Posts by faber

    Start in der Max'straße. Blick auf den Herkulesbrunnen und dahinter St.Ulrich und Afra. Das weiße Haus auf der rechten Seite ist das Schaezler-Palais, daneben der 50er Jahre Wiederaufbau des Hotels Drei Mohren. Die Maximilianstraße hatte bis ins 19. Jahrhundert nicht die heute durchgehende gestalt, sondern war durch Marktgebäude in verschiedene Plätze aufgeteilt. Um 1800 wurden diese dann abgerissen um den Blick auf die Kirche freizumachen.


    Blick zum Moritzplatz mit St. Moritzkirche. Von diesem Bereich bis zum Rathaus waren die Kriegszerstörungen sehr heftig. Ganz links erkennt man einen Teil der Fuggerhäuser (vor der Zerstörung mit Fassadenmalereien von Hans Burgkmaier)


    Kürzlich renovierter Innenhof eines Max'straßenhauses. Naja.


    Im oberen Teil der Altstadt sind die Straßen noch breit.... bevor es dann in die engen Gassen der Lechviertels hinab geht. Diese schmalen Durchgänge sind natürlich inzwischen mit Graffiti "beschmiert" worden, aber ich find das dort eigentlich ganz nett und passend, zeigt es doch, dass nicht nur Touris unterwegs sind. Vor 200 Jahren gab es so'was bestimmt auch.




    Das Lechviertel war bis nach dem Krieg das Elendsquartier der Altstadt, davor wohnten hier auch die Augsburger Handwerker. Inzwischen wohnen hier viele Studenten und Singles etc.; das Viertel ist ziemlich beliebt trotz wenig Grün, Enge und schattiger Lage am Osthang. Wer hätte das vor 40 Jahren gedacht?













    Die Häuser im unteren Bild sind wohl alle aus den 50ern, der Bach und das Pflaster aus den 90ern. Trotzdem sehr schön, da man die historischen Strukturen übernommen/wiederhergestellt hat. Die meisten Neubauten fügen sich doch sehr gut ein, was halt aber auch an den sehr schlichten Altbauten liegt, die auch vor dem Krieg kaum Stuck etc. aufwiesen.




    Dieser Kanal trennt die ursprüngliche Altstadt von der Jakobervorstadt, die erst in der Neuzeit ummauert wurde. An die alte Stadtmauer wurden später dann Häuser (mit Gärten auf der anderen Kanalseite!) angebaut, wie man auf einigen Bilder sieht. Vermutlich sehr begehrte Immobilien.


    Das Vogeltor.









    Der Obere Graben markiert weiterhin die Grenze zwischen Altstadt und Jakobervorstadt. Vermutlich war früher die Bebauung auch auf der rechten Seite durchgängig.


    Platz vor der Stadtmetzg (Elias Holl). Das rosa Haus erhielt nach dem Krieg kein richtiges Dach, da man den durch die Bomben entstandenen Blick auf den Perlachturm freihalten wollte.






    Von der Stadtmetzg führt der Perlachberg wieder hoch zum Rathausplatz. Früher war diese Straße so ziemlich die einzige durchgängige Ost-West-Verbindung der Altstadt. Der Straßendruchbruch nach dem 2.Weltkrieg erfolgte ausrücklich nicht an dieser Stelle, da man diesen wichtigen historische Straßenverlauf erhalten wollte.


    Blick vom Fuße des Perlachturms Richtung Dom. Auch diese Sichtachse kam erst durch die Bombardierungen zustande und der "Ästhetik"wegen beibehalten, früher blockierte ein weit in die Straße ragendes hohes Gründerzeithaus die Sicht auf den Dom.


    Anstelle des terrakotta-farbenen Hauses stand früher das Bäckerzunftgebäude von Elias Holl, im Krieg durch einen Volltreffer total zerstört und leider nicht aufgebaut. Schöne Fotos gibts im Bildindex.


    Das linke Gebäude am Rathausplatz ist auch von Holl, allerdings nur eine Fassadenreko.


    @MunichFrank: Das Schaezler-Palais sollte inzwischen komplett saniert sein. Da ich bisher war ich aber nur mal kurz im Innenhof und Garten war, kann ich nichts sicheres sagen.


