Posts by klingentor

    Quote from "Karasek"

    Kleine Anekdote am Rande: die Umgebinderegion Oberlausitz strebt auch eine Anerkennung als Weltkulturerbe an, was aber leider nichts werden wird weil man aus Dresden keinerlei Unterstützung bekommt. Offizielle Begründung: die Anerkennung als Unesco- Weltkulturerbe würde die wirtschaftlichen Enwicklungsmöglichkeiten zu sehr einschränken. Ach echt?! Als ob es bei uns welche gäbe... :lachen:


    Ja, wo kämen wir denn da hin? Welterbestatus für die Umgebinderegion, wo doch AMD in der Oberlausitz bestimmt mindestens 50 modernste Chipfabriken plant...


    Wann werden die Verantwortlichen verstehen, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen weichen Standortfaktoren und wirtschaftlicher Entwicklung gibt?
    Strikte Orientierung an kulturellen und baulichen Traditionen muss keinsfalls Musealisierung (wobei viele Städte selbst damit wirtschaftlich ganz gut fahren...)bedeuten, sondern sollte vielmehr Teil einer klugen Zukunftsstrategie sein.


    Im globalen Wettbewerb spielen bei Investitionsentscheidungen neben infrastrukturellen und förderpolitischen Parametern auch nicht messbare, sprich weiche Faktoren eine Rolle. Der Standort einer geplanten Investition muss eine nicht in Euro und Cent umrechenbare Attraktivität, eine gewissen "Sex-Appeal" besitzen.
    Ich bin überzeugt, dass der wirtschaftliche Erfolg Münchens und Oberbayerns in den letzten Jahren nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass mit der Stadt und ihrem Umland ein hohes Maß an Lebensqualität assoziiert wird: ein für eine deutsche Großstadt vergleichsweise schönes Stadtbild, Seen, Alpenidylle, Lebensart, Gemütlichkeit usw.
    Der Standort München ist gnadenlos teuer, aber erfolgreich.


    Dresden täte deshalb gut daran seinen Mythos (Marketingexperten würden hier vielleicht von Alleinstellungsmerkmal sprechen) zu pflegen und der Welt zumindest ansatzweise das zu geben, was diese von der Stadt erwartet: den Glamour einer sächsischen Barockmetropole.

    Zitat aus dem DNN-Artikel: "Und wie ist es mit anderen Kulturerbe-Denkmälern? Weil immer wieder diskutiert wurde, wie sich eine Aberkennung des Titels auf die Touristenströme aus dem Ausland auswirken würde, wollten wir wissen, welche Weltkulturerbe-Stätten die Dresdner denn umgekehrt im Ausland kennen. Fast zwei Drittel (60 Prozent) konnten nicht eines der 830 benennen, 20 Prozent gerade mal eines und weitere 20 Prozent mehrere. Die Bedeutung der Marke "Weltkulturerbe" scheint also eher begrenzt, wenn selbst von einem so kulturbeflissenes Völkchen wie den Dresdnern die Mehrheit kein einziges kennt. Die wenigsten glauben auch, dass es langfristig negative Folgen für Dresden geben würde, wenn nach dem Brückenbau der Titel weg ist


    Die Dresdner Wahrnehmung überrascht mich doch.
    Dass der UNESCO-Titel keinen Einfluss auf Touristenströme habe, ist Unsinn. Der Welterbetitel macht neugierig, das kann wohl nicht bestritten werden.
    Man sollte sich an der Elbe vielleicht mal die Besucherentwicklung in Maulbronn, Bamberg, Insel Reichenau etc. NACH Vergabe des Welterbetitels ansehen.


    Dresden überschätzt sich. Dresden lebt im wesentlichen vom eigenen Mythos.
    In der Realität stehen der Brühlschen Terasse, dem Zwinger und der Frauenkirche nämlich massenhaft Plattenbauten in der Prager Straße und Inneren Neustadt gegenüber
    Dresden sollte Kratzer am eigenen Image nicht leichtfertig hinnehmen. Und die Aberkennung des Welterbetitels wäre ein gewaltiger Schuss vor den Bug.

    Quote from "Johan"

    3 Ich schreibe nicht dieses Antwort weil ich finde Schweiz hässlich. Schweiz ist eine sehr schönes Land. Aber was mich ärgert ist die doppelte Blindheit, man sieht nur was schön in Schweiz und man sieht nur was hässlich in Deutschland.
    Ich finde dass du einfach übertreibst. Ich finde immer noch dass es gibt schöne ländliche Ecken in Deutschland gemischt mit auch superhässliche. Ich gebe auch zu dass die Deutschen echt eine komische art und wiese seine Häuser zu renovieren hat. Trotzdem sollen wir nicht übertrieben...


