Posts by Norimbergus

    Eine Photographie des vorherigen Zustands, also von vor ca. 1870, dürfte schwer zu finden sein, gerade angesichts der wenig prominenten Ansicht. Ich habe jetzt mal „Nürnberg 1865-1909, Photographien von Ferdinand Schmidt, Hrsg. vom Centrum Industriekultur, Schirmer/Mosel, 1987“ durchgeblättert und kein früheres Bild gefunden, aber kurioserweise genau dieses Bild (Nr. 86). Es scheint also auch die Meinung zu geben, daß Ferdinand Schmidt der Photograph war.


    Die Ecksituation zur Pegnitz hin ist jeweils in einer Zeichnung von Georg Christoph Wilder (Link) und in einem Delsenbach-Stich (Link) angeschnitten. Besseres habe ich auf die Schnelle nicht gefunden, keine Ansicht der gesamten baulichen Situation zwischen den Pegnitzarmen, weder von außen/Osten, geschweige denn von innen/Westen (bei letzterem wäre dann ja die Kapelle mit drauf).

    Die Heilig-Grab-Kapelle war nicht im mittleren Teil der Insel Schütt, wo sich jetzt die Tiefgarage befindet und Stadtstrand, Altstadtfest etc. stattfinden, sondern im Westen, im Bereich des Heilig-Geist-Spitals: Nr. 7 auf dieser Übersicht. So frei, wie es hier den Anschein hat, war sie aber auch vor dem Krieg nicht mehr dagestanden: Auf dem Bild ein paar Beiträge vorher sind schon die Vorbereitungen für den Bau des Norisstifts erkennbar, das der Kapelle unmittelbar vor die Ostfassade gestellt wurde. Nach dem Krieg wurde das Norisstift wiederaufgebaut (übrigens eines der wenigen Beispiele, bei dem der Wiederaufbau besser war als der Vorgängerbau, wenn man vom Abriß der Heilig-Grab-Kapelle absieht - in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist auch nicht immer sehr sensibel in der Altstadt gebaut worden), aber mir ist nicht klar, ob der Nachkriegsbau breiter als der Vorgänger ausgefallen und damit der Standort der Kapelle (teilweise) überbaut worden ist. Der freie Blick von Osten wie auf obigem Bild wäre auf dem Originalstandort auf jeden Fall nicht mehr möglich.

    Wie viel von der Kapelle nach dem Krieg überhaupt noch übrig war, das weiß ich auch nicht.

    Wie sieht es eigentlich mit dem Haus neben dem neuen Pellerhaus aus? Ist die auch denkmalgeschützt? Dort könnte man die Fassade des alten Pellerhauses vorhängen und den Durchgang zum rekonstruierten Hof umschwenken. (auch wenn bei der Stockwerkzahl und den Fenstern etwas geschummelt werden muss, aber so etwas kennt man z.B. auch vom Potsdamer Stadtschloss)

    Abgesehen davon, daß ich mich mit dieser Variante überhaupt nicht anfreunden könnte - sowohl das ursprüngliche als auch das jetzige Pellerhaus war als Dominante entworfen und diese beiden Dominanten nebeneinander, das paßt (auch völlig unabhängig von stilistischen Fragen etc.) überhaupt nicht - steht der komplette heutige Pellerhauskomplex incl. ehem. Imhofhaus unter Denkmalschutz. Leider wird, v.a. von Seiten der Rekonstruktionsgegner, zwischen beiden Gebäudeteilen nicht unterschieden. Deshalb wird immer wieder mit der besonderen Qualität von Treppenhaus und Lesesaal argumentiert - beides sicher das beste (aus dem nicht-rekonstruierenden Wiederaufbau) am und im ganzen Komplex und auch in meinen Augen schützenswert, aber eben im neuen Imhofhaus gelegen und damit durch eine Rekonstruktion des Pellerhauses überhaupt nicht gefährdet.


