Posts by Maxileen

    Das Gute ist ja, egal was dort hinkommt, schlechter werden als der bestehende Bau kann es nicht - und wenn man ein Containerkonstrukt a la Musical Dome in Köln hinbauen würde.
    Ich hoffe wirklich, dass an diesem neuralgischen Punkt in Sichtweite des Holstentors der Gestaltungsbeirat von vornherein mit einbezogen wird - damit nicht noch mehr Allerweltsinvestorenarchitektur dabei herumkommt. Das, was die Procom bisher gebaut hat, sieht leider genau nach dem aus, was man an der Becker- und Fischergrube oder beim Herder Center bewundern darf.


    Im besagten LN-Artikel wird ein Procom-Berater mit den Worten zitiert: „Der Neubau sollte dem Holstentor nicht die Aufmerksamkeit entziehen – aber es qualitativ nicht entwerten.“ Das klingt ja erstmal positiv, zumal der Karstadt-Sports-Bau die Holstenstraße definitiv entwertet. Und wenn der Neubau ähnliche Grundsätze verfolgt wie die Neubauten im Gründungsviertel oder beispielsweise die 90er-Jahre-Bauten an der Fischergrube, welche ja auch von einem Investor in einem Zuge errichtet wurden, aber die historischen Parzellen zumindest optisch durch klar getrennte Fassaden wieder aufnehmen, dann wäre auf jeden Fall schon viel gewonnen.

    Danke für die schönen Fotos aus dem tatsächlich schönsten Büttel (deutlich schöner als Fuhls oder Bruns :D ). Ich war vor knapp zehn Jahren einmal dort und was mir damals wie auch jetzt wieder auf deinen Bildern besonders auffiel waren die zahlreichen historistischen Bauten, die sich deutlich an den lokalen Fachwerkbauten orientieren.


    Außerdem hat Wolfenbüttel meiner Meinung nach eine der schönsten Renaissancekirchen Deutschlands zu bieten.

    Die Gänge in Lübeck sind wirklich etwas einzigartiges (und das schreibe ich nicht nur deshalb, weil ich seit Anfang des Jahres selbst in einem Ganghaus wohne ;) ), was in der Menge auch keine andere deutsche Stadt zu bieten hat. Oder zumindest nicht mehr, denn Hamburg hatte früher eine ähnliche oder sogar noch höhere Dichte an Gängen, wovon ja leider nur noch Rudimente erhalten sind.

    Lübeck aber hat trotz Krieg und Sanierungswellen noch immer um die 80 Gänge zu bieten, leider vielfach unsachgemäß saniert, aber in der Gesamtheit trotzdem noch beeindruckend. Ich wollte auch schon lange eine Galerie dazu aufmachen, zumal ich selbst bis heute nicht alle (frei zugänglichen) Gänge besichtigt und abgelichtet habe. Hoffentlich komme ich demnächst mal dazu.

    Was Lübecks Gesamtbild angeht: Ich war seitdem ich die Stadt das erste Mal auf einer Uniexkursion besichtigt habe, begeistert von der Dichte an alter Bausubstanz, insbesondere in den flächig erhaltenen Stadtquartieren auf der Ostseite der Altstadt, aber gleichzeitig auch schockiert von den starken Kontrasten in den Wiederaufbaugebieten. Touristen, die vom Bahnhof oder von den Busparkplätzen auf der Wallhalbinsel kommen, sehen zuerst das vom Verkehr umtoste Holstentor, gehen dann die grausige Holstenstraße hoch zum Markt, sehen gegenüber dem Rathaus Peek & Beclopptenburg, dann die 50er-Jahre-Breite-Straße, den völlig verwahrlosten Marienkirchhof, Karstadt, das Haerder Center - und würden wahrscheinlich am liebsten gleich wieder umdrehen.


