Vor dem Gnadenbild betete das Kaiserpaar täglich um Rettung aus der Türkengefahr. Als dann die christliche Allianz die Entsatzschlacht am Kahlenberg unter dem Kampfmotto „Maria hilf!“ gewann, wurde das Passauer Mariahilf-Gnadenbild zum Staatsgnadenbild der Habsburgermonarchie."

    Bei der "Kiessand-Fläche" je nach Witterung Staub, Dreck, flirrende Hitze - und nicht zuletzt aus den Kammern eine unerfreuliche Ansicht. Die "Wilhelminische Geschmacksverirrung" wird es womöglich gar nicht so schlecht getroffen haben.

    Die Villa drängt sich sehr ins Bild, ich war selber im Sommer da. Es hat aus der Ferne ein wenig die Anmutung eines Sanatoriums.Man fragt sich allerdings, was steinreiche Deutsche bzw. deren Architekten erst für Betonschachteln hingeklotzt hätten.

    Gut, dann konkreter:

    Wir haben in Dresden einen großen (riesigen) Platz mitten in einer Großstadt. Auf dem Platz steht ein Bauwerk von europäischem Rang (vielleicht von Weltrang, aber gut). Am Platz ein Museum von jedenfalls überregionaler Bedeutung in einem eindrucksvollen historischen Gebäude. Drumherum stolze Bürgerhäuser in fast geschlossenem Ensemble, meist fünf Geschosse plus zwei Dachgeschosse. Reiches gastronomisches Angebot, Einzelhandel. Wohnungen: Zum Platz hin vermutlich wenige, in nächster Umgebung nach meinem Eindruck für eine deutsche Innenstadt aber erstaunlich viele.

    Deutscher Standard auch bei den schöneren Plätzen: Ein, zwei Seiten mediokre 50er/60er-Jahre-Architektur. Wenn man denn nicht schlimmere Bauten am Platz oder anderweitig im Blick hat. Da fehlt die Gastronomie, dort fehlt der Einzelhandel. Wenige oder keine Wohnungen. Oft kein Leben jenseits des Tourismus.

    Natürlich wenige Bauten von europäischem Rang, geschweige denn von Weltrang. Ein Museum im Rang des Johanneums auch nicht gerade an jeder Ecke.

    Was soll da mithalten? Das Freiburger Münster ist zum Teil von Gebäuden in eher kleinstädtischem Zuschnitt umringt, das meiste achtbar, aber nicht unbedingt perfekt wiederaufgebaut. Der Odeonsplatz ist mehr Kulisse (bzw. fast Sackgasse) am Ende einer eigenartigen Prachtstraße, eines der architektonischen Experimente von Ludwig I. Auch kein funktionierender Stadtraum der Max-Joseph-Platz, Tiefgaragenzufahrt hin oder her. Auf dem Potsdamer Alten Markt steht das Schloss wie ein riesiges rosa Schweindl quer im Stall. Überhaupt nichts gegen das Schloss - aber m.E. wenig günstig für die Wirkung des Platzes. Bei den Beispielen von East_Clintwood komme ich zumindest beim Fuggerplatz in Augsburg und beim Hauptmarkt in Trier ins Grübeln. Und in Trier hat man auch ein Bauwerk von europäischem Rang quasi in der "Platzverlängerung".

    Trotzdem: Wo würde man den gebildeten Touristen hinschicken, der zwei Tage in Deutschland ist?

    Bei Beispiel zwei (wilden) Wein an die Parkplatz-Giebelseite, dann abgehakt. Beim ersten Beispiel weiß man gar nicht, was man sagen soll. Man versteht ja irgendwie auch die Bauherren, die Licht und nutzbare Fläche wollen. Aber dann hat das Haus eben nicht zu ihnen gepasst und sie hätten sich ein anderes "Opfer" suchen sollen.

    (...)

    Ich möchte noch eine andere Frage aufwerfen: ist es nicht eigenartig und erstaunlich, dass Wien, immerhin die Hauptstadt der Heiligen Römischen Reiches und letztendlich zusammen mit Prag die wichtigste Barockstadt in Mitteleuropa, im 17. Jh keine Kirche im italienischen Hochbarock hervorgebracht hat, die mit dem Salzburger Dom, der Münchner Theatinerkirche und dem Passauer Dom vergleichbar wäre?

    (...)

    Natürlich gab es die Türkengefahr, aber die zweite Türkenbelagerung war erst 1683, da hätte man in den Jahrzehnten zuvor durchaus noch so einiges bauen können. Das ganze erscheint auch umso erstaunlicher, als dass schon im 16. Jh kirchenbaulich in Wien wenig passiert war.

    Die Türkengefahr und die räumliche Beschränkung innerhalb der Wiener Stadtbefestigung wird schon der wesentliche Grund sein. Und vor den Mauern lag das Glacis, das freie Schussfeld, das sogar (der technischen Entwicklung der Waffen folgend) nach und nach erweitert wurde.

    Mit dem 18. Jahrhundert kommt dann die große Wende, das Glacis und das nähere Umfeld werden in einem wahren Bauboom besiedelt. Spontan fallen mir etwa das Schwarzenbergpalais, das Untere Belvedere, das Salesianerinnenkloster, die Karlskirche, St. Rochus oder auch die Entwicklung der Josefstadt ein.

    Wobei - was stand eigentlich auf dem Gelände von St. Kajetan, in München ja auch innerhalb der Stadtmauer gelegen?

    Der erste Stock in so einem Gebäude gestaltet als Kellerraum!? Darauf muß man auch erstmal kommen.

    Diese zwölf ovalen "Behältnisse" an der Wand - nimmt das auf Neuber-Dosen Bezug? Sonst auf den ersten Blick nur ein unruhig wirkendes Sammelsurium.

    Johann christian neuber
    Entdecke die Sammlung Johann christian neuber von gastrolith
    www.pinterest.de

    (...)

    Der Anklang an die 50er könnte irgendwann sogar zu mehr (und leider falschem) Authentizitätsgefühl führen, weil man denkt, dort sei eine Bombe runtergegangen und woanders am Neumarkt halt nicht. :biggrin:

    Genau das habe ich auch gedacht.

    Die "Festons" sind kurios geraten, eher schon Volants. Aber das amüsiert mich ein wenig, weil es quasi ein heiteres Scheitern ist.