    Und den Zugang zum Hof zu verlegen, obwohl die alte Eingangshalle als Bestandteil des neuen Pellerhauses teilweise noch erhalten, teilweise in den Fünfzigern rekonstruiert worden ist (unter Weglassen mehrere Innenwände; die Halle war ursprünglich nicht so großzügig, sondern da waren noch ein paar Räume abgeteilt), das wäre absolut kurios. Und wie sollte man dann in den Hof gelangen? Doch durch die alte Halle? Dann könnte man sie auch gleich direkt betreten und nicht über einen künstlichen Umweg. Oder durch einen neu zu schaffenden, von der architektonischen Konzeption des Hofes gar nicht vorgesehenen Zugang an der Ostseite, der dann aber gerade durch das 50er-Jahre-Treppenhaus (oder zu dessen Zerstörung) führen würde, wenn ich die Lage des Treppenhauses richtig im Kopf habe?

    Im Denkmalverzeichnis scheint der Nürnberger Kaufhof zumindest bisher noch nicht gelistet zu sein, was sich aber natürlich ändern kann:

    https://geoportal.bayern.de/ba…654530beed&catalogNodes=1
    Der Kaufhof ist der aus einem einzigen Flurstück bestehende Block zwischen Pfannenschmiedsgasse, Wollengäßchen, Königstraße und An der Mauthalle.

    Der ungleich größere Karstadt ist das riesige Flurstück weiter nördlich, das an Adlerstraße, Königstraße und Karolinenstraße grenzt.

    [...]

    Anders Nürnberg. Ich schätze das heutige Stadtbild bekanntlich überhaupt nicht, aber die allerschmerzlichste Bausünde ist jener Karstadt, ein, wie ML zurecht schrieb, völlig unbedeutender Bau, und nicht nur das: ein Störefried höchsten Grades. Gerade in jener Straße, zwischen Mauthalle und Lorenzkirche mit dem Nassauer Haus als Scheitelpunkt, ist das großartige gotische Stadtbild noch zu spüren, da die gegenüberliegende Seite mit angepassten Sandsteinhäusern aus der Zwischenkriegszeit ein Ensemble vorzüglicher Füllbauten abgibt. Dieser Karstadt hat alles verdorben. Hoffentlich verschwindet er und wird durch Qualität ersetzt, dann hätte Nürnberg erstmals wieder so etwas wie einen halbwegs intakten relativ großräumigen Mittelpunkt.

    Diese Schließung ist so gesehen unbedingt zu begrüßen, und die Altstadtfreunde sollten das ausnützen für eine Forderung nach Stadtreparatur.

    Das Haus, dessen Lage Du beschreibst, ist aber nicht der frühere Karstadt, der jetzt geschlossen wird, sondern der frühere Kaufhof. Da hat Meister Lampe mit dem verlinkten Bild wohl für Verwirrung gesorgt, denn das zeigt den Kaufhof, der bleibt. Der stammt übrigens nicht aus den 70ern, sondern von 1950, allerdings damals noch mit anderer Fassade und ohne Flugdach, aber natürlich schon mit Flachdach, und damals hochumstritten. Angeblich war der Bau der Auslöser für die Gründung der Vereinigung der Freunde der Altstadt Nürnberg, die später unter dem Vorsitz von Erich Mulzer umorganisiert und in Altstadtfreunde Nürnberg umbenannt wurde.


    Der Karstadt, der jetzt geschlossen wird, steht noch ein Stück weiter Richtung Pegnitz. Er ist ungleich größer, hat Fassaden zu drei Straßen hin, fällt aber nicht so auf, und das war auch das Ziel der Fassadengestaltung durch den damaligen Baureferenten Otto Peter Görl. Er umfaßt nie die Eckhäuser sondern umfängt sie von hinten, darunter auch das Nassauerhaus mit den direkt angrenzenden frühen Nachkriegsbauten (ich glaube alle drei von Rudo Göschel, der auch das Nassauerhaus wiederaufgebaut hat). Der Karstadt stammt tatsächlich aus den 70ern und der Bau war auch ein Politikum.