    @alle: Ja, sofern ich Zeit habe werden noch weitere Bilder kommen. Ich finde halt, dass es von St. Ulrich und Afra sowie der Fuggerei schon viele Bilder gibt. Ich wollte eher mal die - teilweise auch für mich - unbekannteren Bereiche der Augsburger Altstadt begutachten .... Jakobervorstadt, Georgs- und Kreuzviertel, um den Dom herum, die Stadttore und Wehranlagen....Am Dienstag bin ich das Lechviertel abgelaufen, werde nachher auch noch Bilder rein stellen.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Lechviertel


    Zu dem gelben Haus: Irgendwie scheint es kaum richtig mittelalterliche Bausubstanz in Augsburg zu geben, ganz anders als in Ulm. Meines Wissens nach wurde Augsburg im ausgehenden Mittelalter nicht zerstört, so dass die Überformung in der Neuzeit schon gewaltig gewesen sein muss.


    Übergang von der Annastraße zum Königsplatz. Früher stand hier ein Stadttor, das im Zuge der Stadterweiterung im 19. Jahrhundert geschleift wurde. Rechts geht es in die Bgm.-Fischer-Straße, die zur Gründerzeit durchgebrochen wurde um die Stadtmitte besser mit dem Bahnhof im Westen zu verbinden.





    Blick in die Bgm.-Fischer-Straße.


    Der Königsplatz ist heute der zentrale ÖPNV-Knoten von Augsburg. Die Bäume verdecken zum Glück die Beton-Verbrechen gegenüber.


    Vermutlich recht alte, aber sehr baufällige Häuser. Hoffentlich werden die renoviert. Kann jemand abschätzen wie alte die gelben Gebäude sind?






    Die weiße Fassade gehört zum Schaezler-Palais, einem ehemaligen Stadtschloss von 1765. Ich hoffe kann später noch mehr Fotos davon bringen. Ein einzigartiger Gebäudekomplex.


    Der Zeugplatz.


    Schild an der Rückseite der Fuggerhäuser am Zeugplatz. Die Fuggerhäuser wurden total zerbombt, aber gleich nach Kriegsende als erstes großes Bauwerk wieder aufgebaut. Leider sind die Innenräume, die teilweise immer noch von der Familie Fugger genutzt werden, nicht zugänglich.




    Rückseite der Fuggerhäuser.


    Innenhof des Zeughauses


    Das Zeughaus, 1602 von Elias Holl erbaut, die Fassade stammt allerdings aus dem Barock.


    Maximilianstraße mit dem Merkurbrunnen, neben Herkules- und Augustusbrunnen einer der drei Prachtbrunnen die Adrian de Vries in Augsburg um 1600 gestaltet hat. Die Originalstatuen sind heute im Maximilianmuseum.


    Rathaus und Perlachturm. Das 1624 fertiggestellte Rathaus war damals angeblich das einzige Gebäude mit mehr als 6 Geschossen. Die typischen Zwiebeltürme wurden als Dachform von Elias Holls Vater erfunden und finden sich wohl auf fast allen Kirchtürmen Augsburgs und Bayrisch-Schwabens.


    Bin zur Zeit öfters in Augsburg. Da sich im Forum recht wenig zu dieser Stadt findet, wollte ich mal Abhilfe schaffen und euch einige Bilder präsentieren. Vorneweg der Hinweis, dass ich leider selten fotografiere, daher bitte ich um Nachsicht, wenn die Bilder auch mal schlechter sind.


    Einen guten Überblick über die Augsburger Altstadt gibt verlinkter Wikipedia-Artikel.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Augsburger_Altstadt


    Zum Wiederaufbau und der heutigen Anmutung Augsburgs ist mir aufgefallen, dass die großteils erhaltene, kaum veränderte "Kaisermeile" - die Straßen zwischen Dom und St. Ulrich - die Stadt sehr intakt und harmonisch erscheinen lassen, während man in weniger repräsentativen Bereichen auch ein anderes Bild bekommen kann. Vorausgesetzt man hat recherchiert und weiß, wie Teile der Jakobervorstadt und manche Straßenzüge mal aussahen... Es wurde beiweitem nicht alles wieder aufgebaut und es gibt auch etliche Bausünden. Durch den Umstand, dass es noch eine Menge anderer sehr qualitätsvoller Stadträume gibt, ist der Verlust allerdings kaum mehr in der öffentlichen Wahrnehmung verankert und die "Augschburger" sind meist sehr überzeugt von der Schönheit ihrer Stadt.