    Die wirklich schönen und großflächig erhaltenen Stadtquartiere, also den Norden und Nordwesten rund um die Jakobikirche, den gesamten Osten (nur unterbrochen durch die Krähenstraße), den Südwesten zwischen Dom und Obertrave, nehmen zumindest die Touristen, die in großen Gruppen und nicht individuell durch die Stadt gehen, wahrscheinlich vielfach gar nicht wahr. Jedenfalls ist das mein Eindruck, wenn man mal beobachtet, wo sich die meisten Touristenströme lang bewegen. Dabei ist die Altstadt trotz der massiven Wunden, die ihr der Krieg und die Wirtschaftswunderjahre (und vorher auch schon die Gründerzeit) zugefügt haben, als "Gesamtorganismus" noch erstaunlich intakt, mit den Kaufmannshäusern in der unteren Mengstraße (früher auch im restlichen Gründungsviertel und rund um den Markt), den ehemaligen Klöstern, den fünf großen Kirchen (wenn auch leider durch die Kriegszerstörung eines großen Teils ihrer Ausstattung beraubt), dem Heiligen-Geist-Hospital, den Handwerkshäusern im Osten der Stadt, den Kleinhäusern in den Nebenstraßen und den Kleinsthäusern in den Gängen.


    Mir würde jedenfalls keine deutsche Stadt von dieser Größe einfallen, deren Geschichte - trotz der erwähnten Einschränkungen und Störungen - noch so gut am Baubestand ablesbar ist. Und da ist mein Metier, das archäologische Erbe, noch gar nicht mit einbezogen.

    Zumindest beim Hinterhaus scheint da ja nicht allzu viel übrig zu bleiben. Aber schön, dass man sich fachgerecht um das alte Haus kümmert, anderswo (zum Beispiel in Hiddessen - oder ein paar Häuser weiter bei Krumme Straße 21) würde man solche seit langem leerstehenden Denkmale rigoros abbrechen.

    Ein paar Aufnahmen aus Göttingen, Altstadt. Der Fachwerkbestand ist zwar natürlich beachtlich, doch manches empfand ich als ungepflegt, lieblos, sanierungsbedürftig. Hinzu kamen unpassende Brüche zu minderwertiger Nachkriegs-/Neubebauung. Von der Straßengestaltung incl. Möblierung reden wir erst gar nicht. Wenn man den inneren Bereich verließ, wurde es gleich etwas netter. Es mag aber sein, dass sich eine gewisse Tristess bei mir auch durch die Leere angesichts der Corona-Einschränkungen einstellte. In den außerhalb des Fachwerkkerns gelegenen Wohngebieten wurde der Unterschied zum Normalzustand eben nicht so deutlich.

    Es ist ein Weilchen her, dass ich zuletzt in Göttingen war, aber ich empfand die Stadt auch ohne Corona und trotz vielen Leuten auf den Straßen irgendwie schmuddelig. Und auch die Brüche durch Nachkriegsneu- und -umbauten fand ich teils recht heftig. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Kriegszerstörungen in Göttingen marginal waren und ein Großteil der Nachkriegsbauten nicht auf Kriegsbrachen, sondern anstelle abgerissener Altbauten errichtet wurde.


    Göttingen ist meines Wissens die einzige verbliebene Fachwerkgroßstadt Deutschlands und ich denke oft, dass Braunschweig heute vermutlich ähnlich aussehen würde, wenn es den Krieg überlebt hätte: Mit Karstädten und Kaufhöfen sowie einzelnen Flächensanierungen zwischen überwiegend geschlossenen Fachwerkzeilen. Wobei in Göttingen wohl die Überformungen in Barock und Klassizismus deutlich stärker waren als in Braunschweig.

