Posts by SebastianS

    RMA, danke für die Auskunft (ich habe Deinen Namen falsch geschrieben, peinlich das :peinlich: ).


    Wenn Gerner das schreibt, dann hat er sicher recht als Fachmann und glaube auch gelernter Zimmermann. Trotzdem scheint es mir wenig einleuchtend: Wenn im Gebäude ein Brand ausbricht, also wie damals häufig das Feuer in der Küche durch Unachtsamkeit den hölzernen (kein Witz) Rauchfang in Brand setzt, frißt sich das Feuer seinen Weg von unten nach oben. Ein massives Erdgeschoß nützt da gar nichts. Über dem steinernen Erdgeschoß liegt ja die (auskragende) Holzbalkendecke. Die vernünftigste Variante wäre der Bau von steinernen Brandwänden zwischen den Häusern gewesen. Meine Vermutung ist, daß die Stadtväter aus Brandschutzgründen eine "Versteinerung" der Stadt anstrebten, und um die Leute langsam daran zu gewöhnen, mit einer Vorschrift für steinerne Erdgeschosse anfingen.


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    Interessant, darf ich mal die Quelle erfahren, aus der du das hast?


    Quelle: Baustelle. Ich habe seinerzeit als Zimmermann an einigen Fachwerkhäusern "herumgeschraubt", und dabei genügend verfaulte Fachwerkschwellen gesehen und auch bemerkt, daß gerade bei alten Fachwerkhäusern die erdgeschossige Fachwerkwand nicht mehr die originale ist. Der Grund ist einfach zu erklären: Bei historischen Fachwerkbauten liegt die Schwelle lose (!) auf dem Natursteinsockel. Die natürliche Grundfeuchte von Naturstein ist aber höher als die die von Bauholz. Folge ist, daß die Feuchtigkeit aus dem Naturstein (besonders bei Sandstein) in die Schwelle wandert, und die nun von unten her verfault und das Haus damit stückchenweise kleiner wird. Nadelholz ist nach 100 Jahren hin, Eiche aber ist da resistenter, und hält einiges länger. Wobei mir einfällt, daß ja in Hessen das Fachwerk überwiegend auch Eiche ist, und so faulende Schwellen nicht so das Problem sind.


    Übrigens war die Erfindung der Fachwerkschwelle ein bedeutender Fortschritt. Vorher hatte man die Fachwerkstiele in die Erde eingegraben (!). Die sind natürlich nach 15 Jahren durchgefault. Die alten Germanen wußten also, wie man sich Arbeit schafft :zwinkern: .

    Hallo RMH, willkommen im Forum!


    Ein sehr schönes Fachwerkhaus. Wie hat es denn den Krieg überstanden? Ich dachte, da wäre alles abgebrannt.


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    überkragende Fachwerkgeschosse auf einem (aus Gründen von Brandschutzvorschriften) Erdgeschoß aus Mainsandstein


    Die massiven Erdgeschosse vieler Fachwerkhäuser sind nicht auf Brandschutz zurückzuführen, sondern auf die Unsitte unserer Altvorderen, die ursprünglich vorhandene erdgeschossige Fachwerkwand nicht (wie konstruktiv sauber) auf einen Natursteinsockel (30 cm hoch) zu stellen, sondern auf Straßenniveau. Folge, da Holz und Wasser sich nicht vertragen: Die Fachwerkschwelle (das untere horizontale Holz einer Fachwerkwand) ist nach 50 Jahren zerstört und muß ersetzt werden. Wenn man das mehrmals machen mußte, ersetzt man das doch lieber durch eine massive Wand, was natürlich auch gediegener aussieht...

