Posts by Maxileen

    Wirklich beeindruckend. In manchen Regionen (zum Beispiel in Franken) sind die historischen und die modernen Karten zwar nicht ganz deckungsgleich, aber in den meisten Ecken (Ruhrgebiet, Münsterland, Niedersachsen, Lübeck) passen sie perfekt. Gibt leider noch einige kleine Lücken (zum Beispiel meine alte lippische Heimat), aber man kann tatsächlich Stunden auf der Seite verbringen.

    Interessanterweise ist einer der weißen Flecken ja der Häuserzug der Breiten Straße direkt gegenüber dem Rathaus, zwischen Fleischhauer- und Hüxstraße, also mitten im Zentrum. Das liegt sicher zum einen daran, dass hier die Gründerzeit schon früh zugeschlagen hat und auch auf den ältesten Fotos der Zeit um 1860/70 fast ausschließlich Neubauten zu sehen sind, und zum anderen sicher auch daran, dass sich die frühen Fotografen eher auf das Rathaus als auf dessen Umgebung konzentriert haben.


    Gleiches gilt ja für den Karstadt-Block ein wenig weiter nördlich. Oder für einige der kleinen Querstraßen, so habe ich anlässlich meiner Grabung an der Ecke Fischergrube / Ellerbrook vor drei Jahren nach Fotos der Reihenhäuser im Ellerbrook gesucht, aber nur Fotos der noch stehenden Häuser gefunden. Der ganze restliche (kriegszerstörte) Straßenzug scheint entweder nicht fotografisch überliefert oder eventuelle Fotos zumindest nie publiziert worden zu sein.


    Aber insgesamt lassen sich sicher mindestens 90 Prozent der Lübecker Altstadt im Zustand um 1880 rekonstruieren, das ist schon eine gute Quote.

    Okay, das wusste ich nicht. Ich hatte die Infos aus dem Buch "Das Bürgerhaus in Schleswig-Holstein". Das hat natürlich schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel - und auf die oftmals komplexe Baugeschichte der vorgestellten Bauten scheint die Reihe generell wenig Rücksicht zu nehmen, das ist auch beim Lübeckband so.


    Möglicherweise sind ja auch die anderen von mir erwähnten Beispiele aus einer Translozierung der Giebel oder einem Ersatz ursprünglich backsteinerner Untergeschosse durch Fachwerk entstanden. So oder so scheint es ja keine gute Idee gewesen zu sein, einen Backsteingiebel auf eine Fachwerkschwelle zu setzen, wie auch der alte Zustand des Speichers aus Wöhrden zeigt.

    Ja, ich meinte die ganze Fassade, nicht nur das Giebeldreieck. Wobei mir tatsächlich vier Häuser in Schleswig-Holstein bekannt sind,bei denen ein Backsteingiebel auf einem Fachwerkgerüst sitzt (Papenstraße 2 und Süderstraße 18 in Meldorf, Schmiedestraße 24 in Wilster und als markantestes Beispiel - s. das Bild unten aus der Wikipedia - das Materialienhaus in der Hafenstraße in Wöhrden). Das sind aber allesamt Kleinhäuser, deren Giebel deutlich weniger Gewicht haben als das Beispiel aus Lübeck.


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    P.S.: Ja, ich weiß, ich komme vom eigentlichen Thema ab. :D

    Ich bin immer wieder beeindruckt von der Detailtreue, mit der du die Häuser nachbaust - hier sogar inklusive der Fassadenbeschriftungen. Die beiden Eckhäuser am Eingang zur Holstenstraße waren ohnehin eher ungewöhnlich, da Fachwerk bis auf wenige Ausnahmen fast nur an den Nebenstraßen oder in den Höfen (Ganghäuser, Seitenflügel, Rückgiebel) vorkam. Und das linke der beiden Gebäude war ja sogar ein Fachwerkhaus mit Backsteingiebel.

    Die beiden gründerzeitlichen Nachfolgebauten hatten den Stadteingang ursprünglich ebenfalls betont, da sie beide ein Ecktürmchen zur Holstenstraße aufwiesen. Das linke steht noch (sieht aber teilentstuckt aus), das rechte wurde durch eine 50er-Jahre-Rasterfassade ersetzt.

    Da ich seit einiger Zeit An der Untertrave grabe, komme ich momentan täglich durchs Gründungsviertel und habe gestern gleich ein paar Bilder von der frisch enthüllten Alfstraße 25 gemacht.





