Posts by Maxileen

    Ich frag mich nur, ob Minden noch ein Einkaufszentrum braucht. Da wurde doch schon in den Achtzigern dieses Obermarktzentrum errichtet, für das man ganze Straßenzüge geopfert hat - und maßstabssprengende Kaufhäuser gibt es auch schon genug. Und selbst wenn man dieses neue Einkaufszentrum mit kleinteiligen Fassaden kaschiert, ist es dahinter noch immer ein großer, zusammenhängender Klotz.

    Nun folgt erstmal meine vorerst letzte Bildergalerie - ich muss erst neue Fotos machen :D


    Blomberg ist eine Kleinstadt im Kreis Lippe (knapp 20.000 Einwohner), deren Altstadt auf einem Bergsporn liegt und so von Norden ein schönes Panorama bildet. Außerdem ist es die Geburtsstadt von Altkanzler Gerhard Schröder, der im 1971 eingemeindeten Dorf Mossenberg geboren ist (darum hatte er sich letztes Jahre auch mit Jaques Chirac in Blomberg getroffen).


    Man sollte die Altstadt unbedingt von der Südseite aus betreten, denn dort befindet sich mit dem Niederen Tor das einzige noch erhaltene Stadttor im Kreis Lippe (und ich glaube auch der umliegenden Kreise). Leider zwängt sich noch immer der Autoverkehr durch dieses Nadelöhr:


    Die Burg im Stil der Weserrenaissance wird heute als Hotel genutzt:


    Der Innenhof der Burg wird durch eine hohe Mauer abgeschlossen:

    Das Amtshaus steht direkt neben der Burg und ist neben dieser das einzige (erhaltene) Fachwerkhaus mit Fächerrosetten (die meisten anderen Fachwerkhäuser haben sich am Rathaus orientiert, das vor allem Zahnschnitt zeigt):

    Im kleinen, aber parkartigen Garten des Amtshauses befindet sich ein Rest der Stadtbefestigung mit Schalenturm:

    Hinter der Stadtmauer fällt das Gelände etwa 30 m steil ab und man hat freien Blick auf die nahezu unbebaute Landschaft:

    Das Rathaus von 1587 mit drei Fachwerkgiebeln und steinernem Unterbau:

    Wie schon erwähnt, war dessen Fachwerkschnitzerei prägend für die übrigen Bauten der Zeit um 1600:




    Im neben dem Rathaus und der Burg einzigen frühneuzeitlichen Steinbau (Langer Steinweg 23) ist mal wieder eine Automatenspielhalle untergebracht:

    Die mittelalterliche Martinikirche wurde wegen Baufälligkeit Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen. Nur den Turm ließ man stehen:

    Zum Schluss noch ein Bild aus der Kuhstraße und eines aus der daran anschließenden Petersilienstraße mit nahezu geschlossenen Zeilen aus kleinstädtischen (teils noch verputzten) Fachwerkhäusern des 16. bis 19. Jahrhunderts. Man sieht auch sehr gut das recht stark ansteigende Gelände:


    P.S.: Über Pfingsten bin ich bei meinen Eltern in Lemgo. Vielleicht schaffe ich es da mal, nach Herford zu fahren und zu fotografieren, was man dort von der Altstadt noch übriggelassen hat.

    Das letzte Bild finde ich besonders interessant. Die beiden Neubauten fallen einem erst auf den zweiten Blick auf, weil sie sich in ihren Proportionen, der Dachform und den Fensterachsen offenbar am links daneben stehenden Bau orientiert haben. Man hätte vielleicht noch Balkons statt des gläsernen Treppenhauses (?) zur Straße hinbauen können, aber ich vermute, heutzutage möchte keiner mehr einen Balkon zur Hauptstraße hin haben - vor 100 Jahen war das ganz offensichtlich noch anders.

    So, mal wieder was neues aus Ostwestfalen. Diesmal kommt die Stadt Bad Salzuflen im Kreis Lippe dran, die vor allem durch ihren Status als Staatsbad bekannt ist. Durch seine Solequellen hat der bis ins 14. Jahrhundert nur kleine Marktflecken im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit einen recht hohen Reichtum gewonnen, der sich auch in den reich verzierten Häusern, vor allem am Markt und der Langen Straße, zeigt.


    Die Alstadt ist recht gut erhalten, sieht man mal von dem Quartier im Norden der Altstadt entlang der Oberen und Unteren Mühlenstraße ab, deren historische Bebauung der "Stadtsanierung" in den 1970ern komplett zum Opfer gefallen ist.


    Am besten nähert man sich der Stadt von der Osterstraße, denn die führt direkt auf den Marktplatz mit dem Rathaus zu.


    Zuvor kommt man jedoch an einigen Häusern mit "schmucken" Ladeneinbauten vorbei:


    Osterstraße 40:


    Das Rathaus mit seinem Renaissancegiebel dominiert den Marktplatz:

    Der leider zugebaute Rückgiebel zeigt noch spätgotische Formen (ich hab das Bild gedreht, darum fehlen da ein paar Ecken):

    Die schönsten Häuser stehen am Markt. Besonders bemerkenswert sind die Steinhäuser Markt 32 (rechts) und 34:



    Auch die nebenan stehenden Häuser Nummer 36 und 38 sind renaissancezeitliche Steinhäuser. Leider ist bei Nummer 36 von der Zier nicht mehr viel zu erkennen und bei Nummer 38 muss man rumpuzzeln:




    Das Haus Markt 23 wurde 1504 erbaut und ist damit das älteste (bekannte) Haus der Stadt. Leider wurde der Giebel um 1800 erneuert, die Innere Aufteilung mit Diele, Kammern, Gewölbekeller und Saal ist jedoch noch recht gut erhalten (die Bilder vom Inneren stammen vom Tag des offenen Denkmals 2004):




    Reste der Schnitzereien am rechten Stubeneinbau:

    Historisches Dielenpflaster:

    Ein weiteres Renaissancehaus am Markt, das bis etwa 1920 noch eine alte Utlucht auf der rechten Seite hatte. Der Giebel wurde schon vorher verunstaltet, sodass an der Fassade jetzt nichts mehr auf das hohe Alter hindeutet:

    Die Lange Straße, neben dem Markt eines der Highlights der Altstadt. Besonders bemerkenswert sind die Häuser Nummer 33-43, leider ausnahmslos mit mehr oder weniger angepassten Ladeneinbauten (das Problem ist eben, dass die schönsten Straßen auch die belebtesten und somit die lukrativsten für Ladenbesitzer sind):


    Noch ein Puzzlespiel:



    Dieses Haus wurde gerade saniert, als ich in der Stadt war:

    Die Ritterstraße zweigt vom Marktplatz nach Norden ab. An ihrem Anfang stehen einige weitere Steinhäuser aus der Renaissance, leider allesamt stark umgebaut:





    Geht man weiter die Ritterstraße bergauf, gelangt man in die Straßen Schennershagen und in die Turmstraße (mit eher schlichteren, aber recht geschlossenen Reihen von Fachwerkhäusern), wo entlang eines Rests der Stadtmauer der Katzenturm steht, der als einziger die Schleifung der Befestigung im 19. Jahrhundert überstanden hat.