    Beginnen möchte ich mit dem westlichen Bereichs der Altstadt, der heute vorallem als Fußgängerzone mit Läden und Büros dient. In den anderen Bereichen dominiert noch viel eher das Wohnen. Zuerst geht's in die Philipine-Welser-Straße, den Rathausplatz und die Annastraße, dann über den Königsplatz, Zeugshaus und Seitenstraßen zurück Richtung Rathausplatz.


    http://www.informagiovani-italia.com/mapa_augsburg.htm


    Dieses Haus war eines der ersten im Besitz der Fugger. Wie die meisten Häuser zwischen Annastraße und Rathaus wurde es komplett zerstört, die Fassade hat man allerdings wie bei sehr vielen anderen Häusern vereinfacht wieder aufgebaut. Die Innenhöfe sind leider fast alle überbaut worden.

    Augsburg benötigte in den 70er auch einen Karstadt. Dafür wurde ein erhaltenes Patrizierhaus abgerissen.



    Maximilianmuseum. Erhaltenes Patrizierhaus samt Innenhof, der heute eine Glasüberdachung hat.

    Ehemaliger "Heumarkt", heute Philippine-Welser-Straße.
    Andere Fassadenseite des Fuggerhauses von Bild 1
    Verhunzte Westseite des Rathausplatzes.

    Durchgang von der Annastraße zum Rathausplatz

    Diesen Anblick ist ein Werk der Nachkriegszeit. Bis 1944 bzw. 1949 waren auf der rechten Bildhälfte die Gebäude der Augsburger Börse (bzw. die Ruinen davon). Links gab es einen dreieckigen Platz, der sich zum Perlachturm orientierte. Es war geplant die Fläche der Börse neu zu bebauen, aber als dann durch das Abtragen der Ruinen der Blick frei wurde, gab es Bürgerproteste den Platz frei zu lassen. Der Blick ist schon toll, aber die Gebäude sind nicht richtig auf den Platz ausgerichtet und auch der Augustus steht nunmehr verloren ganz links in der alten Platzmitte anstatt in der neuen.
    Zurück in der Annastraße. Lediglich der Straßenverlauf ist historisch, die Gebäude meistens nicht.



    Etwas verstümmeltes Postgebäude, vor dem gerade eine neue Stadtbibliothek gebaut wird. Früher waren hier die Gärten der Patrizier. und die westliche Stadtbefestigung.



    Der Stadtmarkt.


    Der Annahof, rechts die Stufen markieren die Fundamente einer mittelalterlichen Bibliothek.



    Ehemaliges St. Anna Gymnasium von Elias Holl, dem Augsburger Star-Architekt der Renaissance. Er hat das Rathaus, den Perlachturm, viele Zunftbauten, sämtliche Stadttore und einiges anderes neu gebaut oder umgestaltet.



    Das Annakloster

    Das APH-Forum wird in der Glosse auf der letzten Seite des DAB erwähnt.


    Quote

    Sprach-Spolien


    Bruchstein-Rhetorik gegen Lochblech-Prosa: Was Freunden und Gegnern von Rekonstruktionen zueinander einfällt....


    Da werden in zwei Absätzen Zitate von traditionelleren Architekten und auch welche, die ihren Ursprung hier im Forum haben, und Äußerungen von Architekturkritiker gegenüber gestellt. Original-Fetischismus. Kult der offenen Wunde. Projektion der deutschen Selbstängste. Dogmatisierter Funktionalismus[...]Banal, seelenlos, verantwortlungslos.[...]Lieber eine "echte Fälschung" als "echte Sch...". Besser aufdekoriert als undekoriert.In dubio pro reko.


    contra


    Zurechtlügen der Vergangenheit.[...] Wohlfühlkulissen. [...] Potemkin und Disney. Historisches Disneyland. Disneyland-verdächtige Projekte. Disneyland für Monarchiefans. [...]Nachgeklöppelte Barocktapete. Neue Feudalherren. Deutschnationale Inhalte.[...] Kitschig faschistoid. [...] Absoluter Schwachsinn. Schlicht degoustant.


    Natürlich wird auch den Zitierten gedankt, namentlich Rainer Haubrich, Paulkahlfeldt, Vittorio Lampugnani, Antje Vollmer, http://www.architekturforum.net">http://www.aphforum.de und http://www.stadtbild-deutschland.de">http://www.stadtbild-deutschland.de auf der einen Seite. Auf der anderen Seite dann Dieter Bartezko, Falk Jaeger, Gerhard Matzig etc. Eigentlich ganz lustig, zeigt das doch, dass viele Archis die Phrasendrescher ihrer Zunft auch nicht für voll nehmen.