    Nachfolgend verlinkter Artikel faßt die Geschichte kurz zusammen: https://www.nordbayern.de/2.28…r-nachkriegszeit-1.563205

    Mein Fehler. Den Fröschturm hatte ich genannt, aber der war natürlich deutlich höher und ein gutes Stück in der "Einknickung" drinnen.

    In Hanns Hubert Hofmann, Die Nürnberger Stadtmauer, Verlag Nürnberger Presse, 1967, gibt es auf Seite 56 ein Foto (Nr. 64, lt. Bildnachweis von Ferdinand Schmidt), erläutert mit "Einknickung am Fröschturm (Aufnahme um 1875)" mit Blick vom Maxtorgraben in Richtung Burg. Links ist der Turm Schwarzes E [ursprünglich stand hier fälschlicherweise "Fröschturm"] zu sehen ([Passage entfernt, weil sie sich auf den Fröschturm bezogen hat]), weiter rechts das Dach des falschen schwarzen B von Osten. Das Dach hat nur Zwei ziemlich weit unten liegende Wengerlein (das nördliche sieht man ja auch auf obiger Darstellung), nicht die großen Erker und auch nicht die oberen Wengerlein.
    Interessant finde ich auch, daß der Zwinger zu dieser Zeit direkt anschließend an das falsche schwarze B ein erhebliches Stück nach Osten überbaut war. Das Gebäude hat ein ziemlich flaches Pultdach, das zum Graben hin abfällt und dessen Traufe ein bißchen niedriger liegt als die des falschen schwarzen B, d. h. es handelt sich um einen langen, schmalen und niedrigen Bau, der auf mich den Eindruck einer Lagerhalle oder ähnlichem macht. Ob die Wände gemauert waren oder nur Bretterwände, das vermag ich nicht zu beurteilen.
    Sowohl über die Geschichte der Numerierung der Grabentürme als auch über die Baugeschichte des Zwingers in diesem Bereich kann ich leider nichts sagen. Bei der Wikipedia-Liste fällt mir nur auf, daß dort in der Auflistung der nicht in der Denkmalliste aufgeführten Türme steht: "Mauerturm Schwarz B, 1877 abgerissen, als Schwarz B wird jetzt ein Kasemattenturm Vestnertormauer 5 gezählt" Schwarzes B ist aber nicht schon 1877 abgerissen worden.


    Übrigens ist im anfangs benannten Buch auch das Bild abgedruckt, mit dem wir vor einigen Tagen diesen Themenkomplex begonnen hatten (Seite 34, Nr. 30). Die Bildunterschrift lautet: "Marientormauer (Hinter der späteren Norishalle, Aufnahme um 1870)". Ich lokalisiere das aber nach wie vor etwas weiter südlich (schon Marientormauer, aber nicht im Bereich der Norishalle, sondern des Rosa-Luxemburg-Platzes. Der Photograph steht meiner Meinung nach in oder zumindest sehr nahe der Katharinengasse. Dem Bildnachweis zufolge soll übrigens auch diese Aufnahme von Ferdinand Schmidt sein.

    Die Pläne werde ich mir mal genauer anschauen, wenn ich etwas mehr Zeit habe. Sieht sehr informativ aus.


    Zur Karte: Meines Wissens wurde das erste Katasterblatt des Stadtgebietes von Nürnberg 1811 herausgegeben. Das würde auch passen: Das Salzmagazin beim Frauentor steht schon (deshalb frühestens 1810) und die vorletzte Stadtbefestigung über dem Pegnitzeinfluß bei der Heubrücke ist noch eingezeichnet (deshalb nicht nach 1812).


    Zum Schwarzen B: Wenn dieser Grabenturm, der ja wie von Riegel schon erläutert tatsächlich eine Besonderheit darstellt, wirklich schon immer als Schwarzes B bezeichnet worden sein sollte, wie sollte dann der auf den beiden von Riegel geposteten Bildern zu sehende Turm geheißen haben?