    In der Wenkenstraße finden sich einige ältere, teils auch verzierte Bauten, wie das Haus Nummer 10 (allerdings habe ich keine Ahnung, was diese Streifen auf dem Putz bedeuten sollen):



    Irgendwie scheint es in Bad Salzuflen Mode zu sein, das Holz komplett von allen Farbschichten zu befreien und mit einem durchscheinenden grau zu belegen:

    Das beeindruckende und bestens erhaltene Haus Obere Mühlenstraße 1 lässt sich wegen der schmalen Straße leider nicht am Stück fotografieren. Das Tor und die Fenster unterhalb des Giebels sind übrigens rekonstruiert. In der wiederhergestellten Diele befindet sich noch ein alter Kamin:


    In der Dammstraße wurden einige neue (?) Fachwerkhäuser errichtet, vermutlich als Ersatz für die durch die "Stadtsanierung" zerstörten - und wenn es sich nicht um Neubauten handelt, dann haben die beiden Häuser zumindest seltsame Proportionen:


    Das Flüsschen Salze führt mitten durch die Stadt - führt aber bloß Süßwasser (links einer der Neubauten an der Unteren Mühlenstraße):

    Ein historistisch überformtes Renaissancehaus an der Steege, bei dem man nur noch schwer erkennen kann, was alt und was neu ist:



    Zum Schluss noch ein Haus an der Dammstraße, das offenbar einiges mitmachen musste in seinem Leben:

    Wie schon gesagt, gegen Komplettrekonstruktionen habe ich auch nichts, wenn dadurch kein denkmalwertes Gebäude weichen muss. Und meiner Meinung nach (und der Meinung vieler Denkmalschützer nach) sind eben viele Wiederaufbaulösungen der Nachkriegszeit durchaus schon denkmalwürdig, wenn man sie mit dem Abstand der Jahrzehnte betrachtet. Vor allem, was den veränderten Wiederaufbau nicht völlig zerstörter Gebäude betrifft (wie schon erwähnt z.B. des Salzhauses und des Pellerhauses). Mag sein, dass beide Wiederaufbaulösungen nicht mehr den heutigen Zeitgeschmack treffen, mag sein, dass viele Leute sie sogar ziemlich hässlich finden (vor allem das Pellerhaus), aber dennoch sind sie eben ein Zeichen der Geschichte. Nicht nur der Zerstörungsgeschichte, sondern eben vor allem auch der Wiederaufbaugeschichte und der Bau- und somit auch Kulturgeschichte der 1950er und 1960er.


    Ich sehe zum Beispiel auch den Abriss des Palastes der Republik kritisch. An sich war das ein ziemlich hässliches Ungetüm, aber es hatte eben dadurch auch einen gewissen Reiz, und es war auf jeden Fall ein Zeichen der DDR-Geschichte.

    Eigentlich sind solche Häuser typisch für ganz Nord- und Westdeutschland, vom Münsterland über Ostwestfalen bis nach Lübeck. In Kaufmannshäusern dienten die Einfahrten dazu, dass Kunden oder Lieferanten die Waren direkt ins Haus fahren konnten, wo sie dann mit einer Seilwinde in den Dachraum gezogen wurden, wo das meiste gelagert wurde. In Handwerkerhäusern war es ähnlich, nur dass dort dann eher Waren für den eigenen Bedarf unter dem Dach lagerten.


    Leider sind vor allem in den größeren Städten diese Torbögen meist (vor allem bei Fachwerkhäusern, die sich leichter umbauen ließen) im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts verschwunden, weil die hohen Dielen zweigeschossig ausgebaut wurden und da dann die großen Eingangstore im Weg waren.


    Aber auf dem Land oder in kleineren Städten finden sich zum Glück bis heute manche unverbauten (Fachwerk-) Häuser.


    Auch das leider arg verunstaltete Haus Mittelstraße 40 dürfte früher so ein großes Portal gehabt haben, nur eben aus Sandstein.

    Heute nehme ich mir mal eine Stadt vor, die wahrscheinlich kaum einer kennt.


    Das lippische Horn gehört zur Stadt Horn-Bad Meinberg und ist heute eine Doppelstadt, die bei der Gebietsreform Anfang der 1970er aus der mittelalterlichen Stadt Horn und dem Kurort Bad Meinberg (und weiteren kleinen Gemeinden) entstand. Zwar hat auch Bad Meinberg mit seinem barocken Kurpark einiges zu bieten, allerdings eher für Leute, die Ruhe und Erholung suchen :)


    Horn hingegen macht ganz den Eindruck einer verschlafenen Kleinstadt (von den 19.000 Einwohnern der Stadt wohnen 7.000 in Horn), die immer noch recht ländlich wirkt und deren Altstadt man in etwa einer Stunde besichtigt hat. Trotz eines Stadtbrands 1864, dem auch das Renaissancerathaus zum Opfer fiel und diversen Erneuerungsmaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg sind einige schöne Bauten, fast ausschließlich aus Fachwerk, erhalten. Die Fotos sind vom letzten Sommer, da war auch das Wetter besser als bei meinem Ausflug nach Detmold im März :)


    Nordstraße 5, dringend renovierungsbedürftig. Interessant finde ich, dass die Schnitzereien zwar Fächerrosetten zeigen, diese aber völlig anders aussehen als in den Nachbarstädten Detmold, Lemgo und Bad Salzuflen:



    Nordstraße 9, erbaut 1579:

    Nordstraße 11, barockes Fachwerk von 1725:


    Nordstraße 21 - der Bauherr hatte offenbar viel zu sagen :):

    Weitere Häuser in der Nordstraße. Verdächtig viele davon stammen von 1731, offenbar gab es da schon einmal einen größeren Stadtbrand:




    Mittelstraße 40, eines von zwei erhaltenen Steinwohnhäusern der Zeit vor 1800, leider fehlt die ursprüngliche Giebelspitze, weil der Dachstuhl irgendwann erneuert wurde:



    Mittelstraße 48:

    Mittelstraße 65. Das Haus wurde beim Stadtbrand 1864 beschädigt, konnte bis auf den Giebel aber offenbar gerettet werden:


    Burg Horn, erbaut um 1350, stark umgebaut 1656-59:


    Die Malzdarre, der letzte erhaltene Stadtmauerturm


    Zum Schluss noch ein Blick auf die Externsteine, die nur etwa eineinhalb Kilometer von der Altstadt entfernt liegen.


    Falls dort mal einer vorbeischaut, sollte er auf jeden Fall mal durch die Horner Altstadt laufen. Die ist zwar nichts weltbewegendes, aber zumindest eine nette Kleinstadt mit teils sehr schönen alten Häusern. Nur bei der Sparkasse, die eine ganze Marktplatzseite einnimmt, sollte man vorher tief Luft holen.

    Quote from "baukunst-nbg"

    Die häufig weniger schützende Behandlung der Historismusbauten liegt wohl daran, daß Bauten aus dieser Epoche noch vergleichsweise häufig sind und daher deren Wert nicht abstrakt beurteilt wird. Dies ist für mich aber notwendig, da schon aufgrund der Immobilieneigenschaft es keine zwei gleichen Denkmäler geben kann.
    So werden Gründerzeit-Mietshäuser, besonders wenn sie nicht mehr hundertprozentig original erhalten sind oder nicht so aufwendig gestaltet sind (für mich kein Kriterium) als Massenware gesehen, so daß Eingriffe von der Bevölkerung leichter geduldet, vom Eigentümer eher in Kauf genommen, von der unter Druck stehenden Denkmalpflege gebilligt werden und damit insgesamt leichter möglich sind.


    Stimmt, historistische Bauten sind besonders gefährdet, was Abrisse und Umgestaltungen angeht, weshalb sie von der Denkmalpflege auch besondere Aufmerksamkeit brauchen. Dass ein barockes oder ein noch älteres Gebäude schützenswert ist, sehen auch die meisten Hauseigentümer ein (obwohl es auch da leider genügend Ausnahmen gibt), doch der Wert historistischer Häuser wird offenbar noch nicht überall hoch genug geschätzt - wohl, weil es in vielen Städten noch immer enorm viele davon gibt.