    Beeindruckend, dasss man dem Haus nicht nur sein hohes Dach, sondern auch die Türmchen und den Zwerchgiebel wiedergibt. Es gibt ja leider überall Gründerzeitler, die (nicht nur aufgrund von Kriegsschäden) später entstuckt und verstümmelt wurden. Ein weiterer Rekokandidat wäre sicher auch das (Neue) Lindener Rathaus, dem seit dem Krieg der Hauptgiebel zum Lindener Marktplatz und die Zwerchgiebel an den Traufseiten fehlen (und das skurrilerweise von 1896 an das nur zwölf Jahre zuvor gebaute alte Lindener Rathaus ersetzte, das ebenfalls noch steht und ebenfalls eine Dachreko vertragen könnte).

    Der größte Vorteil des Neubaus ist, dass nun nach über 75 Jahren endlich die gesamte Straßenflucht wieder geschlossen ist. Bis 2010, als der erste Abschnitt der Altstadthöfe gebaut wurde, konnte man von der Ecke Fischergrube / Ellerbrook aus durch den gesamten Baublock bis zur Beckergrube schauen, weil sich dort lediglich ein Parkplatz befand.


    Vom Ellerbrook aus wirkt der Neubau, obwohl ein Geschoss niedriger als an der Fischergrube, sehr erdrückend, besonders wenn man die fünf zweigeschossigen Altbauten daneben sind (ja, auch das hellgrau verputzte Gebäude rechts ist historisch, obwohl man an der Fassade durch den schmutzig wirkenden Putz, das Garagentor, die querliegenden Fenster und die Plastikhaustür alles verunstaltet hat, was nur geht).


    Die vier Reihenhäuschen Ellerbrook 9-15 und der etwas höhere Bau Nr. 17 rechts daneben sind übrigens alles, was der Krieg von der Straße übriggelassen hat (wobei Nr. 19 glaube ich erst in den Sechzigern abgerissen wurde). Vor dem Krieg war die Straße nur etwa halb so breit und beidseitig mit ähnlichen Reihenhäusern bebaut.


    Bis 1942 dürfte der Ellerbrook ähnlich ausgesehen haben wie dessen nördliche Verlängerung, die Große Kiesau, also deutlich kleinteiliger und enger.


    Heute wird die gesamte Ostseite des Ellerbrook von den Altstadthöfen eingenommen, welche die fünf Vorkriegsbauten nicht nur einrahmen, sondern regelrecht umklammern, da sie sich hinter ihnen im Hofbereich fortsetzen (die vier Reihenhäuschen haben jeweils nur etwa 50 m² Grundstücksfläche, Haus Nr. 17 etwas mehr). Ellerbrook 19 (mit dem breiten Durchgang zum Innenhof) hat als Teil des ersten Bauabschnitts der Altstadthöfe immerhin versucht, zu den höheren Neubauten überzuleiten. Das war beim zweiten Bauabschnitt offenbar Wurscht. Selbst aus größerer Entfernung fällt die kahle Brandmauer störend auf.


    Zum Abschluss noch eine Gesamtansicht des Ellerbrook von der Beckergrube aus. Die westliche (linke) Straßenseite ist nach dem Krieg bis auf die Eckgebäude überhaupt nicht wieder bebaut worden: Hier befinden sich ein Kinderspielplatz mit wuchtigem alten Baumbestand und die von der Straße zurückversetzte neuapostolische Kirche (erbaut 1960), deren Grundstück ja in den kommenden Jahren ebenfalls neu überbaut werden soll. Die Grundstücke von Kirche und Spielplatz werden durch die Bierspünderstraße voneinander getrennt, die als (unbebaute) Gasse nach dem Krieg neu angelegt wurde. Ihr Name erinnert an den bis zum Krieg vorhandenen Bierspündergang, der ungefähr dort lag, wo heute die Kirche steht.