    Ich finde, in der Häuserreihe sticht das Haus durch seine dunkelrote Verklinkerung deutlich hervor, was mir durchaus gefällt. Die anderen Fassaden haben ja eher pastellige Töne. Auch der Giebel mit den kleinen Stufen gefällt mir durchaus. Lediglich die etwas zu hohen ungeteilten Fenster sind nicht so mein Geschmack, da hätte ich zweiflüglige Fenster schöner gefunden.


    Insgesamt aber zumindest von den Neubauten in der Alfstraße mein Favorit.

    Das älteste Fachwerkhaus der Stadt zu sein ist nicht weiter schwer, die Konkurrenz ist in Münster ja leider nicht mehr allzu groß. Aber ein schöner kompakter Film über die Bauforschung - und mal wieder ein Beleg dafür, was für eine reichhaltige Forschungsgrundlage auch äußerlich unscheinbare Häuser bieten können.

    Die Reihe "Einblicke" ist wirklich sehr empfehlenswert, zumal man die bisherig erschienenen fünf Bände alle als PDF auf der verlinkten Website herunterladen kann.

    Ich war auch fassungslos, als ich die Meldung gelesen habe. Zum einen, wie diese relativ kleine Baumasse 33,5 Millionen Euro verschlingen kann (vor allem, was wollen die darin ausstellen - es ist ja nicht so, als hätte es im alten Museum großartige originale Ausstellungsstücke gegeben - im Erdgeschoss befand sich neben dem Museumsladen eine reine Foto- und Textausstellung über die Familie Mann und im Obergeschoss die beiden inszenierten Buddenbrookräume und ein paar Dutzend "Buddenbrook"-Ausgaben in zig verschiedenen Sprachen - und dann gab es noch einen Raum für Sonderausstellungen, das war alles), und zum anderen, dass es laut CDU "kein Zurück mehr gibt". Die hätten doch einfach ihr Veto gegen die Planungen einlegen können, eine große Koalition bedeutet ja nicht, dass einer der beiden Partner immer Ja und Amen zu allem sagt, was der andere will.


    Und es müsste doch nach wie vor möglich sein, die UNESCO einzuschalten. Als damals die Königspassage geplant wurde, gab es auch Diskussionen mit der UNESCO und ob der drohenden Zerstörung mittelalterlicher Keller und Brandmauern die Androhung, Lübeck auf die rote Liste des bedrohten Welterbes zu setzen.


    Beim Keller von Mengstraße 6 sollte das doch ebenfalls möglich sein. Immerhin haben wir es hier mit einem der ältestens noch erhaltenen Keller der Stadt zu tun. Und es ist ja auch nicht so, dass es noch Dutzende von Gewölbekellern des 13. Jahrhunderts gäbe. Da haben die Gründerzeit und der Krieg schon für gesorgt.


    Darum hoffe ich wirklich, dass dieses Bürgerbegehren zustande kommt. Und dass unser Bürgermeister bei der nächsten Wahl die Quittung für sein Gebahren bekommt.

    Danke für die aktuellen Bilder. Ich finde es etwas schade, dass die Fassade von Fischstraße 13 letztendlich geschlämmt wurde, zumal man ja augenscheinlich altes Backsteinmaterial dafür verwendet hat. Wobei durch die Schlämme ja zumindest die Struktur der Backsteine erkennbar bleibt. Insgesamt gefällt mir die Fassade jedoch sehr gut, auch die stichbogigen Fenster und die breiten Fensterfaschen fügen sich gut ein.


    Seltsam finde ich nach wie vor, dass sich bei der Tiefgarage zwischen Fisch- und Braunstraße seit Monaten nichts getarnt hat. Besonders die einsame Tischkreissäge lässt die Baustelle so wirken, als wäre die Baufirma von einem auf den anderen Tag geflüchtet und hätte alles stehen und liegen lassen. Wobei sich der Bauherr dann doch ein anderes Bauunternehmen hätte suchen können - außer, es ist momentan keins aufzufinden, das Kapazizäten frei hat.


    Zur Umbauung der Marienkirche: Es war doch in den 2000ern sogar mal geplant, die Freifläche vor der Marienkirche am Schüsselbuden wieder aufzubauen, sogar eine Rekonstruktion der Kapelle Maria am Stegel (ich finde übrigens immer, dass der Name eher nach Süddeutschland klingt) war im Gespräch. Das hat sich dann aber glaube ich zerschlagen, nachdem die Marienkirchengemeinde beschlossen hat, das Marienwerkhaus als Gemeindezentrum zu sanieren und nicht zu verkaufen und neu zu bauen.