    Leider keinen Scanner zu Hand, wär aber schon super, wenn man die (ernsthafteren) Artikel möglichst vielen Interessierten zugänglich machen könnte. Der Baumeister kostet ja auch stolze 14 Euro ....

    Nachschub.


    Deutsches Architektenblatt (09/07) - Rekonstruktionen: Kann man Geschichte bauen?


    An sich ein ziemlich bedeutendes Blatt, soweit ich weiß, bekommen das nämlich alle Architekten, die in den Architektenkammern sind. In der Ausgabe sind 16 Seiten dem Thema Rekonstruktionen gewidmet und die Bewertung fällt je nach Autor sehr unterschiedlich aus, allerdings findet man keine totale Verweigerungshaltung gegenüber den Rekonstruktionen.


    Besonders die Artikel von Roland Stimpel (Chefredakteur des DABs) heben sich sehr positiv von den anderen Beiträgen ab.


    Stimpel schreibt, dass die Architekten durch Fundemantalopposition nur sich selbst schaden und Klischees nähren würden. Man solle das Wiedererrichten von Gebäuden als eine typische Architektenaufgabe sehen, schließlich erfordere auch dies großes architektonisches Geschick. Auf einer halben Seite wird noch über einen Bürobesuch bei den Architekten Stuhlemmer berichtet.


    "Das Thema [Rekonstruktionen] verlangt Pragmatismus und keine Glaubenskriege. Architektonische Realos werden dringend gebraucht, um professionelle Qualitätsmaßstäbe zu entwickeln [...] zum Beispiel bei drohendem oberflächlichen Pfusch statt historisch sorgfältiger Rekonstruktionen."

    Ein verwandter Architekt versorgt mich öfters mit Architekturzeitschriften, wenn diese für mein Studium relevante Beiträge haben. So geschehen Anfang September und da ich denke, dass die Beiträge auch für andere Forennutzer äußerst interessant sein dürften, will ich hier auf folgende Zeitschriften hinweisen:


    # Baumeister (B9/Septemberausgabe),


    darin gibt es eine Beilage (BX) zu den 9.Dortmunder Architekturtagen, die sich mit dem Thema "Stadtbaukunst - <Das Dach>" befassen. In der Beilage schreiben Christoph Mäckler, Wolfgang Sonne und Klaus Theo Brenner. Sonne setzt sich mit dem Irrtum moderne Architektur mit Flachdächern gleichzusetzten bzw. Steildach und Giebel als reaktionär und dörflich anzusehen auseinander.


    Mäckler kritisiert in seinem Artikel wiedereinmal die Engstirnigkeit der Architekturlehre und bezeichnet "Dach und Giebel als Voraussetzung für Stadtbaukunst", lobt den Prinzipalmarkt in Münster und fordert die Architekten auf auch Häuser mit Dach und Giebel zu entwerfen, die sich in Ensembles einfügen, um Bürger und Architekten wieder zusammenkommen zu lassen.


    Auszüge: "Es sind die einfallslosen Architekten, die dem Bauensemble eines einheitlichen Stadtbildes noch heute etwas entgegensetzen müssen, in einer Zeit in der die Gesellschaft [...] die Rekonstruktion ganzer Stadtteile verlangt. Ohne Rücksicht auf die Kultur des Ortes, seiner Geschichte, seiner Materialien und Bauformen setzt der Architekt sein persönliches, subjektiv als schön empfundenes Objekt in den Raum."


    "Wenn wir Architekten [...] glauben, das Dach als etwas ewiggestriges abtun zu können, wenn wir in unserer überheblichen Arroganz und Selbstverliebtheit glauben, uns über die Bedürfnisse der Gesellschaft [...] hinwegsetzen zu können, wird die Gesellschaft uns in ihrer Hilflosigkeit gegenüber unserer Unbeweglichkeit zwingen, solches zu tun [also Häuser mit steilen Dächern zu bauen]. Dann aber nicht zeitgemäß, sondern in mittelalterlicher oder barocker Form."


    K.T. Brenners Artikel ist betitelt "Dach als konstituierendes Element in der Architektur von Haus und Stadt" und stellt darin gleich zu Beginn fest, dass "wenn wir uns ein Bild über ein Haus machen wollen, distanzieren wir uns von allen zeitgenössischen Entgrenzungstendenzen formlos sich ausbreitender Objekt [...]. [...] unsere entwurfsbezogenen Überlegungen von jeglichem historischen Vorbehalt zu befreien und uns damit das gesamte historische Reservoir zugänglich zu machen - ohne die Verbotsschilder der klassischen Moderne [...].



