Posts by Johann Wolfgang v. Goethe

    Ich empfinde dieses Projekt bei visueller Betrachtung der Pläne als außerordentlich erquickend. Es ist mit Abstand eines der schönsten Bauprojekte, welche die Hauptstadt derzeit aufzuweisen hat. Und nachdem wir wissen wie in den vergangenen Jahrzehnten Schindluder getrieben wurde, aufgrund einer politisch intonierten Ideologie, sollten wir froh sein, wenn sich diese allmählich auflockert und die Architektur freier und mutiger wird. Ich freue mich für Berlin, dass Marc Kocher sein Gebäudeensemble verwirklichen darf. Normalerweise hätten wir nämlich eigentlich 5 Betonklötze hingestellt bekommen. Deswegen möchte ermuntern zur Dankbarkeit und zu ein wenig Bescheidenheit.


    Lg
    JWv.G

    Rob, du sollst nicht pessimistisch sein. Es gibt nämlich keinen Grund dazu. Gerade Heute, auch durch Dank der Patzschkes wird seit Jahrzehnten wieder klassisch gebaut. So viele klassische Gebäude wie sie Heute gebaut werden wurden seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut. Belrin wird nicht häßlicher sondern seit Ende des Krieges erstmals immer schöner. Und wenn du auch von Rekonstruktionen wüsstest, vom Projekt am Friedrichswerder, vom Spittelmarkt, vom klassischen Palais am Friedrichswerder, vom zukünftigem jugendstilhaftem Einkaufscenter am Alex, vom mit Ornamenten behafteten zukünftigem Einkaufscenter in Steglitz oder der Botschaft der vereinigten arabischen Emirate und bestimmt noch von manch anderen Planungen, so würdest du optimistisch sein. Der künftige Hauptbahnhof wird auch exzellent. Er wird modern sein aber doch recht spektakulär und interessant. Oder das geplante urbane Stadtviertel am Ostbahnhof. Auch am Leipziger Platz sollen noch ca. 2 klassische Gebäude gebaut werden, wie ich an den Bildern zur Planung gesehen habe.


    Warum siehst du dir ein Bild an das nciht deinen Vorstellungen entspricht und beschwörst den Weltuntergang ? Wo ist deine innere Balance ? Und sei nicht so klassisch-extrem. Auch moderne Gebäude können interessant sein. Der Lehrter Bahnhof und das Stadtviertel am Ostbahnhof werden modern und interessant. Finde dich damit ab, dass Berlin unterschiedliche Gesichter hat. Berlin entwickelt sich zum positivem. Berlin hat seine schönen und seine grauen Seiten. Alles kann interessant sein. Und irgendwie ist es auch interessant, dass es viele unterschiedliche Ecken gibt, die sich ja auch verändern im Laufe der Zeit. Wo Heute eine Platte steht, kann in 10 Jahren ein interessantes modernes Gebäude stehen, kann in 20 Jahren ein klassischer Prunkbau stehen, weil sich die Generationen wandeln, weil man einfach Lust bekommt auf neues und auf anderes. Eine Stadt wie Berlin ist niemals fertig. Es ist ein ewiger Prozess. Und das sollte man akzeptieren. Das ist ein Prozess der das Leben beschreibt. Dein eigenes Leben besteht auch aus vielen Seiten. Und das ist aus meiner Sicht etwas aufregendes. Am besten ist es, wenn man die Veränderungen ohne sie zu bewerten betrachtet und vielleicht schriftlich oder fotographisch festhält. Wenn irgendwo eine Ecke Berlins anstatt schöner, durch sozialen Verfall vielleicht häßlicher wird, dann muss es auch irgendwo in Berlin Planungen geben, diesem Trend entgegen zu wirken. Das ist doch immer so, dass es Trends und Gegentrends gibt. Also bitte nicht so negativ ! Und freue dich mal über die positive Entwicklung und über die Patzschkes.


    Wer das kleine nicht ehrt, ist das große nicht wert !!! Ein weises Sprichwort.

    Dieses Viertel steht doch bereits seit einigen Jahren. Das waren auf jeden Fall herausgeworfene Steuergelder...