    Sehr schön, danke!


    Merian gibt tatsächlich nichts her. Auf der Darstellung von 1648 etwa sind die Türme sehr schematisch, nicht individualisiert dargestellt (Dächer, Turmhöhen). Selbst ein so charakteristisches Gebäude wie der Schraubenturm ist nicht als dieser erkennbar. Anders bei Bien 1620 (1628/31 zeigt wegen ander Blickrichtung den Schraubenturm nicht von seiner charakteristischen Seite), freilich mit deutlich zu schräg eingezeichneten Lisenen. Er stellt auch bspw. Rotes M korrekt mit den Scharwachttürmchen dar, ebenso Rotes I (lt. oben bereits mal zitiertem Denkmal-Kurzinventar inzwischen "mit Konsolansatz für zwei nicht wiederhergestellte Ecktürmchen unter dem modernen Walmdach").


    Zu Deinem Plan möchte ich noch eine Anmerkung machen. Ich nehme an, dieser soll den Ist-Zustand darstellen; so fehlt ja z. B. Schwarzes B. Allerdings existiert der bei Dir eingezeichnete Turm Schwarzes Y am Nordufer des nördlichen Pegnitzeinflusses nicht mehr:
    Vorkriegszustand von Südost aus gesehen
    Vorkriegszustand von Westen
    ruinöser Nachkriegszustand von Südosten
    ruinöser Nachkriegszustand von Westen
    Obwohl durchaus noch erhebliche Substanz da war wurde der Turm später restlos beseitigt.

    Eine umfassende Darstellung der Geschichte der Nürnberger Stadtbefestigung fehlt bisher wirklich. Eine 50seitige Abhandlung in Band 5 (1884) der Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (sämtliche Bände außer den aus den letzten paar Jahren kann man übrigens hier einsehen: http://periodika.digitale-sammlungen.de/mvgn/start.html), ein kleines Bändchen von Hubert Hofmann aus dem Jahr 1967 und das von Zeno verlinkte Buch, das auch nicht viel mehr als eine Einführung in das Thema bietet - mehr ist mir an Gesamtdarstellungen nicht bekannt.


    Jetzt noch mal kurz zurück zu den von mir oben genannten Karten. Diese sind alle zu finden im Stadtatlas Nürnberg, Schiermeier-Verlag, und sind auch alle (oder wahrscheinlich alle; ich habe es nicht überprüft) online, aber leider nur in lausiger Auflösung:
    Bien 1620 (hier kann man aber für unsere Zwecke gar nichts erkennen)
    Bien 1628/31 (könnte besser sein, aber nicht völlig unbrauchbar)
    Stadtbauamt 1872/73 (dito)
    Schwarz 1878 (sehr schlecht, aber daß statt der Stadtmauer dort inzwischen ein anderes Gebäude steht kann man erkennen).


    Und dann möchte ich mich noch für das Bild mit Schwarzes B bedanken; ich habe es gleich mal abgespeichert. Neben dem falschen schwarzen B am Grabenturm (diesen Fehler übernehmen übrigens sowohl Michael Metzner in seinem Plan auf www.baukunst-nuernberg.de als auch Geschichte für alle im Plan in oben verlinktem Büchlein) gibt es zu dem Turm eine weitere Kuriosität: Er fehlt im großen Altstadtmodell von 1935/39! Ursprünglich war er aber da. Es gibt historische Bilder, auf denen er zu sehen ist (wieder im Stadtatlas Nürnberg, gewohnt schlechte Qualität, aber man kann hinten die Abfolge Luginsland, kleiner Abstand, Grabenturm, größerer Abstand, Schwarzes B, kleiner Abstand, Grabenturm falsches schwarzes B erahnen).