    Auf der östlichen Straßenseite (rechts) sieht man den 1. Bauabschnitt der Altstadthöfe. Dieser ist zwar kleinteiliger gegliedert als der neue 2. BA an der Ecke zur Fischergrube, wirkt aber ebenfalls mindestens ein Geschoss zu hoch. Außerdem stören mich die lübeckuntypischen Erker (die dadurch, dass sie keine seitlichen Fenster haben, auch völlig sinnfrei sind). Die beiden BAs wurden übrigens von unterschiedlichen Architekturbüros entworfen, allerdings beide schon um 2009/10. Ursprünglich sollte der 2. BA direkt im Anschluss an den 1. BA gebaut werden, also ab etwa 2011. Soweit ich weiß, durfte man ihn auch nur deshalb noch nach den alten Entwürfen bauen, weil die Baugenehmigung damals schon erteilt wurde. Heute würde der Entwurf wohl (hoffentlich) nicht mehr durch den Gestaltungsbeirat gehen.

    Seit gestern ist der Neubau in der Fischergrube endlich entrüstet, knapp zwei Jahre nach Baubeginn. Mein erster Eindruck: Erinnert stark an das Studentenwohnheim Fischstraße / Alfstraße, wirkt wengiger klotzig als befürchtet, ist ein Etage zu hoch (viergeschossig plus Penthouse auf dem Dach entlang der Fischergrube, dreigeschossig plus Penthouse am Ellerbrook) und die Backsteinverblendung ist mir persönlich zu hell geraten. Aber lassen wir erstmal die Bilder sprechen.


    Die Fassade wirkt trotz ihrer Flächigkeit insgesamt sehr unruhig, insbesondere die teilweise wie willkürlich aus der Achse springenden Fenster unterschiedlichen Formats stören mich. Genauso wie die viel zu dominanten Regenfallrohre. Vermutlich wollte man die in die Fassade integrieren, damit sie weniger auffallen - oder um die Flächigkeit zu betonen -, allerdings hat man dadurch eher das Gegenteil bewirkt: Die Fallrohre teilen die Fassade in vier (eigentlich sogar fünf, wenn man den Streifen ganz links mit dazuzählt) Abschnitte.


    Wenn diese Abschnitte wenigstens Bezug auf die ehemaligen drei Parzellen nehmen würden, aber das hat den Bauherrn offenbar nicht wirklich interessiert.


    Wir erinnern uns: Die in folgendem Artikel der Lübecker Nachrichten abgebildeten Häuser standen dort vor dem Krieg:

    https://www.ln-online.de/Lokal…Die-letzte-Bombenluecke/1


    Das dritte Foto im Artikel zeigt links Fischergrube 61, ein ehemaliges Brauhaus der Spätgotik, mittig Fischergrube 63, ein weiteres, allerdings stark überformtes Brauhaus mit barockem Schweifgiebel und rechts angeschnitten Fischergrube 65/67, einen klassizistischen Neubau der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.



    In der Straßenflucht wirkt der Neubau tatsächlich nicht allzu störend, das liegt aber nur daran, dass die Südseite der Fischergrube im Krieg im mittleren Teil zerstört und sehr uneinheitlich wieder aufgebaut wurde.


    Von rechts nach links sehen wir darum ein Sammelsurium fast aller Stilrichtungen: Klassizismus, einen barockisierten Renaissancebau mit zwei beachtlichen Zwerchhäusern, einen (wohl nach Kriegsbeschädigung) im Dachbereich vereinfachten Gründerzeitler, einen üblen Nachkriegsbau mit Balkonen zur Straße, ein Nachkriegsgiebelhaus, den hier erwähnten Neubau Fischergrube 61-67, weitere Nachkriegsbauten ...


    ... darunter einen durchaus bemerkenswerten neoklassizistischen Bau aus den Fünfzigern, der mit angemessenen Fenstern deutlich aufgewertet würde, und dann den unzerstörten oberen Teil der südlichen Straßenseite mit eher kleinbürgerlichen Bauten von der Renaissance bis zum späten Klassizismus. Und ganz oben (hier links im Bild) die Bauten des Stadttheaters und der Sparkasse an der Ecke zur Breiten Straße, die bis einschließlich Fischergrube 21 alle Altbauten beseitigt haben (zwei für die Sparkasse und ca. 8-9 für das Stadttheater, die meisten davon jedoch schon vor dem Ersten Weltkrieg).