    :D
    Ich würde Dir ja nur zu gern folgen. Aber im direkten Vergleich (wie gesagt Grenzgebiet) schneidet Dtld. schlecht ab.
    Im übrigen sehe ich nicht alles schwarz, gerade bei kleinen und mittleren Städten schneideen wir wirklich nicht soo schlecht ab (man darf nur nie anfangen mit Italien zu vergleichen...) :D

    Quote from "memet"

    Ich habe gehört, dass aus dem Wilhelmspalais am Charlottenplatz demnächst die Stadtbücherei auszieht und man vorhat, das Gebäude zu sanieren. Da man in Stuttgart architektonisch ja total "hinter'm Mond" zu sein scheint, bin ich mir sicher, dass dort jeder neuzeitliche Schwachsinn vorgeschlagen wird, nur keine Reko. Weiß jemand der Stuttgarter Forums-Teilnehmer darüber Bescheid, was genau hier geplant ist?


    Im Wilhelmspalais, soll nach dem Auszug der dort derzeit ansässigen Stadtbücherei, ein Stuttgarter Stadtmuseum eingerichtet werden.
    Geplant ist das Ganze für 2010 bis 2012.
    Das Palais, das in seiner Außenfassade nach dem Krieg rekonstruiert wurde, soll innen umgebaut werden. Aussage des Stuttgarter Technikbürgermeisters:
    "Eine Erweiterung des denkmalgeschützten Hauses komme allerdings nicht in Betracht".
    Übersetzung: derzeit noch kein lichtdurchfluteter Glasanbau geplant.


    Aber: das ganze Projekt hängt ohnehin davon ab, ob das ganze Projekt Stuttgart 21 zustande kommt.


    Aktuelle Infos zum Thema Stadtbücherei/Stadtmuseum Wilhelmspalais:


    http://www.stuttgarter-zeitung…z/page/detail.php/1211594

    Quote from "Johan"

    Aber trotzdem, klingentor, ich finde das dein Beschreibung von Frankreich und Schweiz einfach ein bisschen Naiv ist. Bei dir hört es an dass die Hölle und Himmel....Schwarz und Weiss....zum biespiel viele Dörfer in Schweiz sind von Industri geprägt und ist deswegen überhaupt nicht malerisch.


    Ja, sicher, die dörfer um Bodensee sind oft sehr schön....aber die sind ja auch nicht represäntativ...


    @Johan
    Du hast sicherlich dahingehend Recht, dass aufgrund der topographischen Situation der Schweiz, vor allem um die Ballungszenteren herum viele kleiner Orte stark industriell durchsetzt sind, aber ich finde selbst in diesen Ortschaften werden in puncto Baukultur gewisse Standards respektiert. Aber, es gibt aber zahlreiche Dörfer nicht nur an Bodensee und Hochrhein, sondern auch in der Ostschweiz (Appenzell!), in der Innerschweiz, im Welschland oder im Tessin, die einen Erhaltungsgrad aufweisen, der hierzulande seinsgleichen sucht.
    Man findet noch sehr viele erhaltene dörfliche Ensembles. Alte Türen, Fenster mit Fensterläden, Schindelverkleidungen etc werden bei der Renovierung erhalten.


    Was Frankreich angeht: viele innerfranzösische Dörfer wirken grau und trist (in Lothringen zum Teil richtig abweisen). Aber so einen bedinglosen Willen zum Traditionsbruch wie hier, habe ich dort nirgends gesehen.


    In Deutschland sind selbst in touristisch interessanten Gegenden z.B. in vielen Mittelgebirgsregionen die Orte bis zur Unkenntlichkeit "modernisiert "worden. (übrigens kann ich mir nicht vorstellen, dass es in Schweden auch nur annähernd so grausige Dörfer wie z.B. auf der Schwäbischen Alb gibt).

    Quote from "Johan"


    Ich habe trotzallem, viele hübsche Dörfer in Bayern und Franken gefunden. In Fränkische Schweiz, entlang Pegnitz zwischen Nürnberg und Bayreuth gibt es ein paar schöne dörfer im Fachwerkstil.


    Meinem Eindruck nach liegen in Franken Licht und Schatten dicht beieinander. Neben einigermaßen erträglichen Ortsbildern in Mittelfranken rund um Rothenburg, Feuchtwangen, Dinkelsbühl und im Raum Hassberge(wobei man auch hier manchmal mindestens ein Auge zudrücken muss), sind die Ortschaften beispielsweise rund um Bamberg und im Steigerwald kaum zu ertragen.

