Posts by Antiquitus

    Ja, wir ignorieren das bisweilen, weil die ganz großen Städte alle mehr oder wenig kaputt sind. Aber in der Größe gibt's noch ein bisschen was - wenngleich auch schon oft vorsätzlich verdorben.

    Jetzt hatte ich tatsächlich gerade eine kleine, vermutlich eher unerfreuliche, Erleuchtung. Ich dachte nämlich bislang, alle Fenster am Eckbau seien gekoppelt (was mir persönlich vermutlich besser gefallen wird - aber mal abwarten).
    Deshalb bin ich auch über dieses Bild gestolpert:


    Aber stimmt schon, bei genauem Blick auf die Zeichnungen hätte man/ich sehen können, dass die Fenster zur FK hin nicht gekoppelt sind.


    Warum die zwei Fassaden wohl diesen Unterscheid haben?

    Quote from "Philon"

    Ich denk, das greift zu kurz. Die Argumentationslinie der Reko-Gegner läuft nicht auf den von dir skizzierten Schienen ab, sondern auf folgenden Schienen (die alle nur Varianten desselben Arguments sind):


    Ich denke, du hast Recht, dass es viel schwieriger ist als ich dachte. Ich will es trotzdem ansatzweise versuchen. Aber so richtig überzeugend wird's wohl nicht werden.


    Quote

    1.) "Wer rekonstruiert, versucht sich 'die deutsche Geschichte' (auch so ein Konstrukt, das nur funktioniert, wenn man 'die deutsche Geschichte' so liest, als würde es sich um die Biographie einer Person handeln), also mithin seine eigene, schön zu reden. 'Die deutsche Nation' hat aber die NS-Verbrechen begangen. Es ist also unmoralisch und verhöhnt die Opfer des NS, sich die 'eigene Geschichte' durch Rekonstruktionen zu harmonisieren, als wäre der NS nicht gewesen. Die Sehnsucht nach einer heilen Geschichte ist unmoralisch, weil unehrlich, quasi gebaute Holocaustleugnung."


    Ein solche Argumentation funktioniert höchstens für Gebäude, deren Ruinen noch stehen bzw. der Verlust klar präsent und auf den 2. WK beziehbar ist. Ein Gebäude, dass es einfach nicht mehr gibt, hat für den Betrachter und Bürger keinen Bezug zum NS, und wenn es wieder da ist, genauso wenig. Wie sollte überhaupt ein normaler Bürger einen Bezug zwischen einem Gebäude und den Verbrechen des NS herstellen können. Wer so etwas behauptet, kann höchstens rein subjektiv vorbringen, das seine persönliche Emotion das nahe legt. Aber mehr nicht.
    Es gibt keinen moralischen Nutzen durch ein fehlendes Gebäude. Wenn überhaupt, dann könnte eine Rekonstruktion zur Versöhnung mit den alten Kriegsgegnern führen, aber bestimmt nicht zu einer mit den NS-Verbrechen.
    Wie man es auch dreht und wendet, es fehlt der klare und objektive Bezug zu den NS-Verbrechen. Einen Haufen Stein mit deutscher Schuld aufzuladen ist reiner Unsinn.


    Quote

    2.) "Der Bombenkrieg war die Folge des NS. Also war er verdient und folglich ist auch die Zerstörung unserer steingewordenen Geschichte eine verdiente Strafe für 'die deutschen Verbrechen'. Wer rekonstruiert, entzieht sich dieser gerechten Strafe, die über die deutsche Nation verhängt wurde. Und sich einer gerechten Strafe zu entziehen, ist unmoralisch."


    Selbst wenn es eine gerechte Strafe wäre, ist der Umstand, das originale Gebäude verloren zu haben, schon Strafe genug. Und es ist eine ewige Strafe, denn das originale Gebäude wird es nie mehr wieder geben. Eine Rekonstruktion tangiert diesen Verlust der Originalsubstanz nicht. Wir können uns der Strafe nicht entziehen, auch nicht durch Rekonstruktion.