    Auf der nördlichen Straßenseite sieht es im unteren Teil ähnlich wüst aus. Hier hat der Krieg ebenfalls große Lücken hinterlassen, die überwiegend erst in den Neunzigern wieder bebaut wurden. Ganz links übrigens zwei historistische Speicherbauten der Zeit um 1900. Zwei weitere befanden sich bis zur Kriegszerstörung anstelle des Nachkriegsbacksteinbaus rechts daneben.


    Die sechs Fassaden in Pastelltönen befinden sich vor einem in einem Guss errichteten Neubau, der die historischen Parzellen durch die Gliederung in Einzelfassaden wieder aufgenommen hat. Auch die hohen Erdgeschosse in Anlehnung an das Lübecker Dielenhaus finde ich durchaus gelungen. Eine ähnliche kleingliedrige Gestaltung des zweiten Abschnitts der Altstadthöfe hätte das Straßenbild sicher aufgewertet.

    Hmm, ich hab keine Ahnung mehr, wo ich die Information herhatte, dass "Kohlmarkt 14" von den "Altstadtverbesserungen" betroffen war. Vielleicht war das auch nur mal irgendwo als besonders krasses Beispiel für die Auswüchse des Historismus aufgeführt worden.

    Soweit ich weiß, wurde Kohlmarkt 14 zusammen mit etlichen anderen historistischen Bauten schon vor dem Krieg im Zuge der "Altstadtverbesserungen" eines Großteils seines Fassadenschmucks beraubt. Also selbst wenn es den Krieg überlebt hätte, würde es heute nicht mehr so aussehen wie 1886. Und so sehr ich den Historismus auch mag, der Bau war echt zu viel des Guten. Er erdrückte ja auch das gotische Nachbarhaus, das er einfach mal um zwei Vollgeschosse (plus ein ausgebautes Mansardengeschoss) überragte.

    Vielen Dank für die Ergänzungen, Frank. Du hast Recht, Fischstraße 20 ist noch nicht im Bau, da hatte ich mich verguckt (ich hatte den helleren Anstrich im unteren Bereich der Brandmauer von Fischstraße 18 - auf Abb. 11 zu sehen - irrtümlich für den Ansatz einer Mauer gehalten), und auch bei Fischstraße 26 ist außer dem "Deckel" über dem historischen Keller noch kein Baufortschritt erkennbar.


    Heute Morgen habe ich mal wieder die Kollegen in der Alfstraße besucht und dabei gesehen, dass inzwischen das gesamte Erdgeschoss von Alfstraße 21 mit einer hellgrauen Schlämme versehen wurde. Hab leider kein Foto gemacht, aber vielleicht kann ich das am Wochenende nachliefern, wenn ich dran denke. Seit ich umgezogen bin, ist das Gründungsviertel keine fünf Gehminuten mehr von mir entfernt, deswegen komme ich da jetzt öfters mal durch.


    Zu Fischstraße 24: Stimmt, der Vorkriegsbau hatte auch ein ziemlich ausladendes Gesims. Aber es kommt mir trotzdem kleiner vor als das des Neubaus. Da könnte man ja fast einen Balkon drauf anlegen.


    Abb. 11: Fischstraße 24-16. Nr. 22 ist inzwischen im ersten Stock angekommen und Nr. 20 immerhin im Erdgeschoss. Dahinter folgen Nr. 18, 16 und das zum Glück jetzt deutlich dezenter wirkende Studentenwohnheim.


    Abb. 12: Noch einmal Fischstraße 28 (l.) und 24 in Frontalansicht. In der Lücke dazwischen der Rückgiebel von Alfstraße 23.


    Abb. 13: Und weil's so schön ist noch einmal Fischstraße 24. Nahaufnahmen waren hier bisher nicht möglich.