    Quote from "baukunst-nbg"

    Ich meine, daß für alle Denkmäler gleiche Kriterien gelten sollten; wenn zwei Bauwerke die Kriterien erfüllen, dann kann eines nicht nur aus dem Grund ungeschützt sein, weil es aus einer anderen Epoche stammt. Für eine unterschiedliche Bewertung der "Wichtigkeit" der Epochen gibt es keine objektive Rechtfertigung.


    Ich wollte damit nicht sagen, dass Nachkriegsbauten weniger wert sind, aber man muss da eben besonders drauf achten, was schützenswert ist und was nicht. Zum einen, weil Nachkriegsbauten von vielen generell für hässlich gehalten werden (ich finde die meisten auch nicht sonderlich schön), und zum anderen, weil es eben eine schier unerschöpfliche Zahl an Nachkriegsbauten gibt. Deshalb sollten die Denkmalschützer eben nur solche Bauten unter Schutz stellen, die relativ ursprünglich erhalten und/oder für die Epoche prägend sind, damit bei der Bevölkerung nicht das Gefühl aufkommt, es würde nun alles unter Schutz gestellt, was in der Zeit des Wiederaufbaus errichtet wurde.
    Natürlich sollten für alle Bauten, egal ob sie nun 500 oder 50 Jahre alt sind, egal ob es sich um ein Schloss, eine Kirche oder ein Wohnhaus handelt, die gleichen Kriterien gelten, wie es schon die Charat von Venedig verlangt.


    Quote from "baukunst-nbg"

    Ich frage mich aber immer wieder, warum sich die Denkmalpflege eigentlich so gerne mit den "großen" Rekonstruktionen, d. h. Neubaumaßnahmen, auseinandersetzt, obwohl dies außerhalb ihres selbst definierten Zuständigkeitsbereiches - alte Originalsubstanz - liegt? Die Frage nach diesen Rekonstruktionen hat nach meinem Verständnis außerhalb der Denkmalpflege entschieden werden, die Denkmalpflege sollte jedoch die Ausführung mit ihrem Fachwissen unterstützen.
    Natürlich werden Rekonstruktionsprojekte gelegentlich innerhalb eines geschützten Ensembles/Denkmalbereichs wie einer Altstadt oder in der unmittelbaren Nachbarschaft von Einzeldenkmälern liegen, oder es ist noch Denkmalsubstanz auf dem Grundstück. Dann sind denkmalpflegerische Belange unbestritten betroffen.


    Ich denke, gerade darum geht es der Denkmalpflege auch, wenn sie sich in Rekonstruktionsdiskussionen einmischt. Und rekonstruierte Bauten werden (abgesehen von Freilichtmuseen) ja auch in der Regel nicht auf der grünen Wiese errichtet, sondern am oder in der Nähe von ihrem ursprünglichen Standort, und da mischt sich die Denkmalpflege eben dann ein, wenn es darum geht, zu beurteilen, ob der Bau, der dem zu rekonstruierenden Denkmal im Wege steht, schützenswert ist (der "Palast der Republik" wäre es sicherlich, weil er ein wichtiges geschichtliches Zeugnis darstellt, aber für den ist ja die Zeit abgelaufen).


    Quote from "baukunst-nbg"

    Grundsätzlich finde ich auch nur die Rekonstruktion am Originalstandort gut, wobei ich aber Zentimeterfeilschen für überzogen halte. Dazu kommt man aber, wenn man an Rekonstruktionen museal-wissenschaftliche Ansprüche stellt. Nach diesen können Rekonstruktionen natürlich überhaupt nicht gerechtfertigt sein, weil dazu ein hundertprozentiges Abbild geschaffen werden müßte, was selbst ohne Berücksichtigung der Altersfrage des Materials nicht möglich ist.


    Natürlich kann man einen rekonstruierten Bau nie hundertprozentig dem Original angleichen und wenn die Rekonstruktion auf dem Nachbargrundstück steht, weil das ursprüngliche nicht mehr verfügbar ist oder wenn es wegen verbreiterter Straßen nach hinten versetzt wieder aufgebaut wird, um nicht mitten im Weg zu stehen, ist das meiner Meinung nach auch noch okay, aber die Rekonstruktion an einem völlig anderen Standort zu errichten finde ich falsch, eben wegen den vorher angeführten Gründen.


    Zumal man ja auch bedenken muss, dass Rekonstruktionen meist äußerst teuer sind. Es könnte ja schließlich sein, dass der ursprüngliche Bauplatz eines woanders wieder errichteten Gebäudes wider Erwarten plötzlich frei wird, und dann ist es eben schwierig, den Bau an den "richtigen" Standort zu translozieren. Und eine zweite Kopie zu errichten wäre noch seltsamer - und noch teurer.


    Quote from "baukunst-nbg"

    Erklärungsbedürftig finde ich den zwingenden Zusammenhang zwischen Rekonstruktionsverbot auf Denkmalsubstanz und der Frage nach der Kopierbarkeit. Vielleicht könntest du das noch etwas plastischer darstellen? Ich vermute, daß gemeint ist, daß die Rekonstruktion den vielbeschworenen "authentischen", d. h. den ohne Rekonstruktion bestehenden Zustand verwischen könnte, was das Restdenkmal beeinträchtigen könnte.


    Genau das meinte ich. Mit der Rekonstruktion eines Denkmals wird ja auch ein wenig die Geschichte negiert, weil man mehr oder weniger so tut, als sei das Gebäude nie beschädigt gewesen. Darum sollte man eine Rekonstruktion auch immer irgendwie als solche kenntlich machen, zum Beispiel mit einer sichtbaren, aber nicht sonderlich störenden Inschrift.


    In der Denkmalpflege ist man ja inzwischen auch dazu übergegangen, Restaurierungen mit möglichst wenig Eingriffen in die Originalsubstanz durchzuführen und so viele Spuren der Baugeschichte zu erhalten wie möglich. Das kann man sehr schön beim kulturhistorischen Museum in Stralsund sehen (http://www.stralsundtourismus.de/museumshaus.0.html\r
    http://www.stralsundtourismus.de/museumshaus.0.html), das eben so viele seiner Bauspuren zeigt, wie möglich - auch wenn es dadurch vielleicht nicht unbedingt sonderlich schön aussieht, aber darum geht es der Denkmalpflege ja auch nicht.


    Quote from "baukunst-nbg"

    Was ist denn wirklich so schlimm an der Kopie der Leibnizhausfassade? Daß man hier ein Stück lokaler historischer Baugeschichte zitiert? Ich finde, da gibt es wesentlich schlimmeres Gebautes. Solange man nicht die Türme der Nürnberger Burg vertauscht ... :zwinkern:


    Was mir an der Leibnizhausfassade nicht gefällt, ist eben, dass es sich nur um eine Fassadenrekonstruktion handelt und noch dazu am falschen Standort, weil am Originalstandort ein ziemlich hässliches Parkhaus steht. Das wirkt eben einfach wie ein Museumsstück, das man am Holzmarkt abgestellt hat, weil sonst nirgends Platz dafür war.


    Quote from "baukunst-nbg"

    Es ist natürlich nicht möglich, eine "purifizierende" Restaurierung im Sinne eines bestimmten Eindrucks in wissenschaftlich befriedigender Weise durchzuführen. Bei einem architekturgeschichtlich so überragenden Denkmal wie der Michaelskirche ist es natürlich besonders augenfällig, wenn Widersprüche auftreten. Aber die ausgebombte Ruine der Kirche hatte auch so wenig Substanz übrig gelassen, daß doch ein gewisser Freiraum beim Wiederaufbau bestand.
    Phantasieprodukt: nicht ganz, denn es gab ja Prämissen und Vorlagen. Bei der Michaelskirche war es ja auch keine purifizierende Restaurierung, sondern ein Wiederaufbau.