    Man benennt dieses Viertel - Die Hellersdorfer Mitte. Und es ist wahr, dass es teilweise wirklich recht dicht, urban bebaut worden ist. Dennoch hat sich dort niemals richtiges Leben entfaltet wo man auch Lebenslust gespürt hat, wie das zum Beispiel in Kreuzberg der Fall wäre. Einfach aus dem Grunde, weil diese Hellersorfer Mitte inmitten eines riesigen Plattenbaubezirkes liegt. Es ist sozusagen das kleinste Übel in einem üblem Bezirk dem ich aber seinen gewissen Reiz der Tristesse nicht absprechen möchte. Mich reizen auch die Plattenbauten aus fotographischer Sicht. Grauer Himmel, graue Platte, dunkle Wolkenfelder, leere breite Straßen und viele Bäume mit Sträuchern sowie Rieselfelder...


    Das hat schon etwas aber mit schöner Architektur hat das alles nichts zu tun. Daran krankt auch diese Hellersdorfer Mitte. Weder ist die Architektur modern-interessant, noch ist sie klassisch. Sie ist schlichtweg mies. Hellersdorf ist sowieso kein Bezirk für die Ewigkeit. Ob der sich bis an das Ende des diesigen Jahrhunderts halten wird kann ich nicht genau sagen. Jedoch tippe ich auf ein nein.

    Hallo Schloßgespenst.


    Ich frage mich, ob man dem Menschen eine Abneigung gegen traditionelle Architektur einimpfen muss.


    Wenn ich deinen Vergleich mit der Volksmusik hernehme so kann ich dazu nur folgendes meinerseits sagen. Volksmusik ist für mich nicht modern sondern etwas aus vergangenen Zeiten. Aber ich würd´s nicht verbieten sondern bin da neutral.


    Vielleicht hat der Mensch, um das auch auf die Architektur zu übertragen, ein natürliches Verständnis davon was modern ist und was aus alter Zeit stammt. Dabei geht es vielleicht nicht bei jeder Mensch Instinkt in aller erster Linie um die Ästhetik sondern um den Eindruck.


    Mit modern verbiete ich High-Tech. Zu High-Tech gehören Raumschiffe. Und Raumschiffe neben einen Altbau zu stellen, sieht wirklich sehr eigenwillig aus.


    Ich möchte aber nicht, dass du dnekst, ich wäre gegen klassische Architektur. Ich kann bestens damit leben, dass es Raumschiffe gibt und wir in traditionellen Gebäuden leben. Das gefällt mir auch sehr gut.


    Aber ich finde es nicht ganz so gut, dass man immer denkt, der Mensch wird manipuliert. Anders betrachtet ist manipulieren eine menschliche Eigenschaft. Insofern wäre manipuliert zu sein genauso etwas natürliches. Wer manipuliert ist, kennt den Unterschied sowieso nicht. Woher weiß man denn, dass man wirklich man selbst ist ? Anstatt manipuliert könnte man das Wort beeinflusst setzen. Jede neue Erfindung beeinflusst unser Leben und darüber bin ich meistens auch sehr froh. Aber ich möchte es nicht bagatellisieren. Sekten manipulieren auch und das finde ich sehr schlecht. Nicht, dass du jetzt denkst, ich wäre dafür zu manipulieren aber mir scheint, als wäre dieser Begriff etwas komplexer.


    Nun zurück zur Architektur, denn sonst gleiten wir zu weit vom Thema ab. Wir tümpeln Heute im Städtebau vor uns hin. Wir haben keine klare Linie.


    Ich stelle mir vor, dass wir Städte bauen in denen klassische und moderne Architektur erlaubt ist. Um es zu konkretisieren. Stellen wir uns vor, es gibt hier ein klassisches Stadtviertel. Überall enge Straßen, Kneipen, Läden, das Leben boomt. Danach schafft man einen weichen Übergang. Vielleicht mit einem Stadtplatz der aus einer tiefer gelegten Wasserfläche mit vielen hochsprudelnten Sprungbrunnen verseheen ist und vielen Bäumen drum herum. Und danach kommt vielleicht ein Viertel Namens Klein-Manhatten. Viele Hochhäuser, enge Straßen, urbanes Leben wie in Manhatten. Danach kommst du in einen anderen Stadtteil, der ist total spacig verbaut. Dort gibt es ebenso die Mischnutzung, denn Mischnutzung und urbane Stadtgrundrissstruktur sind Vorraussetzung, dass eine Stadt Leben enthält. Das hat auch für die Moderne zu gelten. Das klassische Stadtviertel, das spacie Stadtviertel und das Hochhausstadtviertel haben alle eines gemeinsam: Deren Grundriss ist klassisch orientiert und es herrsch Mischnutzung.