    Auch mir ist dieses Klammern an die Originalsubstanz durch unsere Denkmalpfleger schon öfters unangenehm aufgefallen (im Grunde eine materialistische Sicht der Welt). Gemäß dieser Logik müßten wir sagen: Alle Musiker und Sänger, die an der Uraufführung von Mozarts "Zauberflöte" beteiligt waren, sind längst mausetot; und auch die meisten Instrumente existieren nicht mehr. Da auch niemand die Uraufführung technisch aufgezeichnet hat (die Technik gabs damals natürlich noch nicht), hat Mozarts "Zauberflöte" aufgehört zu existieren und jeder, der sie anhand der Partitur wiederaufführt, betreibe "Verfälschung", "Betrug", "Disneyland" etc. Und überhaupt, ist es nicht völlig unzeitgemäß, barocke Musik aufzuführen? Schließlich fahren wir ja nicht mehr Kutsche oder dienen einem Feudalherren!


    Das Original ist doch die "Partitur", sprich der Baumeister- oder Architektenentwurf. Ansonsten läge doch das Recht des geistigen Eigentums beim Maurermeister und nicht beim Architekten!


    Der Bau wird ersonnen (kreative Leistung), und dann anhand der Pläne umgesetzt. Und das kann je nach ausführender Maurerkolonne völlig unterschiedlich sein, z.B. bei Natursteinmauerwerk. Die Ausführung ist also relativ beliebig, und damit replizierbar.


    Und so wie man noch heute historische Musik aufführen kann, kann man natürlich auch längst untergegangene Gebäude neu aufführen, sofern die "Partitur" (Pläne, Fotos etc.) noch vorhanden ist.


    Was mich an den Denkmalpflegern auch verwundert, ist, daß sie sich in die gegenwärtige Architekturdiskussion sosehr einmischen. Denkmalpflege möchte doch dokumentieren, was gebaut wurde. Würde ein Direktor eines Automobilmuseums heutigen Automobildesignern vorschreiben, wie ihr Design auszusehen hat oder wie es um nichts in der Welt aussehen darf, da "Vortäuschung", "Lüge", "Verwechslungsgefahr mit historischen Fahrzeugen" etc.? Interessant übrigens, daß es auch im Autodesign einen Retrotrend gibt.


    Ach ja, die Rekonstruktion des Knochenhaueramtshauses in Hildesheim ist jetzt über 30 Jahre alt, wie wäre es mit einer Diskussion unter Denkmalpflegern, dieses Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen (natürlich nicht als mittelalterliches Gebäude, sondern als eines der wichtigsten Rekonstruktionen der 80er Jahre - Stichworte: Denkmalschutzjahr, Wiederentdeckung der Altstadt, Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses, identitätsstiftendes Bauwerk)?

    Neues zum Aufbau des Schlosses: Die Humboldt-Box kommt 2007:


    http://www.berliner-schloss.de/start.php



    Schaun wir mal...

    @baukunst_nbg, betr. Pyramiden,


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    Kennt jemand noch mehr?


    Ja, hier im Schloßpark Wilhelmshöhe in Kassel gibt es eine Pyramide von 1775. Von mir heute morgen digital auf's Speichermedium gebannt (äh, früher nannte man das fotografieren :zwinkern: ), aber noch nicht heruntergeladen. Bei Interesse könnte ich die Bilder einstellen (falls sie was geworden sind).

    davila,


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    Echt ein Unding. Stimmann, Stimmann, das war kein Heldenstück!


    für dieses scheußliche Gebäude ist der Architekt, und nicht Hanns Stimmann, verantwortlich. Stimmann hat durch seine Vorgaben (alter Stadtgrundriß, altes Straßenprofil, alte Traufhöhe, altes Verhältnis von Wand und Öffnung) das Schlimmste verhindert. Aber offenbar kannte der zuständige Architekt nur die "transparente" und "demokratische" Vollverglasung, und sein erster Versuch einer massiven Fassade und Öffnungen ging dann daneben :? .


    snitch


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    "Es gibt eine Erotik der Schönheit, der auch der hartnäckigste Intellektuelle am Ende erliegt."


    Für mich der schönste Satz des Interviews, der auch in meinem Kopf hängengeblieben ist. Die Erotik der Schönheit - ein wunderschönes Konzept.