    Stimmt, ein Wiederaufbau ist noch was anderes als eine Rückrestaurierung. Aber nichtsdestotrotz wurde dabei noch mehr von der ohnehin stark dezimierten Originalsubstanz zerstört, zum Beispiel das barocke Obergeschoss der unversehrt erhaltenen Apsis. Und da ist St. Michael kein Einzelfall. Im Würzburger Dom wurde der barocke Stuck im Langhaus entfernt (bzw. nach Einsturz einer Langhauswand und Abriss der anderen nicht rekonstruiert), weil der damalige Bischof den Barock nicht leidern konnte.


    Quote from "baukunst-nbg"


    Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Hätten man in früherer Zeit nach den heute geltenden Maximen der Denkmalpflege gehandelt, wären diese Maßnahmen überhaupt nicht stattgefunden. Kann man dann etwas schützen und gut finden, was heute verboten wird?


    Das ist eine gute Frage. Aber ich sage einfach mal ja, weil man heute mit den Bauten eben anders umgeht als früher. Im Barock oder im Historismus hat man es nicht für schlimm befunden, ein Gebäude mit starken Eingriffen in die Bausubstanz zu modernisieren, aber ich glaube, man hat damals einfach mehr als heute (oder auch mehr als vor 50 Jahren) darauf geachtet, diese Modernisierungen an das Vorhandene anzupassen. Wenn eine Kirche barockisiert wurde, hat man vielleicht eine neue Fassade davorgesetzt oder die vormals glatten Wände stuckiert oder eine Flachdecke in ein Tonnengewölbe verwandelt, aber ich glaube, man hat nur selten das ganze Langhaus abgerissen und neu gebaut, um seine architektonischen Träume zu verwirklichen.


    Es wird auch weiterhin Umbauten an denkmalgeschützten Häusern geben, und das muss es auch, um sie weiterhin benutzbar zu machen (niemand würde in ein Haus ohne Toilette oder elektrischen Strom einziehen wollen), aber während es früher vor allem ästhetische Gründe für eingreifende Umbauten gab, sind es heute oft wirtschaftliche (Entkernungen, große Schaufenster, zerstörender Dachausbau), wobei dann wenig auf künstlerische oder historische Werte geachtet wird.


    Quote from "baukunst-nbg"

    Von einer "Wiederherstellung" kann hier wohl keine Rede sein. :weinen:


    Zugegeben, das Pellerhaus ist im jetzigen Zustand wirklich kein Schmuckstück, aber in den Fünfzigern fand man das Ergebnis sehr gut, gerade eben auch im Hinblick auf die Kombination von alt und neu - und gerade deshalb finden es viele Denkmalschützer in seinem jetzigen Zustand auch erhaltenswert, eben als Zeichen der damaligen Zeit.


    Quote from "baukunst-nbg"

    Meine Meinung ist, daß in dem Fall, daß keine wertvolle Originalsubstanz leidet und keine grobe Verunstaltung betroffener Denkmäler droht, Rekonstruktionen überhaupt kein Problem darstellen dürfen, nicht zuletzt im Hinblick auf die vergessene verfassungsrechtliche Baufreiheit und auf eine Belebung der Stadtbildpflege. Keiner will auf dem Forum Romanum oder der Akropolis leben, aber die Altstadt von Danzig ist, auch wenn die Rekonstruktion alles andere als wissenschaftlich akzeptabel ist, sehr beliebt und die Menschen sind damit zufrieden. Angesichts der geringen Zahl an Rekonstruktionen und deren Volumen gemessen an übrigen Bauvorhaben dürfte auch die Angst vor der Banalisierung der Architektur in Deutschland durch Kopiererei von Altem maßlos übertrieben sein. Auch im Vergleich zur Anzahl an "echten" Baudenkmälern kann man die heutigen und künftigen Rekonstruktionen an einer Hand abzählen.


    Sehe ich auch in etwa so. Das Problem ist eben nur, dass es immer Auslegungssache ist, was zum Beispiel "grobe Verunstaltung betroffener Denkmäler" ist. Viele Denkmalschützer sehen es jedenfalls als bedenklich an, dass gerade in den letzten 20 Jahren so viele verändert wieder aufgebaute Baudenkmäler (vor allem Kirchen) in den Vorkriegszustand zurück versetzt wurden, wo man sich nach dem Krieg bewusst dafür entschieden hatte, das Gebäude in modernen Formen wieder aufzubauen oder einen älteren Zustand zu rekonstruieren. Um noch mal auf meinen Prof zurückzugreifen: Der meinte, das hätte etwas von Beliebigkeit. In den 50ern wollte man beispielsweise beim Wiederaufbau den Barock aus einer Kirche raus haben und hat sie deshalb purifiziert, irgendwann gefiel das nicht mehr und man hat den ganzen Stuck mit viel Zeit- und Geldaufwand rekonstruiert. Es könnte ja sein, dass auch das dem Kirchenvorstand irgendwann nicht mehr gefällt und er das in 20 oder 30 Jahren abermals rückgängig machen will, zumal der Stuck ja ohnehin nicht mehr ursprünglich ist. In unserer modernen Zeit gibt es eben das Problem, dass sich die Geschmäcker von Generation zu Generation immer schneller und immer stärker wandeln. Darum gibt es ja bei moderner Architektur auch keine allgemein gültigen Regeln mehr, alles ist möglich, während zur Zeit von Renaissance oder Barock oder Historismus nur wenige Architekten oder Bauten aus dem Rahmen fielen.

    Quote from "Kindvon2dresdnern"


    Das ist nicht ganz richtig. Richtig ist, dass die Kirche in den 50ern wieder nutzbar gemacht wurde, somit die Möblierung dem Stile der 50er entspricht. Veränderungen am Bauwerk wurden im Großen und Ganzen nicht durchgeführt, sondern der beschädigte Stuck belassen und ansonsten mit Spritzzement "verputzt" wurde. Zugegebermaßen hat das auch eine imposante vernarbte Wirkung. Die Dresdner wünschen aber, soweit ich weiß, keine Veränderung dieses Zustandes in absehbarer Zeit.


    Nach den Bildern, die uns der Dozent in der Vorlesung gezeigt hat, war 1946 der meiste Stuck noch an den Wänden gewesen, lediglich die Deckenkuppel war eingestürzt und das Innere ausgebrannt. Und der Altar war zwar beschädigt, aber durchaus noch erhaltungsfähig. In der Wikipedia steht, es wurde deshalb noch mehr Stuck entfernt als zerstört war, weil der sich durch den Brand gelockert hatte. Wäre natürlich möglich, aber der Prof vermutete, der wäre bis auf die erhaltenen Reste entfernt worden, weil der Jugendstil damals nicht sonderlich hoch im Kurs stand.

    Eigentlich hatte ich an dem Tag, wo ich Bielefeld besucht habe, auch noch einen Abstecher nach Herford geplant. Aber da ich die ganze Speicherkarte meiner Kamera (sind nur 128 mb) schon dort voll gemacht hatte, habe ich Herford auf ein anderes Mal verschoben. Wenn ich nächstes Mal in OWL bin, werde ich aber auf jeden Fall auch mal Herford einen Besuch abstatten (wird aber wohl erst nach dem Sommersemester sein, also frühestens im August).

    Als angehender Archäologe und Denkmalpfleger will ich auch mal meinen Senf zu dem Thema abgeben:


    Es stimmt, dass sich die Denkmalpflege vor allem auf schützenswerte Bauten aus der Zeit bis zu Historismus, Jugendstil und Bauhaus konzentrieren sollte, die noch immer viel zu oft verunstaltet oder gleich ganz abgerissen werden. Nachkriegsbauten sollten nur in besonderen Fällen (unverändert erhaltene, für die Epoche prägende oder einmalige Bauten) unter Schutz gestellt werden, denn immerhin gehen dafür auch öffentliche Gelder drauf (auch wenn die Fördermittel für die Sanierung von Baudenkmälern inzwischen ein Witz sind).


