Posts by Stadtmensch

    Ich habe mir die Bilder einmal angesehen und komme mir vor wie in einer counterstrike-map.
    Da ist ein Überfluss an Künstlichem aus einer Hand. CAD-Architektur.


    Warum aber funktionieren die Gartenstädte in Deutschland so gut?
    Das waren ja auch am Reißbrett entworfene Stadtteile mit einer Handvoll Typenhäuser.
    Heute sind die Gartenstädte aus dem frühen 20. Jahrhundert meistens begehrte Wohngegenden... War das schon zu Anfang so?

    Guten Morgen!


    Bei älteren Häusern liest man in dazugehörigen Texten öfter Begriffe wie "dreiachsiges Haus", "vierachsiges Haus" usw.
    Wenn ich mir die Bilder dazu ansehe, fällt sofort auf, dass z.B. bei dreiachsigen Häusern es drei Spalten Fenster in der Fassade gibt, bei fünfachsigen Häusern gibt es entsprechend fünf Spalten... (Wenn man sich die Fassade mal als excel-Tabelle vorstellt) Die Engangstüren liegen in Flucht mit einer Spalte.


    Ist das schon die ganze Erklärung: Die Verteilung der Fenster in Spalten, ehemals genannt Achsen?
    Oder muss es auch zu den Fenstern dazugehörige Zimmerfluchten geben, damit eine Achse sich als Achse qualifiziert? Eine Zimmerflucht mit zwei Fenstern an der Fassade wäre dann eine Achse, weil eine Zimmerflucht?


    Muss ein Gebäude mindestens 2 Stockwerke haben, um sich für "Achsen" zu qualifizieren? - Weil es bei einstöckigen Häusern keine richtigen Achsen gibt?


    Müssen die Achsen gleich breit sein?

    Ich kenne mich auf dem Gebiet einigermaßen aus.
    Tatsächlich fehlen auf den weiter oben verlinkten Thermografien die Temperaturskalen und sie sind deshalb ohne größere Aussagekraft. Eine Thermografie ist ein Bild der räumlichen Verteilung von Wärmestrahlung im Sichtfeld der Kamera.


    In erster Näherung ist das einfach nur eine Sammlung von Temperaturwerten. Bildlich darstellen lässt sich das Ganze als Schwarzweißbild mit der niedrigsten gemessenen Temperatur als "Schwarz" und mit der höchsten gemessenen Temperatur als "Weiß".


    Da das menschliche Auge nicht ganz so sehr viele Grauwerte unterscheiden kann, fügt man zur besseren Unterscheidbarkeit noch Farbinformationen hinzu und erhält so ein besser interpretierbares Falschfarbenbild. Ohne eine Farbskala mit niedrigstem und höchstem gemessen Temperaturwert hat so eine Thermografie dann aber leider nur dekorativen Wert...

    Ja - schade, dass der Kapitalismus hier nicht die Bedürfnisse des Menschen bestmöglichst befriedigt! Wenn man mal den Wohnungsmarkt einer Großstadt anschaut und da eine Preisanalyse macht: Der Altbaustil scheint die beliebteste Wohnumgebung zu sein. In Berlin ist das Hansaviertel wesentlich preiswerter als der Prenzlauer Berg, obwohl beide zentrumsnah sind.


    Dieser ganze Stuck etc. den wir an den Altbauten so lieben: Das war ja schon in der Gründerzeit keine Steinmetz-Handarbeit mehr, sondern es war gegossene Massenware. Sah nur so aus wie Handarbeit. Hier hat der Kapitalismus doch segensreich gewirkt: Durch Rationalisierung in der Produktion konnten die Bedürfnisse von mehr Menschen befriedigt werden (Die ohne industrielle Produktion sich nur Holz- und Lehmhütten hätten leisten können)


    Was mich aber wundert: Das Bedürfnis nach Ornament und Verzierung gibt es heute ja auch noch. Die Marktpreise beweisen es!
    Nur warum schafft der Kapitalismus es heute nicht mehr, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen?