    Wenn ich heute noch Zeit habe, schreibe ich auch was zur aktuellen Ausgabe des Deutschen Architektenblattes, das sich diesen Monat Rekonstruktionen als Titelthema hat und sogar das APH-Forum erwähnt. :zwinkern:

    Habe auf den von Kardinal verlinkten Seiten der Stadtverordnetenversammlung einen Antrag zur Änderung der Magistratsplans gefunden:
    KLICK
    Darin ist eine Anlage mit einem geänderten Rahmenplan enthalten
    KLICK


    Da ich mich im Verfahrensprocedere in Frankfurt wenig auskenne, frage ich mich wie das nun zu bewerten ist, wenn es auf der oben genannten PARLIS-Seite heißt

    Quote

    Beratungsergebnisse: 17. Sitzung der KAV am 20.08.2007, TO I, TOP 6


    Beschluss:
    1. Die Vorlage M 112 wird abgelehnt.
    2. Die Vorlage NR 555 dient zur Kenntnis.


    Der ursprüngliche eher reko-feindliche Rahmenplan wird abgelehnt und der geänderte Plan wird umgesetzt?

    Quote from "Philon"

    [...] Stattdessen antwortet er: "Aber doch nicht, wo's nur um sieben Häuser geht."


    Das ist zumindest seeeehr mißverständlich.


    Das mag stimmen, dass er seine Haltung nicht in der nötigen Klarheit rüberbringt. Aber so drückt man sich nunmal nach 60 Jahren Modernisten-Beweihräucherung.

    Philon: So wie ich das Gesagte von Mosebach verstehe, stimmt er dem Interviewer bezüglich der vermeintlichen Leugnung des 3. Reichs und seiner Konsequenzen nicht zu. Würde er dies tun, hätte er etwas in die Richtung "Sieben Altstadthäuschen können einen Krieg nicht weglügen, eine Komplettrekonstruktion schon." sagen müssen.


    Es gibt viele, viele Interviews und Artikel, in denen sich irgendwelche Feuilletonisten und sonstige Experten zu Rekonstruktionen äußern und in den meisten Fällen würde deine Analyse dann auch den Nagel auf den Kopf treffen. In diesem einen von Mosebach haust du aber schön daneben. Klar bleibt Mosebach etwas schwammig bei seinen Ausführungen, aber grundsätzlich sollte man froh sein, dass er sich so äußert, wie er das tut...

    Nettes Interview. Vorallem der Hinweis, dass man das Vorhaben mit Warschau zu vergleichen habe und nicht mit irgendwelchen Disney-Parks, zeigt, dass der Mann die Bedeutung von Rekonstruktionen erkannt hat.
    Sicherlich hätte er offensiver antworten können, letzlich geht es aber doch nur darum, wie man Frankfurt einen Teil seiner Geschichte zurückgibt und die Altstadt städtebaulich angemessener gestaltet. Da muss man nicht gleich ideologisch werden.


    "Sieben Altstadthäuschen (oder meinetwegen auch 20!) können einen Krieg nicht weglügen." Finde dieses Zitat sehr treffend, so banal es auch sein mag.

    Dass nun der Baubeginn der Brücke wegen einer winzigen Fledermaus aufgeschoben wurde, ist schon skurill, tut dem Segen, der von dieser Verschnaufspause. für Dresden ausgehen kann keinen Abbruch. Bemerkenswert ist, dass die Un-Nachhaltigkeit der Brücke erst so spät erkannt wurde.


    An der Wertschätzung, die der Naturschutz in deutschen Planungsprozessen erfährt, sollte man in diesem dichtbesiedelten Land nicht rütteln. Die ganze Provinzposse hätte ganz einfach verhindert werden können, wenn die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung von vornherein die vorrangige Bedeutung der Elbwiesen für Natur und Landschaft akzpetiert hätten. Und - wenn's denn sein muss - einen Tunnel geplant hätten.

    Der Einsatz gegen Stuck und Säulen ist deshalb so verbissen, weil das Engagement der Architekten doch noch allzu oft Früchte trägt.