    Abb. 14: Von unten wirkt das Gigantogesims™ wie ein Fremdkörper.


    Abb. 15: Blicken wir auf die Südseite der Fischstraße. Frisch enthüllt: Nr. 21. Bis auf den ortsuntypischen gedrungenen Giebelumriss gefällt mir die Fassade recht gut, vor allem das große Portal. Die Fischstraße 19 links daneben wartet leider noch auf ihre Enthüllung.


    Abb. 16: Noch einmal Fischstraße 21.


    Abb. 17: Fischstraße 18 und 16 aus einer ganz neuen Perspektive.


    Abb. 18: Gegenüber ist insbesondere Fischstraße 13 weit vorangeschritten. Nr. 11 ist im 1. OG angekommen, bei Nr. 15 hat sich hingegen noch nichts getan. Bis auf die größeren Eckgrundstücke zu den Querstraßen sind jetzt (fast) alle Fischstraßenhäuser im Bau.


    Abb. 19: Zuletzt noch ein Blick in die Braunstraße. Einmal von oben nach unten mit den historischen Häusern Braunstraße 10 und 12 (von rechts)...


    Abb. 20: ... und von unten nach oben. Nr. 28 wirkt im Streiflicht besonders schön.

    Mal wieder ein paar tagesaktuelle Bilder aus dem Gründungsviertel, fotografiert bei schönstem Kaiserwetter und mit ebenso schönem Streiflicht (zumindest auf der Nordseite von Fisch- und Braunstraße). Die größte Überraschung: Die Fischstraße ist jetzt wieder durchgängig begehbar - zumindest war sie's heute, und darum habe ich die Gelegenheit genutzt, um ein paar Nahaufnahmen der Häuser in der mittleren Fischstraße zu machen.


    Aber es geht in der Alfstraße los (da orientiere ich mich jetzt einfach mal an der Reihenfolge von Franks letztem Beitrag).


    Abb. 1: Alfstraße 21 schreitet voran. Im Erdgeschoss scheint man inzwischen eine Probefläche der Kalkschlämme aufgetragen zu haben. Ich hoffe, die bleibt nicht so grau.


    Abb. 2: Nebenan bei Alfstraße 23 haben jetzt auch die Fenster ihre "Verpackung" verloren und das Haus nähert sich der Vollendung.


    Abb. 3: Gegenüber, in den Innenhöfen der schmucken und völlig altstadtgerechten Fünfziger-Jahre-Zeilenbauten, die bis zur Mengstraße durchgehen, sind die Kollegen zurzeit am Werk und dokumentieren im Rahmen der Erneuerung der Hausanschlussleitungen die Keller der kriegszerstörten Gebäude. Wie eigentlich immer bei Leitungsgräben sind die Einblicke leider nur sehr kleinflächig.


    Abb. 4: Dieses Kellermauerwerk dürfte zu Alfstraße 12 gehört haben (im Hintergrund ein relativ moderner Schacht) ...


    Abb. 5: ... und dieses zu Alfstraße 18 oder 20.


    Abb. 6: Durchblick durch die Baulücke Alfstraße 25 auf die Rückseite von Fischstraße 28. Auch bei Fischstraße 26 links daneben ist man inzwischen bei der Kellerdecke angekommen.


    Abb. 7: Blick auf die Rückseiten von Fischstraße 24 und 18 (16 ist hinter dem Kran verdeckt).


    Abb. 8: Und hier die Alfstraßenhäuser von der Rückseite. Dieser Blick von der Geraden Querstraße aus zeigt schon wieder einen ziemlich geschlossenen Blockbinnenhof. Natürlich deutlich großflächiger als bis 1942, da damals sowohl die Vorderhäuser von Fisch- und Alfstraße tiefer in den Hof reichten als auch die Seitenflügel teilweise höher und vor allem mit Satteldächern versehen waren. Außerdem besaß jedes Grundstück hinter dem Seitenflügel noch ein Quergebäude in Grundstücksbreite. Viel Hof blieb da nicht mehr übrig.