    Hallo, ich hatte vor kurzem eine Diskussion mit einem Bauhausfreund. Er meinte, das Prinzip Bauhaus "Form follows function" würde heute alle Gestaltungsfragen durchdringen und sei universal gültig; die beste und einzige Lösung für den Städtebau heutzutage. Auf Nachfrage konnte er aber kein gut funktionierendes Beispiel für Bauhaus als städtisches Wohngebäude nennen. Lediglich einige andere Architekturbeispiele im Bauhaus, die erträglich bis gut waren. (Fallingwater, Barcelona-Pavillon, ...) Jedoch nichts in der Stadt und zum Wohnen.


    Meine Argumentation pro Ornament und Verzierung ("Das Ornament ist die natürliche Umgebung des Menschen", "Sogar im Zoo sperrt man heute keine Tiere mehr in gekachelte Gehege") tat er als rückwärtsgewandt und reaktionär ab. Es stand unausgesprochen der Nazi-Vorwurf im Raum, weil ich mich seiner Meinung nach mit meiner Argumentation pro Altbauviertel irgendwie nach einem Wilhelminischen Obrigkeitsstaat sehnen würde?


    Nunja, tatsächlich gefällt mir die Architektur der Zeit 1840-1920 ganz gut, aber einen Kaiser will ich nicht wiederhaben....


    Die Architektur entwickelte sich ja schon vor der Gründerzeit und dem Jugendstil stetig weiter und die Architektur wäre auch ohne das Bauhaus nicht auf dem Stand von 1920 stehengeblieben. Man kann ja auch leicht ein Haus von 1820 von einem aus 1920 unterscheiden...


    Was meint Ihr: Wie würden die Städte heute aussehen, hätte es das Bauhaus nie gegeben? Es gab ja Architekten wie Gaudi und Hundertwasser, die neue Architektur abseits vom Bauhaus schafften. Haben sich aber nicht durchgesetzt...

    Sehr schön, ich hätte die Reihe der kleinen Fenster direkt unter dem Fries aber noch mit Dunkelbraunen Fensterrahmen ausgestattet anstatt mit weißen. Passend zu den Fenstern ganz oben in den Ecktürmen. Wenn ich die Fassade richtig deute, soll das an dieser Stelle ja schon so eine Art Scheindach sein (Man denke z.B. an das Muster auf dem echten Dach des Wiener Stephansdoms)


    Also da würde ich nochmal in etwas Farbe investieren...

    Ein Begriff, der mir noch dazu auf der Zunge liegt ist "Neue humanistische Architektur" - gerade für Wohnbauten. Für Zweckbauten mag moderne Architektur ja durchaus ihren Sinn erfüllen: Billig, einfach, zweckmäßig... In der Liga der Wohngebäude ist die Moderne aber gescheitert! Der Mensch "Ist auch nur ein Tier" und braucht als solches auf Dauer eine artgerechte Umgebung und dazu gehört das Ornament als ein Verweis auf die Natur.



    Besonders negativ fallen mir hier die bodentiefen Fenster auf. Das ist ein Trend, den man auch an Neubau-Einfamilienhäusern beobachten kann: Modisches Walmdach, Klinkerfassade und dazu dann aber immer häufiger diese bodentiefen Fenster. Die sind vom Format her eher passend für Hochäuser und dergleichen mit einer mehr vertikalen Ausrichtung.

    Die Rindermarkthalle war ursprünglich eine Halle des Hamburger Schlachthofs speziell für Rinder. Nachdem der Schlachthof aus der Stadtmitte Hamburgs fortgezogen war, wurde die Halle viele Jahre von verschiedenen Supermärkten genutzt. Zuletzt Real, davor Wal-Mart, davor noch andere... Das Problem mit der Nutzung der ganzen Halle als Supermarkt war, dass sie dafür um einige Größenordnungen zu groß ist. Die Märkte hatten dann neben den Lebensmitteln immer einen großen Non-Food-Bereich mit typischem Supermarkt-Tand. Doch das wirtschaftliche Scheitern gleich mehrerer Supermärkte an diesem Standort belegt eindeutig, dass die Fläche als ganzes viel zu groß für einen einzelnen Supermarkt ist...