    Los Angeles zum Beispiel gefällt mir sehr gut. Oder nehmen wir nur mal Miami oder gar San Francisco. Es gibt allerdings in L.A. Boulevards, da stehen glitzernde Wolkenkratzer, daneben breite Gehwege und darauf stehen Palmen. Und man kann immer den Strand sehen. Das sieht wirklich schön entspannend aus. Es ist zwar kei klassischer Stadtgrundriss aber dennoch ist es schön dort.

    Dankeschön Johan für diese Bilder.


    Ob es mir so recht gefällt kann ich schwer sagen. Auf der einen Seite mutet es gemütlich an. Beinahe bürgerlich. Andererseits wirkt es dennoch trostlos. Ich konnte keine Läden erkennen. Es schien als seien dies alles Einfamilienhäuser. Und sie sind mir auch zu kahl gestaltet. Hat beinahe etwas dekonstruktives.

    @ Clint_Tristwood


    Der Jugendstil ist deshalb nicht mehr auf die Beine gekommen, weil nach dem Kieg eine neue Epoche eingeleitet werden sollte. Egal welcher Stil vor Kriegsbeginn die Dominanz inne gehabt hätte, die Kuben wären gekommen. Dies lag nicht daran, dass der Jugendstil angeblich schwach gewesen sein soll. Abgesehen davon dachte man, dass der Jugendstil und allgemein, klassische Gebäude daran Schuld gewesen war, dass die Deutschen sich zu Nazis verwandelt haben. Das glauben sogar Heute noch viele, dass die Architektur die Menschen zu Nazis werden ließ was totaler schwachfug ist, weil´s nicht wahr ist.


    Insofern hat man sich beim Jugendstil ganz bestimmt nicht verrant. Selbst der Klassizismis oder der Barock wäre nicht mehr auf die Beine gekommen.





    De Mortuis nihil nisi bene. <- ? Was soll das ? Bist du Nihilist ? Und dann erst dein Motto.... Du magst Kuben ? Das kann aber nicht angehen. Plattenbau hat nichts mit Architektur zu tun oder kannst du eine Fassade daran erkennen ? Also ich sehe keine Fassade. Vermutlich liegt das daran, dass eine Platte keine Fassade besitzt :P .

    Ich habe meine Stimme dafür abgegeben, dass alle Räume rekonstruiert werden. Da man aber auch realistisch denken muss, würde es mir bereits ausreichen, wenn einzig die Fassade hergestellt würde. Alles was im Inneren rekonstruiert wird ist ein begrüßenswerter Zusatz. Da jedoch gefragt wurde, was ich mir wünsche, ist die Antwort natürlich die vollständige äußere wie innere Rekonstruktion. Wobei die äußere Pflicht ist. Die innere Rekonstruktion erachte ich als zweitrangig. Das darf ruhig spacig gestaltet sein.

    Ich habe mich etwas gewandelt. Darum möchte ich zu diesem Thema auch etwas loswerden. Meine frühere Sicht bestand darin, dass ich gesagt habe, modern sei der Zustand des Sein. In gewisser Weise ist das ja auch richtig aber wir sollten nicht anfangen irrational zu denken. Vorsicht Widerspruch ! - Denn irrational und denken widerspricht sich, weil irrational die nicht Vernunft bedeutet und denken die Vernunft. Aber mir ist gerade kein anderes Wortverhältniss in den Sinn gekommen.


    Stahl und Glas, Gebäude mit spacigem Outfit sind moderne Gebäude. So ehrlich muss jeder zu sich selbst sein. Und die klassischen Gebäude sind nicht modern, sondern sind klassisch. Es ist nicht zu befürworten, dass man die sogenannte "Moderne" mit dem Wort modern versucht in ihre Schranken zu weisen. Worum es gehen sollte wäre der Appell von mehr Qualität in Richtung der Modernisten und ein Appel zur Gleichberechtigung klassischer Gebäude sowie auch moderner Gebäude. Wir sollten uns hier also nicht streiten wie man einen Begriff definiert sondern realistisch bleiben und eine Lösung finden, die für alle Beteiligten akzeptabel ist. Ich bin weder fundamental für die Moderne, noch fundamental für die Klassik. Es muss sich aber endlich mal an einen Tisch gesetzt werden damit man gemeinsam einen Weg findet. Lasst uns vernünftig sein und es auch bleiben.