    Abb. 9: Blick von unten nach oben in die Fischstraße. Fischstraße 24 ist neben Nr. 16 bisher mein Lieblingshaus unter den Neubauten im Gründungsviertel, nur das Gesims über dem ersten Giebelgeschoss wirkt etwas arg wuchtig, vor allem im Spätnachmittagslicht.


    Abb. 10: Fischstraße 28 von der Vorderseite. Letzte Woche war die Plane vor dem Baugerüst noch vorhanden. Vermutlich wird auch dieses bald fallen. Man sieht auf jeden Fall schon die zu modern wirkenden und zu groß geratenen Fenster. Der Treppengiebel gefällt mir hingegen ganz gut, vor allem die Blendnischen neben und über dem einzigen Giebelfenster.

    In Braunschweig gab es ja auch viele Ecken, an denen der Wiederaufbau erst sehr spät erfolgte, da lagen ja bis in die Achtziger teils ganze Baublöcke brach, beispielsweise am Meinhardshof, zwischen Gülden- und Echternstraße oder an der Langen Straße - oder auch südlich der Brüdernkirche, wo bis heute ein ganzer Baublock nach wie vor als Parkplatz genutzt wird (zwischen Altem Zeughof und Kannengießerstraße). Diese späteren Lückenschließlungen haben meines Erachtens vor allem den Nachteil, das oft ein einziger Investor den ganzen Baublock überplant hat und dann entsprechend großvolumig und monoton gebaut wurde.


    Und da von Beginn des Wiederaufbaus an ausschließlich die autogerechte Stadt im Zentrum der Überlegungen stand, wurden überdimensionale Verkehrsschneisen durch die Stadt gezogen, die sich wohl auch nie mehr reparieren lassen, zumal auch (fast?) alle Grundstücke in den völlig zerstörten Bereichen umgelegt wurden, sodass dort bis auf einzelne Solitärbauten (Kirchen, Neustadtrathaus, die erwähnte Kemenate an der Hagenbrücke, die jedoch völlig ohne Bezug am Rande der Straße statt im Hinterhof steht) nichts mehr an die Vorkriegsbebauung erinnert. Der Wollmarkt und der Platz an der Alten Waage sind da ja sogar noch positiv hervorzuheben, da sie zwar von langweiliger Fünfziger-Jahre-Architektur begrenzt werden, diese aber wenigstens noch relativ kleinteilig ist und die beiden Plätze auch in etwa ihre alte Dimension behalten haben.

    Mit dem "Knusperstil" meinte der Autor wahrscheinlich die Neubauten des Michaelishofs, auf dem Bild rechts der Kirche zu sehen, die Ende der 70er / Anfang der 80er gebaut wurden und mehrere handwerklich durchaus hochwertige Fachwerkbauten umfassen. Wobei ich nicht weiß, inwiefern die Fassaden nur vorgehängt sind. Teilweise weisen sie sogar sehr skurrile Details auf, zum Beispiel Fächerrosetten mit DM-Stücken im Zentrum. Hab jetzt auf die Schnelle leider keine Abbildungen davon gefunden und sie bei meinem letzten Braunschweigbesuch vor mittlerweile elf Jahren auch nicht abgelichtet.
    Damals war ich aber doch positiv überrascht, gerade von den Traditionsinseln. Als ich 2002/03 mal ein Jahr in Braunschweig gelebt habe, empfand ich das als ziemlich trostlos. Allerdings wohnte ich damals in der Wilhelmstraße im Hagen, die von einem Sammelsurium an grässlichsten Bauten der 50er bis 70er Jahre (und auch ein paar Neubauten, beispielweise an der Neuen Knochenhauerstraße) geprägt ist. Gerade hier in den nördlichen Teilen des Zentrums stimmt die Kritik am Wiederaufbau zweifellos, die Neustadt und den Hagen könnte man bis auf die Kirchen und einige wenige gerettete Bauten oder Bauteile (Kemenate Hagenbrücke und natürlich die grandiose Alte Waage) komplett abreißen und neu überplanen. Aber im Zentrum um den Altstadtmarkt, den Kohlmarkt, den Sack und den Burgplatz sowie rund um die Traditionsinseln Michaelskirche im Südwesten sowie St. Ägidien und Magniviertel im Südosten bekommt man durchaus noch einen Einblick vom alten Braunschweig, und das nicht nur durch einzelne stehengebliebene Bauten, sondern tatsächlich durch mehr oder weniger intakte (oder nach dem Krieg durch umgesetzte Bauten ergänzte) Straßenzüge. Da könnte manch eine andere Stadt (z.B. Kiel oder Solingen, wo bis auf ein paar Gründerzeitler und zum Teil die Kirchen einfach nichts historisches mehr erhalten ist) neidisch werden.