    Die Halle steht nun seit mehreren Monaten leer, Ende Mai 2011 ist das erste Jahr voll.


    Die Hallenfassade steht unter Denkmalschutz - ist aber heute größtenteils hinter einer hässlichen Verkleidung versteckt.


    Für die Nutzung der gesamten 31.000m² Hallenfläche gibt es kein Konzept. Die Messehallen liegen in direkter Nachbarschaft, es gibt in dieser Gegend schon mehr als genug große Hallen. Dass man die Halle nicht einfach der Messe AG zugeschlagen hat, ging nicht, weil sie bis vor ein paar Monaten ja noch Supermarkt war. Der Niedergang des Supermarkts und der Aufstieg der Hamburg Messe erfolgten gewissermaßen zeitlich parallel und rückblickend unglücklich. Da hätte man sich den Bau einer Messehalle sparen können. Schade, schade...


    Was sollte passieren?


    Es gibt Konzepte für die Nutzung eines Teils der Halle als Konzerthalle (4.000m²) und den Rest als Marktfläche, Lebensmitteldiscounter, Moschee und diversern anderen Kleinkram. Die Halle bleibt hierbei erhalten.


    Ein anderes Konzept sieht den Abriss der Halle und Wohnbebauung sowie einen Lebensmitteldiscounter vor. Dabei sollen die Straßenzüge der umgebenden Altbauviertel St.Pauli und Sternschanze städtebaulich aufgenommen werden. Wohnbebauung hat es hier eigentlich nie gegeben. Vor der Rindermarkthalle war das ein Teil des heute etwas kleineren Heiligengeistfelds. Eine ehemalige Weidefläche eines Hamburger Klosters, auf der heute traditionell der Hamburger Dom, Zirkus, usw. stattfindet.


    Die Hamburger Behörden und die Wirtschaft wünschen sich die Musikhalle.


    Die Menschen aus der Umgebung wünschen sich Wohnbebauung und Supermarkt.

    Naja, bis auf den Fernsehturm ist das alles nur vom Datum her Nachkriegsarchitektur. Interessant auch, dass es keine Wohngebäude in die Liste geschafft haben, denn Nachkriegsarchitektur zum Wohnen funktioniert nicht im großen Maßstab (Plattenbau) und im kleinen funktioniert sie auch nicht so richtig (Zersiedelung, unendliche immergleiche Vorstädte).


    Meine besten Nachkriegsbauten aus Deutschland:


    Olympiastadium München
    Alsterschwimmhalle Hamburg
    Kongresshalle Berlin


    Auch auf meiner Liste keine Wohngebäude und die Bauwerke sind nur für sich gesehen einigermaßen interessant. Kein Bezug auf die Umgebung - die könnten im Grunde überall stehen. Würde man Nachkriegsgebäude wie Menschen charakterisieren, so sind die allermeisten Nachkriegsbauten egoistische Soziopathen.

    Heute geht die Abrissprämie durch die Nachrichten. Genaueres wie beispielsweise konkrete Zahlen und Bedingungen sind noch nicht festgelegt, aber es soll wohl vor allem Gebäuden bis etwa in die 1970er Jahre an den Kragen gehen... Wenn man ein altes Haus abreißt und ein energiesparendes neues Haus auf das Grundstück stellt, soll es wohl eine Abrissprämie geben...?

