Posts by klingentor

    Quote from "Heidelzwerg"

    So stellt man sich in Heidelberg übrigens momentan altstadtgerechtes Bauen vor: Das ist wohlgemerkt gegenüber der Jesuitenkirche:


    http://www.detail.de/artikel_heidelberg-haus-der-begegnung_23501_De.htm\r
    http://www.detail.de/artikel_heidelberg ... 501_De.htm


    ein weiterer Platz in der Altstadt versaut!
    "Der Entwurf beweist ein hohes Maß an Angemessenheit gegenüber der brisanten Altstadtsituation"
    :augenrollen:


    Das ist ja alles nur noch pervers, was in Heidelberg passiert! Ich fasse es nicht! Ausgerechnet die Stadt, die international derart im Fokus des Tourismus steht und als Symbol der romantischen deutschen Stadt gilt.
    Der Abriss, diese jämmerliche Kiste gegenüber der Jesuitenkirche. Das ist alles ein Alptraum.
    Allerdings verstehe ich nicht, warum es gegen diesen Irrsinn keinen bürgerlichen Widerstand gibt.

    Das Argument der Transparenz ist so hohl, dass es einfach nur weh tut! Warum muss ein Gebäude transparent sein , ergo im wesentlichen aus Glas bestehen? Damit man hineinschauen kann, ok.
    Und dann sieht man überall dasselbe: Büromöbel in Grau- und Schwarztönen, Papierstapel, Gummibäume, Menschen in Kostüm, Anzug oder Casual-Look, PC-Kabelgewirr allerorten.
    Und was lernen wir daraus? In Büros gibt es Büromöbel in Grau- und Schwarztönen, Papierstapel, Gummibäume, Menschen in Kostüm, Anzug oder Casual-Look, PC-Kabelgewirr allerorten.


    Und unser modernistisches Feuilleton vermutet nun im undurchsichtigen Luxemburger Justizpalast Folterkeller und Guillotine oder was?


    ...das mit der Initiative ist vielleicht gar keine gar keine schlechte Idee, zur Zeit gäbe es sogar einen konkreten Aufhänger, und zwar der Stuttgarter Karlsplatz.
    Zur Situation: der Platz bildet mit dem Alten Waisenhaus, Altem Schloß der historischen Markthalle (für mich eigentlich eine der Top-Sehenswürdigkeiten in dieser Stadt) und dem ehemaligen Hotel Silber ein nahezu geschlossenes Ensemble, das zur Zeit lediglich durch den 50er Jahre- Bau des Innenministeriums gestört wird.
    Das Land plant ohnehin diesen Standort aufzugeben und der Bau soll abgerissen werden. Es wäre also an dieser Stelle ohne großen Aufwand (entweder durch eine Reko oder einen New-Urbanism Bau) möglich, eine innerstädtische Wunde zu heilen.
    Nun will aber der Investor Breuninger an dieser Stelle sein Projekt "Da Vinci" realisieren. Abgerissen wird dann nicht nur das Innenministerium, sondrn auch noch das Ex-Hotel Silber. Wenn die Pläne auch nur annähernd wie geplant verwirklicht werden, ist das sowohl von den Dimensionen als Auch der ästhetischen Wirkung ein städtebaulicher Bombenangriff und der Karlsplatz wäre ruiniert.
    (Visualisierung und Infos zu den Plänen hier:


    http://www.stuttgarter-zeitung…nd-land-hand-in-hand.html


    http://www.stuttgarter-zeitung…se-bleibt-umstritten.html


    Eigentlich müsste man jetzt massiv an die Öffentlichkeit gehen mit der Zielsetzung "Erhalt bzw. Wiederherstellung des Karlsplatzes als historisches Ensemble" Mann, die Gelegenheit wäre so günstig, da ist ohnehin ein Abriss geplant, und hier könnte man sogar mit vergleichsweise wenig Geld wenigstens eine Wunde heilen...

    Die zentrale Veranstaltung zum Tag des Denkmals hier in Esslingen war ein voller Erfolg. Extrem gut besucht. Was allerdings auffällt: es ist fast ausschließlich die Generation 60+ vertreten. Dass sich 20-jährige vielleicht noch nicht dafür nicht interessieren, kann ich ja noch verstehen, dass aber auch die Generation 25-50 durch Desinteresse glänzt, macht mir etwas Sorgen.
    Bei jedem noch so albernen zeitgenössischen Event hier im Stuttgarter Glaskubus strömen die Jüngeren in Scharen.

    Ich denke das hat verschiedene Ursachen, u.a. glaube ich, dass eine im Nachkriegswestdeutschland ausgebildete und sozialisierte Architektenschaft im Westen stärker mit den kommunalen Entscheidungsträgern verbandelt und verfilzt ist und deshalb fast jeder modernistische Quatsch durchsetzbar ist.


    Darüber hinaus wird im Westen eine Attitüde der Coolness und Pseudo-Weltläufigkeit gepflegt, was sich auch in architektonischem „Posing“ äußert. Jeder Kubus ist dann irgendwie „stylish“, meint man.