    Dass die Schlacht um die - wie auch immer geartete - Ästhetik der heutigen Industriearchitektur von Baumärkten etc. längst verloren ist, wissen doch die heutigen Architekten und schreien dafür um so lauter bei Sachverhalten, zu denen sie noch gehört werden.


    Das Primat der Wirtschaftlichkeit beschert uns die immergleiche Gewerbegebietarchitektur, die ironischerweise genau diese "Ehrlichkeit" aufweist, die die Moderne immer einforderte. Ein 0815-ALDI-Gebäude sieht so billig aus, wie die Discounterware auch ist. Einer Industrieanlage ist fast immer der Müll und Schmutz, der bei der Produktion entsteht, an zu sehen. Usw.

    Zur Umnutzung historischer Gebäude:


    Aus einer Kirche einen Konzertsaal zu machen, ist nur angemessen, da die zumindest die reine Funktion als Versammlungsort erhalten bleibt. Genauso kann man - natürlich in Abhängigkeit der Veränderung durch Umbauten! - einen Bahnhof zu einem Einkaufszentrum umnutzen. Der Bahnhof war geprägt durch Geschäftigkeit, Menschenmengen und die Architektur von Bahnhofshallen (siehe Leipzig) kann diese Eigenschaften auch für ein Einkaufszentrum herstellen.



    Ein Schloss in einen Konsumtempel halte ich bei aller Schönheit der Fassade für eine sehr schlechte Lösung. Die Repräsentionswirkung, die ein Schloss im Inneren und Äußeren aufweist, kann man für Museen, wichtige institutionelle Einrichtungen etc. gebrauchen. Das ist auch der entscheidende Unterschied zwischen Braunschweig und Berlin. Ein Humboldt-Forum wird der Würde eines Schlosses auf jeden Fall gerechter als ein ECE. :augenrollen:

    Auch wenn Wien 2040 2 Millionen Einwohner haben sollte, wird die Stadt nicht unbegrenzt weiterwachsen, sondern die Einwohnerzahlen werden demografiebedingt geringer. Im Moment wird dieser Prozess durch den Zuzug von "Wirtschaftsflüchtlingen" aus anderen Teilen Österreichs, Europas lediglich etwas aufgeschoben. Deswegen ist die Strategie der Stadt sinnvoll. Wozu jetzt Flächen verbauen, versiegeln, die man in 30-40 Jahren nicht mehr braucht?


    Sicher wird es eine dichtere Bebauung innerhalb der Stadt geben, aber diese Struktur macht ja auch den Charme von vielen Altstädten aus. Wenn man statt Einfamilienhaus-Wüsten Blockrandbebauungen, 4-5 Geschosse hoch, baut, würde mir das schon sehr gefallen. Und schöne "moderne" Hochhäuser gibt es ja auch (z.B. von Kollhoff).

    Das neue Mercedes-Museum finde ich viel ansprechender als diese "BMW-Welt". Komische Verformungen ohne Zusammenhang, langweilig.

    Kultur (ich rechne mal Bildungsinstitutionen wie die Universitäten auch dazu...) und damit verbunden auch der Tourismus sind im Moment die einzigen Pfunde mit denen Berlin wuchern kann.


    Daher finde ich auch, dass Berlin sich ganz klar als DIE deutsche Tourismus- und Kulturstadt positionieren muss. Berlin muss Amusement wie Las Vegas, Museen wie Londen bieten. Unbedingt dazu gehört auch, dass Sehenswürdigkeiten geschaffen werden und sei es durch (kritische) Rekonstruktion des Schlosses und anderer Gebäude und Quartiere im Innenstadtbereich. Das Schmuddel-Image muss (zumindest aus touristisch relevanten Gebieten) verschwinden.

    Soweit ich das sehe, werden dort keinerlei römischen Gebäude rekonstruiert, sondern es wird eben ein Freizeitpark. Die Gebäude werden dann auch eine entsprechende Anmutung haben, wie man sie vom Europa-Park und eben auch von Disneyland her kennt!


    Etwas anderes wäre es, wenn römische Gebäude auf erhaltenen Fundamenten oder gemäß archäologisch abgesicherter Konstruktionspläne originalgetreu wiederaufgebaut würden - so wie die Archäologischen Parks in Xanten oder Kempten. Das finde ich unterstützenswert, den Limes-Park aber sicherlich nicht (sieht man mal vom wirtschaftlich-touristischen Faktor ab).


    http://www.apx.de/
    http://www.apc-kempten.de/