    Wobei sich doch für hochwertige Tiny Houses o.ä. am Schüsselbuden sicher Käufer finden würden. Hier gibt es einen schönen Artikel zur Kapelle Maria am Stegeln mit historischen Bildern, die zeigen, wie die Bebauung vor der Kirche um 1900 aussah: https://www.unser-luebeck.de/m…-vor-50-jahren-abgerissen

    Eine beeindruckende Arbeit (hab sie bislang allerdings nur überflogen, werde sie aber auf jeden Fall noch mal detaillierter lesen). Auf der Website der Uni Bamberg unter https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/2947 gibt's neben dem Textteil auch den Bildteil und einen zusätzlichen Katalogteil ganz offiziell zum Download.

    Genau das meinte ich mit geschlossen. In allen genannten Städten ist halt viel Bausubstanz erneuert worden, und wenn man sich alte Fotos (z.B. von Plön) ansieht, geschah dies auch oft erst in den Nachkriegsjahren. Die sind zwar meist nicht störend und in der Regel auch auf den alten Parzellen errichtet worden, aber haben dann eben doch sukzessive das alte Stadtbild verschwinden lassen. Eutin scheint da insgesamt besser durch die Wirtschaftswunderjahre gekommen zu sein.

    Sieht echt hübsch aus, da muss ich unbedingt mal Halt machen. Zumal ich von fast allen anderen Kleinstädten in Schleswig-Holstein bislang ziemlich enttäuscht war: Plön, Mölln, Ratzeburg und Neustadt haben alle kein wirklich geschlossenes Stadtbild mehr und haben allenfalls noch aufgrund ihrer Lage am Wasser und ihrer Kirchen gewissen Reiz. Lediglich Lauenburg und Friedrichstadt boten noch ein einigermaßen intaktes Stadtbild.

    Das Gute ist ja, egal was dort hinkommt, schlechter werden als der bestehende Bau kann es nicht - und wenn man ein Containerkonstrukt a la Musical Dome in Köln hinbauen würde.
    Ich hoffe wirklich, dass an diesem neuralgischen Punkt in Sichtweite des Holstentors der Gestaltungsbeirat von vornherein mit einbezogen wird - damit nicht noch mehr Allerweltsinvestorenarchitektur dabei herumkommt. Das, was die Procom bisher gebaut hat, sieht leider genau nach dem aus, was man an der Becker- und Fischergrube oder beim Herder Center bewundern darf.


    Im besagten LN-Artikel wird ein Procom-Berater mit den Worten zitiert: „Der Neubau sollte dem Holstentor nicht die Aufmerksamkeit entziehen – aber es qualitativ nicht entwerten.“ Das klingt ja erstmal positiv, zumal der Karstadt-Sports-Bau die Holstenstraße definitiv entwertet. Und wenn der Neubau ähnliche Grundsätze verfolgt wie die Neubauten im Gründungsviertel oder beispielsweise die 90er-Jahre-Bauten an der Fischergrube, welche ja auch von einem Investor in einem Zuge errichtet wurden, aber die historischen Parzellen zumindest optisch durch klar getrennte Fassaden wieder aufnehmen, dann wäre auf jeden Fall schon viel gewonnen.

    Danke für die schönen Fotos aus dem tatsächlich schönsten Büttel (deutlich schöner als Fuhls oder Bruns :D ). Ich war vor knapp zehn Jahren einmal dort und was mir damals wie auch jetzt wieder auf deinen Bildern besonders auffiel waren die zahlreichen historistischen Bauten, die sich deutlich an den lokalen Fachwerkbauten orientieren.


    Außerdem hat Wolfenbüttel meiner Meinung nach eine der schönsten Renaissancekirchen Deutschlands zu bieten.

    Die Gänge in Lübeck sind wirklich etwas einzigartiges (und das schreibe ich nicht nur deshalb, weil ich seit Anfang des Jahres selbst in einem Ganghaus wohne ;) ), was in der Menge auch keine andere deutsche Stadt zu bieten hat. Oder zumindest nicht mehr, denn Hamburg hatte früher eine ähnliche oder sogar noch höhere Dichte an Gängen, wovon ja leider nur noch Rudimente erhalten sind.

    Lübeck aber hat trotz Krieg und Sanierungswellen noch immer um die 80 Gänge zu bieten, leider vielfach unsachgemäß saniert, aber in der Gesamtheit trotzdem noch beeindruckend. Ich wollte auch schon lange eine Galerie dazu aufmachen, zumal ich selbst bis heute nicht alle (frei zugänglichen) Gänge besichtigt und abgelichtet habe. Hoffentlich komme ich demnächst mal dazu.