    Was die Rekonstruktion historischer Bauten angeht, muss man das von Fall zu Fall entscheiden. Auf jeden Fall sollte dies nur geschehen, wenn der Originalbauplatz frei ist bzw. keine denkmalwürdige Substanz enthält, denn theoretisch kann man an neuen Standorten beliebig viele Kopien eines Bauwerks errichten, am Originalstandort aber nur eine einzige. Zudem war der Ursprungsbau durch seine Größe (Parzellenbreite) und sein Aussehen (Stil, Fassadenschmuck der Nachbarbebauung, zum Beispiel Kopie von Rathausfassaden o.ä.) mit dem Originalstandort eng verbunden. So etwas wie die nachgebaute Fassade des Leibnizhauses in Hannover an einem anderen Standort finde ich zum Beispiel ziemlich daneben - zumal sie an ihrem jetzigen Standort in der ebenso großen Nachbarbebauung nicht sonderlich dominierend wirkt.


    Was die Rückführung eines Bauwerks in einen älteren Zustand angeht, muss man das auch wieder differenziert betrachten. Nehmen wir zum Beispiel St. Michael in Hildesheim. Die Kirche wurde im Krieg extrem stark beschädigt und sollte beim Wiederaufbau in den Ursprungszustand des 11. Jh. zurückversetzt werden. Das Problem war, dass man diesen nicht kannte. Man verwendete eine Zeichnung des 17. Jh. als Vorlage, die allerdings einen idealisierten Zustand der ursprünglichen Erscheinung darstellte. Das heißt, die wieder aufgebaute Kirche ist mehr oder weniger ein Phantasieprodukt, und noch dazu recht uneinheitlich, da die gotischen Fenster des 15. und die Holzdecke des 13. Jahrhunderts erhalten blieben, obwohl man die Kirche des 11. Jahrhunderts zeigen wollte.


    Von daher sollte man ein Gebäude, egal ob Kirche oder Bürgerhaus, nur dann rekonstruieren oder ergänzen, wenn man den Zustand, in den man das Gebäude zurückführen will, möglichst genau kennt - und wenn die Umgestaltungen das Gebäude mehr schädigen als bereichern. So wird heute wohl keiner mehr bezweifeln, dass die barocke oder selbst die historistische Umgestaltung eines Bauwerks erhaltungswürdig ist, zumal sie einen wichtigen Aspekt der Geschichte des Gebäudes darstellt.


    Das Problem beim Wiederaufbau zerstörter Gebäude nach dem Krieg ist, dass viele der Bauten, wenn sie nicht originalgetreu rekonstruiert wurden, in zeitgenössischen Formen wiederhergestellt wurden (Pellerhaus in Nürnberg, Salzhaus in Frankfurt etc.). Und da ist nun die Frage, inwieweit diese Zustände erhaltenswert sind. Es war ja eigentlich schon immer so, dass zerstörte Gebäude im Stil der Zeit wiederaufgebaut wurden (der Historismus mag da eine Ausnahme sein, mit den ganzen Domvollendungen etc.). Die Dresdner Kreuzkirche beispielsweise wurde im 18. Jahrhundert nach einem Brand im Barockstil wieder aufgebaut, nach einem erneuten Brand um 1900 in Jugendstilformen (obwohl man den barocken Zustand hätte rekonstruieren können) und nach dem Krieg im Stil der 50er Jahre, obwohl die Veränderungen des Jugendstils (Stuck etc.) nicht so stark zerstört waren, wie es jetzt den Anschein hat.


    Die Debatte, Gebäude wieder in einen alten Zustand zurückzuführen oder zu rekonstruieren, ist erst in den letzten 20, 30 Jahren richtig entflammt, und seitdem wurden viele Gebäude rekonstruiert oder veränderte Wiederaufbauten (z.B. Frauenkirche in München) in eine Totalrekonstruktion umgewandelt. Die Frage ist, ob man nach 50 Jahren überhaupt schon sagen kann, ob ein veränderter Wiederaufbau nicht doch genügend Qualitäten besitzt, um ihn mit all seinen Veränderungen, die ja auch Spuren seiner Geschichte sind, zu erhalten.


    Interessanterweise ist es ja so, dass die nachfolgende Generation immer den Stil der vorherigen Zeit verschmäht. Im frühen 19. Jahrhundert konnte man nichts mit dem Barock anfangen, im späten 19. Jahrhundert mochte man den geradlinigen und strengen Klassizismus nicht. Schon in den 1920ern war der Historismus verpönt, was sich bis in die 70er Jahre hinein hielt, und heute finden die meisten den Stil der 50er und 60er potthässlich. Von daher finde ich es ganz gut, wenn über manche bedeutende Fünfziger-Jahre-Bauten (oder Fünfziger-Jahre-Wiederaufbauten) die Denkmalpfleger ihre schützende Hand legen, bevor sie alle umgestaltet oder abgerissen werden. Nur wie gesagt, man muss da Prioritäten setzen (ältere Bauten haben Vorrang vor Nachkriegsbauten, schützenswert sind auch nur besonders auffällige, ursprünglich erhaltene Bauten der 50er und 60er).


    Natürlich ist das alles Geschmacks- und Auslegungssache, und ich glaube, das ist auch ein großes Problem innerhalb der Denkmalpfleger, dass es da von Person zu Person ziemlich divergierende Ansichten gibt, was sich natürlich in den praktischen denkmalpflegerischen Maßnahmen jedes Bundeslandes oder gar jedes Ortes unterschiedlich zeigt.

    Das Thema Wiederaufbau von Danzig kam zufällig gerade letzte Woche in der Vorlesung in Denkmalpflege (ich studiere an der Uni Bamberg) dran. Der Prof hat zwar einerseits das Engagement der Stadt gelobt, einige Straßenzüge im alten Stil und auf altem Straßengrundriss wieder aufzubauen, aber er hatte auch reichlich Kritikpunkte:
    - Es handelt sich wirklich fast nur um Fassadenrekonstruktionen, im Inneren sind immer zwei bis drei Häuser zusammengefasst, teils befindet sich eine Wohnung hinter zwei Fassaden
    - Die Häuser wurden verkürzt aufgebaut, um größere, begrünte Innenhöfe zu haben. Das mit den grünen Innenhöfen mag eine gute Idee sein, in der Praxis sieht das aber so aus, dass sie vor allem als Parkplätze und Müllplatz dienen und sich keiner wirklich dafür zuständig fühlt
    - Manche Straßen wurden nur einseitig wieder aufgebaut, um mehr Licht in die ehemals engen Gassen zu bringen. Auf der Nordseite dieser Straßen finden sich selbst heute noch die Reste der zerstörten Kriegsruinen
    - Es wurde nur ein sehr kleiner Teil der Stadt rekonstruiert, der meiste Teil der Altstadt ist Nachkriegsplattenbau
    - Im Gegensatz zu Warschau wurde kein historischer Zustand rekonstruiert, sondern der unmittelbare Vorkriegszustand (außer bei manchen historistischen Bauten, die beim Neuaufbau an die Umgebung angepasst wurden), und dieser Vorkriegszustand war in den 1930ern stark von den Nazis überformt worden, um den polnischen Nachbarn zu zeigen, wie eine "deutsche Stadt" aussieht. Da mutet es fast grotesk an, dass die Polen gerade dieses verunklärte Stadtbild wieder aufgebaut haben.


    Als Fazit (zumindest nach dem, was der Professor so erzählt und auch in Fotos gezeigt hat) kann ich da bloß sagen: Schöne Fassaden und nix dahinter. Natürlich immer noch besser als die Stadt völlig neu aufzubauen, aber eine wirklich gute Lösung ist das trotzdem nicht.