    Ich lege mich mal fest: Vorne ist Blaues E, hinten Blaues D.
    In beiden mir vorliegenden Faksmiles von Karten von Hans Bien (1620 und 1628/31) mit ziemlich detaillierten Darstellungen der Stadtbefestigung hat Blaues E ein ziemlich steiles Zeltdach, Blaues D ein nicht so steiles Walmdach. Hinter der Stadtmauer war hier der "Nonnen-Garten", der an der Katharinengasse, ungefähr beim Turm Blaues F, sein südliches Ende hatte. Die in den Bildern jeweils am linken Rand zu sehende niedrige Mauer könnte eine Einfriedung des Gartens in diesem Bereich sein.
    Dieser Mauerabschnitt ist laut Fehring/Ress, Bayerische Kunstdenkmale, Die Stadt Nürnberg, Kurzinventar, 2. Auflage, überarbeitet von Schwemmer, S. 168, zwischen 1874 und 1876 beseitigt worden. Dies paßt auch zu Karten aus der Zeit: Im Generalplan zur Entfestigung der Stadt Nürnberg, Stadtbauamt Nürnberg, 1872/73, sind Mauer und Türme noch eingezeichnet, im Plan der k. bayr. Stadt Nürnberg, Gottlieb Schwarz, 1878, nicht mehr, sondern hier steht im früheren Zwinger- und Grabenbereich ein Gebäude. Der Nonnengarten ist hier noch nicht bebaut; dies ändert sich erst mit dem Bau des Bayerischen Gewerbemuseums (lt. Wikipedia 1892-1897).

    Die Passage am Maxtor kann man wirklich ausschließen. Am Fröschturm (Schwarzes D) selbst ist die Mauer nicht annähernd gerade verlaufen. Es könnten also nur die Türme Schwarzes C (vorne) und Schwarzes B (hinten) sein. Schwarzes B, der erst im Krieg zerstört wurde (inzwischen ist kurioserweise der etwas weiter östlich gelegene Grabenturm, an dem die Mauer dort jetzt endet, mit einem schwarzen B markiert), hatte aber ein viel steileres Dach. Schwarzes C wurde natürlich schon viel früher abgerissen; ob gleichzeitig mit dem Fröschturm 1877 oder erst später, da bin ich mir gerade nicht sicher, aber das tut jetzt auch nichts zur Sache. Bilder von dieser Mauerpassage sind übrigens meiner Erfahrung nach sehr rar.


    Im Bereich Blaues N, O und P kann es auch nicht sein, weil diese Türme schon sehr viel früher abgerissen wurden, nicht erst vor dem Bau des Künstlerhauses: "So begann man im Oktober 1810 [...] mit der Erstellung eines langgestreckten Zweckbaus [...]. Die Errichtung des Salzmagazins hatte zum ersten Eingriff in die bis dahin völlig intakte Stadtumwallung geführt. Ohne großes Aufsehen, aus reinen Zweckmäßigkeitsüberlegungen der bayerischen Behörden waren der Baumaßnahme hundert Meter Stadtmauer mit den drei Wehrtürmen blaues N, O und P völlig zum Opfer gefallen." (Kurt Müller, Die erste Bresche in Nürnbergs Stadtmauer und ihre Folgen. I. Salzstadel, Königstor und Künstlerhaus. Aus: Nürnberger Altstadtberichte Nr. 15 (1990), S. 41/42)

    Aber warum sollte die Verhinderung der Windräder bei Wolframs-Eschenbach gelingen, wenn man es nicht einmal geschafftt hat, das einzigartige Stadtbild von Rothenburg ob der Tauber vor solchen Beeinträchtigungen zu bewahren?

    Die Möglichkeit besteht, schließlich wurden schon mal Windräder in Bayern (sogar auch in Mittelfranken, nämlich bei Neunhof bei Lauf) wegen Denkmalschutz gestoppt: http://n-land.de/lokales/lok-d…neunhof.html#.VPiVPoHGKrU. Es kommt wohl immer auf den Einzelfall an, aber unmöglich ist es nicht.
    Ob seitdem die Rechtslage (abgesehen von der 10H-Regelung) gleich geblieben ist vermag ich freilich nicht zu beurteilen.