    Dann ist auch viel Ideologie im Spiel: Rekos im Osten werden auch von den westlichen Meinugsführern eher akzeptiert, gewisermaßen als Wiedergutmachung bzw. als späte Rache an der SED. Jede Ost-Platte war eine kommunistische Unrechtstat.
    Der westdeutsche Beton-Brutalismus dagegen war demokratisch und fortschrittlich.

    Quote from "DrZott"

    Ich habe mich als originaler Leipziger mal durch dieses Thema gearbeitet. Meine Stuttgart-Erfahrungen decken sich mit den Ihrigen. Als Leipziger, der auf seinen täglichen Wegen grundsätzlich durch teilweise vollständig erhaltene Altbaugebiete kommt, frage ich mich, mit welchen ästhetischen Empfindungen man Stuttgart im Alltag erlebt.


    ...man befindet sich in einem Zustand permanenter Fassungslosigkeit und Verzweiflung ob all dieser Hässlichkeit und träumt von Leipzig... :zwinkern:


    Das Schlimmste ist, dass die meisten hier das alles überhaupt nicht problematisch oder hässlich finden. Man hat sich arrangiert, zumal es in der Umgebung noch wesentlich Hässlicheres gibt: Pforzheim und Heilbronn.
    Zuweilen ist zu lesen, der Schlossplatz sei einer der schönsten Plätze Europas!

    In meiner Kindheit und Jugend war das Seehotel (links im Bild) noch eine freistehende Villa mit viele Grün drumherum.
    Dann wurde irgendwann in den 80ern ein postmodernes Hotel erbaut (keine Offenbarung, aber man konnte es ertragen) , diese wurde abgerissen und nun steht an dessen Stelle in dieser schönen Lage am See dieses optische Krebsgeschwür, dass die Ästhetik und die Proportionen über alle Gebühr sprengt.
    Ein paar Meter weiter wurde übrigens eine Wohnanlage im selben Stil errichtet. Brutalmodernismen in 1a-Lage.

    Quote from "Johan"

    Ich denke wie viele früher dass die jüngere Generation die oft hier in die Forum vertreten sind, sind wenig starr und schätzen wieder Handarbeit und Tradition. Die ältere Menschen haben aber ein mehr verkrampfte Bezieuhung zu Handarbeit, Tradition und vor allem Qualität.


    Ich glaube so einfach lässt sich im Hinblick auf die Generationen nicht schwarz-weiß malen.
    In Architektenkreisen haben naturgemäß derzeit sicherlich noch die reiferen 68er-Jahrgänge das Sagen, darunter viele modernistische Ideologen und Betonköpfe.
    Auf der anderen Seite sind beispielsweise die Gebrüder Patzschke aber auch keine 30 mehr und es gibt viele junge Architekten, die außer modernistisch nix können und wollen.
    Ansonsten habe ich eher den Eindruck, dass traditionelle, klassische Ästhetik eher bei Älteren Zuspruch findet (bei entsprechenden Ausstellungen oder am Tag des Denkmals sind die allermeisten Besucher meist weit jenseits der 50).
    Jüngere fahren m. E. dafür auf alles ab, was in irgendeiner Form einen Event darstellt oder hip ist und da liegt Sichtbeton-Style immer noch stärker im Trend als der Neumarkt.

    [quote="Stefanius.......... Ich glaube in Dresden wird man noch einiges bewegen können, spätestens wenn der Einbruch der Touristenzahlen signifikant wird. Wartets ab.. dieser Weg wird Steinig sein.......[/quote]
    Der Schuss könnte aber auch noch hinten los gehen. Das Argument wird dann lauten: trotz des ganzen Reko-Kulissenzaubers am Neumarkt sinken die Touristenzahlen, also Schluss damit , das kostet bloß Geld und bringt nix...

    Quote from "Stefanius"

    @ uaj36


    Wenn ich diesen Strang verfolge frage ich mich manchmal wie gut einige Dresden überhaupt kennen. 6 Gebäude ?? Also bei vielen richtigen Argumenten gibt es in Dresden so viele Sehenswürdigkeiten, das man garantiert nicht an einem Tag durch ist. Allein die Schlösser und Palais beindrucken immer wieder Leute welche ich durch die Stadt führe.
    Wer Dresden auf das Elb Panorama und den Neustädter Markt reduziert, hat mit verlaub keine Ahnung davon was die Stadt noch zu bieten hat.


    Dresden hat ein hochinteressantes Umland (Schlösser, Meißen, Pirna, Bautzen, Görlitz) absolut spektakuläre Einzelbauwerke, Museen, die weltweit in der ersten Liga spielen, aber dann...?
    Himmel und Hölle liegen hier dicht beieinander. Man muss erstmal Stunden in einem Museum abtauchen um den Schock der Prager Str. zu verdauen. Und hinterm Zwinger, nun ja auch nicht gerade Barock zum Träumen.
    Als gelegnetlicher Dresden-Besucher scheint mir die Reparatur der inneren Neustadt absolute Priorität zu haben. Eine ansehnliche Verbindung zwischen der lebendigen äußeren Neustadt und dem Dresden der Monumente würde der Stadt soviel an Qualität geben. Und zwar in erster Linie den Dresdnern und nicht nur den Touristen.




    Mein Eindruck als gelegntlicher Dreddner