    Ich glaube, da hatten sich die Bürger auch mit Händen und Füßen gegen gewehrt. War wohl eines der wenigen Male, wo eine Bürgerinitiative auch Erfolg zeigte.


    Vom Schloss hatte ich ursprünglich noch ein zweites Bild gemacht, aber das habe ich wohl wieder gelöscht, weil ich den Platz auf der Kamera-Speicherkarte für die Häuser, die nicht in jedem Touristenführer drinstehen, brauchte :)

    Nach dem Rundgang durch Lemgo und durch Bielefeld kommt nun die nächste ostwestfälische Stadt dran. Obwohl Detmold heute 70.000 Einwohner hat, ist die Altstadt winzig. Ein Viertel davon wird vom Schloss und dem Schlosspark eingenommen, der im Sommer zur größten öffentlichen Liegewiese der Stadt mutiert. Außerhalb der Altstadt gibt es große gründerzeitliche Villenviertel und historistische Mietshausbauten, die fast großstädtisch wirken. Bei meinem Rundgang habe ich mich aber fast ausschließlich auf die Altsadt konzentriert, die trotz ihrer geringen Größe erstaunlich viel zu bieten hat.


    Das klassizistische Rathaus wurde 1829 gebaut. Offenbar hielt man den Vorgängerbau im Stil der Weserrenaissance nicht würdig für eine Residenzstadt (Lippe war damals Fürstentum). Wie dem auch sei, dieses Rathaus ist jedenfalls ziemlich beeindruckend und beherrscht den (recht kleinen) Marktplatz:

    Fast schon dörflich mutet dagegen die Stadtpfarrkirche direkt daneben an. Sie stammt meines Wissens trotz ihrer spätgotischen Formen erst aus dem frühen 16. Jahrhundert:

    Dieses Haus versteckt sich hinter dem klotzigen Sparkassenneubau. Dabei hat es gar keinen Grund dazu, sich zu verstecken:

    Die Lange Straße ist die Hauptgeschäftsstraße und greift über den historischen Stadtkern hinaus in die Stadterweiterung des späten 19./frühen 20. Jh. über. Ähnlich wie in Lemgo sollte man bei fast allen Gebäuden die Erdgeschosse lieber nicht anschauen - obwohl es auch bei den Schaufenstereinbauten Qualitätsunterschiede gibt:



    Bei dem Haus fragt man sich, ob da überhaupt noch was historisch ist:


    Ob unter diesem "Überraschungsei" noch ein Schatz steckt?

    Der Detmolder Hof an der Kreuzung Lange Straße / Krumme Straße. Einer von zwei erhaltenen Steinbauten aus dem 16. Jahrhundert (zumindest steckt der da irgendwo noch drin):


    Der zweite Renaissance-Steinbau steht fast gegenüber:





    Ein ansehnlicher historistischer Bau lenkt den Blick auf sich, ohne aber das Sparkassen-Monstrum nebenan völlig verdrängen zu können:

    Historismus mit Lokalkolorit (Fächerrosetten):

    Die Detmolder Stadtmauer ist trotz relativ vieler Straßendurchbrüche noch erstaunlich intakt. Zwar stehen keine Türme und Tore mehr, aber ich schätze, etwa die Hälfte der Mauer ist noch vorhanden, oftmals von Fachwerkhäusern als Rückwand genutzt:



    Dieses haus sieht aus, als hätte es sich verlaufen:

    Das Sterbehaus des Dichters Dietrich Grabbe. Ob das Haus durch seine Fachwerkfreilegung auch gestorben ist, ist sicher diskussionswürdig :) :

    Nun kommen Bilder aus der Bruchstraße dran. Bei diesem malerisch gelegenen Haus am Schlossgraben kann man dank des leerstehenden Ladens das völlig ausgeräumte Erdgeschoss bewundern:

    Das Grabbe-Geburtshaus war früher mal Gefängnis (als die Stadt noch keine 70.000 Einwohner hatte, versteht sich). Jedenfalls eine interessante Stilmischung, die sich irgendwie nirgends so recht einordnen lässt.

    Nun kommen wir zur schönsten Straße der Altstadt, der Krummen Straße. Momentan dank Totalbaustelle verkehrsberuhigte Zone, da Kanalisation und im Anschluss daran der Straßenbelag erneuert werden. Erstaunlich viele Häuser stammen noch aus dem 16./17. Jahrhundert, und was sie nicht an Größe haben, scheinen sie durch ihren Reichtum an Schnitzereien wettmachen zu wollen:











    Auch dieses Haus war mal mit Fächerrosetten verziert, wie man an den Resten auf den Ständern erkennen kann. Muss einen imposanten Eindruck gemacht haben:



    Bei diesem Haus gegenüber vom Detmolder Hof scheint jemand sehr kreativ gewesen zu sein:






    Die Adolfstraße ist eine der Mauerstraßen. Die Tagelöhnerhäuser sitzen alle auf der Stadtmauer. Leider ist die Hälfte von ihnen nicht mehr echt, sondern wurde in den 1960ern abgerissen und "rekonstruiert":



    Ein Haus am Wall:

    Zum Abschluss noch ein Blick aufs Schloss, das Wahrzeichen der Stadt (nach dem Hermannsdenkmal, versteht sich):

    Die Sparkasse hat gar kein Flachdach, sondern ein echtes Satteldach - jedenfalls das Hauptgebäude. Wegen der großen Dachgauben sieht man's nur nicht. Und die große maßstabssprengende Hofbebauung mit Parkplatz und Tiefgarage... Na ja, da sage ich lieber gar nichts zu:
    http://www.voigtmann-online.de…fotos/lemgo/sparkasse.jpg
    Interessant ist vielleicht auch mal der Blick von oben. Da kann man deutlich das Sparkassengebäude und das Karstadtgebäude ausmachen. Ansonsten wirkt nur die Parkpalette und der vierstöckige Flachdachbau des Gymnasiums am Westrand der Altstadt (auf dme Bild unten zu sehen) störend.
    Besonders schön finde ich, dass besonders im Bereich der Neustadt noch viele Grundtücke große Gärten haben, aber auch rund um die Mittelstraße in vielen Innenhöfen noch grün zu sehen ist.
    Auch der Wallring ist gut erkennbar, lediglich durch die auf den Bahnhof zuführende Engelbert-Kämpfer-Straße im Westen (hier wieder unten) unterbrochen. Diese Straße soll jedoch noch dieses Jahr umgestaltet und mit einer Baumallee bepflanzt werden, um die Lücke wieder zu schließen:
    http://www.voigtmann-online.de…/fotos/lemgo/luftbild.jpg

    Wohl kaum einer würde als Tourist nach Bielefeld fahren, da die Stadt wohl den Ruf hat, eine der hässlichsten deutschen Großstädte zu sein. Wenn man die Augen aufhält, kann man aber doch noch das eine oder andere historische Gebäude dort finden. Sogar zwei Fachwerkhäuser haben den Zweiten Weltkrieg überstanden.