    @littlebunnyfoofoo


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    War gestern auch Unter den Linden und hab Fotos gemacht. Da war wohl jemand schneller als ich 8)


    Ich würde Deine Fotos trotzdem gern sehen, es sei denn, daß sie nahezu identisch mit den gezeigten wären. Also nur zu...

    Das Gruselkabinett des Doktor Caligari. Um Himmels Willen. Die Architektenschaft wollte offensichtlich unter Beweis stellen, daß es noch schlimmer als das TR geht. Kein einziger Entwurf, der auf den Kontext eingeht und Bezüge zur Altstadt herstellt (ein Giebeldach ist zwar der Anfang, reicht da aber einfach nicht aus), stattdessen Egotrips, die die Allgemeinheit hoffentlich nicht ertragen muß. Dann das TR doch besser erstmal erhalten bis die Zeiten vernünftiger werden... :(

    Danke Maxileen für die schönen Fotos. Ich hätte nicht gedacht, daß es in Bielefeld auch einiges Schöne zu sehen gibt.


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    Bei Interesse kann ich übrigens auch noch Fotoserien von den lippischen Städten Detmold, Bad Salzuflen, Blomberg, Barntrup und Horn zeigen (besonders die beiden ersteren haben viele schöne Fachwerkhäuser aus der Weserrenaissance).


    Halt Dich nur nicht zurück, gerade die Fachwerkstädte würden mich sehr interessieren.

    Hallo Maxileen, danke für die schönen Bilder. Lemgo ist eine der Städte, die ich schon eine Weile unter Mußt-du-unbedingt-mal-besuchen abgespeichert habe, aber aus unerfindlichen Gründen noch nicht dazu kam.


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    Mittelstraße 18: Obwohl man es dem Haus nicht ansieht (die Fassade wurde in den 1960ern erneuert) stammt es aus dem 17. Jahrhundert, das Hinterhaus sogar aus dem 16.:


    Das Haus ist ja schlimm entstellt. Wie kann man nur so kulturlos sein!


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    Westseite des Marktplatzes, mit damals hochgelobten Neubauten von 1976 neben einem ziemlich genau 200 Jahre älteren Fachwerkbau:


    Das Haus ist aus Sicht der 70er Jahre tatsächlich bemerkenswert. Da hat der Architekt Traufhöhe, Dachform, Dachneigung, Dachdeckung, Kleinteiligkeit, Massivbauweise etc. der Altbebauung übernommen, statt auf einen "kompromißlos modernen", "kontrastierenden", "den Charakter unserer Zeit ausdrückenden" etc. Egotrip auf Kosten der Altstadt zu gehen. Soweit ich mich erinnere, hat man damals dort nicht nur neugebaut, sondern gleichzeitig einige Altbauten saniert.


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    Mittelstraße 73-79 (rechts), Sparkassenneubau von 1997-2002, der sich natürlich an die Gestaltungssatzungen des Stadtkerns (Giebelständigkeit, Einhalten der Baufluchten) hält:


    Na, noch jemand der angesichts der Häßlichkeit unserer Städte ab und zu ins Sarkastische abgleitet? Willkommen im Club :zwinkern: !

    Danke spacecowboy für diese guten Meldungen. Ich hatte schon befürchtet, in Leipzig wird nur noch abgerissen. Besonders um das zweite Haus mit seiner detailreichen Natursteinfassade (heute unbezahlbar!) wäre es sehr schade gewesen. Den Investoren kann man nur die Daumen drücken.

    memet, die Leute, die aus gutem Grund die Originalteile vergraben haben, waren alles andere als krank (im Gegensatz zu vielen ihren Zeitgenossen). Ansonsten wären diese Teile längst auf einer Deponie gelandet. Man kann den "Vergrabern" nur danken, daß sie auf diese originelle Art und Weise einen Teil der Originalsubstanz für zukünftige Generationen erhalten haben (und diese werden es ihnen danken!).