    Ich bin Mitgesellschafter einer Firma, die so etwas macht und kenne mich auf dem Gebiet etwas aus. Gerade bei solchen Stuckaltbauten ist es oft so, dass sie in zweischaliger Bauweise errichtet wurden. Da bringt eine Dämmung der Außenfassade wenig bis gar nichts, weil die Luft in der Hohlschicht nicht wirklich steht. Wenn die Luft aber bewegt ist, beschränkt sich die Dämmwirkung auf die Excel-Tabelle des Energieberaters. In der Realität kommt davon (fast) nichts an.
    Besser ist es, den Hohlraum mit Dämmstoff auszublasen. Das ist günstiger, erreicht am Ende zugegeben nicht ganz so gute Dämmwerte wie 35cm Polystyrol an einem 1970er Jahre Haus - Aber dafür kann die ursprüngliche Fassade erhalten bleiben!


    Zur Hofseite und an Dach/Kellerdecke kann man dann etwas mehr dämmen.

    Erschreckend! Wenn man mal sieht, für wie wenig Geld Altbauwohnungen in Bremerhaven angeboten werden. Oft schon zu Preisen, für die man eigentlich nur einen gebrauchten Kleinwagen erhält. Man sehe sich mal die Rubrik Bremerhaven auf immobilienscout24 an...


    Im Bild-Artikel steht, dass an allen Häusern jahrelang keine Reparaturen ausgeführt wurden, weil die Eigentümer alle von Immobilienhaien reingelegt wurden und nun kein Geld mehr für die Sanierung da ist.


    Die ganzen Billig-Angebote - sind das alles Abzock-Opfer?

    Ausgezeichnet, dass die Häuser an verschiedene Eigentümer gehen! So wirken sich eventuelle Fehler im Konzept eines Einzelnen nicht gleich fatal auf die ganze Anlage aus. Es entsteht ein Wettbewerb der Konzepte und Ideen! Dass es nicht zu sehr ausartet, dafür sorgt dann hoffentlich der Denkmalschutz...
    Ist eigentlich bekannt, wie die Eigentümerstruktur zur Zeit der Erbauung war? Hat da alles verschiedenen Personen gehört oder gab es einen Eigentümer für das ganze Dorf?

    Berlin hatte ja auch einen französischen Sektor. Ich hab sogar noch ein Schild als Souvenir: "Hier Ende des Französischen Sektors"
    Ich vermute, da sind einfach irgendwelche Angestellten der französischen Regierung (Pariser Kennzeichen!) ins Ostberliner Kino gegangen. Hoffentlich haben sie die Fahrt ins Kino korrekt bei den Spesen abgerechnet als geldwerten Vorteil.
    Obwohl... Ist heute sowieso verjährt...

    Quote from "Der Herzog"

    ...
    Dort fand auch nie Happylife statt, wie auf den Bildern suggeriert. Die schicken zweifarbigen Bulliden stammten mit Sicherheit nicht aus der DDR.


    Die beiden zweifarbigen Autos vor dem Kino sind 311er oder 312er oder 313er Wartburgs. Welche genau, kann vielleicht ein geborener etwas älterer Ostdeutscher sagen. Sooo genau kenne ich mich da in den Unterschieden auch nicht aus. Nur: die sind genau so zweifarbig von den Fließbändern in Eisenach gelaufen. Aber "Boliden" im Sinne von kraftstrotzender Straßenkreuzer waren das nicht gerade. Eher ziemlich bescheiden motorisierte brave Familienkutschen. Doch auch der schönste klassische Kombi stammt aus Eisenach: An den Wartburg 311 Camping (ggfs. noch mit Faltdach) reicht in Sachen Prachtentfaltung kein anderer gesamtdeutscher Nachkriegskombi heran.
    In Westdeutschland war diese Zweifarbenlackierung Ende der 50er/Anfang der 60er auch sehr in Mode (Ford Taunus 17m P2 oder Opel Rekord P1/P2)




    Zu den Bauten: Erinnert sehr stark an die erste handvoll/einige handvoll Sockelgeschosse von amerikanischen Wolkenkratzern aus den 1930er Jahren. In New York z.B. folgen dem Sockel noch ein paar Dutzend weitere Geschosse...
    Gefällt mir auch besser als das Hansaviertel oder spätere DDR-Plattenbauten.