    Was Lübecks Gesamtbild angeht: Ich war seitdem ich die Stadt das erste Mal auf einer Uniexkursion besichtigt habe, begeistert von der Dichte an alter Bausubstanz, insbesondere in den flächig erhaltenen Stadtquartieren auf der Ostseite der Altstadt, aber gleichzeitig auch schockiert von den starken Kontrasten in den Wiederaufbaugebieten. Touristen, die vom Bahnhof oder von den Busparkplätzen auf der Wallhalbinsel kommen, sehen zuerst das vom Verkehr umtoste Holstentor, gehen dann die grausige Holstenstraße hoch zum Markt, sehen gegenüber dem Rathaus Peek & Beclopptenburg, dann die 50er-Jahre-Breite-Straße, den völlig verwahrlosten Marienkirchhof, Karstadt, das Haerder Center - und würden wahrscheinlich am liebsten gleich wieder umdrehen.


    Die wirklich schönen und großflächig erhaltenen Stadtquartiere, also den Norden und Nordwesten rund um die Jakobikirche, den gesamten Osten (nur unterbrochen durch die Krähenstraße), den Südwesten zwischen Dom und Obertrave, nehmen zumindest die Touristen, die in großen Gruppen und nicht individuell durch die Stadt gehen, wahrscheinlich vielfach gar nicht wahr. Jedenfalls ist das mein Eindruck, wenn man mal beobachtet, wo sich die meisten Touristenströme lang bewegen. Dabei ist die Altstadt trotz der massiven Wunden, die ihr der Krieg und die Wirtschaftswunderjahre (und vorher auch schon die Gründerzeit) zugefügt haben, als "Gesamtorganismus" noch erstaunlich intakt, mit den Kaufmannshäusern in der unteren Mengstraße (früher auch im restlichen Gründungsviertel und rund um den Markt), den ehemaligen Klöstern, den fünf großen Kirchen (wenn auch leider durch die Kriegszerstörung eines großen Teils ihrer Ausstattung beraubt), dem Heiligen-Geist-Hospital, den Handwerkshäusern im Osten der Stadt, den Kleinhäusern in den Nebenstraßen und den Kleinsthäusern in den Gängen.


    Mir würde jedenfalls keine deutsche Stadt von dieser Größe einfallen, deren Geschichte - trotz der erwähnten Einschränkungen und Störungen - noch so gut am Baubestand ablesbar ist. Und da ist mein Metier, das archäologische Erbe, noch gar nicht mit einbezogen.

    Zumindest beim Hinterhaus scheint da ja nicht allzu viel übrig zu bleiben. Aber schön, dass man sich fachgerecht um das alte Haus kümmert, anderswo (zum Beispiel in Hiddessen - oder ein paar Häuser weiter bei Krumme Straße 21) würde man solche seit langem leerstehenden Denkmale rigoros abbrechen.

    Ein paar Aufnahmen aus Göttingen, Altstadt. Der Fachwerkbestand ist zwar natürlich beachtlich, doch manches empfand ich als ungepflegt, lieblos, sanierungsbedürftig. Hinzu kamen unpassende Brüche zu minderwertiger Nachkriegs-/Neubebauung. Von der Straßengestaltung incl. Möblierung reden wir erst gar nicht. Wenn man den inneren Bereich verließ, wurde es gleich etwas netter. Es mag aber sein, dass sich eine gewisse Tristess bei mir auch durch die Leere angesichts der Corona-Einschränkungen einstellte. In den außerhalb des Fachwerkkerns gelegenen Wohngebieten wurde der Unterschied zum Normalzustand eben nicht so deutlich.

    Es ist ein Weilchen her, dass ich zuletzt in Göttingen war, aber ich empfand die Stadt auch ohne Corona und trotz vielen Leuten auf den Straßen irgendwie schmuddelig. Und auch die Brüche durch Nachkriegsneu- und -umbauten fand ich teils recht heftig. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Kriegszerstörungen in Göttingen marginal waren und ein Großteil der Nachkriegsbauten nicht auf Kriegsbrachen, sondern anstelle abgerissener Altbauten errichtet wurde.


    Göttingen ist meines Wissens die einzige verbliebene Fachwerkgroßstadt Deutschlands und ich denke oft, dass Braunschweig heute vermutlich ähnlich aussehen würde, wenn es den Krieg überlebt hätte: Mit Karstädten und Kaufhöfen sowie einzelnen Flächensanierungen zwischen überwiegend geschlossenen Fachwerkzeilen. Wobei in Göttingen wohl die Überformungen in Barock und Klassizismus deutlich stärker waren als in Braunschweig.