    Das ist wieder so eine typische Aussage. Der Farbanschlag ist und bleibt eine sehr qualifizierte Sachbeschädigung und das ohne irgendwie auf irgendwelche angeblich "mittelalterliche Moralvorstellungen" zu reflektieren - selbst dann, wenn das Kirchengebäude "etwas dafür gekonnt" hätte - warum eigentlich nicht, schließlich ist es ja auch "mittelalterlich".

    Dass das den "AktivistInnen" ernsthaft schaden würde, halte ich angesichts der vorliegenden Reaktionen für gar nicht ausgemacht. Schon allein die vielfachen Konsensäußerungen gegen den "stehengebliebenen Pfarrer" sind letztlich ein Erfolg und dienen ihnen zur Kosolidierung eines Standpunktes, der seinerseits einmal durchaus als linksextremistisch bzw antichristlich angesehen worden ist.

    Als "antichristlich" würde ich eher das bezeichnen, was die St.-Martini-Gemeinde unter Vorsitz ihres Pastors betreibt. Predigt das Christentum nicht eigentlich Nächstenliebe, Miteinander und Fürsorge? Stattdessen betreibt der Pastor eher Spaltung: gegen Frauen, gegen (gelebte) Homosexualität, gegen Ökumene. Und es sind gewiss nicht nur linke oder "linksextremistische" Gruppierungen, die sich gegen die fundamentalistische Auslegung des Christentums seitens der Gemeinde positionieren. Inzwischen hat sich ja selbst die Bremische Evangelische Kirche gegen die Gemeinde positioniert (viel zu spät meines Erachtens und wahrscheinlich erst auf die massive öffentliche Kritik hin).


    Das Erschreckende ist vor allem, dass diese (vermeintlich) christliche Radikalisierung nicht in irgendeiner verschrobenen Baptisten- oder neuapostolischen Gemeinde stattfindet, sondern in einer der ältesten und traditionsreichsten Bremer Kirchengemeinden. Und dass das "Opfer" des Konflikts eben in diesem Falle das Kirchengebäude an sich ist, ist ärgerlich - aber andererseits muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen. Ein Farbanschlag verursacht natürlich unter Umständen hohe Reinigungskosten, aber das war ja kein Brandanschlag oder Bombenattentat. So etwa würde ich wirklich als Terrorismus bezeichnen.

    Wie Grimminger schon sagte, schadet ein Farbanschlag auf ein Gebäude dem Ansinnen der Aktivisten (oder hier wohl eher Aktivistinnen) mehr als dass es ihnen nutzt (außer sie handeln nach der Maxime, dass negative Publicity besser sei als gar keine). Das Kirchengebäude selbst kann schließlich nichts dafür, dass es eine Gemeinde mit mittelalterlichen Moralvorstellungen beherbergt - mit einem Pfarrer, der wohl noch ein paar Jahrhunderte früher stehengeblieben ist.