    Zu Nürnberg:


    Korrekt ist Hallertürlein oder Hallertor, nicht Haller Türlein oder Haller Tor.
    Auch wenn man hier die Altstadt nach Westen und somit ganz grob in Richtung (Schwäbisch) Hall verläßt, so ist doch die Nürnberger Patrizierfamilie Haller namensgebend, weil man durch dieses Tor zur Hallerwiese gelangt. Diese war Eigentum der Familie Haller, bevor sie im 15. Jahrhundert von der Stadt erworben wurde.

    Das Haus ist wohl Untere Söldnersgasse 12. Dazu findet sich kein Eintrag im Denkmal-Kurzinventar von 1977.
    Zum links anschließenden Haus gibt es aber einen interessanten Eintrag:


    Paniersplatz 9. Sogenannter Hertelshof. Viergeschossiger Sandsteinbau von 1612. Am polygonalen Treppenturm sowie an den Fensterbrüstungen der Nordseite reiches nachgotisches Maßwerk. Total zerstört am 2. Januar 1945. In der Mauer neben dem Hausneubau ein kleiner Teil der nachgotischen Maßwerkbalustrade eingefügt.

    Allerdings findet sich neben dem Haus Paniersplatz 9 keine Mauer mit eingefügtem Maßwerk (außer vielleicht im Innenhof - das weiß ich nicht), sondern es schließen an beiden Seiten direkt die Nachbarhäuser an. Der Hertelshof könnte also ein lohnenswerter Ansatzpunkt für weitere Recherchen sein. Bildindex funktioniert gerade nicht, weshalb ich nicht gleich selbst nachgeschaut habe, ob ich das Maßwerk auf einem der dortigen Bilder finde.


    Edit:
    Wenn ich mir alte Stadtpläne etc. ansehe, dann habe ich den Eindruck, daß die Südseite der Unteren Söldnersgasse kaum oder nur jeweils ein gutes Stück von der Straße zurückversetzt bebaut war. Insbesondere diese Ecke scheint nicht bebaut gewesen und somit die Anschrift Untere Söldnersgasse 12 erst durch den Wiederaufbau entstanden zu sein. Vorher war das wohl ein zum Hertelshof gehörendes Hof- oder Gartengrundstück.
    In Friedrich Kriegbaum, Nürnberg, Auflage von 1937 (also noch mit den Bildern der Staatlichen Bildstelle, nicht wie später mit den Nachkriegsbildern von - so habe ich das zumindest in Erinnerung - Lala Aufsberg) findet sich mit der Nummer 50 ein Bild besagter Nordseite des Hertelshofs. Demnach müßte es eine der Brüstungen aus dem dritten Obergeschoß sein, allerding falsch herum (um 180 Grad gedreht) eingebaut.

    Bei den Scherenschnitten fallen mir natürlich gleich die Mosaiken von Walther Rathenau und Theodor Herzl im U-Bahnhof Rathenauplatz in Nürnberg ein:
    Bahnhof Rathenauplatz


    Weitere Mosaiken gibt es im U-Bahnhof Hohe Marter; den liegenden Fernsehturm (einmal tagsüber, einmal nachts) finde ich aber etwas eigenartig:
    Bahnhof Hohe Marter


    Ganz nett ist auch der U-Bahnhof Opernhaus wegen seiner Lage unterhalb des Frauentorgrabens (Straßenname des Altstadtrings in diesem Bereich) und neben dem eigentlichen Graben:
    Bahnhof Opernhaus

    Für das Haus Untere Schmiedgasse 6 hat es wohl eine Lösung ohne die Altstadtfreunde gegeben:


    Ein "finanzkräftiger Privatmann" hat das Haus erworben und wird es auf eigene Kosten sanieren. Die Kosten werden derzeit auf 700.000 € geschätzt.


    http://www.nordbayern.de/nuern…erletzter-minute-1.358875
    http://www.nordbayern.de/nuern…sse-ist-gerettet-1.364277


    Ich finde es grundsätzlich eine gute Sache, daß nicht alles an den Altstadtfreunden hängenbleibt, sondern daß auch mal ein Privatmann Geld in die Hand nimmt. So bleibt den Altstadtfreunden mehr Geld und Arbeitszeit, sich anderen Projekten zu widmen - die Hintere Ledergasse 43 etwa wartet schon seit Jahren auf die Sanierung und das wird mehrere Millionen kosten.