    Quote

    3.) "Der Holocaust war ein beispielloser Zivilisationsbruch. In seiner Folge wurden die deutschen Städte zerstört, von denen dieser Zivilisationsbruch ausgegangen ist. Die Zerstörung der deutschen Vergangenheit dokumentiert also den beispiellosen Zivilisationsbruch des NS und muß daher aus Pietät gegenüber den Opfern konserviert werden. Deshalb darf nicht rekonstruiert werden, weil damit der Bruch gekittet und verleugnet würde."


    Da was dagegen zu sagen, ohne die Prämissen anzugreifen, ist schwierig. Vielleicht könnte man was gegen diesen vagen Begriff des "Bruches" sagen. Fällt mir spontan aber auch nichts ein.

    Quote from "Steffen Kaufmann"




    Was ist das denn??? :gg:
    Meine Güte!
    Sollte ich irgendwann nach einer durchzechten Nacht mein Hirn total verloren haben, hoffentlich schaffe ich es dann gerade noch, ein Schild mit "Meine Mutti soll mit mir spielen und nicht im Stau stehen!!" zu pinseln. ;)
    Ich sag nur: :daumenoben:

    Quote

    Also, wenn der Diskurs auf der Basis vorschneller Distanzierungs- und Bußrituale stattfinden soll, statt den Schuldkult als Machtinstrument offensiv zu entlarven, kann man sich meiner Meinung nach eine solche Diskussion schenken. Die Analyse der Schuldideologie ist nur tiefgehend durchzuführen. Hierzu bedarf es keiner Abwehrrituale, die in der "Systemlogik" verharren.


    Jede Gesellschaft bzw. Medienlandschaft hat Regeln, in denen Auseinandersetzungen statttfinden. Die Regeln mag man nun gut oder schlecht finden, das spielt keine Rolle. Wenn du dich an die Regeln, in deinem Duktus die "Systemlogik", nicht anpassen willst, dann wird es zu keiner Argumentation kommen, und dir bleibt als einzige Alternative bei Demos einschlägiger Randgruppen mitzulaufen.
    Oder aber, du lässt dich auf die Regeln ein, akzeptierst gewisse Distanzierungs- und Bußrituale. Dann kommt es zur Diskussion, und du kannst hoffen, den einen oder anderen zu überzeugen.
    Das herrschende Regelsystem schert sich nicht darum, ob du oder meinetwegen sogar Zehntausende nicht mitmachen. Wer nun antwortet, dann bräuchte man halt mehr als nur Zehntausende, der verlässt die Ebene, auf der ich bereit bin zu diskutieren. Denn jedwedes Pseudo-Revoluzzer-Gehabe ist mir ein Ekel.

    Quote

    Ich denke nur, das Problem besteht gerade darin, dass solche "Argumente" leider unterbewußt wirken.


    Das Problem nun am Unbewussten ist, dass es unbewusst ist. Wer sich auf auf das Unbewusste einlässt, landet sehr schnell in einer Pseudowissenschaft, deren Fundament bloße Spekulation ist. Ich nehme an, deine Hoffnung ist, dass eine gezielte bewusst wahrgenommene Argumentation gegen solche wirren Vorstellungen bei den meisten Leuten rückwirkt auf die konträren unterbewussten Einstellungen. Nun, vielleicht geht das, ich habe allerdings so meine Zweifel.
    Nehmen wir z.B. die Feuilleton-Szene, wo die Idee einer kollektiven Erbschuld besonders wüst grassiert. Die meisten Schreiberlinge dort dürften schon mit Argumentationen gegen solche Konstruktionen in Berührung gekommen sein - und hat es was genutzt?
    Mag sein, dass im Falle von Rekonstruktionen (die ja z.B. nichts mit dem sakrosankten Thema Juden zu tun haben; außer in antideutschen oder linksradikalen Kreisen wird wohl keiner annehmen, dass wer für Rekos ist, deshalb auch gegen Juden ist) die Offenheit größer ist. Zweifel sind aber erlaubt.


    Worauf ich mit meiner Entkoppelung von Prämissen und Jetzt hinaus wollte, ist Folgendes. Anstatt die Prämissen im Dunstkreis des Schuldkultes als solche, d.h. in ihrem Wahrheitsgehalt anzugreifen, könnte es schlauer sein, zu zeigen, dass selbst wenn sie stimmten, sie trotzdem keinen Einfluss auf ein Entscheidung pro Reko hätten. Glaubt denn wirklich einer, die Frage Reko ja/nein hätte Einfluss auf eine angenommene kollektive Erbschuld? Wenn ja, welchen denn?
    Wenn es eine Schuld gäbe, würde sie durch eine Rekonstruktion vermindert? Sind NS-Verbrechen nun kleinere Verbrechen, weil wir die Frauenkirche rekonstruiert haben? Werden sie noch kleinere Verbrechen, wenn wir das Berliner Schloss rekonstruieren? Würden wir alles im Krieg Verlorene rekonstruieren, wären die Verbrechen dann egalisiert?


    Als nächstes würde ein "Erbschuldtheoretiker" vermutlich auf den Faktor Erinnerung übergehen. Die Zerstörung soll uns mahnen. Aber wie sollte sie uns mahnen? Entweder wir kennen die Verbrechen, dann kennen wir sie und brauchen keine zusätzliche Mahnung. Oder wir kennen sie nicht, dann erlangen wir aber auch kein Wissen über sie, nur weil irgendwo ein Gebäude fehlt.


    Das waren jetzt nur unvollständige Skizzen einer Argumentation, sollten aber ungefähr die Richtung andeuten, was ich meinte.


    Quote

    Ich habe es gar nicht nötig, mich von Rechtsextremen zu distanzieren, weil allein die Idee, meine Überlegungen könnten rechtsextrem sein, so absurd ist, daß sie allein auf den zurückfällt, der sie äußert.


    Ach, du weißt doch selbst wie Medien und Politik funktionieren. Das wird nicht klappen. Notfalls dreht man dir die Worte eben im Mund herum. Wer hierzulande versucht, auch nur indirekt zu einem positiven Ergebnis zu kommen, wenn eine der Prämissen die NS-Zeit ist, der darf sich auf massenhaft mediale Hiebe freuen. Und wenn du argumentierst, dass die NS-Verbrechen kein Argument gegen Rekos sind, dann hast du genau eine solche positive Konklusion aus eine Menge von Prämissen, unter denen eine in der NS-Zeit verortet ist, gezogen.


    Ich will dir dein Engagement nicht ausreden. Es wäre richtig und wichtig, aber wenn, dann wappne dich vorher sehr, sehr gut. ;)

    Die Schwarzpläne sind eine super Sache. Da hat die Stadt Berlin mal Geld sinnvoll ausgegeben. Leider sind sie auch ziemlich deprimierend.
    Dieser Stadtplan, den ich vor einigen Jahren entdeckte, war mit ein Grund, mich für mehr Rekos und trad. Arch. zu begeistern.
    Einfach mal auf "Kriegszerstörung und Abriss" gehen. Erschreckend zu sehen, wie wenig Historisches noch steht.


    PS: Das Video in deiner Sig ist ja richtig klasse! :gg:

    Hm, an sich eine gute Sache - leider habe ich aber in gewissem Sinn eine Lichterallergie. Ich überlege es mir noch, ob ich die Allergie zu diesem besonderen Anlass überwinde. Zeit müsste ich haben. Wird ja wohl auch nicht allzu lange gehen.

    Tja, der deutsche Geist liebt das Extreme: Vom Herrscher über alle Gegenden in der Welt, zum Schuldigen für alles Schlechte in der Welt. ;)
    Vermutlich hast du recht, dass im eher intellektuellen Milieu der Schuldkult (neben Zwangsmodernismus) maßgeblich ist für die Ablehnung von Rekonstruktionen (und u.U. auch für die von traditioneller Architektur). Trotzdem bleibt das Eisen ziemlich heiß und ich garantiere dir, dass wenn du die Diskussion so angehst, du plötzlich 90% deiner Energie für Rechtfertigungen aufbringen wirst müssen: Nein, ich bin kein Nazi; nein, ich verharmlose keine NS-Gräuel; nein, ich stelle mich nicht zu denen in den Ecken, die ähnliche Thesen haben; usw. usf. ad infinitum. Deshalb stellt sich schon die Frage, ob der Versuch einer Beseitigung oder wenigstens Linderung dieser geistigen und emotionalen Irrungen und Wirrungen wirklich zielführend ist. Vielleicht kann man eine Linderung in ganz, ganz schwachen Dosen versuchen - aber eben immer mit dem beschriebenen Risiko, dass Sacharbeit durch andauernden Erklärungsdruck nahezu unmöglich wird.


    Da du nun im Besitz dieser guten Textsammlung bist, stellt sich mir eher die Frage: Wie können wir konkret mit dieser sinnvoll etwas anfangen? Welchen Umfang hat sie denn eigentlich? Könntest du nicht viell. einen zusammenfassenden Artikel daraus machen, zumal du ja durch die vielen anregenden Zitate reichlich Vorlagen hast? Solche Dinge lassen sich aber dann vermutlich an anderer Stelle besser bereden.


    Wie ich oben schon angedeutet habe, scheint mir ein direktes Angehen der Ursachen für zu problematisch. Man könnte höchstens versuchen, nachzuweisen, dass die Argumentation im Jetzt nicht sonderlich schlüssig ist, ohne sich dabei auf die Wahrheit bzw. Falschheit der Prämissen zu stürzen. Hierbei wäre der Rechtfertigungsdruck wohl deutlich geringer.

    Quote from "Philon"

    Vielmehr scheint sie mir für viele nur ein beliebiger Kristallisationspunkt zu sein, an dem sich ihre ganze Frustrationen über die Dresdner Kommunalpolitik und die vermeintlich bornierten Dresdner niederschlagen.


    Mal davon abgesehen, dass ich dir inhaltlich Recht gebe.


    OFFTOPIC: Klingt deine Metapher nur für mich schief oder ist die schief? Passt "Kristallisationspunkt" (was genau heißt hier Punkt?) zu "niederschlagen"? Ich meine, bei einer Kristallisation wächst etwas (der Beginn könnte der Punkt sein), niederschlagen tut sicher aber eher eine Flüssigkeit (bzw. ein Gas) bei einer Kondensation. Meintest du viell. Kondensationspunkt?

    Da stimme ich zu.
    Sicherlich ist die Kirche keine wirkliche Schönheit, aber schöner als vieles andere, das in FFM noch so herumsteht. Also dann doch lieber noch eine echte Nachkriegsbausünde abreißen als diese Kirche.

    Quote from "Alexander"

    Darin zeigt sich mal wieder, dass Exklusivität nicht ohne Bezug auf tradierte Werte und harmonische Proportionen erreicht werden kann. 8)


    Na, ob sich das wirklich zeigt? Vermutlich kann man Exklusivität auch anders erreichen - aber bei Exklusivität in Verbindung mit Schönheit, Akzeptanz und Dauerhaftigkeit wird's schwierig. ;)

    Quote from "Benni"

    Ich bin auch der Meinung, dass das Planschbecken dort fehl am Platze ist. Keine Frage! Aber es eben weg zubekommen, stelle ich mir schon recht schwer vor. Bäume gibts ja genug in der Umgebung und wird es auch im neuen Park geben. Aber Kinderfreibäder findet man nicht an jeder Ecke.


    Man würde es vermutlich nur dann halbwegs gewaltfrei wegbekommen, wenn es an anderer Stelle neu entstünde. Weiter nördlicher (Rosenthaler Platz oder Nordbahnhof) gäbe es Platz für ein Kinderbad.


    Ansonsten liegt das Schloss ja nicht nur an der Ornaienburger, sondern auch an der Museumsinsel. Und irgendwo muss ja die Grenze zwischen Kunst und Straßenstrich sein. ;)

    Ich bin mir da gar nicht so sicher, ob es noch so schrecklich viel wirklich Sehenswertes zu den Hohenzollern gibt. Zumal man ja auch nicht alles überall rausnehmen kann. Die Burg Hohenzollern selbst z.B. kann man ja nicht für ein Museum in Berlin leerräumen. Mal davon abgesehen, dass da ohnehin nicht viel Spektakuläres rumsteht.

    Quote

    Das hier im Forum bereits öfters gezeigte Haus Beethovenstraße 8 - ein Traum des Historismus


    Das denke ich mir auch immer wieder. An dem Gebäude stimmt einfach alles: Schmuck, Proportion, Material, Farbe, Gliederung, Plastizität etc. - es ist schlichtweg perfekt. Davon könnte man in jeder Stadt eine Kopie machen und in jeder Stadt wäre es ein Gewinn für eben diese. ;)