    Was mich daran erinnert, daß in der DDR der 80er Jahre einige Verantwortliche gepflasterte Straßen haben unauffällig überasphaltieren lassen, um zu verhindern, daß das Pflaster herausgerissen und Richtung Westen verkauft wird...


    Die wirklichen Helden sind schnell vergessen...

    Historischer Tag für Braunschweig
    OB setzt Sandsteinquader beim Nachbau der historischen Fassade

    Die Rekonstruktionsarbeiten an der Fassade des ehemaligen Residenzschlosses, in dem die Städtischen Bibliotheken, das Stadtarchiv und andere besucherintensive Kultureinrichtungen der Stadt untergebracht werden, haben jetzt begonnen und sollen bis August abgeschlossen sein. Beim Nachbau der historischen Fassade werden etwa 550 Originalteile eingefügt, die nach dem 1960 erfolgten Abriss des alten Welfenschlosses zur Wiederverwendung am Madamenweg vergraben worden waren.


    ...


    Die Naturstein-Bauteile aus der Originalfassade, die von den Sächsischen Sandsteinwerken in Pirna aufgearbeitet wurden, reichen vom einfachen Mauerquader über Gebälk- und Bogensteine bis zu Säulen, Kapitellen und figürlichen Reliefs.


    ...


    Ganzer Text hier:
    http://www.presse-service.de/static/63/631829.html


    Kommentar: So schnell kann's gehen, wenn man denn nur will (und keine Bremser an Bord hat).

    Mal ein Blick über den nationalen Tellerrand; auch in anderen Ländern tut sich was:


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    More Blocks to be Demolished in Southern Italy
    Call for Traditional Proposals for Vacant Sites


    The last two blocks part of the Punta Perotti modernist development of Bari, southern Italy, are to be demolished on the 23rd and 24th of April. Punta Perotti, described by architects and local officials as a failure, will finally disappear. In the southern part of Italy there are a number of similar developments, which will follow the same scenario. After the blocks will be demolished the sites will be open to proposals for new developments.


    A call for proposals for future developments has been launched through "Cities of Stone" exhibition, which will be part of the Venice Architecture Biennale 2006. Cities of Stone is being organised by INTBAU College of Traditional Practitioners' member, Professor Claudio D'Amato and tells the story of those cities which were "constructed organically in stone, until the decline of structural concepts based on load bearing walls decreed the end of the (critical and constructive) fortune of this material."


    Ganzer Text (mit Bild weiter unten) hier:
    http://www.intbau.org/news.htm#ProgettoSud180406


    Es gibt viel zu tun, reißen wir's ab :zwinkern: .

    Hallo, Booni, eine von den vier Bahnsteigüberdachungen wird gerade abgerissen, die anderen bleiben vorerst erhalten.


    Der Bahnhof ist im Moment ein ziemlich formloses Sammelsurium aus gründerzeitlichem und 50ziger-Jahren Durchschnittseinerlei.

    Irgendwie geht mir der Abriß des PdR zu langsam. Wenn man auf die Website des DHM geht (Webcam), hat man irgerndwie den Eindruck, daß die Abrißfirma mit zwei Mitarbeitern und einer stumpfen Eisensäge am Ort präsent ist, und der Baukran offensichtlich nur dazu dient, um Bierkästen auf das Dach zu befördern. Wird hier jede Schraube liebevoll entschraubt und anschließend denkmalpfegerisch archiviert?


    Hier in Kassel wird gerade im Hauptbahnhof eine Bahnsteigüberdachung abgerissen, und da geht es ratz fatz (die Bilder spar ich Euch lieber, sehr schöne Eisennietkonstruktion von ca. 1900, da kriegt vielleicht jemand das Heulen), aber der Umbau für die Regiotram bringt neues Leben in den alten Hauptbahnhof, der seit des Ausbaus von Kassel-Wilhelmshöhe zu ICE-Bahnhof brach liegt.