    Das neue Rathaus wurde um 1900 in pompösen Neurenaissanceformen erbaut und trotz Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg erhalten. Rechts daneben steht das neubarocke Theater, was leider gerade renoviert wurde und verhangen war, als ich die Stadt besucht habe:


    Das alte Rathaus am Markt war ein klassizistischer Bau, der das spätgotische Rathaus um 1830 ersetzte. Leider wurde es im Krieg zerstört. Der Neubau aus den 1950ern erinnert mit der Freitreppe, seinen Proportionen und dem Walmdach an den Altbau:

    Haus am Markt mit einem Renaissancegiebel von 1593, der jahrzehntelang eingelagert war (das Haus war ausgebrannt und hätte wiederhergestellt werden können, wurde aber wie die meisten zerstörten Bauten abgerissen - nur der Giebel wurde gesichert):

    "Crüwell"-Haus am Markt, das einzige erhaltene gotische Gebäude der Stadt. Es war im Krieg ausgebrannt, wurde aber glücklicherweise wieder aufgebaut - was mit mindestens einem Dutzend ebenfalls ausgebrannter Steinbauten (Vor allem in der Breiten Straße) leider nicht geschah. Offenbar wurde der Giebel erst kürzlich saniert, wie man an den "Flicken" erkennt:

    Dem Haus Obernstraße 36 wurde 1975 der Giebel des 1606 entstandenen und ebenfalls ausgebrannten Hauses Obernstraße 9 aufgesetzt. Vor dem Krieg waren derartige Giebelhäuser typisch für Bielefeld:

    Der "Meinders Hof", Obernstraße 40, besitzt ein barockes Portal von 1669, im Inneren befinden sich Reste von Stuckdecken und ein Kamin von 1670:


    Das älteste bekannte Haus der Stadt stammt im Kern von 1485, wurde aber mehrfach verändert. Im 19. Jahrhundert war hier eine Bäckerei, in welcher der Apotheker Dr. August Oetker seine Backexperimente durchführte:

    Der Grest'sche Hof am vierspurig ausgebauten Wallring besteht im Kern noch aus dem 16. Jahrhundert, allerdings mit starken historistischen Überformungen:


    Ein wenig Klassizismus am Wall (ich frage mich nur, was dieser Vogelkäfig im Vordergrund soll):

    Der Waldhof wurde im Krieg stark zerstört und vereinfacht wiederaufgebaut, doch die Hofmauer mit der spitzbogigen (gotischen?) Einfahrt steht noch:

    Im unzerstörten Teil der Altstadt zeigen sich noch einige schlichte, aber dennoch schöne Häuser:

    Der Wörmannshof am Klosterplatz stammt von 1640, also aus der Spätphase der Renaissance. Wie man auf dem zweiten Bild sieht, fehlt dem Gebäude aber eine Hälfte:



    Die einzige noch erhaltene Mauerstraße der Altstadt, gut erkennbar am geschwungenen Verlauf. Von der Stadtmauer selber konnte ich aber keine Reste mehr entdecken. Dafür diesen interessanten Bogen, der die Straße überspannt (keine Ahnung, was es mit dem auf sich hat):

    Die Nikolaikirche, Pfarrkirche der Altstadt, wurde bis auf den Turm im Krieg zerstört - und dieser hat heute einen "modernen" Betonaufsatz.

    Abermals pompöse Neorenaissance, diesmal an der Kreuzstraße:


    Der Spiegelshof in der Kreuzstraße (heute vierspurig plus zwei Straßenbahnschienen) wurde 1540 erbaut und besitzt Welsche Giebel (heute Naturkundemuseum):

    Direkt daneben befindet sich die zweitürmige Marienkirche, die den Krieg glücklicherweise relativ unbeschadet überstanden hat (die Dächer brannten ab, die Gewölbe hielten jedoch):

    Und dann haben wir noch das Wahrzeichen der Stadt, die Sparrenburg (eigentlich Burg Sparrenberg), die hoch oben über der Stadt auf den Höhen des Teutoburger Waldes thront (oder zumindest da, wo mal Wald war, denn die Stadt zieht sich über die Hügelkette hinweg). Die Burg ist mit Ausnahme der Bastionen ein Kunstprodukt der Burgernromantik aus dem 19. Jahrhundert. Vor allem der markante Bergfried besteht nur noch im unteren Bereich aus historischem Mauerwerk. Die malerischen Ruinen, die auf dem Burghügel herumstehen stammen von den Resten der historistischen Palas-Bauten, die im Krieg zerstört wurden:


    Nachdem ich all dies gesehen hatte, war ich doch positiv überrascht von Bielefeld. So hässlich wie ihr Ruf ist diese Stadt gar nicht. Natürlich habe ich jetzt nur die schönsten Ecken der Innenstadt herausgesucht (und das waren jetzt auch schon fast alle schönen Ecken im Zentrum), aber rundherum gibt es noch einige schöne gründerzeitliche Villenviertel, die ich mir aus Zeitmangel nicht mehr angeschaut habe. Zum Abschluss des Rundgangs noch ein paar Fotos, die ich oben auf dem Bergfried gemacht habe und die zeigen, dass Bielefeld im Großen und Ganzen vielleicht doch nicht so schön ist wie die Bilder jetzt vorgetäuscht haben. Besonders die unmaßstäblichen Hochhausbauten stören das Gesamtbild:



    Bei Interesse kann ich übrigens auch noch Fotoserien von den lippischen Städten Detmold, Bad Salzuflen, Blomberg, Barntrup und Horn zeigen (besonders die beiden ersteren haben viele schöne Fachwerkhäuser aus der Weserrenaissance).

    Das Haus Mittelstraße 18 war vorher verputzt gewesen und angeblich wäre das Fachwerk des Giebels nicht mehr zu retten gewesen.


    Eleganter hat man das Haus Mittelstraße 22 "entkleidet". Auf den ersten Blick fällt gar nicht auf, dass am Giebel kaum noch Originalteile vorhanden sind. Und die bemalten Brüstungsbretter, deren Fächerschnitzereien man mangels Originalbefund nicht wiederherstellen konnte, sind meiner Meinung nach eine ganz gute Kompromisslösung (vielleicht besser als "schöpferische Denkmalpflege" zu betreiben und sich selbst neue Fächerschnitzereien auszudenken):


    Zur Marktplatz-Westseite: Ursprünglich waren das insgesamt vier Bauten. Die beiden mittleren (zwei später verunstaltete historistische Bauten) wurden abgerissen und durch die Neubauten ersetzt, die beiden Kopfbauten wurden saniert, wobei bei dem anderen (das stammt aus dem 16. Jahrhundert) am Ende nur der Giebel und der Keller erhalten blieben, während der Rest neu aufgemauert bzw. das Fachwerk der Seitenwände und der Dachstuhl erneuert wurden:

    Oliver: Nein, in Lemgo hat es so gut wie keine Zerstörungen gegeben. Soweit ich weiß wurde lediglich ein Haus außerhalb der Innenstadt zerstört, als ein abgeschossener britischer Bomber darauf stürzte und der Bahnhof wurde einmal beschossen, jedoch ohne größeren Schaden zu nehmen.
    Die Dächer dürften also größtenteils noch ihre ursprüngliche Dachneigung haben (kann natürlich in Einzelfällen durch Umbauten anders sein).


    Die unteren Teile der Fassaden der Häuser Breite Straße 45 und 47 wurden nicht verputzt, sondern massiv erneuert - was aber wohl bei beiden Häusern wieder mehr dem Ursprungszustand entspricht, denn das Fachwerk, das sie bis etwa 1945 im Unterbau hatten, war rein konstruktiv. Sonderlich geschmackvoll sind die Schaufenster im unteren Bereich der massiv erneuerten Teile natürlich nicht. Übrigens ist das Haus Breite Straße 43 links daneben ein klassizistisches Haus, das nach dem Krieg ebenfalls verunstaltet wurde (bei dem historischen Foto sieht man noch den Quaderputz).


    Das Rathaus sieht zumindest von außen noch in etwa genauso aus (hab seltsamerweise kein einziges Foto finden können - und leider wohne ich auch nicht mehr in Lemgo, sodass ich nicht mal eben rausgehen und das Foto nachholen könnte), lediglich die Arkaden hat man in den 1930ern wieder geöffnet.