    Quote from "Antiquitus"


    Eigentlich müsste man doch meinen, dass das jedem auffällt, dass das nicht passt - aber da wundert man sich ja manchmal... ;)


    Es fällt wahrscheinlich auch vielen auf, nur haben sich die meisten damit abgefunden bzw. sind zu feige wider das Gerede vom "spannenden Kontrast zwischen Altem und Neuem" zu argumentieren.
    Und dann die Kosten, die Sachzwänge und überhaupt...

    Hier im Forum liegt der Fokus - wahrscheinlich zu Recht - auf Fragen rund um die städtische Baukultur.
    Dennoch finde es schade, dass der Aspekt der ländlichen Baukultur in Deutschland bisher fast gänzlich unbeleuchtet bleibt.
    Denn ich finde, dass sich in Deutschland gerade auf dem Land das ganze Drama der baulichen Nachkriegsentwicklung manifestiert.
    Durch deutsche Dörfer zu fahren ist für mich ein einziger ästhetischer Horror. Das Ausmaß an Respektlosigkeit gegenüber baulichen Traditionen, an Zerstörung von Kulturgut (dazu zähle ich auch Ortsbilder) durch Verschandelungen und Geschmacklosigkeiten aller Arten spottet jeder Beschreibung.


    Ich empfehle jedem mal an einem Tag mit dem Auto durchs ländliche deutsch-schweizerisch-französische Grenzgebiet zu fahren:


    In der Schweiz gepflegte Dorfhäuser und Höfe, die Ihr Alter nicht verleugnen. Bei der Renovierung wird auf den Erhalt der alten Türen, Fenster, Fensterläden geachtet. Alles in allem Sinn für historische Details.
    Moderne Gebäude werden in der Regel nicht mitten in den Ort geknallt.
    Gut, jetzt kann man sagen die Schweizer haben das Geld und können sich aufwändige denkmalgerechte Renovierungen leisten.
    OK, fahren wir weiter ins nicht ganz so steinreiche Elsaß:


    Die Dörfer (auch im Sundgau und nicht nur an der hypertouristischen Weinstraße bei Colmar) in aller Regel vorbildlich erhalten, die Orte strahlen patinösen Charme aus. Alles was ein gewachsenes Dorf ausmacht ist noch erlebbar. Und die Elsässer Neubaugebiete würden hierzulande sofort mit dem Disneyland-Verdikt belegt.


    Und dann über den Rhein nach Deutschland- es ist das Grauen!
    Gut, ein paar ordentlich erhaltene Fachwerkhäuser hie und da, die Kirche und das alte Rathaus auch noch da, aber sonst:
    Riffelglastüren, Kunststofffenster, Rollläden, Glasbausteine, Wintergärten, Eternitverkleidungen, 70er Jahre-EFHs und so weiter und so fort.


    Und das Schlimme: es sieht in ganz Deutschland so aus. Und hier greift der beliebte Verweis auf die Zerstörungen des 2. Weltkriegs nicht.
    Dörfer wie in der Schweiz und in Frankreich findet man hier allenfalls in Freilandmuseen.
    Wenn es hier in Deutschland viele schöne mittlere und kleinere Städte gibt- von den Dörfern kann man das definitiv nicht behaupten oder täusche ich mich da?
    Gibt es außer einigen Lichtblicken in Oberbayern Gegenden in Deutschland, wo man von einer einigermaßen intakten ländlichen Baukultur sprechen kann. Oder beschränkt sich das wirklich auf einige wenige Orte, die am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" teilnehmen? Warum wurden dörfliche Strukturen hier so nachhaltig zerstört? Gibt es Hoffnung?

    Quote from "Riegel"

    Wahrscheinlich hatten die Tübinger seit Jahrhunderten mit der Statik ihres Rathauses zu kämpfen, und somit dürfte eine Rekonstruktion der Sockelzone mit den ursprünglichen Materialien einiges Kopfzerbrechen bereiten!


    Vielen Dank für die Ausführungen. Sehr interessant. Eine originalgtreue Reko erscheint mir auch schwierig. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn man zumindest mal Überlegungen hinsichtlich ästhetisch befriedigenderen Lösungen anstellen würde.

    Quote from "Riegel"

    Wow, diese Bildergalerie! Ist auf Anhieb zu einem meiner Favoriten geworden! Ich war vor ein paar Jahren in dieser Stadt, als ich in den Raum Stuttgart fuhr, um die totale Sonnenfinsternis zu erleben. Stuttgart hat sich damals zu einem riesigen Stadtfest gerüstet, welches ja komplet ins Wasser fiel, aber zum Glück befand ich mich in Bad Urach (Umgebung Stuttgart), wo man dieses Spektakel vollends erleben konnte. Urach ist ja eine kleine Stadt, in welcher sehr viel Fachwerk freigelegt worden ist; im Verhältnis zum gesamten Baubestand sicher die Hälfte.