    Bleibt zu hoffen, daß es sich beim neuen Eigentümer um einen echten Liebhaber mit wirklich genügend Finanzreserven handelt, der auch dann bei der Stange bleibt, wenn sich herausstellen sollte, daß die Kosten deutlich höher sind - für ausgeschlossen halte ich das nämlich nicht.

    Noch kurz ein Nachtrag zur Jahreszahl der Eingemeindung:


    Zitat aus Gerhard Pfeiffer, Das Nürnberger Gemeindebevollmächtigtenkolleg 1818 - 1919 (Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Bd 65 (1978), S. 360/361)

    Quote

    Schon am 5. Dezember 1818 schlossen Magistrat und Gemeindebevollmächtigtenkolleg gemeinsam einen Eingemeindungsvertrag mit Gostenhof und Wöhrd, der - auf den Bereich des Burgfriedens erweitert - nach langem Zögern 1825 die kgl. Bestätigung und damit Rechtsgültigkeit fand.

    Quote from "Zeno"

    [...], dass die erste Personeneisenbahn Deutschlands in der bayerischen Gemeinde Gostenhof bei Nürnberg losfuhr, [...]


    Gostenhof wurde schon 10 Jahre vor der Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahn nach Nürnberg eingemeindet.


    Edit: Über die Eingemeindung scheint gar keine völlige Klarheit zu herrschen. Auch im Stadtlexikon werden zwei unterschiedliche Jahre genannt (aber alle beide Jahre waren noch vor 1835).
    Prof. Dr. Hermann Rusam nennt im Artikel Gostenhof 1825, Dr. Walter Bauernfeind im Artikel Burgfrieden 1818. Aber im Artikel Eingemeindungen ist von einer ersten Eingemeindungswelle im Jahr 1825 die Rede und die Karte zu den Eingemeindungen weist für Gostenhof auch 1825 aus.


    Zum Thema selbst: Es stimmt, daß Industriekultur bei uns nicht viel zählt. Aber beispielsweise die Ludwigseisenbahn ist hier ein schwieriger Fall. Daß zwischen Nürnberg und Fürth die erste deutsche Eisenbahn verkehrte weiß hier jeder, aber es gibt schlicht und einfach schon seit vielen Jahrzehnten keine baulichen Relikte mehr, die man noch schützen könnte. Die ersten Bahnhöfe in Nürnberg und Fürth wurden noch im 19. Jahrhundert durch Neubauten ersetzt und diese wiederum im 3. Reich (Fürth) und in der frühen Wiederaufbauphase 1951 (Nürnberg) abgerissen. Auch das wohl früheste noch existierende Bauwerk der Nürnberg-Fürther Eisenbahngeschichte, der inzwischen leider zwischen Bahn- und U-Bahn-Trasse sehr ungünstig gelegene Lokschuppen von 1860 in Fürth war ein Bauwerk der Staatsbahn; nichtsdestotrotz ist sein Verfall ein Jammer, was aber wohl auch zu einem nicht unwesentlichen Teil an der Deutschen Bahn liegt.
    Neben der Ludwigsbahn dürften auch die meisten anderen Relikte der Frühindustrialisierung in Nürnberg schon seit vielen Jahrzehnten verschwunden sein; beispielsweise wurde die Klettsche Fabrik schon kurz vor der Jahrhunderwende in die Südstadt verlagert (kurz vor oder nach der Fusion mit einem Augsburger Mitbewerber zur MAN) und das ursprüngliche Areal bei Wöhrd gleich anschließend teilweise überbaut und teilweise in einen Park umgestaltet.