    Leider wurde das Innere in einer mehrjährigen Aktion Mitte der 60er fast völlig entkernt, teilweise wurden sogar die Außenmauern aufgerissen und neu aufgemauert, sodass es innen jetzt aussieht wie in jedem 08/15-verwaltungsbau der 60er. Nur der Gewölbekeller und ein Ratssaal mit Renaissancevertäfelung sind erhalten.


    Antiquitus: Wegen Mittelstraße 81: Das Haus wurde um 1900 völlig verunstaltet, indem man die beiden Untergeschosse und das erste Dachgeschoss zu zwei Geschossen zusammengelegt und die völlig aus der Achse verschobenen Fenster eingebaut hat, die halb in den Giebel hineinreichen. Dass es besser geht, zeigt das Haus Mittelstraße 56, wo zwar auch drei Geschosse zu zweien zusammengefasst wurden, aber dafür wenigstens im ehemals dritten (nun zweiten) Geschoss die Fenster erhalten blieben, wenn auch vergrößert.

    Weil es hier erstaunlicherweise noch keine Bilder zu meiner Heimatstadt Lemgo (Kreis Lippe, Ostwestfalen) gibt, will ich diesen Missstand doch gleich in meinem ersten Beitrag hier mal begleichen.


    Das Stadtbild von Lemgo zeichnet sich durch einen vom Zweiten Weltkrieg verschonten historischen Stadtkern aus und ist eine typische Doppelstadt: An die um 1190 gegründete Altstadt wurde 50 Jahre später südlich die Neustadt angebaut, die im Vergleich zur Altstadt nur noch relativ wenig historische Bausubstanz aufweist, da besonders die Neustadt im Dreißigjährigen Krieg stark gelitten hat.


    Im Gegensatz zu vielen anderen Städten mit zahllosen kleinen verwinkelten Gassen zeichnet sich Lemgo durch eher breite, relativ gerade Straßen aus (Mittelstraße, breite Straße), die kleinen Nebenstraßen, die früher vor allem der Erschließung der größeren Grundstücke an den Hauptstraßen dienten, sind meist erst im 19. und 20. Jahrhundert mehr oder weniger geschlossen bebaut worden. Um einen Großteil der Stadt (außer im Westen) ziehen sich noch die zu Grünanlagen umgestalteten ehemaligen Wallanlagen, von der Stadtmauer sind jedoch nur noch spärliche Reste und ein Turm erhalten geblieben.


    St. Nikolai, die Pfarrkirche der Altstadt:

    Unterer Teil der Mittelstraße, hier stand bis 1863 das etwa 30 m hohe Ostertor:

    Mittelstraße 13, Fassade von 1591, steinerner Unterbau noch spätgotisch, der Unterbau der Fassade wurde Ende der 1970er rekonstruiert (leider ohne die Verzierungen an den Fensterrahmen), dafür wurde das Innere bis auf den Dachstuhl entkernt:

    Mittelstraße 17, "Haus Alt Lemgo" mit dem reichsten Schnitzgiebel der Stadt (von 1587):

    Mittelstraße 18: Obwohl man es dem Haus nicht ansieht (die Fassade wurde in den 1960ern erneuert) stammt es aus dem 17. Jahrhundert, das Hinterhaus sogar aus dem 16.:

    Eines der wenigen Häuser des Historismus (dieses hier von 1901), das nach dem Zweiten Weltkrieg nicht purifiziert wurde:

    Ein Paradies für Bauforscher, der Flickenteppich der rechten Traufwand von Mittelstraße 22:

    Mittelstraße 24, "Haus Sonnenuhr", im Kern spätgotisch, Fassade von 1540, 1973 bis auf eben diese für den Karstadt-Neubau abgerissen, die barocke Stuckdecke wurde im Neubau wieder angebracht:

    Manche Häuser sehen auch von hinten schön aus - spätgotischer Rückgiebel von Mittelstraße 29:

    Mittelstraße 36, "Planetenhaus", erbaut um 1580, besonders bemerkenswert die Darstellung der Planetengötter an den Ständern des ersten Dachgeschosses, das leider auch der einzige Teil der Fassade ist, der noch ursprünglich erhalten ist (der Unterbau wurde vom 18. bis 20. Jahrhundert mehrfach umgebaut, die oberen Giebelgeschosse um 1900 abgetragen):

    Mittlerer Teil der Mittelstraße, rechts Haus Nr. 40 von 1574/75, der Erker war ehemals eine zweigeschossige, auf dem Boden stehende Auslucht:

    Westseite des Marktplatzes, mit damals hochgelobten Neubauten von 1976 neben einem ziemlich genau 200 Jahre älteren Fachwerkbau:

    Das Haus Mittelstraße 56 dominiert die Nordseite des Marktplatzes, es wurde 1556 von Bürgermeister Koch erbaut, der ehemals dreigeschossige Unterbau der Fassade wurde 1898 relativ behutsam zweigeschossig umgebaut (der in den 1950ern zugunsten von Schaufenstern entfernte Torbogen ist rekonstruiert) - kurioses Detail am Rande, bis 1945 gab es am Marienplatz in Paderborn ein identisch aussehendes Haus von 1557, das ebenfalls von einem Bürgermeister Koch erbaut wurde:

    Der mittlere Teil der Mittelstraße mit Blick nach Osten, rechts das Rathaus, links Mittelstraße 56, 54 und 52, allesamt im Kern spätgotische Kaufmannshäuser mit nur unwesentlich jüngeren Fassaden:

    Mittelstraße 73-79 (rechts), Sparkassenneubau von 1997-2002, der sich natürlich an die Gestaltungssatzungen des Stadtkerns (Giebelständigkeit, Einhalten der Baufluchten) hält:

    Mittelstraße 81, erbaut um 1580, Negativbeispiel für "Denkmalpflege" um 1900:

    Mittelstraße 104, erbaut um 1500, links daneben (Nr. 106) stand bis Anfang der 1950er ein ähnliches Haus aus dem späten 15. Jahrhundert, das wegen "Baufälligkeit" durch einen Neubau ersetzt wurde (mit annähernd den gleichen Proportionen):

    Mittelstraße 136, Wulffenhof, erbaut um 1580, größter historischer Profanbau (knapp 30 m lang), einer Fenstervergrößerung im 18. Jahrhundert fielen leider alle Brüstungsbretter im Fachwerkobergeschoss zum Opfer - Reste der Fächerrosetten kann man noch auf den Ständern erkennen):

    Oberer Teil der Mittelstraße, vorwiegend mit Bauten des 20. Jahrhunderts, links neben dem Busbahnhof wieder der Wulffenhof:

    Lippehof im Rampendal, einziger barocker Bau der Stadt, um 1700 begonnen, nach langem Baustopp erst 1734 vollendet, heute Gymnasium (leider im Inneren in den 1950ern stark umgestaltet):

    Breite Straße 19, sog. "Hexenbürgermeisterhaus" von 1568/71, in den letzten Jahren sehr substanzschonend saniert, wird als Heimatmuseum genutzt:

    Breite Straße 45 und 47, die so genannten "Neustädter Zwillinge" (auch wenn's keine eineiigen sind), wohl um 1580 erbaut:

    Unterer Teil der Breiten Straße, der Hauptstraße der Neustadt, rechts hinter dem Baum die Alte Abtei (erbaut 1568, Rokoko-Umgestaltung mit Stuckdecken 1776):

    Kramerstraße 5, "Wippermannsches Haus", obwohl erst 1576 erbaut noch mit spätgotischem Giebel:


    So, ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick geben, warum ich meine Heimatstadt (trotz aller fragwürdigen Umbauten in der Hauptgeschäftsstraße) so mag - sonst kann ich noch Dutzende weiterer Fotos liefern :).


    P.S.: Die Fotos stammen natürlich alle von mir selber.