    Zur Freilegung von Fachwerk: Ich denke hier gilt es auch zu berücksichtigen, aus welcher Epoche die jeweiligen Gebäude stammen. Meins Wissens waren viele Fachwerkgebäude ab dem 18. Jhdt. nicht mehr als Sichtfachwerk gedacht (Zeitgeschmack, Brandschutz etc.) . Ich bin zwar kein Denkmalsschutzdogmatiker, aber man sollte Fachwerk deshalb nicht um jeden Preis freilegen.


    Rothenburg o.T. scheint mir im Kern keine Fachwerkstadt par excellence zu sein. Viele Steinhäuser, eher weniger Fachwerk.

    Quote from "BautzenFan"

    Hallo Klingentor,
    für mich ist Tübingen eine der schönsten Städte in Deutschland, danke für die Fotos. Einer der ganz, ganz wenigen Wermutstropfen: die Betonarkaden an dem herrlichen Rathaus (auf deinem Foto charmant verdeckt). Ist das eigentlich ein Thema, hier mal den Vorkriegszustand zu rekonstruieren? Weiß jemand etwas über den diesbezüglichen Dokumentationsstand?


    Über Rekonstruktionspläne der Säulen ist mir nichts bekannt.
    Soviel ich weiss, wurden die mittelalterlichen Pfeiler aus Holz bereits bei der Renovierung im 19. Jahrhundert durch Sandsteinsäulen ersetzt (wer weiss hier mehr darüber?) Also die Wiederherstellung dieses Zustand dürfte doch wohl nicht so aufwändig sein.

    Als Neuling verfolge ich nun seit 'ner Weile mit großem Interesse die Diskussionen in diesem Forum. Dachte schon' ich wäre der Einizge auf der Welt, der auf Rekos und eher traditionelle Architektursprache steht. Nun, da hat man es im architektonisch reichlich verhunzten Großraum Stuttgart natürlich ziemlich schwer. Ein Lichtblick: Tübingen. Die Stadt beeindruckt vor allem als stätdtebauliches Ensemble, eher weniger durch sensationelle, kunsthistorisch herausragende Einzelbauwerke.
    Und Tübingen verbreitet - mehr als Heidelberg - den romantischen alterümlichen Charme einer alten Studentenstadt.
    Hier ein paar Eindrücke(aufgenommen gestern am 29.07.2006):


    Superromantisch und beeindruckend ist das Panorama der Altstadt von der Neckarinsel aus gesehen:








    Die gute Stube der Stadt, der Marktplatz mit dem Rathaus:





    In den Hauptgassen der Altstadt verputztes und unverputztes Fachwerk bis zum Abwinken:






    Rund um die Stiftskirche:





    Das evangelische Stift:





    In der ganzen Stadt finden sich altehrwürdige Unigebäude:




    Am liebsten mag ich die engen, steilen, verwinkelten, manchmal fast mediterranen Gassen mit vielen schönen Ein- und Ausblicken:




























    Hie und da durchziehen Kanäle die Stadt:




    Blick von der Neckarbrücke zu den Verbindungshäusern:



    Altstadtblick von der Burg aus (ich will keine Illusionen zerstören, aber es gibt von dort aus natürlich auch genügend Neubau- und Gewerbegebiete zu sehen, irgendwann ist mal Schluss mit romantisch :-)


    Und zum Abschluss noch ein paar romantische Blicke auf die Burg:




    Alles in allem hat Tübingen eine der charmantesten, altertümlichsten Innenstädte, die ich in Süddeutschland kenne, natürlich findet man dort leider auch immer wieder solche, in Westdeutschland offenbar unvermeidlichen ästhetischen Grausamkeiten (fehlende Sprossen und Fensterläden, Riffelglastüren, Rauhputz etc.)...




    ...allerdings fällt mir auf, dass in letzter Zeit sehr viel saniert wird und bei der Restaurierung solche Zumutungen behoben werden. Es wird in aller Regel denkmalgerecht saniert und modernistische Auf- und Anbauten unterlassen.
    Generell gibt es in der Tübinger Altstadt keine groben Bausünden (es sind wie gesagt eher die kleinen störenden nicht-denkmalgerechten Details). Die modernen "Architekturjuwelen" finden sich zum Glück am Rande der Altstadt bzw. außerhalb.


    Richtig schlimm finde ich nur, dass seit der Modernisierung des Rathauses in den 60er oder 70er Jahren das Rathaus auf Pfeilern aus Sichtbeton steht, nicht wirklich entstellend, aber sehr unschön. Hier sollte doch eine ansehnlichere Lösung möglich sein: